Hintergrund der eigenen Präferenzen, sowie der subjektiven Wahrscheinlichkeit, dass
eine bestimmte Handlung eine bestimmte Folge (Konsequenz) mit sich bringt.
Außerdem erstellt der Akteur eine SEU-Wert-Kallkulation für jede Alternative - der
Akteur "errechnet" sich also für jede Alternative und deren Konsequenz einen Wert.
SEU heißt: „subjective expective utility“, also was dabei eine Alternative dem Akteur
bringt, mit welcher Wahrscheinlichkeit, und welche Kosten entstehen. Selektion
bedeutet die Maximierung der subjektiven Nutzenserwartung und den Vergleich der
kalkulierten SEU-Werte. Die oben schon erwähnte Kritik stützt sich auf diese drei
Schritte, die der Akteur laut der RC-Theorie durchlaufen muss. Erstens folgt
menschliches Handeln nicht der Maximierungsregel (Mensch ist nicht perfekt informiert,
kann die Informationen nicht alle verarbeiten); Hierzu stellte Herr Müller noch einmal
das Problem des Akteurs und seiner Wahl dar, anhand von H. Simon: a) "satisficing"der Akteur gibt sich mit einem bestimmten Ausmaß an Verbesserung zufrieden
(subjektiv, bewußt) und b) "bounded rationality" - der Akteur maximiert nicht
allumfassend, sondern auf Basis von Teilinformationen und limitierter Wahrnehmung
(biologisch bedingt). Die Annahme dieser wird über die Annahme der Response-Sets
möglich, und als situations-unabhängige Reaktion der bounded rationality verletzt sie
geradezu die RC-Theorie. Diese Tatsache bedeutet, dass menschliches Handeln per
se, aber gerade in ungewohnten Situationen, vielmehr unreflektiert und demnach
(undurchdacht) sich als "Habit" und nicht als RC vollzieht. Zweitens, dass es beim
Handeln des Menschen keine fixen Präferenzen und stabile Erwartungen gibt, sondern
das diese viel eher jedes mal neu definiert werden. Der Mechanismus der das Handeln
erklären soll ist ein "Prozess der Generierung von Bedeutungen" - der Akteur legt also
einen Rahmen der Relevanz ("Frame") darüber fest, was für ihn der Sinn der Situation
ist. Situationsmerkmale, symbolische Merkmale und Interaktionspartner definieren die
Situation, und legen - strategisch oder nicht - den weiteren Ablauf der Situation fest.
Welcher Rahmen gewählt wird, erweist sich durch das dann folgende Handeln. Die hier
eingebrachte Annahme dieser "Habits" und "Frames" soll aber nicht die RC-Theorie
entkräften, sondern eine Ergänzung, eine Vertiefung der Theorie sein. Denn da sie
keine wirklich theoretische Grundlage hat und es nur zwingend angenommen wird,
dass das menschliche Wesen über die bounded rality, satisficing, habits und frames
verfügen muss, können sie die Annahmen der RC-Theorie gar nicht entkräften, sondern
eben nur ergänzen.
Herr Müller erläuterte in dem Zusammenhang mit den Präferenzen noch ein in
mathematische Begriffe gehülltes Beispiel - die Konsistenz und die Präferenzen, um die
"verschrobene" Einschätzung von auf den ersten Blick unterschiedlichen Situation, aber
auf den zweiten völlig identischen aufzuweisen - zu veranschaulichen. Wichtig hierbei
war, dass wenn wir Annahmen über Personen und ihre Präferenzen machen, diese
Präferenzen für die RC-Theorie immer konstant und gleich bleiben müssten, da die RC-Theorie sonst nicht anwendbar ist. Die Annahme von immer konstant-bleibenden
Präferenzen ist aber nicht realistisch, weil Personen sonst ja immer ein gleich-bleibende
Leben führen würden, was schwer zu glauben ist. Präferenzen sind also von Mensch zu
Mensch verschieden und müssen deshalb in eine mathematische Formel "gepackt"
werden, auch um real verständlich zu machen, wie die idealen konstanten Präferenzen
sich verhalten und wie die Präferenzen der Menschen sich verhalten. Dies wurde
innerhalb der empirisch-psychologischen Forschung betrieben. Diese Zeigt einen
Mangel an konstanten (und logischen) Präferenzen. Veranschaulichen (anhand einer
„realen“ Situation) lässt sich dies an dem Beispiel der Befragung von Arbeitnehmern
über ihren Tariflohn am besten: ein Angebot von 7% Lohnkürzung bei Inflationsfreiheit
wurde von mehr als der Hälfte abgewiesen, wohingegen ein Angebot von 5%
Lohnkürzung und 12% Inflation nur noch von sehr wenigen abgelehnt wurde. Rechnet
man dieses Beispiel durch, so kommt beiden Alternativen immer der gleich gekürzte
Lohn heraus. In der Konsequenz sind es gleiche Situationen, nur werden sie
unterschiedlich wahrgenommen, ähnlich dem allgemeine Prinzip: halbvolles oder
halbleeres Glas - das Glas hat auf jeden Fall weniger Inhalt.
