a) „Die Leidenschaftlichen - Goethes Werther: Dichtung und Wahrheit“ Regie: Thomas Koerfer (Deutschland 1982)
Dieser Film ist in mehrere Teile gegliedert: Zunächst behandelt er Goethes ( im Folgenden G.) Zeit in Wetzlar, das Treffen Goethes mit Napoleon, sowie die Reflexion des alten G.s über den „Werther“ und schließlich befasst er sich mit dem zweiten Buch des Romans „Die Leiden des jungen Werther“.
Der Film beginnt also mit Goethes Ankunft in Wetzlar im Mai 1772 , wo er eine „Laterna Magica“ (ein Vorläufer des Diaprojektors) bei einem Händler kauft, die in diesem Film eine zentrale Rolle spielt. Er begegnet Albert (im Folgenden A.) und Jerusalem ( im Folgenden J.) im Reichskammergericht, wo er eine Stelle angenommen hat. Lotte trifft er direkt noch nicht. Eines der Bilder der „Laterna Magica“ ist allerdings ein Portrait von ihr. Lotte ( im Folgenden L.) erfährt durch Albert von G. . Die nächste Sequenz ist nun das Treffen Napoleons mit G., das am 2. Oktober 1808 in Erfurt stattfand. Hier diskutieren sie über den „Werther“, den Napoleon zwar sehr bewundert, allerdings findet er auch einige Kritikpunkte, die G., ohne die angefragten Gründe zu nennen indirekt von sich weist.
Nun folgt eine längere Sequenz von G.s Leben zu seiner Wetzlarer Zeit. Dieser Filmabschnitt orientiert sich sehr stark an den wahren Begebenheiten aus dem „Werther“. G. trifft den Bauernburschen , der ihm seine Geschichte erzählt, er begegnet L., als er sie zum Ball abholt und sie sind fasziniert voneinander. Er vernachlässigt seine Arbeit, um mit ihr Besuche bei Dorfleuten (in diesem Fall bei dem Schulmeister) zu machen. Er führt mit A. die Selbstmorddiskussion (siehe auch Punkt 2), als er sich von ihm dessen Pistolen leihen will. Nachdem er von dem Fürsten das Angebot bekommen hat, in seiner Gesandtschaft zu arbeiten, reist er aus Wetzlar ab, da er merkt, dass seine Gefühle für L. zu stark werden.
Im Gegensatz zum Roman steht hierbei die Figur des J., der zwar dem Roman Pate stand, im Roman selber allerdings nicht auftaucht. Hier ist er ein Kollege von Goethe, der aus Liebe zu einer verheirateten Frau verzweifelt und sich das Leben nimmt. Sein Tod wird in diesem Film sehr verwirrend dargestellt: Er klettert auf einen schneebedeckten Berg, nachdem er sich mit G. über seine Todessehnsucht aus unglücklicher Liebe unterhalten hat. J. klettert immer weiter den Berg hoch, bis er verschwindet. Erst später in einer Traumsequenz von G. wird deutlich, dass J. sich erschossen hat.
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Der nächste Filmabschnitt spielt nun in Weimar im Jahr 1824 im Park, wo Goethe Spargel erntet und sich (wahrscheinlich) mit einem Gehilfen oder Bewunderer (Eckermann) zunächst über die neuen deutschen Dichter und dann über den „Werther“ unterhält. Das Gespräch kommt auf den „Werther“ und die Gründe dafür, weshalb G. sich nicht das Leben genommen hat.
