Schwimmen vermitteln: Neue Konzepte und Modelle
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG. 2
1. MOTORISCHE FERTIGKEITEN 4
2. THEORIE DES DSV (KURT WILKE) 6
INHALTE UND REIHENFOLGE DER ANFÄNGERSCHWIMMAUSBILDUNG DES DSV. 9
3. ROTHS PRINZIPIEN 11
PRINZIP DER VERKÜRZUNG DER PROGRAMMLÄNGE: 11
PRINZIP DER VERRINGERUNG DER PROGRAMMBREITE: 11
PRINZIP DER PARAMETERVERÄNDERUNG: 12
VORTEIL DER VEREINFACHUNGSSTRATEGIEN: 12
SERIELLE ÜBUNGSREIHEN. 12
FUNKTIONALE ÜBUNGSREIHEN. 12
PROGRAMMIERTE ÜBUNGSREIHEN. 13
4. GILDENHARDTS PRINZIP IEN 13
PRINZIP DER VIELSEITIGKEIT: 13
PRINZIP DER GROBFORM: 14
PRINZIP DER KOMBINATION: 14
PRINZIP DER INTEGRATION: 14
5. FAZIT: 14
6. PRAKTISCHE ANWENDUNG DIESER KONZEPTE (STUNDENAUSARBEITUNG EINER
ZWEIST ÜNDIGEN UNTERRICHTSSTUNDE) 16
SERIELLE ÜBUNGSREIHE. 16
STAFFEL ZUM PRINZIP DER VIELSEITIGKEIT: 17
STAFFEL ZUM PRINZIP DER KOMBINATION: 17
FUNKTIONELLE ÜBUNGSREIHE: 18
7. LITERATURANGABEN. 19
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Einleitung
Im Laufe seiner Geschichte war der ‚Schwimmsport’ den unterschiedlichsten Veränderungen unterworfen. Mit Nicolaus Wynmann wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts das Schwimmen erstmals gesellschaftsfähig. Er setzte sich über die Vorurteile des Klerus und die vielen Badeverbote jener Zeit hinweg und veröffentlichte 1538 sein Lernbuch der Schwimmkunst unter dem lateinischen Titel „Colymbetes sive de arte natandi“. Nie zuvor hatte jemand ein so umfassendes und mit so großer Sachkenntnis erarbeitetes Fachbuch geschrieben. Das älteste und erste Schwimmlehrbuch der Welt war damit entstanden. Dieser älteste Schwimmtheoretiker kannte neben den genannten Schwimmarten auch das Wassertreten, Fuß- und Kopfsprünge, Tauchen und das Rettungsschwimmen. Für den Anfängerunterricht empfahl er sogar Trockenschwimmübungen. Nach den Grundsätzen von Wynmann war das Schwimmen dennoch schwer zu erlernen, da seine Methode keine Gewohnheitsübungen enthielt und er ein Vertraut machen mit dem Wasser nicht forderte. Als beispielhaft ist anzusehen, dass er die Schwimmbewegungen nicht zergliederte, so wie es später noch oft geschehen sollte. Alle Schwimmbewegungen ließ Wynmann in ihrer Ganzheit ausführen.
In der Folgezeit verlor die Ganzheitlichkeit immer mehr an Bedeutung. Unter Ernst von Pfuel wurde 1817 das Schwimmen in die einzelnen Komponenten zerlegt. Das Zergliedern der Bewegungen, das laute Zählen der einzelnen Teile, eine bewusst geforderte straffe Ausführung der einzelnen Bewegungen ließen das Schwimmenlernen zu einem drillmäßigen, kasernenhofartigen Exerzitium werden.
Die Technik des Schwimmenlernens mit Schwimmapparaten hielt sich bis in die Anfänge des 20 Jahrhunderts. Noch vor ca. 80 Jahren war gültige Meinung, dass das Erlernen des Schwimmens sinnvoller zu Lande als zu Wasser geschehen sollte. Zu diesem Zwecke entwarf man Trockenschwimmmaschinen (siehe Abb. 1 und Abb.2), die die einzelnen Komponenten der jeweiligen Schwimmart erlernbar machen sollten. Diese Art des Vermittelns wurde unter anderem gewählt, weil sie weniger gefährlich erschien und einheitliche Bewegungsmuster besser zu korrigieren waren.
