INHALTSVERZEICHNIS
1 GEGENSTAND DER KLINISCHEN PSYCHOLOGIE 5
1.1 FACHDEFINITION 5
2 GEGENSTAND DER PSYCHIATRIE 5
3 AUSBILDUNG KLINISCHE PSYCHOLOGIE 6
3.1 AUSBILDUNGSZIELE 7
3.2 RAHMENBEDINGUNGEN 7
3.3 PERSÖNLICHE BEDINGUNGEN 7
4 HISTORISCHER ÜBERBLICK 8
4.1 STEINZEIT 8
4.2 ALTE SCHRIFTEN: GRIECHEN, JUDEN UND ÄGYPTER, DÄMONEN UND
EXORZISMUS 8
4.2.1 BEISPIELE FÜR PSYCHISCHE STÖRUNGEN IM ALTEN TESTAMENT 8
4.3 HIPPOKRATES 9
4.3 9
4.3.1 VERSCHIEDENE KRANKHEITSBILDER UND IHRE ERKLÄRUNG 9
4.3.2 THERAPIE BEI HIPPOKRATES 10
4.3.2 10
4.4 ASKLEPIADES (GESTORBEN 124 V. CHR.) 10
4.4 10
4.4.1 TÄUSCHUNG 10
4.4.2 HALLUZINATION 10
4.4.3 WAHN 10
4.5 ARETAEUS (ENDE DES 1.JH. NACH CHRISTUS) 11
4.5 11
4.6 GALEN (CA. 200 NACH CHRISTUS) 11
4.6 11
4.7 ISLAMISCHE LÄNDER 11
4.8 EUROPA IM MITTELALTER 11
4.8.1 EXORZISMUS 12
4.8.2 INQUISITION 12
4.8.2.1 Gegner des Exorzismus und der Inquisition 13
4.9 ABSOLUTISMUS, 17. UND 18. JAHRHUNDERT 14
5 ENTWICKLUNG DER KLINISCHEN PSYCHOLOGIE 1 15
2
6 ENTWICKLUNG DER KLINISCHEN PSYCHOLOGIE 2 16
6.1 STANDBEINE DER KLINISCHEN PSYCHOLOGIE 16
6.1.1 DIE PSYCHOANALYSE 16
6.1.2 DIE DIAGNOSTIK IM KLINISCHEN BEREICH 16
6.1.2.1 Binet/Simon mit ihrem Intelligenztest 16
6.1.2.1 16
6.1.2.2 Rorschachtest (psychoanalytisch) 16
6.1.2.3 TAT Der thematische Auffassungstest 16
6.1.2.4 Faktorenanalyse 16
6.2 VERÄNDERUNGEN IN DER NACHKRIEGSZEIT 17
6.2.1 ENTWICKLUNG PSYCHOLOGISCHER THERAPIEVERFAHREN 17
6.2.1.1 Carl Rogers 17
6.2.1.1 17
6.2.1.2 Anwendung von Ergebnissen der Lernpsychologie von Experimentalforschern 17
6.3 MODELLVORSTELLUNGEN PSYCHISCHER STÖRUNGEN 17
7 DAS KRANKHEITSPARADIGMA 18
7.1 DEFINITION VON KRANKHEIT UND GESUNDHEIT 18
7.2 KRANKHEITSKONZEPTE 18
7.2.1 DREITEILUNG DES KRANKHEITSKONZEPTS 19
7.2.2 ÄHNLICHE DREITEILUNG FÜR DAS KONZEPT DER GESUNDHEIT 19
7.2.3 MERKMALE DES GESUNDSEINS 20
7.2.4 KRANKHEITSPARADIGMEN 20
7.2.5 KRANKHEITSURSACHEN 21
7.2.6 GESUNDHEITSFÖRDERNDE FAKTOREN 21
7.2.7 FUNKTIONEN EINES KRANKHEITSPARADIGMAS 21
7.2.8 KRANKHEITSPARADIGMA ALS LEITFIGUR DER FORSCHUNG 22
7.2.9 ANWENDUNG DES KRANKHEITSPARADIGMAS AUF PSYCHISCHE STÖRUNGEN23
7.2.9.1 Abnorme Spielarten seelischen Wesens 24
7.2.9.2 Unterschiedliches Verständnis von Normalität 24
7.2.9.3 Folgen von Krankheiten und Mißbildungen 25
7.3 PSYCHISCHE STÖRUNGEN SIND KEINE KRANKHEITEN 25
7.3.1 LABELLING-ANSATZ 26
7.3.2 STÖRUNGSMODELL DER KLINISCH-PSYCHOLOGISCHEN FORSCHUNG
(VERHALTENSTHERAPIE) 26
7.3.3 HUMANISTISCHE PSYCHOLOGIE 27
7.3.4 ANTIPSYCHIATRIE 28
7.3.5 INTERPERSONELLE MODELLE 28
7.4SECHS GRUNDPOSITIONEN PSYCHISCHER STÖRUNGEN 29
8 NOSOLOGIE 30
8.1 KRAEPELINS EINTEILUNG DER SEELENSTÖRUNGEN (1920) 30
8.1 30
8.2 PRÄVALENZ UND INZIDENZRATE (JASPERS) 32
8.2 32
8.3 UNTERSCHIED ZWISCHEN "PSYCHOSEN" UND NICHT-PSYCHOTISCHEN
ST ÖRUNGEN 32
3
8.4 EIN VERGLEICH DER KATEGORISIERUNGEN BEI VERSCHIEDENEN
AUTOREN 33
8.4.1 EIN WEITERER VERGLEICH VON DIAGNOSENSTELLUNGEN USA UND UK 34
8.4.2 MÖGLICHE FEHLERQUELLEN BEI NICHTÜBEREINSTIMMUNG DER DIAGNOSEN35
8.5 KLASSIFIKATIONSSYSTEME 35
8.6 BEWERTUNG UND NORMEN 35
9 DS-MIV UND DS-MIII-R UND STANDARDISIERTE INTERVIEWS 36
9.1 BEISPIEL AUS DEM DS-MIV PANIKATTACKE 36
9.2 DS-MIV: GENERALISIERTE ANGSTSTÖRUNG 300.02 37
9.3 DS-MIII-R BEURTEILUNG DES SCHWEREGRADES 37
9.4 DIE ACHSEN DES DS-MIV 38
9.4.1 LISTE DER ZWEISTELLIGEN KATEGORIEN, F0-F9 39
9.4.2 BEISPIELE FÜR DIE AUFZEICHNUNG DER MULTIAXIALEN BEURTEILUNG NACH
DS -MIV 40
9.4.3 PROBLEME BEI DER ABGRENZUNG UNTERSCHIEDLICHER TYPEN VON
PSYCHISCHEN STÖRUNGEN 40
9.5 STANDARDISIERTE INTERVIEWS 40
9.5.1 VERLAUFSBEISPIEL DES CIDI (STANDARDISIERTES INTERVIEW) 42
9.6 SIND KLINISCHE DIAGNOSEN VALIDE? 42
9.6.1 EXPERIMENT 43
10 ÄTIOLOGIE 44
10.1 BEISPIEL: POSTTRAUMATISCHE BELASTUNGSSTÖRUNG 44
10.1.1 HAUPTKRITERIEN NACH DS-MIV 44
10.1.2 URSACHEN DER POSTTRAUMATISCHEN BELASTUNGSSTÖRUNG 44
10.1.3 ANSATZMODELLE BEI DER POSTTRAUMATISCHEN BELASTUNGSSTÖRUNG 45
10.1.4 THERAPIE BEI DER POSTTRAUMATISCHEN BELASTUNGSSTÖRUNG 47
10.2 PROTEKTIVE FAKTOREN BEI DER ENTWICKLUNG VON PSYCHISCHEN
ST ÖRUNGEN 47
10.3 AUFRECHTERHALTENDE BEDINGUNGEN BEI PSYCHISCHEN
ST ÖRUNGEN 47
10.3.1 VERHINDERUNG DER EXTINKTION 48
10.3.2 FEEDBACKSCHLEIFEN KÖNNEN ZUR AUFSCHAUKELUNG DER SYMPTOME
F ÜHREN. 48
10.3.2.1 Biochemische Aufschaukelungsprozesse: 48
10.3.2.2 Kognitiv-emotionale Aufschaukelung 48
10.3.2.3 Kognitives Modell der Emotionskontrolle 49
10.3.2.4 Motivational-volitionale Aufschaukelung 49
10.3.2.5 Psychologischer Störungsgewinn 50
10.3.2.6 Äußerer Störungsgewinn 50
10.3.2.7 Emotionsregulierende Interaktion (Soziale Verstärkung) 51
10.3.2.8 Soziale Etikettierung (Labeling) 51
10.3.2.9 Schaubild der Aufschaukelungsfaktoren 52
10.4 KONTINUUM VON NATÜRLICHEN SYSTEMEN 53
10.5 SCHLUßFOLGERUNGEN HYPOTHESEN FORSCHUNGSFRAGEN 53
4
1 GEGENSTAND DER KLINISCHEN PSYCHOLOGIE
1.1.1 FACHDEFINITION FACHDEFINITION
• Die klinische Psychologie ist ein Teilbereich der angewandten Psychologie und
beschäftigt sich vorwiegend mit psychischen Störungen, den Entstehungsbedingungen und der Modifikation solcher Störungen in Forschung, Lehre und Praxis und auch mit der Prävention.
