Verzeichnis
Inhalt
Abbildungsverzeichnis. III
Abk ürzungsverzeichnis. V
1. Einleitung. 1
2. Grundlagen 3
2.1. Psychische Belastung allgemein 3
2.2. Handlungsregulationstheorie 4
2.3. Tätigkeitsbewertungssystem - TBS 5
2.4. Psychische Belastung am Bildschirmarbeitsplatz 7
2.5. Gesetzliche Anforderungen 8
3. Verfahren zur Ermittlung psychischer Belastungen am Bildschirmarbeitsplatz 9
3.1. BEBA 10
3.1.1. Kurzbeschreibung. 10
3.1.2. Vollständigkeit Arbeitsaufgabe 12
3.1.3. Bewertung. 13
3.1.4. Differenzierungskriterien. 14
3.2. SynBa-GA. 15
3.2.1. Kurzbeschreibung. 15
3.2.2. Beispielfrage aus SynBA - Fragebogen zur Belastungsanalyse 16
3.2.3. Bewertung. 18
3.2.4. Differenzierungskriterien. 19
3.3. RHIA/VERA-Büro 21
3.3.1. Kurzbeschreibung. 21
3.3.2. Bewertung. 24
3.3.3. Differenzierungskriterien. 25
3.4. Kurzverfahren zur Bildschirmarbeitsplatzanalyse. 26
3.4.1. BiFra - Bildschirmfragebogen 26
3.4.2. LASI - Kurzfragebogen des Länderausschusses für Arbeitsschutz und
Sicherheitstechnik. 26
3.4.3. EasyChecker - Version 1.2 rev2 27
3.5. Vergleich und Auswahl 29
I
Verzeichnis
4. Durchführung der Analyse von psychischen Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
31
4.1. Projektrahmen 31
4.2. Begehung 33
4.3. Die Auswertung. 35
4.3.1. Zusammentragen und Übertragen der Erhebungsdaten. 35
4.3.2. Gewichtung der Fragen und Oberpunkte. 35
4.3.3. Erstellung der Ergebnisse im Bereich psychische Belastung 42
4.4. Beispielhafte Darstellung 47
4.5. Vergleichende Darstellung. 51
4.6. Erfahrungen / Kritik 56
4.6.1. Gewichtungen 57
4.6.2. Kritischer Bereich. 58
5. Konzept zur weiteren Durchführung 60
5.1. Detailanalyse 61
5.2. Screening aller BAP. 81
5.2.1. Reduzierung der Anzahl der Fragen 81
5.2.2. Diskussion 88
6. Zusammenfassung. 89
7. Literatur 91
8. Anhang. 93
II
Verzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1. : Die vier Grundthesen der Handlungsregulationstheorie
Abb. 2. : Sequentielle Vollständigkeit.
Abb. 3. : Ursachen und Folgen arbeitsbedingter Fehlbeanspruchungen
Abb. 4. : „Nicht ohne meinen PC“
Abb. 5. : Charakteristika des Wandels zum Bildschirmarbeitsplatz
Abb. 6. : Beispielfrage aus BEBA-A.
Abb. 7. : Beispiel aus BEBA-B
Abb. 8. : Beispiel aus BEBA-C
Abb. 9. : Ergebnisse der SynBA -GA Anwendung
Abb. 10. : Ablauf der RHIA/VERA-Analyse
Abb. 11. : Auswertung mit EasyChecker 1.2
Abb. 12. : Das vier Phasenmodell des IADM.
Abb. 13. : Abb. : Kreissektordiagramm - KSD.
Abb. 14. : Ablaufplan der Begehung
Abb. 15. : Die drei Schritte der Auswerung
Abb. 16. : Struktur der traditionellen Analysebereiche.
Abb. 17. : Neue Säule der IADM Analyse
Abb. 18. : Beanspruchungsreaktionen.
Abb. 19. : Ausschnitt aus dem Kriterienbaum.
Abb. 20. : Unterpunkte der psychologischen Tätigkeitsanalyse.
Abb. 21. : Ausschnitt des Unterpunktes „Arbeitsaufgabe“ aus der BEBA-A-Schablone zum
Arbeitsblatt 1
Abb. 22. : Kriterienbaum mit Gewichtungen.
Abb. 23. : Tabelle: Ergebnis der psychologischen Tätigkeitsanalyse basierend auf BEBA
(ohne Gewichtung der Fragen)
Abb. 24. : Mittelwerte der psychologischen Tätigkeitsanalyse
Abb. 25. : Tabelle: Gewichtungen für den gesamten Bereich der psychologischen
T ätigkeitsanalyse nach BEBA.
Abb. 26. : Kreissektordiagramm (KSD) des Call-Center Teamleiters
III
Verzeichnis
Abb. 27. : Kreissektordiagramm (KSD) der Call-Center Mitarbeiterinnen.
Abb. 28. : Kreissektordiagramm (KSD) des Call-Center Gesamt.
Abb. 29. : Tabelle: Typenvergleich psychologische Tätigkeitsanalyse.
Abb. 30. : Folie des Typenvergleichs psychologische Tätigkeitsanalyse.
Abb. 31. : KSD - Operativer Verkauf
Abb. 32. : KSD - Verkehrszentrale
Abb. 33. : Psychologische Tätigkeitsanalyse Bereich Arbeitstätigkeit
Abb. 34. : oben: Psychologische Tätigkeitsanalyse Bereich Arbeitsorganisation
Abb. 35. : unten: Psychologische Tätigkeitsanalyse Bereich Techniknutzung.
Abb. 36. : Die vier verschiedenen Ansätze zur Ermittlung der Gewichtungsfaktoren
Abb. 37. : Bewertungen und Farben
Abb. 38. : KSD Schablone für BEBA.
Abb. 39. : Arbeitsgestaltungsmerkmale von SynBA-GA.
Abb. 40. : Anzahl der Felder des kritischen Bereichs bei BEBA
Abb. 41. : Gegenüberstellung der Arbeitsmerkmale von SynBA-KF und von BEBA.
Abb. 42. : Zusammenbringen von SynBA und BEBA
IV
Abkürzungsverzeichnis
ABETO Arbeitsplatzbeurteilung nach Bildschirmarbeitsverordnung und EU-Richtlinie der TBS Oberhausen
ASER Institut für Arbeitsmedizin, Sicherheitstechnik und Ergonomie e.V.
ASW Arbeitssystemwert
BAP Bildschirmarbeitsplatz
BEBA Analyse psychischer Belastungen bei Büroarbeit
BiFra Bildschirmfragebogen
BildscharbV Bildschirmarbeitsverordnung
DIN Deutsches Institut für Normung e.V.
EDV Elektronische Datenverarbeitung
EG Europäische Gemeinschaft
EN ISO Europäische Norm
EU Europäische Union
EWG Europäische Wirtschaftsgemeinschaft
GHS Gesamthochschule
HRT Handlungsregulationstheorie
IADM Institut für Arbeitswissenschaft und Didaktik des Maschinenbaus
ILO International Labour Organisation
KABA Kontrastive Aufgabenanalyse im Büro
KSD Kreissektordiagramm
LASI Länderausschusses für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik, hier ist der Kurzfragebogen gemeint
MenBIT Mentale Beanspruchung bei Informationsverarbeitenden Tätigkeiten
V
MMS Mensch-Maschine-Schnittstelle
OSS Organisations-System-Schnittstelle
RHIA Verfahren zur Ermittlung von Regulationshindernissen in der Arbeitstätigkeit;
RHIA/VERA Regulationshindernisse in der Arbeitstätigkeit / Verfahren zur Ermittlung von Regulationserfordernissen in der Arbeitstätigkeit
SAA Subjektive Arbeitsanalyse
SANUS Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit an Bildschirmen auf der Basis internationaler Normen und Standards
SAS System-Aufgaben-Schnittstelle
SynBA Synthetische Beanspruchungs- und Arbeitsanalyse
TBS bedeutet hauptsächlich Tätigkeitsbewertungssystem
TBS Oberhausen bedeutet in diesem Zusammenhang Technologie Beratungsstelle
TU Technische Universität
TUI Touristik Union International
VERA Verfahren zur Ermittlung von Regulationserfordernissen in der
1. Einleitung
„Bildschirmarbeit bedeutet vielfach eine erhebliche Arbeitserleichterung. Eine einseitige, bewegungsarme Tätigkeit am Bildschirm kann aber auch besondere Gefährdungen und Belastungen hervorrufen. Viele der typischen gesundheitlichen Beschwerden der am Bildschirm tätigen Menschen lassen sich - oft schon durch einfache Maßnahmenvermeiden.“ 1
Seit dem 20. Dezember 1996 ist die Bildschirmarbeitsverordnung in Kraft. Sie ist im wesentlichen die inhaltliche Umsetzung der Bildschirmrichtlinie 90/270/EWG der Europäischen Union. Hiernach wurden Unternehmen verpflichtet, vorbeugende Arbeitschutzmaßnahmen auch für die Bildschirmarbeit zu ergreifen. In der Literatur finden sich häufig Schwerpunkte zur Beurteilung der unmittelbaren Arbeitsumgebung sowie der Arbeitsmittel. Hierfür gibt es klare Maßstäbe. Weniger häufig finden sich Methoden und Instrumente zur Beurteilung der psychischen Belastung am Arbeitsplatz und der Arbeitsorganisation.
Mit dieser Studienarbeit soll deshalb versucht werden, einen Leitfaden zur Beurteilung psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen für den Praktiker zu erstellen, der zudem auf weiterführende Literatur verweist.
In Kapitel 2 wird der Frage nachgegangen, was unter psychischer Belastungen verstanden wird, warum diesen Belastungen am Bildschirmarbeitsplatz heute eine besondere Bedeutung zukommt und wie die gesetzlichen Rahmenbedingungen aussehen. Dazu wird die Handlungsregulationstheorie und das Tätigkeitsbewertungssystem sowie neuere Untersuchungen vorgestellt.
Im folgenden Kapitel 3 werden gängige Verfahren zur Erhebung psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen vorgestellt und vergleichend bewertet. Es findet sich auch eine kleine Vorstellung von Kurzverfahren zur Bildschirmarbeitsplatzanalyse unter besonderer Berücksichtigung ihrer Analysefähigkeit von psychischen Belastungen. Daraufhin wird am Ende dieses Kapitels auch ein Instrument ausgewählt, welches in abgewandelter Form bei einem Projekt des Institut für Arbeitswissenschaften und Fachdidaktik des Maschinenbaus - IADM Anwendung fand.
1 Walter Riester, Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung, Der Bildschirmarbeitsplatz, Druckschrift des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialforschung, Januar 1999, Vorwort
1
Die Durchführung der Analyse und Auswertung der psychischen Belastung an Bildschirmarbeitsplätzen wird im 4. Kapitel dokumentiert. Die Ergebnisse aus der Untersuchung sollen in ein Modul einer IADM-Verfahrensentwicklung zur Analyse von Bildschirmarbeitsplätzen einfließen. Dieses Verfahren hat vier Schritte. Der in Kapitel 3 ausgewählte Fragebogen bildet für den zweiten Schritt die Grundlage einer detaillierten Analyse von Bildschirmarbeitsplätzen im IADM Verfahren. Dazu muss Abschnitt der psychologischen Tätigkeitsanalyse in traditionelle Untersuchungsbereiche integriert werden.
Bei der Detailanalyse geht es, verkürzt gesagt, um ein stichprobenartiges Experteninterview, bei dem das Projektteam anhand des Leitfadens eines Fragebogens zusammen mit einigen Mitarbeitern die ersten Schwachstellen herausfinden soll.
Für den vierten Schritt des IADM Verfahrensmodells soll hier als quantitatives Instrument einen Kurzfragebogen zu entwickeln werden, der schließlich von allen Mitarbeitern des untersuchten Unternehmens selbstständig beantwortet werden soll. Dieser Fragebogen wird im fünften Kapitel dieser Arbeit auf der Grundlage einer ausführlichen, nachvollziehbaren Diskussion der Befunde der Detailanalyse entwickelt und vorgestellt.
2
2. Grundlagen
2.1. Psychische Belastung allgemein
„Für kaum einen anderen Komplex gesundheitlicher Gefährdungen hat man sich stärkere Impulse im Arbeits- und Gesundheitsschutz versprochen, als für den Bereich der psychischen Belastungen. Bisher bestand für diesen Bereich weitgehend eine Regelungslücke. Dies steht im Kontrast zum vollzogenen technisch-organisatorischen Wandel in der Arbeitswelt zu mehr Technisierung und einem hohen Grad an Automation, sowie des wirtschaftlichen Strukturwandels hin zu einer Dienstleitungsgesellschaft.“ (Oppolzer, 12/99) So ergab sich aus der Zunahme der psychischen Belastungen in den vergangenen Jahrzehnten eine Verschiebung im Belastungsprofil, wobei die klassischen Belastungsfaktoren weiterhin bestehen bzw. sogar zugenommen haben. (ebd.)
Oppolzer zeigt dies am Beispiel der 1996 in den EU Ländern von der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen (Dublin) durchgeführten Repräsentationsbefragung. Weiterhin kommt der Koordinator dieser Studie durch den Vergleich der Ergebnisse von 1991 und 96 zu dem Schluss, dass trotz geringer werdender Arbeitszeit das Arbeitstempo steigt.
Das höhere Arbeitstempo sowie der Verlust von Kontrolle über die eigenen Arbeitsergebnisse macht er für den zunehmenden Stress verantwortlich.
Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) sieht den Stress am Arbeitsplatz als das zentrale gesundheitsbezogene Thema des 20. Jahrhunderts. So haben psychische Fehlanforderungen und Belastungen, die sich hauptsächlich aus der Arbeitsaufgabe ergeben, stetig zugenommen. (Hacker/Raum 1993)
Was sind also psychische Belastungen?
„Unter psychischer Beanspruchung ist das Inanspruchnehmen von psychischen Leistungsvoraussetzungen beim Ausführen von Arbeitstätigkeiten zum Erfüllen von übernommenen Arbeitsaufträgen unter gegebenen individuellen antriebs- und ausführungsregulatorischen sowie körperlichen Leistungsvoraussetzungen durch individuelle Arbeitsweisen zu verstehen“ (Richter/Hacker S. 32, 1998) Die Unterscheidung zwischen Belastung und Beanspruchung wird heute in der ergonomischen Literatur folgendermaßen vorgenommen:
3
⇒ Psychische Belastung (engl. stress)
⇒ Psychische Beanspruchung (engl. strain)
Auch in der DIN 33 405 bzw. der neu überarbeiteten DIN EN ISO 10075-1 und DIN EN ISO 10075-2 werden psychische Belastungen und Beanspruchung beschrieben. Psychische Belastungen sind demnach alle Einflüsse, die von außen auf den Menschen psychisch einwirken.
Eine Unter- oder Überforderung der psychischen Leistungsfähigkeit durch hohen Zeitdruck oder monotone abwechslungsarme Tätigkeiten kann psychische Ermüdung, Sättigung, Stress, Monotoniezustände oder ermüdungsähnliche Zustände hervorrufen. Dabei können sich psychosomatische Krankheitsbilder ergeben.
