wird es doch meist mit dem Begriff „eingebildet“ umschrieben. Mit genauer Kenntnis der Bibel (über die Gryphius ohne Frage verfügte) lassen sich diesem Wort noch mehr Eigenschaften zuschreiben. So heißt es in dem Prediger Salomo (Kapitel 1, Vers 2), dass „eitel“ unnütz, falsch, vergeblich, leer, nichtig und eingebildet ist. Vor allem in den Worten „nichtig“ und „vergeblich“ erkennt man das Problem der Vergänglichkeit, welches ja auch hier beschrieben werden soll.
Mit Beginn des ersten Verses bezieht das lyrische Ich den Leser unmittelbar in seine Anschauungen mit ein. Dies geschieht mit der Correctio „Du siehst, wohin du siehst...“ (Z.1), die den Leser persönlich anspricht und ihm den ersten Blick erweitert, indem er ihn nicht nur auf die unmittelbare Umgebung lenkt, sondern die Vergänglichkeit, die allgegenwärtig ist betrachten lässt. Dass es sich nur um eine Vergänglichkeit allem Irdischen handelt, betont der Autor mit dem Ende des ersten Verses: „...auf Erden.“ (Z.1). In den Versen zwei bis neun kommt es nun zu antithetischen Beispielhäufungen, die vor allem in den Versen zwei und drei, sowie fünf, sechs und acht parallel aufgebaut sind: Jeweils vor der Zäsur spricht Gryphius von etwas Gegenwärtigem, welches, nach der Zäsur, in der Zukunft nicht mehr sein wird. Dies wird von Vers zu Vers weiter gesteigert. So handelt es sich zunächst noch um materielle Dinge [„Was dieser heute baut,“ (Z.2)], beschäftigt sich daraufhin mit der unbelebten [„...Städte...“(Z.3)] und belebten [„...prächtig blüht,“(Z.5)] Natur und findet
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schließlich seinen Abschluss beim Menschen [„Was .. so pocht und trotzt,“(Z.6)]. All diese Dinge vergehen. So „reißt jener morgen ein,“ (Z.2), was vorher gebaut wurde, so „wird eine Wiesen sein,“ (Z.3), wo vorher die Stadt stand, so wird auch „..bald zertreten werden.“, was vorher blühte und also wird auch der Mensch „..morgen Asch und Bein.“ (Z.6) sein. All dieser Vergänglichkeit der ersten Strophe steht im letzten Vers der selbigen „...ein Schäferskind...“ (Z.4), welches „...spielen...“ (Z.4) wird gegenüber. Aus der Zerstörung entsteht also wieder Neues, in diesem Fall eine Idylle, die durch das Schäferskind symbolisiert wird. Es erscheint zunächst so, als würde die pessimistische Grundstimmung des ersten Verses umschlagen, doch diese Vorstellung wird mit dem nächsten Quartett zunichte gemacht (wie auch schon teilweise zitiert). In Vers sieben zeigt der Verfasser sogar die Vergänglichkeit der Dinge auf, die für uns ewig erscheinen: „...Erz...“ und „...Marmorstein.“ (Z.7).
In Vers zehn wird die Aufzählung von Beispielen und der daraus resultierende Gleichklang durch einen Satz, der im Konjunktiv steht plötzlich unterbrochen: „Sollt denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch bestehn?“ (Z.10). Gryphius tritt dieser Frage, der eventuellen Möglichkeit der Unsterblichkeit des Menschen mit äußerst merklicher Skepsis entgegen.
Der elfte Vers, der mit der Unmut äußernden Interjektion „Ach,“ (Z.11) beginnt, wird versübergreifend auf die zwölfte und 13. Zeile bezogen. Er kritisiert, dass die Menschen nur
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mit ihrer Gegenwart beschäftigt sind und führt gleichzeitig wieder deren Vergänglichkeit anhand der Klimax „...Schatten, Staub und Wind,“ (Z.12) und dem Bild der Wiesenblume, als Repräsentant des Lebens, „die man nicht wiederfind’t.“ (Z.13) auf.
Mit dem letzten Vers stellt Gryphius abschließend eine wesentliche Tatsache dar, die man als Appell interpretieren könnte: „Noch will, was ewig ist, kein einig Mensch betrachten.“ (Z.14). Dieser Vers verdeutlicht abermals, dass Menschen fast ausschließlich mit vergänglichen Dingen und ihrer unmittelbaren Gegenwart beschäftigt sind. Diese letzte Zeile steht im Einklang zu der ersten, bestätigt diese und bringt gleichzeitig die religiöse Ebene in den Anschauungsbereich. Der eben erwähnte Appell könnte also die indirekte Aufforderung sein, im Glauben an Gott die Rettung, in welcher Form auch immer, zu finden. Gryphius Gedicht lässt sich relativ problemlos auf die Gegenwart beziehen. Gerade in einer Konsumgesellschaft, wie der unserigen, spielen Dinge, die bei näherer Betrachtung so vergänglich sind eine große Rolle. Auch wenn ich nicht der Meinung bin, die Lösung dieses Problems bei Gott zu suchen, stimme ich dem Autor in seiner indirekten Aufforderung der Betrachtung der Dinge, die ewig währen zu. Man sollte sich bemühen, weniger auf materielle Dinge zu achten, sondern im Gegenzug geistige und philosophische Grundsätze sich selbst zu erarbeiten, um diese vielleicht verstehen zu können.
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Wörteranzahl: 794
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Arbeit zitieren:
Moritz Lembke, 2001, Gryphius, Andreas - Es ist alles eitel, München, GRIN Verlag GmbH
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kon. tu
interessant!.
tja, eine sehr fundierte analyse, bei der fraglich bleibt, ob der autor wirklich über den wissenstand verfügt, den er vorzugeben scheint.
alles in allem aber sehr gelungen.
am Wednesday, October 24, 2001-
Moritz
dankeschön.
Vielen Dank der Herr! Zufälligerweise handelt es sich um meine eigenen Ideen und Bücher zu lesen ist nicht verboten!
am Thursday, October 25, 2001-
hans
empfehlenswert.
auf jeden Fall weiter zu empfehlen !!!
am Wednesday, December 12, 2001-
Julie
Dafür 15 Punkte?Na dann.....
Dafür 15 Punkte???Na dann...
am Tuesday, February 05, 2002-
Jenny Ele und
Es rockt!!!!.
Hey jo da haste voll die krasse interpretation gebracht alter!!!!Krasse Probs an dich man!!!!!!!!!
am Tuesday, May 28, 2002-
Icke
nicht schlecht, aber 15 Points ?.
nicht schlecht, aber 15 Points? Das glaub ich nicht, dazu zu standardisiert!
am Wednesday, June 01, 2005-
Curly
Nicht schlecht, aber 15 Punkte?.
Als Ansatz absolut gelungen!!! Auch der Sprachstil ist absolut angemessen. Allerdings schließe ich mich den vorherigen Beiträgen an: Für 15 Punkte muss das ganze etwas tiefer gehen und etwas weniger "Standart" sein!
am Wednesday, May 24, 2006-
tanja
großes lob.
ich finds gut^^ ... mir hat die interpretation in vieler Hinsicht weitergeholfen :) und da ihc mich als mittelmäßige schülerin bezeichne finde ich 15 punkte für diese interpretation absolut angemessen
am Thursday, September 11, 2008-
Tamara Miller
gute formulierungen und deutungsansätze. jedoch könnten einige inhaltliche aspekte genauer und tieffgreifender interpretiert bzw analysiert werden. alles in allem hilfreiche arbeit!
am Wednesday, January 06, 2010-