• Erweitert beschäftigt sich die klinische Psychologie mit somatischen Krankheiten,
da z.B. die Psyche einen nachweisbaren Einfluß auf das Immunsystem hat
• Im DSM 4, einem allgemein anerkannten Klassifikationssystem für psychische
Störungen sind über 400 verschiedene Störungen einschließlich ihrer Symptomatik dokumentiert.
• Klinische Psychiatrie Ý • Klassifikation der psychischen Störungen (Nosologie)
• Allgemeine Psychopathologie Ý • Die allgemeinen Gesetzmäßigkeiten von
psychischen Störungen
• Biopsychiatrie Ý •Forschungsmethoden auf biologischer Basis (Neurotransmitter,
Psychopharmakalogie) • Sozialpsychiatrie Ý • Betonung der sozialen Ursachen • Kinder- und Jugendpsychiatrie
• Gerontopsychiatrie
• Forensische Psychiatrie
• Man kann also sagen, daß der Gegenstandsbereich der klinischen Psychologie und
der Psychiatrie derselbe ist, allerdings ist der Zugang oder die Annäherung an den Gegenstandsbereich verschieden.
5
3.1 3.1 AUSBILDUNGSZIELE AUSBILDUNGSZIELE
1. Psychodiagnostische Methoden
2. Methoden der psychologischen Intervention 3. Psychische Störungen
4. Gesundheitssystem und psychosoziale Versorgung 5. Personale Bedingungen klinisch-psychologischen Handelns 6. Evaluation des eigenen klinisch-psychologischen Handelns 7. Beurteilung von Forschungsliteratur
Genannte Ausbildungsziele beziehen sich auf das theoretische Wissen, die Methoden und Fertigkeiten als auch auf die praktische Anwendung.
3.2 3.2 RAHMENBEDINGUNGEN RAHMENBEDINGUNGEN
Auch die Rahmenbedingungen haben einen Einfluß auf die Ausbildung, Forschung und Praxis und somit auch auf die Psychotherapie.
Das Psychotherapeutengesetz, das dato noch nicht verabschiedet ist, wird einige der Bedingungen eventuell verbessern.
Wirtschaftliche und politische Bedingungen beeinflussen Ausbildung, Forschung und Praxis.
Schulte erzählte in dieser Sitzung noch viel über das Psychotherapeutengesetz. 3.3.3 PERSÖNLICHE BEDINGUN PERSÖNLICHE BEDINGUNGEN GEN
Die eigene Erfahrung, das eigene Wissen, die eigenen Interessen und auch eigene Störungen, Tabus, Abneigungen, Sympathien und Antipathien beeinflussen den Prozeß der Psychotherapie.
Der Therapeut sollte sich seiner eigenen Stärken und Schwächen bewußt sein, um nötigenfalls den Patienten zu einem anderen Therapeuten überweisen zu können.
7
4.1 4.1 STEINZEIT STEINZEIT
• Es gibt Hinweise darauf, daß schon die Steinzeitmenschen psychische Störungen
kannten. Es wurden Schädel gefunden, deren Schädeldecke geöffnet worden waren und die Heilungsspuren aufwiesen, so daß man sicher war der betroffene Mensch hatte überlebt Ý Schädelrepanation
• Man vermutet, daß der Schädel geöffnet wurde, um bösen Geistern einen Ausweg zu
geben. 4.2 4.2 ALTE SCHRIFTEN: GRIE ALTE SCHRIFTEN: GRIECHEN, JUDEN UND ÄGYP CHEN, JUDEN UND ÄGYPTER, TER, DÄMONEN UND EXORZISM DÄMONEN UND EXORZISMUS US
• Unerklärliches Verhalten von Menschen wurde durch Dämonen erklärt, die in die
Menschen gefahren sind.
• Aus dieser Art der Vorstellung (Dämonen) resultierte der Exorzismus durch Priester,
Zauberer, Medizinmänner, Schamanen usw.. Den Geistern und Dämonen mußte der Aufenthalt ungemütlich gemacht werden durch Gebete, Beschwörungen, Abführmittel (aus Schafskot und Wein z.B.)
• Frühe Berichte zeugen von zum Teil sehr humanen Formen von Exorzismus. In
Griechenland wurden die Kranken in einen Tempel gebracht, wo man dann mit Suggestionen in freundlicher, harmonischer Atmosphäre arbeitete. Die Leute wurden mit Theateraufführungen, Spaziergängen und Reiten beschäftigt. In sehr extremen Fällen wurden die Leute allerdings auch ausgepeitscht, an Ketten gelegt und mußten hungern.
• Bei den alten Griechen , in China und auch in Ägypten gab es keine Trennung
zwischen psychischen und körperlichen Krankheiten. • Jahrtausende lang glaubte man an Dämonen.
4.2.1 BEISPIELE FÜR PSYCHISCHE STÖRUNGEN IM ALTEN TESTAMENT • Jemand glaubte, er sei ein Wolf
• König Saul: Er litt an Depressionen und beauftragte einen Sklaven ihn zu töten. Der
tat es nicht. Zur Aufheiterung ließ er sich etwas auf der Laier vorspielen.
8
4.3 4.3 HIPPOKRATES HIPPOKRATES
• Mit Hippokrates (gestorben 377v.Chr.) fand eine entscheidende Veränderung statt.
• Er entwarf ein generelles Erklärungsmodell für Krankheit:
4.3.1 VERSCHIEDENE KRANKHEITSBILDER UND IHRE ERKLÄRUNG
• Hippokrates hat für einzelne Krankheiten die Mißverhältnisse der Körpersäfte genau
beschrieben.
• Verhaltensauffälligkeiten erklärte er z.B. durch eine übergroße Trockenheit des
Gehirns, welches er schon als zentrales Organ für intellektuelle Fähigkeiten ansah. • Er führte derartige Verhaltensauffälligkeiten also nicht mehr auf Geister und
Dämonen zurück.
• Unter Umständen wurden Krankheiten sogar als "Geschenk der Götter" betrachtet,
wie z.B. Epilepsie. Hippokrates aber erklärte diese Krankheit durch eine übergroße Feuchtigkeit des Gehirns.
• Die Tollwut war nach Hippokrates die verbreitetste geistige Krankheit. Bedroht sah
er sowohl Menschen, als auch Tiere. Er wußte, daß sie durch Bisse übertragen wird, nahm aber an, daß nur Menschen mit einer verschlechterten Atmung infolge von Trockenheit auch daran erkranken.
• Die Hysterie erklärte Hippokrates durch ein Herumwandern des Uterus im Körper.
Hier wird schon die sexuelle Ätiologie der Hysterie, die Freud aufgriff, deutlich.
9
4.3.2 THERAPIE BEI HIPPOKRATES
• Hippokrates empfahl ein ruhiges Leben, kein Alkohol, kein Fleisch, keine Exzesse
und Leibesübungen bis zur Ermüdung.
• Die Vernunft war für ihn das Maß aller Dinge und das größte Ziel war, die Vernunft
als solche zu erkennen. Die Leute sollten wieder zur Vernunft kommen. • Zusätzliche Maßnahmen, um die Körpersäfte wieder ins Gleichgewicht zu bringen,
waren z.B. Aderlaß und Medikamente.
