auf das strahlende Atom, mit der Überzeugung, daß dieser Richtungswechsel die Interpretationen
der Ergebnisse erleichtern könnte. Im Verlauf seiner Arbeiten machte er dann Beobachtungen,
die zu einem völlig neuem und revolutionären Konzept führten: Materie emittiert und absorbiert
Strahlungsenergie nicht kontinuierlich, sondern in einzelnen "Energiepaketen" (Energiequanten).
Am 14. Dezember 1900 trug er einen Vortrag vor der Berliner Physikalischen Gesellschaft über
seine "Quantenhypotese" vor; dieser berühmte Vortrag gilt allgemein als Beginn der modernen
Atomphysik. Das Wirkquantum, das Planck mit einem "Genie - Blitz" eingeführt hat, gilt heute
allgemein als einer der bedeutendsten und revolutionierenden Meilensteine in der
Wissenschaftsgeschichte. Die Quantenhypothese und die Relativitätstheorie Einsteins haben die
Physik in diesem Jahrhundert sowjetischen tiefgreifend wie keine andere Erkenntnis beeinflußt.
Auf Grund von Plancks Beobachtungen mußte der althergebrachte Begriff des "Kontinuums der
Natur" aufgegeben werden, eine Vorstellung, die seit Aristoteles in der Wissenschaft
vorherrschte. Der offene Bruch mit der klassischen Physik kam aber erst einige Jahre später,
durch Albert Einsteins Arbeit, die 1905 in den "Annalen der Physik" erschien. Einstein, damals
ein unbekannter Angestellter am Eidgenössischen Patentamt in Bern, stellte darin eine
kompromißlose Korpuskulartheorie des Lichtes vor.
In seiner Theorie behauptete er, daß sowohl der Emissions- als auch der Absorptionsakt von
Licht nur im Rahmen der Quantenhypothese zu verstehen sei, Licht also aus kleinen Korpuskeln,
sogenannten Lichtquanten, bestehe. Er begründete seine Vorstellung auf Beobachtungen, die man
allgemein als "photoelektrischen Effekt" bezeichnet: Lichtwellen, die auf eine Metalloberfläche
treffen, verursachen den Austritt von Elektronen, die in jedem Metall in großen Mengen
vorhanden sind. Elektronen sind sehr, sehr kleine, negativ geladene Teilchen, die in der Hülle des
Atoms vorkommen. Den Beweis ihrer Existenz erbrachte 1897 der englische Physiker Joseph
John Thomson (1856 - 1940) durch seine Experimente mit einer Kathodenstrahlröhre, einem
Vorläufer des heutigen Oszillographen. Thomson wurde für die Entdeckung des freien Elektrons
1906 mit dem Physik - Nobelpreis ausgezeichnet. In einer von Einsteins Hypothesen, wird
erklärt, warum rotes Licht keine Elektronen aus Metallen freisetzen kann, sondern nur violettes
Licht (oder, bei einigen Metallen nur ultraviolettes Licht), da seine Energiequanten
energiereicher als die des roten Lichtes sind.
Berühmte Physiker und ihre Erfindungen Arnold Sommerfeld Der deutsche theoretische
Physiker, geboren am 5.12.1868 und verstorben am 26.04.1951, ist bekannt für seine
Entdeckungen in dem Gebiet der Quanten Mechanik. Sommerfeld erhielt seinen Doktortitel 1891
an der Universität von Königsberg, wo er Mathematik mit David Hilbert studierte. 1906 erhielt er
ein Lehrstuhl für theoretische Physik an der Universität Münchens, wo er dann auch später ein
wichtiges Institut der Physik gründete. 1916 arbeitete er an einer Erweiterung der
Quantentheorie. 1919 veröffentlichte er seine ersten Theorien über den Atombau und über die
Spektrallinien, welche dann später von vielen Atomphysikern angewandt wurden. Seine späteren
Arbeiten beschäftigen sich mit der Erforschung der Energie und mit den Reaktionen der Atome
mit anderen Stoffen.
