Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung------------------------------------------------------------------------------------------------------3
2. Quellen- und Forschungsstand----------------------------------------------------------------------4
3. Die ideologische Annäherung------------------------------------------------------------------------5
4. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen 1922 und 1926/27 --------------------9
4.1. Das Junkerswerk in Fili ----------------------------------------------------------------------------- 10
4.2. Giftgasfabrik in Ivascenkovo ---------------------------------------------------------------------- 11
4.3. GEFU/ WIKO und die Artilleriegranaten ------------------------------------------------------ 13
5. Die rüstungswirtschaftliche Zusammenarbeit auf dem Gebiet der militärischen
Schulung und Erprobung zwischen 1925 und 1933 ------------------------------------------- 14
5.1. Luftwaffe in Lipeck ------------------------------------------------------------------------------------ 16
5.2. Panzerwaffe in Kazan-------------------------------------------------------------------------------- 17
5.3. Gastestgelände in Tomka ------------------------------------------------------------------------- 17
6. Ergebnisse und Ausblicke --------------------------------------------------------------------------- 18
7. Bibliographie----------------------------------------------------------------------------------------------- 20
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1. Einleitung
Nach Beendigung des Ersten Weltkrieges gab es zwei große Verlierer, die in den folgenden Jahren oft als die "Parias" des westeuropäischen Systems bezeichnet wurden. Deutschland stand unter der Aufsicht der IMKK, welche die strikte Einhaltung des Versailler Vertrages kontrollierte, Russland hatte noch immer mit den Bürgerkriegswehen zu kämpfen und bekam nicht die nötige Unterstützung. Beide Regierungen, von den Alliierten im Stich gelassen, knüpften schon bald nach Kriegsende politische Kontakte, um gemeinsam die wirtschaftlich und militärisch schlechte Lage zu verbessern. Die Zusammenarbeit der Reichswehr und der Roten Armee gehörte dabei wohl zu den best gehütetsten Geheimnissen ihrer Zeit. Erst nach und nach erhellten Zeitzeugen mit ihren Memoiren und Geschichtsforscher mit der Auswertung von Nachlässen die Ausmaße der Tätigkeiten.
Beim Überblick über die Literatur erwies sich das Buch von Manfred Zeidler "Reichswehr und Rote Armee" als sehr hilfreich, da es erstmals eine vollständige Bestandsaufnahme der Russlandverbindung dokumentierte. Neben Quellen und Memoiren war Helm Speidels Aufsatz
1 eine nützliche Stütze, vor allem für den Bereich der über Reichswehr und Rote Armee
militärtheoretischen Zusammenarbeit in Ausbildung und Schulung. Hauptgegenstand der Hausarbeit soll nicht sein, die verschiedenen Gespräche zwischen der Reichswehr und der Roten Armee als Vorläufer der Zusammenarbeit, auszuführen. Von deutscher Seite wurden sie hauptsächlich von Seeckt und seinen Offizieren, von
2 geprägt und inszeniert. Vielmehr möchte russischer Seite durch Trockij und Rosengol'c
ich im ersten Teil auf die Gründe eingehen, die die Reichswehr in den Nachkriegsjahren bewog, mit der Roten Armee ein Geheimbündnis einzugehen. Geheimbündnis aus dem Grund, weil auf offiziellem Wege keine Änderung des Status Quo wie ihn der Vertrag von Versailles vorsah, zu erreichen war.
Als Folge dieses Bündnisses ergaben sich eine Reihe von Programmen, die sich in zwei Gruppen fassen lassen: die wirtschaftliche Zusammenarbeit im Bereich Rüstung mit Privatfirmen in den Jahren 1922- 1926/27, und die militärtheoretische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Schulung und Ausbildung zwischen 1925- 1933.
1 Speidel, Helm, Reichswehr und Rote Armee in: VFZG 1953
2 Trockij war von 1918 bis 1925 sowjetischer Kriegsminister; Rocengol'c sowjetischer Partei- und Staatsfunktionär, Chef der Luftflotte 1923/24
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Nach dem Einlesen in die erste Gruppe ergab sich die Frage, was es an realisierter Arbeit gab und wie effektiv sie war. Hierbei soll vor allem auf die zwei wichtigsten Projekte, das Junkerswerk in Fili und die Giftgasfabrik in Ivascenkovo, eingegangen werden. Ebenfalls Gegenstand soll die GEFU (Gesellschaft zur Förderung gewerblicher Unternehmungen und ihre Umwandlung zur WIKO (Wirtschaftskontor) sein, wobei die 300000 Artilleriegranaten nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Die Fragen an die zweite Gruppe sollen klären, warum nur eine solch kleine Menge an Offizieren ausgebildet wurde und warum dennoch von einem Erfolg gesprochen werden kann.
2. Quellen- und Forschungsstand
Die ständige Furcht vor Enthüllungen und Presseberichten und die damit einhergehende Gefahr von Sanktionen seitens der Alliierten zwang die deutschen Militärs zu größter Geheimhaltung, was nicht zuletzt dazu führte, dass eine Vielzahl an Akten schon während
3 . Hinzu kam, dass ein der Zusammenarbeit "laufend und planmäßig" vernichtet wurde
Großteil der Quellen bei einem Bombenangriff im April 1945 auf das Reichsarchiv in Berlin
4 . Die wenigen noch vorhandenen Akten waren in den ein Opfer der Flammen wurde
Kriegswirren entweder ausgelagert worden oder sie befanden sich in den Nachlässen
5 . verschiedener Generale und Staatsmänner wie Seeckt, Groener und Stresemann Die ersten gesicherten Erkenntnisse stammen aus Publikationen der Enthüllungen des Jahres 1926. Dort berichtete der Manchester Guardian erstmals am 6. 12. über geheime Rüstung. Zentrale Quelle war dabei die Denkschrift Junkers an das Reich i n der Streitsache um das Flugzeugwerk in Fili. Drei Tage später berichtete der "Vorwärts" über sowjetische Munitionslieferungen an Deutschland. Die Brisanz des Themas sowie das vorherrschende Quellenvakuum luden in den nachfolgenden Jahren zu Spekulationen und Halbwahrheiten ein.