• Hippokrates Ideen wurden in Griechenland und im Römischen Reich aufgegriffen. In
Alexandria wurde der Saturntempel eingerichtet, ein Sanatorium für Kranke. Dort feierte man, tanzte, ruderte auf dem Nil usw.. Des weiteren wurden Diäten verabreicht, Massagen, Hydrotherapie, Aderlaß, o.ä.. Bei Tobsuchtsanfällen wurde eine Zwangsjacke angelegt. 4.4.4 ASKLEPIADES ASKLEPIADES (GESTORBEN 124 V. C (GESTORBEN 124 V. CHR.) HR.)
• Er unterschied zwischen akuten und chronischen Krankheiten.
• Er war der Erfinder der Hängematte für Patienten. Sie sollte eine beruhigende
Schwingung vermitteln.
• Des weiteren unterschied er zwischen Täuschung, Halluzination und Wahn
4.4.1 TÄUSCHUNG
• Z.B. "Optische Täuschung". Eine entsprechende Reizgrundlage ist zwar vorhanden,
wird aber falsch wahrgenommen.
4.4.2 HALLUZINATION
• Wahrnehmung ohne entsprechende Reizgrundlage. Z.B. das Hören von Stimmen wo
keine sind.
4.4.3 WAHN
• Ein ganzes System von Annahmen, Überzeugungen, die ev. nur auf Halluzinationen
beruhen.
10
4.5 4.5 ARETAEUS ARETAEUS (ENDE DES 1.JH. NAC (ENDE DES 1.JH. NACH CHRISTUS) H CHRISTUS)
• Er sah in psychischen Auffälligkeiten eine Übersteigerung von
Charaktereigenschaften, die die Person sowieso hat. Diese Annahme ist z.T. noch in der heutigen Psychologie relevant.
• Er sah einen Zusammenhang zwischen Manie und Melancholie, die er als
verschiedene Auswirkungen ein und derselben Krankheit betrachtete. 4.6 4.6 GALEN ALEN (CA. 200 NACH CHRIS (CA. 200 NACH CHRISTUS) TUS) • Er beeinflußte die Medizin bis etwa ins 18.Jh.
• Er war sehr naturwissenschaftlich orientiert und nahm Obduktionen vor, um das
Gehirn und die Anatomie des Nervensystems zu studieren. (Bei den Christen war das später nicht mehr möglich).
• Psychische Störungen hatten bei Galen sowohl physikalische (Verletzungen des
Kopfes, Schock) als auch psychische Ursachen (Angst, ökonomische Rückschläge, Enttäuschungen in der Liebe, usw.).
• Später, nach Galen, war aufgrund der Trennung zwischen Körper und Geist die
Kirche für den Bereich der Seele zuständig. Galen und Hippokrates waren weiterhin nur für körperliche Krankheiten interessant. 4.7 4.7 ISLAMISCHE LÄNDER ISLAMISCHE LÄNDER
• Sie blieben bei der Tradition von Galen und Hippokrates.
• Die erste Psychiatrie entstand 792 nach Christus in Bagdad.
• Der Arzt Avicenna, 980-1037 nach Chr., behandelte psychische Störungen und
taucht unter einem anderen Namen im Roman "Der Medicus" auf. 4.8 4.8 EUROPA IM MITTELALTEUROPA IM MITTELALTER
• Das Mittelalter in Europa war mehr metaphysisch als religiös geprägt, so gab es eine
Renaissance der alten Dämonenlehre, allerdings mit anderen Begriffen. • Die Seele ist das Schlachtfeld für Engel und Teufel, die die Erlaubnis von Gott
hatten, um die Menschen für ihre Sünden zu bestrafen.
• Es entstanden auch Heiligenlegenden, durchaus psychiatrische Phänomene, die aber
als "Besessenheit durch gute Geister" gedeutet wurden.
11
4.8.1 EXORZISMUS
• Der Exorzismus tauchte als Maßnahme gegen den Teufel erneut auf.
• Zu anfangs waren auch die Sünder noch Kinder Gottes, so daß die Behandlung
entsprechend human ausfiel:
− Handauflegen, Gebete, Salbungen, Wallfahrten, Berühren mit Reliquien und
z.T. auch Medikamente.
• Zuständig war ein neu gegründeter Orden für alle, die in Not geraten waren (Asyle,
Hospitäler)
• Mit der Zeit wurden die Methoden immer härter und strenger. Die Mittel sollten am
Stolz der Geister und Dämonen ansetzen. Der Teufel wurde z.B. beschimpft. Z.T. waren diese Maßnahmen wirklich erfolgreich; es ist ein Fall bekannt, bei dem 5 aus einer Person entwichene Teufel ein Papier unterzeichneten, daß sie die Person nicht länger quälen wollen.
4.8.2 INQUISITION
• Gegen Ende des Mittelalters fielen der Inquisition viele Menschen zum Opfer.
• Besessenheit wurde z.T. auch anders erklärt, nämlich das betroffene Personen
freiwillig einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben, um Zugang zu übernatürlichen Kräften zu erlangen (Goethes Faust), z.B. aus der Ferne ein Feuer zu legen, Personen aus der Entfernung Schmerzen oder Schaden zufügen (vor allem, wenn man ein Stück aus dem persönlichen Besitz des Opfers hat), Unwetter erzeugen oder sexuelle Impotenz bei einem Feind und ähnliches. • Zu anfangs wurde noch zwischen 2 Typen von Besessenen unterschieden:
-Den Freiwilligen - Den Opfern
Diese Unterscheidung wurde jedoch mehr und mehr zuungunsten der Opfer aufgegeben.
• Papst Innozenz VIII forderte, daß man sich vermehrt dem Phänomen der Hexen
anzunehmen habe.
• Zwei Inquisitoren schrieben ein Buch, wie man mit den Hexen zu verfahren habe
"Malleus maleficarum"
Im 1.Teil geht es um die Beweisführung für Hexen und Hexenmeister. Der 2. Teil ist der Diagnostik gewidmet. Wie erkennt man Hexen und Hexenmeister? Z.B. durch unempfindliche Hautstellen, Punkte am Körper usw., so daß in letzter Konsequenz die Betroffenen nicht einmal Verhaltensauffälligkeiten zeigen mußten,
12
um als Hexe oder Hexenmeister verurteilt zu werden. Im 3. Teil des Buches wird die Verurteilung erläutert.
• Verhöre: Nur wer seine Schuld bekannt, konnte verurteilt werden. Die Betroffenen
wurden aber so lange gefoltert, bis sie alles zugaben, oft gaben die so gequälten dann noch Komplizen an. Wer eine Hexe anzeigte, konnte die Hälfte ihres Besitzes behalten, was viele veranlaßte, irgendwelche Personen anzuzeigen. Die Ankläger bzw. Zeugen wurden z.T. maskiert, wenn sie der angeblichen Hexe gegenübertraten. • Wasserproben: Hexen schwimmen auf dem Wasser. Wer schwimmen konnte,
wurde als Hexe identifiziert, wer nicht so "glücklich" war, ertrank eben. • Für Hexen war ausschließlich die Todesstrafe durch Verbrennen vorgesehen, die
Frage war nur, was vor dem Verbrennen mit ihnen angestellt wurde. • Häufig wurden Hebammen, die sich gut mit Verhütungsmitteln auskannten als
Hexen verurteilt und verbrannt.
• Die meisten Opfer der Hexenverbrennung würde man heute als psychisch gestört
einstufen.
• In der Hexenverbrennung sah man eine gute Tat, denn wenn der Teufel noch zu
Lebzeiten aus der betroffenen Person entweicht, dann gewinnt sie zumindest ihr "ewiges Leben" zurück.
• Die Opfer glaubten z.T. selber an ihre Schuld, ein Glauben, der auch oft bei
Depressionen auftritt.
4.8.2.1 Gegner des Exorzismus und der Inquisition
• Obwohl die Kritiker aufpassen mußten, nicht selbst als Hexe oder Hexenmeister
betrachtet zu werden, hatten dennoch einige den Mut sich dagegen zu wenden. • Paracelsus z.B. stellte die Besessenheit in Frage und führte derartige Phänomene auf
den Einfluß der Gestirne zurück. Einem Bericht zufolge:
Es war der Höhepunkt der Sommerhitze. Die Menschen spürten plötzlich einen akuten Schmerz, rannten auf die Straße und tanzten in größter Erregung. Sie redeten von einem Tarantelstich, waren z.T. nackt und peitschten sich gegenseitig aus. Sie rollten sich im Dreck und tranken Unmengen von Wasser. Dieses Phänomen wurde als Besessenheit gedeutet. Paracelsus führte es aber auf den Einfluß der Gestirne zurück.
