Sie sind auch im fortgeschrittenem Stadium der Krankheit in ihrer Ausbildung oder im Beruf, oft dazu noch in Nebenbeschäftigungen, weiterhin tätig.
Ihr Ehrgeiz hat, wie die Krankheit auch, etwas selbstzerstörerisches. Viele der Kranken sind depressiv und selbstmordgefärdet, andere geben sich heiter und wirken fast euphorisch, aber dahinter verbergen sich Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit.
Personen, die an Magersucht leiden bereiten oft üppige Mahlzeiten für andere, beschränken sich selbst aber auf eine kleine Auswahl von Speisen mit wenig Kalorien. Im übrigen kommt es vor, daß sie Nahrungsmittel horten, verbergen, zerbröckeln oder auch wegwerfen. Die Kranken sind sehr Kälteempfindlich und frieren ständig. Dieses machen sich einige auch Zunutzen: Sie halten sich gerne im Kalten auf, damit sie frieren. Denn dadurch werden zusätzlich Kalorien verbraucht. Verlauf: Anfangs fällt auf, daß die Betroffenen Kalorien zählen, Diätpläne erstellen oder nur noch bestimmte Speisen essen, z.B. vegetarisch. Später werden Mahlzeiten ausgelassen oder extrem reduziert auf die fast kalorienfreien Bestandteile, z.B. Salat. Zuletzt essen sie fast nichts mehr. Tagelanges Fasten oder eine Diät wie ½ Brötchen täglich sind dann nichts ungewöhnliches. Das Krankheitsbild kann in allen Graden verlaufen. Im extremsten Fall kommt es zu lebensbedrohlichen Abmagerungen mit allen körperlichen Folgen einer extremen Unterernährung. Die Kranken sind außerdem durch hinzukommende Infektionen gefährdet. Es kommen auch Todesfälle vor, zum Teil auch durch Verhungern, hauptsächlich aber durch die opportunistischen Krankheiten.
Ohne Behandlung verläuft die Krankheit oft chronisch-rezidivierend, d.h. sie verschwindet für einige Zeit und setzt dann wieder ein. Sie kehrt also immer wieder.
Wenn nicht stärkere selbstzerstörerische Tendenzen bestehen, spielen sich manche auf ein niedriges Körpergewicht ein und sind darauf bedacht, dieses einigermaßen zu halten. Bei einem Teil der Kranken bessert sich die Magersucht spontan. Sie wird allerdings häufig durch Zwänge, Ängste oder Medikamentensucht ersetzt. Echte spontane Heilungen sind selten. Folgen:
• Des Untergewichts: Verlangsamung der Herztätigkeit, Verminderung des Blutdrucks, Schwellungen durch Wasseransammlung im Gewebe (besonders im Gesicht), körperliche Schwäche, vergrößerte Ohrspeicheldrüsen, Schwielen an den Händen (dicke, harte Stelle → Hornhaut), trockene Haut, eine feine flaumartige Behaarung und kleine punktförmige Blutungen in der Haut.
• Abführmittel: Die Folgen eines übermäßigen Gebrauchs von
Abführmitteln sind Nierenschäden, Schäden der Haut, Haarausfall, Nachtblindheit und Gerinnungsstörungen
• Appetitzügler: Die Folgen eines übermäßigen Gebrauchs von
Appetitzüglern sind Schlaflosigkeit, Angst, Unruhe, Reizbarkeit, Herzrhythmusstörungen und Depressionen.