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Abb.1 Schwimmapparate zu Beginn des 20. Jahrhunderts 1
Abb.2 Apparat für Trockenschwimmkurse von Chevalier, Paris 1853 2
1 Pahncke. 1979. 104
2 Pahncke, 1979. S.104
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Heutzutage existiert ein grundlegend anderes Verständnis über das Vermitteln des Schwimmens. Da Schwimmen im Wasser und nicht zu Lande stattfindet, verlagerte man die Schwimmausbildung zunehmend zurück ins Wasser. Gleichzeitig veränderte sich auch die gesellschaftliche Stellung des Schwimmens und so wurde das Schwimmen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bereits fester Bestandteil des Schulsports. In den 70 er und 80 er Jahren entstanden verschiedene Konzepte zum Schwimmenlernen. In dieser Arbeit wollen wir 3 Konzepte, die sich als sinnvoll und praktisch erwiesen haben, vorstellen und erläutern. Es sei jedoch erwähnt, dass es nicht drei völlig unterschiedliche Theorien des Schwimmenlernens sind, sondern verschiedene Gewichtungen und Ausprägungen, die strukturell große Ähnlichkeiten aufweisen. Den Anfang dieser Konzepte macht die Theorie des Deutschen Schwimmverbandes, die ihren Schwerpunkt jedoch auf das Wettkampfschwimmen legt. Dem gegenüber stellen wir die Konzeptionen Roths und Gildenhardts.
Zu Beginn möchten wir jedoch noch theoretische Überlegungen zum Schwimmen anstellen. Im folgenden Abschnitt wollen wir Schwimmen als eine geschlossene Sportart begreiflich machen.
1. Motorische Fertigkeiten
Um eine geschlossene Sportart, wie zum Beispiel das Schwimmen zu beherrschen, muss der Sportler die vorgegebene Technik neu erlernen und so lange trainieren bis der Bewegungsablauf eine präzise Form angenommen hat. Danach erst durchläuft er die Stadien des Automatisierens und des Stabilisierens . Vorab sollte man an dieser Stelle den Unterschied zwischen geschlossenen und offenen Fertigkeiten klären: Geschlossene Fertigkeiten sind Fertigkeiten, bei deren Anwendung es auf eine festgelegte, möglichst stabile und Fehlerfreie Reproduktion ankommt. Dies ist vor allem in jenen Sportarten der Fall, die durch weitgehend Vorhersehbare und konstante (sogenannte geschlossene) Ausführungsbedingungen gekennzeichnet sind. Dem Sportler werden sozusagen „Fragen“ gestellt, die dieser mit vorgefertigten Lösungen beantworten kann. Zu erlernen sind genormte Grundfertigkeiten, die stets in der gleichen Form präzise zu wiederholen sind. Der Weg der Vermittlung beinhaltet Prozesse des Neulernens, des Automatisierens und des Stabilisierens von Bewegungsformen.
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Offenen Fertigkeiten sind dadurch gekennzeichnet, dass sich einzelnen Bewegungsparameter nicht vorab festlegen lassen, da Variationen im Umfeld ständige Neuanpassungen der Fertigkeiten erfordern. Der Sportler muss auf variable, rasch wechselnde und nur schwer vorhersehbare Situationen reagieren, dass heißt er muss ebenfalls die Grundtechniken beherrschen, aber noch dazu auch in der Lage sein dies in wechselnden Situationen anzuwenden. Neben dem Neulernen und Automatisieren rücken damit das Variations- und Anwendungstraining in den Vordergrund.
Geschlossene Fertigkeiten: Offene Fertigkeiten:
-festgelegte, möglichst stabile und -Einzelne Bewegungsparameter fehlerfreie Reproduktion von Bewe-sind nicht vorab festlegbar. gungen. -Variationen im Umfeld erfor-Gekennzeichnet durch vorhersehbare dern dauernde Neuanpassung und konstante Ausführungsbedingungen der Fertigkeiten.