Die nächste und am längsten dauernde Filmsequenz beschäftigt sich nun mit dem „Werther“ aus dem zweiten Buch des Briefromans bis hin zu dessen Selbstmord. Die erste Szene spielt auf dem Markt, wo nun Werther (W.) in einem Laden den blauen Frack mit der gelben Weste kauft. Dort trifft er auch auf das „Fräulein von B.“, hier Fräulein von Puttkammer ( Frl. v. B.), die ihren Familienschmuck verkaufen will. Er kauft den Schmuck für sie und sie nimmt ihn zum Dank mit zu sich nach Hause und erzählt ihm von ihrer Tante. Bei ihr im Zimmer legt Frl. v. B. ihr Oberkleid ab und meint, sie stände tief in W.s Schuld. Er zieht ihr die Träger von ihrem Unterkleid herunter, erzählt ihr von L., küsst sie und geht dann ein Stück zurück. Als sie ihn an die Wange fassen will, dreht er sich weg, sagt, dass L. ihr aufs Haar gleiche und geht 1 . Der Rest dieser Sequenz ist eng an den Roman gehalten: W. kommt mit dem Gesandten nicht zurecht, er erfährt von L.s und A.s Hochzeit und geht auf einen Ball mit vielen Adligen, die ihn nicht in seiner Gesellschaft haben wollen. Diese Szene ist aber insofern anders, als dass Werther in dieser Filmszene umhergeht und die Adligen öffentlich beschimpft („...die Menschen, deren ganze Seele nur auf dem Zeremoniell beruht...“), letztendlich aber doch geht und dann in einer Wirtschaft darauf angesprochen wird, dass „es schon überall herum“ sei. Nach dem Gespräch mit Frl. v.B. entschließt er sich, den Hof zu verlassen und zu L. zurückzureisen („Ich lache über mein eigenes Herz und tue ihm seinen Willen“). Kaum ist er aber zurück in Wetzlar ( bzw. im Buch „Wahlheim“)ist bereits sein beginnender psychischer Abstieg zu bemerken. Als er L. und A. wieder trifft, läuft er bereits kurze Zeit später aus dem Zimmer, da er anscheinend den Anblick des glücklichen(?) Paares nicht ertragen kann. Eine Schlüsselszene hierin ist eine Traumsequenz W.s: W. ist im Klavierzimmer, wo L. Klavier spielt, er geht langsam auf sie zu und sieht dann Albert am Boden liegen. Er kniet sich zu ihm nieder und sieht, dass dieser in Folge einer Schusswunde in die Brust getötet wurde. W. „krabbelt“ zu L. ans Klavier, zieht sie zu sich auf den Boden und die beiden küssen sich leidenschaftlich neben dem toten Albert. Als nächstes trifft W. wieder auf den Bauern, der inzwischen den Mann seiner Geliebten erschlagen hat und aufgehängt wird. An dem Berg, wo er J. das letzte Mal sah, trifft er nun auf einen Verwirrten 2 , der Blumen für seine imaginäre „Liebste“ sucht, er geht kurz vor Weihnachten zu L. und diese bittet ihn, vor Weihnachten nicht
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mehr zu Besuch zu kommen. W. macht sich über diesen Wunsch und ihre Bemerkungen dazu lustig (L.: „Es ist nur die Unmöglichkeit, mich zu besitzen, die mich ihnen so reizvolle macht.“; W.: „Hat Albert das angemerkt?“). A. tritt in dieser Szene wieder als Erzähler auf, dass W.s Wunsch, die Welt zu verlassen immer stärker geworden sei. W. spricht in der darauffolgenden Szene den Abschiedsbrief vor. Dann geht er zu L., die beiden küssen sich und L. sagt W., er werde sie nie wieder sehen (Analyse der Szene in 3.). W. lässt sich die Pistolen von A. schicken und erschießt sich. Am nächsten Tag lebt er noch. Seinen Leichenzug beobachten L. und A. vom Fenster aus.
