Inhaltsverzeichnis
2.1. Lebensdaten 4
3. Juba in der Naturalis Historia von Plinius dem Aelteren 10
3.2.2. Buch VI: Asien 16
4. Schlusswort 22
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1. Einleitung
Wer in der heutigen Zeit in ein fernes Land reisen möchte, hat die Möglichkeit, sich mit Hilfe von Landkarten oder Reiseberichten im Voraus über das entsprechende Land zu informieren. Oft sind es sogar Bilder oder Berichte über ein Land, die in uns Neugierde entstehen lassen und Reiselust wecken. Kein Land ist mehr unerreichbar, kaum ein Fleckchen Erde unbekannt. Ganz anders verhielt sich dies in der Antike. Das Reisen war mühsam und viele Teile der Welt noch unerforscht. Die Neugierde auf die Fremde aber gab es schon damals. Viele Wissenschaftler haben durch Reisen oder durch das Aufarbeiten von Berichten aus vorangegangener Zeit begonnen, die Welt immer besser kennen zu lernen und ihre Ergebnisse schriftlich festzuhalten. Viele dieser Schriften sind heute nicht mehr erhalten und wahrscheinlich viele Namen in Vergessenheit geraten, doch einige sind in die Geschichte eingegangen.
In dem Seminar, was dieser Arbeit vorausging, haben wir uns mit Landkarten und Raumvorstellungen in der Antike beschäftigt. Daraus entstanden viele interessante Fragen, die im Rahmen des Seminars nicht alle ausführlich beantwortet werden konnten. Diese Seminararbeit hebt folgende zwei dieser Fragen hervor: Welche Aspekte hielt man damals für wichtig bei der Erkundung eines Raumes, und was waren das für Leute, die sich mit geographischen Fragestellungen auseinander setzten? Mit diesen Fragen im Hintergrund wird die folgende Seminararbeit exemplarisch einen Gelehrten aus der Antike, der neben anderen auch geographische Schriften verfasst hat, vorstellen und seine geographischen Erkenntnisse untersuchen. Es handelt sich um Juba den II. (ca. 50v.Chr. –23/24 n.Chr.) 1 . Er wird heute hauptsächlich als König von Mauretanien erwähnt und nicht seiner wissenschaftlichen Arbeit wegen. Der Hauptgrund dafür mag sein, dass sein Werk nur noch in Fragmenten erhalten ist. Dass es sich lohnt, Juba II. als Wissenschaftler genauer zu betrachten, beweist eine Aussage eines anderen bedeutenden Wissenschaftlers dieser Zeit. Plinius d.Ae.schreibt über Juba II. folgendes:
„Iuba, Ptolemaei pater, qui primus utrique Mauretaniae imperitavit, studiorum claritate memorabilior etiam
quam regno, (...). 2
1 Cancik. Schneider. (Hg.). Der neue Pauly. S. 1185.
2 Plinius. NH. V.16.
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Plinius hat Juba als Wissenschaftler sehr geschätzt und ihn in seinem Werk, der Naturalis Historia, häufig zitiert. Aus diesem Grund bietet es sich an, diese Quelle als Grundlage dieser Arbeit zu nutzen.
Bevor wir aber zur Quellenkritik übergehen, sollen zunächst Informationen zu Jubas Leben, zu seinem Wirken als König und zu seiner Arbeit als Schriftsteller und Wissenschaftler gesammelt und dargestellt werden, um ein Gesamtbild dieses Mannes zu erhalten, denn es lässt sich kaum eine Darstellung finden, welche sich umfassend mit der Person Jubas des II. auseinandersetzt. Das erste Ziel ist demnach, einen Ueberblick über Jubas Leben zu geben. In einem zweiten Teil wird die Naturalis Historia kurz vorgestellt werden, um die Interpretation der Quelle in einen Kontext einzubetten.
Der Hauptteil der Arbeit beschäftigt sich mit jenen Stellen in der Naturalis Historia, in denen Juba erwähnt wird. Es geht uns dabei vor allem um das Gebiet der Geographie, und folgende Fragen werden im Mittelpunkt stehen: Was ist der Inhalt von Jubas Beiträgen und wie stellt Plinius diesen dar ?
2. Das Leben von Juba II.
Ueber das Leben von Juba II. ist allgemein wenig bekannt. Am ausführlichsten finden wir ihn in Paulys Realenzyklopädie von 1916 3 behandelt, welche sowohl sein Wirken als König als auch seine Arbeit als Wissenschaftler und Schriftsteller untersucht. Der kleine Pauly 4 und der neue Pauly 5 beinhalten mehr oder weniger ausführliche Zusammenfassungen der Realenzyklopädie. In den Darstellungen wird Juba selten behandelt. Neuere Darstellungen zum Thema beziehen sich hauptsächlich auf sein Wirken als König, nicht aber auf sein wissenschaftliches Werk. So sind wir vor allem im Kapitel 2.3. auf die Realenzyklopädie und ihre Nachfolgelexika angewiesen. Eventuelle Kontroversen oder Zusatzinformationen sind hauptsächlich Michèle Coltelloni-Trannoy 6 , die sich mit dem Königreich Mauretanien unter Juba II. und Ptolemaios auseinandersetzt, Andreas Gutsfeld 7 , der die römische Herrschaft in Nordafrika untersucht und O. A. W. Dilke 8 , welcher sich eingehend mit griechischen und römischen Landkarten befasst, entnommen.
3 Kroll. Wissowa. (Hg.). Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. 18/2. 4 Der kleine Pauly. 2. Lexikon der Antike.
5 Cancik. Schneider. (Hg.). Der neue Pauly.
6 Coltelloni-Trannoy. Le royaume de Maurétanie sous Juba II et Ptolémée.
7 Gutsfeld. Römische Herrschaft und einheimischer Widerstand in Nordafrika.
8 Dilke. Greek and Roman maps.
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2. 1. Lebensdaten
Jubas Geburtsjahr konnte nicht genau bestimmt werden. Dilke setzt seine Geburt ins Jahre 48 v. Chr. 9 Im neuen Pauly ist vermerkt, dass er ca. 50 v. Chr. geboren wurde, was der Aussage Dilkes nicht widersprechen würde. Das Einzige, was man genau weiss ist, dass Juba als Kind dem Triumphzug von Julius Cäsar im Jahre 46 v.Chr. nach dem Sieg bei Thapsus über die Pompejaner beiwohnte, 10 damals also auf jeden Fall schon gelebt haben muss. Ueber sein Todesjahr liegen zwei Anhaltspunkte vor: Man kennt das Datum der Inthronisation von Ptolemaios, Jubas Sohn und Nachfolger, durch dessen letzte bekannte Münzemission, welche sich auf das 48. Jahr Jubas Regentschaft bezieht. Ausserdem erwähnt Tacitus Juba II. im Jahre 23 n.Chr. noch als König und beschreibt im Jahre 24 n.Chr. die Anerkennung der königlichen Würde des Ptolemaios durch den römischen Senat. Daraus schliessen wir, dass Juba Ende des Jahres 23 oder Anfang des Jahres 24 n.Chr. gestorben sein muss. 11 Auch dies entspricht der Angabe im neuen Pauly, wo Jubas Tod 23 n. Chr. datiert ist. 12 Sein Vater Juba I. war König von Numidien und lebte von ca. 85 v.Chr. bis 46 n.Chr. Zunächst vertrat er in Rom numidische Interessen. 62 v. Chr. wurde er zum Feind Cäsars und stand im Bürgerkrieg Pompeius bei. Bei Cäsars Landung in Afrika Ende 47 v. Chr. stand Juba I. mit grossen Truppen bereit. Nach Cäsars Sieg bei Thapsus floh er ohne Heer in sein Reich, wo die Stadt Zama ihm angesichts der Niederlage die Tore verschloss. Aus Verzweiflung suchte er nahe Zama den Tod. Cäsar zog daraufhin Numidien als Provinz Africa Nova ein. 13 Nach dem frühen Tode seines Vaters wurde Juba II. in Italien am Hofe von Oktavia, der Schwester von Augustus, zusammen mit seiner zukünftigen Ehefrau Kleopatra Selene erzogen. Es war damals üblich, in Rom einige königliche Kinder aufzuziehen, um sie entweder als politische Geiseln zu missbrauchen oder um Rom die Möglichkeit zu geben, sie später in neuen, von Rom abhängigen Monarchien einzusetzen. 14
