Kaiserkult in Pompeji
1. Einleitung
Diese Arbeit befaßt sich mit der Frage nach der Funktion des Kaiserkults im
römischen Reich, und es wird schließlich anhand überlieferter pompejanischer
Inschriften überprüft, in wieweit der Kaiserkult in seiner Funktion in Pompeji
in Erscheinung tritt. Zu diesem Zweck wird zuerst das Phänomen des
Herrscherkultes im griechisch - hellenistischen Raum behandelt. Im Folgenden
konzentriert sich die Arbeit auf die Formen des Herrscherkultes in der römischen
Republik und im Kaiserreich.
Letztlich wird versucht, für die Funktion des Kaiserkults eine allgemeingültige
Definition zu finden und diese auf die Stadt Pompeji anzuwenden.
Der römische Kaiserkult, an dessen Anfang Julius Caesar als Initiator und
Augustus als Begründer stehen, war erst das Ergebnis einer Entwicklung der
diversen Wohltäter - und Herrscherkulte im griechisch - hellenistischen Raum. Es
werden in dieser Arbeit einige bedeutsame Personen und Ereignisse behandelt ,
welche die Frage nach der Entstehung und der Funktion des Kaiserkults
beantworten. Dabei soll zwar aufgrund der Komplexität dieses Themas eine
tiefgreifende Behandlung vermieden, dennoch aber eine möglichst umfangreiche
Darstellung zielführender Fakten versucht werden. Eine Vielzahl inschriftlicher
Quellen aus dem griechisch-hellenistischen Raum zeigt diverse Fälle des
Personenkultes, liefert dafür Gründe und trägt überhaupt erst zum Verständnis
des Herrscherkults bei.
2. Welche Funktion hat der römische Kaiserkult und findet man den Kaiserkult in seiner Funktion in Pompeji wieder?
2.1. Die Entstehung des Kaiserkults
2.1.1. Der Herrscherkult in Griechenland
Bei der Betrachtung der Anfänge des hellenistischen Herrscherkults schlägt
Charlesworth vor, den Begriff ,,Wohltäterkult"1 zu gebrauchen, denn der
Herrscherkult ist nur ein Teil eines größeren Ganzen, der erst mit dem
Hegemoniestreben Alexanders des Großen und der Diadochen begann, und sich
zunächst einmal über Jahrhunderte entwickeln mußte.
Die Odyssee Homers aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. liefert bereits das erste
Beispiel für eine göttliche Verehrung eines lebenden Menschen2:,,Nausikaa,
qugater megalhtoroj Alkinooio, outw nun Zeuj qeih, erigdoupoj posij Hrhj, oikade
t/ elqemenai kai vostimou hmar idesqai: twi ken toi kai keiqi qewi wj
eucetowimhn aiei hmata panta: su yap m/ ebiwsao, kourh:" Odysseus verspricht
hier ,,Nausika wie eine Göttin zu verehren, wenn er heil heimkehre, weil sie ihm
das Leben gerettet und das Überleben gesichert habe". Wenn Homer diese Art des
Dankes schon in jener Zeit so deutlich ausdrücken konnte, darf man annehmen, daß
der Wortlaut bei die Griechen keine Entrüstung aufgrund eines möglichen
sittlichen Verfalls bewirkt habe, wo doch ein solcher Dank normalerweise den
Göttern gebührt, sondern es läßt sich eher daraus schließen, daß der Grieche es
als üblich empfand, auf eine Wohltat mit Verehrung des Wohltäters zu reagieren.3
Je mißlicher seine Situation und je größer die Wohltat, nämlich Rettung wie
Sicherung des Wohlergehens und des Guts war, desto heftiger fiel der Akt des
Dankes in Form der göttlichen Verehrung aus. Die Quelle enthält die zwei
Elemente, welche die Struktur des Wohltäterkults bilden:
a) Nausika ist Wohltäter (Euergethj) und Retter (swthr) für Odysseus;
b) Odysseus erweist ihr Dank, indem er seinem swthr göttergleiche Ehren zukommen
läßt.
Für die Griechen war die göttliche Verehrung ihrer Wohltäter in heiligen
Bezirken, an Altären mit Opfergaben etwas Geläufiges, womit sie Dankbarkeit für
die euergesiai zeigten.
,,Lysander war der erste Grieche, dem die Städte Altäre errichteten und Opfer
darbrachten wie einem Gott, der erste auch , auf den religiöse Lieder gesungen
wurden. Der Anfang von einem davon lautet nach der Überlieferung
folgendermaßen:,,Den Feldherrn des heiligen Hellas, der aus dem weiträumigen
Sparta kam, wollen wir feierlich besingen. Oh! Io! Paian" Die Samier faßten auch
den Beschluß, ihr der Göttin Hera gewidmetes Hauptfest in ,,Lysanderfest"
umzubenennen."4 Dieses zweite Beispiel zeigt die starke Motivation der Griechen
auf Samos, ihrem Wohltäter höchste Ehren zu erweisen, weil Lysander, ein
spartanischer Feldherr in der Endphase des Peloponnesischen Krieges 404 v.Chr.
u.a. eben Samos im Zuge der Liquidierung des Attisch-Delischen Seebundes von der
Hegemonie Athens befreite und die vertriebene herrschende Oberschicht
zurückholte. Die Stiftung des Kultes durch die aus dem Exil zurückgekehrten
Menschen war ein Ausdruck des Dankes für die erfahrene Rettung und Hilfe.
Obwohl das Vorkommen vergleichbarer Ehrungen anderswo nicht auszuschließen ist,
konnten sie bisher nicht nachgewiesen werden. Sicherheit besteht darüber, daß es
jedoch keine ganz Griechenland umfassende Verehrung des Lysander gegeben hat 5.
Diese freiwilligen und individuellen Ehrenbeschlüsse besaßen meistens eine lokal
begrenzte Reichweite, und richteten sich oft an politische und militärische
Größen, weil nur diese die nötigen Machtmittel zur wirksamen Hilfe in einer
griechischen Stadt oder auf einer Insel hatten.
Es kommt die Frage auf, welche Überzeugung die Griechen dazu bewog, verdienten
Menschen die gleichen Ehren wie den Göttern zu erweisen. Der Sinn der göttlichen
Ehren gegenüber Menschen lag wohl darin, daß es bei ihnen die Vorstellung gab,
diese Personen verdienten die Ehren, weil sie die spezifisch göttliche Funktion
des Rettens und Helfens ausübten, was sie schließlich mit den Göttern verband.6
Dieser swthr-und-euergethj-Kult war bereits voll entwickelt, als die Römer um
200 v. Chr. anfingen, im Osten des Mittelmeerraumes politisch tätig zu werden.