Die letzte Szene handelt nun wieder vom alten G. . Ein Kardinal geht durch eine Reihe toter Menschen, die im „Werther“ - Stil gekleidet vor der Friedhofsmauer liegen, und wirft ihm vor, durch seinen Roman „hunderte junger, irregeleiteter Menschen in den Tod getrieben“ zu haben. G. entgegnet darauf mit dem Beispiel Krieg, wo Mächtige Hunderttausende in den sicheren Tod schickten und danach Gott dankten. G. fühlt sich missverstanden und spricht zum Abschied seinen Monolog aus „Dichtung und Wahrheit“, in welchem er über die Bedeutung des „Werther“ für ihn selber spricht und meint, dass „es schlimm sein müsste, wenn nicht jeder einmal in seinem Leben eine Epoche haben wollte, wo ihm der „Werther“ käme, als wäre er bloß für ihn geschrieben.“. Mit Blick auf G. und die Toten endet der Film. b) „Werthers unglückliche Liebe“ Regie: Pilar Miró (Spanien 1986)
Der Film beginnt mit Werthers (W.) Ankunft am Haus seines verstorbenen Vaters. Er trifft dort seinen Onkel und sie unterhalten sich über die toten Verwandten. Als W. zu einem Hof fährt, um dort Holz zu holen, trifft er den „Bauernburschen“ aus dem „Werther“, der hier bezeichnenderweise Jerusalen (J.) heißt. W. unterrichtet Griechisch an einer Schule und nimmt zusätzlich eine Stelle als Hauslehrer bei Albertos (A.) und Carlottas (L.) Sohn an. A. und L. leben seit sechs Jahren getrennt.
Zunächst trifft W. nur A., der ihn einstellt. Später trifft er L., die ihn über den Zustand ihres Sohnes aufklärt ( Er lebt in seiner eigenen Welt, seit dem Selbstmord eines Freundes). W. bemüht sich sehr, dem Jungen bei den Hausaufgaben zu helfen, kommt aber nicht weiter da der Junge nicht mit ihm redet.
Bei ihm zu Hause findet W. auf der Suche nach einer Decke eine Pistole, einen gelben Frack und Briefe.
W. besucht L. in der Ballettschule und trifft sich danach mit ihr in einem Café, um ihr einen Vorschlag bezüglich ihres Sohnes zu machen: Er will ihn aus dem Haus raus holen. Sie stimmt zu.
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W. trifft J. wieder, der ihn bittet, ihn bei sich aufzunehmen, da der Bruder seiner Herrin von ihrem Verhältnis erfahren hat und ihn rausschmeißen ließ. W. nimmt ihn auf. In seinem Lehrerkollegium gibt es Probleme, da der Schulleiter drei schwierige Kinder der Schule verweisen will. Eine Kollegin (Beatrice) tritt vehement dagegen ein. Später trifft er L. . Sie gehen in „ihr“ Café und unterhalten sich. Er gesteht ihr (wahrscheinlich) seine Gefühle auf einem Zettel. Es wird nicht ganz klar, ob dem wirklich so ist, da man nicht erfährt, was W. darauf geschrieben hat, aber man kann es aus dem Zusammenhang schließen. Zum nächsten verabredeten Treffen erscheint L. nicht, wartet aber an der Fähre auf ihn, als er gerade fahren will. Sie erzählt ihm von ihrem Beruf als Kinderchirurgin, dann fährt er sie mit ihrem Auto nach Hause und ist überglücklich („Ich will rennend und schreiend nach Hause laufen, in mein Bett fallen und von ihr träumen.“).
Nach einem Spaziergang mit dem Jungen treffen W. und der Junge dessen Großvater und Vater A., die gerade von der Jagd kommen. A. dankt W. für alles, was er für seinen Sohn tut.
Abends sitzt W. zu Hause und schreibt an einer neuen Prometheus - Übersetzung, als L. hereinkommt. Er soll ihr vorlesen. Sie setzt sich neben ihn aufs Sofa und sie küssen sich, werden aber durch einen Notruf an L. gestört. Als sie geht, macht sie ihm eine Liebeserklärung.
Als sein Onkel zu Besuch ist, zeigt W. ihm die Briefe. Der Onkel spricht von der Frau, welche die Briefe geschrieben hat, als der „großen Liebe“ von W.s Vaters. Am nächsten Tag in der Schule begleitet er Beatrice zum Direktor, die sich bei diesem beschweren will, da die drei Schüler der Schule verwiesen wurden. W. und L. fahren weg, um einen ehemaligen Patienten von ihr zu besuchen und machen ein paar Tage gemeinsam Urlaub in einem kleinen Dorf.
