- 2 - („JustiniansSelbstverständnis als christlicher Herrscher“). Abschließen werde ich mit einer Zusammenfassung und einem Fazit.
1. Justinian
Justinian kam um 482 als Bauernsohn mit dem Namen Petrus Sabbatius in der Provinz Dardania zur Welt. Den weiteren Vornamen Flavius soll er später in Konstantinopel in Gedenken an an frühere römische Kaiser angenommen haben. Kaiser Justin, sein Onkel, gab i hm, nachdem er ihn adoptiert hatte, den Namen Iustinianus. Da Justinians Geburtsort in einer illyrischen Provinz liegt, kann davon ausgegangen werden, dass das Lateinische seine Muttersprache war. Es wird angenommen, dass Justin seinen Neffen schon früh n ach Konstantinopel kommen ließ und ihm dort eine umfassende Bildung ermöglichte. In den Jahren vor seiner Thronbesteigung hatte Justinian schon einmal die Gelegenheit sich ein Bild von seinem zukünftigen Aufgabenbereich zu machen, da er u.a. von Justin als Berater eingesetzt wurde. Als letzterer im Jahre 527 bedrohlich erkrankte, wurde im seitens des Senats formell vorgeschlagen, seinen Neffen zum Mitregenten zu ernennen. Durch den Patricharchen Epiphanios wurde Justinian am 4. April desselben Jahres im großen Triklinion des Kaiserpalastes gekrönt. Kurze Zeit später verstarb Justin und Justinian war alleiniger Herrscher.
Bereits zwei Jahre vor seiner Krönung heiratete Justinian die ehemalige Schauspielerin Theodora, die aus der tieftsen sozialen Schicht Konstantinopels stammt. Um die Hochzeit zu ermöglichen, musste Justin ein Gesetz, welches die Ehe zwischen hohen Beamten und ehemaligen Schauspielerinnen verbat, aufheben. Von Theodoras Gegnern wurden viele böse Gerüchte über ihre Vergangenheit verbreitet,wobei nicht ganz klar ist, was als wahrheitsgemäß angesehen werden kann und was nicht. Theodora soll großen Einfluss auf Justinians politische Entscheidungen gehabt haben. Als sie am 28 Juni 550 verstarb war Justinian emotional sehr mitgenommen.
Justinians Ziel als Kaiser war in erster Linie die Restauration der alten Grenzen im Westen, wofür er mit Belisar und Narses über zwei fähige Feldherren verfügte. Mit der Eroberung des Vandalenreiches in Nordafrika 533/534 und des Ostgotenreiches in Italien 553, sowie T eile des Westgotenreiches in Spanien, erreichte Justinian nahezu all seine außenpolitischen Ziele. Außerdem konnte er die Ostgrenze gegenüber den Persern halten. Unter KaiserJustinian ereichte die Restaurationspolitik
- 3 - ihrenHöhenpunkt. Innenpolitisch vollbrachte Justinian eine Verwaltungsreform, indem er den Rechtsgelehrten Tribonianus eine umfassende Rechtskodifikation vornehmen ließ. Die noch bis heute auf die Rechtsentwicklung in Europa einflussnehmende Sammlung des damals geltenden bürgerlichen Rechts w ird als „Corpus Juris Civilis“ bezeichnet. Sie besteht aus den seit Kaiser Hadrian erlassenen und zu Justinians Zeit noch geltenden Gesetzten („Codex Iustinianus“ 529, vervollständigt 543), aus Auszügen aus den Rechtsgutachten römischer Juristen, die bis z um 3. Jahrhundert publiziert wurden („Digesten“ oder „Pandekten“ 533), aus einer Einführung in das römische Recht („Institutiones“ 533) sowie aus den Gesetzten Justinians nach Abschluß des „Codex Iustinianus“ („Novellea“). Fast gestürzt worden wäre Justinian bei dem „Nika-Aufstand“ 532: Wie seine Vorgänger begünstigte Justinian die städtischen Oberschichten und drängte den Einfluss des Großgrundbesitzes zurück. Jedoch wurden die sozialen Unterschiede in den Städten größer und größer. Die unteren städtischen Schichten organisierten sich politisch schon seit längerem in verschiedenen Zuschauerparteien im Hippodrom, genannt „Zirkusparteien“, die dem Kaiser gelegentlich ihre Forderungen unterbreiteten. Dabei unterstützen die „Blauen“ in erster Linie die Senatsaristokratie von Konstantinopel und die Großgrundbesitzeraristokratie, und die „Grünen“ die Kaufleute und Handwerker. Beim „Nika-Aufstand“ vereinigten sie sich jedoch, nachdem die Grünen u.a. ihrem Unmut über die Unterdrückung durch die Behörden beim Kaiser zum Ausdruck gebracht hatten. Der Aufstand konnte nur blutig beendet werden.