Zwangsläufig wurden sie mit dieser Art der Dankerstattung konfrontiert, da sie
sich als Verbündete der Griechen, gegen ihre Feinde z.B. gegen den König
Antiochos militärisch vorgehend, bei vielen poleij des höchsten Dankes verdient
gemacht hatten. Seit dieser Zeit galten die Kulte immer häufiger Imperienträgern
der Römischen Republik, nämlich als Vertretern der aufsteigenden neuen
Großmacht. ,,Die Bewohner Griechenlands und Kleinasiens reagierten also in
gewohnter Weise: Sie übertrugen den variablen Herrscherkult, ..., auf die
Römer." 7
Im Rahmen des swthr-und-euergethj-Kultes wurde dem Prokonsul Titus Quinctius
Flaminius, als erstem römischen Gottmenschen, ein ständiger Kult mit Festtag,
Opfer Priester und Paian von der griechischen polij Chalkis gestiftet aus einem
besonderen Anlaß zur Dankbarkeit, denn er befreite 191 v. Chr. die poleij
Griechenlands von der Herrschaft Philipps V..
,,Wir ehren fromm die Treue (pistin) der Römer, Gebete und Eide mögen sie
schützen. Singet, ihr Mädchen, dem großen Zeus, preist Rom und Titus und die
Treue der Römer: Heil dir, Paian! O Titus, du Retter!"8Aus diesem Ausschnitt des
Kultliedes, dessen Ende Plutarch in der Titusvita festgehalten hatte, geht
hervor, daß Titus als swthr gepriesen und zusammen mit der pistij, also der
Treue der Römer und mit der Göttin Roma, qea Rwmh, verehrt wurde. Die Göttin
Roma ist nichts Anderes als die Verkörperung der Macht Roms, welcher die Stadt
Smyrna 195 v. Chr. einen Tempel mit dem dazugehörigen Kult einrichtete, was von
A. Wlosok als rein ,,politischer und diplomatischer Akt" gedeutet wird9.
Für die Römer der republikanischen Epoche bot sich nur die Verehrung verdienter
Beamter, als Vertreter Roms, und die Preisung der personifizierten Macht Rom, da
es in der römischen Republik keine individuelle Zentralautorität gab, anders als
in den Städten des griechisch-hellenistischen Raumes, in denen Könige die
individuellen Empfänger waren und ebenfalls anders als zur Zeit des Prinzipats
im römischen Reich, als der Kaiser die Zielperson war. Es muß festgehalten
werden, daß die den Römern gewidmeten Kulte bedeutend seltener waren als die
Romakulte. Es gibt eine Liste mit über zwanzig Namen der römischen
Verwaltungsbeamten, für die solche Ehrungen inschriftlich und literarisch
bezeugt sind.10 Zu ihnen gehörten u.a., um nur einige zu nennen: Sulla, Pomejus,
Cicero, Caesar, Antonius. Die letzten Fälle dieser Art werden auf 2/3 n. Chr.
datiert. Die Ursache für das Erlöschen dieser Sitte war die Zentralautorität des
Kaisers Augustus in Rom.
Eine andere sehr wichtige Gestalt, die im Rahmen des swthr-und-euergethj-Kultes
und besonders für die Einrichtung des Kaiserkultes eine große Rolle spielte, war
Julius Caesar. Mit seiner Alleinherrschaft im Osten nach dem Sieg über Pompejus
veränderte sich die Situation des Wohltäterkults zunehmend. Der Inschrift aus
Ephesos 11 zufolge wurde Caesar als erster Römer als qeoj epifanhj , also als
,,in Erscheinung tretender Gott" bezeichnet neben swthr und euergethj. Außerdem
wird ihm sogar eine göttliche Genealogie zugeschrieben, denn es lautet darin, er
stamme von Ares (lat. Mars) und Aphrodite (lat. Venus) ab. Der Anlaß zu dieser
Vergöttlichung war die Neuregelung des Abgabensystems durch Caesar. Äußerungen
dieser Art waren in Rom zu dieser Zeit unerhört.
Bisher wurde der swthr-und-euergethj-Kult behandelt, welcher eine der beiden Stützen bei der Entwicklung des Kaiserkultes bildet, mit denen die Römer am häufigsten in Berührung kamen und welcher wahrscheinlich den größten Einfluß auf die Entstehung des Kaiserkultes hatte12. Neben diesem Wohltäterkult, der auf freiwilligen Entschluß einzelner Städte zurückging, der oft als politischer und diplomatischer Akt gegenüber einem mächtigen Wohltäter gedeutet wird, häufig auch numinöse Aspekte tragend13, gab es auch ab dem 3. Jahrhundert parallel die offiziellen Reichskulte hellenistischer Könige und damit einen institutionalisierten Herrscherkult, wobei hier die Initiative vom Herrscher selbst ausging, der Interesse daran hatte, seiner Macht sakrale Fundierung zu verleihen und seine Herrscherstellung somit zu erhöhen.14
Bei den Ptolemäern und Seleukiden entwickelte sich der Herrscherkult und
erfuhr seine Reife und am Ende der Entwicklung implizierte der hellenistische
Herrscherkult die Apotheose, also die Entrückung eines Königs zum Göttlichen. In
diesem Zusammenhang beschäftigt die Forscher die Frage, in wieweit Alexander der
Große als Begründer des Herrscherkultes anzusehen ist. Eduard Meyer ist der
Meinung, daß Alexander göttliche Ehren verlangt und zielbewußt die absolute
Monarchie angestrebt hatte, wonach der Kult zu Lebzeiten ein wirklicher
Herrscherkult gewesen wäre, während Balsdon die Gegenposition vertritt, daß
Alexander der Große jegliche Ehren nicht einmal gewünscht habe . Wilcken und
Habicht dagegen nehmen an, Alexander habe im Einklang mit den zeitgenössischen
griechischen Vorstellungen die Apotheose beansprucht als Anerkennung seiner
hervorragenden Leistungen, ohne einen politischen Zweck zu verfolgen15. Also ein
Ausdruck der Anerkennung für außergewöhnliche Taten ohne eine
Herrschaftsbeziehung. Bei den Kulten der Diadochen, der Nachfolger Alexanders
des Großen, war diese aber enthalten. Während bei der Beurteilung der
Alexanderkulte Unsicherheit herrscht, bezeichnet man die Reichskulte der
Diadochen mit der implizierten Apotheose als die klassischen Beispiele des
hellenistischen Herrscherkultes. Am besten erkennbar ist die Herausbildung des
dynastischen Herrscherkultes bei den Ptolemäern und zwar in folgenden Etappen16:
1. wurde Alexander der Große als Stadtgründer in Alexandria heroisiert.