W. trifft die Geliebte seines Vaters, die ihm erzählt, dass sie seinen Vater geliebt habe und zwar nur ihn, doch er ließ sie „am Ende im Alter allein“.
W. erfährt davon, dass J. den Bruder seiner Geliebten getötet hat. W. unterhält sich mit dem Richter über J. und Beatrice. W. soll für J. aussagen. Später unterhält er sich mit A. über J., der sich Sorgen um seinen Sohn macht, da er Kontakt mit J. hatte. Die beiden kommen auf das Thema der Suizidproblematik zu sprechen (näheres in 2.). Bei einem weiteren Treffen von W. und L. im Café berichtet L. W., dass sie ein paar Tage verreisen wolle und sich bei ihm melde.
W. zieht sich traurig zurück. Beatrice kommt, um ihn zu besuchen und erzählt ihm, dass sie eine Affäre mit dem Richter hatte, der aber verheiratet ist. Als L. sich wieder bei ihm meldet, beichtet sie ihm, dass sie nicht weg war, sondern nur einige Tage Ruhe brauchte. A. will zu ihr zurückkehren, was sie verwirrt („...Warum
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bringt man auch jemanden in die beklemmende Lage, dass er geliebt wird?“). Zum Abschied küssen sie sich.
W. berichtet in der Schule von seinem Fortgang von der Schule, nachdem er von Sokrates´ Tod erzählt hat.
In der nächsten Szene sieht man ihn mit dem Jungen am Meer. Sie schmeißen eine Flaschenpost mit ihren Namen ins Meer. Der Junge meint, vielleicht würden sie ja gerettet.
W. geht zu L. in die Ballettstunde, sie ist nicht sehr erfreut über sein Erscheinen. Sie küssen sich, doch dann sagt sie ihm, dass sie ihn nicht wiedersehen will. Abends zerreißt W. die gefundenen Briefe und seine Übersetzung.
Bei L. zu Hause sitzt die ganze Familie am Tisch und A. und L. fragen den Jungen, ob er damit einverstanden wäre, wenn A. zu ihnen zurückkehren würde. Der Junge und L. sind beide mit diesem Vorschlag nicht einverstanden. In der letzten Szene sitzt W. am Schreibtisch und erschießt sich. Nun schwenkt die Kamera nach draußen auf das Grab von W.s Vater und Mutter und die Stimmen von W. und L. rezitieren aus dem Off einen Auszug aus dem Ossian („...und wird mich nicht finden“).
c) „Le jeune Werther“ Regie: Jacques Doillon (Frankreich 1993)
In dieser Adaption verlegt der Regisseur das „Werther“ - Thema in das Leben dreizehnjähriger Jugendlicher in Frankreich. Sie erfahren, dass ihr Freund Guillaume sich umgebracht hat und suchen nun nach den Gründen für seinen Suizid. Zunächst verdächtigen sie seinen Chemielehrer, der ihn aufgrund gestohlener Reagenzgläser der Schule verwiesen hatte, doch sein bester Freund Ismael glaubt nicht wirklich daran. Er meint, dass Guillaume unglücklich in ein Mädchen verliebt war und soll damit auch Recht behalten. Der „Werther“ wird in diesem Film direkt dadurch thematisiert, dass während des Films Zitate aus dem Roman eingebracht werden, da einer der Jugendlichen diesen Roman gerade liest( s. auch Anhang S.7, 8/9).