Lise Meitner Die am 7.11.1878 in Wien geborene, und am 27.10.1968 verstorbenen, Physikerin
veröffentlichte 1939 mit ihrem Neffen Otto R. Frisch eine theoretische Interpretation der
nuklearen Spaltung. Nachdem 1906 ihren Doktortitel in der Universität von Wien bekam, begann
Meitner mit ihrer Forscher Karriere 1907 mit dem Chemiker Otto Hahn. 1917 entdeckten sie
Protactinium, den Vorläufer der Substanz, aus der Actinium geformt ist. Meitner bekam dann die
Führung der physikalischen Abteilung des "Kaiser Wilhelm Institutes für Chemie" in Berlin
(1917 - 1938). Vor den Nazis flüchtend, setzte sie ihre Arbeit am "Nobel Institut" in Schweden
vor. Ihre theoretischen Arbeiten halfen den Zusammenhang zwischen Beta und Gammastrahlen
zu verdeutlichen.
Sir Ernest Rutherford Sir Ernest Rutherford, in New Zealand am 30.8.1871 geboren, verstorben
19.10.1937, ging zuerst zum Cavendish Labor, an der Universität von Cambridge. Dort
beschäftige er sich erst mit der Elektrizität und später dann mit der Radioaktivität. 1898 bekam
Rutherford an der McGill Universität in Montreal seinen Professor - Titel, und zeigte seine
Talente mit dem Entdecken einiger radioaktiver Elemente. Auch wenn viele andere Physiker
Errungenschaften bei der Radioaktivität verzeichnen konnten, war Rutherford doch der führende
auf diesem Gebiet. Er wurde 1908 mit dem "Nobelpreis für Chemie" für seine Arbeiten mit der
Radioaktivität ausgezeichnet. In diesem Jahr zeigte er mit Hans Wilhelm Geiger, daß Alpha
Partikel zweifach geladene Helium Ionen sind. Seine größte Entdeckung machte Rutherford
1909. Kurz nachdem er zur Universität Manchester umgezogen war, fand er heraus, daß Alpha
Partikel, wenn man mit ihnen dünne Metall - Folie beschießt, beim Aufprall ihre Laufbahn
ändern und durch die dünne Materie hindurch gehen können. 1911 veröffentlichte er sein
endgültige Modell des Atoms. Rutherford war von 1925 bis 1930 der Präsident der "Royal
Society", welche ihm 1922 die höchste Auszeichnung, die "Copley" Medaille, verlieh. Er wurde
1914 zum Ritter geschlagen (der "Sir" Titel) und wurde 1921 mit den "Order of Merit"
ausgezeichnet.
Otto Hahn Der deutsche Chemiker Otto Hahn, geboren 8.3.1879, gestorben 28.7.1968, erhielt
1944 den Nobel - Preis der Chemie, für seine Entdeckung, der Spaltung von schweren Nucliden.
Er begann 1904 mit seinen Erforschungen im Sir William Ramsay Labor, am University College
in London. Dort entdeckte er das Radiothorium. Er erhielt eine Stelle an der McGill Universität,
um dort mit Ernest Rutherford Nachforschungen anzustellen. 1905 zeigte sich sein Talent für
Erforschungen, als er das Radioactinium entdeckte. 1906 kehrte er nach Deutschland zurück und
wurde dort 1910 Professor an der Universität von Berlin. Nachdem er 1912 zum Leiter der
Abteilung der Radioaktivität des Kaiser Wilhelm (später Max Planck) Instituts wurde, entdeckte
Hahn mit Lise Meitner zusammen, das stabilste Isotop von Protactiunium. 1938 entdeckte er in
Zusammenarbeit mit Fritz Strassmann, daß Uran mit künstlichen Beschuß mit Neutronen Barium
produziert. Dieses Phänomen, Spaltung genannt, führte direkt zum Bau der Atombombe.
Albert Einstein Am 14.3.1879 in Ulm geboren, besucht Einstein, trotz jüdischer Herkunft, in
München eine katholische Oberschule. Er scheint keine Begabung zu haben, hat sogar Probleme
beim sprechen, macht trotzdem sein Abitur. In der Schweiz wird er fast nicht zum Studium
angenommen, da er nur in Mathematik fürs Studium geeignet scheint. Er beschäftigt sich dann
mit der theoretischen Physik. 1901 erhält er eine Stelle beim Schweizer Patentamt in Bern,
obwohl er Jude und nicht mal Schweizer war. Einsteins bedeutendstes Werk, die
Relativitätstheorie, erscheint 1905, in dem Jahr, in dem er auch seinen Doktortitel erhält. 1930
geht Einstein als Hochschullehrer in die USA.