9 Dilke. Greek and Roman maps. S. 65.
10 Coltelloni-Trannoy. Le royaume de Maurétanie sous Juba II et Ptolémée. S. 33.
11 Ebd.. S. 38.
12 Cancik. Schneider. (Hg.). Der neue Pauly. S. 1185.
13 Ebd..
14 Coltelloni-Trannoy. Le royaume de Maurétanie sous Juba II et Ptolémée. S. 33f..
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Im Falle von Juba trifft letzteres zu. Augustus hat ihn auf seinen Einsatz als Klientelkönig von Mauretanien gut vorbereitet, indem er ihn im Krieg gegen die Kantabrer (26/25) in seine militärischen Aufgaben einwies. Zuvor verlieh er ihm noch das Bürgerrecht und band Juba II. damit an Rom. 15 Kurz nach seinem Kriegseinsatz wurde Juba II. von Augustus als Klientelkönig Mauretaniens eingesetzt. Zusätzlich erhielt er Teile Gaetuliens. 16
25 v. Chr. Heiratete er Kleopatra Selene, die wie bereits erwähnt, ebenfalls in der Umgebung
Augustus’ erzogen worden war. 17 Kleopatra Selene war die Tochter von Kleopatra VII. und Marcus Antonius. 18 Aus dieser Ehe ging der Sohn Ptolemaios hervor, der später Jubas Nachfolger wurde. Die Existenz einer Tochter mit Namen Drusilla ist unsicher. 19 Paulys Realenzyklopädie spricht von einer zweiten Ehe, die Juba mit Glaphyra, der Tochter des Königs Archelaos von Kappadokien, nach dem Tode Kleopatras eingegangen sein soll. 20 Coltelloni-Trannoy stellt diese Ehe allerdings in Frage. 21 Nach seinem Tod Ende 23 oder Anfang 24 n. Chr. nach 48 Jahren Regentschaft folgte ihm sein Sohn Ptolemaios auf den Thron. 22
Juba ist von Augustus schon früh auf sein Amt als Klientelkönig in Mauretanien vorbereitet worden. Dadurch und natürlich aufgrund seiner Erziehung in der Umgebung des Kaisers war seine Verbundenheit zu Rom sehr stark. Wie sich diese Tatsache auf sein Wirken als König ausgewirkt und was Juba als König erreicht hat, soll im folgenden Kapitel behandelt werden.
2.2. Das Wirken von Juba II. als König von Mauretanien
Das mauretanische Königreich war 25 v. Chr. von Augustus wiederbelebt und direkt Juba II. übergeben worden. Somit fungierte Juba II ab 25 v. Chr. als Klientelkönig von Mauretanien. Sein Königreich umfasste die ehemaligen Gebiete des Bocchus und Bogud im westlichen
15 Der kleine Pauly. 2. S. 1493.
16 Cancik. Schneider. (Hg.). Der neue Pauly S. 1185.
17 Coltelloni-Trannoy. Le royaume de Maurétanie sous Juba II et Ptolémée. S. 33.
18 Ebd.. S. 35.
19 Cancik. Schneider. (Hg.). Der neue Pauly. S. 1186.
20 Kroll. Wissowa. (Hg.). Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. 18/2. S. 2386. 21 Coltelloni-Trannoy. Le royaume de Maurétanie sous Juba II et Ptolémée. S. 36..
22 Ebd.. S. 38.
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Nordafrika und Teile Gaetuliens. Dazu zählte die Hochebene Numidiens und der trockene Süden des heutigen Tunesiens. 23
Es stellt sich nun die Frage, welche Leistungen Juba II. als König von Mauretanien erbrachte. Als sehr wichtig für die folgende Untersuchung ist die Tatsache einzustufen, dass Juba sich sehr um die Ausbreitung griechischer Kultur in Nordafrika bemühte. So baute er zum Beispiel die in Ceasarea umgetaufte Residenz Iol zu einem Kulturzentrum aus und auch in Volubilis waren reiche Kunstschätze zu finden. 24 Dies zeigt uns, dass Juba kulturell sehr interessiert war und erklärt, warum viele seiner schriftstellerischen Werke in griechisch verfasst 25 worden sind.
Von politischer Wichtigkeit war vor allem Jubas Verbundenheit mit Rom. Die Romanisierung Mauretaniens schritt unter ihm zügig voran. 26 An dieser Stelle wollen wir folgende Frage aufwerfen: Warum propagierte Juba die griechische Kultur, war er doch in Rom erzogen worden und unterstützte die Romanisierung seines Landes? Dies lässt sich leider nicht mehr klären, da hierzu keine Quellen vorliegen. Am Ende des Kapitels 2 werden wir darauf zurückkommen und in diesem Zusammenhang eine Hypothese formulieren.
Seine starke Bindung an Rom brachte allerdings auch Probleme mit sich: Einige Stämme in Gaetulien rebellierten gegen Juba, weil dieser nichts gegen den wachsenden römischen Einfluss unternahm und sie deshalb befürchteten mussten, unter römische Herrschaft zu geraten. Faktisch übte der mauretanische König sowieso nur eine begrenzte Aufsicht über Gaetulien aus, da ihm nur Teile dieses Landes gehörten. Die Prokonsuln der Africa Prokonsularis hatten sich seit 36 v. Chr. bemüht, den Süden und Südwesten des heutigen Tunesiens zu erobern, der Erfolg blieb aber bis anhin aus. Erst im Jahre 6 n. Chr. schaffte es der Prokonsul Cornelius Lentulus, die Aufständischen zu besiegen. Juba II. hatte als treuer Verbündeter Roms seinen Teil dazu beigetragen und feierte den Sieg mit der Prägung einiger Münzen, die auf der Rückseite Triumphalinsignien und die Victoria zeigten. 27 Wie Augustus liess auch Juba bei besonderen Anlässen Münzen prägen. Die Vorbildfunktion, welche Augustus dabei einnahm, 28 verdeutlicht noch einmal Jubas Verbundenheit mit Rom. Die Tatsache, dass Juba das Recht hatte, Münzen zu prägen, zeugt allerdings auch von einer gewissen Macht. Die mauretanischen Münzen zeigen die Ambiguität der Situation, in welcher
23 Gutsfeld. Römische Herrschaft und einheimischer Widerstand in Nordafrika. S. 36.
24 Der kleine Pauly. 2. Lexikon der Antike. S. 1493.
25 Dilke. Greek and Roman maps. S. 65.
26 Cancik. Schneider. (Hg.). Der neue Pauly. S. 1186.
27 Gutsfeld. Römische Herrschaft und einheimischer Widerstand in Nordafrika. S. 37.
28 Cancik. Schneider. (Hg.). Der neue Pauly. S. 1186.
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die mauretanischen Herrscher lebten: Sie waren unabhängig, aber trotzdem Rom untergeordnet. 29 Die Münzen der mauretanischen Herrscher sind für uns vor allem als Quellen bedeutend, denn sie verweisen auf wichtige Daten. So gibt uns z.B. Jubas letzte Münzemission, welche sich auf das 48. Jahr seiner Regentschaft bezieht, zugleich an, wie lange er regiert und wann er den Thron bestiegen hat, denn wir wissen, dass er Ende 23 oder Anfang 24 n. Chr. gestorben ist. 30 Ein letzter wichtiger Punkt seines Wirkens als König ist die Entdeckung des Purpur und die Erschliessung dieser Entdeckung als Einnahmequelle für sein Land. 31
Juba hat Zeit seiner Regentschaft vor allem kulturell gewirkt. Von politischer Bedeutung war seine starke Treue zu Rom, weswegen er bei einem Teil seiner Untertanen nicht sehr beliebt war.
Kommen wir nun zu seiner wissenschaftlichen Arbeit.