13
• Ioannes Wierus, 1525-1588 schrieb ein Buch gegen den Hexenglauben. Er meinte,
die meisten seien körperlich oder geistig krank. Das Buch wurde abgelehnt und nur wenige schlossen sich seiner Meinung an. Das Buch wurde erst in diesem Jahrhundert wieder von der Kirche freigegeben.
• Raginat (?) Scott erklärte die Phänomene durch Melancholie. Sein Buch wurde
verbrannt.
• Heilige Theresa von Avila, 1515-1582: Auch in ihrem Kloster trat Massenhysterie
auf. Eine Nonne fing an zu beißen, was dann um sich griff. Die Inquisition drohte, aber Theresa rettete ihr Kloster indem sie berichtete, daß die betroffenen Nonnen ausgesehen hätten, als wären sie krank.
• Ganz langsam nur setzte sich eine andere Vorstellung derartiger Phänomene durch.
Das abweichende Verhalten wurde Störungen in der Person erklärt, Störungen der Vernunft oder des Geistes.
• Mit dem Rückgang des kirchlichen Einflusses wurde der Begriff "Seele" durch den
Begriff "Psyche" ersetzt.
• Neu entstand das "als ob krank", der Geist, die Psyche war krank.
Gemütskrankheiten wurden zu einer eigenen Kategorie. • Das städtische Bürgertum gewann an Macht. Aber man wollte die Gemütskranken
los sein, deshalb gab es in den Stadtmauern häufig sogenannte "Narrentürme", in denen man die Betroffenen versteckt hielt. 4.9 4.9 ABSOLUTISMUS, 17. UN ABSOLUTISMUS, 17. UND 18. JAHRHUNDERT D 18. JAHRHUNDERT
• Es herrschte das Vernunftideal der Aufklärung. Abweichungen im Verhalten wurden
als Abweichungen der Vernunft betrachtet. Unvernünftige wurden mit Torturen behandelt. Krankheitskategorien waren nur an der Vernunft orientiert. • Fürsten, die man als die ersten Unternehmer bezeichnen kann, hatten einen großen
Bedarf an Arbeitern. Bald setzte die Wehr- und Schulpflicht ein. Durch das große Interesse an arbeitsfähigen Untertanen konnten die auch die psychisch Kranken, solche, die sich gerade noch anpassen konnten, gebraucht werden. Konnten sie die Anpassung nicht mehr leisten, wurden sie in eine Art Lager gesteckt. • Es gab staatliche Asyle für alle, die den bürgerlichen Vorstellungen nicht
entsprachen. Unvernünftige, alte Leute, entjungferte Töchter,.....(je nach Staat gab es "Narrenhäuser", "Arbeitshäuser",...)
14
• Heinrich VII, 1547 gründete das erste dieser Häuser. Ein ehemaliges Kloster in
London wurde zum ersten Asyl.
• Schwergestörte wurden z.T. ausgestellt wie in einem Zoo. Andere wurden
gezwungen betteln zu gehen.
• Ähnliche Einrichtungen entstanden auch in Mexiko, Paris und Moskau.
• Die Menschen sollten zur Vernunft gezwungen werden. Z.T wurden sie wie in einem
Konzentrationslager gehalten. Sie wurden als Tiere betrachtet, da sie ja angeblich keine Vernunft besaßen. Sie wurden gefesselt und angekettet, so z.B., daß sie nur auf ihrem Bett sitzen und sich nicht niederlegen konnten, nur die Hände und Füße waren frei, damit sie essen und trinken konnten. Sie saßen auf Stroh, das nie gewechselt wurde und sie wurden äußerst schlecht ernährt.
• Jemand kam auf die Idee eines "Beruhigungsstuhles". Dadurch sollte der
Schrankenlosigkeit der Betroffenen Grenzen gesetzt werden.
5 ENTWICKLUNG DER KLINISCHEN PSYCHOLOGIE 1
• Fehlende nachzutragende Vorlesung
15
6 ENTWICKLUNG DER KLINISCHEN PSYCHOLOGIE 2
6.1 6.1 STANDBEINE DER KLINI STANDBEINE DER KLINISCHEN PSYCHOLOGIE SCHEN PSYCHOLOGIE
6.1.1 DIE PSYCHOANALYSE
6.1.2 DIE DIAGNOSTIK IM KLINISCHEN BEREICH
6.1.2.1 Binet/Simon mit ihrem Intelligenztest
6.1.2.2 Rorschachtest (psychoanalytisch)
• Tinten- oder Farbklecksbilder werden vom Klienten betrachtet und gedeutet. Die
Deutungen werden vom Kliniker aufgelistet und ausgewertet nach relativ objektiven Kriterien.
• Form, Detail, Helligkeit, Farben, Originalität usw. der Deutungen werden dabei
herangezogen.
• Der Test sagt etwas aus über den Neurotizismusgrad der getesteten Person, und zwar
ebensogut wie Eysencks Fragebogen.
• Der Test wird heute immer noch, wenn auch selten, verwendet.
6.1.2.3 TAT Der thematische Auffassungstest
• Den Probanden werden Bildergeschichten oder einzelne Bilder zu verschiedenen
Themengehalten vorgelegt, die diese dann deuten, bzw. eine Geschichte dazu erzählen sollen.
• Ausgewertet wird dann die Geschichte des Probanden.
• Dieses ist ein projektives Verfahren Ý Wenn die Reizvorlage unscharf
vorstrukturiert ist, dann muß der Proband um so mehr Sinn hineinbringen. • Eine Spezialform des TAT für das Leistungsmotiv stammt von Heckhausen
6.1.2.4 Faktorenanalyse
• Thurstone schuf mit der Faktorenanalyse erst die Voraussetzung für Fragebögen.
• Fragebögen sind Selbstbeurteilungen und entsprechen nicht automatisch dem, was
der Therapeut beobachten würde, sondern sind eine subjektive Sichtweise der Realität, die sehr wichtig sein kann.
16
6.2 6.2 VERÄND VERÄNDERUNGEN IN DER NACHK ERUNGEN IN DER NACHKRIEGSZEIT RIEGSZEIT
6.2.1 ENTWICKLUNG PSYCHOLOGISCHER THERAPIEVERFAHREN
6.2.1.1 Carl Rogers
• Buch: Councelling and psychotherapy (1942)
6.2.1.2 Anwendung von Ergebnissen der Lernpsychologie von Experimentalforschern
• Zuerst nur zur Veränderung problematischer Verhaltensweisen
• Dann wurde dies auch von Klinikern aufgegriffen und weiterentwickelt.
• Alle anderen, noch existierenden Therapieformen haben sich aus der Praxis
entwickelt, nicht aber die Verhaltenstherapie. • Sie ist eine echte Anwendung der Psychologie.
6.3 6.3 MODELLVORSTELLUNGEN MODELLVORSTELLUNGEN PSYCHISCHER STÖRUNGE PSYCHISCHER STÖRUNGEN
• Alle Modellvorstellungen der Geschichte der Psychologie existieren heute noch.
− Besessenheit (Exorzismus)
− Böswilligkeit Ý "Der will einfach nicht, wenn man etwas wirklich will, dann
schafft man es auch.
− Krankheitsvorstellungen sowohl biologisch (Gehirnkrankheit), als auch
geistig (die Psyche/Seele ist krank)
− Übersteigerungen Ý Auffälligkeiten beruhen nicht auf qualitativen, sonder
auf quantitativen Unterschieden − usw.
• Für unser Gesundheitssystem heute ist es durchaus wichtig, als was psychische
Störungen betrachtet werden. Werden sie als Krankheit gesehen, dann haben die Kassen die Pflicht zu zahlen, anderenfalls müssen sie das nicht.
17
7.1 7.1 DEFINITION VON KRANK DEFINITION VON KRANKHEIT UND GESUNDHEIT HEIT UND GESUNDHEIT
•
Galen
200 n. Chr.
Ý
1817
• Victor Weizsäcker Ý "Das Wesen des Krankseins ist eine Not und
7.2 7.2 KRANKHEITSKONZEPTE KRANKHEITSKONZEPTE • Stubbe Ý Er legte Personen eine Liste vor, mit zunehmend "kranken" Adjektiven.