2. schuf Ptolemäus I . Soter einen offiziellen Alexanderkult mit Priesterschaft.
3. divinisierte Ptolemäus II, den Verstorbenen Vater Ptolemäus I mit seiner
Gattin und errichte ihnen nun als ,, qeoi swterej" einen Tempel mit Priestern
und Festspielen17.
4. heiratete Ptolemäus II seine Schwester und vergöttlichte sie möglicherweise
noch zu Lebzeiten und sich selbst gesellte er sich wenig später als Lebender
diesem Kult zu.
5. Unter dem Namen ,,qeoi adelfoi" ließ er sich und seine Schwester als
Tempelgenossen in den Reichskult Alexanders des Großen aufnehmen.
Diese Linie der qeia basileia setzten die Generationen der Ptolemäer bis zum
Ende der Dynastie fort.
In diesem Gottkönigtum unterschied sich der Herrscher wesentlich von den übrigen
Menschen durch göttliche Natur und die Anteilnahme am Göttlichen. Seine Stellung
auf Erden entsprach nämlich der des höchsten Gottes im Universum. Er besaß
Qualitäten wie Güte und Erhabenheit und war Gott an Tugend gleich. Schließlich
bestand seine Hauptfunktion im Retten und Helfen wie die der Götter.18 Die qeia
basileia beinhaltet also einen Synkretismus, denn sie ist die Identifizierung
des Herrschers mit einer Gottheit, was damals auf zeitgenössischen
Epiphanievorstellungen basierte.
2.1.2 Das römische Verhältnis zum Herrscherkult
Für die Römer war die Vergottung19 eines Menschen zu Lebzeiten oder nach dem
Tode von Haus aus fremd. Bis an die Schwelle des 1. vorchristlichen Jahrhunderts
hat es in Rom wohl keine kultische Verehrung großer Persönlichkeiten zu
Lebzeiten gegeben. Die Römer praktizierten bisher nur den Ahnenkult der
römischen Familie. Dieser galt den
Geistern der Verstorbenen, den Manes oder Di Parentum, wobei sie als ein
unbestimmtes Kollektiv angesehen wurden, ohne daß auch ein besonders Verdienter
als Individuum durch besondere Ehren herausgehoben worden wäre.
Erst der griechische Einfluß, der über Literatur und Philosophie verlief, deren
Träger viele griechische Lehrer waren, die als servi oder liberti nach Rom
kamen, bewirkte, daß östliche Religionsformen in Rom Fuß faßten und als
attraktiv empfunden wurden20. Durch die militärischen Aktivitäten im Osten,
gewannen auch viele römische Imperienträger wie Caesar, der eine ganz besonders
wichtige Rolle im Hinblick auf den römischen Kaiserkult einnimmt, Erfahrungen
mit dem dortigen Herrscherkult, welche sie mit sich nach Hause brachten. Die
römische Plebs tendierte erst in spätrepublikanischer Zeit oft dazu, ihre
besonderen Lieblinge wie die Gracchen oder Marius mit überschwenglichen
Huldigungen zu überhäufen, dennoch machten sie kurz vor der Vergöttlichung Halt.
Das heißt also, daß es Ehrungen an Lebende in Rom durchaus gegeben hat,
allerdings handelte es sich bei ihnen immer um spontane Danksagungen an die
jeweiligen Wohltäter für ganz spezielle politische Leistungen, nicht jedoch um
die Apotheose im eigentlichen Sinne.
,,Der hellenistische Einfluß, der durch zahllose Kanäle in alle Schichten der
römisch-italischen Gesellschaft eingedrungen war"21, hat den Boden für eine
Religionswandlung in Rom geebnet. Weil Caesar eine eigene Apotheose auf
römischen Boden haben wollte, vollzog er im Jahr 60 v. Chr. die Gleichsetzung
des Archegeten der Römer, nämlich Romulus mit dem altrömischen Gott Quirinius,
um ein ,,Vorbild für die Behandlung seiner eigenen Person zu schaffen"22.
Die Fragen nach Caesars Bestreben können auch heute nicht eindeutig beantwortet
werden und zwar ob Caesar planmäßig an seiner sakralen Überhöhung gearbeitet
hat, ob er wirklich die Königswürde für sich beansprucht hat und wenn ja, ob er
sich dabei an den hellenistischen Herrscherkulten orientiert hat in Anlehnung an
Alexander den Großen. Tatsächlich sind Spuren der Alexanderimitation und der
Nachahmung des Romulus nachgewiesen23. Dann ergibt sich aber die Frage, ob
Caesar das altrömische Königtum romuleischer Art wiederherstellen wollte oder
eine Synthese24
aus diversen Elementen schaffen wollte. Außerdem wird die Möglichkeit erwogen,
daß nicht Caesar selbst die treibende Kraft war, sondern ein übereifriger Senat
und eine mit fremden Anteilen durchsetzte römische Stadtbevölkerung ihm die
göttlichen Ehren von 46/44 v.Chr.25 aufdrängten26. Es kann keine Klarheit in
diesen Fragen erzielt werden, da die Zeit von den göttlichen Ehrungen bis zur
Ermordung Caesars 44 v. Chr. zu kurz war, als daß die Linien der weiteren
Entwicklung noch hätten deutlicher zutage treten können. Die Ermordung Caesars
44 v. Chr. markiert nämlich einen irreversiblen Einschnitt.
Fakt ist, daß durch die Ehrenbeschlüsse an Caesar deine Machtposition immer
sakraler wurde und er nach und nach von Rom und von vielen griechischen
Städten27 vergottet wurde, z.B. wurde er nach dem Sieg über die Republikaner bei
Thapsus 46. v. Chr. als Halbgott in nächster Nähe zum höchsten Gott Iuppiter
gesehen. Im folgenden Jahr nach dem Sieg über die Söhne des Pompeius bei Munda
wurde Caesar durch Aufstellung seiner Statue im Tempel des Quirinius(-Romulus)
zu dessen sunnaoj erhoben28. Diese Tempelgemeinschaft mit Quirinius bedeutete
daher eine Anwartschaft auf Vergottung.