2.3. Juba II. als Schriftsteller und Wissenschaftler
Wie bereits erwähnt wird Juba in den Darstellungen fast ausschliesslich in seinem Amt als Klientelkönig von Mauretanien untersucht. Dilke bezeichnet ihn jedoch klar als Gelehrten, was folgendes Zitat belegt:
„He was a scholary man, introducing Graeco-Roman culture and writing many works in Greek” 32 Es wurde bereits erwähnt, dass Juba kulturell interessiert war. 33 Besonders faszinierten ihn die Entdeckungsfahrten der Ptolemäer, was sich in seinem schriftstellerischen Werk deutlich niederschlägt. Wie diese hat auch er eine Bibliothek gegründet, die gut ausgestattet war und es ihm erlaubte, seriöse Quellen zu beanspruchen. Er war vor allem als Kompilator tätig, führte seine Quellen aber immer genau auf und bearbeitete sie hauptsächlich stilistisch. 34 Sein Werk ist uns leider nur in Fragmenten erhalten geblieben, und es fehlt eine Aufzählung aller Bücher. In Paulys Realenzyklopädie ist vermerkt, dass neun Titel und wenigstens 52
29 Coltelloni-Trannoy. Le royaume de Maurétanie sous Juba II et Ptolémée. S. 40. 30 Ebd.. S. 38.
31 Cancik. Schneider. (Hg.). Der neue Pauly. S. 1186.
32 Dilke. Greek and Roman maps. S.65.
33 Siehe S. 2f..
34 Kroll. Wissowa. (Hg.). Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. 18/2. S. 2387f..
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Bücher bekannt sind 35 . Die Thematik seines Werkes ist sehr breit. Juba hat nämlich nicht hauptsächlich geographische Studien betrieben, sondern auch einen Kurzabriss über die römische Geschichte, eine Sittengeschichte, Schriften zur Naturkunde und Handbücher über Musik, Theater und Malerei verfasst. 36 In dieser Arbeit geht es vor allem um seine geographischen Arbeiten. Was hat Juba in seinen geographischen Werken behandelt? Bekannt sind vor allem seine Bücher über Assyrien, Arabien und Afrika. 37 Wo er über seine eigene Heimat berichtet, scheint er sogar selbständige Studien betrieben zu haben. So habe er sich z.B. bei der Erkundung des Atlasgebirges gewisse Verdienste erworben. 38 Was genau dies bedeutete, ist uns leider nicht bekannt. Hat er die Orte selbst bereist, Distanzen eigenhändig abgeschritten und Tier- und Planzenwelt selbst untersucht? Zog er seine Ergebnisse eventuell aus Studien von Helfern? Diese Fragen müssen offen bleiben, da uns keine Quellen bekannt sind, welche hierzu nützliche Angaben machen und Spekulationen darüber nichts aussagen könnten.
Besonders berühmt ist seine Theorie über die Nilquelle, welche grossen Einfluss auf die afrikanische Karthograpie hatte, 39 und auf welche wir später bei der Untersuchung der Naturalis Historia genauer eingehen werden.
Was weiss man über seine Quellen zu diesen Werken? Bekannt ist, dass er sich auf Berossos, Onesikritos, punische Autoren und vielleicht auch auf Varro und Verrius Flaccus bezog. In seinem Werk über Arabien soll er sich vor allem auf Onesikritos berufen haben. Bei seinen Ausführungen über den Nil greift er auf punische Autoren zurück. 40 Doch Juba hat nicht nur von seinen Vorfahren profitiert, sondern auch selbst als Quelle gedient. Es gab spätere bedeutende Wissenschaftler, die ihn zitierten. So griffen grosse Personen wie Plutarch, Athenaios und Plinius der Aeltere, 41 dessen Naturalis Historia dieser Arbeit als Quelle zugrunde liegt, auf Jubas Werk zurück. Aufgrund des Bekanntheitsgrades unter den Wissenschaftlern nehmen wir an, dass Jubas Schriften vor allem von diesen gelesen wurden und nicht von einfachen Bürgern. Betrachten wir allerdings die Naturalis Historia, in der Jubas Werk zitiert wird, so stellen wir fest, dass diese von Plinius für eine breite Leserschaft geschrieben wurde 42 . Kann man daher annehmen, dass auch Jubas Texte nicht nur für Wissenschaftler geschrieben worden sind sondern für ein breiteres Publikum? Diese Frage
35 Kroll. Wissowa. (Hg.). Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. 18/2. S. 2388. 36 Cancik. Schneider. (Hg.) Der neue Pauly. S. 1186.
37 Ebd..
38 Kroll. Wissowa. (Hg.). Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. 18/2. S. 2388f.. 39 Dilke. Greek and Roman maps. S. 65.
40 Kroll. Wissowa. (Hg.). Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. 18/2. S. 2388f.. 41 Cancik. Schneider. (Hg.). Der neue Pauly. S. 1186.
42 Healy. Pliny the Elder on science and technology. S. 40.
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ist schwierig zu beantworten, denn wir wissen zwar, dass Plinius für eine breite Leserschaft geschrieben hat, können aber nicht ganz sicher sein, dass die Naturalis Historia wirklich auch von dieser Zielgruppe gelesen wurde. Bei Jubas Werk können wir nicht einmal genau nachvollziehen, für wen er geschrieben hat, und es ist deswegen auch unsicher, von wem er gelesen wurde. Sicher ist nur, dass er von einigen Wissenschaftlern geschätzt und zitiert wurde.
Was die Kritik an Jubas Werk betrifft, so ist uns nur ein Grammatiker mit Namen Didymos bekannt, der heftig gegen ihn polemisiert haben soll. 43 Sonst kennt man nur Lob. Plinius schreibt in der Naturalis Historia über Jubas Ansehen folgendes:
„Iuba, Ptolemaei pater, qui primus utrique Mauretaniae imperitavit, studiorum claritate memorabilior etiam
quam regno, (...). 44
Dies zeigt uns, wie wichtig Juba für die zeitgenössischen Schriftsteller gewesen sein muss.
Wir haben nun sowohl den König als auch den Gelehrten Juba kennen gelernt und sind nun an eine Stelle gekommen, wo wir uns fragen müssen, wie sich diese beiden Bilder verknüpfen lassen. Aus welchem Grund kam ein Klientelkönig, der mit seinem Amt sicher ausgelastet gewesen wäre, dazu, sich für die Wissenschaft, in diesem Falle die Geographie, zu interessieren und darin aktiv tätig zu werden? Da wir hierzu keine Quellen vorliegen haben, stellen wir folgende drei Hypothesen auf:
1) Durch die hellenistisch-römische Erziehung 45 am Hofe von Augustus wurde sein Interesse an der griechischen Kultur und damit auch den verschiedenen Wissenschaften geweckt. Obwohl er in Rom aufwuchs und sich für die Romanisierung Mauretaniens einsetzte, schrieb er in Griechisch und verbreitete die griechische Kultur in seinem Land. Daraus könnte man schliessen, dass die griechische Kultur, die Wissenschaft und somit auch seine geographischen Studien für Juba ein ausgeprägtes Hobby waren.
2) In der Situation als Klientelkönig verfolgte er mit dem Studium seiner Umgebung und fremder Länder politisch-militärische Interessen.
3) Seine Tätigkeit als Wissenschaftler brachte seinem Land kommerzielle Vorteile.
43 Kroll. Wissowa. (Hg.). Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. 18/2. S. 2388.
44 Plinius. NH. V.16.
45 Cancik. Schneider. (Hg.). Der neue Pauly. S. 1185.
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Im Schlusswort werden wir auf diese Hypothesen zurückkommen und eventuelle neue Erkenntnisse, die sich beim Studium der Naturalis Historia ergeben sollten, einbringen.
Jubas geographische Studien sind vor allem von Plinius dem Aelteren in seinem Werk, der Naturalis Historia, beansprucht worden und liegen uns auch nur noch in dieser Form vor. Im Folgenden soll eine Uebersicht über Plinius und die Naturalis Historia gegeben werden, um den nötigen Hintergrund für die Quellenanalyse zu schaffen.
