Angela Wieser Disposition Seite 2
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achtzeiliges Gedicht
˜
Darstellung des römischen Renaissancebrunnens
˜ beschreibt einen Brunnen aus drei übereinanderstehenden Marmorschalen, die von einer Fontäne gefüllt werden Aufbau
˜ in sechs Verszeilen werden die einzelnen Schalen von oben nach unten betrachtet
˜ jeder Schale sind zwei Verse gewidmet ˜ Vers 2 und 3 beschreiben das Nehmen und Geben der ersten ˜ Vers 4 und 5 analog der zweiten Schale ˜ die dritte Schale wird in Zeile 6 gefüllt ˜ die dritte Schale muss auch eine gebende sein ˜ in Zeile 7 heißt es „jede nimmt und gibt“
˜ deshalb muss man den aufsteigenden Strahl im ersten Vers des Gedichtes gleichermaßen auf sie beziehen
˜ in der sechsten Verszeile schließt sich der Kreislauf des Wassers ˜ der Kreislauf des Wassers wird dadurch unterstrichen, dass sich die erste Zeile mit der sechsten reimt: fallend - wallend (Endreim) ˜ die beiden Schlusszeilen fassen den Kreislauf des Wassers zusammen und runden das Gedicht ab
Angela Wieser Disposition Seite 3
Metrik ˜ vierhebiger Jambus
˜ ständiger Wechsel von Senkung und Hebung => steigendes Versmaß ˜ das steigende Versmaß verdeutlicht das Ansteigen des Wassers, das mit der Pumpe nach oben befördert wird
˜ die Anfangsverse ahmen die Bewegung des Steigens und Fallens im Sprechrhythmus nach Reimschema ˜ zwei Kreuzreime ˜ ab ab cd cd
ð eine Zäsur in Form eines Strichpunktes findet man lediglich in der Mitte des Gedichts nach der vierten Verszeile
ð da die vierte Zeile die zweite Brunnenschale beschreibt, könnte man sich vorstellen, dass sich hier die Fließgeschwindigkeit des Wassers verlangsamt
ð ein Punkt findet sich nur am Ende des Gedichtes
ð da der Brunnen ein in sich geschlossener Körper ist, darf der Kreislauf nicht durch Einschnitte unterbrochen werden
ð dadurch wird die Geschlossenheit dieses Vorganges angedeutet Wortwahl
trotz der Kürze des Textes treten Mittelwortgruppen gehäuft auf fallend (Zeile 1) verschleiernd (Zeile 3) wallend (Zeile 6)
ð ein Mittelwort drückt stets eine andauernde, gegenwärtige Bewegung oder auch stets andauerndes immerwährendes Geschehen aus
ð gerade ein Mittelwort verdeutlicht den Kreis, der in sich geschlossen ist und immer andauert Verben
aufsteigen, fallen, gießen, verschleiern, überfließen, geben, werden, wallen, nehmen, geben, strömen, ruhen
ð die verwendeten Verben beschreiben immer Bewegungen
ð mit dem Verb „aufsteigen“ beginnt der Kreislauf des Wassers
ð „ruhen“ schließt den Vorgang ab
Angela Wieser Disposition Seite 4
ð wir erfahren nichts über die Farbe und Größe der Schalen oder die Umgebung des Brunnens
ð lediglich der Kreislauf des Wassers wird geschildert
ð die beiden Schlusszeilen lenken den Blick von den einzelnen Schalen
ð sie beziehen sich auf den ganzen Brunnen und verdeutlichen das Entscheidende: das ständige Geben und Nehmen und das gleichzeitige Ruhen und Strömen
ð in den beiden Schlusszeilen kommt viermal das Bindewort „und“ vor
ð dies unterstreicht die Dynamik des Vorganges
Was verbirgt sich hinter dem
˜ der Kreislauf des Lebens
˜ das Lebens des Menschen ist ein geschlossener Kreislauf => Lebenszyklus ˜ Kreislauf von Geburt und Tod ˜ der Kreislauf des Blutes Analogie zum Brunnen:
ð Die rechte Herzhälfte pumpt das aus dem Körper kommende sauerstoffarme Blut in die Lunge, wo es wieder mit Sauerstoff angereichert wird.
ð
Von dort aus fließt das Blut in die linke Herzhälfte, die es durch die Arterien in alle Körperteile befördert.