Erst kurz vor dem Tod wurden für Caesar im Januar/Februar 44 v. Chr. im Hinblick
auf den bevorstehenden Aufbruch in den Partherfeldzug eindeutige
Vergottungsbeschlüsse29 gefaßt. Vorgesehen waren ein Kultname für Caesar, ein
als flamen nominierter Priester und ein Tempel, der ihm mit seiner Clementia
zusammen geweiht werden sollte. Diese Beschlüsse sind vor Caesars Tod nicht mehr
zur Ausführung gekommen. Viele Römer konnten sich aber auch mit der wachsenden
göttlichen Stellung Caesars nicht anfreunden. Für viele wirkte er immer
unrömischer.
2.2 Beginn des Römischen Kaisertums und des Kaiserkults
Nach Caesars Ermordung bemühte sich sein Adoptivsohn Oktavian darum, Caesars
Apotheose zu fördern, weil er von Anfang an darauf bedacht war, sich als Erbe
Caesars in Verbindung mit den Göttern zu bringen. Die Erscheinung eines Kometen
bei den Bestattungszeremonien im Juli 44 v. Chr. war für die Menschen ein
Zeichen dafür, daß Caesars Seele unter die Götter gegangen ist. Dieser
Volksglaube erleichterte dem Prinzeps die Aufgabe, Caesars Consecretio (=
Apotheose) durchzusetzen. Schließlich wurde Caesar via Senats- und Volksbeschluß
im Januar 42 v.Chr. konsekriert und als Divus Iulius30 unter die Götter der
römischen Gemeinde aufgenommen.
Die Vielzahl der Ehrenbeschlüsse31 vom Januar 42 v. Chr. wie z.B. die
gesetzliche Festlegung der Vergötterung Caesars und des Namens Divus Julius, der
Bau eines Tempels an der Stelle des Scheiterhaufens u.s.w. waren keine neuen
Ehren an Caesar, sondern die Bestätigung der Ehren im Staatskult, die mit dem
Titel Divus Julius vor Caesars Tod bewilligt wurden32. Caesars Konsekration war
der erste rechtliche Schritt auf dem Weg zum institutionalisierten römischen
Kaiserkult.
Oktavian selbst übernahm im Jahre 40 v. Chr. im Frieden zu Brundisium den Titel
Divi Filius33 und zugleich setzte er sich in ein Nahverhältnis zu Apollo34.
Spätestens mit dem Sieg über Sextus Pompeius im Jahr 36 v. Chr. hat er seine
Bindung an Apollo politisch hervorgekehrt und fortan propagandistisch gegen das
Dionysiertum des Antonius ausgespielt. In demselben Jahr wurden Oktavian von den
dankbaren italischen Munzipien göttliche Ehren zuerkannt. Diese haben Oktavian
neben ihren Schutzgöttern verehrt.
Nach dem endgültigen Sieg über Antonius und Kleopatra, der den jungen Caesar zum
Alleinherrscher machte, wurden ihm im Jahr 30 v. Chr. auch vom römischen Senat
göttliche und göttergleiche Ehren zuerkannt. Es wurde nämlich verfügt, daß sein
Geburtstag als offizieller Festtag unter Darbringung von Opfern gefeiert und bei
allen Gastmählern ihm ein Libationsopfer, also eine Spende dargebracht werden
sollte35. Im Jahr 27 v. Chr. erhielt er schließlich den sakralen Namen Augustus
: Quo pro merito meo senatu[s consulto Aug. appe]llatus sum36. Dieser Titel hob
Oktavian aus dem Kreis der Menschen heraus und rückte ich näher an die Götter.
Im Jahr 14/13 v Chr. wurde der Genius Augusti durch senatus consultum offiziell
in den Staatskult aufgenommen, vorbereitet durch die Ehrenbeschüsse vom Jahr 30
v. Chr. Der augusteische Genius - er ist ein Schutzgeist, der das Individuum
während des ganzen Lebens begleitet - wurde zum Empfänger der göttlichen
Ehrungen, denn in ihm steckten die Macht und das Wirkungsprinzip des Mannes. So
erfolgte die Verehrung des Augustus auf Umwegen, ,,über diese, den Gegebenheiten
der römischen Religion angepaßten, vergöttlichten Potenzen des Herrschers, der
in Analogie zum römischen Hausvater, nämlich Pater Familias, und zugleich dem
Himmelsvater, dem Iuppiter Optimus Maximus, als Landesvater Pater Patriae
gesehen werden sollte"37. Entsprechend stand der Genius Augusti als
Kultempfänger im Vordergrund. Gesondert davon wandte man sich an sein Numen38,
an die in ihm anwesende göttliche Macht, der Tiberius noch vor Augustus Tod,
nämlich im Jahr 11 v. Chr. einen Altar geweiht hat.
Ab 17 v. Chr. wurden auch personifizierte Abstrakta wie pax, concordia,
iustiatia, victoria, fides u.s.w. die einem Herrscher zugeschrieben wurden ,
deifiziert und verehrt. Im Fall des Augustus wurde besonders die Pax Augusta
verehrt, weil der römische Frieden zu seinen bedeutendsten Leistungen zählte.
Aus dem Grund wurde u.a. im Jahr 13 v. Chr. in Praeneste ein Altar der Pax
Augusta errichtet39: ,,Paci August(ae) sacrum decuriones populusque Praenestin".
Nach dem Tode des Prinzeps wurde er aufgrund seiner hervorragender politischer
Leistungen durch Senatsbeschluß konsekriert und als Divus Augustus in die Reihe
der römischen Staatsgötter versetzt40: ,,post redditum caelo patrem, et corpus
eius humanis honoribus, nomen divinis honoratum." Ab diesem Zeitpunkt wurden
alle Kaiser, die sich nicht gerade unbeliebt gemacht haben, vom Senat
konsekriert. Die Person des toten Kaisers und alles, was in Beziehung mit ihm
stand, war heilig. Die Verehrung der Kaiser wurde letztlich allen Bewohnern des
römischen Reiches zur Pflicht gemacht. Das Vorbild, das Augustus gegeben hatte,
blieb an die drei Jahrhunderte für die äußere Gestaltung des Kaiserkultes
maßgeblich.