Max Born Der deutsche Physiker (11.12.1882 - 5.1.1970) wird als Pionier auf dem Gebiet der
Quanten Physik bezeichnet. Er erhielt seinen Doktortitel 1907 in Göttingen, wo seine Arbeiten
von Mathematikern wie David Hilbert, Felix Klein und Hermann Minkowski beeinflußt wurde.
Er verließ Göttingen 1915, als er eine Stelle an der Universität von Berlin annahm und dort ein
Freund und Kollege von Max Planck und Einstein wurde. 1921 war Born Direktor des
Physikalischen Institutes in Göttingen. Die Jahre 1921 und 1933 waren die erfolgreichsten Borns.
In Zusammenarbeit mit den Studenten und Assistenten Werner Heisenberg, Pascual Jordan und
Wolfgang Pauli, entschloß er sich eine neue Theorie der Quantenmechanik zu veröffentlichen.
Als Heisenberg 1925 Erfolg hatte, gelang es Born und einigen anderen mit ihrer Theorie
vorzurücken, indem sie mehr systematische und wichtige Mathematik einsetzten. 1954 erhielt er
einen Nobel - Preis der Physik. Born, ein gebürtiger Jude, verlor sein Professor - Titel, als Hitler
an die Macht kam; doch schon bald (1936) wurde ihm ein Lehrstuhl an der Universität von
Edinburgh, welchen er dann bis 1953 behielt, angeboten. Nachdem er sich in die ländliche
Gegend von Göttingen zurückzog, beschäftigen er sich nicht nur mit Wissenschaften, sondern
schrieb und redete über Wissenschaftler.
Hans Wilhelm Geiger Der deutsche Physiker , geboren am 30.9.1882 und gestorben am
23.9.1945, ist am besten für seine Errungenschaften in der Kernphysik und für seine Erfindung,
dem Geiger Zähler, bekannt. Mit seinem Zähler entdeckte Geiger die Welt der Alpha- und
Betateilchen. Mit Ernest Rutherford behauptete er 1908, daß Alpha Teilchen zwei Einheiten von
Ladungen besäßen, und demonstrierte 1913, daß die Kernladung die Hälfte des Gewichts des
Atoms beträgt. Viele weitere Entdeckungen folgten, so auch die Entdeckung der Kosmischen
Strahlen 1930.
Sir James Chadwick Der englische Physiker James Chadwick (20.10.1891 - 24.7.1974) ist für
seine Entdeckung des Neutrons bekannt. 1911 verließ er die Universität von Manchester, und
während den 1920-ern arbeitete er zusammen mit Ernest Rutherford auf dem Gebiet der
Kernphysik. Seine Experimente mit der Bombardierung von Lichtstrahlen mit Alpha Partikeln
führten 1932 zur Entdeckung des Neutrons, mit welcher er 1935 mit dem Nobel - Preis
ausgezeichnet wurde. Während des zweiten Weltkrieges arbeitete Chadwick an der Atombombe.
Er wurde 1945 zum Ritter geschlagen ("Sir" Titel).
Werner Karl Heisenberg Der deutsche Physiker Heisenberg wurde am 5.12.1901 geboren und
starb am 1.2.1976. Er war einer der führenden Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts. Er
vollbrachte wichtige Arbeiten in der Kern- und Nuklearphysik. Heisenberg studierte Physik an
der Universität von München, wo er auch unter der Leitung von Arnold Sommerfeld arbeitete.
Eine Serie von Vorlesungen von Niels Bohr brachte ihn dazu, an der Quanten Theorie zu
arbeiten. Er ging zu Bohr´s Kopenhagen Institute, an der Universität von Göttingen. Dort führte
er 1925 die "Matrix Physik", den Vorgänger der Quanten Physik, ein. 1928 brachte er ein Buch,
The Physical Principles of Quantum Theory, heraus, indem er seine Ideen über die Quanten
niederschreibt. Ein Jahr zuvor wurde er Professor an der Universität Leipzigs, und 1932 bekam er
den Nobel - Preis der Physik. Als Adolf Hitler die Macht übernahm, blieb er in Deutschland und
wurde Direktor am Kaiser Wilhelm Institut; außerdem führte er während dieser Zeit auch das
mißglückte Atombombenprojekt in Deutschland an. 1958 wurde Heisenberg Direktor am Max
Planck Institut für Physik und Astrophysik. Die nächsten, späteren Jahre verbrachte er damit, die
Subatomaren Partikel zu erforschen.