-Weg der Vermittlung: Neulernen, Auto--Weg der Vermittlung: Neulermatisieren und Stabilisieren von Bewe-nen, Automatisierung, Varia-gungsformen tions- und Anwendungstraining
-Bsp.: Turnen, Schwimmen, Leichtathletik -Bsp.: Natursportarten, Zwei-
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2. Theorie des DSV (KURT WILKE)
Bei der Anfängerschwimmausbildung, wie sie KURT WILKE beschreibt, fällt zunächst einmal auf, dass die gesamte Ausbildung „im“ Wasser stattfindet und nicht außerhalb. Wie bereits in der Einleitung geschildert wurde, war dies vor nur wenigen Jahrzehnten noch völlig anders. Deshalb erscheint es mir wichtig, dieser aus heutiger Sicht eher unscheinbaren Tatsache eine gewisse Aufmerksamkeit zu schenken. Wilkes Theorie des Schwimmenlernens liegt die Überzeugung zugrunde, dass Schwimmsport den Menschen lebenslang bereichern kann und er ein sehr breitgestreutes Betätigungsfeld in ihm finden kann. Die Verbindung seines Konzepts mit der Philosophie des DSV, dessen Ziel es ist, gute Wettkampfschwimmer hervorzubringen, wird deutlich, wenn er von der „Qualität der späteren schwimmsportlichen Bewegungsabläufe“ spricht. 3 Wilke, der früher selber deutscher Hochschulmeister im Schwimmen war, weiß natürlich, dass am Ende einer Schwimmausbildung ein guter Schwimmer bzw. Wettkampfschwimmer stehen soll. Natürlich kann nicht jeder, der diese Art von Anfängerschwimmausbildung durchläuft ein guter Wettkampfschwimmer werden. Trotzdem ist es auffällig, dass Wilke diese Qualität der Bewegung von der er spricht, besonders am Herzen liegt, und sein Verständnis von Schwimmenlernen deshalb häufig mit dem Wettkampfsport in Verbindung gebracht wird. Gerade weil er unterschwellig dieses eher wettkampforientierte Ziel verfolgt, ist es um so erstaunlicher, dass er gegen eine frühe Spezialisierung in der frühen Ausbildung ist und dem Lernenden genügend Zeit und Möglichkeit gibt, neue Bewegungen im und am Element Wasser zu machen. Genau diese Tatsache macht seine Konzeption wiederum so wertvoll für den Schul-sport. Wenngleich wir im Schulsport meist die Zeit zu einer Schwimmausbildung, wie sie Wilke proklamiert nicht haben, so ist sie für den Sportlehrer doch ein geeignetes Mittel, seine Schwimmausbildung mit Schülern zu strukturieren.
3 Wilke, 1988. S.10
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Kurt Wilkes Methodik der Anfängerschwimmausbildung, die aufgrund seiner Verbindungen zum Deutschen Schwimmverband (DSV) als offizielle Doktrin übernommen wurde, gliedert sich zunächst einmal in drei Abschnitte. Die Wassergewöhnung, die Wasserbewältigung und die Aneignung der ersten Schwimmart (vgl. Abb.3) Ziel der Methodik Wilkes ist es, den Anfänger „schwimmfähig“ zu machen. Dies bedeutet, daß sich der Anfänger ohne Hilfsmittel eine gewisse Zeit an der Wasseroberfläche fortbewegen kann. Ein zweiter Schritt ist es, den Anfänger „wassermündig“ zu machen. Dies bedeutet, daß sich der Lernende beliebig im und unter Wasser fortbewegt und Wasser als einen Teil seiner Lebenswelt begreifen lernt. Dabei steht zu Beginn dieser Ausbildung die Wassergewöhnung, die dem Übenden die Angst nehmen soll, die fast immer im neuen Element Wasser vorhanden ist. Er soll die spezifischen Eigenschaften des Wassers erfahren und durch gewisse Übungsformen, wie Fang- und Ballspiele mit dem Wasser vertraut machen und es als einen Teil seiner Umwelt begreifen lernen. Diese erste Phase der Anfängerschwimmausbildung ist sehr entscheidend und elementar, weil alle andere Ausbildungsinhalte auf diesen Erfahrungen und Fertigkeiten aufbauen.
Im zweiten Schritt, der Wasserbewältigung, wird nun versucht das Gelernte schwimmspezifischer anzuwenden. So sind in dieser Phase Ziele, wie die Empfindung des Widerstands des Wassers, Gleichgewichtsübungen, schweben und gleiten und Atemübungen besonders wichtig. Hier erscheint es mir wichtig, einen weiteren Aspekt der Methode Wilkes zu erläutern. Wilke möchte nicht nur Übungen vorgeben, die die Übenden dann genauso nachmachen müssen, sondern er stellt vielmehr Bewegungsaufgaben, die selbständig gelöst werden sollen. Diese Methode fördert sowohl die Kreativität der Übenden als auch ihre Handlungsmündigkeit. Die dritte Phase bei Wilke ist das Aneignen der ersten Schwimmart. Hier schlägt er das Kraulschwimmen vor, weil es seiner Meinung nach Bewegungsmerkmale enthält, die dem Erlernen anderer Schwimmarten förderlich sind.
