Auch der Judenbücherstreit wegen des Talmuds fallen in diese Epoche.
Michel Servet, der die Dreifaltigkeit Gottes und Göttlichkeit Christi in "Widerherstellung des Christentums" (1531) leugnete, wurde der Ketzerei beschuldigt und eingekerkert. Nach seiner Flucht wurde er erneut verhaftet und schließlich 1533 verbrannt.
In Spanien war man besonders gründlich was die Reinhaltung der Schriften betraf. Die Einfuhr sämtlicher Bücher in spanischer Übersetzung waren verboten. Bei Nichteinhaltung drohte die Todesstrafe oder der Einzug des Vermögens. Manuskripte mussten vor und nach Veröffentlichung zensiert werden. Auf dem Index von 1583 standen unter anderem "lateinische Werke" von. Ovid, Melanchthon, Servet, Hus, Dante...
Ab 1515 wurden auch die Bücher von Erasmus von Rotterdam verfolgt. 1612 genügte schon allein die Nennung des Namens und man musste sich vor der Inquisition verantworten. Und das alles, weil die Herrscher Angst um einen Machtverlust hatten, der mit dem Einsetzen des Ratios möglich werden konnte.
Im absolutistischen Frankreich unterlagen alle Publikation staatlicher Zensur. Ludwig XIV förderte zwar die Literatur, doch nur um ein vorteilhaftes Bild von ihm zu hinterlassen. Der englische Philosoph Hobbes machte sich bei dem Staat und der Kirche mit seinem Werk „Leviathan“ unbeliebt, dass seine Vorstellung von einer guten Regierungsart propagierte, so dass 1668 verboten wurde.
John Miltons „State Papers“ landeten in England gleich von 1694-1948 auf dem Index, da er sich darin für den Liberalismus und die Pressefreiheit einsetzte.
John Lockes „Versuch über den menschlichen Verstand" wurden 1690 und 1700 verboten. Seine Gedanken kamen dann beinahe wörtlich in der Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg wieder In Deutschland sollte das Ziel eines jeden Autoren die Disziplinierung des Volkes sein und somit ihre Schriften die konfessionell bestimmte Versittlichung fördern. So kam es, dass die Zensur ein fester Bestandteil des Literaturbetriebes, besonders während des 30-jährigen Krieges, wurde. Politische Gedichte konnten sogar nur unter Schutz oder durch Veranlassung eines Landesherrn entstehen. In der Zeit der Aufklärung wurde eine kaiserliche Bücherkommission in Frankfurt am Main errichtet, um eine Überwachung der Zensurvorschriften gewährleisten zu. Zusätzlich gab es in den einzelnen Staaten eigene Zensurbehörden.
Um solche Institutionen zu umgehen, wurden Bücher, die in beispielsweise in Preußen nicht gedruckt werden durften, in Württemberg gedruckt. Auch ein anonymer Druck oder Selbstzensur waren solche Mittel, die zum Beispiel auch Goethe nutzte.
Lessing, der anfangs von Zensur befreit war, wurden später seine religionskritischen Schriften verboten.
Wieland war sogar fast überall verboten. Nur Sachsen-Weimar bildete da eine Ausnahme, da man dort Zensur kaum kannte und weshalb sie sich schnell zum geistigen Mittelpunkte Deutschlands entwickelte.
Mit Beginn der Französischen Revolution verstärkte sich die Angst der Fürsten vor jakobinischen Ideen und es wurden zusätzlich zur Zensur noch Polizeischikanen, Ausspähungen durch Denunzianten und Spitzel, Landesverweise, Beschlagnahmungen von Zeitschriften, körperliche Misshandlungen eingesetzt.
So wurde auch Immanuel Kant 1794 zurechtgewiesen, dass seine Philosophie herabwürdigend und entstellend ist, was bestimmte Lehren des Christentums und der Heiligen Schrift betraf und er seine Pflicht gegenüber Jugend und landesväterlichen Absichten verletzte.
In Österreich gab es ein Verbot aller Schriften, die keine katholischen Standpunkte hatten, da die zuständigen Behörden mit Jesuiten besetzt waren
Unter Kaiser Joseph II erschienen neue 1781 Grundregeln zur Bücherzensur, die wie ein "Tauwetter" für die österreichische Literatur wirkte. Die Zahl der verbotenen Bücher verringerte sich von 5000 auf 900.
Nach dessen Tod 1790 setzte jedoch wieder eine „Eiszeit“ ein.
In der Ära Napoleon und Metternich wurden nur die religiöse und politische Literatur kontrolliert, die schöne und wissenschaftliche blieb zensurfrei.
Zwar gab es auch beim Wiener Kongress eine Diskussion über die Pressefreiheit, so wurde jedoch eine rechtliche Umsetzung hinausgezögert, so dass keine Veränderungen eintraten. Auf dem Hambacher Fest wurde schließlich propagiert, dass das einzige "Mittel zur Wiedervereinigung Deutschlands im Geiste [...]allein die freie Presse sei. Dies wissen auch die Fürsten und darum bieten sie alle Kräfte auf, um dieser allmächtigen Waffe der Völker in D. den Eingang zu verwehren" (Zitat nach Georg August Wirth). i
Die Spitzelei war weit verbreitet, um zu erkunden, woran die Autoren arbeiten und was Verleger (Brockhaus, Hoffmann & Campe, Reclam...) drucken wollen.
