Kultur und Bildung in der Stadt:
Die Kultur ist vor allem von China beeinflusst. Traditionelle Feste sind das Drachenbootfest im Herbst und das Chinesische Neujahrsfest. Durch seinen Film- und Volksmusikindustrie sowie die großen Buch- und Zeitschriftenverlage ist Hongkong weltweit zu einer Quelle moderner chinesischer Volkskultur geworden.
Die Grund- und Mittelschulausbildung ist in Hongkong kostenlos, wobei die allgemeine Schulpflicht nur bis zum 15. Lebensjahr besteht.
Danach folgt die zweijährige Sekundarstufe II, auf die ca. Drei Viertel der Jugendlichen gehen. Zurück in die Vergangenheit:
Da Großbritannien im ersten Opiumkrieg Hongkong Island erobert hatte und im zweiten (1856-1860) noch die Insel Kowloon hinzukam, wurden von britischer Seite um 1898 die New Territories und die verbleibenden 230 kleinen Inseln für 99 Jahre gepachtet. Mit diesem Zug hatte England nicht nur die Macht über ganz Hongkong, sondern konnte auch der Ausdehnung der Franzosen in Südostasien entgegenwirken. Der Pachtvertrag ist 1997 ausgelaufen und Hongkong wurde wieder an China zurückgegeben.
Vor 1842 war das Gebiet um Hongkong nur spärlich besiedelt. Bis es hundert Jahre später von Japan angegriffen wurde, war es von weltpolitischen Ereignissen nur sehr wenig berührt worden. Ein Bürgerkrieg trieb 1927 viele Flüchtlinge nach Hongkong. Doch der Höhepunkt der Flüchtlingswelle wurde aber erst 1949 erreicht. Geflohene Industriefirmen- Besitzer trugen zum wirtschaftlichen Aufschwung Hongkongs bei. Wirtschaftzentrum Hongkong:
Mit einem Bruttosozialprodukt von 24 085 US-$ pro Kopf und einem Wirtschaftswachstum von 6% jährlich steht Hongkong nach den USA, der Schweiz und Singapur weltweit an vierter Stelle.
Es verdankt seinen wirtschaftlichen Aufstieg und seine Handelsaktivitäten dem Opium. Nach dem Sieg Großbritanniens über China, im ersten Opiumkrieg, musste dieses nach einem Vertrag und einem zusätzlichen Abkommen 1843 Hongkong Island an England abtreten, eine Entschädigung zahlen und fünf Häfen für den britischen Handel öffnen. Zudem unterstellte der Vertrag britische Bürger in China britischer Rechtsprechung. Der Opiumkrieg bedeutete den Beginn der Abhängigkeit Chinas von wirtschaftlichen Interessen europäischer Staaten.
Bis 1940 war der Hafen der wichtigste Wirtschaftsfaktor, verbunden mit Schiffbau und Fischerei welche einer der bedeutendsten Erwerbszweige ist, jährlich werden bis zu 220 000 Tonnen Fisch gefangen von denen der größte Teil exportiert wird. Später kam es zu einen Wirtschaftsboom in Hongkong, der besonders von der Leichtindustrie- Textilien, Kunststoffe und Maschinen- getragen wurde. Eine wichtige Rolle für die Wirtschaft spielten und spielen auch der Im- und Export mit China. Etwa drei Viertel des chinesischen Exports werden über Hongkong abgewickelt.
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In der Mitte der 90er Jahre waren 2,85 Millionen Menschen in Hongkong berufstätig, allein ca. 57% wurden in der Industrie beschäftigt.
Nur 7% der Fläche Hongkongs werden landwirtschaftlich genutzt, die meisten in den New Territories.
Weitere bedeutende Geldquellen sind die Finanzdienstleistungen und der Tourismus, der in den letzten Jahren von 1 auf 10 (!) Millionen Besucher jährlich explodiert ist, was vielleicht durch die Anwesenheit östlicher und westlicher Kulturen und den vielen Freizeitmöglichkeiten zu erklären ist.
Hongkong ist in seiner Versorgung mit Nahrungsmitteln, Energie und vor allem Wasser auf China angewiesen. Eine Selbstversorgung ist unmöglich. Politik vor der Übergabe:
Hongkong war von 1843 bis 1997 unter britischer Herrschaft und mit Abstand eine der wichtigsten Kronkolonien Großbritanniens.