3. Juba in der Naturalis Historia von Plinius dem Aelteren.
3.1. Die Naturalis Historia
Plinius der Aeltere lebte von 23 oder 24 bis 79 n.Chr., wo er beim Ausbruch des Vesuvs ums Leben kam. Er konnte folglich Juba II. persönlich nicht mehr gekannt haben, denn dessen Todesjahr fällt ungefähr mit Plinius’ Geburtsjahr zusammen. Bevor Plinius Rechtsanwalt und Schriftsteller wurde, diente er von 47 bis 50 in Germanien als Kavallerieoffizier. Vespasian ernannte ihn 70 n. Chr. Zum Prokurator von Gallia Narbonensis. Später wurde er Prokurator Afrikas und 76 n.Chr. holte man ihn an den römischen Kaiserhof. 46 Die Naturalis Historia ist sein einziges erhaltenes Werk, an welchem er hart arbeitete. Sogar auf seinen Reisen notierte er sich Auszüge aus griechischen und römischen Autoren. Obwohl er aufgrund seiner Tätigkeit als Prokurator viele Regionen des römischen Reichs selbst kennen lernte, beruhen grosse Teile seiner geographischen Beschreibungen auf den Erkenntnissen antiker, vor allem römischer Autoren. 47 Er bezieht sich aber auch auf sogenannte „externis“ 48 , unter denen König Juba als Erster aufgeführt ist.
Es ist oft schwer nachzuvollziehen, welche Autoren er an welcher Stelle zitiert hat, denn er macht nicht überall genaue Angaben über seine Quellen 49 . Demzufolge können wir der Vermutung in Paulys Realenzyklopädie folgen, dass weit grössere Passagen in der Naturalis Historia von Juba stammen als angegeben 50 . Um Spekulationen zu vermeiden, werden wir uns in dieser Arbeit nur auf jene Stellen beziehen, bei denen Juba explizit erwähnt ist.
46 Dilke. Greek and Roman maps. S. 67.
47 Ebd..
48 Plinius. NH. V und VI. S. 9.
49 Healy. Pliny the elder on science and technology. S. 42.
50 Kroll. Wissowa. (Hg.). Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. 18/2. S. 2389.
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Die Naturalis Historia umfasst 37 Bände, von denen sich Band III bis VI mit geographischen Themen befassen. 51 Auf Jubas geographischen Werke greift Plinius vor allem bei den Büchern V und VI über Afrika und Asien zurück. Er scheint dort eine besondere Position einzunehmen, denn wie bereits erwähnt nennt Plinius ihn als Ersten unter den fremden Autoren. 52 Aus diesen Gründen werden wir uns in diese Arbeit ausschliesslich mit den Büchern V und VI der Naturalis Historia befassen.
Es bleibt die Frage offen, wie Plinius an Jubas Bücher kam. Die Darstellungen setzen sich mit dieser Frage nicht auseinander, weswegen wir gezwungen sind, eine eigene These zu entwickeln. Plinius beantwortet uns diese Frage mit seiner Aussage, dass Juba durch sein Wirken als Wissenschaftler damals bekannter war als als König, 53 zu einem grossen Teil selbst. Juba war bekannt als Wissenschaftler und deshalb wusste auch Plinius von seinem Werk. Doch wie kam er an die Bücher? Anzunehmen ist, dass er in der Zeit als Prokurator von Afrika auch Mauretanien besucht hat und dort die Bibliothek Jubas beanspruchen konnte. Healy erwähnt, dass Plinius als Informationsquelle vor allem private Archive beansprucht hat 54 . Diese Aussage lässt unsere Vermutung noch wahrscheinlicher werden.
3.2. Interpretation der ausgewählten Stellen
Bei der Quelleninterpretation werden wir wie folgt vorgehen: Es wurde bereits erwähnt, dass diese Arbeit sich nur auf die Bücher V und VI (über Afrika und Asien) beziehen wird, da in diesen Jubas geographisches Wissen wiedergegeben wird und er als Erster unter den fremden Autoren genannt wird. Wir wollen alle Stellen, in denen Juba explizit erwähnt wird untersuchen. Diese Stellen werden wir über das Namenregister der Naturalis Historia ermitteln. Folgende Fragen werden im Mittelpunkt stehen: Was genau ist der Inhalt dieser Stellen? Welches Wissen lag Juba zu Grunde? Wie gibt Plinius Jubas Forschungen wieder? Geht er kritisch mit Jubas Werk um?
Die Bücher V und VI sollen nacheinander untersucht werden, um die Möglichkeit zu haben, am Schluss einen Vergleich anzustellen. Unterscheiden sich die Inhalte der ausgewählten Stellen in den beiden Büchern in irgendeiner Weise?
51 Dilke. Greek and Roman maps. S. 67.
52 Plinius. NH. V. und VI. S. 9.
53 Siehe S. 2.
54 Healy. Pliny the Elder on science and technology. S. 57.
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Wie wir aus der Realenzyklopädie entnehmen können, hat Juba sofern es sich um seine nähere Umgebung handelte, also Nordafrika, sogar eigene Studien betrieben. 55 Wir stellen daher die These auf, dass Juba im Buch V über Afrika eine wichtigere Position einnehmen dürfte als im Buch VI über Asien. Wird diese These bestätigt?
Am Schluss werden wir versuchen, Jubas Bedeutung für den geographischen Teil der Naturalis Historia zu erfassen.
3.2.1. Buch V: Afrika
Im Buch V finden wir eine Stelle, in der Juba nur nebenbei erwähnt wird, ohne Zitate aus seinem Werk. Es handelt sich dabei umfolgenden Ausschnitt:
„promunturium Apollinis oppidumque ibi celeberrimum Caesarea, ante vocitatum Iol, Iubae regia a Divo Claudio coloniae iure donata; (…). 56
Dieses Zitat stammt aus dem ersten Teil des Buches V, welcher sich mit Mauretanien auseinandersetzt und zeigt auf, dass Juba für dieses Land und vor allem für die Hauptstadt grosse Bedeutung gehabt haben muss, denn Plinius schrieb die Naturalis Historia 76-78 n. Chr., 57 also nach Jubas Tod, und erwähnt ihn trotzdem noch.
Eine zweite Stelle befasst sich mit dem Atlas-Gebirge. Plinius nennt zunächst als Quellen die Eingeborenen, den Konsul Suetonius Paulinus und „übrige Autoren“. 58 Daran schliesst sich folgende Textstelle an:
„Iuba, (...), similia proditit de Atlante, praeterque gigni herbam ibi Euphorbeam nomine, ab inventore medico suo appelatam. cuius lacteum sucum miris laudibus celebrat in claritate visus contraque serpentes et venena omnia privatim dicato volumine.” 59
Wir wissen nicht genau, auf was sich das „Aehnliche“, was Juba über den Atlas sagt, bezieht. Da sich die zitierte Stelle am Schluss der Beschreibung des Atlasgebirges befindet und wir
55 Kroll. Wissowa. (Hg.). Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. 18/2. S. 2389. 56 Plinius. NH. V. 20.
57 Healy. Pliny the Elder on science and technology. S. 33.
58 Plinius. NH. V. 13-15.
59 Ebd.. 16.
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annehmen können, dass Juba über dieses Gebirge eigene Studien angestellt hat, 60 denken wir, dass Plinius alles in der Naturalis Historia Erwähnte über das Atlas-Gebirge auch bei Juba gefunden hat. Welche Erkenntnisse hat Juba also vermittelt?
In dem Zitat erkennen wir, dass biologische und medizinische Forschungen Jubas einfliessen: Er beschreibt eine Pflanze anhand ihrer Heilkraft.
