„WISE-Mitglieder sind aber nicht nur Lizenznehmer im herkömmlichen Sinn, sondern sie befinden sich durch das scientology-eigene Ethiksystem mit seinen Kontrollinstanzen in einem Abhängigkeitsverhältnis, was letztlich zu einer vollständigenVereinnahmung der Firma durch WISE führen kann.“ 4
Insgesamt zieht die Scientology-Organisation doppelten Nutzen aus dem Verkauf von WISE-Lizenzen.
Zum Einen erwitschaftet sie eine Menge Geld aus dem Verkauf von Lizenzen an die einzelnen Wirtschaftsunternehmen. Zusätzlich zu den jährlich anfallenden Lizenzgebühren müssen die einzelnen Firmen dann noch 13 bis 15 Prozent ihres Bruttoumsatzes an WISE abführen. Ebenso fallen noch Copyrightsgbühren an. Ein Zitat von Hubbard kostet 6 Prozent, 15 Prozent fallen an, wenn eines der scientologischen Bücher als Lizenzausgabe verkauft wird. 5
Der zweite Nutzen, den Scientology aus seinen WISE-Mitgliedern zieht, ist die Gewinnung von Einfluss uns Macht in den einzelnen Firmen, und wenn es nach Scientology geht, bis in die höchsten Spitzen der Macht. Um dies zu verdeutlichen hier zwei Zitate:
3 http://wasist.scientology.de/html/part09/index.html
4 Bundesministerium für Familie, Senioren Frauen und Jugend: Die Scientology-Organisation. S. 36
5 Vgl: Roger Schenk: Unterwanderung durch Scientology. S. 45
• Scientology-Gründer L. Ron Hubbard: „Erobern Sie, egal wie, die Schlüsselpositionen.
2 Das Ziel und die Strategie
Das genaue Ziel von WISE wird in einer internen WISE-Richtlinie deutlich, die am 5.5.1986 ausgegeben wurde und ausdrücklich nicht zur Weitergabe an WISE.Mitglieder bestimmt war.
Nur um anzudeuten mit welcher Verlogenheit Scientology gegenüber der Öffentlichkeit vorgeht, sei hier noch das „Public-Relations-Ziel“ aus der selben Richtlinie aufgeführt:
6 L. Ron Hubbard (HCO B 10.6.1960): What we expecht of a Scientologist. zit. n.: Tom Voltz: Scientol- S. 115
7 http://members.aol.com/sektensn/sc-warum-wirtschaft.htm
8 Zit. n.: Tom Voltz: Scientology. S. 139
Unter dem Name „Clear Germany“ verfolgt Scientology eine Strategie, die ein Teilziel auf dem Weg zur o.g. Weltherrschaft darstellt: Die Ausbreitung von scientologischem Gedankengut und wachsender Einfluss in Deutschland. Dabei stehen Wirtschaftsverbände genauso auf der Wunschliste von Scientology wie Kammern und Parteien.
10
Die Strategie zielt darauf ab, unerkannt Schaltstellen in Unternehmen einzunehmen und so die Strukturen der einzelnen Firmen mit scientologischem Gedankengut zu infiltrieren. Dies bedeutet nicht, dass ein Scientologe unbedingt als Vorstandsvorsitzender eingesetzt werden soll Es genügt vollkommen eine Position zu besetzen, die Einfluss auf diesen Vorsitzenden hat. Dies hat den Vorteil, dass der Scientologe im Hintergrund agieren kann, ohne im Licht der Öffentlichkeit zu stehen. Im Detail wird dies auch schon 1960 von L. Ron Hubbard formuliert:
Erobern Sie, egal wie, die Schlüsselpositionen, die Positionen als Vorsitzende des Frauen-
In aufgeführt: 12
1. Suche die ein Geschäft aus, welches bereits sehr gut arbeitet. 2. Wende dich an den höchsten Direktor und verbreite Scientology. 3. Lokalisiere SP´s (Unterdrücker = Kritiker von Scientology) in der Organisation und wirf sie hinaus.
4. Auditiere die leitenden Angestellten und zeige ihnen, um was es sich handelt, das wird dann den Zyklus in Gang setzen: Die leitenden Angestellten werden die Jungmanager und das andere Personal dazu drängen, Auditing 13 zu nehmen.
