1.0 Bedeutung der Antike:
Rhetorik (Redekunst)
-Lehre von der guten, wirkungsvollen Rede (R. ist die Gebrauchssprache)
-Teilgebiet der Stilistik
-Ziel der R.: Gedanken mündlich so darzulegen, daß Empfänger überzeugt wird
-Meinungsbeeinflussung durch: kunstvolle, treffsichere Ausgestaltung der Rede
große Formen der Rede: polit. Rede, Gerichtsrede, Predigt, Festrede
-5 wichtige Punkte d. Rede:
-1. Stoffsammlung (inventio): Alle Gedanken (themenbezogen) werden zusammengetragen
2. Gliederung (dispositio): Material wird logisch geordnet à Herausarbeitung des Hauptgedanken-3. sprachl. Formulierung (elocutio): Gedanken bekommen Form, die Stoff, Empfängern u. d. Absicht des Redners entspricht
-4. Einprägung der Rede (memoria)
-5. der Vortrag (pronuntiatio): eigentl. Wirkungsmöglichkeiten für den Redner
-Haltung, Stimmaufwand u. Gebärdenspiel des Redners eigens geschult sprachl. Formulierung à Aufgabe der R.-An Rednerschulen d. Antike Entwicklung einer bes. Technik
à Unterscheidung zw. den jeweils für eine Rede geeigneten Stilarten u. legte großen Wert auf gelehrte Behandlung der Gedanken (rhetorische Figuren)
-Gefahr einer lehrbaren Technik der R.: Rede wird zu Schönrednerei entartet
- R. bemüht sich um die Ausprägung kunstvollen Prosastils
- In Antike: entwickelten zuerst die Sophisten eine lehrbare R.
- Bsp.: Apologie des Sokratesà Verteidigungsrede die ihn v. Tod bewahren sollte...
Kunst
- siehe unten...
Zeit
-Griechenland: kleine Halbinsel auf gr. Erde
-Sehr viele Inseln
-Zerrissenes, zerklüftetes u. gebirgiges Siedlungsgebiet
-Einzelne abgeschiedene Gemeinden
-Waren dabei ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu entwickeln
-Wettbewerb u. Revalisierung d. griech. Polis
-Griech. Geschichte - wenige Jh. in 5000 Jahren Menschengeschichte
Wichtige Ereignisse
-508 v.Chr. Kleisthenes schafft neue polit. Ordnung (Athen) à Gleichheit u. stärkere Mitwirkung d. Vollbürger
-490-497 v.Chr. persischer Unterwerfungsversuch wird v. Griechen abgewehrt
-477-404 v.Chr. Athen führt Attisch-Delischen Seebund ein vs Spartas Peloponnesischen Bund
-462 v. Chr. Übergang zur Demokratie unter Ephialtes u. Perikles in Athen
-5 Jh.v.Chr. Kultureller Höhepunkt Athens z.B. Baukunstà Wiederaufbau d. Akropolis z.B. in d. klassischen tragödie (Aischylos, Sophokles, Euripides
-443-429 v.Chr. unter Perikles: Athen polit. Führungsmacht Griechenlands
-431-404 v.Chr. Rivalität zw. Athen u. Sparta entlädt sich in Peloponnesischen Krieg à Niederlage Athens u. Verlust d. Vorrangstellung
Demokratie
-Staatsverfassung (Politeia) u. Wort für Bürgerrecht
-Freie Männer über 18 die ausschließlich polit. Rechte besaßen (Politen)
-Waren durch Bürgerrechtsgesetz des Perikles v. anderen gesells . Gruppen abgegrenzt Metöken (Mitwohnende) à pers. Frei aber keine polit. Rechte-Unterschied zum Vollburger: Metöken zahlten 12 Drachmen Kopfsteuer/Jahr
- Unteres Ende d. Pyramide: Sklaven
2.0 Antike Kunst:
Säulen à Tempel
1. dorischen Stil
2. ionischen Stiel
3. korinthischen Stil
1.