3 Rothfels, Hans, unter Berufung auf Speidel in seinem Vorwort zu Helm Speidels" Reichswehr und Rote Armee" in VfZG 1953, S.9
4 Zeidler, Manfred, Reichswehr und Rote Armee, Hrsg. Militärgeschichtliches Forschungsamt, Bd 36- München 1993, S.19. Im Folgendem nur Zeidler, Manfred. Dieser Umstand ist vor allem der Struktur des deutschen Archivwesens zuzuschreiben. Bestanden 1921 neben Potsdam noch 13 weitere Zweigstellen, so wurden diese im Laufe der Jahre auf 3 in Stuttgart, Dresden und Spandau reduziert. 1935 schließlich wurden auch Dresden und Spandau aufgelöst und die Akten in Potsdam eingelagert. Siehe dazu: Enders, Gerhard, Die ehemaligen Militärarchive und das Schicksal der deutschen Militärakten nach 1945, in: ZMG 8. Jhg. 1961 S. 599-608- Berlin 1961
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Erst 1948 konnte Julius Epstein auf gesicherte dokumentarische Grundlagen zurückgreifen
6 . Wenig und Originaldokumente aus dem Seecktnachlaß in "der Monat" veröffentlichen später erschien von W.F.Hallgarten in "Journal of Modern History" eine erste Auswertung
7 . In den 50er und 60er Jahren nahmen immer mehr Zeitzeugen des gesamten Nachlasses
von ihrer Schweigepflicht als Offiziere und ihrem Loyalitätsversprechen Abstand und
8 . verbesserten durch ihre Memoiren und Autobiographien die Quellenlage Mit dem Aufsatz von Helm Speidel in der VfZG 1952 berichtete zum ersten Mal ein
9 . Zeitzeuge konkret über die geheime Rüstung
Helm Speidel gehörte von 1927-1933 zu den wenigen Offizieren, die in die Zusammenarbeit eingeweiht waren, und der sowohl an der Planung als Generalstabsoffizier der Luftwaffe, als auch an der Durchführung als Flieger in Russland beteiligt war.
Als 1992 die beiden russischen Historiker Jurij D'jakov und Tat'jana Busueva eine umfangreiche Quellenedition publizierten wurde die Sachlage erheblich erleichtert. Das Werk stützte sich auf die Unterlagen des Zentralen Staatsarchivs der Sowjetarmee, eben jenes Archiv, welches noch bis 1990 jeglichen Besitz an Aktenmaterial über die
10 . 1993 erschien von Manfred Zusammenarbeit der beiden Armeen geleugnet hatte
Zeidler eine mit dem Moritz-von-Bethmann-Preis ausgezeichnete Dissertation über die Zusammenarbeit der beiden Armeen, die die verschiedenen Tätigkeiten allumfassend dokumentierte.
Durch die politisch bedingte Öffnung und den daraus resultierenden möglichen Zugriff auf Militärakten in Osteuropa wird in den nächsten Jahren wohl mit weiteren neuen Erkenntnissen vor allem über die Rote Armee zu rechnen sein.
3. Die ideologische Annäherung
5 Zeidler, Manfred, s.o., S. 19
6 Epstein, Julius, S. 42-50
7 Hallgarten, W.F., Hans von Seeckt and Russia 1920-1922, in: JMH , 21 1949, S. 28-34 8 Geßler, Otto, S. 183-201. Siehe auch Zeidler, Manfred,S. 24 9 Speidel, Helm, S. 9-45 10 Zeidler, Manfred, S. 17
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In diesem Kapitel soll die Frage geklärt werden, warum die doch sehr konservativ eingestellte Reichswehr in der bolschewistischen Roten Armee eine potentiellen Rüstungs-und Bündnispartner sah und mit ihr zusammenarbeitete. Da es sich dabei um ein Thema handelt, welches einer eigener Hausarbeit bedarf, hier aber nur mittelbar mit dem Referatsthema zusammenhängt, soll nur anhand einiger Beispiele darauf eingegangen werden.
Ausschlaggebend für die Annäherung war dabei der für das Militär sehr harte Teil V des Versailler Friedensvertrages, der die Bestimmungen des Landheeres, der Seemacht und
11 . Darin wurde Deutschland die allgemeine Wehrpflicht, der Im- und der Luftwaffe regelte
Export von Kriegsgütern sowie der Besitz von schwerer Artillerie und einer Luftwaffe verboten. Militärmissionen waren ebenso wenig zugelassen wie eine Reservearmee nach kaiserlichem Vorbild. Die aber wohl stärkste Schwächung erfuhr die Reichswehr durch die Reduzierung auf 100000 Mann. Verglichen mit der Stärke des Kaiserheeres zu
12 war die Reichswehr nur noch ein Schatten ihrer Friedenszeiten 1912 von 487160 Mann
selbst. Rüstung war nur in den von der Entente zugelassenen Werken und unter strengen Auflagen erlaubt. Die Überwachung erfolgte dabei durch die Inter-Alliierte-Kontrollkommission IMKK (22. Februar 1920- 31. Januar 1927). Die Gefahr bestand nun darin, dass es durch die Hinnahme der zahlenmäßigen und technischen Unterlegenheit zu einer Art Selbstbeschränkung kam die in der Folge zu einer Verengung des militärischen Denkens führen konnte. Verengung aus dem Grund, weil die Reichswehr nur durch eine verschwindend kleine Schwerindustrie gerüstet werden konnte und so von neuen Techniken, Technologien und Entwicklungen ausgegrenzt wurde. Als Folge davon sah sich "die Reichswehr schnell auf das technische und geistige Niveau
13 . Unter diesem Gesichtspunkt standen auch die von Seeckt einer Polizeitruppe" gebracht
geführten Verhandlungen in Spa 1920, Sitz der Waffenstillstandskommission. Dort versuchte er eine weniger strenge Durchführung der Entwaffnungsbestimmungen zu
14 . erlangen, scheiterte aber vor allem an dem Widerstand
Die Reichswehr war also dem Versailler Vertrag ausgeliefert und konnte auf offiziellem Wege keine Änderung oder Abschwächung des Vertrages und somit des desolaten