Das Staatsoberhaupt, Königin Elizabeth II. von Großbritannien und Nordirland wurde seit dem 9.7.1992 von Chris Patten vertreten. Er war der Regierungschef des Vollzugsrates, welcher sich aus dem Kommandeur der britischen Streitkräfte in Hongkong, dem politischen Berater, dem Generalstaatsanwalt, dem Finanzsekretär und 15 weiteren ausgewählten Vertretern zusammen setzte. Der Gesetzgebende Rat (Legislative) bestand aus 60 Abgeordneten, von denen nur rund 20 von der Bevölkerung gewählt wurden. Politische Mitbestimmung hatten die teils von der Bevölkerung gewählten, teils von der Verwaltung bestimmten Ratsmitglieder. Die Politik nach der Übergabe:
Nach der Übergabe war Hongkong eine Sonderverwaltungszone der VR China. Es hatte einen hohen Grad an Selbstständigkeit, so behielt es zum Beispiel die gesetzgebende (Legislative), vollziehende (Executive) und richterliche (Judikative) Gewalt. Im Grundgesetz heißt es, dass das bisherige Kapitalistische System und seine Lebensweise auf 50 Jahre hinaus unverändert bleiben soll. Die Inselgruppe darf seine Gelder und die Steuereinnahmen für sich behalten und auch der eigene Gerichtshof existiert weiter.
Neben Kantonesisch bleibt Englisch weiterhin die Amtssprache. Auch garantiert ein Artikel im Grundgesetz die Presse- und Versammlungsfreiheit sowie das Streikrecht. Hongkong wird jedoch nicht für die Außen- und Sicherheitspolitik zuständig sein. Der erste Regierungchef nach der Übernahme war der chinafreundliche und gewissenhafte Großreeder Tung Chee-hwa. Die Bewohner Hongkongs waren mit seiner Wahl beruhigt, wozu auch die Übernahme der 23 Spitzenbeamten, die schon unter Patten beschäftigt waren beitrug.
Auch Chinesische Versuche die politischen Errungenschaften der letzten Jahre wieder rückgängig zu machen, sorgten für Aufregung.
So traf zum Beispiel der Volkskongress in Peking die Entscheidung 14 Hongkonger Gesetze ganz und 10 teilweise aufzuheben und dem Menschenrechtskatalog ( Bills of Rights) keinen Vorrang mehr zu gewähren. Großbritannien sieht durch diese Maßnahmen den Vertrag von 1984 verletzt, China jedoch glaubt ihn dadurch nicht berührt.
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Was die Zukunft bringt:
Wie sich Hongkong nach 1997 politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich entwickeln würde war nur schwer vorauszusehen. In dieser Zeit stellte man sich die Frage was die VR China mit dem zurückgewonnenen Gebiet anfangen würde. Im großen und ganzen waren drei Szenarien vorstellbar:
Erstens: China hält sich an die gemeinsame Erklärung von 1984.
Zweitens: Es besetzt die Regierung, den Gesetztesgebenen Rat, die Verwaltung und die Justiz mit Leuten eigener Wahl und übt starken Einfluss auf die Wirtschaft aus. Drittens: China fährt einen deutlich härteren Kurs, indem es die Meinungs- und Versammlungsfreiheit unterdrückt und nicht Fügige verhaftet. Im Notfall würde es auch das Militär hinzuziehen.
Tatsächlich trat aber das erste Szenario ein. China hat auf jeden Fall von dem aufblühenden Hongkong profitiert, denn das BSP. Hongkongs beträgt immerhin 20% der Wertschöpfung ganz Chinas. 40% der Auslandsinvestitionen der letzten 15 Jahre kamen aus Hongkong, das in der VR der Inventor Nummer eins ist. Allerdings hat es sich bei den günstigen politischen Voraussetzungen schwer getan, seine Rolle als Wirtschaftsmacht in Asien weiter auszubauen. Gründe hierfür sind die hohen Lohnkosten, ebenso die relativ hohe Inflationsrate sowie die Büromieten und Grundstückspreise. Die Zahl der Arbeitslosen steigt zudem ständig, da viele Arbeitsplätze ins billigere Südchina verlegt werden.
Konkurrenten wie Singapur, Südkorea, Taiwan und auch Thailand machen es Hongkong auch nicht gerade leichter. Außerdem mangelt es an hochqualifizierten Führungskräften und Facharbeitern und der Hightechindustrie.
In der Zukunft könnten weitere Probleme hinzukommen, wenn sich Die VR seiner neuen Sonderverwaltungszone gegenüber unklug verhält: Vor allem die Zunahme von Korruption und die Ausbreitung der mafiaähnlichen Banden, hier Triaden genannt, könnten die Wirtschaft schwächen.
Wie wird sich die Regierung in Peking verhalten? Die Signale sind zwiespältig: Die Ernennung des Reeders Tung Chee-hwa etwa wird als positives Zeichen gesehen. Die Aufhebung von Gesetzen, die Ankündigung, die Entwertung des Menschenrechtsstatuts Hongkongs, die Androhung den gewählten Gesetzgebenden Rat aufzulösen, und die Warnung an die Presse, chinesische Politiker nicht scharf anzugreifen, weisen auf eine deutlich härtere Gangart der Regierung in Peking hin.
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Arbeit zitieren:
Jula Nassar, 2000, HongKong, München, GRIN Verlag GmbH
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