d) „ Le Roman de Werther“ Regie: Max Ophüls (Frankreich 1938)
Diese Verfilmung hält sich in seiner Umsetzung stark an die Romanvorlage. Aufgrund der Zeit , in der dieser Film gedreht wurde ( im Elsaß fielen bereits Bomben (s. Anhang S. 6)) und der Situation des Regisseurs ( er befand sich im amerikanischen Exil) „wirken die Figuren aufgrund der Lichtdramaturgie und Kameraarbeit (...) wie Gefangene eines düsteren Labyrinths. „Respekt gegenüber der Vorlage ist gewiss ebenso zu erkennen wie die Option für die Freiheit der Phantasie und das Postulat der Werktreue findet eine neue Auslegung, wo die Darstellungsformen des Kinos ins Spiel
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kommen und damit die eigene, die ophülssche Rhetorik“ (zitiert nach Peter W. Jansen (s. Anhang S 6.)).
e) Kurzüberblick über andere vorhandene, nicht von mir bearbeitete „Werther“-Verfilmungen
- „Les Lettres de Werther“ Regie: Paul Flon (Belgien 1923) (Anhang S. 12)
- „Begegnung mit Werther“
Regie: Karl-Heinz Stroux (Deutschland 1949) ( Anhang S. 13 - 15)
- „Die Leiden des jungen Werthers“ Regie: Egon Günther (DDR 1976) ( Anhang S. 16/17)
- „Werther“
Regie: Ha°kan Alexandersson (Schweden 1990) ( Anhang S.18/19)
-„Werther - Ein Tatsachenbericht “
Regisseur und Produktionsjahr konnten leider nicht ermittelt werden. ( Anhang S. 20)
2. Vergleich der Selbstmorddiskussion aus den Filmen „Die Leidenschaftlichen - Goethes Werther: Dichtung und Wahrheit“ und „Werthers unglückliche Liebe“ mit dem Roman „Die Leiden des jungen Werther“ und untereinander ( Text siehe Anhang S. 1 - 3)
a) Vergleich der Selbstmorddiskussion in dem Film „Die Leidenschaftlichen - Goethes Werther: Dichtung und Wahrheit“ mit dem Roman
In der behandelten Selbstmorddiskussion aus dem Film geht es um ein Gespräch zwischen Goethe (im Roman die Figur des „Werther“) und Albert. Goethe vertritt hierbei die Seite, die den Selbstmord verteidigt, während Albert die Meinung vertritt, dass Selbstmord nicht entschuldbar ist.
Der Anfang der Diskussion ist sowohl im Film als auch im Roman gleich: G. (bzw. „Werther“) möchte sich A.s Pistolen für eine Reise ausleihen, woraufhin dieser ihm erzählt, dass er sie nie geladen hat, aufgrund einer schlimmen Erfahrung, die er einmal damit machen musste. Verschieden ist hierbei aber auch schon, dass G. und A. sich in
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dem Film Siezen, während W. und A. in dem Briefroman freundschaftlich verbunden sind und sich sogar mit Kosenamen anreden (S. 38 Z. 28 „...liebster Schatz“). Im Film besteht der erste gravierende Unterschied zum Roman darin, dass W. nicht zunächst mit der Pistole auf sich selber zeigt, sondern auf sein Spiegelbild, dann im Raum herum und schließlich auf A. . Dieser ist in dem Film genauso entsetzt über diese Tat, wie in dem Briefroman, als W. mit der Pistole auf sich selber zeigt. Im Roman entschuldigt W. seine Tat damit, dass die Pistole nicht geladen sei, wohingegen im Film G. meint, es sei nur Spaß gewesen.
In der darauffolgenden Sequenz sind im Film gegenüber dem Roman einige Auslassungen, in denen A. im Roman seine absolute Gegenposition zum Selbstmord klarmacht und W. sich über das, seiner Meinung nach, voreilige Handeln der Menschen beklagt. Daraufhin bringt A. sowohl im Film als auch im Roman an, dass „gewisse Handlungen lasterhaft bleiben“. Die Reaktion G.s, bzw. W.s ist ebenso in beiden gleich: Er meint, dass es auch hierbei einige Ausnahmen gebe und führt im Roman hierzu mehrere Beispiele an. Im Film wird nur eines genannt und zwar das von dem Dieb, der stiehlt um sich und seine Familie vorm Hungertod zu retten. Im Roman werden hier noch zwei weitere Beispiele genannt.