Der Begriff der Krankheit wird erst genutzt, wenn Veränderungen im Verhalten und oder der Leistungsfähigkeit auftreten, die von der Person nicht gewollt sind und auch nicht durch andere Umstände (z.B. einer durchzechten Nacht) erklärt werden können. • Die Krankheit entspricht aber den Veränderungen im Körper und nicht den
Symptomen (Verhalten).
Die Symptome sind sozial wahrnehmbar und führen zu entsprechenden Reaktionen der Umwelt Ý Entpflichtung und Entlastung der kranken Person. • Die kranke Person hingegen hat die Pflicht alles zu tun, um wieder gesund zu werden
18
7.2.1 DREITEILUNG DES KRANKHEITSKONZEPTS
7.2.2 ÄHNLICHE DREITEILUNG FÜR DAS KONZEPT DER GESUNDHEIT • Fehlen von Krankheit
• Gesundheit ist ein Zustand sozialen, körperlichen und seelischen Wohlbefindens Ý Gesundsein
• Gesundheit ist ein Zustand optimaler Leistungsfähigkeit für die Rollen/Aufgaben, für
die jemand sozialisiert worden ist. Ý Rolle des Gesunden
7.2.3 MERKMALE DES GESUNDSEINS
• WHO Ý Wohlbefinden
19
7.2.4 KRANKHEITSPARADIGMEN
• Kuhn nennt solche grundlegenden Modelle Paradigmen. Sie liefern den allgemeinen
Hintergrund, der nicht in Frage gestellt wird. • Ein Paradigma ist für eine Theorie zu unspezifisch.
• Paradigmen sind zunächst oft Metaphern und werden dann zu
Glaubensüberzeugungen, die nicht mehr hinterfragt werden. • Bei einer Häufung von dem Paradigma widersprechenden Befunden, wird das
Paradigma zwar erneut in Frage gestellt, jedoch nicht widerlegt. • So kommt es häufig zu einer Auseinandersetzung zwischen verschiedenen
"Schulen".
• Gesundheit ist der Idealzustand auf einem Kontinuum
7.2.5 KRANKHEITSURSACHEN
• Viren, Strahlen und Streß
20
7.2.6 GESUNDHEITSFÖRDERNDE FAKTOREN • Intaktes Immunsystem
• Eine gute Konstitution
• Elaborierte Coping-Strategien
• Günstige Umweltbedingungen
• Bei all diesen Faktoren sollte auch die Prävention ansetzen.
7.2.7 FUNKTIONEN EINES KRANKHEITSPARADIGMAS
• In der Forschung Ý Leitfigur/Suchmodell für die Hypothesenbildung 1. Klassifikation von Beschwerden/Syndromen und Krankheitseinheiten 2. Suche nach der Primärstörung
21
Ebenen des Anspruchs an Krankheitskonstrukte
Krankheitssyndrom nach
Sydenham
1. Beschreibung von Symptomen
Kraepelinsche
Krankheitseinheit
(der endogenen Psychose)
Hinreichend valides Krankheitskonstrukt 6. Topologie des Krankheitsgeschehens
Morphologischer Krankheitsbegriff
Krankheit (Kahlbaum-Kraepelinscher 8. Eindeutige Ätiologie Anspruch an "natürliche Krankheiten")
7.2.8 KRANKHEITSPARADIGMA ALS LEITFIGUR DER FORSCHUNG
1. Klassifikation von Beschwerden zu Syndromen und Krankheitseinheiten. (Systematische Kontingenz der verschiedenen Symptome und deren spezifischer Verlauf.
2. Suche nach Primärstörung und Ursachen (Objektivierung). 3. Entwicklung therapeutischer Möglichkeiten
Ý 1. Beobachtung abweichend
22
Ý 2. Bewertung abnorm/änderungsbedürftig Ý 3. Prüfung Objektive Kriterien (?) Ý 4. Interpretation pathologisch
• Das Aufsuchen eines Arztes bei spezifischen Symptomen ist auch von der sozialen
Schicht abhängig. Kommt es in der sozial höchsten Schicht zu Beschwerden, so wird der Arzt schneller und häufiger aufgesucht als in den niedrigeren sozialen Schichten.(Siehe auch Hand Out für die Prozentzahlen).
7.2.9 ANWENDUNG DES KRANKHEITSPARADIGMAS AUF PSYCHISCHE STÖRUNGEN
•
Biologisch
Ý
• In den 80gern und 90gern ist das die vorherrschende Lehrmeinung, die u.U. auch
vorteilhaft sein kann.
• Bsp.: Die progressive Paralyse, eine Krankheit mit den Symptomen einer massiven
Gedächtnisstörung, Vernachlässigung des Äußeren, Abbau des Intellektes u.a., die nach einigen Jahren zum Tod führt.
Heute wissen wir, daß diese Krankheit eine Spätfolge der Syphilis ist, damals aber wußte man das nicht und behandelte die Betroffenen mit Quecksilber oder mit einem Sud aus Guayaholz, was natürlich nicht wirkte. (siehe Skript). • Nach erfolgreicher Wissensaneignung und Bewältigung dieser Krankheit entstand
der Glauben, jede Störung biologisch erklären zu können.
•
A.L.J. Bayle
1825
Ý
"Progressive Paralyse als "Krankheitseinheit"
•
Esmarch & Jessen
1857
Ý
Syphilis — Ursache der Paralyse?
•
Argyll-Robertson
1869
Ý
Syphilis beeinflußt das ZNS
•
Krafft-Ebing
1897
• Wassermann 1906 Ý Bluttest für diese Erreger • Plant 1907 Ý Konnte den Erreger im Liquor nachweisen
23
Praxis Wissenschaft
7.2.9.1 Abnorme Spielarten seelischen Wesens
• Abnorme Verstandesanlagen
• Abnorme Persönlichkeiten
• Abnorme Erlebnisreaktionen
7.2.9.2 Unterschiedliches Verständnis von Normalität
• Statistische Norm
Definiert anhand von empirischen Durchschnittswerten Abnorm ist das Ungewöhnliche • Idealnorm
Als allgemeingültig postulierte und philosophisch-weltanschaulich begründete Zustände der Vollkommenheit Abnorm ist das Verwerfliche • Sozialnorm
Gesellschaftlich definierte Verhaltensnormen Abnorm ist das Abweichende • Subjektive Norm
Individuelle Gegebenheiten als Maßstab zur Beurteilung von Veränderungen Abnorm ist das Unpassende • Funktionale Norm
Als funktionale (vs. dysfunktionale) Zwischenschritte für "übergeordnete" erwünschte Zustände. Abnorm ist das Schädliche
24
• Freud postulierte nun quantitative, fließende Übergänge zur Neurose, keine
qualitativen Sprünge. Er suchte aber nach physiologischen Erklärungen bis zu seinem Tode.
7.3.1 LABELLING-ANSATZ
• Lehnt das Krankheitskonzept ab und behauptet, daß die Benennung einer Störung
durch Dritte die Ursache (oder zumindest Mitursache) ist, durch die sich die Symptomatik einer Störung erst voll entwickelt. Eine zuvor vorhandene Abweichung ist nur leicht und kann von der Gesellschaft ebensogut ignoriert werden. Durch die Umweltreaktionen und -definitionen und die Benennung einer Krankheit entsteht die sekundäre Devianz mit dem vollen, zuvor definierten Krankheitsbild.
7.3.2 STÖRUNGSMODELL DER KLINISCH-PSYCHOLOGISCHEN FORSCHUNG (VERHALTENSTHERAPIE)
• Verhaltensauffälligkeiten sind direkte Auswirkungen dysfunktionaler
verhaltenssteuernder Bedingungen. • Entstehungsbedingungen
• Aufrechterhaltende Bedingungen (zumindest gelegentliche Verstärkung)
• Kognitive Einflüsse auf die Verhaltenstherapie kamen von Beck und auch Ellis. Man
könnte zwar die kognitiven Schemata als Defekt in der Person ansehen, aber auch hier gibt es eher fließende Übergänge.
• Dieser Ansatz geht auf Scheffs "Symbolischen Interaktionismus" zurück, der die
Entstehung von Symptomen durch die Etikettierung postuliert.
26
7.3.4 ANTIPSYCHIATRIE
• Die Diagnose ist keine Beschreibung, sondern eine Zuschreibung.