Bulimie
Verhalten: In regelmäßigen Abständen, erst vereinzelt vorkommend, später mehrfach täglich, verlieren die Betroffenen die Kontrolle über die Nahrungsaufnahme und stopfen häufig in Minutenschnelle große Nahrungsmengen in sich hinein (z.B. 1kg Nudeln, 15 Tafeln Schokolade). Die Nahrung, die während eines solchen Freßanfalls aufgenommen wird, hat oft einen hohen Kaloriengehalt, schmeckt süß und ihre Konsistenz erleichtert das Essen (Brei, Kuchenteig). Die Speisen werden gewöhnlich so unauffällig wie möglich oder heimlich gegessen. Sie werden ganz schnell heruntergeschlungen und wenig gekaut. Wenn das Essen einmal angefangen hat, kann es nur sehr schwer gestoppt werden. Meist wird die Episode erst durch Bauchschmerzen, hinzukommende Personen oder Schlaf beendet. Anschließend haben sie Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle, befürchten eine Gewichtszunahme und induzieren Erbrechen. Das Erbrechen lindert den Schmerz bei einer Überdehnung des Magens und gestattet das Weiteressen oder beendet den Anfall und vermindert die panische Angst nach dem Essen, an Gewicht zuzunehmen. Feste Vorsätze, dieses Verhalten zu unterlassen, werden wie bei einer Suchtkrankheit immer wieder gebrochen. Dieses führt zu Reizbarkeit, Schlafstörungen, Schamgefühlen, Selbstvorwürfen, Schuldgefühlen und Selbstverachtung. Sie wissen, daß ihr Verhalten abnormal ist. Deshalb sind die meisten Betroffenen selbstmordgefährdet. Anders als bei der Magersucht behalten sie oft ihr Normalgewicht, obwohl sie oft genauso befürchten, zu dick zu sein.
Merkmale: Im Vordergrund steht eine verheimlichte Eßgier. Wesentlich Kennzeichen sind:
• Dauernde Beschäftigung mit Essen
• Kontrollverlust beim Essen (die Kranken können nicht aufhören und essen weit über ihren Hunger hinaus)
• Selbstinduziertes Erbrechen nach Fressanfällen Manchmal fallen die Kranken nur durch kurzfristige Schwankungen des Gewichtes (von meist über 5 Kilo) auf oder dadurch, daß sie große Mengen essen können, ohne zuzunehmen. Kleinkriminalität, Ladendiebstahl und Schulden können Zeichen der Erkrankung sein, da für die Nahrungsmittel viel Geld benötigt wird. Häufig haben die Kranken zusätzlich eine Persönlichkeitsstörung. Sie haben eine Störung des Körperchemas und äußern immer wieder ihre Besorgnis über ihre äußere Erscheinung. Eine Abhängigkeit von Drogen entwickeln ca. ein Drittel.
Durch den hohen Zeit- und Geldaufwand (Kriminalität) entstehen soziale Komplikationen.
Das einzige äußerliche Merkmal der Bulimie ist die starke Schädigung der Zähne, da sie oft in Berührung mit der Magensäure kommen. Die Betroffenen versuchen nicht nur durch das Erbrechen die Konsequenzen des vielen Essens zu umgehen:
• Mißbrauch von Abführmitteln (40-80 Tabletten am Tag)
• zeitweilige Hungerperioden
• Gebrauch von Appetitzüglern
• Diuretika (Mittel zur Anregung des Hahndranges)
Verlauf: Oft beginnt die Störung zufällig, wenn die Betroffenen bemerken, daß sie an Gewicht zugenommen haben und, daß sie das Wunschgewicht eher halten, bzw. Diätfehler leichter in Griff bekommen, wenn sie wiederholt nach dem Essen erbrechen. Der Verlauf ist ohne Behandlung oft chronisch-rezidivierend (siehe Magersucht). Bei Behandlung sind die Aussichten auf eine Heilung besser. Langanhaltende Heilungen mit einer Normalisierung des Eßverhaltens kommen vor. Aufgrund der hohen Dunkelziffer gibt es aber keine sicheren Erkenntnisse zum Verlauf ohne Behandlung. Folgen:
• Des Erbrechens: Beim Erbrechen gelangt Magensäure in Speiseröhre, Rachen und Mundraum. Dort gehört sie nicht hin und führt zu Verätzungen der ungeschützten Schleimhaut. Wie schon erwähnt werden dabei auch die Zähne stark angegriffen. Oft werden bei Bulimiekranken deshalb sämtliche Zähne gezogen und eine Prothese eingesetzt. Durch die Verätzungen schwellen auch die Speicheldrüsen an und entzünden sich. Bei einigen ist die Schwellung so ausgeprägt, daß es fast aussieht, als hätten sie Mumps. Außerdem kommt es zu körperlicher Schwäche, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Temperaturregulationsstörungen, Unruhe und Angstgefühlen. Der
große Verlust von Calcium kann im Extremfall zu einem Herzstillstand führen. Viele sterben frühzeitig an Herzrhythmusstörungen.