2.2. Handlungsregulationstheorie
Um die Integration der Psychologie des Handelns und seiner Regulation mit den Forschungsrichtungen der Sensomotorik und des Denkens in ein einheitliches Konzept wird sich seit Ende der 60er Jahre bemüht.
Diese Forschungsrichtung hat sich mit dem Begriff der Handlungsregulationstheorie (zuerst in Oesterreich, 1981) - HRT durch die Berliner Forschungsgruppe um Walter Volpert etabliert (Oesterreich, 1997). Sie beschäftigt sich mit der Frage, wie Menschen durch ihr konkretes Tun Ziele anstreben und erreichen.
Die Handlungsregulationstheorie geht von vier Grundthesen aus, wie in Abbildung 1 dargestellt. Sie geht in der ersten These davon aus, dass Menschen zielgerichtet handeln. Daraus ergibt sich die Intention des Handelns. Weiterhin findet Handeln immer in gesellschaftlichen Zusammenhängen statt. Deshalb auch die These, dass für das Handeln immer eine gesellschaftliche Einbettung besteht.
Außerdem ist das Handeln auf äußere Gegenstände bezogen, welches die dritte These, die des konkreten Tun beinhaltet.
Schließlich ist Handeln auch als Prozess zu verstehen. Somit geht die letzte These von Prozessen in Handlungsgefügen aus.
4
Aus diesen Thesen folgt, dass die gesellschaftlichen und organisatorischen Bedingungen als Handlungsforderungen zu verstehen sind, denen es durch geeignete Handlungen zu entsprechen gilt. Handlungsforderungen im Arbeitsprozess werden als Arbeitsaufgaben bezeichnet (Volpert 1993). Ungeklärt ist jedoch immer noch, wie Ziele psychisch entstehen und zwischen Alternativen entschieden wird.
Aus der Frage, warum außerhalb der Erwerbsarbeit die äußeren Bedingungen weniger Einfluss auf das Handeln und Arbeiten haben als während der Erwerbsarbeit, kommt Oesterreich zum Konzept des vollständigen Handeln. (Oesterreich, 1997)
2.3. Tätigkeitsbewertungssystem - TBS
Das recht umfangreiche Konzept, das Tätigkeitsbewertungssystem - TBS, geht davon aus, dass die Vollständigkeit der Tätigkeit durch ihre zyklische bzw. sequentielle sowie ihre hierarchische Struktur bedingt ist.
Die hierarchische Vollständigkeit wird an dem Niveau und der Vielfalt kognitiver Anforderungen gemessen.(Hacker 1995)
Es gilt als Hilfsmittel für die Analyse, Bewertung und Gestaltung von Arbeitstätigkeiten. Ausgehend von entsprechenden ISO-Standards und Gesetzgebung versucht das TBS sowohl deren Einhaltung in der Arbeitsanalyse zu überprüfen, als auch Verbesserungsmöglichkeiten der Arbeitsgestaltung vorzuschlagen.
Das TBS hat zwei Untersuchungsmethoden, zum Einen das objektive
Tätigkeitsbewertungssystem, TBS-O, welches die objektiven Möglichkeiten für die Förderung psychischer Gesundheit durch die Tätigkeit analysiert und das TBS-S (subjektives Tätigkeitsbewertungssystem), welches die subjektive Definition des Arbeitsauftrages untersucht (Redefinition nach Hackmann 1970)
6
2.4. Psychische Belastung am Bildschirmarbeitsplatz
„Jeder zweite Erwerbstätige in Deutschland benötig heute PC-Kenntnisse. Im Mai 2000 gaben 52 Prozent aller Erwerbstätigen an, bei ihrer beruflichen Haupttätigkeit einen Computer zu nutzen. Je qualifizierter die Arbeit beziehungsweise je mehr es sich um eine Bürotätigkeit handelt, desto häufiger wird der
PC eingesetzt. So gehört für etwa 90 Prozent der im Büro, in der EDV oder in der Forschung, im Marketing oder in der Werbung Tätigen die Arbeit am PC zum Berufsalltag. Wenig verbreitet ist der Computer im Baugewerbe, in der Landwirtschaft und im Bergbau (Anbauen, Gewinnen, Herstellen). Auch bei Transporttätigkeiten, Reinigung oder Überwachungs- und Sicherungsaufgaben (sonstige Dienstleistungen) spielt er eine geringe Rolle.“ Quelle: Statistisches Bundesamt
UMSCHAU, Ausgabe 19, 2001)
Da die Mehrheit der Erwerbstätigen also mit Tastatur und Bildschirm arbeiten, verändern sich auch die Herausforderungen an die Gesunderhaltung der Mitarbeiter. Gesundheit im positiven Sinne, als Fähigkeit der aktiven Lebensgestaltung verstanden.. Negative Auswirkungen der Bildschirmarbeit sind u.a. als Beeinträchtigung des Sehvermögens, Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates durch einseitige Haltungen und bewegungsarme Tätigkeit, psychischer Stress und nervöse Anspannung zu beobachten und dominieren die wissenschaftliche und öffentliche Diskussion. (Wieland-Eckelmann et al, 1996)
7
So rückt der Bildschirmarbeitsplatz (BAP) immer mehr in den Mittelpunkt arbeitsgestalterischer und medizinischer Forschung, sowie den Gesetzgebern, um bestimmte Standards durchzusetzen.
2.5. Gesetzliche Anforderungen
Im Rahmen der Gefährdungsanalysen gemäß dem Arbeitsschutzgesetz vom August 1996 sind auch psychische Belastungen durch Arbeitstätigkeiten hinsichtlich möglicher Beeinträchtigungen des allgemeinen Wohlbefindens bzw. der Gesundheit einzuschätzen. Wenn potentielle Gefährdungen vorliegen, hat der Arbeitgeber geeignete Maßnahmen zur Veränderung des Ist-Zustandes einzuleiten.(Arbeitsschutzgesetz) Durch den Erlass der Bildschirmrichtlinie 90/270/EWG durch den Rat der Europäischen Gemeinschaft 1990 wurde der wachsenden Zahl von Bildschirmarbeitsplätzen Rechnung getragen.
Sechs Jahre später wurde die Entscheidung der EU in der Bundesrepublik durch „Gesetz zur Umsetzung der EG-Rahmenrichtlinie Arbeitsschutz und weiterer Arbeitsschutz-Richtlinien“ in nationales Recht umgesetzt. Es beinhaltet grundlegende Regelungen zum betrieblichen Arbeitsschutz. In diesem Gesetzgebungsrahmen wurde unter anderem die Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV) erlassen, die am 20.12.1996 in Kraft trat.
8
3. Verfahren zur Ermittlung psychischer Belastungen am Bildschirmarbeitsplatz
Die theoretischen und gesetzlichen Grundlagen für die psychische Belastung am Bildschirmarbeitsplatz wurden im letzten Kapitel beleuchtet. Um die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften zu überprüfen, aber auch einfach die Situation im eigenen Betrieb zu analysieren, bedarf es entsprechender Instrumente und Methoden.
Das bundesweite Forschungsprojekt SANUS hat zu diesem Zweck ein Handbuch zusammengestellt (SANUS: Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit an Bildschirmen auf der Basis internationaler Normen und Standards). Dabei werden hauptsächlich Instrumente vorgestellt, die eine Überprüfung von Bildschirmarbeitsplätzen nach EU-konforme Gestaltung zulassen.
Es werden einige Verfahren zur Analyse der Arbeitsorganisation empfohlen, die in diesem Kapitel genauer beschrieben werden.
Für die Grobanalyse empfiehlt die SANUS-Gruppe die Verfahren BEBA, SynBA-GA bzw. SynBA-KF, das ABETO-Verfahren und die subjektive Arbeitsanalyse, kurz SAA. Zur Feinanalyse werden die drei Verfahren RHIA/VERA-Büro (Regulationshindernisse in der Arbeitstätigkeit / Verfahren zur Ermittlung von Regulationserfordernissen in der Arbeitstätigkeit) (Volpert), KABA (Kontrastive Aufgabenanalyse im Büro) (Volpert) und TBS (Tätigkeitsbewertungssystem)(Hacker) nahegelegt.
9
3.1. BEBA Abkürzung: BEBA Name: Analyse psychischer Belastungen bei Büroarbeit Autoren: A. Pohlandt, P. Jordan, C. Maßloch, K. Ott - Projektleitung: W. Hacker
3.1.1. Kurzbeschreibung 3.1.1.1 Ziel
Mit BEBA sollen psychische Belastungen ermittelt werden, die durch eine ungenügende Gestaltung der Arbeitsaufgabe- und/oder Arbeitsorganisation bedingt sind. Dabei werden wissenschaftliche Empfehlungen und Richtwerte zur optimalen Arbeits- und Organisationsgestaltung angegeben.
Dies soll zum Erhalt der Gesundheit, sowie zur Weiterentwicklung der Leistungsfähigkeit und -bereitschaft der Mitarbeiter beitragen. 3.1.1.2 Vorgehensweise (Methodik) BEBA beinhaltet vier Module: Information Selbstanalyse (BEBA - A) Gestaltungsorientierte Analyse (BEBA - B) Auswertung und Organisationsdiagnose (BEBA - C) Zusätzlich enthält BEBA ein Kapitel mit Empfehlungen zur Aufgaben- und Organisationsgestaltung.
10
3.1.1.3 Fragenstruktur und -umfang
Die Analyse besteht aus insgesamt 19 Fragen, die in drei Bereiche unterteilt werden Arbeitsaufgabe Arbeitsorganisation und Techniknutzung
3.1.1.4 Ablaufplan und eingesetzte Instrumente
In BEBA-A sollen die Mitarbeiter die Fragen selbst beantworten, sowie einen Bogen über körperliche Beschwerden ausfüllen.
11
In der gestaltungsorientierten Analyse, BEBA-B, wird ein vom Unternehmen Beauftragter die Bildschirmarbeitsplätze bewerten. Dabei soll der Arbeitsplatzinhaber beobachtet und befragt werden.
Zu Beginn werden die Zeitanteile der Teilaufgaben; Vor- und Nachbereitung der eigenen Arbeit, Ausführen (Be- und Verarbeiten von Informationen), Kontrollieren der eigenen Arbeit und Organisieren (Koordinieren der Arbeit mit anderen Personen); ermittelt und später die Aufgaben in einer Tabelle klassifiziert.
Im zweiten Schritt werden die Merkmale der Analysebereiche eingeschätzt, also die Fragen beantwortet.
3.1.2.1 Generelle Auswertungsform
Die Auswertung und Organisationsdiagnose wird durchgeführt falls, die vorhergehenden Phasen kritische Belastungen aufzeigen. Die Mitarbeiter führen ihre Ergebnisse zusammen, indem sie gemeinsam den Auswertungsbogen BEBA-C ausfüllen. Anhand von Schablonen für die Bereiche BEBA-A und -B werden die kritischen Bereiche identifiziert und in den Auswertungsbogen von BEBA-C eingetragen. Anschließend soll das Ergebnis als Diskussionsgrundlage einer Arbeitsgruppe bzw. eines Projektteam dienen, welches Vorschläge zur Umgestaltung erarbeiten soll.
3.1.3. Bewertung 3.1.3.1 Praktikabilität
Insgesamt erscheint BEBA als ein kompaktes Instrument, welches dem Praktiker eine konkrete Hilfe für die Durchführung von Analysen der psychischen Belastung am Bildschirmarbeitsplatz sein kann.
13
Der Aufbau ist übersichtlich, durch knappen Text und unterstützende Grafiken. Die Fragebögen sind ebenso kopierfähig wie die Auswertungsblätter und Schablonen. Das Auswertungssystem ist schnell zu überschauen und durchzuführen. Leider fehlt eine EDV Unterstützung.
Auch eine ungefähre Zeitangabe für die Durchführung wäre für die Planung schön gewesen. Immerhin umfasst BEBA-A 15 Seiten, inklusive der Arbeitsblätter, was eine detaillierte Analyse psychologischer Belastungen zulässt.
Die Sprache ist teilweise etwas komplex. Dies ist gerade im Fragebogenbereich von Nachteil, da es dort zu Verständnisschwierigkeiten bei den Mitarbeitern und folglich zu einer Verfälschung des Ergebnisses kommen kann. 3.1.3.2 Präventionsorientierung
Positiv hervorzuheben ist der Anhang mit Gestaltungsvorschlägen, der für alle 19 befragten Bereiche mehrere Problemvarianten bereitstellt mit entsprechenden Gestaltungshinweisen. Dies kann gar als Präventionsorientierung bei der Neueinrichtung von BAPs von Vorteil sein.
3.1.4. Differenzierungskriterien
3.2. SynBa-GA Abkürzung: SynBA-GA Name: Synthetische Beanspruchungs- und Arbeitsanalyse - Gesamtanalyse Autoren: Rainer Wieland-Eckelmann, Andreas Saßmannshausen, Marc Rose
3.2.1. Kurzbeschreibung 3.2.1.1 Ziel
SynBA ist ein Messverfahren für psychische Belastung und Beanspruchung an Bildschirmarbeitsplätzen. Insbesondere die Konformität mit der EU Bildschirmrichtlinie soll überprüft werden.
Dies geschieht anhand der Analyse von Arbeitsmerkmalen, die für die psychische Belastung relevant sind.
Die Ergebnisse sollen dem Praktiker gezielt Hinweise auf Merkmale liefern, die den Beschäftigten negativ psychisch beanspruchen und somit die Arbeitsproduktivität mindern. 3.2.1.2 Vorgehensweise (Methodik)
Zentrales Bewertungskriterium des Verfahrens ist die Beanspruchungsoptimalität der Arbeit. SynBA-GA geht von positiven/funktionalen sowie negativen/dysfunktionalen Arbeitsbeanspruchungen aus.
16 Arbeitsgestaltungsmerkmale werden so in eine positiv-negativ Skala eingeordnet. Das Verfahren gliedert sich in zwei Bereiche, den Analyseteil, der von den Beschäftigten zu beantworten ist und den Bewertungsteil, der anhand eines besonderen Auswertungsvorgehens vom verfahrenskundigen Anwender zu bearbeiten ist. 3.2.1.3 Fragestruktur und -umfang Der Analyseteil beinhaltet den
• Erhebungsbogen zur Tätigkeitsbeschreibung und den
• Fragebogen zur Belastungsanalyse
Der Erhebungsbogen zur Tätigkeitsbeschreibung umfasst 4 Teilbereiche ET1 bis ET4. ET1 stellt zwei Felder zur Verfügung und dient zur Identifikation innerhalb des Betriebes.
15
In ET2 soll der eigene Arbeitsbereich eingeordnet werden, wobei 9 Auswahlmöglichkeiten bestehen und ein optionales Feld. Maximal drei Bereiche dürfen angekreuzt werden, wobei diese jeweils mit Noten von 1 bis 3 bewertet werden sollen. ET3 fragt nach den prozentualen Anteilen der Arbeit ohne Nutzung des Computers, mit direkter Nutzung des Computers bzw. Bildschirms sowie nach dem Anteil organisatorischer Aufgaben.