Niels Bohr Bohr wurde am 7.10.1885 in Dänemark geboren. Er wurde durch seine Theorien, die
er in der Physik aufstellte, bekannt. 1911 zog er zuerst nach Cambridge und dann nach
Manchester, England, wo er mit Ernest Rutherford arbeitete. Im Herbst 1912 ging er zurück nach
Kopenhagen, wo er ein Platz an der Universität erhielt. Dort heiratete er auch und bekam 6
Söhne. 1916 wurde Bohr Professor an der Universität von Kopenhagen und 1922 bekam er den
Nobelpreis der Physik. 1939, ein Jahr bevor die Nazis Dänemark einnahmen, wurde Bohr
Präsident der "Royal Danish Academy of Sciences and Letters". Als die Nazis 1943 Bohrs
Wissen für ihr Atombombenprojekt einsetzen wollen, flüchtet er mit seiner Familie in die USA,
wo er sich am Atombombenprogramm der USA beteiligt. Nach dem Krieg geht er nach
Dänemark zurück, und stirbt dort am 18.11.1962.
Enrico Fermi Der italienische Physiker (29.9.1901 - 28.11.1954) war eine der Hauptfiguren im
Manhattan - Projekt und war einer der Physiker, die erste Atombombe bauten. 1922 bekam er
seinen Doktortitel an der Universität von Pisa, Italien. Nachdem er bei Max Born in Göttingen
und bei Paul Ehrenfest in Leiden arbeitete, kehrte er 1926 nach Italien zurück und wurde
Professor der theoretischen Physik an der Universität von Rom. 1938 flüchtete er, wegen des
zweiten Weltkrieges, nach Amerika. In seine frühen Arbeiten beschäftigte er sich mit der
Radioaktivität und dem künstlichen Beschuß radioaktiver Stoffe mit Neutronen. Für diese Arbeit
wurde er 1938 mit dem Nobel Preis für Physik ausgezeichnet. In Zusammenarbeit mit anderen
Wissenschaftlern erforschte er dann die Kernspaltung an der Columbia Universität. Diese
Forschungen führten zum ersten Atombombentest in Los Alamos. Nach dem Krieg bekam Fermi
eine Stelle an der Universität von Chicago und führte dort seine Arbeit in der Kernphysik vor.
Eugene Paul Wigner Eugene Paul Wigner, geboren in Budapest, Ungarn, 17.12.1902, ist ein
amerikanischer Physiker, der für seine Arbeiten in der theoretischen Physik bekannt und gehörte
zu den ersten Befürwortern der Kernenergie. Von 1942 bis 1948 arbeitete er an dem Manhattan -Projekt; seine Ergebnisse der Erforschung der Kernladungen wurden ein Teil der Atombombe.
Wigner erhielt 1953 den "Enrico Fermi Preis" von der Atomic Energy Commission, die "Atoms
for Peace" Auszeichnung (1960) und bekam 1963 mit den Nobel Preis der Physik mit Jo Jensen
und Marie Goeppert - Mayer.
Robert Fox Bacher Der amerikanische Physiker wurde am 31.8.1905 geboren und spielte eine
wichtige Rolle in der Entwicklung in der Kerntechnologie. Nachdem er 1930 die Universität von
Michigan verließ, ging er 1935 zur Cornell Universität. Bacher arbeitete an der Entwicklung des
Radars und assistierte von 1943 bis 1945 bei dem Bau der Atombombe. In Los Alamos baute er
die erste Atombombe. Präsident Harry Truman zeichnete ihn mit der "Medal of Merit" aus und
ernannte ihn 1946 zum Bevollmächtigten der Atomic Energy Commission, aber Bacher kündigte
1949 und entschied sich, an Schulen unterrichten zu geben. Er bekam ein Lehrstuhl in der
Abteilung der Physik an dem California Institut der Technologie.