Nehmen wir an, in Jubas Werk seien alle bei Plinius beschriebenen Informationen des Atlas ebenfalls enthalten, so hat Juba auch über folgende Erkenntnisse berichtet: Plinius beschreibt zwei Flüsse (Asana und Fut) und deren Verlauf. Von dem Fluss Fut aus seien es 200 Meilen bis zum Atlas-Gebirge. Dort befinde sich ein Heiligtum. Danach folgen Beschreibungen der Flora auf dem Gebirge und die Erkenntnis, dass der Gipfel auch im Sommer von hohen Schneemassen bedeckt sei. Die Gegend des Atlas wird als unbewohnbar beschrieben wegen der Hitze, die man auch im Winter ertragen müsse. Zusätzlich werden jene Menschen, welche die angrenzenden Wälder bewohnten als „canarii“ (Hundefresser) erwähnt und Informationen über die Tierwelt in diesen Wäldern gegeben. 61
Es handelt sich bei diesen Informationen also um Distanzen, Beschreibungen der Tier- und Pflanzenwelt und der Eingeborenen und um das Klima.
Plinius erwähnt zuerst andere Quellen und kommt zum Schluss zusammenfassend auf Juba zurück, stellt ihn also in gewisser Weise als Autorität über alle anderen. Ob Juba seine Erkenntnisse aus eigenen Forschungen bezogen oder selber Quellen beansprucht hat, wird von Plinius nicht erläutert. Paulys Realenzyklopädie ordnet den Teil über das Atlasgebirge klar Jubas eigenen Studien zu. 62
Nun kommen wir zum letzten Textausschnitt, in dem Plinius Jubas Erkenntnisse über die Nilquelle zitiert:
„(...) ut Iuba rex potuit exquirere, in monte inferioris Mauretaniae non procul Oceano habet lacu protinus stagnante, quem vocant Nilidem. (…)” 63
In diesem Zitat haben wir das erste Mal einen direkten Hinweis darauf, dass Juba sich selber als Forscher betätigt haben könnte, denn das Wort „exquirere“ deutet auf eigene Studien und
60 Siehe auch: Kroll. Wissowa. (Hg.). Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. 18/2. S. 2389.
61 Plinius. NH. V. 13-15.
62 Kroll. Wissowa. (Hg.). Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. 18/2. 2389. 63 Plinius. NH. V. 51.
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nicht auf Kompilation hin. Plinius nennt Juba eindeutig als Quelle der folgenden Ausführungen. Es ist allerdings nicht ganz klar, wann seine Ausführungen über Jubas Forschungen enden. Wir nehmen an, dass dies ab Paragraph 55 der Fall ist, da dort ein neuer Abschnitt beginnt und neue Quellen genannt werden.
Dem Zitat entnehmen wir, dass der Nil sich in einem See (Neilis) sammelt. Plinius fährt mit seinen Beschreibungen über Jubas Forschungen rund um die Nilquelle über vier Passagen wie folgt fort: Man finde dort Fische und Krokodile und es wurde beobachtet, dass der Nil anschwelle, wenn es in Mauretanien viel geregnet oder geschneit habe. Sobald der Nil aus diesem See ausgetreten sei, verschwinde er auf einer wüstenähnlichen Strecke von mehreren Tagesreisen unter der Erde. Danach fliesse er in einen andern, grösseren See in der „Caesariensis Mauretaniae“ 64 und von dort aus wieder für „XX dierum“ 65 unter der Erde. Sobald er Menschen bemerke („ ubi iterum sensit hominem“) 66 entspringe er mit aller Wahrscheinlichkeit in einer Quelle, welche Nigris genannt werde. 67 Auffallend ist, dass wieder Tier- und Pflanzenwelt beschrieben werden und Andeutungen gemacht werden über die Menschen in dem jeweiligen Gebiet. Distanzen werden in Form von Angaben über die Reisedauer festgehalten. In den weiteren Ausführungen über den Nil findet man auch Angaben über Grenzen: „inde Africam ab Aethiopia dispescens, (...)“ 68 , und weitere Informationen über Tiere, Menschen und Pflanzen im Einzugsgebiet des Nils. Weiter wird von „insulas ita innumeras“ 69 berichtet, welche der Fluss bildet und an welchen er „quamquam rapida celeritate“ 70 in nicht weniger als fünf Tagen vorbeifliesst. In zwei Paragraphen 71 umschreibt Plinius dann den restliche Weg des Flusses bis er „in Aegyptium mare se evomat“ 72 . Die Angaben in diesem Teil unterscheiden sich nicht von den bereits beschriebenen, ausser dass zusätzlich andere Namen für den Nil genannt werden (Giris, Triton) 73 . Interessant ist, dass Juba sogar um einen Wasserfall im Verlauf des Nils gewusst haben zu scheint, was folgendes Zitat zeigt:
„(...), novissimo catarracte inter occursantes scopulos non fluere immenso fragore creditur, sed ruere.” 74
64 Plinius. NH. V. 52.
65 Ebd..
66 Ebd..
67 Ebd.. 51-53.
68 Ebd.. 53.
69 Ebd..
70 Ebd..
71 Ebd.. 53-54.
72 Ebd.. 54.
73 Ebd.. 53.
74 Ebd.. 54.
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Nach den Ausführungen, welche wir Juba zuordnen, fährt Plinius mit Forschungen über das Anschwellen des Nils weiter. Da er wie gesagt neue Quellen nennt (Timaios, ein Mathematiker) 75 und einen neuen Abschnitt beginnt, bezieht er sich hier wahrscheinlich nicht mehr auf Juba. Einzig in Paragraph 59 greift er noch einmal auf ihn zurück, wo es, immer noch in Zusammenhang mit dem Nil, um eine Distanz zwischen einer Insel und dem Meer („Iuba CCCC p., (...) ab Elephantide ad mare“ 76 ) geht.
Jubas Forschungen über die Nilquelle sind auch seine bekanntesten. Dilke beschreibt dies folgendermassen:
„Juba’s theory of the source of the Nile had an effect on the mapping of Afrika.” 77
Ausserdem beschreibt Dilke, dass diese Theorie bis ins Zeitalter der Entdeckungen Auswirkungen hatte, 78 also lange von grosser Bedeutung war.
Plinius gibt Juba an der behandelten Stelle eindeutig als Quelle an. Wieder erfahren wir etwas über die Tier- und Pflanzenwelt am Ufer des Nils und die Menschen, welche im Einzugsgebiet dieses Flusses wohnen. Es fehlen Angaben zum Klima, dafür werden die Fliessgeschwindigkeit und die je nach Region unterschiedlich grosse Wassermenge des Flusses betrachtet. Zusätzlich werden wir über verschiedene Namen, welche die jeweiligen Völker dem Nil gaben, informiert.
Es fällt auf, dass die Studien Jubas sehr vielseitig waren. Offen bleibt die Frage, welche Informationen er aus eigenen Forschungen bezog und welche er aus anderen Quellen schöpfte. Man kann wohl annehmen, dass Juba vor allem um die Nilquelle, welche sich ja in seiner nächsten Umgebung befand, eigene Studien anstellte.
Im Buch V finden wir Jubas Namen insgesamt viermal erwähnt. Dies ist nicht viel, wenn man bedenkt, dass es in diesem Buch um Afrika, also Jubas Heimat, geht. (WARUM???) Die Textausschnitte geben Informationen über Tiere, Pflanzen und Bewohner der jeweiligen Gegenden. Ausserdem scheint sich Juba eingehend mit Distanzen beschäftigt zu haben. Im Falle der Distanz von der Insel Elephantis bis zum Meer, die er mit 400 Meilen („CCCC p.“) 79 angibt, liegen uns Zahlen in einer bestimmten Einheit vor (Meilen), wie es für uns heute
75 Plinius. NH. V. 55.
76 Ebd.. 59.
77 Dilke. Greek and Roman maps. S. 65.
78 Ebd.. S. 69f.
79 Plinius. NH. V. 59.
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auch üblich ist. In einem anderen Fall gibt Juba eine Distanz auf andere Weise an: Er beschreibt die Länge der Strecke, welcher der Nil unter der Erde fliesst in der Reisedauer von
20 Tagesreisen.
Weiter nennt Juba verschiedene Namen des Nils und macht Angaben über Klima und die Beschaffenheit der Landschaft. Zusätzlich gibt er medizinische Information, indem er die Nützlichkeit einer bestimmten Pflanze bezüglich der Sehkraft, bei Schlangenbissen und bei anderen Giften erklärt.