A.s Reaktion auf diese Aussage ist in Roman und Film, bis auf einen veränderten Satzbau gleich. Allerdings sagt er im Roman: „...den seine Leidenschaften hinreißen“ und hier: „...in seiner Not“, da G.s Beispiel ja nichts mit Leidenschaften zu tun hat. An der folgenden Stelle besteht nun ein gravierender Unterschied zwischen Film und Roman: Der von W. gesprochene Satz bleibt als Ausspruch zwar gleich („Ach ihr vernünftigen Leute!“), aber der mentale Zustand ist vollkommen verschieden: Im Roman lächelt Werther, als er zu Gegenargumenten ansetzt. Im Film allerdings hält er sich nun an eben jener Stelle die Pistole an die Schläfe und ruft die Worte „Wahnsinn! Leidenschaft! Trunkenheit!“ in einer Antiklimax aus (Im Roman ruft er „Leidenschaft! Trunkenheit! Wahnsinn!“).
Gegenüber dem Roman ist hier nun wieder eine Auslassung im Film, in der W. zu seinem Ausspruch Stellung nimmt und meint, dass große Genies schon immer für Trunkene und Wahnsinnige gehalten wurden und dass auch von Menschen, die unerwartet z.B. edle Taten vollführen dies behauptet wird. Nach diesen Argumenten ruft W. dann aus, dass sich die Nüchternen und Weisen schämen sollen. Im Film ruft G. bloß „Schämt euch“ aus und wird dann von A. unterbrochen, als dieser ihm die Pistole wegzieht: „Sie überspannen alles, Goethe!“. Später sagt er: „Das ist wieder eine Ihrer Grillen!“. Diese Sätze kommen im Roman in umgekehrter Reihenfolge. Der letzte Satz, gesprochen von A., ist in Film und Roman nun wieder gleich: „Freilich ist es leichter zu sterben, als ein qualvolles Leben zu ertragen.“ Im Film ist nach diesem Ausspruch die
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Szene beendet, während der „W.“ im Roman noch länger anhand von Beispielen „weiterkämpft“ und versucht, A. von seiner Meinung zu überzeugen. Diesen Umstand könnte ich mir so erklären, dass sich der Drehbuch - Schreiber vielleicht gedacht hat, dass in der Film - Szene G. spricht und nicht W. . Falls diese kontroverse Diskussion tatsächlich stattgefunden hat, konnte G. sich in dem Film, welcher zu dieser Szene ja noch von den tatsächlichen Handlungen in Wetzlar ausgeht, natürlich vorher keine Gedanken über einen Argumentationsgang machen. Als er den „Werther“ dann geschrieben hat, war einige Zeit vergangen und er hatte Zeit, das Gespräch nochmals zu reflektieren und sich noch weitere Argumente zu überlegen, auf die er damals vielleicht einfach nicht gekommen ist.
Die gesamte Filmszene ist im Vergleich zum Roman viel kürzer, was aber wohl daran liegt, dass die Erzählzeit in einem Film begrenzt ist, während es in einem Buch keine Begrenzung gibt. Es könnte aber auch daran liegen, dass W.s Argumente aus dem Roman für den Film einfach nicht wichtig sind, da G.s Ansichten auch mit weniger Beispielen deutlich gemacht werden können.
Auffällig ist auch, wie die Beziehung zwischen A. und G. in diesem Film dargestellt ist: Während in dem ursprünglichen „Werther“ - Roman A. und W. befreundet sind, sie sich duzen und gegenseitig sogar mit Kosenamen nennen (S.38 Z. 28), Siezen sich G. und A. in der Verfilmung und es scheint kein wirklich freundschaftliches Verhältnis zwischen den beiden zu bestehen.
b) Vergleich der Selbstmorddiskussion in dem Film „Werthers unglückliche Liebe“ mit derselben Szene aus dem Roman „Die Leiden des jungen Werther“ In dieser Filmszene ist die Einführung in das Thema der Suizidproblematik eine ganz andere, als in dem Roman.