Hans Bethe Der amerikanische Physiker Hans Albrecht Bethe, geboren 2.7.1906, wurde durch
seine Arbeiten in der Kern- und Astrophysik bekannt. Er bekam 1928 seinen Doktortitel an der
Universität von München und verbrachte die nächsten fünf Jahre damit, an deutschen
Universitäten zu unterrichten. Als die Nazis die Macht in Deutschland übernahmen, ging Bethe
erst nach England und dann nach Amerika. In dieser Zeit fiel er durch seine Arbeiten über
Subatomare Partikel und über die Quanten Physik auf. Nachdem er 1935 Professor der Physik an
der Cornell Universität wurde, kündigte er diese Stelle 1975 als "Professor Emeritus". In den
USA interessierte sich Bethe für die Energieresourcen der Sonne und anderer Sterne. Später ging
er nach Los Alamos, im Norden Mexikos, und wurde dort der Chef der Abteilung für
theoretische Physik des Atombomben Projekts. Nach dem zweiten Weltkrieg beschäftigte sich
Bethe mit der Schockwellen - Theorie, der Meson - Theorie und der Quantenphysik. Als
Präsident Truman einen "Crashkurs" zum Bau einer Wasserstoffbombe anordnete, entschloß sich
Bethe mit Edward Teller das Programm zu verlassen. 1958 war er Leiter einer Studie über
Abrüstung, einem Thema, mit dem er sich auch beschäftigte. Er wurde der Berater zu diesem
Thema von Präsident Eisenhower, Kennedy und Johnson, und vermittelt 1963 bei Verhandlungen
mit der Sowjetunion. Bethe wurde 1967 mit dem Nobel - Preis für Physik, für seine Einsätze in
der Kernphysik und dem Verstehen der stellaren Prozesse, ausgezeichnet. In den späteren Jahren
sprach er sich gegen so genannte Nukleare Verteidigungsanlagen aus. Edward Teller Edward
Teller, geboren 15.1.1908, ist ein in Ungarn geborener amerikanischer Physiker, der mit seiner
Arbeit an der Wasserstoffbombe berühmt wurde. Während des zweiten Weltkrieges war er ein
Mitglied des Manhattan - Projekts und förderte die Entwicklung der Atombombe. Während
dieser Zeit entwickelte er erste Gedanken zur Wasserstoffbombe und war auch der Leiter ihrer
Entwicklung. Er bekam 1962 den "Fermi" Preis der Atomic Energy Commission und erhielt in
den Jahren später noch viele andere Auszeichnungen und Medaillen für seine Leistungen in der
Kernphysik ausgezeichnet.
Die Zeit um den zweiten Weltkrieg Das deutsche Kernenergieprojekt Im Frühjahr 1939 brachten
mehrere deutsche Wissenschaftler die wirtschaftlichen und militärischen
Anwendungsmöglichkeiten der Kernspaltung einigen Behörden zur Kenntnis. Die Physiker
Georg Joos und Wilhelm Hanle von der Universität Göttingen setzten sich mit dem
Kultusministerium in Verbindung. Auf ihr Schreiben erhalten sie erst Monate später eine
Antwort, in der steht, daß die deutsche Reichsarmee über die Möglichkeiten der Kernspaltung
schon längere Zeit in Bilde sei... Schon früh stellte man sich die Frage, wie und wie viel Uran235
man vom Natur-Uran gewinnen kann. Nach vielen Versuchen gelingt es endlich . Die Trennung
mit Massenspektrographen. Uran Dampfteilchen werden elektrisch aufgeladen, durch ein
Magnetfeld geschickt, dort getrennt und dahinter, in Uran238 und Uran235 getrennt,
aufgefangen. Schon bald war klar, daß diese Methode brauchbar war, auch wenn man in einer
Stunde nur ein Hundertstel Gramm reines Uran235 gewinnen konnte. Als die Anlage ausgebaut
wurde, gelang es täglich 3kg Uran235 zu gewinnen, doch mit einem ungeheuren Aufwand. Der
Strombedarf glich dem einer Großstadt! Im Sommer 1943 beginnt man zusätzlich mit dem Bau
einer Gasdiffusionsanlage, um die ausreichende Menge an Uran235 für eine Atombombe zu
bekommen. Es gab viele Schwierigkeiten. So viele, daß die Anlage erst zum Kriegsende voll in
Betrieb war. Andere Vorhaben mit ungeheuren Aufwand sind nicht zu realisieren. Nicht selten
stellte man sich die Frage, ob es überhaupt noch ein anderes Verfahren gibt. 1922 und später
noch, 1938, ist eine "Verdampfungszentrifuge" erfunden worden. Sie sollte für die
Isotopentrennung geeignet sein. So kommt es zu dem Versuch, die Isotope des Urans mit einer
Zentrifuge zu trennen. Es wurde, trotz des Krieges, an einer großen Zentrifuge gearbeitet, die
dann auch noch probeweise Uran235 lieferte. Zum Ende des Krieges wird die Zentrifuge von den
Siegern demontiert und es wird Deutschland verboten, weitere Atombombenprogramme zu
führen.
