Universität Essen
SS 2001
Fachbereich 3
Seminar: Förderung der Mündlichkeit im Unterricht der Primarstufe
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3.1 Durchschnittliche Sprachentwicklung bis zum Grundschulalter -- 5 3.2 Ursachen für Störungen der Sprachentwicklung -- 7
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4.1 Phonetik/ Phonologie -- 8 4.2 Grammatik -- 10 4.2.1 Tempusformen -- 10
4.2.2 Bestimmte Artikel -- 11
4.2.3 Unbestimmter Artikel -- 13
4.2.4 Stellung der Objekt- und Reflexivpronomen -- 13
4.2.5 Subjekt- und Possessivpronomen -- 14
4.2.6 Negation -- 14
4.2.7 Satzbau -- 14
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5.1 Vorbereitung/Durchführung -- 15 5.2 Transkription -- 16 5.3 Analyse -- 18 5.3.1 Aussprache -- 18
5.3.2 Tempusformen -- 19
5.3.3 Bestimmter Artikel -- 20
5.3.4 Unbestimmter Artikel -- 20
5.3.5 Objekt- und Reflexivpronomen -- 21
5.3.6 Subjekt- und Possessivpronomen -- 21
5.3.7 Negation -- 21
5.3.8 Satzbau -- 22
5.3.9 Weitere Auffälligkeiten -- 22 5.4 Auswertung -- 22
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In vorliegender Arbeit werde ich ein Gespräch mit einem achtjährigen Mädchen führen, um herauszufinden, wie weit ihre Sprachentwicklung vorangeschritten ist, welche Bereiche der deutschen Sprache sie noch verbessern muss und wo die Ursachen für Fehler zu suchen sind. Zunächst werde ich das Kind und seinen Migrations- und Sprachhintergrund vorstellen, um hier schon Ansätze für eventuelles Sprachfehlverhalten zu finden.
Anschließend werde ich die durchschnittliche Sprachentwicklung Kinder dieses Alters darstellen, um beurteilen zu können, was bereits beherrscht werden sollte und welche Fehler im „Normbereich“ liegen. Normbereich darf in diesem Fall wirklich nur als Anhaltspunkt gesehen werden, da gewisse Unterschiede in der Entwicklung auftreten und nicht überbewertet werden dürfen. In einem weiteren Kapitel gehe ich auf die Unterschiede der deutschen und portugiesischen Sprache ein, sowohl in Bezug auf Phonologie und Phonetik, als auch in Bezug auf die Grammatik. Auch dieses Kapitel soll mir im Hauptteil helfen, die Äußerungen des Kindes zu analysieren und auszuwerten. Schwerpunkt meiner Arbeit liegt dann auf der Analyse und Auswertung des Gesprächs. Vorher werde ich aber auch die Vorbereitung und Durchführung des Gesprächs schildern, um die äußeren Umstände mit in der Auswertung zu berücksichtigen. Die modifizierte, orthographische Transkription wird sich auf die mit einem Diktiergerät aufgenommene Schilderung eines Tages des Mädchens beziehen.
Im abschließenden Kapitel werde ich kurz beurteilen, was diese Gesprächsanalyse für mich bedeutete und welche Möglichkeiten man als Lehrkraft hätte, um dieses Kind in seiner Mündlichkeit weiter zu fördern. Aus Datenschutzgründen werde ich dem Kind den Namen Rafaela geben.
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Rafaela ist gerade acht Jahre geworden und lebt mit ihrer zwei Jahre älteren Schwester bei ihrer Mutter, welche alleinerziehend ist, da sie sich vor vier Jahren von ihrem Mann trennte. Rafaela besucht zum zweiten Mal die erste Klasse, da sie eine Teillernstörung im Bereich des Rechnens hat. Hier wird sie durch Förderunterricht und Nachhilfe unterstützt.
Nach der Schule besucht sie einen Kinderhort, in dem sie auch ihre Hausaufgaben erledigt.
Rafaelas Mutter ist portugiesischer Herkunft, aber in Deutschland aufgewachsen, hat hier die Schule besucht und spricht bis auf wenige Kasusfehler muttersprachenadäquates Deutsch. Rafaelas Vater kam erst als Jugendlicher nach Deutsch-land und spricht nur wenig deutsch. Auf seinen Wunsch hin lernten seine Töchter, obwohl beide in Deutschland geboren wurden und aufwachsen, zunächst die portugiesische Sprache. Erst etwa im Kindergartenalter mit ca. 4 Jahren erwarb Rafaela erste Deutschsprachenkenntnisse.
Seit der Trennung der Eltern spricht Rafaela fast nur noch deutsch und bevorzugt diese Sprache auch im Umgang mit ihren in Deutschland lebenden Großeltern oder anderen hier lebenden Verwandten und Bekannten portugiesischer Abstammung.
Rafaela hat in ihrem schulischen und häuslichen Umfeld hauptsächlich Kontakt zu deutschsprachigen Kindern; lediglich einmal pro Woche besucht sie mit ihren Großeltern den portugiesischen Familienverein, wo es dann zeitweise nötig ist, portugiesisch zu sprechen. Sie erhält keinen, sonst üblichen, muttersprachlichen Ergänzungsunterricht.