˜ im Geben erfahren wir Widerhall ˜ das Übermaß des Brunnens ˜ er wird so reich, dass er abgeben muss ˜ jeder Abschnitt des Lebens ist somit gleich viel Wert
˜ das Leben vollzieht sich in Höhen und Tiefen ˜ das Leben in Phasen des Glücks und der Enttäuschung
Angela Wieser Disposition Seite 5
˜ gäbe es kein Glücksgefühl, würden wir den Weg nicht weiterfinden ˜ wenn es keine Tiefen gäbe, wüssten wir die Höhen nicht zu schätzen ˜ wenn wir Leistung erbracht haben, bedarf es eines neuen Kräftesammelns ˜ Höchstleistung setzt die Sammlung aller Kräfte voraus ˜ der Strahl steigt auf durch die Kraft der anderen ˜ die drei Schalen sind dadurch voneinander abhängig
˜ die Schalen könnten mit den Lebensabschnitten in Verknüpfung gebracht werden
˜ die erste Schale steht für die Jugend und die Größe jeder Schale für die jeweilige Lebenserfahrung
˜ in der Jugend „sprudeln“ wir voller Energie und Tatendrang ˜ je älter der Mensch, desto größer ist die Lebenserfahrung ˜ die dritte Schale, die auch die größte ist, gibt dem Strahl die Kraft die erste Schale zu füllen
˜ erfahrene ältere Menschen geben ihre Lebenserfahrung an die Jugend weiter ˜ so wie diese Schalen immer wieder mit Wasser gefüllt werden, gewinnen wir immer mehr an Wissen und Erfahrung
˜ im ersten Lebensabschnitt können wir diese vielen neuen Eindrücke (der Wasserstrahl) noch nicht verwerten oder wissen sie nicht zu schätzen ˜ doch wir nehmen diese Eindrücke mit in den nächsten Lebensabschnitt (Weiterfließen des Wassers)
ð Harmonie von Tätigkeit und absoluter Ruhe
˜ die Phase der Bewegung wird von der Phase des absoluten Ruhebedürfnisses abgelöst
˜ Schlaf ist ein normaler, regelmäßig wiederkehrender Ruhezustand vieler Lebewesen
˜ Schlaf ist bedeutend für die Regeneration von Körper und Gehirn ˜ wir sind nur zwanzig Minuten fähig uns zu konzentrieren
ð wir brauchen eine Phase der Regeneration
ð eine Phase des Kräftesammelns ist notwendig um jeden Tag Energie zu haben
Angela Wieser Disposition Seite 6
Tagesrhytmus
˜ wir täglich schöpfen aus den Kräften, die wir beim Schlafen gesammelt haben ˜ dieser ist immer wiederkehrende Wechsel von Bewegung und Ruhe ist wichtig für das Funktionieren unserer biologischen Uhr
˜ Biologische Uhren sind Systeme, mit deren Hilfe Lebewesen im Einklang mit den Rhythmen der Natur leben können, zum Beispiel mit dem Zyklus von Tag und Nacht oder mit den Jahreszeiten
˜ solche biologischen Zeitgeber findet man in der Tier- und Pflanzenwelt für fast jeden periodisch wiederkehrenden Vorgang ˜ in der Regel sorgen dieser Rhythmen für täglich wiederkehrende Verhaltensweisen
˜ Zwischen den einzelnen Lebewesen des Ökosystems bestehen Austauschbeziehungen, ähnlich wie bei den Brunnenschalen, bei denen Sonnenenergie verschiedene Male umgewandelt wird
˜ die Sonne speist sozusagen alle Lebewesen, sowie der immer wiederkehrende Strahl des Brunnens die Schalen speist
˜ durch die Abfolge von Fressen und Gefressenwerden fließt Energie von einer Ebene zur nächsten ˜ beim Brunnen: Bewegungsenergie überträgt sich von Schale zu Schale
˜ man kann den Brunnen als Kreislauf betrachten ˜ jedoch kann der Brunnen auch in drei Ebenen unterteilt werden: in drei Schalen, die voneinander abhängig sind
˜ auch das Nahrungsgesetz kann nicht nur als Geflecht von Nahrungsketten betrachten, sondern auch als Abfolge von Ebenen Ebenen der Nahrungskette: grobe Einteilung:
˜ die erste Ebene im Nahrungskreislauf sind die Pflanzen ˜ auf zweiter Ebene stehen die Pflanzenfresser
˜ Fleischfresser, die sich als Räuber von den Pflanzenfressern ernähren, bilden die dritte Ebene
˜ Ähnlichkeit zu den drei Schalen des Brunnens ˜ die drei Ebenen der Nahrungskette sind voneinander abhängig, da sie einander als Nahrungsquelle dienen
Angela Wieser Disposition Seite 7
˜ so wie sich die Schalen des Brunnens ergänzen, ergänzen sich auch die Menschen
˜ beispielsweise harmonieren zwei grundverschiedene Menschen, weil sich ihre Eigenschaften ergänzen
˜ sowie beim Brunnen Bewegung und Stillstand zur Einheit, zur Harmonie gelangen, ergänzen sich zwei vollkommen unterschiedliche Charaktere
˜ Parallelen zum altchinesischen Symbol
˜ ein Kreis mit zwei aneinandergeschmiegten schwarzen und weißen Elementen ˜ Symbolik der Poliarität und des Wechsels
˜ Yang, das schwarze Element, repräsentiert das männliche Prinzip und steht für hell, stark, schöpferisch, fest, Bewegung
˜ hingegen Yin, das weiße Element, steht für das weibliche Prinzip und entspricht den Qualitäten: dunkel, schwach, ruhig, nachgiebig ˜ das Symbol Yin und Yang verdeutlicht die Harmonie von Frau und Mann ˜ es zeigt uns, wie Bewegung und Ruhe harmonieren, so wie dies beim Brunnen der Fall ist
˜ Männlich und weiblich sind keine absoluten Gegensätze, vielmehr enthalten beide den Kern des jeweils anderen in sich
˜ daher enthält die schwarze Fläche des Symbols einen kleinen weißen Kern und die weiße umgekehrt einen Schwarzen
Arbeit zitieren:
Wieser Angela, 2001, Meyer, Conrad Ferdinand - Der römische Brunnen, München, GRIN Verlag GmbH
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Elke Moritz
Theologischer Aspekt.
Nur eine kurze Anmerkung:
Der Brunnen symbolisiert ebenfalls - und vielleicht sogar primär, beachtet man seinen Standort -
die christliche Trinität. Es gab in der Kirche Diskussionen über die Kohärenz von Vater, Sohn und heiligem Geist und jener Brunnen ist Gestalt gewordene Antwort auf eine der Hypothesen, wobei das Wasser den hl. Geist symbolisiert.
am Thursday, June 01, 2006-