Wie zitiert Plinius Juba im Buch V? Was die Studien über das Atlasgebirge betrifft, so lässt Plinius Jubas Autorität auf diesem Gebiet deutlich durchscheinen. Bei den Ausführungen über den Nil nennt Plinius Juba zwar als wichtige Quelle, man ist sich aber nie ganz sicher, wann er auch noch Informationen anderer Autoren einfliessen lässt. Juba wird von Plinius nie kritisiert oder in Frage gestellt. Daraus schliessen wir, dass Jubas Forschungen über Afrika seriös und allgemein anerkannt waren.
3.2.2. Buch VI: Asien
Bei Plinius’ erstem Verweis auf Juba geht es um Arabien. In diesem Zusammenhang nennt er zuerst die Ueberlieferungen von Onesikritos, welcher mit Alexanders Flotte nach Arabien kam, 80 und gibt dann als zweite Quelle Juba an („(...), enarrata proxime a Iuba, (…)”) 81 . Es folgt der Reisebericht von Onesikritos. Erst ungefähr dreissig Paragraphen weiter greift Plinius bezüglich einer Distanz auf Juba zurück. Er schreibt, Juba habe von Babylon bis Charax 175,5 Meilen angegeben („Iuba a Babylone Characen CLXXV D“). 82 Plinius setzt sich an dieser Stelle kritisch mit der Quellenlage auseinander, indem er auch andere Schriftsteller und deren Distanzrechnungen in Bezug auf Charax nennt. Er vermeidet es jedoch, selbst Stellung zu nehmen.
Juba scheint sich intensiv mit Charax beschäftigt zu haben, denn einige Paragraphen weiter wird er im Zusammenhang mit dieser Stadt wieder genannt. Interessant ist, dass Plinius wieder kritisch mit seinen Quellen umgeht und einen angeblichen Fehlschluss in Jubas Forschungen korrigiert. So habe Juba einen König von Charax (Spaosines) fälschlicherweise
80 Plinius. NH. VI. 96.
81 Ebd..
82 Ebd.. 124.
17
als Satrapen des Antiochos bezeichnet („(...), quem Iuba satrapen Antiochi fuisse falso tradit.“). 83 So genau Plinius seine Quellen in den gerade behandelten Abschnitten nennt, so schwieriger verhält es sich bei der nächsten Stelle. Plinius gibt folgendes an:
„(…):in hic tamen parte arma Romana sequi placet nobis Iubamque regem, ad eundem Gaium Caesarem scriptis voluminibus de eadem expeditione Arabica.“ 84
Diesem Ausschnitt folgen ungefähr zwanzig Paragraphen über Arabien. Es ist wiederum unmöglich, die Informationen, welche Plinius Jubas Werk entnimmt von jenen anderer Quellen sicher zu unterscheiden. Da Juba in diesem Abschnitt über Arabien, der sich über mehrere Seiten erstreckt, öfter direkt erwähnt wird, können wir nur bei diesen Stellen sicher sein, dass Plinius sich auf Jubas Studien bezieht. Doch selbst in diesen Abschnitten lässt sich nicht immer erkennen, wann Plinius jeweils mit den Ausführungen zu Jubas Werk endet. Wir werden uns daher vor allem mit den genannten Stellen beschäftigen und dort nur die unmittebaren Informationen untersuchen.
Bevor wir uns diesen nächsten Textstellen annehmen, wollen wir zuerst kurz genauer auf obiges Zitat eingehen:
Wichtig ist in diesem Zitat vor allem die Aussage, dass Juba ausführlich über den arabischen Feldzug von Gaius Cäsar geschrieben hat. Paulys Realenzyklopädie beschäftigt sich in diesem Zusammenhang mit zwei Fragen: Sind diese Bände über den arabischen Feldzug des Gaius Cäsar von geographisch-ethnographischer oder eher von historischer Natur (z.B. eine Monographie über den Feldzug des Gaius Cäsar)? Hat Juba Gaius Cäsar begleitet oder ist sein Werk über Arabien am Schreibtisch produzierte Kompilation? 85 Diese Fragen lassen sich beide nicht leicht klären. Gegen die Vermutung, das Werk sei eine Monographie über den Feldzug, also eher historisch ausgerichtet, spricht nach Paulys Realenzyklopädie allerdings die Tatsache, dass Juba sein Werk an Gaius Cäsar, der im Orient starb, adressiert hatte. 86 Daraus leitet sich auch die Antwort auf die zweite Frage ab: Juba kann ein Werk nicht an jemanden richten, der nicht mehr lebt, und deshalb muss man annehmen, dass er es vor dem Feldzug fertiggestellt hatte. Wenn dies stimmen sollte, haben wir hier einen Punkt, der unsere zweite Hypothese, nach der Juba mit seinen Studien auch politisch-militärische Interessen verfolgte, bestätigen könnte: Vielleicht hat Juba sein Werk
83 Plinius. NH. VI. 139.
84 Ebd.. 141.
85 Kroll. Wissowa. (Hg.). Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. 18/2. S. 2391. 86 Ebd..
18
über Arabien geschrieben, um Gaius Cäsar Vorkenntnisse über dieses Land zu vermitteln und ihm daraus Vorteile für seinen Feldzug zu verschaffen.
Kommen wir nun zu jenen zwei Stellen, in denen Plinius Juba direkt als Quelle angibt und die sich auf die oben zitierte Stelle beziehen. Es geht also immer noch um Arabien, genauer um verschiedene Inseln im Persischen Meer. Plinius zitiert Juba folgendermassen:
„Ultra navigationem inconpertam ab eo latere propter scopulos tradit Iuba praetermissa mentione oppiai Omanorum Batrasavaves et Omanae, quod priores celebrem portum Carmaniae fecere, item Homnae et Attane ,
quae nunc oppida maxime celebrari a Persico mari nostri negotiatores dicunt.“ 87
Er entnimmt Jubas Werk hier eine Information über die Beschaffenheit der Küste („scopulos“) und eine Begründung, warum die Schiffahrt an der beschriebenen Stelle noch nicht versucht worden sei.
Auffällig an diesem Zitat ist, dass Plinius Städte beschreibt, von denen er explizit sagt, Juba habe sie nicht erwähnt. Was sagt uns dies? Man könnte dahinter eine Kritik an Juba vermuten. Wahrscheinlicher ist aber, dass es sich hier um eine Feststellung handelt und Plinius diese Städte der Vollständigkeit halber erwähnt haben möchte.
Direkt an das vorangehende Zitat schliesst sich eine weitere Information aus Jubas Werk an ((...), ut Iuba, (...)) 88 . Es geht darin um „mons adusto similis, gentes Epimaranitae, mox Ichthyophagi, insula deserta, gentes Bathymi*** Eblythaei montes, insula Omoemus, portus Mochorbae, insulae Etaxalos, Inchobriche, gens Cadaei.“ 89 . Diese Aufzählung zieht sich noch über eine Seite weiter. Es folgen weitere Inseln, Stämme, Landschaften, Berge und Flüsse. Es ist nicht klar, wie viel davon von Juba stammt, denn dieser wird erst wieder sieben Paragraphen weiter erwähnt. Dort geht es um einen Meerbusen. Plinius nennt verschiedene Namen, die diesem Busen von verschiedenen Autoren gegeben worden sind. Er zeigt sich hier wieder quellenkritisch, ohne allerdings Stellung zu beziehen.
Wir finden wiederum Aussagen über Stämme und damit über Bewohner der beschriebenen Gegend, über Beschaffenheit der Landschaft und über Namen. Ausserdem gilt die Aufzählung der verschiedenen Inseln, Berge, Flüsse und Stämme als Reihenfolge. Alle beschriebenen Gegenden folgen dem am Anfang genannten Berg Canis, 90 und so haben wir hier eine versteckte Information, die aus geographischer Sicht sehr wichtig ist.