Diese Vorgehensweise von Kurt Wilke beschreibt eine Methodik, die versucht, dem Lernenden Spaß am Wasser zu vermitteln, ihn Erfahrungen und Erlebnisse im Wasser machen zu lassen und ihm genügend Zeit gibt, bereits Gelerntes zu wiederholen und neue Fertigkeiten zu trainieren.
Ein wesentlicher Aspekt dieser Methodik ist, daß Neues erst dann eingeübt wird, wenn die vorhergehende Schwierigkeit weitgehend beherrscht wurde. Das bedeutet, daß bei der
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Methode, wie sie Wilke beschreibt, ein Lernvorgang auf den anderen folgt und auch von-einander abhängt.
Die allgemeine Schwimmausbildung, die nach der Anfängerschwimmausbildung steht, gibt bestimmte Schwerpunkte vor, die die Grundlage einer jeden Übungsstunde sein sollten (vgl. Abb.4). Die allgemeine Schwimmausbildung soll die Bewegungserfahrung im und unter Wasser maximieren und ist auf Vielseitigkeit angelegt. In ihr finden sowohl das Erlernen der einzelnen Schwimmtechniken statt, wie auch Gymnastik, Spiele und Tauchübungen. Während die Anfängerschwimmausbildung sich normalerweise auf das Kindesalter bezieht und in der Regel nicht länger als ein Jahr dauert, so beschreibt die allgemeine Schwimmausbildung einen Prozeß, der aufgrund seiner Komplexität doch einige Jahre in Anspruch nimmt.
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Inhalte und Reihenfolge der Anfängerschwimmausbildung des DSV
(Abb.3) 4
4 Wilke, 1988. S. 14
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Inhalte und Reihenfolge der allgemeinen Schwimmausbildung des DSV (Abb.4) 5
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3. Roths Prinzipien
Prinzipien nach ROTH die helfen komplexe, sportmotorische Fertigkeiten, wie Schwimmen zu erlernen:
Lehrer können Schülern die Aneignung einer neuen Bewegung dadurch vereinfachen, indem sie den Lernstoff sinnvoll reduzieren und den Fähigkeiten der Schüler anpassen. Dabei greifen sie auf solche Bewegungsparameter zurück, die nicht fertigkeitsspezifisch, sondern austauschbar sind. Vereinfachungsstrategien werden angewendet, wenn Schüler in Bezug auf die Programmlänge, die programmbreite oder andere Parameter überfordert sind. Deshalb stets nach folgendem Motto unterrichten: „Lernstoff reduzieren und an Schüler anpassen!“
Prinzip der Verkürzung der Programmlänge:
Gesamtbewegung. zum Einprägen zu lang - zu viel Bewegungsteile zeitlich nacheinander zu bewältigen
Deshalb motorische Gesamtbewegung. in viele kleine Abschnitte zerlegen Nur gut bei Zieltechniken, die durch isolierte nacheinander zu realisierende Beweg. gekennzeichnet sind. Bei enger Wechselwirkung keine Trennung
Prinzip der Verringerung der Programmbreite:
zu viele Teile gleichzeitig zu koordinieren. Deshalb isoliertes üben von z.B. Arm- und Beinschlag
Zerlegungsmöglichkeit bei Asynchronität zwischen Arm- und Beinarbeit. Einsatz von Hilfsmitteln ( Schwimmbretter) erforderlich Ausführungshilfe: Rhythmisierung der Bewegung: Orientierungsvorgaben
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Prinzip der Parameterveränderung:
Parameter: Ablaufgeschwindigkeit (zu schnell) Bewegungsdauer (zu kurz)
Kraftanforderung (die nicht ausreichend erbracht werden kann) Hohe dynamische Anforderungen (Intensität und Dauer) Beweg. langsamer ausführen Bewegungsumfang, Amplitude vergrößern
Kraftkomponente trainieren: geringe Intensität oder Krafteinsätze zeitlich. Ausdehnen Hilfsmittel: Paddels, Flossen
Vorteil der Vereinfachungsstrategien:
neue Beweg. mit Freude erlernen Erfolgserlebnisse motivieren Keine Über-/ Unterforderung
ROTH unterscheidet drei verschiedene Übungsreihen:
Serielle Übungsreihen
Das Training wird von „vorne nach hinten“ aufgebaut, indem der Schüler die einzelnen Bewegungsformen in ihrer räumlich- zeitlichen Abfolge erlernt. Wenn alle Bewegungsformen beherrscht werden, setzt der Übende diese zu einer Gesamtbewegung zusammen. In diesem Zusammenhang lässt sich auch die „progressive Lernmethode“ erwähnen, bei der jeweils 2 vom Übenden beherrschten Elemente verknüpft werden, bis zum Erlernen der Komplexen Übungsform.