Schließlich sollen in ET4 die Tätigkeiten am Bildschirm genauer spezifiziert werden. Es werden 9 Tätigkeiten angeboten, sowie zwei Optionsfelder auf die prozentuale Anteile verteilt werden sollen.
Im Fragebogen zur Belastungsanalyse werden insgesamt 16 Fragen gestellt. Diese unterteilen sich in fünf Untergruppen:
- Aufgabenanforderungen (4 Fragen)
- Tätigkeitsspielraum (3 Fragen)
- Regulationsbehinderungen (5 Fragen)
- Leistungskontrolle (2 Fragen)
- Kooperation/Kommunikation (2 Fragen)
Die Fragen bestehen aus einer Aussage, die vom Befragten anhand einer Skala von 0 - „trifft überhaupt nicht zu“ bis 4 - „trifft vollständig zu“ in den drei SynBA-Schnittstellen jeweils zu bewerten sind. Die SynBA-Schnittstellen sind:
Organisations-System-Schnittstelle (OSS) - organisatorische, System-Aufgaben-Schnittstelle (SAS) - individuelle/persönliche und Mensch-Maschine-Schnittstelle (MMS) - interaktive Aufgaben. 3.2.2. Beispielfrage aus SynBA - Fragebogen zur Belastungsanalyse
3.2.2.1 Ablaufplan und eingesetzte Instrumente:
SynBA-GA basiert auf Fragebögen die von den Mitarbeitern ausgefüllt werden. Anschließend werden diese vom verfahrenskundigen Anwender ausgewertet. Das Verfahren untergliedert sich in zwei grobe Bereiche,
• den Analyse- sowie
• den Bewertungsteil. Der Analyseteil enthält den Erhebungsbogen zur Tätigkeitsanalyse und den Fragebogen zur Belastungsanalyse. Der Bewertungsteil enthält die
Auswertungshandbuch mit entsprechenden Vorschriften und Kriterien wie den Auswertungsbogen.
3.2.2.2 Generelle Auswertungsform
Die ermittelten Kennwerte des SynBA-GA Verfahrens werden auf mehrere Ebenen bezogen. Die Tätigkeitsbeschreibung dient zur Klassifizierung durch eine vom SynBA-Team gewonnene „Typologie von Bildschirmarbeitsplätzen“. Diese basiert auf Untersuchungsdaten von 400 Bildschirmarbeitsplätzen.
Die Ergebnisse des Fragebogens zur Belastungsanalyse werden in den Auswertungsbogen in eine Bewertungsskala von 0 bis 2 übertragen. Hier werden insgesamt 9 Kennwerte errechnet; 5 für die Gestaltungsbereiche, 3 für die Schnittstellen und ein Gesamtkennwert. Der Gesamtkennwert ist der erste Maßstab für einzuleitende Gestaltungsmaßnahmen. Die Orientierung erfolgt über eine angegebene Tabelle.
Weiterhin soll er einen Vergleich mit anderen Untersuchungen ermöglichen -> Benchmarking Im zweiten Schritt werden die drei Kennwerte für die Schnittstellen genauer betrachtet. Hierüber lässt sich feststellen in welchen Aufgabenbereichen dringlichen Gestaltungsbedarf besteht.
Die Kennwerte für die Gestaltungsbereiche werden im dritten Schritt analysiert. Sie geben Hinweise auf die zu verbessernden inhaltlichen Bereiche.
Schließlich werden im vierten Schritt die Einzelmerkmale betrachtet, wenn in den vorherigen Schritten mindestens eine Schnittstelle, wie auch mindestens ein Gestaltungsbereich als gestaltungsbedürftig identifiziert wurde.
Es wird noch darauf verwiesen, dass bei einer Umsetzung von Verbesserungen, die angrenzenden Bereiche auch zu berücksichtigen sind. Die durch den Organisationsablauf oder -aufbau eng miteinander verknüpften Arbeitsplätze sollen dabei im Zusammenhang betrachtet werden.
17
Das weitere Vorgehen orientiert sich am SANUS-Vorgehensmodell. Zusammen mit den Beschäftigten soll entschieden werden, ob eine Feinanalyse nötig ist oder konkrete Gestaltungsmaßnahmen erarbeitet werden.
3.2.3. Bewertung 3.2.3.1 Praktikabilität
SynBA-GA ist für den fachkundigen Praktiker gedacht.
Der Erhebungsbogen zur Tätigkeitsbeschreibung ist ausführlich und gibt Optionen für eigene Antworten.
Die Fragebögen sind ebenso kopierfähig wie das Auswertungsmanual. Der Fragebogen zur Belastungsanalyse ist mit 16 Fragen nicht gerade umfangreich, erhält seine Komplexität aber durch die jeweils drei Antwortebenen. Dem Befragten werden im Fragebogen keine zusätzlichen Erläuterungen zum Thema zur Verfügung gestellt.
Unpersönlich wirken die Antwortmöglichkeiten, da sie in der dritten Person gehalten sind. Durch einfaches Ankreuzen ist ein schnelles beantworten möglich.
18
Der Auswertungsbogen hingegen besteht aus relativ kleinen Feldern, in den die 48 Antworten zu übertragen sind. Dennoch ist ein Vorteil, dass auf nur einer Seite das gesamte Ergebnis Platz findet.
Die Bewertungsskala für Teil 1 ist übersichtlich in einer Tabelle untergebracht, dies fehlt leider für die Schritte 2 und 3, die im Text etwas untergehen.
In Punkto Gestaltungsvorschläge ist das Verfahren recht dürftig. Hier wird auf das SANUS Vorgehensmodell verwiesen. Die konkreten Gestaltungsmaßnahmen sollen zusammen mit den Mitarbeitern entwickelt werden, was auf der einen Seite sehr offen wirkt, aber eine Orientierungshilfe vermissen lässt.
Hier wäre eine kurze Zusammenfassung der unternommenen Gestaltungsmaßnahmen der schon durchgeführten Analysen hilfreich.
Die Suche nach entsprechender Hilfe im angegebenen Anwendungsbeispiel: Referenzarbeitsplatz war leider erfolglos.
Folglich kann die Bewertung des SynBA-GA Ergebnisses nur erfolgreich in Begleitung eines Experten durchgeführt werden, der mit den „bewährten arbeitspsychologischen Kriterien zur beanspruchungsoptimalen und produktivitätsförderlichen Gestaltung von Bildschirmarbeit“ ausgestattet ist.
Eine EDV Unterstützung ist leider nicht vorhanden 3.2.3.2 Präventionsorientierung
Ein spezielles Kapitel ist der Präventionsorientierung nicht gewidmet. Dennoch können die Erfahrungswerte der 400 analysierten Arbeitsplätze auf besondere Bereiche aufmerksam machen, wo wahrscheinlicher Gestaltungsbedarf auftreten wird. Die Typologie von Bildschirmarbeitsplätzen sowie die Tabelle mit der Übersicht der Gesamtkennwerte bezogen auf Arbeitsbereiche helfen hierbei. 3.2.4. Differenzierungskriterien
3.3. RHIA/VERA-Büro Abkürzung: RHIA/VERA-Büro Name: RHIA: Verfahren zur Ermittlung von Regulationshindernissen in der
Autoren: Konrad Leitner, Elke Lüders, Birgit Greiner, Antje Ducki, Renate Niedermeier, Walter Volpert
3.3.1. Kurzbeschreibung 3.3.1.1 Ziel
Das RHIA/VERA-Büro ist ein psychologisches Arbeitsanalyseverfahren, mit dem Tätigkeiten im Bereich von Büro und Verwaltung untersucht werden können. Es zielt sowohl auf die Analyse der durch die Arbeitsaufgaben geforderten Denk- und Planungsprozesse, als auch auf die Ermittlung psychisch belastender Arbeitsbedingungen ab. 3.3.1.2 Vorgehensweise (Methodik)
Die Erhebungsmethodik des RHIA/VERA-Büro bezeichnet sich als Beobachtungsinterview bzw. theoriegestützte Erhebung. Das Verfahren ist für den fachkundigen Anwender gedacht. Dieser muss sich vor der Anwendung mit den theoretischen Grundlagen und den im Manual gegebenen Definitionen und Beschreibungen vertraut machen. Die Fragestellungen des Manuals wenden sich ausschließlich an den Untersuchenden. Dieser beschafft sich die relevanten Informationen über Beobachtungen der Arbeitstätigkeit und Gespräche mit den Arbeitenden und hält diese entsprechend dem Verfahren fest. RHIA/VERA versucht zuerst die Erfordernisse zu ermitteln, die zur Erfüllung der Arbeitsaufgabe relevant sind (Bereich VERA), um anschließend die Bedingungen zu ermitteln, die der Erfüllung der Tätigkeit im Wege stehen, also die Analyse der aufgabenbezogenen psychischen Belastungen (Bereich RHIA). 3.3.1.3 Fragenstruktur und -umfang
RHIA/VERA-Büro gliedert sich in fünf Teile, A bis E, die logisch aufeinander aufbauen. Insgesamt müssen 46 Fragebereiche bearbeitet werden.
21
Teil A dient zur allgemeinen Orientierung und Überprüfung, ob die Voraussetzungen für ein bedingungsbezogenes Arbeitsanalyseverfahren erfüllt sind. Es enthält 15 Fragebereiche. In Teil B werden die Arbeitsergebnisse, -mittel und Informationen beschrieben. Die Folge der einzelnen Arbeitseinheiten sollen zeitlich-logisch dargestellt werden, sowie im letzten Schritt, die erste Hinweise auf Behinderungen formuliert werden. Dieser Teil enthält 23 Bereiche.
Die Regulationserfordernisse sollen in Teil C anhand eines 10-Stufen Modells ermittelt und beschrieben werden. Schließlich sollen die Veränderungen angegeben werden, die zu einer Erhöhung der Regulationserfordernisse führen kann. Teil C enthält 3 Bereiche. Regulationshindernisse und -überforderungen sollen im Teil D ermittelt und bewertet werden. Dieser Teil enthält 5 Bereiche. Schließlich werden die Ergebnisse in Teil E zusammengefasst. Zu jedem Fragenbereich beschreibt das Manual die jeweilige Funktion, entsprechende Erläuterungen werden gegeben und Beispiele aufgeführt. 3.3.1.4 Ablaufplan und eingesetzte Instrumente
Der Ablauf der RHIA/VERA-Analyse lässt sich in folgende Schritte unterteilen:
Instrumente sind das 156 Seiten umfassende Manual mit den 24 Antwortblättern. 3.3.1.5 Generelle Auswertungsform
Hinweise und Regeln zum Vorgehen und zur Auswertung befinden sich im Teil E des Verfahrens, obwohl in diesem Zusammenhang Auswertung vielleicht ein zu weit gefasster Begriff sein könnte.
Bei RHIA/VERA werden die häufig qualitativen Angaben nicht in quantitative Schemata übertragen.
Einzig das Deckblatt jeder Analyse erfordert das Zusammenbringen von Ergebnissen. Im Einzelnen finden sich hier die Stufe der Regulationserfordernisse, die Dauer des Zusatzaufwandes für informatorische, manuelle/motorische Erschwerungen, Unterbrechungen durch Blockierungen und Funktionsstörungen, sowie die Gesamtdauer des Zusatzaufwandes jeweils in Minuten pro Woche.
Weiterhin werden hier die „Dauer monotoner Arbeitsbedingungen“ in Stunden pro Monat, der „Zeitdruck in Prozentanteil des Ruhenlassens“ und Empfehlungen/Erfordernisse der „medizinisch/ergonomische Analyse“ aus den Teilen A bis D zusammengefasst. Die Auswertung der einzelnen Analysepunkte finden schon während des Vorgehens, beim Ausfüllen der Antwortblätter durch den Experten statt. So ist auch die Vorgehensstruktur durch den Ablaufplan klar vorgegeben.
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3.3.2. Bewertung
RHIA/VERA kommt eher aus der soziologischen Arbeitswissenschaft. Kurzgefasste Interviewergebnisse wechseln sich ab mit Zahlenangaben und Ankreuz-Antworten. Es handelt sich um ein umfangreiches Verfahren. Handbuch und Manual geben einen guten Einblick in die Theorie des Verfahrens, wie auch in die testtheoretischen Gütekriterien, wo RHIA/VERA auch reflektiert wird.
Die Anforderungen an das eigene Verfahren stellen sich auch bei der Einarbeitung an die Untersuchenden. Scheinbar unattraktiv sind die vorgeschlagenen mehrtägigen Schulungen und Informationsnotwendigkeiten der zu Untersuchenden. Bevor es also „richtig los“ geht, musste sich schon mehrere Tage mit dem Verfahren beschäftigt werden. RHIA/VERA ist also kein Kurzverfahren im eigentlichen Sinne.
Es bietet einen eher theorielastigen Ansatz, was auch als starkes Fundament verstanden werden kann.
1993 lagen Erfahrungenswerte aus 500 Arbeitsanalysen vor. 3.3.2.1 Praktikabilität
RHIA/VERA ist ein Instrument ganz für den Experten oder geschulten fachkundigen Anwender. Es erfordert eine relative lange Einarbeitung, nicht nur auf Grund des Umfangs sondern auch bezüglich des theoretischen Hintergrundes.
RHIA/VERA stellt auch keine Ankreuzbögen bereit, sondern bietet genug Platz für den nötigen Text des Experten.
Alle Unterlagen des Verfahrens sind kopierfähig, aber aufgrund des Umfangs sollte sich auf die auszufüllenden Bögen beschränkt werden.
Letztendlich sollte für eine Analyse mit RHIA/VERA Zeit mitgebracht werden. 3.3.2.2 Präventionsorientierung
Der Einsatz bei der Gestaltung von zukünftigen Arbeitsaufgaben ist ein Schwerpunkt der Analyse. Zumindest ist dies in Kapitel 7 des Handbuches zu lesen. Es finden sich auch Hinweise für die Gestaltung neuer Arbeitsplätze, doch sind diese wenig konkret.
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3.4. Kurzverfahren zur Bildschirmarbeitsplatzanalyse
3.4.1. BiFra - Bildschirmfragebogen
Der Bildschirmfragebogen - BiFra des ASER-Instituts an der GH Wuppertal ist ein Instrument zur Analyse der Umsetzung der Bildschirmarbeitsverordnung von B.H. Müller et al..
Es gibt ihn in drei verschiedenen Ausführungen: für private Anwender, für Telearbeiter, sowie für Mitarbeiter.
Diese und eine englischsprachige Version des Fragebogens sind unter http://www.aser.uniwuppertal.de/bifra/index.htm zu finden. Dort findet sich auch eine Auswertung von bisher 7973 Bildschirmarbeitsplatzuntersuchungen mit BiFra, die aus mehr als 20 Unternehmen sowie aus einigen über das Internet gewonnenen Datensätzen stammen. Neben der Onlineversion werden diese auch als Papierversionen angeboten, plus eines Fragebogens in französischer Sprache.