11 Versailler Friedensvertrag zwischen Deutschland und der Entente, Artikel 159-213
12 Gordon, Harold, S. 174 13 Speidel, Helm, S. 17 14 FrankreichsGessler, Otto, S. 156-161
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rüstungstechnischen Zustandes erreichen. Rüstungstechnologie und Erfahrung war in großem Maße vorhanden, lediglich durch den Vertrag an weiterer Entwicklung gehindert. Ganz im Gegensatz dazu stand die Rote Armee. 1918 durch den Rat der Volkskommissare ins Leben gerufen als Antwort auf den Zerfall des zaristischen Heeres 1917/18, war sie 1920 nach Ende des Bürgerkrieges als militärisches Instrument völlig unbrauchbar. In ideologischer Hinsicht fehlte es durch ununterbrochene Umbildung und Reorganisation an Disziplin und gemeinsamen Denken, in technischer Hinsicht an allem. Michail Frunze (stellvertretender Kriegskommissar) sagte dazu 1921: "unsere technische Zurückgebliebenheit wird von Tag zu Tag bedrohlicher ... es gelte von jetzt an, die
15 Streitkräfte um jeden Preis in technischer Hinsicht zu Da beiden Seiten der gegenseitige Zustand bekannt war, war ungeachtet der diplomatischen Gründe vom rein militärischen her die Grundlage gegeben, die die Zusammenarbeit zwischen den zwei Armeen über ein Jahrzehnt rechtfertigen sollte. Seeckt selbst, von Grund auf ein Feind des Bolschewismus, formulierte es in einer Niederschrift mit dem Titel "Deutschland und Russland" so: "nur in festem Anschluss an eine Großmacht Russland hat Deutschland die Aussicht auf Wiedergewinnung seiner
16 . Und eben in dieser Akzeptierung des konstruktiven Weltmachtstellung
Koexistenzdenkens lag also der Grund dafür, dass die zwei Armeen ihre gegenseitigen Aversionen beiseite schoben und zu einem Zweckbündnis gelangten, ganz in der Tradition bismarckscher Politik. Deutschland besaß das technische Wissen und die Einrichtungen und musste aus seiner Sicht einen Rüstungspartner suchen, Russland konnte aus eigener Kraft in absehbarer Zeit nicht alleine an den westlichen Rüstungsstandard herankommen und war auf deutsche Hilfe angewiesen.
Hinzu kam, dass beide Länder in der Polenfrage am gleichen Strang zogen. In den Augen Seeckts baute Polen seine Existenz auf dem Versailler Vertrag auf und zwar dergestalt,
17 . dass die Niederlage Deutschlands in den Territorialforderungen Polens gezeigt wurde Als die Rote Armee 1920 in Polen einmarschierte war die Heeresleitung froh, dass sich Russland der Klärung der Frage annahm. In einer Antwort auf eine Promemoria der Ostpolitik des Grafen Brockdorff-Rantzau vom 11.09.1922 nahm Seeckt als Chef der Heeresleitung Stellung dazu: "...mit Polen kommen wir nun zum Kern des Ostproblems.
15 fördernFrunse, über soialistische Landesverteidigung,, S.71
16 Meier-Welcker, Hans, S. 294f 17 Wagner, Gerhard, S.27
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Polens Existenz ist unerträglich, unvereinbar mit den Lebensbedingungen Deutschlands. Es muss verschwinden und wird verschwinden durch eigene, innere Schwäche und durch
18 . Diese Worte klingen jedoch schon sehr gemäßigt vergleicht Russland - mit unserer Hilfe
man sie mit seiner Rede an die Öffentlichkeit in Hamburg am 04. Februar 1920 : "... um Polen, diesen Todfeind Deutschlands, Geschöpf und Bundesgenossen Frankreichs, Räuber deutschen Bodens, Vernichter deutscher Kultur, vor dem Bolschewismus zu retten, darf sich keine deutsche Hand rühren und will der Teufel Polen holen, wir sollten ihm
19 . helfen
Der vorläufigen Höhepunkt der deutsch - russischen Beziehungen wurde durch den Vertrag
20 . War der Vertrag lediglich eine Fortsetzung schon früher zu Rapallo erreicht
stattfindender Gespräche, so betrachtete man den Abschluss vor allem in der Heeresleitung als großes militärpolitisches Plus, fürchteten doch Frankreich und Polen einen geheimen militärischen Zusatzvertrag. Seeckt zu diesen Gerüchten an Hasse: "Es besteht keinerlei politisch- militärische Abmachung; aber die Möglichkeit solcher wird geglaubt... Liegt es in unserem Interesse, diesen schwachen Nimbus zu zerstören? ...Zu einem Vertrag zu kommen, der uns Hülfe sichert, muss doch unser Ziel sein. Ich werde
21 . alles versuchen, es zu erreichen; aber bis es erreicht ist, muss der Schein uns helfen“ Lässt man die wirtschaftlichen Gewinne außer Betracht die sich daraus ergaben, so hatte Deutschland mit diesem Vertragswerk der Entente die Stirn geboten und wesentlich an
22 . nationaler Sicherheit dazu gewonnen
18 Seeckt in : Julius Epstein "der Monat" S. 46
19 Wagner, Gerhard, S.46
20 Ursprünglich sah die Konferenz von Genua eine Erörterung der Ostpolitik vor, durch Einzelverhandlungen der Entente mit Russland in Puncto Reparationszahlungen jedoch, sah Deutschland seine Interssen plötzlich bedroht und führte seinerseits Gespräche mit Russland, die am 16. April, 1922 zum Vertrag führten. Die wichtigsten Punkte waren, der Verzicht auf gegenseitige Reparationszahlungen, Aufnahme wirtschaftlicher Beziehungen mit dem Prinzip der Meistbegünstigung, sowie Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Siehe: Die Deutsche Rapallo-Politik, S. 37f 21 Rabenau, Seeckt, S.313