-Säulen sind oh. Basis auf meisst 3-stufigen Untergrund gesetzt
klare, einfache, strenge Wirkung
recht spitz zulaufende Kannelyren
-Kapitell: eine einfache rechteckige Deckplatte
-Säulen beulen sich zur Mitte ausà werden nach oben schmaler Verhältnis: Durchmesser : Höhe wie 1: 6 à wuchtige Wirkung -2.
-Kapitell durch Voluten verziert
-Kannelyren sind nicht mehr spitz
-Säulen haben Basis
-Verhältnis: Durchmesser : Höhe wie 1: 8
3.
-Säulen haben gleichen Aufbau wie im ionischen Stil, nur Kapitell unterschiedlich
-Arkathusblätter in Doppelreihe u. drehen sich volutenförmig ein
Plastik
1. geometrischer Stil (ca. 1000-700 v.Chr.)
2. archaischer Stil (ca. 700-480 v.Chr.)
3. klassischer Stil (ca. 480-330 v.Chr.)
4. hellenischer Stil (ca. 330-30 v.Chr.)
1.
-vorwiegende Darstellung v. 2.
-Entwicklung d. Großplastik, monumentale Architektur u. Malerei
-Darstellung des Menschen im Mittelpunkt des bildhauerischen Schaffens
-Strenge Frontalität u. symetrie in d. gestreckten Armhaltung Meisst aus Mamor à freistehend-Archaisches Lächeln im Gesicht 3.
-Entwicklung d. Kontrapoststellung (Stand u. Spielbein)
-Darstellung schöner, athletischer, intelligenter Menschen (harmonische Idealmenschen)
-Stärkere Modellierung d. Oberfläche
4.
starke Dynamisierung d. Figuren
keine Darstellung d. Idealtypenà mehr realistische Darstellung mit Anomalien
3.0 Antike Literatur:
- Entwicklung in engem Zusammenhang mit rhetor. Theorie u. Poetik
- UrsprungàSophistik
- in alter Komödie, bes. bei Aristophanes, wurde Dichtung selbst zum Instrument d. Literatur à Bsp. „Die Frösche“
- L. erreichte Höhepunkt in d. hellenist. Philologie
3.1 Vertreter:
Personen
- Thespis: -erster griech. Tragödiendichter u. Schauspieler in Athen, 6. Jh. v. Chr. -führte 534 v. Chr. erste Tragödie auf, indem er dem an Dionysosfesten singenden u. tanzenden Chor (mit menschl. Masken u. nicht mehr im Satyrkostüm) einen Schauspieler (in der Tracht des Dionysos) gegenüberstellte
-Horaz berichtet, T. sei auf Wagen herumgezogen, daher: Wanderbühne
-
Äschylus: -der
älteste der großen griech. Tragödiendichter, *525/524 v. Chr. †456/455 v. Chr. -kämpfte in Perserkriegen mit, Liebling der Athener
-über 70 Stückeà 7 ganz, von dreien größere Bruchstücke erhalten -zeigen in kühner, bilderreicher Sprache Gerechtigkeit d. göttl. Weltordnung
-
Perikles:
-athen. Politiker, um 490 v. Chr., †429 v. Chr.
-seit
461 v. Chr. „Führer des Demos“ u. Stratege
-Regierungszeit (nach ihm das Perikleische Zeitalter genannt) war Höhepunkt d. Geschichte
-
Euripides:
-nach
Äschylus
u.
