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Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 3
2. Inhalt der Novelle 4
3. Gustav Aschenbachs Lebensweise 5
4. Einbruch der Unruhe 6
4.1. Aschenbach will reisen 6
4.2. Die Todesboten im Vergleich 8
4.3. Wie Aschenbach der Unruhe begegnet 9
5. Aschenbachs Wandel 11
5.1. Der entkrampfte Aschenbach 11
5.2. Verlust der Selbstdisziplin 13
6. Schluß 16
7. Literaturangaben S 17
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1. Einleitung
Die Novelle „Der Tod in Venedig“ schreibt Thomas Mann im Jahr 1911, und er befindet sich damit i n dem Zeitalter, in dem nervöse Literatur produziert wird. 1880 wurde der Begriff „Neurasthenie“ vom New Yorker Nervenarzt George M. Beard geprägt. Das Krankheitsbild in der damaligen Zeit war Überreizung und Überempfindlichkeit 1 . In der Novelle „Der Tod in Venedig“ finden wir diese Eigenschaften gleich zu Beginn bei der Hauptperson Gustav Aschenbach wieder:
„Überreizt von der schwierigen und gefährlichen, eben jetzt eine höchste Behutsamkeit, Umsicht, Eindringlichkeit und Genauigkeit des Willens erfordernden Arbeit der Vormittagsstunden, hatte der Schriftsteller dem Fortschwingen des produzierenden Triebwerks in seinem Innern, [...] auch nach der Mittagsmahlzeit nicht Einhalt zu tun vermocht und den entlasteten Schlummer nicht gefunden, der ihm, bei zunehmender Abnutzbarkeit seiner Kräfte, einmal untertags so nötig war.“ 2
Die Ursache für die Überreizung und Überempfindlichkeit war die Umwelt. Das Großstadtleben wurde für die nervösen Erkrankungen verantwortlich g emacht: Dort wurden die Menschen mit Reizen ü berflutet 3 und das Arbeitstempo stieg immer schneller. Die Menschen litten unter ständiger Zeitknappheit. 4 Müdigkeit und Unzufriedenheit mit der eigenen A rbeit kennzeichneten laut Joachim Radkau den typischen Neurastheniker: „Geht man Hunderte von Patientengeschichten durch, kristallisiert sich so etwas wie ein harter Kern: [...]
die immer wiederkehrende Vorstellung eigener Unzulänglichkeiten und Energielosigkeit, im Beruf wie im Sexualleben.“ 5
Der Psychoanalytiker Sigmund Freud führte die steigende Zahl an Neurasthenikern darauf zurück, daß die Menschen ihren natürlichen Sexualtrieb unterdrücken: Dadurch werden nach Freud Nervosität und Neurosen hervorgerufen. Der Neurastheniker sei unempfindlich gegenüber seinen natürlichen Trieben.
1 Radkau, Joachim: Das Zeitalter der Nervosität. S. 11ff.
2 Mann, Thomas: Der Tod in Venedig. S. 1.
3 Radkau, Joachim: Das Zeitalter der Nervosität. S. 311.
4 Radkau, Joachim: Neugier der Nerven. In: Thomas Mann Jahrbuch Bd. 9, 1996. S. 25.
5 Radkau, Joachim. Das Zeitalter der Nervosität. S. 71.
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Die Diagnose „Neurastheniker“ wurde damals dennoch meist erleichtert aufgenommen, denn die Krankheit galt als gutartig. Der Begriff Nervosität entwickelte sich zu einem Synonym für Jähzorn, Ungeduld und Aggressivität. Aber Nervosität konnte auch Sexualität bedeuten: „Man konnte bei den ‚Nerven’ an das Gehirn oder die Genitalien denken: Der Begriff ließ beide Möglichkeiten dezent in der Schwebe.“ 6
In Thomas Manns „Tod in Venedig“ führt die Überreiztheit des Protagonisten zu seinem Verfall. In dieser Arbeit zeige ich den Konflikt des Schriftstellers Gustav Aschenbach, der die Unruhe, die sein Inneres immer stärker einnimmt, mit Willenskraft und Selbstdisziplin zu bekämpfen versucht.