• Unangepaßtes Verhalten, z.B. Schizophrenie, ist die Folge gestörter
Sozialisationsbedingungen • in der Familie
• in der Gesellschaft
7.3.5 INTERPERSONELLE MODELLE
• Z.B. Familientherapie
• Familiäre (soziale) Bedingungen sind nicht nur Ursache, sondern die eigentliche
Störung und damit Ansatzpunkt für die Behandlung.
28
8 NOSOLOGIE
Es gibt mehr als 50 verschiedene Klassifikationssysteme, die teils ähnlich, teils
sehr verschieden sind.
Da in den 60gern viele Psychologen in sogenannten Beratungsstellen tätig waren
brauchten sie ein solches Klassifikationssystem. Jeder schuf sein eigenes System.
8.1 KRAEPELIN 8.1 KRAEPELINS EINTEILUNG DER SEE S EINTEILUNG DER SEELENSTÖRUNGEN (1920) LENSTÖRUNGEN (1920)
1. Das Irresein bei Hirnverletzungen
2. Das Irresein bei Hirnerkrankungen
3. Die Vergiftungen
4. Das infektiöse Irresein
5. Die syphilitische Geistesstörung
6. Dementia paralytica (progressive Paralyse)
7. Das endokrine Irresein
8. Arteriosklerotisches, präseniles, seniles Irresein
9. Picksche Atrophie
10.Endogene Verblödung (dementia praecox) (heute Schizophrenie)
11.Genuine Epilepsie
12.Manisch-depressives Irresein
13.Durch seelische Einwirkungen bewirkte Erkrankungen
14.Hysterie
15.Paranoia
16.Originäre Krankheitszustände (Zwangsneurose, impulsives Irresein, geschlechtliche
Verirrung )
17.Psychopathien
18.Seelische Entwicklungshemmungen (Oligophrenien) (heute "geistige Behinderung")
30
8.2 8.2 PRÄVALENZ UND INZIDE PRÄVALENZ UND INZIDENZRATE (JASPERS NZRATE (JASPERS)
8.3 8.3 UNTERSCHIED ZWISCHEN UNTERSCHIED ZWISCHEN "PSYCHOSEN" UND NIC "PSYCHOSEN" UND NICHT HT-PSYCHOTISCHEN STÖRUN PSYCHOTISCHEN STÖRUNGEN GEN
1. Die Symptomatik ist bei Psychosen gravierender und auffälliger. Es kommt zu einer Beeinträchtigung kognitiver Funktionen:
• Beeinträchtigung des Wachbewußtseins (Bewußtseinsstörung): leichter
Dämmerzustand
• Wahrnehmungs- und Denkstörungen (Halluzinationen, Wahn).
• Beeinträchtigung der Verhaltenskontrolle (Absinken der Aktivitäten oder
überschießendes unkontrolliertes Verhalten) 2. Auch die Folgen sind gravierender und auffälliger. • Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit
• Beeinträchtigung der sozialen Aktivitäten
• Beeinträchtigung sozialer Beziehungen
1 Davon 91% Konsultation des Hausarztes.
31
8.4 8.4 EIN VERGLEICH DER KA EIN VERGLEICH DER KATEGORISIERUNGEN BEI TEGORISIERUNGEN BEI VERSCHIEDENEN AUTORE VERSCHIEDENEN AUTOREN
• Anhand von Diagnosenstellungen bei einer bestimmten Patientenanzahl wurde die
durchschnittliche Übereinstimmung der gröberen und feineren Kategorien verglichen:
8.4.1 EIN WEITERER VERGLEICH VON DIAGNOSENSTELLUNGEN USA UND UK • Cooper et.al. in den 70gern:
Als Vergleichsmaßstab nahm man trainierte Diagnostiker mit dem standardisierten Interview (ICD). Die Hälfte der Diagnostiker waren jeweils aus den USA und aus London. Dann verglich man die Diagnosen von Forschern und Klinikern. • Es stellte sich heraus, daß die Kliniker in den USA doppelt so häufig Schizophrenie
diagnostizierten wie ihre Kollegen in den UK. (siehe Skript Nosologie). Ein Teil der Diagnosen Depression, Manie, Persönlichkeitsstörung und Neurosen fallen in den USA in den Bereich der Schizophrenie.
32
8.4.2 MÖGLICHE FEHLERQUELLEN BEI NICHTÜBEREINSTIMMUNG DER DIAGNOSEN
0 5 10 15 20 25 30 35 Prozent aller Fehler
8.5 8.5 KLASSIFIKATIONSSYSTE KLASSIFIKATIONSSYSTEME ME • ICD - International Classification of Deseases
der WHO,
hier Kapitel V (F): Psychische Störungen (Mental and Behavioral Disorders) 10. Revision 1991
Das ICD-10 behandelt auch Krankheiten allgemein. • DSM - Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders
der APA - American Psychiatric Association 4. Revision 1994, dt. 1996 (Hofgrefe Verlag)
Dieses System beinhaltet über 395 Hauptkategorien von psychischen Störungen. 8.6 8.6 BEWERTUNG UND NORMEN BEWERTUNG UND NORMEN
1. Bewertung durch den Betroffenen selbst
• Subjektive Norm: "Ich bin nicht mehr wie sonst!" 2. Bewertung durch Angehörige • Subjektive Norm: "Er ist irgendwie anders!" • Sozialnorm:
"Sein Verhalten ist doch nicht mehr normal!" 3. Bewertung durch Fachpersonal • Subjektive Norm: "Es liegt eine Veränderung vor!"
33
• Evtl. Sozialnorm:
"Die Veränderung gilt als sozial nicht akzeptierte Abweichung (z.B. Paraphilien)" • Funktionale Norm: ".......die zu Leiden.....führt!" • Statistische Norm:
z.B. "mehr als 3 Panikanfälle innerhalb von 4 Wochen!"
9 DSM-IV UND DSM-III-R UND STANDARDISIERTE
9.1 BEISPIEL AUS DEM DSM BEISPIEL AUS DEM DSM-IV IV PANIKATTACKE • Abgrenzbare Periode intensiver Angst und Unbehagens
• mit mindestens 4 von 13 Symptomen
• die abrupt auftreten und innerhalb von 10 Minuten einen Höhepunkt erreichen:
1. Palpilationen: Herzklopfen oder beschleunigter Herzschlag
2. Schwitzen 3. Zittern oder Beben 4. Gefühl der Kurzatmigkeit oder Atemnot 5. Erstickungsgefühle
6. Schmerzen und Beklemmungsgefühle in der Brust 7. Übelkeit oder Magen-Darm-Beschwerden
8. Schwindel, Unsicherheit, Benommenheit oder der Ohnmacht nahe sein 9. Derealisation (Gefühl der Unwirklichkeit) oder Depersonalisation (sich losgelöst fühlen)
10.Angst, die Kontrolle zu verlieren oder verrückt zu werden 11.Angst zu sterben
12.Parästhesien (Taubheit oder Kribbelgefühle) 13.Hitzewallungen oder Kälteschauer
34
9.2 9.2 DSM DSM-IV: GENERALISIER IV: GENERALISIERTE ANGSTSTÖRUNG 300. TE ANGSTSTÖRUNG 300.02 02
A. • Übertriebene und anhaltende Angst und Sorge • bezüglich mindestens zweier Lebensbereiche • mindestens sechs Monate lang die meiste Zeit B. • Mangelnde Kontrolle der Grübeleien C. • Mindestens drei der folgenden sechs Symptome (1) Ruhelosigkeit (2) Leichte Ermüdbarkeit
(3) Konzentrationsschwierigkeiten oder "Blackout" aus Angst (4) Reizbarkeit (5)Muskelspannung (6)Schlafstörungen D. • Der Inhalt der angstvollen Sorgen darf nicht Symptome einer anderen Achse I-Störung betreffen. E. • Ausgeprägte Leiden oder Beeinträchtigungen in beruflichen Leistungen, in sozialen Aktivitäten oder sozialen Beziehungen. F. • Keine organischen Faktoren
9.3 9.3 DSM DSM-IIIII-R BEURTEILUN R BEURTEILUNG DES SCHWEREGRADES G DES SCHWEREGRADES
•
Leicht
• Mittel
• Partiell remittiert • Residualzustand
• Voll remittiert - keine Symptome mehr
35
9.4 9.4 DIE ACHSEN DES DSM DIE ACHSEN DES DSM-IV • Achse I Klinische Störungen (und andere klinisch relevante Probleme) • Störungen, die gewöhnlich zuerst im Kleinkindalter, in der Kindheit oder Adoleszens diagnostiziert werden (außer geistiger Behinderung, die auf Achse II kodiert wird)