9 Ebd. S. 138
10 Vgl.:Roger Schenk: Unterwanderung durch Scientology. S. 38
11 Zit. n.: Tom Voltz: Scientology. S. 115
12 Hubbard Communication Office (HCO): Verwaltungsordnung ED 1040 Int. Zit. n.: Roger Schenk:
Unterwanderung durch Scientology. S. 48
13 Vom lat. Wort audire (zuhören) abgeleitet. Das von Hubbard entwickelte zentrale psychowirksame
Verfahren auf dem Weg zur „völligen geistigen Freiheit“ - zur Befreiung der Menschen von Engrammen.
Aus dieser Strategie lässt sich ein Modell herausbilden, nach dem die Scientology-Organisation hauptsächlich in der Praxis vorgeht:
Externe Geschäftspartner oder Berater nehmen Einfluss auf den Inhaber oder leitenende Angestellte, wie z. B. Direktoren oder Geschäftsführer, oder die Führungspositionen werden von Scientologen besetzt, um so das Unternehmen zu unterwandern. Die Berater besitzen hierbei das Recht in Personalfragen mitzuentscheiden, weiterhin haben sie Einblick in interne Vorgönge des Unternehmens und können die vorhandenen Einrichtungen Nutzen. Darüber hinaus kommen die Berater auch in Kontakt mit den Mitarbeitern, was eine Einflussnahme auf diese ermöglicht und so eine schrittweise Unterwanderung stattfinden kann. 14
Wenn dieses Ziel erreicht ist, wird das Unternehmen nach scientologischen Gesichtspunkten umstrukturiert. Wie diese Umstrukturierungen im Detail aussehen wird in Kapite 3.2 erläutert.
3 Die Vorgehensweise
3.1 Welche Unternehmen sind besonders gefährdet?
Die Scientology-Organisation ist hauptsächlich in sog. Selfmade-Firmen aktiv, bei denen ein Defizit im Managementbereich vorliegt, das mit Hilfe der Scientology-Technologie ausgeglichen werden kann. In Management-Schulungen werden die Scientology-Mitarbeiter vor allem im Bereich von Personalfragen weitergebildet. Dadurch können sie in ihren Unternehmen weitere Scientologen einschleußen. Weiterhin zielt sie auf mittelständische Betriebe ab, bei denen in kurzer Zeit ein hoher Gewinn zu erwarten ist (Immobilienhandel, Versicherungswesen, Unterneh-
14 Vgl.: Roger Schenk: Unterwanderung durch Scientology. S. 49
mens- und Personalberatung, Managementtraining, Public Relations, Farb- und Stilberatung, Computer- und Softwarehandel). Bekannt ist ein Beispiel aus der Wirtschaft, dass Scientology Bestrebungen angestellt hat, den Ring deutscher Makler (RDM) in seine Gewalt zu bekommen.
Besonders gefährlich ist der Computerbereich, da hier häufig auch persönliche Daten gespeichert sind, die so in die Hände von Scientology geraten können.
3.2 Wie geht Scientology im Unternehmen vor?
Wie oben schon angesprochen, finden in scientologisch unterwanderten Unternehmen drastische Umstrukturierungen statt. Wie diese genau aussehen wird im Folgenden erläutert.
Die angesprochenen Umstrukturierungen haben dabei oft nicht das Ziel einen Betrieb effektiver zu führen, „sondern sie dienen dazu, den Betrieb scientologischen Organisationsprinzipien und Kontrollmechanismen zu unterwerfen.“ 15 Der Berliner Tagesspiegel berichtet am 28.10.1997 von einem Unternehmen mit 14 Mitarbeitern, das in 3 Stabstellen, 7 Abteilungen und 20 Bereiche gegliedert wurde. 16
Typisch für scientologisches Management ist auch der übertriebene Einsatz von undurchschaubaren Statistiken. Diese Statistiken dienen Scientology als Überwachungs-und Kontrollmöglichkeit. Gefordert werden hierbei nicht nur Unternehmens-, sondern auch private Statistiken.
15 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Die Scientology-Organisation. S. 36
16 Ebd.
17 Ebd.
Durch diese Maßnahme werden die einzelnen Mitarbeiter natürlich erpressbar, da es kein Mensch schafft, seine Statistiken immer hoch zu halten. Die Arbeitnehmer werden so gezwungen an überteuerten Kursen mit scientologischem Inhalt teilzunehmen. Falls sie sich weigern sollten dies zu tun würden sie ihren Arbeitsplatz durch Kündigung verlieren.