• Abführmittel: siehe Magersucht (z.B. Nierenschäden, Haarausfall)
•
Appetitzügler: Siehe Magersucht (z.B. Schlaflosigkeit, Herzrhythmusstörungen)
• Freßanfall: In extremen Fällen kann bei einem Freßanfall die
Magenwand platzen. Dabei ergießt sich der Mageninhalt in der Bauchhöhle; durch Blutungen und Infektionen entsteht ein lebensgefährlicher Zustand. Doch diese Krankheitsfolge ist sehr selten.
Die wesentlichen Unterschiede zwischen Bulimie und Magersucht
• Magersüchtige sind immer untergewichtig. Bulimiekranke haben ein Normalgewicht und sind manchmal auch ein wenig übergewichtig. Folglich treten bei ihnen auch nicht die Folgen des Untergewichts auf.
• Bulimiekranke übergeben sich erst nachdem sie eine sehr große Menge gegessen haben. Magersüchtige tun dies schon bei sehr geringen Mengen.
Anmerkung
Es gibt auch eine Mischform von Bulimie und Magersucht. Diese wird als Bulimarexie bezeichnet. Hierbei treten neben den beschriebenen Störungen der Magersucht zusätzlich regelmäßig Freßattacken, wie bei der Bulimie, mit anschließendem Erbrechen auf.
Quellennachweis
Broschüre der
ANAD e.V. / Psychosoziale Beratungsstelle bei Eßstörungen Rainer Tölle / Psychiatrie / 6. Auflage / 1982 / Springer-Verlag
Priv.-Doz. Dr. Dieter Ebert / Psychiatrie systematisch/ 2. Auflage /1997/UNI-MED Verlag AG
K. Koehler und H. Saß / Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen / 3. Auflage / 1984 / Beltz Verlag
Arbeit zitieren:
Janika Bartsch, 2001, Magersucht und Bulimie, München, GRIN Verlag GmbH
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magda
Hallo.
Hey ich hab mir grad deinen Bericht durchgelesen und ich fand es sehr hilfreich...
ich beschäftige mich in meiner freizeit sehr oft mit solchen themen wie selbstmord magersucht depressionen ritzen usw...
dein bericht hat mir vieles klar gemacht....danke =D
lg Magda
am Friday, May 02, 2008-
Mijuli
thx.
Hallo ich arbeite gerade an einem Schulprojekt und habe mir deinen Bericht durchgelesen ich habe viele weitere informationen gefunden danke!
am Thursday, October 09, 2008-
Suzanna Frediani
Unterformen.
Ich habe mit grossem Interesse diesen Artikel gelesen und beschaeftige mich seit einiger Zeit auch mit dem Thema. Ich bin aber mittlerweile zu der Ansicht gekommen, dass sich Unterformen entwickelt haben und es sich im Zuge der Zeit viels vermischt. Ich bin zum Besipiel nicht der Ansicht, dass Bulimiekranke sich hauptsaechlich mit Essen beschaeftigen. Sie haben was ihre Krankheit perfektioniert. Was auch oft nicht erwaehnt wird, dass oft Alkohol und Kaufsucht sich dazumischen. Ich wuerde mich freuen dazu einen Feedback zu bekommen.
Saluti Suzanna Frediani
am Monday, April 13, 2009-