Mit der Revolution von 1848 kam es schließlich kurzweilig zur Aufhebung der Zensur in Österreich und Preußen. In der Paulskirche wurde sogar festgelegt, dass "...Die Preßfreiheit ... unter keinen Umständen und in keiner weise durch vorbeugende Maßregeln, namentlich Censur,[...] beschränkt, suspendiert oder gar aufgehoben werden" darf.
Doch schon 1849 wurde die Vorzensur in Preußen wieder schleichend eingeführt und es kam zu einer Flucht vieler Schriftsteller
In der Weimarer Republik stand wieder die sittliche Moral im Vordergrund (gegen Taktlosigkeit über Religion, verlogene Sexualmoral, Prüderie), weshalb Autoren wie Arthur Schnitzler, Carl Einstein und Rowohlt hohe Geldstrafen zahlen mussten.
Theodor Lessing führte im "Prager Tageblatt" eine Studie über Hindenburg durch, die den Nachweis erbrachte, dass dieser für höchstes Staatsamt ungeeignet sei. Die Folge war, dass er in Hörsälen bedroht wurde, 1926 seine Lehrtätigkeit untersagt und schließlich 1933 in einem Hinterhalt im Exil durch Nazis den Tod fand.
1926 wurde das "Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften" veröffentlicht. Heinrich Mann war ein Kämpfer gegen dieses Gesetz. Dekrete gegen Bücher wie Remarques „Im Westen nichts Neues“ wurden erlassen 1933 gab es eine Bücherverbrennung.
Carl von Ossietzky deckte in der Zeitschrift "Die Weltbühne" die geheime Aufrüstung der Reichswehr auf, weshalb er 1931 im so genannten Weltbühne-Prozess wegen "Landesverrats und Verrats militärischer Geheimnisse" zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt wurde und in ein Konzentrationslager kam. Die Übernahme des Friedensnobelpreises 1935 wurde ihm untersagt. Später starb er an Folgen der Haft tuberkulosekrank in einer Berliner Klinik.
Aus den Bibliotheken wurden Autoren verbannt, wie Tucholsky, Stefan Zweig, Brecht, Remarque, Schnitzler, Feuchtwanger, Heinrich Mann, Arnold Zweig
Mit dem "Reichskulturkammergesetz" vom 22.9.1933 setzte eine totale Kontrolle der Schriften ein. Erst 1949 wurde im Grundgesetz festgelegt "Die Zensur findet nicht statt" (Artikel 5). Wurde dieses Grundrecht jedoch bereits 4 Jahre später am 9.6.1953 durch "Gesetzliche Bestimmungen zum Schutze der Jugend", welche die Publikation von kriegsverherrlichende, von Rassenhass geprägten Schriften verhindern sollten
Am 3.10. 1965 kam es wieder zu einer Bücherverbrennung (in Düsseldorf) durch den Evangelischer Jugendbund für entschiedenes Christentum, wo Bücher von Grass, Kästner, Albert Camus etc. in Flammen aufgingen.
1971 wurde das politische Manifest der RAF, der "Rote Kalender" beschlagnahmt Und zwischen 1981-1988 gab es hunderte Polizeieinsätze gegen Buchhandlungen und Verlage. In der heutigen Zeit der westlichen und demokratischen Ländern wurde die Zensur verboten. Es werden lediglich Indizierungen erteilt.
Andere Länder, die noch nicht demokratisch regiert werden und so leider häufig Diktaturen als Regierungsform haben, ist die Zensur noch heute ein gängiges Mittel um der Bevölkerung Informationen vorzuenthalten und sie auf diese Weise vielleicht auch ruhig zu stellen versuchen. i Zitat Georg August Wirths, aus „Der Zensur zum Trotz - das gefesselte Wort und die Freiheit in Europa“ © Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel 1991
„Lesen und Schreiben im 17. und 18. Jahrhundert“ hrsg. Paul Goetschel, Autor Hans Martin Gauge, © 1994 Ganter Narr Verlag Tübingen
„Warnung vor dem Schriftsteller - 3 Vorlesungen in Frankfurt“ Jurek Becker, © Suhrkamp Verlag Frankfurt a.M. 1990
"Verbotene Bücher - eine Geschichte der Zensur von Homer bis Henry Miller" Hans. J. Schütz © C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung (Oskar Beck), München 1990
„Der Zensur zum Trotz - das gefesselte Wort und die Freiheit in Europa“ © Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel 1991
„Über die Kunst des Schreibens -wie Autoren unbewusste Kräfte besser nutzen“ Wilhelm Ruprecht Frieling © Frieling Verlag & Partner GmbH und Verfasser 1994 Berlin „Geschichte der deutschen Literatur - Aufklärung, Sturm und Drang“ Theo Herold und Hildegard Wittenberg © Ernst Klett Verlage GmbH u. Co.KG, Stuttgart 1983 (Auflage 1991)
Arbeit zitieren:
Sandra Prescher, 2001, Zensur, München, GRIN Verlag GmbH
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