Die Basis des Fragebogens besteht aus 10 Bereichen, welche auch gleichzeitig den Bogen für den privaten Anwender ausmacht. Für die Telearbeiterin und den betrieblich Beschäftigten kommt ein Kapitel mit 18 Fragen zur Gestaltung der Arbeitsaufgabe hinzu, sowie eine Schlussbetrachtung. Die 18 Fragen bezüglich der Arbeitsaufgabe sind Ja-Nein Fragen zur psychischen Belastung, die inhaltlich dem BEBA Fragebogen sehr ähnlich sind. Die Oberpunkte vom Bereich der Arbeitsaufgabe lauten: Aufgabenvollständigkeit, Bewegungsvielfalt, Aufgabenwechsel, Qualifikationsnutzung, Rückmeldung, Arbeitsunterbrechung, Eindeutigkeit der Arbeitsaufgabe, Unterstützung, Aufgabenverteilung, Entscheidungserfordernis, Anforderungsvielfalt, Informationserfordernisse, Störungsfreiheit, zeitliche Freiheitsgrade, Informationsbereitstellung, Technikbeeinflussbarkeit, Lernförderlichkeit und Daueraufmerksamkeit.
3.4.2. LASI - Kurzfragebogen des Länderausschusses für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik
Das vom Länderausschusses für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik - LASI, unter Mitarbeit der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit, 1997 veröffentlichte Arbeitsblatt „Bildschirmarbeit“ soll zur Grobanalyse der Arbeitsbedingungen gemäß der Bildschirmarbeitsverordnung dienen.
Es soll „eine effektive und kostengünstige orientierende Beurteilung von Gefährdungen ermöglichen“. Aufsichtskräften staatlicher Arbeitsschutzverwaltungen soll so eine Methodik zur Beratung der Arbeitgeber und zur Vereinheitlichung des Verwaltungshandelns zur Verfügung gestellt werden. (LASI 1997)
Anhand von Ja/Nein Entscheidungen sind die insgesamt 60 Fragen zu beantworten. Sie sind unterteilt in 15 Bereiche zu Hard- und Software, Möbel, Arbeitsumgebung, sowie zur
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medizinischen Vorsorgeuntersuchung und Arbeitsorganisation. Neben den zwei Bereichen „Schnittstelle Mensch-Maschine“ und „organisatorische Maßnahmen“, die im weiteren Sinne zu einer Analyse von psychischer Belastung gerechnet werden können, findet sich ein Verweis auf eine weitergehende Beurteilung für psychische Beanspruchung. Einigen Fragen verweisen auf zusätzliche Hinweise zur Beantwortung, bei anderen sind schematische Zeichnungen zur Unterstützung des Verständnisses eingestreut. Die dazugehörigen „Erläuterungen und Zusatzinformationen zum Arbeitsblatt“ enthält Erläuterungen zum Ausfüllen des Fragebogens, sowie zu den Fragen in bezug auf den Arbeitsschutz und die Bildschirmarbeitsverordnung.
Zu finden ist LASI u.a. unter http://www.sozialnetz-hessen.de/ergo-online/AP-Analyse/Lasi-Beurteilung.htm
3.4.3. EasyChecker - Version 1.2 rev2
Der auch als 100-Fragen-Test bekannte EasyChecker wurde von Dr. Gottfried Richenhagen, Assessment Management Kolleg GmbH, 1996 erstellt. EasyChecker ist eine Weiterentwicklung der Kurzfragebögen von Döbele-Martin und Martin, sowie von Prümper und Anft, die um die Kriterien der DIN EN ISO 9241 Teil 2 und 10 erweitert wurden. Dementsprechend versucht EasyChecker durch 100 Ja-Nein-Weiß-nicht Fragen dem Arbeitnehmer eine Grobeinschätzung seines Arbeitsplatzes nach der Bildschirmarbeitsverordnung zu erlauben.
Die 100 Fragen, in 7 Themenbereiche gegliedert, werden als „Software zur Grobanalyse eines Bildschirmarbeitsplatzes“ auf zwei 3½“ Disketten als Beigabe zum Handbuch der Bildschirmarbeit zur Verfügung gestellt.
Zu mehren Fragen gibt eine Erläuterung per Text oder Bild, weiterhin können eigene Notizen eingefügt werden.
Der Bereich „Tätigkeit“ kann als eine Analyse von psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen verstanden werden. Dort finden sich die beiden Unterpunkte „Arbeitsaufgaben“ und „Bildschirmpausen“ mit den Fragen zu Beteiligung, Vielfältige Tätigkeit, Ganzheitlichkeit, Beitrag zum Ganzen, Handlungsspielraum, Rückmeldung, Neues, Überforderung, Unterforderung, Monotonie, Zeitdruck, Kontakte und Mischarbeit und Freie Wahl.
Die Auswertung erfolgt über Balkendiagramme wie auch über Tabellen der einzelnen Fragen, die in grün, rot und gelb, die Ja-Nein-Weiß-nicht Antworten umsetzen.
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Analyse psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
Abb. 11. : Auswertung mit EasyChecker 1.2
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3.5. Vergleich und Auswahl
Die drei hier vorliegenden Verfahren zur Bewertung der psychologischen Belastung am Bildschirmarbeitsplatz können grob in zwei Kategorien unterteilt werden. Zum Einen die „Bogen basierenden“ BEBA und SynBA-GA und zum Anderen das „Interview basierende“ RHIA/VERA.
Die bogenbasierenden Verfahren können auch ohne Beisein eines Experten oder fachkundigen Anwenders von den Arbeitsplatzinhabern angekreuzt, also beantwortet werden. Auch wenn in Teil B von BEBA der Experte gefordert wird, ist die selbständige Bearbeitung hier der Schwerpunkt.
RHIA/VERA macht es dringend erforderlich, dass Experten das Verfahren durchführen. In diesem Sinne sind so auch die auszufüllenden Bögen der verschiedenen Verfahren gestaltet.
Die Durchführung der Befragung mit Experten birgt die Möglichkeit auch atmosphärische Eindrücke festzuhalten. Zudem ergeben sich oft Gespräche, die sich schwer in einen standardisierten Fragebogen festhalten lassen.
Diese Gespräche enthalten zusätzliches Potential, was für eine Analyse und Bewertung des Bildschirmarbeitsplatzes nützlich sein kann.
Somit würde sich RHIA/VERA anbieten für Bereiche außerhalb des standardisierten Fragebogens Eindrücke festzuhalten und zu interpretieren. Leider ist RHIA/VERA in der Vorbereitung und Durchführung sehr aufwendig.
Andererseits können auch SynBA-GA und BEBA in dem Sinne abgewandelt werden, dass beim Beantworten der Fragen ein Experte dabei ist. Den zu befragenden Mitarbeiter wird so auch die Möglichkeit gegeben Rückfragen, z.B. zum Verständnis zu stellen. Hier bietet sich BEBA an, da den Fragen erläuternde Passagen vorausgestellt wurden, die sich m.E. zum Einlesen in das Thema eignen.
Der Kurzfragebogen BiFra und der EasyChecker wurden hier vernachlässigt, auch wenn er einen recht umfangreichen Fragebereich zur Analyse von psychischer Belastung an Bildschirmarbeitsplätzen bietet. Doch fehlen bei den Kurzfragebögen die theoretische
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Erläuterung, die bei den anderen hier diskutierten Fragebögen vorhanden ist. Auch die Ja-Nein-Weiss-nicht Antwortmöglichkeiten sind wenig differenzierend. Im BiFra sind die Antwortqualitäten von der Bedeutung her unterschiedlich. So heißt, z.B. eine Ja Antwort auf die eine Frage etwas Positives, bei der nächsten aber etwas Negatives. Zudem werden die inhaltlichen Bereiche von BiFra von SynBA und BEBA abgedeckt, wie schon in Kapitel 3.4.1. beschrieben.
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4. Durchführung der Analyse von psychischen Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen
4.1. Projektrahmen
Die TUI Deutschland hatte das Institut für Arbeitswissenschaft und Didaktik des Maschinenbaus (IADM) beauftragt, bei ihnen die gesetzlich geforderte Analyse ihrer Bildschirmarbeitsplätze (BAP) durchzuführen.
Die Vorgehensweise des IADM gliedert sich nach dem institutseigenen Phasenmodell. Dies ist in vier Hauptphasen unterteilt:
Phase 1: Als erste Phase kategorisiert die Ist-Analyse bestimmte Arbeitsplatztypen anhand ihrer Arbeitsaufgabe und Kostenstelle.
Die Arbeitsplätze werden nach ersten Begehungen, Gesprächen und Informationen aus der Personalabteilung anhand ihrer spezifischen Merkmale durch das IADM kategorisiert. Schwerpunkt der Untersuchungen bildeten die 1500 Arbeitsplätze der TUI in der Karl-Wiechert-Allee/Hannover. Hier wurden 19 repräsentative Typen identifiziert, davon 6 Typen von Nicht-Bildschirmarbeitsplätzen.
Eine genaue Beschreibung der Vorgehensweise des IADM bei der TUI, sowie der Kategorisierung der Arbeitsplätze durch das IADM findet sich in Requadt 1999. Phase 2: In der Detailanalyse werden die erkannten repräsentativen Typen aus der ersten Phase mit angemessenen Instrument untersucht. Den beiden eher traditionellen Analysebereichen, Arbeitsmittel und Arbeitsumgebung, soll hierbei die Arbeitsorganisation/psychologische Tätigkeitsanalyse als dritter Schwerpunkt hinzugefügt werden.
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Für die Analyse der psychischen Belastung am BAP wurde nach passenden Instrumenten gesucht. Die Verfahren BEBA und SynBA-GA kamen in die engere Auswahl. Es wurde sich für BEBA entschieden. Wie schon in Kapitel 3.5 dieser Arbeit beschrieben bietet BEBA mehrere Vorteile, u.a. eine bessere Anpassungsfähigkeit für die geforderte rechnergestützte Auswertungsform, einen größeren Datenhintergrund und vielfältige Verbesserungsvorschläge.
Zusätzlich stellt BEBA den Fragen spezifische Informationen voran, die dem Leser helfen sollen, die Fragen im Kontext psychischer Belastung besser zu verstehen und einzuordnen. Außerdem lies sich BEBA mit der vom IADM vorgegebenen Form gut vereinbaren, wo ein Teammitglied den Fragebogen zusammen mit dem Mitarbeiter durchgehen soll, soweit dies vom Mitarbeiter gewünscht wird.
Die vom Projekt SANUS für die Detailanalyse empfohlenen Verfahren RHIA/Vera-Büro, TBS oder KABA, wurden verworfen, da die Anwendung bei der TUI mit einem weniger umfangreichen und aufwendigen Verfahren durchgeführt werden sollte. Mit der Detailanalyse sollte auch versucht werden die These zu bestätigen, dass die Orientierung an der Arbeitstätigkeit eine sinnvolle Kategorisierung der Arbeitsplätze zulässt. Phase 3: Weiterer Orientierungspunkt war die notwendige Auswertung und deren Präsentation. Hier wurde ein vom IADM entwickeltes Softwaretool abgewandelt eingesetzt, welches die erhobenen Daten übersichtlich gestalten, sowie entsprechende Kreissektordiagramme (KSD) erstellen soll.
KSDs haben den Vorteil, anhand einer Graphik gleichzeitig zwei Variablen für mehrere normierte Werte in einem Bild durch Radius und Winkelgröße des Sektorelements darstellen zu können. Kritische Bereiche können so schnell identifiziert werden. (s. Abb.)
Zudem wurde in einer rechnergestützten Auswertung eine Vereinfachung durch Bündelung der Ergebnisse, sowie der höheren Flexibilität in der Darstellungsform gesehen.
Phase 4: Die vierte Phase, das Screening aller Bildschirmarbeitsplätze, soll auf den Ergebnissen der zweiten Phase, der Detailanalyse, aufbauen.
Dabei sollen alle Mitarbeiter des Unternehmens einen Kurzfragebogen beantworten, der noch offene Punkte aus der zweiten Phase klärt und identifizierte kritische Bereiche genauer beleuchtet. Daraufhin wird der Gestaltungsbedarf ermittelt und Verbesserungsvorschläge gemacht.
Mehr dazu in Kapitel 5 Konzept zur weiteren Durchführung.
4.2. Begehung
Die Begehung der TUI und Durchführung der zweiten Phase des IADM Modells fand in den Monaten Februar und März 1999 statt. Insgesamt wurden 11 Arbeitsplatztypen auf psychische Belastung am Bildschirmarbeitsplatz untersucht.
Im Vorfeld wurden mit den einzelnen zu untersuchenden Abteilungen Termine für die Begehung abgesprochen. Dazu wurden die notwendigen Materialien vorbereitet, wie z.B. die auszufüllenden Fragebögen in ausreichender Anzahl kopiert. Vor der eigentlichen Begehung wurden auch die geforderten Aufgaben in einer Teamsitzung aufgeteilt.
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Zu Beginn jeder Untersuchung gab es zuerst ein Treffen und Gespräch mit der jeweiligen Abteilungsleitung. Dabei wurden die Arbeitsaufgaben und deren Einordnung innerhalb des Konzerns besprochen. Es wurden bereichsspezifische Informationen mitgeteilt, wie Krankenstand, Fluktuation der Mitarbeiter oder Anzahl der Überstunden. Das IADM-Team wurde daraufhin den Mitarbeitern kurz vorgestellt und fehlende Informationen bezüglich Sinn und Zweck der Begehung geliefert. Nach Zuweisung eines Arbeitsbereiches für das Team wurde die Umgebung der Abteilung, also Laufwege und Anordnung der Büros, aufgezeichnet.
Die Arbeitsplatzinhaber wurden daraufhin gefragt, ob sie bereit wären, den Fragebogen zur psychischen Belastung gemeinsam mit einem Mitarbeiter des IADM-Teams durchzugehen. In einem kleinen Einführungsgespräch ließ sich der IADM Mitarbeiter zuerst die Tätigkeiten durch den Arbeitsplatzinhaber erläutern. Anschließend wurde der Sinn und Zweck der BAP-Analyse erklärt und das Gespräch zum Fragebogen übergeleitet.
Die Fragen wurden entweder vorgelesen und deren Bedeutung erläutert oder selbst zum Lesen und Ausfüllen überlassen, je nach Wunsch des Arbeitsplatzinhabers. Wurden die Fragen vorgelesen, ergab sich daraus oft ein weiteres Gespräch über die Arbeitstätigkeit und deren Umfeld. Damit entstand die Konstellation eines Interviews, die mehr Einblick in die Situation der Arbeitsplatzinhaber ermöglichte. Dies konnte nur schwer mit dem standardisierten Fragebogen dokumentiert werden und musste per Notiz in Stichworten festgehalten werden.