Um die Bindung zur Kirche zu vergrößern, stellte er sich an ihre Spitze. Die Bischöfe hatten sich ihm unterzuordnen und mussten ihm gehorchen. Ausserdem ließ er prunkvolle Kirchen errichten, u.a. die „Hagia Sophia“ in Konstantinopel und die „San Vitale“ in Ravenna. Probleme bereiteten Justinian die Streitereien innerhalb der Kirche zwischen Orthodoxen und Monophysiten. Seine Frau Theodora machte sich für letztere stark, während e r selbst die Orthodoxie unterstütze, die Monophysiten aber tolerierte. Sein Vorhaben, eine einheitliche orthodoxe katholische Kirche zu schaffen, gelang ihm nicht. Gegen die Heiden ließ er mit allern Schärfe vorgehen. Die nach der neuplatonischen Philosophie unterrichtenden Akademie in Athen duldet Justinian nicht und ließ sie daher 529 schließen.
Im Zeitalter Justinians erlebte die spätantike Kunst, Literatur und Bautätigkeit noch einmal eine Blüte.
- 4 - Inder Nacht zum 14. November 356 starb Justinian ohne fremdes Einwirken in seinem Bett.
Die nachfolgenden Kaiser konnten die westlichen Eroberungen (bis auf das Exarchat Ravenna) nicht halten, da die Kräfte des Staates total erschöpft waren. Die Zeit Justinians wird als glanzvoller Abschluß der spätantiken Epoche des (ost-) römischen Reiches angesehen.
2.1 Gottkaiser
Dass die Grenze zwischen Mensch und Gott in der Antike nicht unbedingt als unüberwindbar empfunden werden musste, zeigte sich schon früh im griechischen Osten. Durch die Alexanderzüge im 4. Jahrhundert vor Christus konnten sich orientalische Vorstellungen im griechischen Kulturbereich entfalten und dazu beitragen, dass ein Herrscherkult entstand, bei dem die Herrscher wie Götter verehrt wurden. In Folge der Ausdehnung des römischen Weltreichs gen Osten , erfuhren nun auch römische Herrscher diesen Kult. Da jedoch die Römische Republik eine Aristokratie war, und das griechische Volk nicht einen Herrscher „greifbar vor Augen hatte“ , wurde zunächst die Stadt Rom als Göttin „Roma“ verehrt, wie es auch die Römer selbst bereits praktizierten. In Smyrna errichten Griechen 195 vor Christus beispielsweise der Göttin Roma einen Tempel (templum urbis Romae). Doch auch verschiedene Aristokraten und der gesamte Senat selbst konnten sich der der Verehrung als göttliche Wesen nicht entziehen. So wurden z.B. für sie Spiele abgehalten. Im Prinzipat wurden diese Denkweisen auf die Kaiser übertragen, welche infolgedessen als „Wohltäter, Erretter und Heilbringer“ verehrt wurden. Die Kaiser erkannten früh, dass diese „Überhöhung des Kaisertums“ (Bleicken, S.94), die ja nicht „von oben“ vorgegeben worden war, sondern Bestandteil der Denkweisen des Volkes war, durchaus wünschenswert sein konnte, und wurde daher auch nicht abgelehnt.
Den politischen Vorteil, den derartige Verehrungen mit sich brachten, nahmen die verschiedenen Kaiser zur Kenntnis, und förderten nun auch diese, indem sie versuchten, diese Vorstellungen auf Italien und Rom zu übertragen. Während die sozial niedrigeren Schichten der Römer weniger Probleme hatten diese Form der Verehrung gegenüber dem Kaiser zu übernehmen, war der Standpunkt der Aristokraten eher kritisch, da der „Princeps“ nicht (offiziell) als Herrscher gesehen
Arbeit zitieren:
2002, Das Selbstverständnis Justinians als christlicher Herrscher, München, GRIN Verlag GmbH
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