Ø zurückzuführen auf problematische Beziehung zum Vater (sowohl geliebt als auch gefürchtet)
Ø Mutter = schwach, unterwürfig; kann sich nicht gegen den gewalttätigen Vater durchsetzen
Ø Hinzu kommt, um Blutfluss hervorzurufen, eine schwere Enttäuschung und seelische Verwundung in einer wichtigen Liebesbeziehung Beispiel der Frau: Einzelkind - ständige Spannungen im Elternhaus - Angstvorbild für eheliche Zusammenleben - wollte nie Kinder, nie heiraten - Berufswahl = Pädagogik und Lehrerin - Abschied von zu Hause = Erleichterung - mit 30 3 ½ J. in einen Mann verliebt, der nur ihr Äußeres mochte - Liebe = Trauma - ein Jahr lang Schmerzen und ununterbrochene Blutungen - Krankenhaus konnte nicht helfen > psychso-matisch - durch die Liebe fühlte sie sich zu Tode verletzt - sie meint, sie verlange in der Liebe zu viel, idealisiert sie - Blutungen hörten auf, als sie sich in einen zweiten Mann verliebte - gab ihr nach einem Jahr den Laufpass (sie sei zu schwierig) - das alte Leiden begann erneut Ø Frau wollte nie wieder einem Mann lästig werden: sie verbarg ihre Verwundungen in sich und sie hoffte, jeden engeren Kontakt durch Bezahlung wiedergutzumachen.
4) Bei der blutflüssigen Frau läßt sich beides wiederfinden: Ø sie vergeudete in den 12 Jahren ihr ganzes Geld bei den Ärzten, ohne dass sie ihr helfen konnten
Ø Besuch der Ärzte = einziger Kontakt zu anderen Menschen Ø Frau glaubt, den anderen mit ihrem Wunsch nach Liebe nur lästig zu sein Ø Grundgefühl = Dasein ohne den geringsten Sinn und Nutzen Was ging in der Frau vor, als sie nun hörte, dass Jesus in die Stadt kommt? Ø Wunsch, dass Jesus ihr die Hand auflege und sie heile Ø Traum, dass er sie berühre und dass sie dann nichts Unreines mehr an ihrem Körper findet
Ø Aber sie empfindet auch Angst, Scham, Resignation
>> sie hofft nicht, dass sie Jesus für ihr Leid gewinnt, aber sie denkt, dass sie ihn unbemerkt berühren kann, ohne dass es jemand merkt, ohne lästig zu sein Sie wagt es dieses entscheidende Mal, sich gegen alle Scham und Scheu dem Anderen (Jesus) zuzumuten. Ø Sie dringt durch den Trubel der Menge zu Jesus vor Ø Sie belästigt ihn mit ihrem persönlichen Problem und hält ihn auf Sie handelt in diesem Moment völlig anders als zuvor, aber sie macht es wie ein Dieb: sie schleicht sich von hinten unbemerkt an, nutzt den Trubel als ihr Versteck
Berührung: von so großer Intensität, dass Jesus mit vollständiger Wärme und Hingabebereitschaft antwortet.
>> Frau erhält zum ersten Mal das zurück, was sie gibt. Sie wird nie wieder unrein, ausgesetzt, nicht-angenommen fühlt
5) Die Geste wirkt jedoch nicht allein. Sie muss sich, wie bei einem Sakrament mit dem Wort verbinden:
„Wer hat meine Kleider angerührt?“ > Eindruck, als ob wirklich ein Diebstahl geschehen sei, außerdem Reaktion der Jünger Jedoch hat Jesus Zeit: man muss die Frage erstaunt aussprechen. Die Frau kommt mit Furcht und Zittern auf Jesus zu > vielleicht nimmt er ihr ihre gerade gewonnene Reinheit wieder weg
Sie wirft sich ihm vor die Füße > alles steht auf dem Spiel: entweder endgültige Verurteilung oder endgültige Rettung Jesus erklärt sie ausdrücklich für gerettet.
