Interessant ist auch, was die Frau an Selbstoffenbarungen und konnotativen Bedeutungen aus den Aussagen des Mannes herausliest. Als er ihr sagt „eine Frau könne mit mir sorglos leben, gesichert“ und dabei mit dem Kugelschreiber in die Luft malt, interpretiert sie dieses nonverbale Signal als Zeichen für ihre finanzielle Versorgung für die Zukunft, die entgegen seinen Versprechungen eher gering ausfallen wird.
Aus den Versprechungen des Mannes kann man erkennen, dass er die Rolle als Ehefrau fast als einen Beruf sieht, für den er dringend eine „Angestellte“ sucht. Dieser verspricht er Gehalt, Sicherheit und, wenn sie will, jedes Jahr mehrere Wochen Urlaub. Daraus erkennt die Frau, daß es eigentlich nicht um Liebe geht, sondern um eine „Vernunftehe“. Auch die Beziehung zwischen den beiden ist nicht ganz klar zu erkennen. Einerseits kann man daraus, dass sie sich siezen und dass es sich um eine Lehrerin und den Leiter o.ä. einer Schule handelt, eine geschäftliche und relativ unpersönliche Beziehung erkennen, andererseits implizieren das Thema Ehe und der Antrag eine tiefere und längere Beziehung. Es scheint, als wolle der Mann zu der engeren Beziehung übergehen, während die Frau lieber auf der unpersönlicheren Ebene geblieben wäre, was ein Grund für ihr Unbehagen sein könnte. Ein Zeichen für das Gefühlsleben der Frau ist auch die Temperatur; während sie sich am Anfang vermehrt gedanklich gegen die Entscheidung wehrt, ist es heiß, als sie sich schließlich doch für eine Zusage entscheidet, die auf der Überlegung des Verstandes basiert, taucht sie ihren „kühlen Alpakalöffel in das Eis“; ein Symbol für die auf der Vernunft basierende Entscheidung.
Auch sein „spitzzulaufender Zeigefinger“ ist ein Symbol dafür, daß es keine glückliche Beziehung sein wird, sie nennt ihn als „Scheidungsgrund“, wo sie vielleicht schon eine Aussage über die Zukunft macht.
Ich finde, dieser Text beschreibt die Situation zwar etwas überspitzt, da sehr viele Bilder gebraucht werden und die Aufteilung der Rollen im Hinblick auf die Kommunikation sehr klar ist, er bringt dem Leser aber gerade deshalb nahe, wie ausweglos und schwierig diese Situation für die Frau sein muss.
Aufgrund der bildhaften Sprache kann man sich auch gut in die Gedanken der Frau hineinversetzen. Allerdings verstehe ich aufgrund der vorherigen Zweifel die Reaktion der Frau auf den Antrag nicht ganz, da ihr ganzes Verhalten gegen eine Zusage spricht.
Arbeit zitieren:
Stephanie Wiederhold, 2001, Wohmann, Gabriele - Der Antrag, München, GRIN Verlag GmbH
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am Monday, October 04, 2010-