2.2.1 Die Eigenschaften und Funktionen des Kaiserkults
Der Kult der römischen Kaiser variierte häufig in bestimmten zeitlichen und
räumlichen Abschnitten in der Erscheinungsform und Intensität. Es war oft vom
taktischen Wirken des Kaisers selbst und der Mentalität der Bevölkerung sowie
den temporären sozialpolitischen Verhältnissen abhängig. Obwohl Augustus
beispielsweise bewußt den Kult um seine Person förderte, da er erkannt hatte,
daß eine kultische Verehrung seiner Person zur Stabilisierung der neuen
monarchischen Herrschaftsform beitragen konnte, mußte er oft besonders in Rom
Zurückhaltung und Behutsamkeit zeigen, um unerwünschte Reaktionen in Rom zu
vermeiden. Deshalb ließ er dort den Kult des Divus Julius und seinen eigenen
Kult nur in Verbindung mit dem Kult der Dea Roma zu41. In Rom wäre der Prinzeps
eher auf Unwillen der Bürger gestoßen, wenn er seinen Kult rücksichtslos
propagiert hätte als im Osten, da die Menschen dort ganz und gar nichts
Anstößiges an der Verehrung eines lebenden Herrschers gefunden hätten, außerdem
sahen die Menschen in Augustus den Soter, Euergetes und Ktistes42, nachdem er
Kleinasien befreit hatte.
Im Osten des Reichs war die Bereitschaft und Eigeninitiative zur kultischen
Verehrung des Kaisers so groß, daß Oktavian diese sogar auf das römische Niveau
bremsen mußte. Im Westen wiederum hat es die Voraussetzungen für eine spontane
Entstehung von Kaiserkulten nicht gegeben, so daß ihre Einführung erst eines
Anstoßes von Rom bedurfte und gerade in den neu erworbenen und wenig
romanisierten Provinzen erfolgte. Mit anderen Worten regulierte der Kaiser
permanent die ihm entgegengebrachten Ehren mit dem Ziel, die Bevölkerung des
Reiches an sich zu binden und im Fall junger Provinzen, sie erst zu zivilisieren
und zu romanisieren.
Obwohl gewöhnlich nur die Verehrung toter Kaiser nach deren Apotheose erlaubt
und zugleich obligatorisch war, bildeten die westlichen Provinzen eine Ausnahme
darin, daß sie die Kaiser schon zu Lebzeiten ehren durften, solange er in
Kultgemeinschaft mit Dea Roma auftrat. Dieses von Augustus geschaffene Modell
sollte auch seinen Nachfolgern dienen. Dabei handelte es sich allerdings um eine
rein politische und keine religiöse Schöpfung, um ein Mittel, die Bande der
Loyalität fester zu knüpfen.43 Neben den Provinzen übten auch die
Klientenstaaten den Kaiserkult. Zur Zeit des Prinzipats des Augustus hat
besonders der König Herodes in den nichtjüdischen Städten viele Augustustempel
errichten lassen und gegenüber den Juden durfte er behaupten, daß er dabei auf
Weisung gehandelt habe. Offenbar forderte die römische Regierung von Herodes den
Augustuskult als ein Zeichen der Loyalität44. Auch er forderte von seinen
Untertanen den Loyalitätseid nicht für sich allein, sondern auch für Augustus.
In den meisten Gemeinden des römischen Reiches jedoch erhielt nicht der Kaiser
selbst, sondern sein Genius und separat von ihm sein Numen den Kult45.
Der Kaiserkult übertraf im Grunde alle anderen bestehenden Kulte dadurch, daß er sämtliche Bevölkerungsschichten verband, Sklaven, Freigelassene und Freie. Im Prinzip galt die Verehrung nicht so sehr dem Betreffenden persönlich als vielmehr der Weltmacht Rom, die in der Person des Kaisers individuelle Gestalt gewonnen hat.
Im 34. Kapitel der ,,res gestae" liefert Augustus eine gute Charakterisierung
der sichtbaren Zeichen, welche seine Alleinherrschaft und die der Nachfolger
optisch faßbar machten46: ,, ... Für dieses mein Verdienst wurde ich durch den
Senatsbeschluß Augustus genant; an meinen Türpfosten wurden von Staats wegen
zwei Lorbeerbäume angebracht; über meinem Eingangstor wurde der Kranz der
Bürgerrettung aufgehängt. Und in der curia Iulia wurde ein goldener Ehrenschild
aufgestellt, den nach dem Zeugnis seiner Inschrift der Senat und Römervolk als
Lohn meiner Kriegstugend, Milde Gerechtigkeit und Pietät anerboten haben." Davon
hatte erst nur das Cognomen Augustus eine religiöse Prägung, der Eichenkranz
kennzeichnet ein ehrenvolles Verdienst der Rettung der römischen Bürgerschaft,
früher eine Ehrenauszeichnung eines römischen Soldaten für
die Rettung eines Kameraden, während die Lorbeerbäume, die, aus der Vorzeit
stammend mit einer geheiligten Rolle versehen, veranlaßt durch Vorstellungen der
Magie und des Aberglaubens, statt der prähistorichen Zaubervorstellung von einer
unheimlichen
Macht des Mannes aufgestellt wurden, von dem das Schicksal von Millionen
Menschen
abhing, neu potenziert wurden47.
Durch den Synkretismus, die Anknüpfung des Kaiserkultes an bereits vorhandene Kulte anderer Gottheiten, ergab es sich von selbst, daß deren Priesterschaften auch die Pflege des Kaiserkultes übernahmen. So begegnen in Pompeji die ministri Mercurii Maiae, die sich später ministri Augusti Merurii Maiae und seit dem Jahr 2 v. Chr. einfach ministri Augusti nannten48: ,,A. Veius Phylax N. Popidius _ Moschus T. Mesinius _ Amphio Primus _ Arrunti _ M.L. min. Aug. ex. d. d. iussu M. Holconi Rufi IV A. Clodi _ Flacci _ III d. v. i. d. P. Caesti _ Postumi N. Tintiri _ Rufi [d] v..v. s. p. p. [imp. cae]sare _ XIII [m. plautio si]lano _ cos." Nur ein Jahr später treten in Pompeji die ersten ministri Fortunae Augustae49: ,,Agathemerus _ Vetti Suaris _ Caesiae _ Primae Pothus _ Numitori Anteros _ Locutulani minist. Prim. Fortun. Aug. iussu. M Stoi Rufi.Cn. Melissaei d. v. i. d. P. Silio. L. Volusio _ Saturn _ cos."
Die Träger des Kultes waren in Italien und den Westprovinzen die Augustales,
meist liberti, selten ingenui, die ein Kollegium bildeten und zusammen mit
früheren Augustales bald als ein eigener Stand zwischen der Plebs und dem
Dekurionenstand galten. Neben den Augustales gab es auch die seviri Augustales
und magistri Augustales50. Das Augustalenamt war zwar einjährig, doch war
Wiederwahl nicht ausgeschlossen. Durch die Einrichtung des munzipialen
Augustuskultes war es dem Prinzeps möglich, die wohlhabenden liberti als eine
bevorrechtete Schicht zu konstituieren und eng an seine Person zu binden. Da
gerade die Freigelassenen einen wichtigen Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung
nach den Bürgerkriegen hatten, wurden sie schnell zu loyalen Anhängern des
Prinzeps und zu wichtigen Trägern der neuen Ordnung51.