• Delir, Demenz, amnestische und andere kognitive Störungen • Psychische Störungen aufgrund eines medizinischen Krankheitsfaktors • Störungen im Zusammenhang mit psychotropen Substanzen • Schizophrenie und andere psychotische Störungen • Affektive Störungen • Angststörungen • Somatoforme Störungen • Vorgetäuschte Störungen • Dissoziative Störungen • Sexuelle und Geschlechtsidentitätsstörungen • Eßstörungen • Schlafstörungen
• Störungen der Impulskontrolle, nicht andernorts klassifiziert • Andere klinisch relevante Probleme • Achse II Persönlichkeitsstörungen
Geistige Behinderungen • Paranoide Persönlichkeitsstörung • Schizoide Persönlichkeitsstörung • Schizotypische Persönlichkeitsstörung • Antisoziale Persönlichkeitsstörung • Borderline Persönlichkeitsstörung • Histrionische Persönlichkeitsstörung • Narzißtische Persönlichkeitsstörung • Vermeidend-selbstunsichere Persönlichkeitsstörung • Dependente Persönlichkeitsstörung • Zwanghafte Persönlichkeitsstörung • Nicht näher bezeichnete Persönlichkeitsstörung • Geistige Behinderung • Achse III Medizinische Krankheitsfaktoren
• Infektiöse und parasitäre Erkrankungen (001-139)
• Neoplasmen (140-239)
• Endokrine, alimentäre, metabolische Erkrankungen und Immunstörungen (240-279)
• Erkrankungen des Blutes und der blutbildenden Organe (280-289) • Erkrankungen des Nervensystems und der Sinnesorgane (320-389)
36
• Erkrankungen des Kreislaufsystems (390-459) • Atemwegserkrankungen • Erkrankungen des Verdauungssystems (520-579) • Urogenitale Erkrankungen (580-629)
• Komplikationen in der Schwangerschaft, bei der Geburt und im Wochenbett (630-676)
• Erkrankungen der Haut und des Subkutangewebes (680-709) • Erkrankungen des Bewegungsapparates und Bindegewebes (710-739) • Angeborene Störungen (740-759)
• Bestimmte Zustände, die in der perinatalen Phase ihren Ursprung haben (760-779)
• Symptome, Zeichen und unklar definierte Zustände (780-799) • Verletzungen und Vergiftungen (800-999) • Achse IV Psychosoziale oder umgebungsbedingte Probleme
• Probleme mit der Hauptbezugsgruppe
• Probleme im sozialen Umfeld • Ausbildungsprobleme • Berufliche Probleme • Wohnungsprobleme • Wirtschaftliche Probleme
• Probleme bei Zugang zu Einrichtungen der Krankheitsversorgung • Probleme beim Umgang mit dem Rechtssystem/Delinquenz • Andere psychosoziale oder umgebungsbedingte Probleme • Achse V Globale Beurteilung des Funktionsniveaus
9.4.1 LISTE DER ZWEISTELLIGEN KATEGORIEN, F0-F9
F0 Organische einschließlich symptomatischer psychischer Störungen F1 Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Sustanzen F2 Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen F3 Affektive Störungen F4 Neurotische-, Belastungs- und somatoforme Störungen F5 Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren F6 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen F7 Intelligenzminderung F8 Entwicklungsstörungen F9 Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend F99 Nicht näher bezeichnete psychische Störungen
37
9.4.2 BEISPIELE FÜR DIE AUFZEICHNUNG DER MULTIAXIALEN BEURTEILUNG NACH DSM-IV • Beispiel 1:
- Achse 2 301.6
- Achse 3
- Achse 4 - Achse 5 GAF=35
9.4.3 PROBLEME BEI DER ABGRENZUNG UNTERSCHIEDLICHER TYPEN VON PSYCHISCHEN STÖRUNGEN
1. Problem: Komorbidität (mehrere Störungsdiagnosen gleichzeitig) 2. Problem: Abstraktion
9.5 9.5 STANDARDISIERTE INTE STANDARDISIERTE INTERVIEWS RVIEWS • PSE (Present State Examination) Wing et. al. 1972
(ICD)
• DIS (Diagnostic Interview Schedule) Robins et. al. 1979
(DSM-III)
• CIDI (Composite International Diagnostix Interview)
Robins, Wing & Helzer 1983 (dt.)
• SKID I (Strukturiertes Klinisches Interview für DSM-IV; Achse I: Psychische
Störungen) Wittchen et. al. 1997
• SKID II (Strukturiertes Klinisches Interview für DSM-IV; Achse II:
Persönlichkeitsstörungen) Fydrich et. al. 1997
• DIPS (Diagnostisches Interview bei psychischen Störungen) Margraf, Schneider
&Ehlers 1994 DSM-III-R
38
9.5.1 VERLAUFSBEISPIEL DES CIDI (STANDARDISIERTES INTERVIEW)
Ja
Ja
Ja
9.6 9.6 SIND KLINISCHE DIAGN SIND KLINISCHE DIAGNOSEN VALIDE? OSEN VALIDE?
• Sind Klinische Diagnosen nützlich für:
1. Forschung: Vergleichbarkeit
2. Versorgung und Verwaltung: Planbarkeit 3. Therapie: Treatment-Validität
39
9.6.1 EXPERIMENT
1. Experimentalgruppe mit individualisierter Therapie 2. Kontrollgruppe mit standardisierter Therapie 3. Gekettete Kontrollgruppe mit variabler Standardtherapie Diagramm 2 Besserungen, Heilungen oder Stagnation bei versch. Therapie im Vergleich
Klienten
30 20
10
1. Lehre von den Krankheitsursachen
2. Gesamtheit der Faktoren, die zu einer bestehenden Krankheit/Störung geführt haben. 10.10.1 BEISPIEL: POSTTRAUMA BEISPIEL: POSTTRAUMATISCHE BELASTUNGSSTÖ TISCHE BELASTUNGSSTÖRUNG RUNG
10.1.1 HAUPTKRITERIEN NACH DSM-IV
A. Trauma
-objektiv und als solches erlebt B. Ständiges Wiedererleben C. Vermeidung D. Erhöhtes Erregungsniveau E. Dauer mindestens 1 Monat F. Leiden und Beeinträchtigungen
10.1.2 URSACHEN DER POSTTRAUMATISCHEN BELASTUNGSSTÖRUNG
• Die Person reagiert durch einen konditionierten Reiz, das können sowohl situative
als auch Personenreize sein; dies wird erklärt durch das Modell der Klassischen Konditionierung
• Die Klassische Konditionierung funktioniert aber nicht bei allen Personen, es
kommen personale Faktoren hinzu, z.B. Vulnerabilitätsfaktoren. 1. Trauma • Vulnerabilitätsfaktoren
- Angstsensitivität (in der Person liegende Prädisposition, inwieweit wird etwas als bedrohlich wahrgenommen)
- Attributionsstil (bei negativem Attributionsstil "Gelernte Hilflosigkeit"; belastende Ereignisse werden als unkontrollierbar wahrgenommen. • Bei der Posttraumatischen Belastungsstörung ist der Attributionsstil
besonders wichtig. Man hat in einer Studie festgestellt, daß Opfer von Gewalttaten, die während der Gewalttat schon aufgegeben hatten unter einer schwereren, länger dauernden und stärker beeinträchtigender Symptomatik
41
litten, als solche Opfer, die während der Gewalttat noch einen Rest von Kontrollmöglichkeit wahrnahmen. • Auf diesem Gebiet forschen Ehlers und Ehlers & Steil
2. Streß/Umwelt
• Diathese (= Prädisposition bestimmte Störungen leichter auszubilden)
Ähnlich wie bei Freuds Fixierung der Libido auf einer bestimmten Entwicklungsstufe, kommen bei einer betroffenen Person besondere Belastungsfaktoren hinzu (z.B. während der Pubertät), dann kommt es zur Ausbildung der Symptome.