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4.3. Die Auswertung
Abb. 15. : Die drei Schritte der Auswerung
4.3.1. Zusammentragen und Übertragen der Erhebungsdaten
Im Anschluss an die Begehung wurden die Ergebnisse der Befragung zusammengetragen. Überwiegend lagen mehrere Bögen für einen Arbeitsplatztypen vor. Ziel war es, pro untersuchter Abteilung jeweils zwei beantwortete Fragebögen zu erhalten, teilweise wurden auch mehr als zwei Mitarbeiter interviewt. Nur in zwei Fällen war die Abteilung zu klein, um diese Vorgabe zu erreichen.
Zur Festlegung der endgültigen Bewertungen wurde nach Art von BEBA-B vorgegangen, wobei das Expertenteam auf Basis der Mitarbeiterantworten entscheidet. Diese Werte wurden daraufhin in das vom IADM entwickelte Softwaretool übertragen, womit die rechnergestützte Auswertung erfolgen sollte. Die Antworten aus den Fragebögen wurden pro Arbeitsplatztyp ebenfalls in das Softwaretool übertragen.
4.3.2. Gewichtung der Fragen und Oberpunkte
Die Fragen der Untersuchung wurden vor der Begehung vom IADM entwickelt. Sie sind in eine entsprechende Fragenstruktur aufgeteilt.
Neben diesen eher traditionellen Analysebereichen, soll heißen in der Produktion bewährten, hat sich das IADM zum Ziel gesetzt eine dritte Säule einzubinden. Hierbei handelt es sich um den Bereich der Arbeitsorganisation/psychische Belastung. Bei der gestiegenen Anzahl von Computern an Arbeitsplätzen und die damit einhergehende Schwerpunktverlagerung von rein physisch motivierten Beschwerden hin zu eher psychisch begründeten Problemen scheint dieser Schritt vernünftig. Daraus entsteht die Aufgabe, eine Erweiterung der traditionellen arbeitsmedizinischen Fragen zu erreichen, um die Analyse der psychologischen Tätigkeitsmerkmale.
Die dargestellte Struktur unterteilt sich nochmals in Unterpunkte, wonach sich die eigentlichen Fragen anschließen.
Zur Auswertung im institutseigenen Softwaretool mussten die gewonnenen Daten in Relation zueinander gesetzt werden. Die notwendigen Gewichtungen wurden zuerst auf der Frageebene verteilt.
4.3.2.1 Ansatz zur Gewichtung der traditionellen Analysebereiche Bei der Ermittlung der Gewichtung diente die Arbeit von Alps/Ewert 1997 als Orientierung für die Bereiche Arbeitsmittel und Arbeitsumgebung, sowie für die Arbeitszeit und Informationsgestaltung/Qualifikation im Bereich Arbeitsorganisation.
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Alps/Ewert gehen von verschiedenen Belastungsfaktoren aus, deren Beanspruchungsreaktionen sie in 3 Bereiche unterteilen:
Die zentralnervösen, visuellen und muskuloskeletalen Beanspruchungsreaktionen.
Die Gewichtung ihres Fragenkataloges ergibt sich danach, wie viele dieser drei Beanspruchungsreaktionen von dem jeweiligen Fragebereich berührt werden. Im Bemühen, um die Zuordnung von Wertigkeiten für die Beanspruchungsreaktionen stellen Alps/Ewert fest, dass zentralnervöse Beanspruchungsreaktionen insbesondere durch psychische Überforderungen entstehen und letztendlich alle Faktoren zu dieser beitragen können. Dies spiegelt sich nicht in der Gewichtung wieder, da es u.a. nach Schwaninger an einheitlichen Erfassungskriterien bei zentralnervösen Beanspruchungsreaktionen mangelt, die eine Klassifikation ermöglichen würden.
Daraufhin erhalten die visuellen Beanspruchungsreaktionen die größte Bedeutung. Weiterhin arbeiten sie mit drei Kategorien, um ihre Fragen gewichten zu können: „Kategorie I (1 Punkt): Fragen von untergeordneter Wichtigkeit, die z.B. Komfort und Ausstattung betreffen.
Kategorie II (2 Punkte): Fragen von mittlerem Gewicht, die z.B. die Handhabung und Funktionsfähigkeit betreffen.
Kategorie III (3 Punkte): Fragen von hoher Bedeutung, die z.B. das Wohlbefinden oder die Schädigungslosigkeit betreffen und somit ein Beschwerderisiko darstellen können.“ (ebd.) Diese Kategorien nutzen Alps/Ewert, um ihren Fragebogen mit einem Punktesystem auszustatten. Der Fragebogen behandelt ausschließlich die traditionellen Bereiche Arbeitsmittel und Arbeitsumgebung. Der Bereich der psychologischen Tätigkeitsanalyse bleibt dabei außen vor.
Für den Fragebogen des IADM wurden auf Grundlage der Arbeit von Alps/Ewert die Gewichtungen an die einzelnen Fragen des traditionellen Analysebereichs verteilt.
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Für die Übertragung der Ergebnisse in das institutseigene Softwaretool war es notwenig verschiedene zusätzliche Ebenen zu entwickeln, um entsprechende Kreissektordiagramme zu erstellen. Die von Alps/Ewert gewonnenen Werte dienten auch dabei als Orientierung. So wurden für Fragen, die gleiche Bereiche abdecken wie bei Alps/Ewert, die Gewichtung übernommen bzw. dem IADM-Fragebogen angepasst.
Entstand eine Ebene mit neuen Unterpunkten aufgrund der Beschränkungen des Softwaretools, wurden diese gegeneinander nach Alps/Ewert gewichtet, die darunter befindlichen Fragen gleichwertig.
In Abbildung 19 ist zu sehen, dass die Punkte 1.4.1.1.5. DIN 4549 und 1.4.1.1.6. Farbe -Tischplatte eine unterschiedliche Gewichtung auf Grundlage der Arbeit von Alps/Ewert erhalten haben. Die Fragen 1.4.1.1.5.1. bis 1.4.1.1.5.5. hingegen haben die gleiche relative Gewichtung erhalten.
4.3.2.2 Gewichtung des Bereiches psychologische Tätigkeitsanalyse Der Bereich der psychologischen Tätigkeitsanalyse besteht ausschließlich aus BEBA-A -Fragen. Somit kann sich die relative Gewichtung der Fragen dieses Bereiches an internen Auswertungsanweisungen orientieren.
Auch hier galt, wie auch bei der Übertragung der Ergebnisse der traditionellen Bereiche, dass wir die 19 Fragen des BEBA Instruments gruppieren mussten, um über das institutseigene Softwaretool Kreissektordiagramme zu erhalten. Die ausgewählten Unterpunkte gibt uns BEBA erfreulicherweise schon vor.
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Die Gewichtung der Fragen des Bereiches psychologische Tätigkeitsanalyse musste so neu erarbeitet werden, bzw. für die einzelnen Unterpunkte überarbeitet werden. Anhalt ist Schablone zum Arbeitsblatt 1 von BEBA-A.
Abb. 21. : Ausschnitt des Unterpunktes „Arbeitsaufgabe“ aus der BEBA-A-Schablone zum Arbeitsblatt 1
In dieser Schablone markieren graue Flächen den jeweils kritischen Bereich. Zu jeder Frage gibt es fünf Antwortmöglichkeiten, somit fünf Flächen, wovon einige grau gekennzeichnet sind.(s. Abb.: Ausschnitt des Unterpunktes „Arbeitsaufgabe“ aus der BEBA-A-Schablone zum Arbeitsblatt 1)
Die einzelnen Fragen werden anhand der Größe des kritischen Bereiches gegeneinander ins Verhältnis gesetzt und so ergeben sich entsprechende Gewichtungen, die für die Auswertung mit dem Softwaretool notwendig sind. Die Gewichtung der Frage am kritischen Bereich zu orientieren macht Sinn, soweit dieser als Handlungsaufforderung zur Verbesserung der Arbeitsorganisation bzw. Verringerung der psychischen Belastung verstanden wird. Bei dem Verfahren BEBA ist dies der Fall. (s. Beispiel 4.3.2.1.)
Die Unterpunkte Arbeitsaufgabe, Arbeitsorganisation und Techniknutzung erhielten gleiche relative Gewichtungen. Also jeweils 33%, wobei die Arbeitsaufgabe hier 34% erhielt. Dies auch, weil das Softwaretool nur mit ganzen Zahlen arbeiten kann, die auf einer Ebene als Summe 100% ergeben.
Begründbar wäre auch eine Aufwertung der Arbeitsaufgabe, da sie zur Orientierung bzw. als Unterscheidungskriterium für die Typisierung der Arbeitsplätze dient.
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4.3.2.2.1 Beispiel: Ermittlung der relativen Gewichtungen der Fragen im Teilbereich Arbeitsaufgabe
a 1 = 3/5 beträgt die Antwortmöglichkeit für den kritischen Bereich bei Vollständigkeit der Arbeitsaufgabe a 2 = 2/5 bei Möglichkeit zum Treffen von Entscheidungen a 3 = 3/5 bei Widerspruchsfreiheit der Arbeitsanforderungen a 4 = 3/5 bei Nutzung der vorhandenen Qualifikation a 5 = 3/5 bei Wechsel anforderungsverschiedener Aufgaben a 6 = 3/5 bei Körperliche Abwechslung
Diese Antwortmöglichkeiten für den kritischen Bereich a n müssen nun normiert werden, damit folgende Voraussetzung gilt:
Hier ergibt sich f = 5/17
Die einzelnen Möglichkeitswerte müssen nun mit dem Normierungsfaktor multipliziert werden, um die normierten Möglichkeitswerte a nn , also die Gewichtungen für die einzelnen Fragen zu erhalten: a n * f = a nn [ 2 ] => a 1n = 3/17 ~ 18 %
Diese Werte ergeben sich auch einfach aus der Schablone, indem die grauen Flächen der einzelnen Frage durch die Summe der grauen Felder des Teilbereichs „Arbeitsaufgabe“ dividiert werden.
Das Softwaretool hat leider keine Möglichkeit mit gebrochen rationalen Zahlen zu arbeiten, deshalb müssen gerundete Prozentwerte genügen.
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Zur Erwähnen ist noch, dass alle Bereiche aufgerundet wurden, bis auf „Möglichkeit zum Treffen von Entscheidungen“, dieser wurde auf 10 gesetzt. 4.3.2.3 Integration des traditionellen Analysebereiches und der psychologischen Tätigkeitsanalyse
Die Integration des Bereiches psychologische Tätigkeitsanalyse und des traditionellen Analysebereiches lief zuerst innerhalb der Oberpunktes Arbeitsorganisation/psychische Belastung.
Hier sollte die psychologische Tätigkeitsanalyse den gleichen Stellenwert bekommen, wie die Punkte Arbeitszeiten und Informationsgestaltung zusammen. Die psychologische Tätigkeitsanalyse bekam somit ein 50%iges Gewicht, die Bereiche Arbeitszeit und Informationsgestaltung/Qualifikation erhielten jeweils 25%.
Schließlich musste der Oberpunkt Arbeitsorganisation auf der obersten Ebene mit den Untersuchungsbereichen Arbeitsmittel und Arbeitsumgebung ins Verhältnis gesetzt werden. Der Bereich Arbeitsmittel erhielt hier mit 60% die stärkste Gewichtung.
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Dieses Gebiet umfasst die physischen Voraussetzung, die zur ordentlichen Verrichtung der Arbeitsaufgabe notwendig sind, wie die Hard- und Software, die Möbel, also den Arbeitstisch und -stuhl. Dieser Bereich beeinflusst somit direkt die Tätigkeit der Arbeitenden bzw. die zur Verrichtung der Aufgabe notwendigen Elemente.
Die damit verbleibenden 40% mussten nun zwischen den Bereichen Arbeitsumgebung und der Arbeitsorganisation aufgeteilt werden. Hierbei wurde dem Komplex Arbeitsorganisation/psychische Belastung mit 21% Gewichtung eine leicht größere Bedeutung zugeordnet als der Arbeitsumgebung mit 19%.
Die Orientierung an potentiellen Gefährdungen für die Gesundheit der Arbeitenden und möglicher Hinderungen zur Erfüllung der Arbeitsaufgabe entschied das etwas höhere Gewicht für die Arbeitsorganisation.
Es gab auch die Überlegung die Bedeutung der Arbeitsorganisation im mittleren Bereich von Arbeitsumgebung und Arbeitsmitteln anzusiedeln, da psychische Belastungen auch zu chronischen psychosomatischen Krankheiten führen können und somit den Beschäftigten permanent beeinträchtigen.
Dies konnte jedoch nicht genauer qualifiziert werden, da es hier an aussagekräftiger Literatur mangelte und somit verworfen. Beeinflusst war die Entscheidung auch durch die Arbeit von Alps/Ewert, die aufgrund der Aussage von Schwaninger, dass es an einheitlichen Erfassungskriterien bei zentralnervösen Beanspruchungsreaktionen mangelt, die eine Klassifikation ermöglichen würden (s. 4.3.2.1.), die psychische Belastung bzw. zentralnervöse Beanspruchungsreaktion außen vor lassen. So ergab sich der Kriterienbaum, wie in Abbildung 22 dargestellt. (Der komplette Kriterienbaum mit absoluten und relativen Gewichtungen ist in Anhang 1 dokumentiert.)
4.3.3. Erstellung der Ergebnisse im Bereich psychische Belastung
Zu den Fragen aus den traditionellen Bereichen Arbeitsmittel und -umgebung gab es überwiegend eindeutige Antworten, die sich nach erfüllter Norm bzw. nicht erfüllter Norm orientierten. War eine Norm erfüllt, wurde die Frage mit „1“ bewertet, war sie nicht erfüllt, mit „5“. Die Auswertung und Beschreibung der Ergebnisse folgte nach schon erprobten und bewährten Vorgehensweisen.
Erwähnt werden muss an dieser Stelle, dass die Auswertung des Unterpunktes Software im Bereich Arbeitsmittel nach Requadt erfolgte, der auch Mitglied des IADM-Teams war. Im Bereich der psychologischen Tätigkeitsanalyse gab es zu einem Arbeitsplatztypen meist mehrere Antworten, was auch der Zielvorstellung von mindestens zwei beantworteten Fragebögen pro Arbeitsplatztyp entsprach.
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Lagen unterschiedliche Antworten für die gleiche Frage vor, so musste sich für einen Wert entschieden werden. Eng beieinander liegende Werte wurden von uns gemittelt, lagen die Werte weit auseinander oder erschienen diese widersprüchlich wurde per Expertenentscheid ein Wert festgelegt.
Die neun Abteilungen mit den jeweiligen Antworten aus der Begehung sind in der folgenden Tabelle dargestellt. Die Wertungen 1 bis 5 in der Tabelle stammen aus BEBA und basieren auf den folgenden Aussagen: 1: trifft völlig zu 2: trifft überwiegend zu 3: trifft manchmal zu 4: trifft überwiegend nicht zu 5: trifft niemals zu
Abb. 23. : Tabelle: Ergebnis der psychologischen Tätigkeitsanalyse basierend auf BEBA (ohne Gewichtung der Fragen)
Die drei Unterpunkte Arbeitsaufgabe und Techniknutzung sind durch Schattierungen hervorgehoben.