Das Erlangen der Apotheose durch den verstorbenen Kaiser, deren letzter
förmlicher Anteilnehmer wahrscheinlich der entschiedene Christusgegner Kaiser
Julian war, hing von zwei Faktoren ab. Erstens mußten die Caesaren beim Volk und
Senat einen positiven Eindruck hinterlassen haben und indem sie die Funktionen
des Soters und des Euergetes, möglichst stark praktiziert haben, um Gefallen vor
allem bei den einflußreichen Kreisen zu wecken. Haben sie sich schon durch große
soziale und politische Leistungen beliebt gemacht, mußte zweitens ein Zeuge nach
ihrem Tod in der Senatsversammlung auftreten und schwören, gesehen zu haben, daß
er die Seele des Verstorbenen in welcher Form auch immer zum Himmel aufsteigen
sah. Gab es dieses Zeugnis, wie es im Falle Caesars der erschienene Komet war,
stand der Konsekration nichts mehr im Wege52.
Zusammenfassend darf gesagt werden, für die Menschen war der Kaiser nicht nur
ein einer Gottheit naher Repräsentant des römischen Reiches, dem es daran
gelegen hat, den Zusammenhalt und Wachstum des Reiches zu fördern, indem er
durch die behutsame Verbreitung des Kultes seiner Person und des Kollektivs der
konsekrierten Kaiser in Verbindung mit anderen Göttern, besonders der Dea Roma
die Loyalität aller untergebenen Schichten zu erreichen suchte, wodurch er diese
zusammen verband, sondern er war vor allem (im Idealfall) der Euergetes
schlechthin, von dem das Schicksal der ganzen Bürgerschaft abhing. Im göttlichen
Synkretismus stehend, sollte er geradezu Güte, Gnade, Schutz und Friedenswillen
reflektieren wie die Götter selbst, was bei Bedarf ersucht, wofür dann
schließlich als Dank starke Kaisertreue demonstriert wurde wie im Beispiel
Pompeji.
2.2.2 Pompeji und der Kaiserkult
Pompeji als eine Provinzstadt des römischen Reiches nahm den Kaiserkult nicht nur einfach hin, sondern praktizierte ihn sehr stark. Den ersten Beleg dafür liefern Quellen, laut welchen der Priester Holconius Rufus den Kaiser Augustus noch zu Lebzeiten ehrte53. Die schon im vorangegangenen Kapitel zitierten Quellen54 weisen auch auf die sich fortlaufend vermehrende Priesterschaft des Kaisers Augustus in Pompeji hin. Pompeji begrüßte die Thronbesteigung eines jeden Kaisers, auch die kaiserliche Familie erfuhr immer viel Beachtung. Die kaiserlichen Statuen55 auf dem Forum von Pompeji zeugen in diesem Zusammenhang von großem Eifer. Unter den Caesaren genossen besonders Vespasian und Nero besondere Popularität, weil sie sich den Bewohnern der Stadt gegenüber als Euergetai erwiesen haben. Nero erwies sich den Pompejanern gnädig, weil er das Verbot für die Spiele im Jahr 59 n. Chr. aufgehoben hatte, nachdem diese zuvor wegen eines blutigen Streits zwischen den Pompejanern und den Bewohnern von Nuceria für zehn Jahre vom Senat untersagt worden waren56. Die Kaisertreue förderte auch noch Neros Vermählung mit Poppaea Sabina, einer Pompejanerin aus einer wohlhabenden Familie, die bei den Mitbewohnern hohes Ansehen genoß. Sie und der Kaiser wurden aufgrund des Beschlusses, der die Spiele im Amphitheater wieder erlaubte, hoch verehrt57: ,,IVDICIS AVGVSTI P P ET POPPAEAE AVG. FELICITER" und folgendermaßen58: ,,IVDICIS AVGVSTI AVGVSTAE FELICITER NOBIS SALVIS FELICES SUMUS PERPETUO". Vespasian wurde wiederum in der Person eines Richters verehrt, da er durch die Abordnung eines gewissen T. Suedius Clemens nach Pompeji dafür gesorgt hat, daß in den Kataster der Stadt Ordnung eingekehrt ist und sie Grund und Boden wiedererhalten hat, welcher zuvor durch Privatleute unrechtmäßig weggenommen worden war59 : ,,M EPIDIVM SABINVM II VIR I D O V F DIGNISSIMVM IVVENEM SANCTUS ORDO FACIT CLEMENTI SANCTO IVDICI FEL". Die Bilder des Kaisers Vespasian fanden überall in der Stadt Platz, auf dem Marktplatz, im Laren-Heiligtum und im Tempel selbst, der ihm selbst geweiht war.
3. FAZIT
Zum ersten Mal seit der republikanischen Zeit hatten die Römer, die Bewohner
der Provinzen und der Klientenstaaten eine zentrale greifbare Gottheit, der sie,
mit anderen wetteifernd, schmeichelnde göttliche Ehrungen entgegen bringen
konnten, um für sich selbst Hilfe durch die kaiserliche Gnade zu erbitten. Nur
durch die so immense politische Leistung, mit der Kaiser Augustus die Menschen
als Retter der römischen Bürgerschaft und Friedensstifter aufs Stärkste
beeindruckt hatte, konnte der Kaiserkult in Rom und im Westen Fuß fassen.
Da Pompeji selbst stark unter hellenistischen Einflüssen gestanden hat, und
viele Griechen dort neuen Lebensraum fanden, während sie ihr religiöses
Gedankengut verbreiteten, war Pompeji verhältnismäßig früh bereit, den
Herrscherkult zu praktizieren, im Gegensatz zu anderen Städten in Richtung
Westen, wo die Voraussetzungen dafür nicht sofort existierten.
Der Kaiserkult in Pompeji ist als Wohltäterkult zu sehen, denn man trifft dort
auf das Wechselspiel von swzein und timan, die Grundstruktur des Wohltäterkults,
vor allem bei den Kaisern Nero und Vesapian. Man muß aber auch noch betrachten,
daß die Kultivierung des Staatskultes durch die Pompejaner den Zweck zur
Selbsthilfe hatte, zumindest nach 62 n Chr.. Pompeji war nämlich nach dem
Erdbeben vom Februar 62 n. Chr. auf Kredite angewiesen und daher gezwungen,
Kaisertreue zu demonstrieren60. Ganz gleich ob zuerst Pompeji dem Kaiser mit
Ehren schmeichelte, um Hilfe von ihm zu bekommen, oder ob zuerst der Kaiser die
Initiative zum Helfen ergriff, wofür er geehrt wurde, die Funktion des römischen
Kaiserkultes zur Bindung der Kolonien und Provinzen an Rom ist jedenfalls durch
die daraus erwachsenen gegenseitigen Erwartungen voll erfüllt. Anzunehmen ist
auch, daß die Funktion der Romanisierung wie der Verbindung von Menschen
jeglicher Herkunft ebenfalls im Staatskult in Pompeji Erfüllung fand.