22 Als Folge davon kann der Wimbledon Fall betrachtet werden, der in seiner Bedeutung eher als gering einzuordnen ist, jedoch die neu gewonnene politische Handlungsfreiheit ganz klar darlegteDie deutsche Regierung untersagte im März 1923 dem unter französchischer Flagge fahrenden und mit Waffen für Polen beladenen Schiff die Durchfahrt durch den Kieler Kanal. Begründung der deutschen Behödren war diese dass der polnisch-russische Krieg noch nicht beendet sei und Deutschland daher die Verpflichtung habe, kein Kriegsmaterial an eine der Parteien zu liefern. Nach Artikel 380 des Versailler Friedensvertrages musste Deutschland allen in mit Deutschland in Frieden lebenden Völkern die Z ufahrt erlauben. Deutschland stellte sich jedoch auf den Standpunkt, dass die im Völkerrecht begründete Neutralitätsverpflichtung dem Versailler Vertrag überzuordnen sei. Besonders auch deswegen, weil einer der Parteien den Versailler Vertrag nicht unterzeichnet hatte und diesem Land somit unter Beachtung des Völkerrechts Unrecht getan werden würde. Da Deutschland und Frankreich nicht zu einer Einigung gelangten, wurde der Fall vor den Haager Volksgerichtshof gebracht, wo Deutschland einige Tage später den Rechtsstreit verlor. Zwar ging es primär um die gestoppten Waffenlieferungen, sekunfär aber auch um die wiedererstarkte Politik Deutschlands der Entente die Stirn zu bieten. Siehe Paul Schmidt, S.19ff Wille Schwenkel E/ Gesch, 1. Semester Bodanstr. 23 78462 Konstanz 8
23 , so sah sich Fazit: Vergleicht man nur die Stärke der stehenden Heere der Alliierten Deutschland einer Übermacht an Militär gegenübergestellt. Von einer wirksamen Verteidigung nach außen konnte auch mit der vorgesehenen Rüstung nicht die Rede sein. Vielmehr war es der politische Griff nach außen, der Deutschland ein neues Gleichgewicht brachte. Mit dem Vertrag von Rapallo gelangen zwei Dinge: einen potentiellen Bündnispartner zu finden und sich die Möglichkeit auf Rüstung offen zuhalten. Von russischer Seite wurde die Frage nach Bündnisfähigkeit immer mit Rüstungshilfe in
24 . Kombination gesehen
Trotzdem gibt es wohl keine eindeutigen Zeichen, warum und vor allem ab wann die Reichswehr sich entschloss mit der Roten Armee zusammenzuarbeiten. Vielmehr war es eine Reihe von Entscheidungen der Entente, die die deutsche Seite in Richtung Russland trieb.
4. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen 1922 und
1926/27
Der Vertrag von Rapallo und die guten Beziehungen zu Russland sollen nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass Deutschland nach wie vor nicht rüsten durfte und unter ständiger Überwachung stand. Alle von den Militärs unternommenen Versuche der Kontaktknüpfung mussten auf geheimem Wege stattfinden. Die Kenntnis der Regierung
25 . sollte nach Möglichkeit ganz ausgeschaltet werden
Die Notwendigkeit einer geheimen Rüstung veranlasste Seeckt schon früh (1921) zur
26 im Reichswehrministerium, dem Truppenamt Bildung einer Sondergruppe Russland
direkt unterstellt, der er alle zukünftigen Kontakte mit russischen Stellen übertrug. Aufgabe dieser Gruppe war es, ein Konzept zu erarbeiten, nach dem Deutschland Russland bei der Wiederherstellung seiner Kriegsindustrie helfen sollte. Wunsch der Reichswehr war es, Privatfirmen zu finden, die in Eigenregie, aber unter Aufsicht der Reichswehr unter dem Deckmantel Wirtschaft in Russland eine Kriegsindustrie aufbauen sollten, von der sowohl die deutsche als auch die russische Seite profitieren konnte. Noch im selben Quartal ( 30. März) wurden zwischen der Sondergruppe R und der deutschen Schwerindustrie,
23 Gordon, Harold, S. 203
24 Zeidler, Manfred, Reichswehr und die Rote Armee 1920-1933 in: Deutschland und das bolschewistische Russland von Brest-Litowsk bis 1941, S. 30 25 Seeckt in : Julius Epstein "der Monat", S. 47
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namentlich mit Blohm & Voss, Albatroswerke, Junkers und Krupp erste Gespräche
27 . Waren anfänglich begonnen über die Bereiche Luftwaffe, U-Boot und Waffenherstellung noch alle Firmen bereit, ihr Know-how zur Verfügung zu stellen, sahen sie sich nach konkreten Projektvorschlägen einer zu vagen Finanzierungsfrage gegenüber und verhielten sich bis auf Junkers sehr zurückhaltend. Für Junkers, durch das absolute Flugzeugbauverbot des Vertrages besonders hart betroffen, mochte die Existenzsicherung des Unternehmens wohl Hauptgrund gewesen sein, sich in das schwierige Unternehmen zu begeben.
4.1. Das Junkerswerk in Fili
Am 15. März 1922 kam es zu einem ersten Vertrag zwischen Junkers und der Sondergruppe R, der Junkers nach einem entsprechenden Vertragsabschluß mit Russland verpflichtete, Flugzeuge in der völlig neuen Ganzmetallweise und Motoren in einem zur Verfügung stehenden Rahmen zu bauen. In der Anfangsphase wurde das Projekt mit 100
28 .Verglichen mit Flugzeugen und etwa doppelt so vielen Motoren pro Monat angegeben
29 abgegebenen Flugzeugen eine nur kleine Mengen, da der Roten Armee mehr den etwa
als die Hälfte versprochen wurden.