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Wie schon bei den anderen Bereichen Arbeitsmitteln und Arbeitsumgebung wurden auch diese Werte in das institutseigene Softwaretool eingegeben. Anschließend wurden die erwünschten Kreissektordiagramme erstellt. So kann sich recht schnell ein Überblick über die Bewertung bestimmter Punkte verschafft werden.
Als kleines Beispiel soll hier das Kreissektordiagramm der Mittelwerte, gewonnen aus den 9 untersuchten Arbeitplatztypen dienen:
Errechnet wurden diese Mittelwerte (M) über den Quotienten der Summe der Bewertungen (B) und der Anzahl der untersuchten Arbeitsplatztypen (n): M= ∑ B / n [ 3 ]
Zusätzlich mussten die Mittelwerte auf- bzw. abgerundet werden, da das Softwaretool Bewertungen nur in Schritten von 0,5 zulässt.
3.1 Technik-
1,5
angemessenheit
3.2
Beeinflussbarkeit 3
der Hardware
3.3 zeitliche
3
Techniknutzung
3.4 Lern-
2
freundlichkeit
3.5 Gedächtnis-2
belastung
3.6 Informations-2
darstellung
Der Arbeitssystemwert (ASW) errechnet sich aus:
Das Bewertungsschema von 1 bis 5 kann so in Prozentwerte umgewandelt werden, also in wie weit die Anforderungen aus der Fragestellung erfüllt sind.
Der Erfüllungsgrad E wurde innerhalb des Softwaretools berechnet für das Intervall von 0 bis 5 aus:
Die Gewichtung der einzelnen Fragen aus dem Teilbereich „psychologische Tätigkeitsanalyse“ kann über die schon erwähnte „Schablone zum Arbeitsblatt 1“ aus BEBA hergeleitet werden.
Analog zum Beispiel 4.3.2.1. können für alle Fragen des gesamten Bereichs „psychologische Tätigkeitsanalyse“ auch absolute Gewichtungsfaktoren ermittelt werden. Diese ergeben sich aus der Anzahl der grauen Flächen der Fragen im Verhältnis zur Anzahl der grauen Flächen innerhalb des gesamten betrachteten Bereiches.
Daraus ergeben sich folgende Gewichtungen für die Fragen des Bereiches der psychologischen Tätigkeitsanalyse:
Rückmeldungen Kommunikationsinhalte Unterstützung Pausen Störungen Zeitlicher Spielraum 3/53 19/33
Technikangemessenheit Beeinflussbarkeit der Hardware zeitliche Techniknutzung Lernfreundlichkeit Gedächtnisbelastung Informationsdarstellung 3/53 19/33
Abb. 25. : Tabelle: Gewichtungen für den gesamten Bereich der psychologischen Tätigkeitsanalyse nach BEBA
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Das Ergebnis aus den jeweiligen Fragen kann so entsprechend gewichtet und die vergebenen Noten bzw. Erfüllungsgrade gegeneinander nach Wichtigkeit verglichen werden. Zumindest soweit es darum geht den kritischen Bereich zu identifizieren. Die gewonnen Gewichtungen aus der BEBA Schablone konnten so nicht auf einer Ebene in das Softwaretool übertragen werden.
Wie schon erwähnt, führten die Einschränkungen des Programms zu einer notwendigen Unterteilung des gesamten Bereiches der psychologischen Tätigkeitsanalyse in die Unterpunkte Arbeitsaufgabe, Arbeitsorganisation und Techniknutzung. Die für die Unterpunkte errechneten Gewichtungen wurden schließlich auch durch das Softwaretool normiert. Diese Werte finden sich dementsprechend in der rechten Spalte „Gewichtungen im Softwaretool“ der Tabelle in Abbildung 25.
Aufgrund dieser Daten werden danach die Kreissektordiagramme (KSD) für die Auswertung der jeweiligen Arbeitsplatztypen erstellt. Die Gewichtung floss hier über die Größe des Winkels ein. Der Erfüllungsfaktor über den Radius.
Über die KSDs konnten die meisten kritische Bereiche schnell identifiziert werden. Danach sollten Handlungsvorschläge formuliert werden, welche Änderungen im Bereich der Arbeits(platz)organisation vorzunehmen sind, um die Mängel zu beheben. Weiterhin wurde die Auswertung durch einen Interpretationstext ergänzt. Basierend auf den Erfahrungen der Interviews während der Untersuchung wurde versucht die geführten Gespräche und gewonnen Eindrücke während der Begehung zu dokumentieren. Zudem wurde eine hermeneutische Interpretation für den jeweiligen Arbeitsplatztypen in einem knappen Fließtext wiederzugeben.
Angehängt wurden schließlich noch die Tätigkeitsmerkmale der entsprechenden Abteilungen. In Kapitel 4.4 wird dies am Beispiel der Untersuchung des Call-Centers verdeutlicht. Darüber hinaus wurden die verschiedenen Arbeitsplatztypen in Säulendiagrammen einander gegenübergestellt. Hierfür wurden Mittelwerte für den Bereich der psychologischen Belastung errechnet bzw. konnten diese aus dem Softwaretool ausgelesen werden. Die Mittelwerte aus dem Softwaretool sind aufgrund der schon erwähnten Einschränkungen bezüglich der Zahlenwerte recht ungenau, verschaffen aber einen guten Überblick über die Qualität der psychischen Belastung der jeweiligen Arbeitsplatztypen. Aus der Gegenüberstellung kann so auch ein betriebsinterner Trend erkannt und unter- bzw. überdurchschnittlich bewertete Bereiche erkannt werden.
Notwendiger Handlungsbedarf kann so auf betriebsinternen Maßnahmen bestehen, die in anderen Abteilungen erfolgreich waren.
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4.4. Beispielhafte Darstellung
Die beispielhafte Darstellung der Untersuchung der psychischen Belastung soll anhand des Call-Centers dargestellt werden.
[Der gesamte Kriterienkatalog mit den detaillierten Ergebnissen liegt in Anhang 1 bei.] Das Gesamtergebnis basiert aus den Befragungen von 2 Call-Center Mitarbeiterinnen und einem Teamleiter, welches vom IADM-Team in Anlehnung an den Vorschlag von BEBA-B zusammengeführt wurde.
Hier nun die Kreissektordiagramme (KSD), einmal das der Call-Center Mitarbeiterinnen, sowie das des Teamleiters und das Gesamtergebnis für den Bereich der psychologischen Tätigkeitsanalyse.
Die Bewertungen sehen im Kreissektordiagramm (KSD) folgender Maßen aus:
Die Bewertungsskala von 1 bis 6 stellen die umgerechneten jeweiligen Erfüllungsgrad dar, wie in Kapitel 4.3.3. schon beschrieben.
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Auffällig in den KSDs sind die Unterschiede im ersten Bereich, der Arbeitsaufgabe. Dies bestätigt die Unterscheidung zwischen Teamleitung und Mitarbeiterinnen. Dennoch sollte hier von einem Bereich Call-Center gesprochen werden können.
Zahlenmäßig sind im Call-Center mehr Mitarbeiterinnen beschäftigt als Teamleiter. Folglich hat das Ergebnis der Befragung der Call-Center Mitarbeiterinnen ein höheres Gewicht eingenommen.
Bei der Behebung von Schwachstellen kann teilweise das Ergebnis des Teamleiters für die Umsetzung von Gestaltungsmaßnahmen Beispiele liefern, wie z.B. bei den Punkten Vollständigkeit, Anforderungswechsel oder körperliche Abwechslung. Anschließend nun der entsprechende Bericht zur psychologischen Tätigkeitsanalyse mit zusätzlichen Bewertungen, die auch auf den Beobachtungen während der Begehung basieren, die nicht durch den standardisierten Fragebogen festgehalten werden konnten. Auch wenn hier schon zum Teil Verbesserungsvorschläge gemacht werden, liegt der Schwerpunkt des Kurztexts auf der Analyse des Call-Centers:
„Im Call-Center findet sich ein stark arbeitsteiliger Arbeitsprozess, der sich durch eine monotone und weitestgehend vorstrukturierte Tätigkeit auszeichnet. 60 bis 75% der Zeit führen die Mitarbeiter/innen Aufgaben (Telefondienst) aus. Ein Wechsel zwischen anforderungsverschiedenen Aufgaben, sowie eine körperliche Abwechslung kommen kaum vor, da fast 100% der Arbeitszeit am Computer verbracht wird.
Das Arbeitstempo ist für die Tätigkeit im Call-Center größtenteils fremdbestimmt, d.h. von außen durch die Häufigkeit und Dauer der Anrufe bzw. Telefonate vorgegeben. Ein variabler bzw. selbstgewählter Zeitanteil der Arbeit mit der Technik ist so nicht gegeben. Die Entgegennahme der Anrufe erfordert ein permanentes Einstellen auf die Bedürfnisse und Probleme der Anrufer/innen mit der für den Servicebereich geforderten ständigen Freundlichkeit.
Die Einschätzungen zeigen deutlich eine nicht ganzheitlich ausgelegte Arbeitsaufgabe. Zusätzliche Befragung wurden zur Tätigkeit eines Teamleiters durchgeführt, der neben des normalen Telefondienstes noch organisatorische und projektorientierte Aufgaben zu erfüllen hatte. Dabei ergaben sich gerade bei den Schwerpunkten der psychisch belastenden Faktoren (Merkmale: Vollständigkeit der Arbeitsaufgabe, Wechsel zwischen unterschiedlichen Arbeitsanforderungen, zeitlicher Spielraum bei der Erledigung von Arbeitsaufgaben) deutlich positivere Aussagen.
Insgesamt stellt sich ein für Call-Center typisches Bild einer hochbelastenden Tätigkeit dar. Dieser Zustand ist der Call-Center-Leitung durchaus bewußt und es werden umfangreiche qualifizierende Schulungen, aber auch motivationsfördernde
49
Gemeinschaftsveranstaltungen angeboten. Bei allen befragten Beschäftigten wurde immer wieder eine gute Ausbildung bestätigt. Auffrischungsseminare und Weiterbildungen werden ausreichend angeboten und auch genutzt. Der Ausdruck „Team“ wird von den Befragten akzeptiert, da die Unterstützung, z.B. bei Auftreten eines Problems, durch das Team auch gegeben ist. Häufig werden gemeinschaftliche Aktivitäten, wie Spiele- und Wochenendfreizeiten angeboten. Die Angaben zu den Merkmalen Unterstützung, Feedback und arbeitsbedingte Kommunikation deuten darauf hin, daß diese Maßnahmen in der Tat das Gemeinschafts- und Identifikationsgefühl verbessern.
Im Hinblick auf die Verbesserung des Telefonservices kritisierten die Mitarbeiter ihre ungenauen Zielgebietskenntnisse, Dienstreisen in die Zielgebiete würden Motivation und Qualität verbessern.
Tätigkeitsmerkmale:
Vor-/Nacharbeit der eigenen Aufgabe Zeitanteil = 5 - 10 %
Ausführende Tätigkeiten Zeitanteil = 60 - 75 %
Kontrollierende Tätigkeiten Zeitanteil = 5 - 20 %
Organisatorische Tätigkeiten Zeitanteil = 10 - 15 %“
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4.5. Vergleichende Darstellung
Die Analyse der psychischen Belastung am BAP bei der TUI wurde in 11 Abteilungen durchgeführt. Zwei Bereiche entfielen bei der weiteren Auswertung, da nur eine Person befragt wurde und so eine Anonymisierung der Daten nicht gut möglich ist. Die aus dem Softwaretool abgelesenen Ergebnisse für den Arbeitssystemwert geben einen Überblick über die Qualität der psychischen Belastungen in den untersuchten Arbeitsbereichen.
Hierüber kann grob eine Rangfolge der Qualität der Arbeitsorganisation begründet werden je nach Höhe des Arbeitssystemwert. Mitentscheidend für das Ergebnis ist natürlich auch die aus den Beobachtungen während der Begehung gewonnenen Erkenntnisse.
Das Call-Center schneidet hier am schlechtesten ab und ist so eine psychisch hochbelastende Tätigkeit. Wie in Kapitel 4.4. Beispielhafte Darstellung gezeigt, wird dies nicht nur über reine Zahlenwerte begründet.
51
Vorbildlich erscheint nach der oberen Grafik der „Operativer Verkauf“ sowie die „Verkehrszentrale“ mit einem Arbeitssystemwert um 80%.
Die entsprechenden Kreissektordiagramme weisen in der Tat große Unterschiede zum schon dargestellten Call-Center auf.
Die Tätigkeiten im Operativen Verkauf und auch in der Verkehrszentrale können flexibeler durchgeführt werden, da auch der eigene Entscheidungsspielraum größer ist, als im Call-Center.
In den Bereichen „Wechsel der Anforderungen“ und „Körperliche Abwechslung“ wird deutlich, daß die Arbeitstätigkeit im Operativen Verkauf/Verkehrszentrale vielfältiger ist als im Call-Center.
Generell kann gesehen werden, daß sich die grossen Unterschiede im ersten Bereich, dem der Arbeitstätigkeit befinden, siehe Abbildung 23 „Tabelle: Ergebnis der psychologischen Tätigkeitsanalyse basierend auf BEBA (ohne Gewichtung der Fragen)“. Zur Verdeutlichung noch mal die Säulendiagramme für den einzelnen Bereiche Arbeitstätigkeit, Arbeitsorganisation und Techniknutzung:
Was bei der Gegenüberstellung dieser drei Bereiche der psychologischen Tätigkeitsanalyse auffällt sind zum Einen die ungleichmäßige Verteilung der Ergebnisse bzw. hier der Säulen im ersten Bereich, dem der Arbeitstätigkeit. Hingegen erschient die Verteilung der Säulen in den anderen beiden Bereichen relativ homogen.
Von der Interpretation der Zahlenwerte, kann also davon ausgegangen werden, dass es eine ähnliche den Aufgaben angemessene technische Ausstattung im untersuchten Konzern gibt, sowie einen betriebsspezifischen Habitus im Bereich der Arbeitsorganisation. Dies kann auch durch die Beobachtung während der Begehung bestätigt werden. So waren die Büros ähnlich großzügig mit technischen Mitteln zur Bewältigung der Arbeitsaufgaben ausgestattet; es gab eine abteilungsübergreifende geregelte Bildschirmpause und einen internen Katalog mit zahlreichen Angeboten für Weiterbildung und Ausgleichssport. Zudem herrschte überwiegend ein gutes kommunikatives Klima.
Was die verschiedenen Arbeitsplatztypen voneinander unterscheidet ist die Arbeitstätigkeit. Darüber können die Arbeitsplatztypen differenziert werden, was schließlich auch der Ansatz war.