Literaturverzeichnis
Alföldi, Andreas.: Die zwei Lorbeerbäume des Augustus, 1973 in: Wlosok,
Antonie: Römischer Kaiserkult, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt
1978, S. 403 - 422
Balsdon, J.P.V.D.: Rezension von: Gerhard, Dobesch: Caesars Apotheose zu
Lebzeiten und sein Ringen um den Königstitel in: Wlosok, Antonie: Römischer
Kaiserkult, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1978, S. 364 - 367
Bowersock, G. W.: Augustus und der Kaiserkult im Osten in Wlosok, Antonie:
Römischer Kaiserkult, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1978, S. 389
- 402
Charlesworth, Martin Percival.: Einige Beobachtungen zum Herrscherkult,
besonders in Rom in: Wlosok, Antonie: Römischer Kaiserkult, Wissenschaftliche
Buchgesellschaft Darmstadt 1978, S. 163 - 200
Étienne, Robert.: Pompeji, Das Leben in einer antiken Stadt, Aufl. 5, Philipp
Reclam jun. Stuttgart 1998
Gelzer, Matthias.: Ehrenbeschlüsse für Caesar (im Jahre 45) in: Wlosok, Antonie:
Römischer Kaiserkult, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1978, S. 334
- 340
Heinen, Hubert.: Zur Begründung des römischen Kaiserkultes, Chronische Übersicht
von 48 v. bis 14 n. Chr., Diss. Tübingen 1910
Kienast, Dietmar.: Augustus, Prinzeps und Monarch, Aufl. 3, Wissenschaftliche
Buchgesellschaft Darmstadt 1999
Klauck, Hans.-Josef: Die religiöse Umwelt des Urchristentums II. Herrscher- und
Kaiserkult, Philosophie, Gnosis. Bd. 9. Stuttgart u.a. 1996
Mommsen, Theodor.: Monumentum Ancyranum, 2. Aufl. 1883
Taylor, Lily Ross.: Divus Julius in: Wlosok, Antonie: Römischer Kaiserkult,
Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1978, S. 333
Wlosok, Antonie.: Einführung in: Wlosok, Antonie: Römischer Kaiserkult,
Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1978, S. 1 - 52
Zanker, Paul.: JdAI 90, 1975
Quellennachweis
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SIG³ 760 ; Vell. II, 124
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Plutarch: Tit, in: Große Griechen und Römer, Hrsg v. Ziegler, Konrat, Zürich
1957
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Theokrit:.: Gedichte (TuscBü), Hrsg. v. Fritz, F.P, München 1970
1 Charlesworth, M. P.: Einige Beobachtungen zum Herrscherkult, besonders in Rom in: Wlosok, Antonie: Römischer Kaiserkult, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1978, S. 163f
2 Odyssee VIII, 464 ff.
3 Vgl. Charlesworth, M. P.: Einige Beobachtungen zum Herrscherkult, besonders in Rom in: Wlosok, Antonie: Römischer Kaiserkult, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1978,
S. 164 - 173
4 Zitiert aus Plutarch, Lys 18,3f; Übers. u.a. bei Nilsson, M.P., Religion
5 Vgl. Klauck, Hans-Josef: Die religiöse Umwelt des Urchristentums II. Herrscher- und Kaiserkult, Philosophie, Gnosis. (Kohlhammer Studienbücher Theologie) Bd. 9. Stuttgart u.a. 1996, S. 19f
6 Wlosok, Antonie: Einführung in: Wlosok, Antonie: Römischer Kaiserkult, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1978, S.4.
7 Zitiert nach Klauck, Hans-Josef: Die religiöse Umwelt des Urchristentums II. Herrscher- und Kaiserkult, Philosophie, Gnosis. Bd. 9. Stuttgart u.a. 1996, S. 41
8 aus Plutarch; Tit 16,3f. abgedruckt in: Klauck, Hans-Josef: Die religiöse Umwelt des Urchristentums II. Herrscher- und Kaiserkult, Philosophie, Gnosis. Bd. 9. Stuttgart u.a. 1996, S. 41
9 Wlosok, Antonie: Einführung in: Wlosok, Antonie: Römischer Kaiserkult, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1978, S. 5
10 vgl. Bowersock, G. W.: Augustus und der Kaiserkult im Osten in Wlosok, Antonie: Römischer Kaiserkult, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1978 S. 401f
11 SIG³ 760: ,,ai poleij ai en thi Asiai kai oi [dhmoi] kai ta eqnh Gaion Ioulion Gaio[u ui]on Kaisara, ton arcierea kai autokratora kai to deuteron upaton, ton apo Arewj kai Afrode[i]thj qeon epifanh kai koinon tou anqrwpinou biou swthra" ; Übersetzung nach Verfasser
12 Siehe Kapitel 2.1.2
13 Wlosok, Antonie: Einführung in: Wlosok, Antonie: Römischer Kaiserkult, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1978, S. 5
14 Wlosok, Antonie: Einführung in: Wlosok, Antonie: Römischer Kaiserkult, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1978, S. 7
15 zu den Forscherpositionen: Wlosok, Antonie: Einführung in: Wlosok, Antonie: Römischer Kaiserkult, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1978, S. 7-11
16 Klauck, Hans-Josef: Die religiöse Umwelt des Urchristentums II. Herrscher- und Kaiserkult, Philosophie, Gnosis. Bd. 9. Stuttgart u.a. 1996, S. 37f
17 Vgl. Fritz, F.P., Theokrit: Gedichte (TuscBü), München 1970, Z.121-130
18 Zum Gottkönigtum s. Wlosok, Antonie: Einführung in: Wlosok, Antonie: Römischer Kaiserkult, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1978, S. 14
19 Wlosok, Antonie: Einführung in: Wlosok, Antonie: Römischer Kaiserkult, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1978, S. 16f
20 Klauck, Hans-Josef: Die religiöse Umwelt des Urchristentums II. Herrscher- und Kaiserkult, Philosophie, Gnosis. Bd. 9. Stuttgart u.a. 1996, S. 42f
21 Gelzer, Matthias: Ehrenbeschlüsse für Caesar (im Jahre 45) in: Wlosok, Antonie: Römischer Kaiserkult, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1978, S. 335f
22 Klauck, Hans-Josef: Die religiöse Umwelt des Urchristentums II. Herrscher- und Kaiserkult, Philosophie, Gnosis. Bd. 9. Stuttgart u.a. 1996, S. 42
23 Wlosok, Antonie: Einführung in: Wlosok, Antonie: Römischer Kaiserkult, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1978, S. 26f
24 Wlosok, Antonie: Einführung in: Wlosok, Antonie: Römischer Kaiserkult, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1978, S. 26
25 zu den Ehrungen an Caesar vom Senat s. Heinen, Hubert: Zur Begründung des römischen Kaiserkultes., Chronische Übersicht von 48 v. bis 14 n. Chr., Diss. Tübingen 1910., S. 2-5
26 Klauck, Hans-Josef: Die religiöse Umwelt des Urchristentums II. Herrscher- und Kaiserkult, Philosophie, Gnosis. Bd. 9. Stuttgart u.a. 1996, S. 47
27 Inschrift aus Ephesos: SIG³ 760
28 Wlosok A. ermahnt , diese Maßnahmen nicht für die strickte Apotheose, als Erhebung zum Gott, zu halten, denn hinsichtlich des unter Augustus eingeführten römischen Herrscherkultes würden diese Ereignisse überbewertet werden. Tatsächlich waren diese Maßnahmen ein beträchtlicher Fortschritt in der Vergöttlichung.