Funktionale Übungsreihen
Hierbei wird das Training „von der Mitte nach außen“ aufgebaut. Die Mitte bezeichnet die motorische Fertigkeit, die die größte Bedeutung für die Gesamtheit der Bewegungsaufgabe darstellt. Alle anderen motorische Teilfertigkeiten bleiben zunächst unberücksichtigt
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und werden erst dann sukzessive ihrer Wichtigkeit nach erlernt, um am Ende die Bewegung als Ganzes ausführen zu können.
Programmierte Übungsreihen
Der Aufbau dieser Übungsreihen erfolgt nach empirisch überprüften Kleinschritten. Das heißt, dass sich die Lerschrittabfolge an logischen Kriterien orientieren muss. Informa-tionsvorgaben und Rückmeldungen erfolgen auf der Grundlage erprobter, standardisierter Basaltexte und Demonstrationen.
Obwohl diese Übungsreihen zu den populärsten und am Weitverbreitesten Lehrverfahren für das Erlernen komplexer Bewegungsgrundmuster gehören, ist der Lehrende doch gut beraten, sich an den individuellen Voraussetzungen der Schüler zu orientieren und nicht strikt nach Schema F vorzugehen.
4. Gildenhardts Prinzipien
Nach Gildenhardt können folgendende Prinzipien in die Planung des Schwimmunterrichts mit einbezogen werden
Prinzip der Vielseitigkeit:
vielfältige Bewegungserfahrungen sind wichtig breites Spektrum an Bewegungsfertigkeiten ist zu vermitteln durch offene Aufgabenstellungen sollen den Kindern vielfältige Bewegungserfahrungen ermöglicht werden
nicht: Beschränken auf Vermittlung der einzelnen Schwimmtechniken wichtig: auf Grobform der Schwimmtechniken hinarbeiten Freude am Schwimmen wecken Art und Weise der Fortbewegung ist nebensächlich
Reichhaltiges Angebot an verschiedenen Spielformen ( Tauchen, Springen, Spielen mit Bällen..)
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Prinzip der Grobform:
Arm- und Beinbewegungen sind in Grundstruktur sehr einfach und können deshalb leicht erlernt werden
Wichtig: Beschränken auf die Vermittlung der Grundstrukturen Vorteil: erhebliche Steigerung der Motivation aufgrund des Erfolgserlebnisses Gesamtbewegung wird schnell beherrscht Steigerung des Selbstwertgefühls
Prinzip der Kombination:
Arm- und Beinschlagbewegungen der Schwimmarten zu Mischtechniken kombinieren Hauptziel ist dabei die Schulung der Koordinationsfähigkeit
Dies unterstützt nicht nur die motorische, sondern auch die kognitive Entwicklung des Kindes
Prinzip der Integration:
Verschiedene Formen von Auftriebs- und Gleitbewegungen, als Ziele der Wassergewöhnung sollen in Vor- und Zielübungen zur Arm- und Beinarbeit und zur Koordination der verschiedenen Schwimmtechniken integriert werden
Zur Verdeutlichung werden Schwimmutensilien, wie Schwimmflügel, Korkringe u.a. im Unterricht zur Hilfe genommen
5. Fazit:
Stellen wir die praktische Umsetzung in den Vordergrund, so sind wir der Überzeugung, dass das DSV-Modell am besten realisierbar ist. Zu diesem Schluß gelangen wir, weil die Methodik des DSV konkret ein Programm zum Erlernen des Schwimmens vorgibt, wohingegen die Modelle von Roth und Gildenhardt ergänzenden Charakter haben. Sie sind deshalb theoretischer und können sowohl als Variation als auch als Umsetzung der Methodik des DSV herangezogen werden. Die Auswahl der Konzeption für den Sportlehrer bzw. Übungsleiter hängt von verschiedenen Parametern ab, die für das eine oder andere
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Modell sprechen können. Bestimmende Parameter sind unter anderem, Schülerzahl, Beckengröße oder Leistungsstand der Schüler. Für die Umsetzung dieser Modelle wird es immer entscheidend sein, wie flexibel der Lehrer auf die jeweiligen Gegebenheiten reagieren kann. Der eigene Standpunkt des Lehrers wird dabei erforderlich. Einerseits sollten die Aspekte aus den verschiedenen Konzepte aufgenommen und geschickt verbunden werden, andererseits, und da zeigt sich die praktische Umsetzung, sollte man als Lehrer den Mut haben, einige Elemente der einzelnen Autoren fallen zu lassen. In diesem Sinne sollte jeder Übungsleiter versuchen, sich von den differenzierten Konzepten zu lösen, und eine eigene Position entwickeln. Es ist deshalb unmöglich hier eine fertige Konzeption darzulegen. Die Konzepte dienen als Anreiz, den Sportlehrer beim Entwurf eines abwechslungsreichen und didaktisch wertvollen Unterrichts zu unterstützen.