Im Jahre 1942 sind in den USA bereits Vorarbeiten zum Bau einer "Uranmaschine" eingeleitet
worden. Graphit soll als Moderator benutzt, in Form von Ziegeln zu einem Mauerwerk errichtet,
werden. An bestimmten Stellen wird Uran stabförmig in diesen Bau eingefügt. Am Vormittag des
2. Dezember 1942 war es dann so weit. Unentschlossenheit herrschte. Der Physiker Enrico
Fermi, der Leiter des Projekts, ließ die Cadmium-Stäbe mal einfahren, mal ausfahren. Das
Strahlungsmeßgerät funktionierte. Theoretisch sollte alles gut laufen, doch niemand wußte genau,
was geschehen sollte. Um 15.30 Uhr wird ein Cadmium-Stab noch etwas herausgezogen. Auf
einmal sagte Fermi, daß die Kettenreaktion erreicht sei. So war es auch, die Registriergeräte
bestätigten es.
Atomwaffenversuche
Vierziger Jahre
Das Manhattan - Projekt "Manhattan - Project" war der Codename, für den Bau der ersten
Atombombe der USA während des zweiten Weltkrieges. Es wurde so benannt, da das Projekt in
New York begonnen wurde. Die Idee kam, das Programm wurde langsam organisiert, als
deutsche Wissenschaftler 1938 die Kernspaltung entdeckten, und als geflüchtete Physiker in den
USA und amerikanische Physiker befürchteten, daß Hitler anordnen würde, eine
Kernspaltungsbombe zu bauen. Das Programm war erst unter der Leitung von Vannevar Bush,
den Chef des Nationalen Verteidigungs Komitees und der Behörde für Wissenschaften, und dann
unter der von General Leslie Groves. Groves stellte gleich Land in Oak Ridge, Tennessy, zur
Verfügung, um Fabriken, zum trennen von Uran235 von Uran238, zu bauen. Außerdem erklärte
er J. Robert Oppenheimer zum Leiter des Waffen Labors, das auf einem isolierten Stück Land
von Los Alamos lag. 1945 wurde erstmals reines Uran235 nach Los Alamos gebracht. Dort
wurden mehrere Uran235 Stücke aufeinander geschleudert, und es entstanden kritische Uran235
Massen. Es wurde auch an anderen Atombomben Typen, mit synthetischen Plutonium, geforscht.
Enrico Fermi ließ Ende 1942 einen Reaktor bei Chicago bauen, den Prototypen von fünf
produzierenden Reaktoren errichtet bei Hanford, Washington. Diese Reaktoren produzierten
Plutonium, indem man Uran238 mit Neutronen "bombardierte". Bei Los Alamos sollte das
Plutonium mit Sprengstoff komprimiert werden und in ein sehr kleines Volumen zusammen
gedrückt werden, und damit in eine äußerst kritische Masse. Das Ergebnis wurde dann später
getestet: Es war die erste Explosion einer Atombombe.