29 Balsdon, J.P.V.D.: Rezension von: Gerhard, Dobesch: Caesars Apotheose zu Lebzeiten und sein Ringen um den Königstitel in: Wlosok, Antonie: Römischer Kaiserkult, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1978, S. 356
30 Taylor, L. R.: Divus Julius in: Wlosok, Antonie: Römischer Kaiserkult, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1978, S. 333
31 Vgl. Heinen, Hubert: Zur Begründung des römischen Kaiserkultes., Chronische Übersicht von 48 v. bis 14 n. Chr., Diss. Tübingen 1910, S. 7f
32 Taylor, L. R.: Divus Julius in: Wlosok, Antonie: Römischer Kaiserkult, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1978, S. 333
33 Vgl. Heinen, Hubert: Zur Begründung des römischen Kaiserkultes., Chronische Übersicht von 48 v. bis 14 n. Chr., Diss. Tübingen 1910, S. 12
34 Oktavian entschied sich bewußt für den Gott Apollo als Leitstern, weil dieser für Klarheit ,Maß und Nüchternheit steht, ganz im Gegensatz zum Dionysos des Antonius, welcher Rausch und Ekstase symbolisiert. Vgl. Klauck, Hans-Josef: Die religiöse Umwelt des Urchristentums II. Herrscher- und Kaiserkult, Philosophie, Gnosis. Bd. 9. Stuttgart u.a. 1996. S. 49f
35 Vgl. Heinen, Hubert: Zur Begründung des römischen Kaiserkultes, Chronische Übersicht von 48 v. bis 14 n. Chr., Diss. Tübingen 1910, S. 15-19
36 Mommsen: Monumentum Ancyranum, 2. Aufl. 1883, p. 144
37 Zitiert nach Wlosok, Antonie: Einführung in: Wlosok, Antonie: Römischer Kaiserkult, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1978, S. 38f
38 Dadurch, daß einem Menschen ein Numen zugeschrieben wird, das ist die spezifische Eigentümlichkeit einer römischen Gottheit, ist sein Wirken, sein Wille, seine Machtausübung als göttlich prädiziert und somit letztlich auch der Mensch selbst.
Vgl. Wlosok, Antonie: Einführung in: Wlosok, Antonie: Römischer Kaiserkult, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1978, S. 39f
39 CIL XIV, 2898 (ara eleganter sculpta)
40 Vell. II, 124
41 Kienast, Dietmar: Augustus, Prinzeps und Monarch, Aufl. 3, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1999, S. 246f
42 Wlosok, Antonie: Einführung in: Wlosok, Antonie: Römischer Kaiserkult, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1978, S. 42f
43 Charlesworth, M.P.: Einige Beobachtungen zum Herrscherkult in: Wlosok, Antonie: Römischer Kaiserkult, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1978, S. 180ff
44 Zum Kaiserkult des Herodes und zu den vom ihm errichteten Augustustempeln s. Otto, W., RE Suppl. II 1913, 64ff. Taylor, L.R. Divinity 171.
45 Kienast, Dietmar: Augustus, Prinzeps und Monarch, Aufl. 3, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1999, S. 253
46 abgedruckt und übersetzt bei Alföldi, Andreas: Die zwei Lorbeerbäume des Augustus, 1973 in Wlosok, Antonie: Römischer Kaiserkult, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1978, S. 403
47 Zur Bedeutung der einzelnen Ehrenelemente s. Alföldi, Andreas: Die zwei Lorbeerbäume des Augustus, 1973 in Wlosok, Antonie: Römischer Kaiserkult, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1978, S. 404 - 422
48 CIL X, 890 (Inschrift aus Pompeji)
49 CIL X, 824 (Inschrift aus Pompeji)
50 Zu den Priesterschaften s. Kienast, Dietmar: Augustus, Prinzeps und Monarch, Aufl. 3, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1999, S. 253ff
51 Vgl. dazu Zanker, P.: JdAI 90, 1975, 281ff
52 Zur Consecratio des Prinzeps vgl. Klauck, Hans-Josef: Die religiöse Umwelt des Urchristentums II. Herrscher- und Kaiserkult, Philosophie, Gnosis. Bd. 9. Stuttgart u.a. 1996, S. 47f
53 CIL X, 830, 837 ( sacerdos Augusti ); 838, 947, 948 ( Flamen Augusti)
54 CIL X, 824, 890 (Inschrift aus Pompeji)
55 siehe Plan des Forums in: Étienne, Robert: Pompeji, Das Leben in einer antiken Stadt, Aufl. 5, Philipp Reclam jun. Stuttgart 1998, S. 121; Legende zum Forumsplan S. 120
56 Étienne, Robert: Pompeji, Das Leben in einer antiken Stadt, Aufl. 5, Philipp Reclam jun. Stuttgart 1998, S. 114
57 CIL IV, 3726
58 CIL IV, 1074
59 CIL IV, 7579
60 Étienne, Robert: Pompeji, Das Leben in einer antiken Stadt, Aufl. 5, Philipp Reclam jun. Stuttgart 1998, S. 112
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