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6. Praktische Anwendung dieser Konzepte (Stundenausarbeitung
einer zweistündigen Unterrichtsstunde)
Zur Methodik von ROTH:
Serielle Übungsreihe
( nach dem Prinzip der Programmlängenverkürzung / Programmbreitenvekürzung):
Warmschwimmen:
2 Bahnen Kraulbeinschlag
2 Bahnen Kraularmzug (Abschlagsschwimmen) mit Pullbuoy 2 Bahnen ganze Lage Kraul
2 Bahnen Rückenbeinschlag mit Schwimmbrett 2 Bahnen Rückenarmzug mit Pullbuoy 2 Bahnen ganze Lage Rücken
2 Bahnen Brustbeinschlag ( in Bauch und in Rückenlage) 2 Bahnen Brustarmzug 2 Bahnen ganze Lage Brust
2 Bahnen Delphinwelle ( seitlich und in Bauchlage) 1 Bahn Delphinarmzug Beine hängen lassen 1 Bahn Schmetterling (Delphinarmzug, Brustbeinschlag)
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Beispielhafte Vorstellung der Prinzipien von GILDENHARD
Staffel zum Prinzip der VIELSEITIGKEIT:
Staffel zur vielseitigen Bewegungserfahrung (Querbahnen) Pro Mannschaft muss einmal folgende Disziplin „geschwommen“ werden!
Streckentauchen Wende: 10 Mal Beckenradstütz Rückwärtsdelphinwelle Wende: 5 Mal Hochsitzen auf Beckenrand Hundekraul Wende: Je einen Mohrenkopf essen Schwimmbrett sitzend paddeln Wende: Ball auf die andere Seite werfen Tischtennisball vor sich herpusten
Staffel zum Prinzip der KOMBINATION:
Staffel zur Schulung der Koordinationsfähigkeit (Querbahnen) Pro Person müssen jeweils folgende Disziplinen abgeleistet werden!
1 Querbahn: Kraulbeinschlag + Brustarmzug 1 Querbahn: Kraulbeinschlag + Brustarmzug
1 Querbahn: Schmetterling (Delphinarmzug + Brustbeinschlag) 1 Querbahn: Schmetterling
1 Querbahn: Paarweise Schwimmen (ein Körperteil muss sich immer berühren) 1 Querbahn: Paarweise Schwimmen (anderes Körperteil muss sich berühren)
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Zur Methodik von ROTH:
Funktionelle Übungsreihe:
Kraulwende
Von Wand abstoßen und Gleiten
Rollen im freien Wasser Rollen an Wand
Brustlage anschwimmen - Rollen- Rückenlage wegschwimmen Ganze Rollwende
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7. Literaturangaben
Counsilman, J.E., Handbuch des Sportschwimmens. Bockenem 1980 Gildenhardt, N., Vielseitiger Schwimmunterricht in der Vorschule, Band 113, Schorndorf
1977
Kurz, D., Elemente des Schulsports. Schorndorf 1990 Pahncke, W., Schwimmen in Gegenwart und Vergangenheit, Band 1, Berlin 1979 Volkamer, M., Sport in der Schule - Sport im Verein. IN: Sportunterricht 36/1987 Wilke, K., Schwimmsportpraxis. Reinbeck 1988 Wilkie, D. & Juba, Kelvin, The Handbook of swimming, Middlesex 1986
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Arbeit zitieren:
Wille Schwenkel, 2000, Modelle im Schwimmsport, München, GRIN Verlag GmbH
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