16. Juli 1945: Trinity, New Mexico Der Test der ersten Atombombe, die den Namen "Trinity"
trug, war für Juli 1945 geplant. Er sollte in einem 150 km langen Wüstenstreifen im Hochland
von New Mexico stattfinden, der den Namen "Reise des Todes" trug. Das Bombentestgelände
von Alamogordo befand sich im Besitz der amerikanischen Regierung und war schon bald nach
dem Überfall auf Pearl Harbour als Testgelände für konventionelle Bomben genutzt worden.
Weil es abgelegen war und der Bundesregierung gehörte, bot es ideale Voraussetzungen für die
Durchführung eines Geheimprojekts. In einem 30 x 40 km großen Teil des Geländes nahmen die
Vorbereitungen für die Detonation der neuen Waffe allmählich ihren Lauf. Das Manhattan -Projekt, die Entwicklung der ersten Atombombe durch die USA und die Alliierten unter Leitung
von General Leslie Groves, näherte sich seinem erfolgreichen Abschluß. Zwei Monate vor dem
Test ergaben neue Berechnungen über die Wirkung der Explosion, daß der zu erwartende Fallout
die Evakuierung von Hunderten von Zivilisten in der Umgebung des Testgeländes erforderlich
machen würde. Auf einige Ratschläge hin, begann die Armee ernsthaft Pläne für eine eventuelle
Evakuierung der Zivilisten zu entwerfen. Mitarbeiter des Projekts schlossen Wetten über die
Sprengkraft der Bombe und über den kommenden Fallout ab. Ein gravierendes Problem stellte
jedoch das Wetter da. Das Wetter wurde aber nicht beachtet und der Test für den 16. Juli
festgesetzt, obwohl für diesen Tag schwere Gewitter angesagt waren. Da mit schlechtem Wetter
gerechnet wurde, wurde dem Gouverneur von New Mexico telefonisch mitgeteilt, daß man unter
Umständen im gesamten Zentralgebiet des Staates das Kriegsrecht verhängen müßte. Für diesen
Fall wurde eine falsche Presseerklärung vorbereitet, in der behauptet wurde, daß ein
Munitionsdepot explodiert sei. Die Situation war gespannt und von Unsicherheit geprägt, als am
16. Juli um genau 5 Uhr 29 Minuten "Trinity" explodierte.
Innerhalb einer Viertelstunde teilte sich der Fallout in drei Wolken. Die Hauptwolke stieg in eine
Höhe von ca. 16000 m und zog nach Nordosten. In den ersten zwei Stunden ging nur wenig vom
Fallout auf die Erde nieder. Dann wurde ein Gebiet von etwa 480 km² stark radioaktiv verseucht.
Spuren von Gammastrahlung wurde in Santa Fe, Las Vegas und Trinidad in Colorado registriert,
also bis 420 km vom Testgelände entfernt. Die Wolke trieb von New Mexiko aus über Kansas,
den nördlichsten Teil New Yorks und schließlich auf Meer hinaus. Die Evakuierungspläne
wurden nie durchgeführt. Die Radioaktivität wurde kontinuierlich gemessen. Die Meßwerte
lagen immer im anzunehmenden Bereich. Das galt jedoch nicht für einen Canyon, der schon bald
"Hot Canyon" genannt wurde, und 32 km vom Bodennullpunkt, dem Punkt der am Boden
unterhalb der Explosion liegt, entfernt war. In einigen Teilen des Canyons war die Strahlung
sowjetischen stark, daß die Meßgeräte die Meßwerte nicht mehr anzeigen konnten. Die Werte
waren teilweise 66 mal so hoch, wie an anderen Stellen. Am 17. Juli untersuchten zwei
Mitarbeiter des "Trinity" - Teams den Canyon. Ihre Entdeckung machte ihnen Angst, denn sie
entdeckten ein älteres Paar, das kaum 1/2 km vom Canyon entfernt lebte. Niemand hatte jemals
etwas von diesem Paar gehört und ihr Haus war nirgendwo verzeichnet. Sie stellten fest, daß die
beiden Regenwasser vom Dach in eine Zisterne sammelten und als Trinkwasser benutzten. Da es
in der Nacht der Explosion stark regnete, mußte ihre Zisterne radioaktiv verseucht sein. Auch