Um nun die Begriffe "frames" und "habits" zu erklären, wurde - teilweise - sehr
weit ausgeholt. Sinn dieser beiden Ergänzungen zur RC-Theorie ist es, zwei weitereneben dem satisficing und der bounded rationality - Kriterien mit einzuführen, nach
denen der Mensch offensichtlich auch handelt.
"Frames" sind als situative Dominanz bestimmter Ziele und "Codes" zu
verstehen, mit dem Bezug: wozu soll ich etwas tun? Sie gelten als eine Einschränkung
in Bezug auf die Auswahl des Ziels. Frames entstehen als "Definition der Situation"
durch Kommunikation, Konversation, Sprache, Aushandeln und Indizierung. Im
speziellen gelten sie als "Identität" oder "Selbst-Konzept" des Akteurs und die
"Persönlichkeit" ordnet die Entscheidungsstruktur von Akteuren in Situationen nach
Ziel-Prioritäten. Die Aktualisierung oder Transformation von Frames äußert sich darin,
dass sie wie kognitive Schemata erweitert, vertieft, spezifiziert und verändert werden
können, sowie dass sie häufig den Charakter einer Konversation (Austausch einer
Relevanzstruktur nur bei einer alternative neuen Relevanzstruktur) haben. So geht man
davon aus, dass der Mensch ein Ziel vor Augen hat und dieses erreichen möchte. Da er
aber nicht - wie die einfache RC-Theorie suggeriert - alle möglichen Kosten
durchrechnet, Alternativen durchdenkt und sich darüber Gedanken macht, was alles
passieren könnte, oder welche Indikatoren ihn von seiner Erreichung des Ziels wieder
abbringen könnten, passiert das Entgegengesetze: er setzt sich einen Rahmen, und
filtert die für ihn relevanten Aspekte heraus, um sein Ziel erfolgreich zu erreichen. Die
Alternative fallen weg. (Beispiel Kino) Dies lässt sich mit einer "Brille" vergleichen: um
die in der Umwelt vermeintlich wichtigen Sachen von den vermeintlich unwichtigen zu
trennen. Der Mensch schaut durch eine Brille, die nach dem gesetzten Ziel filtert - also
einen Rahmen setzt. Außerdem verfügen die Menschen über viele verschiedene
Frames und wählen sich einen heraus. Die Idee der Frames passt eigentlich - wie oben
bereits erwähnt - nicht in die RC-Theorie, sondern kann durch lernen, erleben,
speichern und wieder erinnern in/von Situationen entstehen und nicht durch bewusstes,
kalkuliertes Nachdenken/Handeln. Diese Vereinfachung muss in die Analyse des
menschlichen Verhalten mit hinein. Sie lässt sich also doch mit der RC-Theorie
verbinden, da das Framing (wie die Wahl einer Brille) eine separate Handlung ist.