Die Arbeitsplatztypen wurden anhand der Arbeitstätigkeit und Kostenstelle identifiziert. Somit war die Orientierung an der Arbeitsaufgabe zur Typisierung der Arbeitsplatztypen richtig.
55
4.6. Erfahrungen / Kritik
Grundsätzlich stellt sich die Frage nach der Methodik des IADM-Phasenmodells. Scheinbar findet sich hier eine Umkehrung standardisierter Vorgehensweisen, wonach zuerst eine möglichst große Gruppe von Mitarbeitern befragt werden und später einige wenige Arbeitsplatzinhaber.
Als Erstes eine kleine repräsentative Gruppe der identifizierten Arbeitsplatztypen zu befragen lässt schon eine gute Einschätzung der Situation im untersuchten Unternehmen zu. Werden diese Ergebnisse mit Eindrücken aus der Begehung unterlegt, wie in Kapitel 4.4 „Beispielhafte Darstellung“ geschehen, so ergibt sich sogar ein recht guter Einblick in die einzelnen Abteilungen.
Wichtig war hierbei sich nicht nur auf die quantitativen Ergebnisse zu beschränken, sondern sich immer wieder die persönlichen Eindrücke der Begehung ins Gedächtnis zu rufen, um sie schließlich entsprechend festzuhalten.
Die Aussagekraft der Zahlendaten, die aus den Fragebögen gewonnen wurden, gilt es zu relativieren. Die gezeigte Auswertung und deren Ergebnis sind als grobe Orientierung nützlich, sollten aber nicht als „die alles entscheidende“ Bewertung missverstanden werden. Dies wird im folgenden Unterkapitel 4.6.1 zu den verschiedenen Gewichtungen noch mal verdeutlicht.
Zumindest kann festgestellt werden, dass der Ansatz sinnvoll ist sich bei der Unterteilung der Arbeitsplatztypen an der Arbeitstätigkeit zu orientieren, dies zeigt Kapitel 4.5 „Vergleichende Darstellung“.
56
4.6.1. Gewichtungen
Zur Auswertung der erhobenen Daten gab es vier Ansätze, den Arbeitssystemwert bzw. Gewichtungen zu errechnen
Diese vier Arten, die angewandt wurden und in der folgenden Grafik anhand des Arbeitssystemwertes (ASW) gegenüber gestellt werden machen deutlich wie gering die Schwankungen sind und das die Zahlenwerte nicht alleine stehen können, sondern zusätzlich durch einen theoretischen und praktischen Erfahrungshintergrund begleitet werden sollten.
A g e n t u r b u c h h a l t u n g
Die erste hier dargestellte Möglichkeit errechnet den Arbeitssystemwert über den Paarweisen Vergleich der Gewichtungsfaktoren. Dabei werden die einzelnen Kriterien bzw. Fragen gegeneinander verglichen. In Abbildung 36 als „ASW aus dem Paarweisen Vergleich“ dargestellt.
Die zweite Möglichkeit zur Ermittlung der Gewichtungsfaktoren ist bereits in Kapitel 4.3.3. erwähnt. Dort wurden alle Kriterien nicht paarweise verglichen, sondern insgesamt Gewichtungen verteilt, anhand der vorhandenen Auswertungsschablone aus BEBA. In der Abbildung als „ASW aus der Gegenüberstellung aller Fragen“ dargestellt. Weiterhin hatten wir zusätzliche Gewichtungsfaktoren erhalten, die sich aufgrund der Einschränkungen des Softwaretools ergeben haben. Der gültige ASW, der für die Auswertung
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der Ergebnisse genutzt wurde, ist in der Abbildung als „Abgelesener ASW aus dem Softwaretool“ dargestellt.
Die Berechnung dieser Arbeitssystemwerte wurden später versucht noch mal nachzurechnen. Dabei ergab sich der „Erwarteter ASW aus dem Softwaretool“, also der auf mathematischer Grundlage des Softwaretools errechnete ASW.
Wie leicht in der Abbildung zu erkennen, sind die jeweiligen Abweichungen der ASWs zueinander relativ gering. Die Verwendung eines Anderen dieser vier erwähnten Ansätze zur Ermittlung der Gewichtungsfaktoren hätte für die generelle Aussage keine großen Änderungen zur Folge.
4.6.2. Kritischer Bereich
Eine weitere Idee während der Auswertung der Daten war eine abhängige Verknüpfung zwischen der Bewertung und der Gewichtungen herzustellen. So sollten rechnergestützt schnell Antworten, die im kritischen Bereich liegen identifiziert werden können. Diese Idee wurde nicht weiter konkretisiert, doch ergab sich daraus eine weitere Überlegung zur Vereinfachung der Auswertung
Vorgegeben war der kritische Bereich ja schon über die Schablone zum Arbeitsblatt 1 von
BEBA-A. Diese musste nun noch dem KSD angepasst werden, da die farbliche Unterscheidung der KSDs unabhängig ist. Das institutseigene Softwaretool orientiert sich einfach an den Noten von 1 bis 5 und verteilt demnach auch entsprechende Farben, siehe Abbildung Bewertung und Farben.
Die rote Farbe des Bereiches 5 soll wohl auf einen kritischen Bereich hinweisen. Dieser ist in unserer Anwendung nicht so homogen verteilt, sondern Abb. 37. : Bewertungen und Farben
von dem jeweiligen Kriterium bzw. Frage abhängig.
Daraufhin war es sinnvoll, die Daten aus der Schablone zum Arbeitsblatt 1 von BEBA-A in ein KSD umzusetzen, um so eine KSD-Schablone für den kritischen Bereich unserer Anwendung zu erhalten. Diese Schablone kann nun zur Bestimmung der kritischen Bereiche bei der Auswertung der einzelnen Arbeitsplatztypen genutzt werden. Fehlen tut nur die Rückmeldung aus dem Unternehmen selbst. Interessant wäre eine Rückmeldung aus den untersuchten Abteilungen zu bekommen in wie weit die Angestellten die getroffenen Einschätzungen unterstützen könnten, auch wenn dort die notwendige objektivierende Distanz, sowie der arbeitswissenschaftlich- theoretische Hintergrund fehlt.
58
Auf jeden Fall bieten die Ergebnisse aus der Detailanalyse schon gute Anhaltspunkte für eine Projektgruppe die Verbesserungen, sprich belastungsreduzierende Maßnahmen, im Unternehmen diskutieren, vorschlagen und umsetzen will.
5. Konzept zur weiteren Durchführung
Die vierte und letzte Phase der IADM Pyramide der Bildschirmarbeitsplatzanalyse beschäftigt sich mit dem Screening aller Bildschirmarbeitsplätze. Sie baut auf den Erfahrungen der schon durchgeführten zweiten und dritten Phasen auf.
Hierbei sollen Kurzfragen an möglichst alle Beschäftigten gestellt werden, soweit dies sinnvoll erscheint.
Der Umfang des Fragenpaketes wird reduziert und als interaktive Onlineversion zur Verfügung gestellt. Dabei gibt es keinen Experten, der beim Beantworten der Fragen vor Ort ist und bei Verständnisschwierigkeiten und anderweitigen Fragen eine Hilfestellung gibt. Die Beschäftigten sind auf sich selbst gestellt.
Auch die Möglichkeit zum Sammeln von spezifischen Eindrücken aus den einzelnen Abteilungen, wie sie während der Begehung der Detailanalyse gesammelt wurden, besteht so nicht.
Für den Bereich der psychischen Belastung wird es eine reduzierte Anzahl von 6 Fragen geben. Diese Fragen haben den Anspruch, leicht verständlich zu sein. Der Sinn der Fragen sollte beim ersten Lesen verstanden worden sein, um so möglichst wenig Schwierigkeiten zu verursachen.
Die Fragen aus BEBA können in dem Kurzfragebogen so nicht wieder vorkommen. Zum einen ist die Anzahl zu groß, zum Anderen sind die Erläuterungen zu den Fragen zu umfangreich für eine Kurzfragebogen. Einige Fragen sind auch nicht schnell und einfach zu verstehen, müssen also erklärt werden. Dies war zumindest die Erfahrung während der Befragung der TUI Mitarbeiter. Wichtig ist also:
a) Die Fragen umzuformulieren und
b) deren Anzahl zu reduzieren
60
5.1. Detailanalyse
Aus der Begehung und Durchführung der Bildschirmarbeitsplatzanalyse kann eine Kritik und Verbesserung des BEBA-Fragebogens abgeleitet werden. Dies soll hier zu jeder einzelnen Frage und deren Erläuterungen stattfinden.
Zu Erwähnen ist noch, daß zu Beginn des Fragebogens nach Tätigkeitsmerkmalen gefragt wurde, sowie am Ende die Arbeitsplatzinhaber noch Beschwerden im BEBA Arbeitsblatt 2 angeben konnten. Diese beiden Elemente werden hier nicht weiter erwähnt, da sie bei der Überarbeitung der Fragen nicht relevant sind.
Das soll nicht heißen, daß diese beiden Bereiche keine wichtige Rolle im Bezug auf die Analyse der psychischen Belastung spielen. So können beide Elemente auf grobe Tendenzen zu kritischen Bereichen psychischer Belastung hinweisen.
Hier nun der komplette Fragebogen von BEBA-A mit Verbesserungen, die den Fragebogen lesbarer und schneller verständlich machen sollen.
Die Beschreibungen sind schon gut gelungen, nur führt die Länge der Sätze zu einem mehrmaligen lesen des Textes. Somit sollten die Sätze kürzer sein, um so das Verständnis zu erhöhen. Dies wird hier nun in den hauptsächlich redaktionell überarbeiteten Beschreibungen versucht.
Kritik zu den BEBA-Fragen konzentrierte sich während der Durchführung der Detailanalyse im wesentlichen auf die Frage zur Widerspruchsfreiheit der Arbeitsanforderungen, Frage Nummer 3 im Bereich der Merkmale der Arbeitsaufgabe. Diese wurde meist schwer verstanden.
Zudem soll hier erwähnt werden, daß es vom Führungspersonal Kritik an der Formulierung „Abzulehnen ist“ gab, die hier aber nicht weiter bearbeitet werden soll, da eine Gegendarstellung von Situationen zum Verständnis durchaus hilfreich sein kann.
61
5.1.1.1 Merkmale der Arbeitsaufgabe:
Vollständigkeit der Arbeitsaufgabe:
Alt:
Einschätzung
Meine Arbeit führe ich nicht nur aus, sondern plane, koordiniere und überprüfe ich auch selbst.
Neu:
Einschätzung
Bei meiner Arbeit führe ich nicht nur Aufgaben aus, sondern ich plane, koordiniere und überprüfe sie auch.
62
Möglichkeit zum Treffen von Entscheidungen
Alt:
Einschätzung
Bei meiner Arbeit sind für das Ergebnis ausschlaggebende Entscheidungen erforderlich (z.B. bezüglich der Vorgehensweise, der Abfolge von Verrichtungen, der einzusetzenden Arbeitsmittel), wobei ich abwägen und kalkulieren muß, weil die Folgen schwer erkennbar sind.
Neu:
Einschätzung
Bei meiner Arbeit sind für das Ergebnis wichtige Entscheidungen erforderlich, z.B. bezüglich der Vorgehensweise, der Abfolge von Aufgaben und der einzusetzenden Arbeitsmittel. Ich muß dabei abwägen und abschätzen, weil die Folgen schwer erkennbar sind.
63
Widerspruchsfreiheit der Arbeitsanforderungen
Alt:
Einschätzung:
Bei meiner Arbeit können keine widersprüchlichen Anforderungen zwischen Qualitäts- und Quantitätserfordernissen auftreten.
Neu:
Einschätzung:
Bei meiner Arbeit können keine Konflikte bei Ansprüche an Qualität und Quantität auftreten. Anforderungen an Qualität, Menge und Termin lassen sch gut vereinbaren.
64
Nutzung der vorhandenen Qualifikation
Alt:
Einschätzung
Bei meiner Arbeit wird die berufliche Vorbildung genutzt, Verlernen von Qualifikationen durch Nichtnutzung ist unwahrscheinlich.
Neu:
Einschätzung
Bei meiner Arbeit wird meine Vorbildung genutzt und es ergeben sich stets neue Herausforderungen. Ein Verlernen von Qualifikationen durch Nichtnutzung ist unwahrscheinlich.
65
Wechsel anforderungsverschiedener Aufgaben
Alt:
Einschätzung:
Bei meiner Arbeit wechseln die Aufgaben, die ganz verschiedene Anforderungen stellen, mehrmals in der Woche.
Neu:
Einschätzung:
Bei meiner Arbeit wechseln sich Aufgaben mehrmals in der Woche ab, die ganz verschiedene Anforderungen an mich stellen.
66
Körperliche Abwechslung
Alt:
Einschätzung
Meine Arbeit ist mit einem mehrfachen Wechsel zwischen Stehen, Gehen und/oder Sitzen sowie mit einem mehrfachen Wechsel zwischen unterschiedlichen Bewegungsformen der Arme und Beine verbunden.
Neu:
Einschätzung
Bei meiner Arbeit wechseln sich unterschiedliche Bewegungsformen der Arme und Beine mehrmals ab. Dabei kommt es zu einem mehrfachen Wechsel zwischen Stehen, Gehen und/oder Sitzen.
67
5.1.1.2 Merkmale der Arbeitsorganisation
Erforderlichkeit von Informationen über die Arbeitsorganisation
Alt:
Einschätzung
Zum Erfüllen meiner Aufgaben benötige ich nicht nur Informationen über die Organisation am eigenen Arbeitsplatz, sondern auch über die Organisation in der Abteilung bzw. im Arbeitsbereich.
Neu:
Einschätzung
Bei meiner Arbeit benötige ich nicht nur Informationen über die Organisation am eigenen Arbeitsplatz, sondern auch über die Organisation in der Abteilung bzw. im Arbeitsbereich.
68
Erhalt von Rückmeldungen über die Arbeitsergebnisse
Alt:
Einschätzung
Rückmeldungen über die Güte meiner Arbeit erhalte ich sofort, und ich bekomme dabei gegebenenfalls Informationen über Art und Häufigkeit bestimmter Fehler.
Neu:
Einschätzung
Bei meiner Arbeit erhalte ich sofort Rückmeldungen über die Güte meiner Arbeit. Gegebenenfalls bekomme ich dabei Informationen über Art und Häufigkeit bestimmter Fehler.
69
Arbeitsbedingte Kommunikation
Alt:
Einschätzung
Meine Arbeit erfordert nicht nur die Weitergabe und den Empfang von Informationen oder Anweisungen, sondern es ist auch die Abstimmung zu organisatorischen Sachverhalten, zu Arbeitsinhalten und Problemlösungen erforderlich, wobei durchaus unterschiedliche Standpunkte zu verbinden sind.
Neu:
Einschätzung
Bei meiner Arbeit muss ich nicht nur Informationen weiterleiten. Ich muss mich auch zu organisatorischen Sachverhalten, Arbeitsinhalten und Problemlösungen mit meinen Kollegen abstimmen. Dabei sind durchaus unterschiedliche Standpunkte zu verbinden.