• Normalerweise bezeichnet man mit dem Begriff Diathese internale, stabile
Faktoren, es gibt aber auch Diathesen, die external sind (z.B. das Leben in unterster sozialer Schicht) - also überdauernde externe Bedingungen
- oder auch akute internale Bedingungen (Immunschwäche aufgrund einer Infektion)
• Bei mehr als 50% aller Opfer von Verbrechen kommt es zur Ausbildung der
Posttraumatischen Belastungsstörung. Bei mehr als 50% von diesen Erkrankten klingt die Posttraumatische Belastungsstörung aber schnell wieder ab. Bei der anderen Hälfte überdauern die Symptome aber, - warum? • Die Entstehungsbedingungen der Posttraumatischen Belastungsstörung
müssen nicht die gleichen sein wie die aufrechterhaltenden Bedingungen. Die Therapie sollte bei den aufrechterhaltenden Bedingungen ansetzen. • Nach dem Modell der operanten Konditionierung muß es zumindest eine
gelegentliche Verstärkung für ein Verhalten geben, sonst würde es gelöscht. Daher ist es möglich, daß Entlastungen (wenn ich Angst oder Panik empfinde brauche ich x nicht zu tun) als Verstärker wirken.
10.1.3 ANSATZMODELLE BEI DER POSTTRAUMATISCHEN BELASTUNGSSTÖRUNG
1.
• Das erneute Erleben der beteiligten Emotionen (emotional processing) ist sehr
wichtig, ohne dieses Erleben kommt es zu keiner Umstrukturierung und somit auch
42
nicht zu einem Nachlassen des Wiedererlebens der traumatischen Situation, denn die emotionale Komponente verliert dadurch an Virulanz.
• Die Therapie der Reizkonfrontation funktioniert auch nur wenn das Wiedererleben
die emotionalen Reaktionen beinhaltet. 2. Schema bei inaktiver emotionaler Komponente
• Warum denken Menschen solche Gedanken?
Gibt es so etwas wie eine (dispositionelle) überdauernde Überzeugung? • Die überdauernden Überzeugungen korrelieren mit
- dem Ausmaß der Vermeidung
- mit dem Schweregrad der Posttraumatischen Belastungsstörung, usw....
10.1.4 THERAPIE BEI DER POSTTRAUMATISCHEN BELASTUNGSSTÖRUNG • Wie bei allen Angststörungen wird die Therapie mit konfrontativen Verfahren
durchgeführt, um die emotionale Verarbeitung in Gang zu bringen. • Die Reizkonfrontation findet nicht mit der ursprünglichen traumatischen Situation
statt (aus denkbaren Gründen), sondern mit dem konditionierten Reiz (ein Geräusch, ein Geruch, eine Ähnlichkeit der Attribute von Personen ....usw.). Wird die Angst, das heißt die emotionale Komponente aufs Neue erlebt, dann wird in der Situation verharrt, bis die Angst abgeklungen ist. 10.2 10.2 PROTEKTIVE FAKTOREN PROTEKTIVE FAKTOREN BEI DER ENTWICKLUNG BEI DER ENTWICKLUNG VON VON PSYCHISCHEN STÖRUNGE PSYCHISCHEN STÖRUNGEN • Entwicklungsfaktoren nach Lösel & Bender 1997
1. Temperamentfaktoren
2. Soziale Kompetenz 3. Selbstbezogene Kognitionen und Emotionen 4. Emotional sichere Bindung an Bezugspersonen 5. Merkmale des Erziehungsklimas 6. Soziale Unterstützung 7. Erleben von Sinn und Struktur im Leben.
• Protektive Faktoren wirken in Interaktion mit situativen Bedingungen.
Nach einer Dürrekatastrophe bei den Massai hatten solche Säuglinge eine größere Überlebenschance, die quengeliger und unruhiger waren. 10.3 10.3 AUFRECHTERHALTENDE B AUFRECHTERHALTENDE BEDINGUNGEN BEI PSYCH EDINGUNGEN BEI PSYCHISCHEN ISCHEN STÖRUNGEN STÖRUNGEN
• Z.B. sind bei der Posttraumatischen Belastungsstörung die Symptome normalerweise
kurzfristig und nur schwach ausgeprägt.
• Was erhält sie aufrecht, so daß es zu einem massiven und stabilen Störungsbild kommt?
• Was schaukelt die Symptome auf? • Wie wird die Extinktion verhindert?
10.3.1 VERHINDERUNG DER EXTINKTION
• Eysenck Inkubationstheorie
44
Er nimmt an, daß die Angst manchmal so stark ist, daß sie selbst zum UCS wird.
- +
=
10.3.2 FEEDBACKSCHLEIFEN KÖNNEN ZUR AUFSCHAUKELUNG DER SYMPTOME FÜHREN.
10.3.2.1 Biochemische Aufschaukelungsprozesse:
• Die Noradrenalin- und die Serotoninkonzentration ist reduziert.
Der Mangel an diesen Neurotransmittern führt außerdem zu depressiven Verstimmungen.
Auch bei der "Gelernten Hilflosigkeit" (Seligman) zeigt sich dieses Muster. Das kann in einen Zirkelprozeß münden. • Ein weiteres Beispiel ist die Dopamin-Schizophrenie.
10.3.2.2 Kognitiv-emotionale Aufschaukelung
10.3.2.3 Kognitives Modell der Emotionskontrolle
• Die Patienten sollten nicht dagegen ankämpfen, sondern akzeptieren.
• Viele neue Therapieansätze in den USA behaupten, daß das Akzeptieren eines der
wichtigsten Prozesse in der Therapie ist.
10.3.2.4 Motivational-volitionale Aufschaukelung
10.3.2.5 Psychologischer Störungsgewinn
10.3.2.7 Emotionsregulierende Interaktion (Soziale Verstärkung)
+
10.3.2.8 Soziale Etikettierung (Labeling)
Patient Soziale Umwelt
48
10.4 10.4 KONTINUUM VON NATÜRL KONTINUUM VON NATÜRLICHEN SYSTEMEN ICHEN SYSTEMEN
10.5 10.5 SCHLUßFOLGERUNGEN HY SCHLUßFOLGERUNGEN HYPOTHESEN FORSCHUNGSF POTHESEN FORSCHUNGSFRAGEN RAGEN • Es gibt (mehrere) störungs-typische Aufschaukelungen
• Andere Aufschaukelungen kommen (mit der Zeit) hinzu, - mehr oder minder
gewichtig.
• Wechselwirkungen zwischen Aufschaukelungen auf verschiedenen Ebenen
• Unterschiedliche Therapiemethoden verändern verschiedene Aufschaukelungen bzw.
50
deren Prädispositionen (alle erfolgreich, aber unterschiedlich erfolgreich) • Ziel: Diagnostik der jeweils vorliegenden Aufschaukelungen und Einsatz
entsprechender spezifischer Therapiemethoden.
51
Autorenindex
A.L.J. Bayle 1825
Kognit. Einflüsse auf die Verhaltenstherapie..... 26
Beck et. al. 1962
G
Klassifikationssysteme psychischer Störungen.. 31
Becker 1982/1995
Drei Hauptkomponenten der seelischen
Gesundheit.................................................... 20
Binet/Simon
Intelligenztest..................................................... 16 H
C
I
E
Forschung zu Vulnerabilitätsfaktoren bei der
Posttraumatischen Belastungsstörung........... 41
Ehlers & Steil
J
Forschung der Vulnerabilitätsfaktoren bei der
posttraumatischen Belastungsstörung........... 41
Kognitive Einflüsse auf die Verhaltenstherapie. 26
Esmarch & Jessen 1857
Syphilis - Ursache der Paralyse?........................ 23
Eysenck
59
Krankheitseinheiten ........................................... 21
Beweis der Syphilis als Ursache der Paralyse.... 23
Kreitman 1961
Margraf, Schneider &Ehlers 1994
DIPS (Diagnost. Interview bei psychischen
Störungen) .................................................... 37
Begriff der Pathopsychologie............................... 6
Papst Innozenz VIII
.............................................. 12
Paracelsus
Einfluß der Gestirne auf zB Besessenheit .......... 13
Perls
Humanist. Psychologie Gestalttherapie.............. 26
Plant 1907
Nachweis des Syphiliserregers im Liquor.......... 23
60
Arbeit zitieren:
Cornelia Kortmann, 1998, Klinische Psychologie Vorlesungen 1 + 2, München, GRIN Verlag GmbH
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Lehrbuch der Klinischen Psychologie und Psychotherapie
Modelle psychischer Störungen
Hans Reinecker
Fallbuch zur Klinischen Psychologie und Psychotherapie
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Das Erstgespräch in der Klinischen Psychologie
Diagnostik und Indikation in d...
Jochen Eckert, Sven Barnow, Rainer Richter
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