Framing ist die Vereinfachung von einer Situation mit einem bestimmten dominantem
Ziel. Zwar wird nicht die Situation mit dem größten Nutzen in den drei erwähnten
Schritten von Kognition, Evaluation und Selektion, sondern es wird eine
Vorabeinschätzung der Situation getroffen (Framing), und danach findet erst das
weitere Wählen einer Alternative und die Handlung statt. Framing ist immer ein
Auswahlprozess von relevanten Sachen im Vorfeld, allerdings ohne sich darüber allzu
sehr den Kopf zu zerbrechen, sondern fast "automatisch". Vorweg vollzieht sich die
Wahl der Rolle, ohne nachdenken und innerhalb der Rolle erfolgt dann eine natürliche
Maximierung der Situation. Wenn ich 10,- DM in der Tasche habe und mir viele Dinge
kaufen möchte, so versuche ich stets diese 10,- DM mit dem größtmöglichsten
Ergebnis zu investieren! Um diese Tatsache zu veranschaulichen, zu vereinfachen,
wurde das Beispiel der "blauen Ampel vs. Fußgänger" erläutert. Wenn man an eine
Ampel kommt und das Zeichen leuchtet rot, so bleibt man stehen, bzw. man weiß, dass
man die Straße jetzt nicht überqueren darf. Leuchtet statt einem satten Rot die Ampel
aber mit blauem Signal wird man stutzig. Folgendes könnte dann passieren: man bleibt
stehen und beobachtet seine Mitmenschen, sowie die Autos und "registriert", was diese
machen; man schließt sich ihnen an, tut ganz normal; gehen die anderen Fußgänger
dann rüber, geht man mit. Oder aber man denkt sich, das kann ja nicht sein, ist
verunsichert und sucht sich einen anderen Fußgängerüberweg mit roter Ampel. Als
dritte Variante könnte man annehmen, dass das Team der "Versteckten Kamera"
unterwegs ist, und man sich im Zweifelsfall vor der gesamten Nation blamiert, weil man
zuvor schon sehr skeptisch geschaut hat, umher geht und die Kamera sucht. So kann
der Akteur also seinen Frame wechseln, bzw. sein Zielvorhaben ändern, nämlich vom
normalen Fußgänger, der sich einen anderen Übergang sucht, über den sich
anpassenden, welcher ganz normal tut, wie die anderen auch, bis hin zu dem, der die
"Versteckte Kamera" sucht. Aber erst nach Feststellung der unterschiedlichen Frames
findet die Evaluation der SEU-Werte für einen bestimmte Frame statt, und danach die
Entscheidung, welchen man wählt. Die an dieser Stelle ausführliche Errechnung der
Wahrscheinlichkeit für den Frame "normaler Fußgänger" kann, legitimiert durch Herrn
Lapinski, weggelassen werden. Die vereinfachte Formel allerdings lautet: p(i) = ß + 1/K
- p von (i) ist die Wahrscheinlichkeit für den Frame des normalen Fußgängers; ß ist der
Wert, sich als Fußgänger zu verhalten in Abgrenzung der möglichen Werte der übrigen
möglichen Frames, K ist die Anzahl der möglichen Frames. Die Wahl eines Frames
hängt von ß ab. Wichtig ist erstens, dass die Mustersituation "normaler Fußgänger" mit
wesentlichen Merkmalen im Kopf gespeichert ist. Das heißt: wenn die Mustersituation
passungsgleich mit der aktuellen Situation ist, dann ist der ß Wert umso höher, da der
Wert für die übrigen Situationen niedrig ist. Anders: bei einer blauen Ampel ist die
Deckungsgleichheit mit der Mustersituation nicht vollkommen und somit wird der ß Wert
für die Wahl des Frames der Mustersituation niedriger und damit die Wahrscheinlichkeit
für die Wahl eines anderen Frames vergleichsweise höher. Zweitens ist bei der Wahl
des Frames wichtig, welche Nebenkosten damit verbunden sind. Sind die Kosten für die
Mustersituation "klein", so steigt der ß-Wert für die Mustersituation und K, also die
Anzahl der sonst möglichen Frames sinkt, weil die Kosten hierfür zu groß sind; sind die
Kosten für die Mustersituation aber groß, so sinkt der ß-Wert für die Mustersituation
und K wird größer. Frames sind sie Filter für eine Situation, Framing ist das Feststellen,
dass es verschiedene Möglichkeiten gibt und späterer Handlungskonsequenzen.
Dieses Framing passiert so lange nicht bewusst, als wie man eine intonalisierte
Handlung "abfährt". Wenn sich ein Frame als "gut" erwiesen hat, behält man ihn bei.
(Dennoch sollte man nicht verachten, dass Framing auch immer mit der momentanen
Verfassung des Akteurs zu tun hat)
"Habits" - welche im Vergleich zu den Frames nur kurz behandelt wurden - sind
die stetigen Anwendungen von (bewährten) Rezepten auf den Alltag, mit dem Bezug
auf: was soll ich sonst tun? Habits funktionieren ähnlich wie Schemata und Scripte, sie
äußern sich in Erscheinungsmodi der Befehle, des Rezeptwissen und dem Lob der
Routine. In Bezug mit der RC-Theorie können Habits als intentionale Interpretationen
rekonstruiert werden. Simon, und darauf aufbauend Riker und Ordeshook Lösen das
Problem der Verbindung von Habits und RC-Theorie (mit der SEU-Werten) indem sie
feststellen, dass anstatt von maximising viel eher satisficing stattfindet, also dass sich
der Akteur auch mit der nicht perfektesten Lösung zufrieden gibt. Der Prozess des
Abwägens der Habits erfolgt mit Hilfe der SEU (subjective expected utility) in Funktion
eines Filters im Prozess der Kognation, also die stetige Suche nach einer Alternative.