70
Unterstützung
Alt:
Einschätzung
Bei meiner Arbeit habe ich jederzeit die Möglichkeit, bei Bedarf von Kollegen und Vorgesetzten Hilfe und Unterstützung zur Aufgabenlösung einzuholen.
Neu:
Einschätzung
Bei meiner Arbeit habe ich jederzeit die Möglichkeit von Kollegen und Vorgesetzten Hilfe und Unterstützung zur Aufgabenlösung einzuholen.
71
Möglichkeit für Kurzpausen
Alt:
Einschätzung
lm Verlaufe meines Arbeitstages mache ich - neben den festgelegten Pausen zur Essensaufnahme - mindestens noch zwei Kurzpausen zu selbstgewählten Zeitpunkten.
Neu:
Einschätzung
Bei meiner Arbeit mache ich im Verlauf meines Arbeitstages mindestens noch zwei Kurzpausen zu selbstgewählten Zeitpunkten, neben den festgelegten Pausen zur Essensaufnahme.
72
Störungsfreiheit der Arbeitstätigkeit
Alt:
Einschätzung
Störungen, die eine Unterbrechung oder einen Tätigkeitswechsel erzwingen (z.B. beim Fehlen notwendiger Informationen, bei Geräteausfall oder bei geforderter Erledigung eines vordringlichen Auftrages), kommen bei meiner Arbeit nicht vor.
Neu:
Einschätzung
Bei meiner Arbeit werde ich nicht zu einer Unterbrechung oder einem Tätigkeitswechsel gezwungen. Störungen durch Geräteausfall, Fehlen von notwendigen Informationen oder geforderte Erledigung eines dringenden Auftrages kommen nicht vor.
73
Zeitlicher Spielraum bei der Aufgabenausführung
Alt:
Einschätzung
Bei meiner Arbeit habe ich aufgrund der zeitlichen Festlegungen die Möglichkeit, länger als über die Spanne eines ganzen Arbeitstages zu bestimmen, wann und in welcher Reihenfolge ich handeln muß.
Neu:
Einschätzung
Bei meiner Arbeit habe ich die Möglichkeit zu bestimmen, wann und in welcher Reihenfolge ich meine Arbeit erledige. Dabei ist die Zeitspanne länger als ein Arbeitstag.
74
5.1.1.3 Merkmale der Techniknutzung
Aufgabenangemessenheit der Technik
Alt:
Einschätzung
Die Benutzung der Technik unterstützt meine Arbeit und entlastet mich bei der Aufgabenerfüllung.
Neu:
Einschätzung
Bei meiner Arbeit werde ich durch die Benutzung der Technik unterstützt und entlastet.
75
Beeinflußbarkeit der Techniknutzung
Alt:
Einschätzung:
Die Arbeit mit der Technik kann ich jederzeit beeinflussen und an spezielle Erfordernisse der Aufgabenbearbeitung anpassen.
Neu:
Einschätzung:
Bei meiner Arbeit kann ich die Technik jederzeit beeinflussen und an spezielle Erfordernisse anpassen.
76
Variabler Zeitanteil der Arbeit mit der Technik
Alt:
Einschätzung
Der Zeitanteil der Arbeit mit der Technik ist täglich unterschiedlich in Abhängigkeit von Arbeitsanfall und Arbeitsart; ich nutze die Technik zu selbstgewählten Zeitpunkten und nur stundenweise.
Neu:
Einschätzung
Bei meiner Arbeit kann ich den Zeitanteil der Arbeit mit der Technik selbst bestimmen und ich nutze sie nur stundenweise.
77
Lernfreundlichkeit
Alt:
Einschätzung:
Mit allen Technikfunktionen kann ich mich ohne weiteres rasch vertraut machen, wenn nötig kann ich die Funktionen auch sorglos ausprobieren.
Neu:
Einschätzung:
Bei meiner Arbeit kann ich mich ohne weiteres rasch mit allen Technikfunktionen vertraut machen. Falls nötig kann ich die Funktionen auch sorglos ausprobieren.
78
Geringe Gedächtnisbelastung bei der Techniknutzung
Alt:
Einschätzung:
Die Techniknutzung belastet mein Gedächtnis nicht, alle notwendigen Informationen kann ich wunschgemäß abrufen, Zwischenergebnisse bei der Aufgabenbearbeitung muss ich nicht im Kopf behalten.
Neu:
Einschätzung:
Bei meiner Arbeit kann ich wunschgemäß alle notwendigen Informationen abrufen. Die Techniknutzung belastet mein Gedächtnis nicht. Zwischenergebnisse bei der Aufgabenbearbeitung muß ich nicht im Kopf behalten.
79
Angemessene Informationsdarstellung
Alt:
Einschätzung:
Die Informationsdarstellung ist so aufgebaut und gegliedert, daß ich meine Aufgaben ohne jeden Umstand bearbeiten kann, weil ich jederzeit die Informationen erhalte, die ich brauche - nicht mehr und nicht weniger.
Neu:
Einschätzung:
Bei meiner Arbeit ist die Informationsdarstellung so aufgebaut und gegliedert, dass ich meine Aufgaben ohne jeden Umstand bearbeiten kann. Jederzeit erhalte ich die Informationen, die ich brauche - nicht mehr und nicht weniger.
80
5.2. Screening aller BAP
Nachdem in Kapitel 5.1 der BEBA-A Fragebogen überarbeitet wurde, folgt hier nun der Kurzfragebogen für die vierte und letzte Phase der IADM Pyramide, das Screening aller Arbeitsplätze.
Der theoretische Hintergrund für den Kurzfragebogen basiert auf den beiden in Kapitel 3 vorgestellten Instrumenten SynBA und BEBA. Da es sich hier um die Erstellung eines Kurzfragebogen handelt, wurde sich im Falle von SynBA an deren Kurzfragenversion orientiert, an SynBA-KF.
Die Fragenbereiche werden verändert. So fällt der Bereich der Techniknutzung weg. Dieser wird über Fragen der Arbeitsumgebung abgedeckt.
Neben den nun übrigbleibenden Bereichen Arbeitsaufgabe und -organisation ist der Übersichtlichkeit halber noch der Bereich Anforderungen sinnvoll.
5.2.1. Reduzierung der Anzahl der Fragen Als Orientierung zur Erstellung des
Kurzfragebogens dienen die Themenbereiche der Instrumente SynBA-KF und BEBA. KF steht für Kurzform der synthetischen Beanspruchungsanalyse. Diese sollen nochmals betrachtet werden.
So geht SynBA von einer positiv - negativ Skala aus (s.Abb.). Anhand dieser Skala können Schwerpunkte der Arbeitsgestaltungsmerkmale entdeckt werden.
Diese Bereiche finden sich demnach auch in denen des Kurfragebogens wieder. In BEBA-A kann auch anhand der Auswertungsschablone die Gewichtung bzw. Wichtigkeit der Fragenbereiche festgestellt werden.
An der Anzahl der Felder für den kritischen Bereich können sie leicht abgelesen werden, wobei die Techniknutzung vernachlässigt wird:
81
Die vom SynBA Team ausgewählten Merkmale können jetzt den Bereichen von BEBA gegenüber gestellt werden. SynBA-KF enthält acht Fragen zu fünf Bereichen. BEBA neunzehn Fragen, inklusive der sechs Fragen zur Merkmalen der Techniknutzung.
82
Konzentrieren wir uns auf den SynBA Kurzfragebogen ergeben sich 5 Bereiche die relevant wären. Die Fragen aus BEBA werden dementsprechend angepasst. Immerhin hat das SynBA Team schon eine erhebliche Reduzierung von der Gesamtanalyse zur Kurzform der synthetischen Beanspruchungsanalyse vorgenommen.
Der Bereich „störende Umweltbedingungen“ hat bei BEBA kein großes Gewicht und ist vernachlässigt worden.
Aus dieser Gegenüberstellung und dem überarbeiteten Fragebogen aus der Detailanalyse entwickelt sich schließlich der Kurzfragebogen. Dieser enthält im Grunde Fragenbereiche zum Konzept der vollständigen Tätigkeit, wie sie im Tätigkeitsbewertungssystem vorgestellt. Dabei zwei Fragen zur sequenziellen und zwei zur hierarchischen Vollständigkeit. Die restlichen zwei Fragen beziehen sich auf das relevante Umfeld. Der Bogen ist so aufgebaut, daß er für einen webbasierten Onlinefragebogen passend ist. Hier nun der erste Schritt wobei leichte Reduzierungen bei der Anzahl der Fragen aus BEBA vorgenommen werden. Danach folgt das Endergebnis.
Bereich Arbeitsaufgabe
Handlungsspielraum
Einschätzung
I) inhaltlicher Spielraum
„Bei meiner Arbeit plane, organisiere und kontrolliere ich selbst!“
II) zeitlicher Spielraum
„Bei meiner Arbeit bin ich nicht von anderen Ergebnissen abhängig und kann Tempo und Reihenfolge selbst bestimmen!“
85
Anforderungen (Hierarchische Vollständigkeit)
Einschätzung
III) Anforderungsniveau (kognitiv)
„Meine Arbeit ist abwechslungsreich und stellt an mich unterschiedliche Anforderungen von einfachen Routinetätigkeiten bis zu anspruchsvollen Aufgaben!“
IV) Anforderungsart (physisch)
„Bei meiner Arbeit wechseln sich körperliche und geistige Anforderungen ab!“
86
Organisation
V) Transparenz
„Meine Arbeitsaufgaben sind klar beschrieben und ich kann sie in den Gesamtprozess meines Unternehmens einordnen!“
VI) Kommunikation
„Bei meiner Arbeit kooperiere und kommuniziere ich mit Kollegen und Vorgesetzten, von denen ich auch Kritik und Anerkennung erhalte!“
87
5.2.2. Diskussion
Die Auswertung ist hier nicht weiter ausgearbeitet.
Vorschlag wäre eine Bewertungsskala von 1 bis 4 jeweils anzubieten. Also nach dem Vorbild von BEBA:
Eine gerade Anzahl von Antwortmöglichkeiten wäre zu bevorzugen damit nicht Unentschlossenheit das Ergebnis beeinflusst.
Weiterhin wäre es wichtig über eine Verknüpfung der gegebenen Antworten nachzudenken, um so genauere Aussagen über die Arbeitsmerkmale mit dieser geringen Anzahl von Fragen machen zu können.
88
6. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit versucht einen Kurzfragebogen für das Screening von Arbeitsplatzinhabern zu entwickeln zur Untersuchung von psychischen Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen. Dabei wurde auf den praktischen Erfahrungshintergrund einer Untersuchung der TUI in Hannover sowie theoretische Konzepte der Analyse psychischer Belastung am Bildschirmarbeitsplatz zurückgegriffen.
Das Thema bekommt durch die Umsetzung der EU Bildschirmrichtlinie 90/270/EWG in bundesdeutsches Recht seit 1996 eine neue Relevanz. Damit sind Unternehmen verpflichtet ihre Bildschirmarbeitsplätze untersuchen zu lassen und vorbeugende Arbeitschutzmaßnahmen zu ergreifen.
Nach einer Einleitung in das Thema der Arbeit wird der theoretische Hintergrund für psychische Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen in Kapitel 2 beschrieben. Die Handlungsregulationstheorie (HRT) sowie das Tätigkeitsbewertungssystem (TBS) werden erläutert. Besonderheiten von Belastungen am Bildschirmarbeitsplatz werden betont und schließlich die gesetzlichen Anforderungen beschrieben. Das zweite Kapitel widmet sich gängigen Instrumenten zur Analyse von psychischen Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen. Dort werden die Verfahren BEBA, SynBA-GA und RHIA/VERA detailliert vorgestellt. Die Kurzverfahren BiFra, LASI und EasyChecker werden entsprechend kurz beleuchtet. Ein Vergleich der Verfahren findet sich am Ende dieses Kapitels. Dabei wurde das Instrument BEBA als passendes Verfahren für zukünftige Untersuchungen ausgewählt.
Die praktische Anwendung des ausgewählten Fragebogens zur Untersuchung psychischer Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen wird in Kapitel 4 beschrieben. Dazu wird das IADM vier Phasenmodell als Projektrahmen vorgestellt. Dieses gilt als zentraler Leitfaden für die Vorgehensweise bei der Untersuchung psychischer Belastungen am Bildschirmarbeitsplatz. Bei den vier Phasen handelt es sich um erstens die Ist-Analyse und Typenbestimmung, zweitens die Detailanalyse, drittens die Informationserstellung und -auswertung sowie viertens das Screening aller BAP, Ermittlung des Gestaltungsbedarfs und Verbesserungsvorschläge.
Den größten Teil in diesem Kapitel nimmt die Auswertung der durch die Untersuchung gewonnen Daten ein. Dafür musste zuerst der Bereich der psychischen Belastung in die traditionelle Fragenstruktur integriert werden, also der Stellenwert der psychologischen Tätigkeitsanalyse gegenüber der Arbeitsumgebung und Arbeitsmitteln quantifiziert werden.
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Zusätzlich werden in Kapitel 4 unterschiedliche Ansätze zur Berechnung von Arbeitssystemwerten durchgespielt. Die gezeigten Unterschiede sind derart gering, dass kein Ansatz empfohlen wird. Jede dargestellte Herangehensweise kann über die kritischen Bereiche der psychischen Belastung eine gute Bewertung von Tendenzen vornehmen. Dabei wird darauf hingewiesen, dass die gewonnen Eindrücke der Experten während der Begehung schwerpunktmäßig mit einzubeziehen sind. Diese zu dokumentieren und auszuwerten ist ebenso ausschlaggebend wie die quantitative Analyse.
Für die Auswertung der Untersuchung wurde unter anderem auch ein Softwaretool des IADM genutzt. Das ausgewählte Instrumente BEBA wurde dementsprechend angepasst und weiterentwickelt.
Im fünften und letzten Kapitel findet sich die Ausgestaltung der weiteren Durchführung wieder.
Für eine zukünftige Anwendung der Detailanalyse wurde der ausgewählte BEBA-Fragebogen überarbeitet. Hauptsächlich wurden redaktionelle Änderungen vorgenommen, die den Fragebogen für Arbeitsplatzinhaber lesbarer und somit besser verständlich machen sollen. Schließlich wird in Kapitel 5 der Kurzfragebogen mit seinen sechs Fragen entworfen und vorgestellt. Dieser entsteht auf Basis der beiden Instrumente SynBA-KF und BEBA und orientiert sich am Konzept der vollständigen Tätigkeit wie schon in Kapitel 2 beim Tätigkeitsbewertungssystem vorgestellt.
Der Kurzfragebogen ist für eine internetbasierte Befragung aller Arbeitsplatzinhaber des zu untersuchenden Unternehmens ausgelegt und dementsprechend kompakt aufgebaut.
90
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Ingo Jaeger, 2001, Psychische Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen - eine Analyse, München, GRIN Verlag GmbH
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