Glaube der Frau bekommt noch zusätzlichen Inhalt: „Meine Tochter, dein Glaube hat dich gerettet.“
„Geh hin in Frieden“ und was es bedeutet: „ Sei von deiner Qual gesund“ In diesem Augenblick ist das Wunder vollendet. Sie muss sich von nun an nicht mehr als Diebin fühlen, sie ist rein und wieder ein Teil der Gesellschaft. 6) Zu der Zeit, als sich Jesus mit der blutflüssigen Frau beschäftigt, wartet Jairus, dass Jesus seine Tochter heilt > ein sich ins unertragbare dehnende Verzögerung, da seine Tochter im Sterben liegt. Sinnloser Zwischenfall = Hinführung zur Rettung der Tochter Ø beide Frauengestalten sind ineinander verschachtelt Ø man muss das wechselseitige Ineinander verstehbar machen und es nicht bloß als literarische Manier stehenlassen. Ø Parallelität
Tochter des Jairus: leidet anscheinend auch daran, eine Frau zu sein, oder eine Frau zu werden
Ø 12 Jahre = Zeitpunkt an dem ein Mädchen heiraten kann Ø auch unter normalen Umständen ein einschneidender Schritt: Tod der Kindheit; Ängste vor der unbekannten, geheimnisvollen Kraft erwachender Liebe
Also: Erweckung = Befreiung der Liebe von der Angst Die Tochter ist gesetzlich mit 12 Jahren erwachsen, dennoch wird von ihr nur als Tochter des Jairus gesprochen: sie selbst erscheint namenlos, ohne eigenes Ich, sie ist die verkörperte Unselbständigkeit, Abhängigkeit - nur die Tochter des Jairus
Synagogenvorsteher = Dorfpfarrer, Dorfschullehrer; Kinder = Muster an Sitte und Anstand
Ø wenn den Kindern ein Fehler unterläuft, so schmälert das die Ehre des Vaters
Ø außerdem, scheint das Mädchen ein Einzelkind zu sein (es ist von Geschwistern nicht die Rede), so dass sich alle Hoffnungen und Erwartungen des Vaters auf seine einzige Tochter richten. „Mein Töchterlein ist sterbenskrank...“ > der Vater sieht in ihr, obwohl sie erwachsen ist, immer noch seine süße, kleine Tochter Die Tochter kann so nicht erwachsen werden, die Sorge des Vaters engt sie ein, sie kann kein Selbstwertgefühl, Eigenständigkeit entwickeln. Siel lebt mit dem ängstlichen Gefühl etwas falsch zu machen.
Ø Ihre Entwicklung wird gestoppt; Problem der Sexualität: Sie wird sich schwer tun, ihren Vater gegen einen anderen Mann einzutauschen und Jairus wird sie immer durch seine Eifersucht schützen wollen.
Ø Patriarchalische Gesellschaft: Wenn die Tochter einen Mann nimmt, dann nur dem Vater zuliebe und nicht aus eigenem Antrieb. Ø Sexualkontrolle: das Leben eines Mädchens ist von Anfang an mit Tabus und Schuldgefühlen durchsetzt
Psychosomatische Erklärung der Krankheit: Totstellreflex, der aus einer genitalen Berührung resultiert > keine kurzzeitige sondern längerfristige hysterische Lähmung
Akuter Zustand = Resultat geheimer Todes wünsche und -sehnsüchte Ähnlich: Magersüchtige versuchen durch Hungern am Beginn der Pubertät die körperliche Entwicklung zu stoppen und zu verhindern > langsamer Suizid Die Tochter ist aber nicht magersüchtig; (S.300 unten) Ø sie will ihren Körper abstreifen
Fazit: Mit der Jairus - Tochter muss ein Mädchen gerettet werden, das aus Angst vor dem Frau-werden den Tod herbeisehnt, um sich die Reinheit der Kindheit zu bewahren.
Die blutflüssige Frau ist die vollendete Gestalt der Tochter bzw. ihr persönlicher Alptraum der Zukunft. Die Jairus - Tochter hingegen ist das Kind, das die Frau war, bevor ihre Leiden begannen.
Arbeit zitieren:
Barbara Späker, 2000, Heilung der Blutflüssigen Frau und der Tochter des Jairus (Mk5, 21-43), München, GRIN Verlag GmbH
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