Eine Veränderung der Habits kann nach Heiner nur sehr selten stattfinden, und wenn,
dann nur falls ein großes Ereignis vorgefallen ist. Somit stellen auch Habits keinen
Gegensatz zu der RC-Theorie, da sie intentional sind, also dass eine rationale
Kalkulation durch Habits erfolgt, so etwa wie Schemata und Scripte. Es findet
außerdem eine ständige Kognation, Evaluation und Selektion der Rezepte (Habits)
statt. Habits sind dann gut, wenn sie sich über lange Zeit bewiesen haben und normativ
geschützt sind. Satifsicing findet zudem nur statt, weil das Level der Überlegung
niedriger ist und man sonst zuviele Informationen erhält, die man gar nicht speichern
kann. Man behält seine Routine solange bei, wie die Kosten dafür erträglich sind und
wechselt sie erst durch ein externes Signal. Das Beispiel der „Oma und dem
Supermarkt“ veranschaulicht sehr gut, wie sich Habits in unserem Dasein äußern: Eine
Oma von ca. 75 Jahren lebt seit 50 Jahren immer an dem gleichen Ort, und geht auch
immer in "ihrem" Supermarkt einkaufen. Dieser ist ihr - über die lange Zeit entstandensehr vertraut, sie findet sich gut darin zurecht und kennt auch das Personal. Auch wenn
es ggf. einen andersartigen Supermarkt in gleicher Entfernung geben würde, so bleibt
sie dennoch bei "ihrem", denn es hat sich erwiesen, dass dieser ihr "gut tut". Erst wenn
etwas schwerwiegendes passiert - ihr Supermarkt kündigt Insolvenz an, die gesamte
Belegschaft wird ausgewechselt und/oder die Atmosphäre verändert sich, oder das
Haus muss abgerissen werden - wird sie (wenn u.U. auch zwangsläufig, s. Abriss) erst
dann ihren Habit ändern und zu einem anderen Supermarkt gehen. An sich "hinkt"
dieses Beispiel, denn eine Veränderung des Habits hängt auch immer mit den neuen
Möglichkeiten zusammen. So könnte doch die Oma, wenn ihr Supermarkt nun
tatsächlich ein neues "Innenleben", Belegschaft, etc. bekommt, dennoch weiterhin in
ihren Supermarkt zum Einkaufen gehen, oder?
Komme ich nun zum Schluss meiner ausführlichen Beschreibungen zu Frames
und Habits - oder Habits und Frames, und fasse deshalb nun noch einmal zusammen
(lt. der Beschreibung von Herrn Müller): Habtis sind die Vereinfachungen hinsichtlich
der Mittel der Zielerreichung, mit der Funktion: Kostensenkung bei der
Informationsbeschaffung im Zusammenhang mit "satisficing" (Weg!); und Frames sind
die Vereinfachungen der Zielstruktur, mit der Funktion: Reduktion von Komplexität im
Zusammenhang mit "bounded rationality" (Sin/Ziel!). Die objektive Situation wird immer
unterschiedlich eingeschätzt, es wird vereinfacht um zu sparen, aber das Ziel bleibt.
Nun stellen sich noch die Fragen, warum es Habits und Frames überhaupt gibt,
welches ihre Wechselwirkungen sind und in wie weit sie innerhalb der RC-Theorie
vorkommen, was die Schwächen sind und worin der Bezug zur Weltanschauung
besteht.
Warum es Habits und Frames gibt, ist eine Frage, die mindestens so gut ist wie:
warum gibt es den Menschen? Fest steht, dass es Habits und Frames gibt, und dass
sie sozusagen "Hilfsmittel" für den Menschen sind in einer Welt, in der der Mensch
überflutet wird mit Informationen, und nun versucht damit zurecht zukommen. Sie
könnten der Orientierung dienen, der Festigkeit des Verhaltens. Sie könnten eine
gewisse Geborgenheit darstellen, um mit dem Druck der Realität zurecht zukommen,
um diesem Druck auszuweichen und abzuleiten. Da der Mensch - nach Descartes - nur
sein kann, weil er fähig ist zu denken, bzw. fähig ist, sich selbst zu denken, kann es ja
rein hypothetisch möglich sein, dass er der einzige reale Gegenstand ist, und die
anderen Sachen/Dinge nur deshalb sind, weil der Mensch sie sich denken kann, und er
somit geradezu verzweifelt damit leben muss, diese Tatsache tief in seinem innern zu
wissen, ohne sie aber zu wissen wollen, und dass die Menschheit sich aus diesem
Grund, nämlich das Wissen zu verdrängen, Eigenschaften angeeignet hat, die ihm
helfen vor dieser Erkenntnis zu fliehen. Rein hypothetisch!