W. ist bei A. im Büro und dieser fragt ihn ob sein Sohn, dem W. Nachhilfe gibt (s. 1 b), Kontakt mit dem Bauern (J.) hatte, der versucht hat, sich umzubringen, nachdem er den Bruder der Bäuerin, für die er arbeitete und die er liebte, getötet hat. W. meint daraufhin, dass sich ein Kontakt nicht vermeiden ließ, da der J. nach seinem Rauswurf an dem Hof der Bäuerin bei ihm gearbeitet habe und A.s Sohn einige Male bei ihm gewesen sei. A. meint, dass er hierüber nicht sehr glücklich sei und ab diesem Satz setzt die Diskussion in dem Film ein. Mit keinem Wort ist eine Pistole oder Reise ins Gebirge erwähnt, so wie in der Romanvorlage.
Die gesamte Diskussion verläuft ruhig. Keiner der beiden fährt auf. Beide bringen knapp und sachlich ihre Argumente an, ohne Emotionen zu zeigen. W. nimmt nun im ersten Satz J. in Schutz und meint, dass man, wenn man die Hintergründe kenne, dessen Tat verstehen könne und zwar sowohl den Mord als auch den Selbstmordversuch.
Ein von seinen Leidenschaften geleiteter Mensch verliert zwangsläufig seinen Verstand. Daraufhin bringt W. ein Argument an, das in dem anderen von mir behandelten Film („Die Leidenschaftlichen...“) ausgelassen wurde, hier allerdings wahrscheinlich aus dem Grund eingebracht wurde, da der W. in diesem Film sehr viel nachdenklicher und ruhiger ist, als in dem Briefroman. Es handelt sich hierbei um voreilige Schlussfolgerungen der Menschen, die bereits nach kurzer Zeit eine Sache werten und pauschalisieren. A. erwidert in Roman und Film, dass gewisse Handlungen lasterhaft blieben, aus welchem Beweggrunde sie auch immer geschehen mögen.
Wie in dem anderen Film, so besteht auch hier ein gravierender Unterschied zwischen Film und Buch, während sich der Rest recht nah an der Vorlage orientiert: W. sagt nämlich nun aus, dass er weder Mörder noch Selbstmörder in Schutz nähme, sondern nur in diesem Fall die Reaktion von J. verstehen könne. Diese Aussage ist nun fast das genaue Gegenteil zum Roman, wo W. die ganze Zeit versucht, Selbstmörder zu verteidigen. Auch A.s Reaktion ist anders als im Roman. Er bringt nun kein Gegenargument an, sondern versucht, durch eine Entschuldigung die Diskussion zu beenden („Falls mein Urteil zu hart war, tut es mir wirklich leid“ s. Anhang S.). W. aber tut seine Meinung nochmals kund, und dies ist eine Stelle, wo dieser W. dem W. aus dem Briefroman sehr ähnelt: Auch dieser versucht, im Roman allerdings länger, A. seine Meinung um jeden Preis zu verdeutlichen. Wegen der im Film eingeschränkten Erzählzeit ist es auch hier nicht möglich gewesen, alle Argumente anzubringen, doch dadurch, dass W. hier nochmals widerspricht und sich nicht „abwürgen“ lässt, wird dessen Widerspruchsgeist verdeutlicht.
W. bringt hier nun das Argument an, dass der menschlichen Natur Grenzen gesetzt sind. Er verdeutlicht dieses mit dem Beispiel des Kranken, dem ein Gesunder seine Kraft nicht übertragen kann. Zum Ende des Gesprächs gehen die beiden auseinander, indem sie sich gegenseitig versichern, dass sie hier nicht übereinstimmen. Sie scheinen allerdings nicht, so wie im Roman, traurig darüber zu sein.