Sophokles
griech. Tragödiendichter
-480
v. Chr.†406 v. Chr. Pella, Makedonien
-stand unter Einfluß d. sophist. Aufklärung -92 Dramenà18 erhalten
àInhalt: werden im Rahmen alter, z. T. aber eigenwillig abgewandelter Stoffe mit nüchternem,
-bei Figuren wird mehr Wert auf das Seelische gelegt
- Aristophanes: -griech. Komödiendichter in Athen, Hauptvertreter der alten attischen Komödie
3.2 Sophokles:
Person
- griech. Tragiker
- geb. um 496 v. Chr. u. gest. um 406 v.Chr. in Athen à Bezirk Kolonos
- einer d. 3 großen Tragiker d. Antike
- Sohn eines reichen Fabrikanten
- leben nur im Rahmen v. Vaterstadt à nur in öffentl. Missionen verlassen
- verherrlichte in tiefer Heimatliebe Athen u. dessen polit. Status
- f. Stadt tätig gewesen als: - Schatzmeis ter (443) d. 477 gegründeten Attisch-Delischen Seebundes
- Heerführer u. Stratege neben Perikles (um 441-439)
- wahrscheinlich Mitgl. D. oligarchischen Reg. (411)
- S. àfreundlicher, hochangesehener, allseits beliebter Mitbürger
- Tragikerwettbewerben à 24 erste, mehrere zweite Preise (nie dritter)
- 123 - 130 Dramen, davon nur 7 überliefert
- nach Tod als Heros Dexion verehrt
à Aias, Trachinierinnen/Trachiniai, Antigoneà442; König Ödipusà425; Elektraà?; Philoktetà409; Ödipus auf Kolonosà401
- v. d. Satyrspielen sind Ichneutai (Spürhunde) durch Papyrusfund (1911) am besten bekannt
Allgemein
- Aristoteles nennt in seiner Schrift Peri poietike 3 Neuerungen, d. S. in Theaterpraxis einführt à Erweiterung d. Zahl d. Schauspieler v. 2à3 à Choristen v. 12à15 à Einführung d. Bühnenmalerei
- weiterer Weg d. S.: fort v. geschlossener Trilogieàabgerundeten Einzeldrama
- Helden d. S. stehen als Individuen den Forderungen d. Gemeinschaft gegenüber à sind als Menschen dem göttl. Unterworfen
- wurde bereits in Antike als Klassiker betrachtet
Dramen
- Aias: (aus trojan. Sagenkreis stammt Stoff)
zeigt d. aus seinem Wahn erwachten Helden, d. anstatt seiner Feinde nur Vieh umgebracht hat und sich wegen seiner Entehrung das Leben nimmt, sowie die unterschiedlichen Reaktionen
- Philoktet: (Drama ohne Frauenrolle)
Schicksal des v. den nach Troja segelnden Griechen auf einer öden Insel ausgesetzten Helden
- Trachiniai: stellt d. Tod d. Herakles durch vergiftetes Nessoshemd dar u. Selbstmord seiner Gattin Deianeira, die ihm Gewand gegeben hatte, ohne Wirkung zu kennen
- Antigone: àspätere Erklärung
- Elektra: Inhaltàv. Orestes verübte Muttermord an Klytaimestra
Gestalltung seiner Dramen
- durch Nichterkennung d. göttl. Wahrheit werden seine Helden, oft in einem ungerechtfertigten hohen Maß, in trag. Leiden u. Tod gerissen, oft führte auch Hybris (Verblendung) in trag. Situation
- die in sittl. Verantwortung auch gegen Menschengebot handelnde Gestalten (Antigone) zeugen v. der Humanität des Dichters
4.0 Rolle des Theaters:
- neben Kulturbauten u. Tempeln war Theater bedeutendste Bauleistung d. griech. Kunst
- Anlagen angepaßt an besondere Erfordernisse des griech. Schauspiels (Komödie, Tragödie)
- Glanzzeit des antiken Th. War im 5. Jh.v.Chr.