Die Wechselwirkungen zwischen Habit und Frames könnten darin bestehen,
dass die Frames nicht das Ziel selbst sind, sondern nur in Verbindung mit Habits
existieren können.
Wo finden sich Habits und Frames in der RC-Theorie wieder? Diese Frage
möchte ich anders stellen: unterliegen Menschen überhaupt der RC-Theorie? In
anbetracht der Tatsache, dass die RC-Theorie sowieso nur in Verbindung mit der
"bounded rationality" und "satisficing", sowie nun auch noch unter Eingabe der "Habits"
und "Frames" bestehen kann, bzw. nur in dieser Kombination einigermaßen zu
rechtfertigen ist (wie wir im Verlauf des Seminars feststellen konnten), ist sie für mich
nun bald um ihre Existenz gebracht; da, (auch wenn es ggf. nicht zutreffen mag) sie nur
durch die Zusätze und Eingeständnisse der vier o.g. Begriffe, welche ja eine (nicht zu
ergründende?) eigenständige, schwer empirisch und theoretisch nachweisbare Natur
des Menschen aufweisen, nämlich dass der Mensch nicht nach der RC-Theorie, also
nach dem Prinzip der Kosten-Nutzenmaximierung im eigentlichen Sinne der Theorie,
funktioniert; und sie durch diese Begriffe absolut ergänzt werden muss - ist sie in ihrem
Wesen - als das was sie sein soll, verloren hat. Die RC-Theorie funktioniert nur auf dem
Papier, nicht aber in ihrer Anwendung auf Menschen ohne die Hilfe der Begriffe, und ist
somit für mich hinfällig. Den Anspruch, eine Formel über das menschliche Verhalten zu
"kreieren", kann ich sehr wohl verstehen; denn ist es nicht gerade das, was die
Menschheit schon seit Tausenden von Jahren versucht zu ergründen, wie der Mensch
funktioniert, nach welchen Prinzipien, Regeln oder Schemata, was den Versuch, eine
Formel zu entwickeln, geradezu unabkömmlich macht? So haben sich mit Hilfe der
Philosophie schon immer Menschen darüber Gedanken gemacht, wie es sein kann,
das der Mensch so ist, wie er ist, und sich so verhält, wie er sich verhält, er so anders
ist als Tiere, sich also seiner selbst bewusst sein kann, und sich Gedanken über die
Welt und die „Dinge an sich“ machen kann; und auch in der Disziplin der Soziologie
wurde es versucht, herauszufinden, wie der Mensch funktioniert, doch immer im
Hinblick auf eine mögliche allgemeingültige Gleichung, was meiner Meinung nach ja
sehr interessant ist, aber nicht funktioniert. Wie auch immer die Welt entstanden seien
mag, so hat doch im Laufe der Zeit die Evolution, in jeder Hinsicht, eine gewisse
Eigendynamik bekommen, und viele Sachen/Dinge entstehen einfach, weil es der Lauf
der Entwicklung so will. Die Frage nach dem, was dahinter steckt, wird die Menschheit
hoffentlich noch lange beschäftigen, denn gibt es etwas, auf was sich die Beschaffung
der Welt und die Konzeption des Menschen (abgesehen von der Biologie, den
empirischen Wissenschaften, denen ja - s. RC-Theorie - nicht alles gelingen mag)
wirklich zurückführen lässt, wo ist es sicherlich die interessanteste Erkenntnis
überhaupt.
Eine große Schwäche - von der empirisch-theoretischen Sicht her - ist die
Operrationalisierung der "Habits" und "Frames". Wo befinden sie sich, wie und wo
finden sie statt, etc., denn für eine empirische RC-Theorie reichen an sich bloße
Annahmen nicht aus, sie müssten bewiesen werden.
Der Bezug zur Weltanschauung - welcher leider aus Zeitgründen nur rudimentär
betrachtet wurde - lässt sich vielleicht insoweit ziehen: ein Mensch beschließt ein guter
Christ zu sein, weil er sich die Welt nach diesen Kriterien sehr gut vorstellen mag, oder
daran glaubt. In dem er sich also dieses Ziel setzt, ein guter Christ zu sein, wird er jede
Situation mit dem Frame: ich möchte ein guter Christ sein, betrachten. So wird er auch
seine Habits - also Gewohnheiten, Regeln, Maxime - immer unter dem Aspekt: ich bin
ein guter Christ, wenn ich das so mach, ausführen (s. z.B. best. Gesten, Abendmahl, in
die Kirche gehen, etc.).
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Johanna Lehmann, 2001, Die Einbettung rationalen Handelns: Habits und Frames, München, GRIN Verlag GmbH
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