Nach weiteren Gesprächen mit der russischen Seite, die durch erhebliche Meinungsunterschiede gezeichnet waren, übernahm Junkers Ende 1922 für 30 Jahre pachtweise die Russo - Balt Werke in Fili. Von den von Russland geforderten 1200 Flugzeugen und der etwa doppelten Menge an Motoren blieben bei Vertragsabschluß (ratifiziert am 28.02.1923 durch den Rat der Volkskommissare) nur etwa 300 Flugzeuge
30 . im Jahr und einer entsprechenden Anzahl von Motore
Das Projekt stand von Anfang an unter einem schlechten Stern. Schuld daran war primär der schnelle Vertragsabschluß ohne genaue Kenntnis der wahren wirtschaftlichen Lage Russlands, sekundär Schwierigkeiten wie Inflation und die durch die russische Außenhandelspolitik bedingte Warenknappheit. Durch diese Faktoren beeinflusst und
26 Tschunke in: Julius Epstein "der Monat", S. 48
27 Zeidler, Manfred, S. 51 28 Zeidler, Manfred, S. 54
29 15000Die Entwicklung der milit<\d>rischen Luftfahrt in Deutschland, S. 128 30 Zeidler, Manfred, S. 58
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31 , konnte das Werk nie seine eigentliche Aufgabe, die Produktion durch Fehlmanagement
von Flugzeugen, erfüllen. Die wichtigsten Teile der im Laufe der Jahre gebauten Flugzeuge stammten sämtlich aus dem Dessauer Hauptwerk, was letztendlich auch dazu führte, dass es zu einer 90%igen Kostensteigerung gegenüber dem Vertrag kam, was Russland veranlasste von weiteren Optionen Abstand zu nehmen. Nur mit Hilfe des Reichswehrministerium konnten die Arbeiten überhaupt finanziert werden. Als Junkers im Frühjahr 1924 schließlich weitere 12 Millionen Goldmark von der Sondergruppe Russland forderte, bekam das Verhältnis einen ersten ernsten Riß und zerbrach im Sommer 1925 ganz als weitere Geldmittel benötigt wurden, um die inzwischen eingestellten Arbeiten wieder aufzunehmen. In einem persönlichen Brief Seeckts an Junkers, verbat sich die Sondergruppe Russland alle weiteren finanziellen Forderungen seitens Junkers, "dessen
32 . unternehmerische Fehlleistung ihm niemand abnehmen könne
Ende 1925 stand das Unternehmen dann endgültig vor dem Bankrott. Mit der Übernahme der gesamten Bankschulden von etwa 12 Millionen Goldmark ging das Werk zu 2/3
33 . Mehrheit an das Reich
Hauptinteresse der Militärs war es die einmal geknüpften Verbindungen durch den peinlichen Ablauf der Filiwerke nicht wieder zu verlieren. Und so sah das Militär sich vor keiner anderen Alternativen, als das Werk mit sämtlichen Maschinen und
34 . Einrichtungsgegenständen als Zeichen des guten Willens den Russen zu überlassen Von den in vierjähriger Geschichte gefertigten 170 Flugzeugen gingen 120 an die Russen
35 . und etliche an Kunden in den Nahen Osten
Am 03. Dezember 1926 veröffentlichte der Manchester Guardian erste Beweise für die Zusammenarbeit. Zentrale Quelle hierfür war die Denkschrift Junkers an das Deutsche Reich, in der er sich über mangelnde Unterstützung in Sachen Fili beklagte.
4.2. Giftgasfabrik in Ivascenkovo
31 Aussage des Leiters der Filiwerke Major a. D. Schubert nach seinem Ausscheiden in:Zeidler, S.94 32 Seeckt zitiert nach Zeidler, S. 93 33 Zeidler, MAnfred, S.95 34 s.o. 35 Zeidler Manfred,S. 97
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Ausschlaggebend für weitere Verhandlungen der Militärs zwischen der deutschen und der sowjetischen Seite, war die französische Ruhr- und die litauische Memellandbesetzung 1923. Unter dem Druck der Situation und aus der Angst heraus, Polen könnte es den zwei Ländern gleich tun und ebenfalls deutsches Gebiet besetzen, stimmte Reichspräsident Ebert am 13.02.1923 weiteren Gesprächen über eine Giftgasfabrik und einem beabsichtigten Ankauf von Waffen (1-1,5 Mill. Gewehre, 300 Geschütze und Munition
36 zu. Bei diesen Gesprächen auf höchster Ebene 37 sowie 50000 Maschinengewehre
waren auch drei Vertreter aus der Industrie anwesend, unter ihnen der Hamburger Giftgasunternehmer Hugo Stoltzenberg.
Stoltzenberg und der Direktor der neu gegründeten GEFU schufen mit den Russen ein Vertragswerk zur Herstellung von Giftgas. Dabei sollte vor allem das von Stoltzenberg neu entwickelte Zählost- Verfahren zur Anwendung kommen. Stoltzenberg hatte unter anderem versprochen, das schon im 1. Weltkrieg verwendete und leicht flüchtige Lost in Pastenform zu produzieren. Die Hoffnungen der Militärs lagen nun ganz auf den dadurch möglichen lang anwirkenden Giftgasbarrieren. Zur Tarnung wurde eine deutsch- sowjetische Aktiengesellschaft unter dem Namen Bersol' AG gegründet, mit Sitz in Ivascenkovo. Stoltzenberg sollte dabei das Know-how und sämtlichen Produktionsanlagen stellen, die Russen das Gelände.
Auffallend ist, dass der Vertragsabschluß noch schneller, die Vertragsfristen noch kürzer als bei Junkers waren. Zwischen Verhandlungsbeginn am 25 März und Vertragsabschluß
38 (Junkers Verhandlungsbeginn 6. am 30 September 1923 waren nur 6 Monate verstrichen
39 ) Februar 1922 und Vertragsabschluß November 1922
Diesem Unternehmen erging es jedoch wie den Junkerswerken in Fili. Die Unfähigkeit der Erkennung der wirtschaftlichen Lage Russlands, sowie die in diesem Falle ungeheuer knappen Vertragsfristen, aber auch die Unfähigkeit, die versprochenen Produkte zu produzieren, waren für das Scheitern verantwortlich. Schon 8 Monate nach Vertragsunterzeichnung sollten alle zur Produktion benötigten Anlagen in Ivascenkovo sein und die Produktion für ein Großteil der Erzeugnisse angelaufen sein. Als im Sommer 1925 Stoltzenberg gestehen musste, dass sein Verfahren und das Werk zur Zeit nicht
36 Zeidler, Manfred, S. 73
37 nach Zeidler: Generalmajor Otto Hasse, Oberstleutnant Wolfgang Mentzel und Major Fritz Tschunke von deutscher Seite, stellvtr. Kriegskommissar Sklijanskij und Rozengol'c von russischer Seite 38 Zeidler, Manfred, S. 72 und 81 39 Zeidler, Manfred, S. 54 und 89
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einsatzfähig sei, verlor es für die beiden Militärs jede Legitimation und wurde im Sommer 1926 liquidiert.