Eine weitere Besonderheit, die in scientologisch geführten Unternehmen praktiziert wird, ist das Anlegen von sogenannten Ethik-Akten neben den herkömmlichen Personalakten. Hierbei handelt es sich um „spezielle Personalakten, in denen intime Auskünfte und Daten über jeden gesammelt werden, der Scientology noch angehört, ausgestiegen ist oder kritisch gegenübersteht. Auch Auditing-Protokolle werden aufbewahrt.“ 18 Diese Ethik-Akten entstehen u.a. durch Wissensberichte, zu denen jeder Mitarbeiter verpflichtet wird. In diesen Berichten müssen die Mitarbeiter die kleinsten Fehler von Kollegen aufzeigen. Die Berichte werden an die Ethik-Abteilung einer Firma weitergeleitet, die von einem sog. Ethik-Offizier geleitet wird. „Der Ethik-Offirzier ist eine 19 Kontroll- und Überwachungsinstanz und wird tätig, wenn ein Scientologe ´Schwerverbrechen begeht´ (z.B. Kritik an Scientology übt) oder ´falsch funktioniert´ (z.B. fallende Statistiken meldet)
Durch alle diese Maßnahmen wird ein weiteres Ziel von Scientology erreicht. Die Mitarbeiter werden unzufrieden und fühlen sich durch die vielen Statistiken und Wissensberichte eingeschüchtert. Das Misstrauen zu den Kollegen wird geschürt und dadurch verschlechtert sich das Betriebsklima permanent.
18 Roger Schenk: Unterwanderung durch Scientology. S. 112
19 Roger Schenk: Unterwanderung durch Scientology. S. 113
4 Welche Gefahren drohen?
Das häufigste Problem, das bei Mitarbeitern von WISE-Firmen auftritt, ist das Problem der kompletten Verschuldung. Sie entsteht durch die immens hohen Gebühren der Scientology-Kurse. Als Folge dieser Verschuldung sind die Mitarbeiter dann leichter erpressbar und bestechlich. Ebenso lassen sie sich leichter zu kriminellen Handlungen hinreißen, da sie keinen anderen Ausweg aus ihrer Schuldenkrise sehen. Somit besteht die Gefahr von Wirtschaftsspionage und Veruntreuung durch einzelne Mitarbeiter. Wenn Mitarbeiter zugleich noch Scientology-Mitglieder werden, kann der Chef bzw. der Unternehmensleiter, auch noch auf dieser Ebene Druck auf seine Angestellten ausüben. Zum Beispiel können Mitarbeiter zu Schulungen genötigt werden. Desweiteren finden innerhalb der Angestellten Bespitzelungen statt (s. Wissensberichte), wodurch ein von Misstrauen geprägtes Betriebsklima entsteht, das zu extremen psychischen Schwierigkeiten führen kann.
An der Tagesordnung in scientologisch geführten Unternehmen sind auch Illoyalität und Bevorzugung einzelner Arbeitnehmer. Mitarbeiter verstoßen häufig gegen das Bbetriebsgeheimnis usw.
In einem Satz hat das Institut der deutschen Wirtschaft hat die Gefahren scientologischer Betätigung in der Wirtschaft zusammengefasst:
„Psychische Deformation, bis zum Ruin verschuldete, erpressbare Mitarbeiter, Wirtschaftsspionage und Veruntreuung, Illoyalität, Begünstigung im Amt, Unlauterer Wettbewerb und Verstöße gegen die Verschwiegenheitspflicht.“ 20 Neben den Problemen, die bei Mitarbeitern auftreten, kann es auch zu betriebswirtschaftlichen Schäden kommen.
Durch die Festlegung auf die kurzfristigen Statistiken ist es nicht möglich längerfristig zu planen, zu handeln oder gar eine Strategie zu entwickeln, die ein vorübergehendes Absacken der Statistiken zur Folge hätte.
Die starren Regeln in scientologisch geführten Unternehmen führen dazu, dass es sich nicht an die sich ständig veränderten Marktbedingungen anpassen kann.
Die hohen Lizenzgebühren und „freiwillige“ Spenden an die Scientology-Organisation reißen häufig tiefe Löcher in das Finanzbudget der Unternehmen. Dazu kommen Kosten für Kurse, sowohl der Unternehmensführung als auch der Mitarbeiter. Oft kommt es auch vor, dass sich die in Finanznöte gekommenen Firmen durch Steuerhinterziehung zu retten versuchen und dass private Schulden aus der Firmenkasse beglichen werden.
5 Anzeichen einer Beziehung zu Scientology
Hier sollen stichwortartig einige Anzeichen aufgeführt werden, die ein deutlicher Hinweis darauf sein könnten, dass eine Verbindung des Unternehmens oder eines außenstehenden Beraters zu Scientology bestehen könnte. 21
• Ist die Person/ das Unternehmen auf einer WISE-Mitgliederliste aufgeführt?