- Zentrum: Athen z.Z. des Perikles
- Aufführungen wurden festl. Ereignisseà zu Ehren des Gottes Dionysos (Fruchtbarkeit u. Wein) abgehalten
- Hauptaufführungsort: Dionysostheater (15000-17000 Zuschauer) à Geburtsstätte d. griech. Tragödie
- Sänger u. Chor auf d. Bühne
- Besuche nur freien Bürgern gestattet (keine FRAUEN)
- Schauspieler stark verkleidet u. trugen Masken
- Masken verdeckten die individuellen Gesichtszüge
- Frauenrollen wurden v. Männern übernommen
- Verkleidung als Anzeichen für die Aufopferung für Gott (religiöser Hintergrund)
- Aufführungen fanden unter freiem Himmel statt
- Tragödiendichter: Aichylos, Euripides, Sophokles
Allgemeines
- Thespis Idee (Ende 6.Jh.v.Chr.) zu Ehren Dionysos à Darstellung v. Chorgesang u. Tanz zusätzlich mit „sprechenden“ Schauspielern (Hypokriten-Antwortgeber) zu bereichern
- Dieser 1 Schauspieler hieß Protagonist d. 2. Deuteragonist (durch Aischylos) u. 3. Tritagonist (Sophokles)
- Zuschauer hatten Einfluß auf Handlung
à bei Nichtgefallen d. Tragödie, Satyrspiel warfen Zuschauer Essensreste auf den Dichter à notgedrungener Abbruch des Stückes à nächster Dichter konnte Glück versuchen
Aufbau
- Orchestra: Tanzplatz, Durchmesser ca. 30m, Aktionsplatz des Chores
- Skene: Bühnenhaus mit Türen (Auftritt d. Schauspieler, Installation techn. Einrichtungen, neutraler Ort (Diskussionsplattform)
- Paraskenia: Flügelbau aus d. Skene
(Schauspieler sprachen zw. Paraskenia u. v. d. Skene wegen des Schalleffekts)
- Prosektion: vordere Bühnenwand (für Dekorationszwecke)
- Parados: jeweiliger Eingang
5.0 Vorgeschichte zu Antigone:
Vorgeschichte
-Stoff aus altem Epos über Schicksal des Thebanischen Herrscherhauses (Thebais)
-Für Handlung d. Geschichte müssten handelnde Personen einem Namen + Charakter erhalten à müssen in Beziehung zueinander stehen
-Mystischer Stoff für A. stammt aus epischen Zyklus (enthält Schicksale vieler Generationen eines Herrscherhauses, zu dessen Vorfahren die Göttern gehörten)
Hauptpersonen
-Antigone: ideale Verkörperung d. Humanität u. reiner Menschlichkeit Stellt göttl. Gebot über menschl. Pflicht, obwohl Tod droht (deswegen) Liebt Haimon
-Ismene: will Antigone helfen, will sich aber nicht gegen Staat verschulden
-Haimon: liebt Antigone über alles, will nicht ohne sie leben, tapfer
-Kreon: tragische Figur durch zunehmende Isolation, verblendete Selbstüberschetzung Möchte Macht beweisen aber Antigone ungern verurteilen Will Antigone bekehren, unbedingter Verfechter des Staatsintresses
Inhaltsangabe
-Antigone will nachts ihren Bruder Polyneikes begrabenàist in Königreich Theben verboten
-Wächter melden Kreon (König) die Tat v. A.
-K. möchte A. (Geliebte seines Sohnes) u. ihre Schwester Is. Sprechen
A. zum Tod verurteilt àIs. Sagt, dass sie mitschuldig seià will ohne Schwester nicht weiterleben -Nach längeren Streitereien àA. in weit entfernten Berg in Felsspalte eingeschlossen-Ha., Kreons Sohn dagegenà droht sich umzubringenà Kr. Hört nicht auf ihn
-Tage späteràBesuch v. blinden Seher (Teiresias)àsagt, dass Leute seiner Heimat schlecht v. ihm denken à meinen gute Tat leiblichen Bruder zu begraben
-Kr. geht zu Felsen um A. zu befreien
-Finden sie erhängt auf à Haimon u. Euridike (Kr. Frau)àSelbstmord à Kr. bereut seine Tat
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Sebastian Dreyer, 1999, Die griechische Antike, Munich, GRIN Publishing GmbH
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