4.3. GEFU/ WIKO und die Artilleriegranaten
Ungefähr zeitgleich mit der Gründung der Bersol' AG 1923 wurde in Deutschland ein Unternehmen mit Namen GEFU am 09. August 1923 aus der Taufe gehoben. Die Gesellschaft zur Förderung gewerblicher Unternehmungen in Form einer GmbH diente einzig und allein dem Zweck, die drei Projekte Junkerswerke in Fili, die Bersol' AG und die Waffenkäufe für das Reichswehrministerium abzuwickeln. Aus diesem Grund wurde die Gesellschaft von Strohmännern des Reichswehrministeriums gegründet, die ihre Geschäftsanteile durch vertrauliche Urkunden a n den Chef der Heeresleitung überschrieben. De facto war die GEFU ein Arm des Reichswehrministerium, nach außen hin jedoch eine privatrechtliche und eigenständige Firma. Diese Maßnahme erschien notwendig, da durch die zunehmende Ausweitung der Beziehungen die Sondergruppe R überlastet und die Geheimhaltung nicht mehr gewährleistet war. Zur Erleichterung der Arbeit wurde in Moskau eine Auslandszentrale eingerichtet, über die alle Kontakte mit den Russen koordiniert werden sollte.
Die erste Aufgabe der GEFU war die Gründung der bereits geschilderten Bersol' AG. Durch die sich schon 1924 abzeichnende Misswirtschaft der beiden bilateralen Unternehmungen geriet die GEFU schnell in das Kreuzfeuer der Kritik. Mit zunehmenden Maße vergrößerten sich die Diskrepanzen zwischen den Wünschen der Militärs und deren Umsetzbarkeit durch die GEFU. Als privatrechtliche Firma musste sie sich an geltendes Handelsrecht halten und konnte nur in einem gewissen Rahmen agieren. Mit ihrem Stammkapital sollte sie einerseits Gewinn erwirtschaften, andererseits schnell hohe Summen an die nach Tagesbedürfnissen entscheidenden Militärs zahlen. Durch die verschiedenen Bedürfnisse kam es immer wieder zu Unstimmigkeiten. Ende 1925 durch den Bankrott Junkers schließlich schien keine Vertrauensbasis mehr gegeben und da den englischen und französischen Stellen die Arbeit der GEFU zumindest in den Grundzügen bekannt war, wurde sie am 1. April 1926 aufgelöst. Um aber die wichtigsten noch laufenden Aufgaben der GEFU zu sichern ,wurde eine Nachfolgeorganisation mit dem Namen Wirtschaftskontor gegründet. Eine der Aufgaben der WIKO war 300000 Stück
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Artilleriemunition nach Deutschland zu schaffen. Diese Granaten (1923 durch die GEFU
40 in Leningrader Depots. Im Sommer angekauft) lagerten nach Absprache mit Gessler
drängte das Truppenamt auf Abnahme, weil für das kommende Rüstungsjahr gravierende Fehlbestände aufgetaucht waren. Die Löschung der Munition im Hafen von Stettin wurde dabei verraten und gelangte durch den Enthüllungsbericht des Vorwärts" am 6. Dezember 1926 an die Öffentlichkeit. Nachdem die Rolle der GEFU schon der Öffentlichkeit bekannt war und nun auch die WIKO mit der Reichswehr in Verbindung gebracht wurde, bedeutete sie für die Militärs eine zusätzliche Belastung und wurde daher im Februar 1927 aufgelöst. Fazit: Der Ankauf der 300000 Artilleriegranaten blieb das einzig zählbare Resultat dieser ersten gemischten Form rüstungswirtschaftlicher Zusammenarbeit, deren Ergebnis nach einem späteren Urteil Werner von Blombergs in „keinem Verhältnis zu den aufgewandten
41 . Weder vom Junkerswerk noch aus der Stoltzenbergschen Fabrik bezog Mitteln“ stand die Reichswehr militärische Güter.
Letztendlich scheiterten alle Projekte an den zu hoch gesteckten Zielen und den vergleichsweise kurzen Planungsphasen. Die Schuld lag dabei nicht bei den Sowjets, die in beiden Fällen nur das Land und die Gebäude zur Verfügung stellten. Vielmehr glaubten beide Unternehmer, da es sich um ein Geheimprojekt handle, würde die Reichswehr für alle finanziellen Rückschläge aufkommen. Glaubt man den Zahlen, so überstiegen die wahren Kosten der Einrichtung die angegebenen Summen der Unternehmer um ein Vielfaches.
5. Die rüstungswirtschaftliche Zusammenarbeit auf dem
Gebiet der militärischen Schulung und Erprobung zwischen
1925 und 1933
Dieser Abschnitt geht ausschließlich auf die militärischen Standorte in Lipeck, Kazan und Tomka ein und soll die Arbeitstätigkeit und die Größenordnung der Rüstung erläutern. Schon bald nach Beginn der Zusammenarbeit war es offensichtlich, dass mit der Rüstung en gros durch Privatfirmen nicht die erhofften Ziele, die Verstärkung der Reichswehr und die Bildung eines Bündnispartners gegen Polen, zu erreichen waren. Aus diesem Grund
40 Otto Gessler war Reichswehrminister von 1920 bis 1928
41 Blomberg zitiert nach Zeidler, Manfred, S. 106 Wille Schwenkel E/ Gesch, 1. Semester Bodanstr. 23 78462 Konstanz 14
versuchte die Reichswehrführung parallel zu den laufenden Geschäften eine theoretische Zusammenarbeit zu erreichen. Dazu gehörten neben Manöverbesuchen auch der Austausch hoher Offiziere zur Bildung und Beratung der Roten Armee. Diese erste Form der militärtheoretischen Schulung verhalf der Reichswehr zu tiefen Einblicke in d ie Befehlsstruktur und Doktrin der Roten Armee. Beherrschte im Westen z.B. der
42 das Denken in der Luftwaffe, so war die Rote Luftwaffe lediglich zum Douhetismus
Schutz der Bodentruppen vorgesehen und weit im Hinterland stationiert. Der Hauptschwerpunkt der damaligen Entwicklung von Taktik und Technik lag auf dem Gebiet von Luftkrieg, Panzerkampf und Gaskrieg. Da alle drei Techniken in Deutschland nicht zur Verfügung standen oder nicht erprobt werden konnten, wandte sich die Reichswehrführung an die Rote Armee mit der internen Aufgabenstellung von
a) Schaffung von praktischen Ausbildungsmöglichkeiten
b) Erziehung von hochqualifiziertem Personal für die in Deutschland verbotenen Waffen und
c) nicht zuletzt der Erprobung von neuen Waffensystemen für alle neuen Gebiete. Die Rote Armee stellte daraufhin der deutschen Seite die oben genannten Standorte zur Verfügung
43 . und erhielt im Gegenzug eine Quote an Ausbildungsstellen zu freien Verfügung Mit dem Jahresbeginn 1923 war die Lufthoheit über Deutschland wieder an das Reich zurückgefallen, ebenso lief einige Wochen vorher schon das Herstellungsverbot von
44 . Diese neue Aktionsfreiheit nutzte das Flugzeugen, wenn auch nur im zivilen Sektor, aus
Reichswehrministerium sofort nach dem französischen Ruhreinmarsch, um Aufträge von Prototypen an die Industrie zu erteilen. Da serienfertige Flugzeuge in Deutschland nicht zur Verfügung standen, die Heeresleitung aber aktiven Widerstand bei der Ruhrbesetzung plante, bestellte das Reichswehrministerium im Zuge der Notrüstung bei d en
45 . Nach Fokkerwerken in Holland 100 Flugzeuge, darunter 50 des Typs D XIII. Verkündigung des passiven Widerstandes der Regierung, lagerten die Maschinen bei Fokker.