87 Plinius. NH. VI. 149.
88 Ebd..
89 Ebd..
90 Ebd..
19
Plinius stellt in diesem Textabschnitt zwei Meinungen nebeneinander, ohne diejenige von Juba besonders hervorzuheben oder seine eigene Ansicht anzufügen. Die nächste Stelle, in der Plinius zu Jubas Werk Stellung bezieht, beinhaltet explizite Kritik:
„Iuba, qui videtur diligentissime persecutus haec, omisit in hoc tractu – nisi exemplarium vitium est – (…)” 91
Dieses Zitat ist in eine Routenbeschreibung von Aegypten nach Arabien eingebettet. Plinius hat in Jubas Werk zwei Gegenden vermisst, welche in der Nähe der Mündung des Roten Meeres liegen sollen. 92 Da Plinius erwähnt, was Juba vergessen hat zu beschreiben, können wir annehmen, dass er Jubas Werk auch in diesem Zusammenhang beansprucht hat, also auch vor dieser Stelle Aussagen von Juba zu finden wären. Da man diese aber nicht bestimmen kann, weil Plinius seine Quellen nicht genau angibt, wollen wir zur nächsten Erwähnung Jubas übergehen, welche eine Seite weiter mit einer Angabe Jubas über das Atlantische Meer folgt:
„A Mossylico promunturio Atlanticum mare incipere vult Iuba praeter Mauretanias suas Gadis usque navigandum coro, cuius tota sententia hoc loco subtrahenda non est.“ 93
Hier macht Juba Angaben über die Lage des Meeres und gibt zusätzlich klimatische Informationen, indem er einen Wind nennt. Plinius gibt nach dem obigen Zitat an, dass es an dieser Stelle wichtig sei, Jubas „tota sententia“ 94 zu erläutern. Damit zeigt er, dass Jubas Meinung hierzu von Bedeutung sein muss. So folgen kurze Angaben zum Vorgebirge der Inder und einige Distanzen aus denen sich eine Entfernung von 1875 Meilen vom Vorgebirge der Inder bis zum offenen Meer ergeben. 95 Es handelt sich bei dieser Stelle vor allem um Angaben zu Distanzen und Klima. Plinius gibt Juba hier eine besondere Bedeutung, weil er ausdrücklich schreibt, dass Jubas ganze Meinung wichtig sei.
Einen Paragraphen weiter erwähnt Plinius, dass Juba die Therothoen als Troglodyten-Stämme bezeichnet, und dass die Anwohner des Nils von Syene bis Meroe nicht Aithiopen-, sondern Arabervölker seien. 96 Er erläutert zusätzlich Jubas Beschreibungen zu diesen Stämmen,
91 Plinius. NH. VI. 170.
92 Ebd..
93 Ebd.. 175.
94 Ebd..
95 Ebd..
96 Ebd.. 176.
20
welche hier von keiner Wichtigkeit sein sollen. Interessant ist für uns einzig, dass Juba wieder die Menschen in der beschriebenen Gegend untersucht hat. Kurz nach dieser Stelle stellt Plinius die Meinung des Bion dar, welcher angibt, dass das Binnenland Mallo Meroe am nächsten liege und die Reihenfolge einiger Städte aufzählt. Jubas Meinung wird hier deutlich dagegen erhoben („Iuba aliter: (...)) 97 , und in der Folge aufgezeigt, wie er die Reihenfolge der Städte sah. Unter diese Städteabfolge mischen sich kurze Angaben zu einer Quelle, welche sich neben einer Stadt befindet („Orambim iuxta bituminis fontem“) 98 , und zu Völkern („Nomades in tabernaculis viventes“) 99 . Plinius geht hier wieder vorsichtig mit den Quellen um, indem er zwei Meinungen aufzählt. Wiederum unterlässt er es, seinen Standpunkt zu erläutern.
Zuletzt folgen zwei Seiten, in denen Juba insgesamt dreimal erwähnt wird. Es geht um die Inseln Mauretaniens. Plinius schreibt hierzu:
„modo constat esse ex adverso Autololum a Iuba repertas, in quibus Gaetulicam purpuram tinguere instituerat.” 100
Aus diesem Zitat schliessen wir, dass Juba hier eigene Studien angestellt hat („a Iuba repertas“) 101 . Bestätigt wird dies durch Paulys Realenzyklopädie, welche angibt, Juba habe wahrscheinlich selbstständige Studien betrieben, wenn es um seine Heimat ging. 102 Auch bei der Beschreibung der Fortunaten deutet Plinius an, dass Juba hier wohl eigene Forschung betrieben hat („Iuba de Fortunatis ita inquisivit.“) 103 . Die drei Inseln werden einzeln aufgezählt und beschrieben.
Die erste, Ombrios, sei unbewohnt. Sie habe in den Bergen einen Sumpf und Bäume, aus denen man einen Saft presse. 104 Die zweite werde Iunonia genannt. Auf ihr sei nur ein kleiner Steintempel und in ihrer Nachbarschaft lägen noch zwei weitere kleine Inseln, von denen eine voll von Eidechsen sei. 105
97 Plinius. NH. VI. 179.
98 Ebd..
99 Ebd..
100 Ebd.. 201.
101 Ebd...
102 Kroll. Wissowa. (Hg.). Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. 18/2. 2389. 103 Plinius. NH. VI. 203.
104 Ebd..
105 Ebd.. 204.
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Die dritte, Canaria, werde nach der Vielzahl ungewöhnlich grosser Hunde genannt, und es seien auch Spuren von Gebäuden zu sehen. Man finde dort Palmen mit Datteln, Piniennüsse im Ueberfluss und viel Honig. 106 Die Angaben zu den Inseln beziehen sich auf Lage, Distanzen zu den Purpurinseln, auf Bewohner, Tier- und Pflanzenwelt. Plinius nennt Juba hier deutlich als Quelle und stellt ihn nicht in Frage.
Das Buch VI erwähnt Juba deutlich häufiger (insgesamt 13mal). In den jeweiligen Ausschnitten geht es um Distanzen, diesmal ausschliesslich in Meilen ausgedrückt, den Namen eines Meerbusens und weitere Namen von Stämmen, Bergen, Flüssen und Inseln und um die Beschaffenheit einer Küste. Interessant ist der Teil, in dem Juba eine Reihenfolge von Inseln, Stämmen, Bergen und Flüssen aufzählt und damit eine wichtige Information liefert. Ausserdem werden einige Inseln genauer beschrieben indem Angaben zum Klima, zu Distanzen zwischen den Inseln oder zur Küste und zur Tierwelt gemacht werden. Plinius geht in diesem Buch sehr kritisch mit Jubas Werk um. So finden wir z.B. drei Stellen, wo Jubas Meinung neben derjenigen eines andern Autors präsentiert wird. 107 Bei weiteren drei Textausschnitten kritisiert oder korrigiert Plinius ihn sogar. 108 Daraus kann man aber keinesfalls schliessen, dass Plinius Jubas Gesamtwerk in Frage stellt. Es lassen sich nämlich auch zwei Stellen finden, bei denen Juba klar als Quelle angegeben und die Bedeutung seiner Studien deutlich vorgehoben wird. 109
Kommen wir nun auf die These von Kapitel 3.2. zurück, dass Juba in Buch V, wo es um seine direkte Umgebung geht, von grösserer Bedeutung sein dürfte als in Buch VI. Die Tatsache, dass er in Buch VI viel öfter erwähnt ist, spricht zunächst dagegen. Man muss aber beachten, dass sich im Buch V Jubas Studien über die Nilquelle, welche noch bis ins Zeitalter der Entdeckungen fruchteten und über das Atlasgebirge befinden. Aus dem Buch VI sind eigentlich nur seine Ausführungen über die Inseln Mauretaniens bekannt. Ausserdem werden seine Studien von Plinius in diesem Buch auch kritisiert, was im Buch V nie der Fall ist. Wir kommen zum Schluss, dass Juba in beiden Büchern für einen „externen Autoren“ 110 eine grosse Bedeutung hatte. Man kann annehmen, dass im Buch V mehr eigenständige Studien von Juba einfliessen und es sich bei den Auszügen aus Jubas Werk im Buch VI eher um
106 Plinius. NH. VI. 205.
107 Ebd.. 124; 149; 179.
108 Ebd.. 139; 149; 170.
109 Ebd.. 175; 201-205.
110 Ebd.. V und VI. S. 9.
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Kompilation handeln dürfte. Seine Studien wurden von Plinius rezipiert und geben der Naturalis Historia interessante Informationen weiter.