Die Sommerferien verbringt Rafaela meist in Portugal und wie ihre Mutter erzählte, hat sie dort zunächst Hemmungen portugiesisch zu sprechen und macht häufig Fehler, da ihr die Übung fehlt. Nach einigen Tagen der Eingewöhnung spricht sie ungehemmter und fließender. Auffällig ist, dass sie scheinbar die erste Zeit deutsch denkt und ins Portugiesische übersetzt. Bemerkbar macht sich dies vor allem in einer langsameren Reaktion auf Fragen und in häufigem Innehalten und dem Gemurmel „Wie heißt das noch mal?“
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3.1 Durchschnittliche Sprachentwicklung bis zum Grundschulalter
In der Zeit bis zum Eintritt in die Grundschule sollte ein Kind die Grammatik zum größten Teil beherrschen und Gedankengänge in verschiedenen Zeit- und Plural-formen ausdrücken können. Alle Laute sollten korrekt gebildet werden können. Der Wortschatz eines Schulanfängers sollte zu differenziertem Ausdruck befähigen und auch abstrakte Begriffe sollten auf altersgemäßen Niveau sicher beherrscht werden. 1
Als Beginn der vorsprachlichen Entwicklung gilt der erste Schrei eines Babys nach seiner Geburt, bei dem die Lungen beginnen zu arbeiten. Das Schreien der Säuglinge ist als Training der Stimmbänder und der dazugehörigen Muskulatur anzusehen. Schreien ist der erste Schritt zur Kommunikationsfähigkeit, denn im Normalfall reagiert eine Bezugsperson (Mutter oder Vater) auf diese Lautäußerung. Im Alter von ca. einem halben Jahr äußert das Baby bereits verschiedene Lall- und Gurrlaute.
Das Sprachverständnis nimmt im Laufe der Entwicklung eines Kindes in Abhängigkeit von den Einflüssen seiner Umwelt zu. „Ebenso wie ein Kind lernt, ähnliche Dinge voneinander zu unterscheiden, erkennt es allmählich auch die unterschiedliche Bedeutung von Wörtern.“ 2 Das Verständnis von Sprache entwickelt sich aus dem Situationsverstehen und logischerweise muss ein Kind zunächst ein Wort verstehen (passiv beherrschen) bevor es dieses sprechen kann (aktiv benutzt). Mit einem Jahr spricht ein Kind einzelne Wörter; meist Wörter, die durch Silbenverdopplung (z.B. Ma-ma) entstehen.
In seiner weiteren Sprachentwicklung kann ein Kind zunächst die Laute /m/, /b/, /p/ und /n/ aussprechen und bildet mit einzelnen Wörtern Einwortsätze. Fragen werden durch Betonung zum Ausdruck gebracht. Mit ca. 2 Jahren kann ein Kind bis zu 50 Wörter sprechen und Hauptwörter, einfache Verben und Adjektive ver-
1 vgl.STENGEL/ HUDE/ MEIWALD 1997: Sprachschwierigkeiten bei Kindern
2 vgl. STENGEL S. 19
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wenden, um Zwei- und Dreiwortsätze zu bilden. Die Laute /w/, /f/, /t/ und /d/ werden unterschieden.
Im Kindergartenalter beginnt das Kind schwierige Lautverbindungen, wie z.B. /kn/, zu lernen und es leitet Fragen durch Fragewörter ein. Die Nebensatzbildung entwickelt sich. Der Wortschatz des Kindes wird durch die neuen Einflüsse außerhalb der häuslichen Umgebung erweitert und manche Kinder fangen an, eigene Wortschöpfungen zu kreieren.
Mit etwa vier Jahren sollte ein Kind die Laute seiner Muttersprache richtig bilden können. Zischlaute und schwierige Konsonantenverbindungen können noch Schwierigkeiten bereiten. Der Wortschatz von Kindergartenkindern sollte so weit entwickelt sein, dass Ober- und Unterbegriffe richtig verwendet werden.
Bei Kindern, die zweisprachig aufwachsen, wird die Muttersprache in den oben beschriebenen Entwicklungsschritten vollzogen. Der „ungestörte Muttersprachenerwerb ist Voraussetzung für den Zweitspracherwerb“ 3 . Spätestens bei Eintritt in den Kindergarten (sofern er besucht wird) lernt das Kind die zweite Sprache durch den Kontakt mit deutschsprachigen Kindern, Erzieherinnen etc. Meistens können beim Zweitspracherwerb einige Entwicklungsschritte übersprungen werden. Bei regelmäßigem Kontakt mit der Zweitsprache und einem unbefangenen Umgang der Eltern mit dieser Sprache, lernen Kinder in relativ kurzer Zeit altersgemäß sprechen.
Etwa im Vorschulalter erreichen Kinder den Stand, dass sie sich von der Situation ablösen können und über abstrakte Dinge sprechen können. Sie beginnen sprachliche Handlungen zu planen. 4
Mit Beginn der Schulzeit wird den Kindern die Lautstruktur von Wörtern durch das Lesenlernen bewusst. Über die Lerntätigkeit in der Schule entsteht eine intensive Kommunikation mit Gleichaltrigen und mit der Lehrperson. Durch diese Art der Kommunikation wird Kindern bewusst, welche Auswirkungen ihre sprachlichen Äußerungen haben (Lob, Aufmerksamkeit etc.).
3 vgl. STENGEL S.33
Arbeit zitieren:
Tanja Barstat, 2001, Sprachentwicklung am Beispiel eines Gesprächs mit einem 8-jährigen Mädchen, München, GRIN Verlag GmbH
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