Dieser Film spielt in der Gegenwart und aus diesem Grund musste die Szene wohl etwas anders umgesetzt werden, als sie in dem Roman beschrieben wird. Die Epoche des „Sturm und Drang“ ist vorbei, die „kühle Sachlichkeit“ herrscht in der heutigen Gesellschaft. Das muss in der Verfilmung natürlich klar gemacht werden, deswegen wurde der W. ruhig und nicht auffahrend gezeichnet. Der gesamte Grundton in diesem Film ist „leiser“ als im Roman und es wird stark auf visuelle Eindrücke und dessen schlichte Wirkung gesetzt und weniger auf Worte.
In der gesamten Szene werden lediglich drei Beispiele aus dem Roman angebracht: A.s Schlüsselargument, dass „gewisse Handlungen lasterhaft bleiben“. Dieses ist aus dem
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Grund ein Schlüsselargument, da es exakt A.s Position verdeutlicht, dass man Suizid auf keinen Fall entschuldigen.
Die beiden Beispiele( „...die menschliche Seele kann alles nur in gewissem Maße verkraften...“; „...ein Gesunder kann seine Kraft nicht an einen Kranken abgeben...“), die W. anbringt sind wohl deswegen ausgewählt worden, da sie ruhig vorgebracht werden können, was in diesem Fall ja in der Natur des W. liegt.
c) Vergleich der Selbstmorddiskussion aus den Filmen „Die Leidenschaftlichen -Goethes Werther: Dichtung und Wahrheit“ und „Werthers unglückliche Liebe“ miteinander
Der Grundtenor der beiden Gespräche bleibt gleich: W. (bzw. G.) vertritt die Pro - Seite im Bezug auf den Selbstmord und A. die Gegenposition.
Sie unterscheiden sich allerdings insofern, als dass bei „Werthers unglückliche Liebe“ das Thema der Suizidproblematik über einen Mord eingeführt wird und bei „Die Leidenschaftlichen“, ähnlich wie im Roman, über G.s Geste mit der Pistole. Die Diskussionen basieren also auf einem anderem Hintergrund.
Sehr verschieden sind auch die Charakterzüge W.s und G.s in den beiden Filmen: W. ist ruhig und eher zurückhaltend, während G. sehr stark auffahrend ist, was wahrscheinlich auch an dem zeitgeschichtlichen Hintergrund liegt, in dem „Die Leidenschaftlichen“ spielt (s. auch 2.b).
Zusätzlich muss man noch auf die Filmart hinweisen, die Gründe für die Unterschiede geben: „Die Leidenschaftlichen“ ist eine Art Verfilmung von G.s Zeit in Wetzlar mit Elementen aus seinem Roman, dem „Werther“, während „Werthers unglückliche Liebe“ eine Interpretation des „Werther“ in die Gegenwart hinein ist. Die Regisseure der Filme hatten beim Filmdreh also ganz verschiedene Absichten: Thomas Koerfer wollte in seiner Adaption wahrscheinlich nur einen Überblick über G.s Leben, die Entstehungsgeschichte des „Werther“ und über den Roman „Die Leiden des jungen Werther“ geben, während in Pilar Mirós Film die Aussage steckt, das in jedem von uns ein Werther steckt und es nur darauf ankommt, wie man mit seiner Lebenssituation umgeht. Diese Aussage deckt sich nun wieder mit Goethes abschließenden Worten zum Ende des Filmes „Die Leidenschaftlichen“( siehe 1.a).
Grundsätzlich kann man also sagen, dass man in beiden Filmen die Orientierung an dem Roman erkennen kann, in „Die Leidenschaftlichen“ allerdings stärker, als bei „Werthers unglückliche Liebe“.
Arbeit zitieren:
Daniela Predeick, 2001, Goethe, Johann Wolfgang von - Die Leiden des jungen Werther - Verfilmungen von Goethes "Werther", München, GRIN Verlag GmbH
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ich finde diese hausarbeit keinesfalls langweilig. ich finde sie ist dir sehr gut gelungen. es würde mich freuen wenn wir uns noch ein wenig über diesen roman unterhalten könnten. melde dich mal..
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