4. Schlusswort
Im ersten Teil dieser Arbeit haben wir Informationen über Jubas Leben zusammengestellt. Es hat sich dabei herausgestellt, dass Juba durch den frühen Tod seines Vaters am Hofe von Augustus hellenistisch-römisch erzogen wurde und später als Klientelkönig von Mauretanien fungierte. Seine wichtigsten Leistungen als König waren der Einsatz für die Romanisierung Afrikas und die Förderung der griechischen Kultur in seinem Land. Neben seinem Amt als König war er als Wissenschaftler tätig. Daraus hat sich für uns die Frage ergeben, was Juba, der als König sicher ausgelastet gewesen wäre, dazu veranlasst hat, sich zusätzlich eingehend mit verschiedenen Wissenschaften, in diesem Falle der Geographie, zu beschäftigen. Dazu haben wir am Ende des Kapitels 2.3. drei Hypothesen aufgestellt. Haben sich durch die Untersuchung der Quelle neue Erkenntnisse dazu ergeben?
Die erste Hypothese bezieht sich auf seine Erziehung in Rom und die Frage, warum er neben seinem Einsatz für die Romanisierung Mauretaniens die griechische Kultur in seinem Land förderte. Dazu finden wir in der Quelle keine Angaben. Es scheint aber sehr wahrscheinlich, dass ihn die griechische Kultur seit seiner Zeit in Rom faszinierte und aus dieser Faszination sein Interesse an den Wissenschaften geweckt wurde.
Die zweite Hypothese beinhaltet die Frage, ob Juba mit seinen geographischen Studien eventuell militärisch-politische Interessen verfolgte. Einen Hinweis darauf gibt sein Buch über Arabien, welches Plinius in seinem Buch VI wiedergibt. Paulys Realenzyklopädie erwähnt, dass Juba dieses Buch an Gaius Cäsar adressierte, er es also vor dessen Arabienfeldzug geschrieben haben muss, denn Gaius Cäsar verstarb während dieses Feldzuges. 111 Daraus könnte man schliessen, dass Juba seine Studien über Arabien mit dem Ziel schrieb, Gaius Cäsar wichtige Informationen über Arabien zu vermitteln, um ihm eventuell militärische Vorteile zu verschaffen.
Die letzte Hypothese spricht die kommerzielle Seite an. Hierzu finden wir einen eindeutigen Anhaltspunkt in der Quelle: Juba entdeckt durch seine Studien den Purpur 112 und erschliesst diesen als Einnahmequelle für sein Land 113 . Offen bleibt allerdings, ob Juba gezielt
111 Kroll. Wissowa. (Hg.). Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. 18/2. 2391.
112 Plinius. NH. VI. 201.
113 Cancik. Schneider. (Hg.). Der neue Pauly. S. 1186.
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kommerziellen Erfolg anstrebte oder ob die Entdeckung des Purpurs und die daraus resultierenden Handelsmöglichkeiten mehr oder weniger Zufall waren.
Die drei Hypothesen beschäftigen sich mit interessanten Aspekten, welche teilweise auch durch die Quelle gestützt werden. Trotzdem können wir keine der dreien sicher bejahen, da eindeutige Quellen fehlen.
Was hat die Untersuchung der Textstellen ausserdem ergeben? Die Frage lautete zum einen, welche Inhalte Plinius aus Jubas Werk wiedergibt, und zum anderen, wie er diese darstellt. Wir finden in beiden Büchern viele Angaben über die Tier- und Pflanzenwelt und über die Bewohner der beschriebenen Gegenden. Einen zweiten wichtigen Punkt stellen Angaben zu Distanzen und der Beschaffenheit der Landschaften oder der Küsten dar. Oft werden Inseln, Berge, Flüsse oder Landschaften anhand der verschiedenen Namen beschrieben, welche die Eingeborenen oder Juba selbst ihnen gaben. Selten finden wir Angaben über das Klima, indem Niederschläge oder vorhandenen Winde erwähnt werden. Verknüpft damit sind meist Informationen zu der Bewohnbarkeit der jeweiligen Gebiete. In einem Fall im Buch V zitiert Plinius eine Angabe Jubas über die Heilkraft einer Pflanze und geht damit sogar in den medizinischen Bereich. Interessant wird es auch immer dann, wenn eine Folge von Städten oder Landschaften beschrieben wird, wie es vor allem im Buch VI deutlich geschieht. Dies scheint damals eine Möglichkeit gewesen zu sein, seine Studien zu ordnen und sich zu orientieren.
Plinius stellt Juba vor allem im Buch V und bei seinen Ausführungen über das Atlasgebirge und die Inseln Mauretaniens als Autorität dar. Im Buch VI lässt er teilweise Kritik verlauten oder stellt andere Meinungen neben diejenige von Juba. Wie aber auch das Zitat in der Einleitung zeigt, scheint er den König als Wissenschaftler sehr geschätzt zu haben. Dies beweist er zusätzlich, indem er Juba als Ersten unter den fremden Autoren nennt.
Juba ist mit seinen geographischen Studien in den Büchern V und VI der Naturalis Historia gut vertreten und hat sich sowohl als Kompilator als auch mit eigenen Studien einen Namen gemacht. Die Naturalis Historia ermöglicht uns einen Einblick in diese Studien. Plinius erweist sich mit diesem Werk als Retter vieler kostbarer Quellen.
Juba ist nicht nur mit geographischen Studien in der Naturalis Historia vertreten. Um ein umfassendes Bild über seine Arbeit und deren Bedeutung in dem Werk von Plinius zu erhalten, könnte man diese Arbeit weiterführen, indem man auch in allen anderen Büchern der
24
Naturalis Historia Textstellen, in denen Juba erwähnt wird, untersuchen und einen Versuch starten würde, Jubas Werk aus der Naturalis Historia zu rekonstruieren.
6. Bibliographie
1) Quellen
-König, Roderich. (Hg.). Winkler, Gerhard. C. Plinius Sekundus der Aeltere. Naturkunde.
Lateinisch-deutsch. Kempten i. Allgäu 1976.
2) Darstellungen
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25 av. J.-C. – 40 ap. J.-C. Paris 1997.
-Dannemann, Friedrich. Plinius und seine Naturgeschichte in ihrer Bedeutung für die Gegenwart. Jena 1921.
-Decret, Francois. Fantar, Mhamed. L’afrique du nord dans l’antiquité. Paris 1981. -Dilke, O. A. W.. Greek and Roman maps. Ithaca, New York 1985. -Février, Paul-Albert. Approches du Maghreb Romain. Pouvoirs, différences et conflits. Aix-en-Provence 1989.
-Gutsfeld, Andreas. Römische Herrschaft und einheimischer Widerstand in Nordafrika. Militärische Auseinandersetzung Roms mit den Nomaden. Stuttgart 1989. -Healy, John F.. Pliny the Elder on science and technology. Oxford 1999. -Oehmichen, Gustav. Plinianische Studien zur geographischen und kunsthistorischen Literatur. Hildesheim1972.
-Olshausen, Eckart. Einführung in die historische Geographie der Alten Welt. Darmstadt 1991.
-Talbert, J. A.. (Hg.). Atlas of classical History. London 1985. -Tautz, Burkhard. Das Bild des Kaisers Augustus in der Naturalis Historia des Plinius. Trier 1999.
Enzyklopädien
-Der kleine Pauly. Lexikon der Antike. 2. Stuttgart 1967. -Cancik, Hubert. Schneider, Helmuth. (Hg.). Der neue Pauly. 5. Stuttgart 1998. -Kroll, Wilhelm. Wissowa, Georg. (Hg.). Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. 18. Stuttgart 1916.
25
-König, R.. Winkler, G.. Plinius der Aeltere. Leben und Werk. München 1979.
-Sallmann, Klaus-Günther. Die Geographie des älteren Plinius in ihrem Verhältnis zu Varro.
Versuch einer Quellenanalyse. Berlin , New York. 1971.
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