• Taucht im Impressum der Unterlagen ein Copyright auf, das eine Verbindung zu Scientology darstellt? (© HCAI, © Hubbard College of Administration International, © L. Ron Hubbard Library, © LRH Library, © LRH, © L: Ron Hubbard, © Lafayette Hubbard, © Ron Hubbard, © RTC, © Religious Technology Center, © ASI, © Author Services International, © WISE-International, © OCA, © Oxford Capacity Analysis)
• Werden Begriffe wie Dianetics oder Dianetik verwendet?
• Erklärt die Person, dass Problem mit dem richtigen Know-How gelöst werden kann und er dieses Know-How anbieten kann?
• Ist der zu vermittelnde Inhalt laut Aussagen der Person „etwas ganz Neues aus den USA“?
20 Landtag Nordrhein-Westfalen, Drucksache 12/387 vom 14.11.1995. zit. n. Bundesministerium für
Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Die Scientology-Organisation. S. 38
21 Vgl: Tom Voltz: Scientology. S. 139ff und http://members.aol.com/sektensn/sc-wie-erkennen.htm
• Fällt die Person pauschale Urteile? („2½ Prozent der Menschen seien die Wurzel allen Übels auf der Welt!“; „Psychatrie und Psychologie sind für alles Übel auf dieser Welt verantwortlich!“)
• Spricht der Anbieter von „unterdrückerischen Personen“?
• Verwendet die Person auffällig häufig das Wort „handhaben“ im Bezug auf Probleme oder Menschen?
• Werden übertriebene Statistiken im Betrieb eingeführt, die Donnerstags 14.00 Uhr abgegeben werden müssen? (Dies ist der typisch scientologische Abrechnungstermin)
• Tauchen im Kursmaterial Symbole oder Zeichen (s.u.) auf? Beispiele für einige dieser Symbole 22 :
22 Quelle: http://charlies-playhouse.ch/scientology/scndocs/scnsym.htm
WISE-Symbol der scientologischen Fir-Lizenznehmer (scientologische Personalmen
Unterschrift von L. Ron Hubbard
7 Zusammenfassung
Es lässt sich abschließend sagen, dass das formulierte Ziel von Scientology „die Übernahme der Wirtschaft auf der gesamten Welt“ sehr hoch gegriffen und unrealistisch anmutet.
Allerdings sind die Methoden, mit denen die Scientology vorgeht sehr realistisch und leider auch äußerst wirksam. Viele Menschen lassen sich auf Scientology ein. Erstens aus Unsicherheit, zweitens sind die Versprechungen, mit denen Scientology und WISE wirbt natürlich sehr verlockend. Insbesondere für profitorientierte Kleinunternehmer, aber auch für riesige Wirtschaftskonzerne und Regierungen. Immerhin hat es die Scientology-Organisation auch schon geschafft als Kirche anerkannt zu werden, obwohl sie in ihrer Wirkungsweise eher an eine faschistoide Organisa- tion erinnert, die mit menschenverachtenden Mitteln vorgeht, um niedere materialisti-
sche Ziele zu verwirklichen. Und hierin liegt sicherlich das Hauptbeschäftigungsfeld von Scientology.
8 Literatur und Internetquellen
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Die Scientology-Organisation. Gefahren, Ziele und Praktiken. Sechste aktualisierte Aufl. Köln 1998 Schenk, Roger: Unterwanderung durch Scientology. Schutzmaßnahmen für Unternehmer. Stuttgart. SDV 1997
Voltz, Tom: Scientology. Ein Insider packt aus. Hintergründe - Fakten - Dokumente. Freiburg. Herder Verlag 1997
Vorstand der ABI - gemeinnützige Aktion Bildungsinformation e.V.(Hrsg.): Scientology. Ein internationaler Wirtschaftskonzern und seine Tarnstrategien. 2. völlig überarb. Aufl. Stuttgart 1997
http://charlies-playhouse.ch/scientology/scndocs/scnsym.htm. Stand: 20.11.01 http://members.aol.com/sektensn/sc-warum-wirtschaft.htm. Stand 20.11.01 http://members.aol.com/sektensn/sc-wie-erkennen.htm Stand: 20.11.01 http://wasist.scientology.de/html/part09/index.html Stand: 20.11.01
Arbeit zitieren:
Christian Müller, 2001, Scientology in der Wirtschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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