Parallel zu den russischen Aktivitäten, die sich wegen der noch immer an Nummer eins stehenden Geheimhaltung nur in kleinem Rahmen abspielen konnten, wurde in
42 Douhetismus: Militärtaktik in der das Flugzeug bei Kriegen vor allem in der Anfangsphase eine überlegene Rolle spielen sollte 43 zugeteilt Speidel, Helm, S.17f
44 Die Entwicklung der milit<\d>rischen Luftfahrt in Deutschland 1920-1933, S.133 45 Speidel,Helm, S. 23
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Deutschland mit Hilfe des Reichswehrministeriums eine Sportflieger GmbH mit 10 Fliegerschulen Anfang Januar 1924 gegründet, die für die zivile Anfangsausbildung der
46 . Da die Sportflug GmbH nur für die Auffrischung und Lipeckflieger vorgesehen war
Anfangsausbildung geeignet war, eine darüber hinausgehende Ausbildung im taktischen Bereich in dem zivil getarnten Rahmen wegen der alliierten Überwachung nicht möglich erschien, musste die Ausbildung der Jagdflieger, Aufklärer und Bomberflieger im Ausland erfolgen. Dank dieses Ausbildungssystems konnte das Reichswehrministerium die teure Anfangsausbildung im Ausland sparen und nur die geeignetsten Piloten zur Weiterbildung übernehmen.
5.1. Luftwaffe in Lipeck
Im Frühjahr 1926 konnte in Lipeck der reguläre Ausbildungsbetrieb aufgenommen werden. Aufgrund der geringen Finanzmittel und der daraus begrenzten Anzahl an Ausbildungsplätzen, war die wichtigste Aufgabe der Lipecker Einrichtung die Ausbildung von Fluglehrern die ihrerseits ihr Wissen weitergeben konnten. Die Schwerpunkte der Aufgabenstellung selber änderte sich im Laufe der Jahre, hatten aber immer die
a) Durchführung von Lehrgängen für Jagdflieger und Beobachter,
b) Ausbildung zu Jagd- und Beobachterfliegern, sowie
47 . c) das Sammeln von Erfahrungen technischer und organisatorischer Art zum Programm Durch die Aufgabe der Filiwerke und der somit wegfallenden eigenen Flugzeugproduktion konnten nur die Fokker- Flugzeuge eingesetzt werden, die von Jahr zu Jahr veralteten und deren Zahl durch natürlichen Verschleiß abnahmen. Eine Lieferung aus Deutschland kam nur bedingt in Frage und es handelte sich dann nur um Prototypen. So wurden von 1925-
48 . 1933 lediglich 120 Jagdflieger und etwa 100 Beobachtungsflieger ausgebildet In Lipeck selbst war die Arbeit zwischen den beiden Militärs äußerst harmonisch, wobei immer in Betracht gezogen werden muss, dass die deutsche Seite mehr an Know-how an die Russen weitergab als sie erfahren konnte. Der Eindruck, die Russen hätten nur Wissen verlangt und mit ihrem eigenen hinter dem Berg gehalten, ist allerdings nicht vollständig
46 Die Entwicklung der milit<\d>rischen Luftfahrt in Deutschland 1920-1933<:f><:f160,2Roman PS,0,0,0>, S. 137 47 Speidel, Helm, S. 25
48 Die Entwicklung der militärischen. Luftfahrt., S. 141 Wille Schwenkel E/ Gesch, 1. Semester Bodanstr. 23 78462 Konstanz 16
gerechtfertigt. Zu dieser Zeit besaßen die Russen einfach keinen technischen Vorsprung und konnten somit nur mit Bereitstellung von Land und Personen dienlich sein.
5.2. Panzerwaffe in Kazan
Wenige Jahre nach der Gründung der Lipecker Fliegerschule 1926, wurde die Panzerschule in Kazan ins Leben gerufen. Verglichen mit dem Flugzeugbau steckte die Panzerentwicklung in Deutschland noch in den Kinderschuhen und so war es eine logische Konsequenz, dass die Kampfschule auch nur bedingt erfolgreich war. Den Anfang machten lediglich zwei Panzer englischer Herkunft, erst später kamen Prototypen von Krupp und Rheinmetall zum Einsatz. Den Ankauf von russischen Panzern lehnte das Reichswehrministerium ab, worauf sich der Kriegskommissar Vorosilov gegen eine leihweise Überlassung sperrte. Durch die fehlenden Ausbildungsgegenstände konnte Kazan den Ausbildungsbetrieb erst Anfang Mai 1930 aufnehmen, als 4 weitere Prototypen aus Deutschland eintrafen. Die Gesamtpanzerzahl betrug nun ungefähr ein Dutzend, wobei viele durch Konstruktionsfehler ausfielen. Je nach Menge des vorhandenen Übungsmaterials, schwankte der Einsatz von Ausbildung zu Panzerfahrern über
49 . Schießübungen und Verbesserungsvorschlägen an Motor, Getriebe und Kettenlaufwerk Die Bedeutung der Panzerwaffe und ihre Wichtigkeit bei Schlachten wurde den Offizieren mit Hilfe von Leichtpanzern und anderen Kettenfahrzeugen vermittelt. In den 4 Jahren der Existenz wurden etwa 30 deutsche Offiziere als Panzerfahrer ausgebildet. Viel größer aber war der Erfahrungsgewinn an materieller Erprobung von Getriebe und Trefferwirkung der Geschütze.