2. Inhalt der Novelle
Die Hauptperson in Thomas Manns Novelle „Der Tod in Venedig“ ist Gustav Aschenbach, ein 50jähriger Schriftsteller, der in München wohnt. Im ersten Kapitel befindet er sich in einer persönlichen Krise, der Schriftsteller fühlt sich geistig überanstrengt. Bei einem Spaziergang bemerkt er einen ungewöhnlichen Mann, der in ihm die Reiselust weckt. Zunächst steuert Aschenbach eine istrische Insel an, doch ihm mißfällt der Ort und er entschließt sich zur Weiterreise nach Venedig. Dort wird der Protagonist aufmerksam auf einen 14jährigen Knaben Namens Tadzio, in den er sich verliebt. Aschenbach beobachtet den Jungen aus der Ferne, später gibt er sich mit zufälligen Treffen nicht mehr zufrieden und er verfolgt den Knaben und seine Familie, um Tadzio nahe sein zu können. In der vierten Woche seines Aufenthalts bemerkt Aschenbach merkwürdige Vorgänge in Venedig: Immer mehr Besucher verlassen die Stadt und ein süßlicher Geruch liegt in der Luft. Er stellt Nachforschungen an und erfährt schließlich, daß die indische Cholera in der Stadt ausgebrochen ist. Doch trotz dieser Gewißheit reist Aschenbach nicht ab, weil er bereits zu sehr an Tadzio gebunden ist. Aschenbach stirbt ohne Haltung und Würde von der Cholera gezeichnet am Strand, wo er Tadzio ein letztes Mal beobachtet.
6 Radkau, Joachim: Das Zeitalter der Nervosität. S. 32.
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3. Gustav Aschenbachs Lebensweise
Im zweiten Kapitel wird Gustav Aschenbachs Charakter sehr deutlich b eschrieben: Hier erfährt der Leser, wie die Hauptperson der Novelle sein bisheriges Leben verbracht hat. Anhand von diesem Kapitel zeige ich im folgenden die Ideale Aschenbachs und seine Einstellung zum Leben. Gustav Aschenbach stammt aus einer schlesischen Beamtenfamilie, einzig die Mutter bringt „ sinnlicheres Blut“ 7 in die Familie. Aschenbach lernt nicht das Leben eines gewöhnlichen Jungen kennen: Er darf nicht in die Schule gehen, sondern erhält Privatunterricht, weil er anfällig für Krankheiten ist. Dadurch fehlt der Einfluß von Gleichaltrigen auf den Jungen. „ Ärztliche Fürsorge hatten den Knaben vom Schulbesuch ausgeschlossen [...]. Einzeln, ohne Kameradschaft war er aufgewachsen [...].“ 8
Später gleicht der Tagesablauf des Schriftstellers dem eines bürgerlichen A ngestellten: Aschenbach „ begann [...] seinen Tag beizeiten mit Stürzen kalten Wassers über Brust und Rücken und brachte dann [...] die Kräfte, die er ge-
sammelt, in zwei oder drei gewissenhaften Morgenstunden der Kunst zum Opfer dar.“ 9 Seine Werke entstehen nicht aus Leidenschaft, sondern sind aus „a- berhundertEinzelinspirationen zur Größe emporgeschichtet“. 10 Ihm fehlt das Talent, dafür geht er mit „Willensdauer und Zähigkeit“ an die Arbeit. „Durchhalten“ ist eines seiner Lieblingsworte, und er ist der Meinung, daß „alles Große, was dastehe, als ein Trotzdem dastehe“. 11
Seine Werke entstehen also in mühsamer Kleinarbeit - und diese Arbeit am Schreibtisch faßt er als Dienst auf. Das widerspricht dem Bild des leidenschaftlichen Künstlers; Aschenbach ist mehr der Arbeiter, der fehlendes Talent mit Fleiß ausgleicht und Durchhaltevermögen zeigt, was er seit frühester Kindheit anerzogen bekommen hat. Zucht, Ordnung und Strenge prägten seine Erziehung, nie hat er die Freuden des Lebens und der Jugend genossen.
7 Mann, Thomas: Der Tod in Venedig. S. 20.
8 Vgl. ebd., S. 21.
9 ebd., S. 23.
10 ebd., S. 23.
11 ebd., S. 24.
Arbeit zitieren:
Diplom-Germanist Christian Weber, 1999, Thomas Manns Tod in Venedig: Gustav Aschenbach zwischen Selbstdisziplin und Unruhe, München, GRIN Verlag GmbH
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