5.3. Gastestgelände in Tomka
Als letzte der drei Einrichtungen wurde das Gastestgelände in Tomka 1928 aufgebaut. Im Gegensatz zu Lipeck und Kazan war es aber keine Schule, in der Ausbildung und Erprobung nebeneinander liefen, sondern eine reine Forschungsstätte. Das Forschungspersonal bestand daher fast ausschließlich aus Biologen, Chemiker und Medizinern. Wegen der extrem harten Jahreszeiten, konnten im Winter keine Feldversuche
49 Zeidler, Manfred, S. 191
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gestartet werden. Um die Zeit dennoch zu nutzen hielt sich das Forscherteam in der Zeit in Deutschland auf und experimentierte an neuen Kampfstoffen, die es im Sommer in Feldversuchen untersuchte.
Entgegen der Einsatzart im 1. Weltkrieg sollten durch die kombinierte Arbeit von Labor und Praxis gezielte experimentelle Grundlagen geschaffen werden, die einen kontrollierten Einsatz im Kampfgebiet erlaubten. Hinzu kam die Erprobung von verschiedenen Ausbringungsmethoden aus der Luft sowie von der Erde. Während der ganzen Jahre konnten aber keine neuen Kampfstoffe entwickelt werden, ebenso wenig konnte das Zählostverfahren von Stoltzenberg zur Serienreife weiterentwickelt werden.
6. Ergebnisse und Ausblicke
Erst die Stützpunkte in Lipeck, Kazan und Tomka brachten für die Reichswehr die erhofften Ergebnisse. Um den Erfolg der Zusammenarbeit jedoch genauer messen zu können, muss man sich die Zielvorstellung der Reichswehr nach dem Debakel mit den Privatfirmen genauer vor Augen führen. Die Rüstungsziele konnten nicht quantitativer Natur sein, dafür fehlten sowohl die finanziellen Grundmittel, als auch die politische Handlungsfreiheit. Aus diesem Grund ist das Ziel eher auf qualitativer Ebene zu suchen. Während die Russen bei der Zusammenarbeit versuchten, möglichst vielen Offizieren eine Grundausbildung zukommen zulassen, versuchte die Reichswehr durch das Prinzip der "Zellbildung" ein Maximum an Effektivität zu erzielen. Dadurch wurden zwar weit weniger Offiziere ausgebildet als bei den Russen, jeder einzelne war aber in der Lage, als Lehrer sein Wissen weiterzugeben. Betrachtet man unter diesem Aspekt die gut 220 Piloten, 30 Panzerfahrer und die technologischen Gewinne, so kann man doch von einem Erfolg sprechen. Gleichwohl bildete die Zusammenarbeit die entscheidende Grundlage für eine schnelle Aufrüstung unter Hitler.
Die vorgenommene Fragestellungen konnten nicht zur eigenen Zufriedenheit beantwortet werden. Die ungeheure Vielzahl der Unternehmungen und die sehr komplizierten Arbeitsstrukturen ließen nur einen begrenzten Blickwinkel frei, um in der Hausarbeit wenigstens einen groben Umriss der gemeinsamen Arbeit der Armeen zu erläutern.
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Ein weiterer interessanter Aspekt wäre gewesen, die schwarze Finanzierung und die
50 Versorgung der Stützpunkte mit Material und Personen zu erleuchten. Die Einschätzung und Gewinne der Roten Armee, konnten wegen der fehlenden Quellen nicht wiedergegeben werden.
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7. Bibliographie
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Die Entwicklung der Militärischen Luftfahrt in Deutschland 1920-1933, Beiträge zur Militär-und Kriegsgeschichte, hrsg. vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt, 3. Band - Stuttgart 1962, S.124-147
Epstein, Julius, Der Seeckt- Plan in: "Der Monat", Hrsg. die Neue Zeitung München, 1Jhg.1948 Heft 2
Gessler, Otto, Reichswehrpolitik in der Weimarer Zeit, hrsg. von Kurt Sendtner - Stuttgart 1958
Gordon, Harold J., Die Reichswehr und die Weimarer Republik 1919-1926, - Frankfurt am Main 1959
Handbuch zur deutschen Militärgeschichte 1648-1939, hrsg. vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt Freiburg i. Br. durch Hans Meier-Welcker, Wolfgang von Groote, 4.Lieferung VI Reichswehr und Republik(1918-1933),- Frankfurt am Main 1970
Rabenau, Friedrich, Seeckt, aus seinem Leben 1918-1936, - Leipzig 1941
Schmidt, Paul, Statist auf diplomatischer Bühne 1923-45, Frankfurt am Main 1964
Speidel, Helm, Reichswehr und Rote Armee in: VfZG 1 Jhg. 1953
Verhandlungen des Reichstags III Wahlperiode 1924, Bd 391, S. 8573-8612 - Berlin 1927
Vertrags-Ploetz, Konferenzen und Verträge, Teil II Band 4A: Neueste Zeit 1914-1959, zweite und erweiterte Ausgabe, Würzburg 1959
Völker, Karl-Heinz, Dokumente und Dokumentarfotos zur Geschichte der Deutschen Luftwaffe, Beiträge zur Militär- und Kriegsgeschichte, hrsg. vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt, 9. Band - Stuttgart 1968, S. 58-92
Wagner, Gerhard, Deutschland und der polnisch-sowjetische Krieg 1920, Wiesbaden 1979 (Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz; Bd. 93: Abteilung Universalgeschichte)
Zeidler, Manfred, Reichswehr und Rote Armee 1920-1933 Wege und Stationen einer ungewöhnlichen Zusammenarbeit, hrsg. vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt Band 36, - München 1993
Zeidler, Manfred, Reichswehr und die Rote Armee 1920 - 1933 in Deutschland und das bolschewistische Russland von Brest-Litowsk bis 1941, Berlin 1991
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Wille Schwenkel, 1996, Die geheime Zusammenarbeit zwischen der Reichswehr und der Roten Armee unter Umgehung des Versailler Friedensvertrages, München, GRIN Verlag GmbH
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