Farmer in der näheren Umgebung wurden der radioaktiven Strahlung ausgesetzt, und erzählten,
daß es seltsam gerochen hatte, als es regnete. Die "National Association of Atomic Veterans"
(NAAV) hat einen Sachbearbeiter damit beauftragt, Soldaten zu helfen, die angeben, als Folge
von "Trinity" an Gesundheitsschäden zu leiden. Bis 1984 hat die Regierung jedoch keinem
einzigen Fall anerkannt, daß die Schäden durch "Trinity" nicht verursacht wurden. Die Naivität
bezüglich der radioaktiven Strahlung war in den 40-er Jahren so groß, daß Menschen, die in der
Nähe des Testgeländes lebten, heimlich in das Testgelände eindrangen, "Trinitit" sammelten
(eine glasartige Masse, zu der der Sand durch die viele Millionen Grad heiße Explosion
zusammengeschmolzen war) und an Touristen weiterverkauften. August 1945 - Hiroshima und
Nagasaki Am 6. August 1945 früh am Morgen drang ein Beobachtungsflugzeug der
amerikanischen Luftwaffe vom Luftwaffenstützpunkt Tinian in den Luftraum über Hiroshima
ein. Genau um 7.09 Uhr löste das regionale Hauptquartier Hiroshima Chigoku Luftalarm aus. In
Hiroshima war gerade schönes Wetter und die Sicht war gut. Um 7.31 Uhr wurde der Luftalarm
beendet, in der Stadt machten sich die Menschen auf dem Weg zur Arbeit. Wenige Minuten
später jedoch drang der amerikanische Bomber "Enola Gay" mit der Atombombe an Bord in
Begleitung von zwei Flugzeugen von Nordosten in den Luftraum der Stadt Hiroshima ein. Um
8.15 Uhr wurde die Atombombe von der "Enola Gay" aus einer Höhe von 9000 Metern
abgeworfen. 45 Sekunden später explodierte die Bombe dann.
9. August 1945. Es war an einem ruhigen Sommertag in Nagasaki; der Morgennebel hatte sich
allmählich verzogen. Die B-29 "Bock´s Car" verließ mit der zweiten Atombombe an Bord am
frühen Morgen den Stützpunkt Tinian; später schloß sich ihr ein Aufklärungsflugzeug an. Um
9.50 Uhr erreichten sie den Luftraum von Kokura, ihr erstes Ziel. Da der Himmel in Kokura stark
bewölkt und die Sicht schlecht war, nahmen sie etwas später Kurs auf Nagasaki, ihr zweites Ziel.
Über Nagasaki war der Himmel auch bewölkt, aber einen Augenblick lang riß eine Lücke in der
Wolkendecke auf. Unten war die Munitionsfabrik Nagasaki der "Mitsubishi Heavy Industries" zu
sehen. Um 11.02 Uhr die Atombombe über Nagasaki abgeworfen und explodierte in einer Höhe
von ca. 503 Metern.
Hiroshima nach der Bombardierung Da die meisten Unterlagen verloren gingen, läßt sich die
Zahl der Gebäude in Hiroshima vor der Bombardierung schwer feststellen. Nach mehreren
Schätzungen und Rekonstruktionsversuchen der Stadt Hiroshima, die anhand der früheren
Stadtbezirksverbände durchgeführt und im August 1946 abgeschlossen wurden, betrug dir Zahl
der Gebäude vor der Bombardierung schätzungsweise 76000. 85 Prozent davon waren
Wohngebäude. Etwa 60 Prozent der Wohnungen befanden sich bis zu 2 Kilometer vom
Nullpunkt (der Ort der Explosion) entfernt; 85 Prozent in einem Umkreis von 3 Kilometern.
Schäden durch Druck und Feuer Durch eine Kombination von Druckwelle und Hitzestrahlen
fielen Hiroshimas Gebäude in Schutt und Asche. Zuerst wurden sie durch die Kraft der
Druckwelle zerstört und dann von Feuerstürmen vernichtet, die 13 Quadratkilometer verbrannte
Erde zurückließen. Die Brände entstanden hauptsächlich infolge der Hitzestrahlung und durch
den Einsturz der Gebäude. Da etwa dreißig Minuten nach der Bombardierung an vielen Stellen
fast gleichzeitig Feuer ausbrach, entstand eine riesige Feuersbrunst. Es entstanden Feuerstürme,
d.h., daß sich die Luft durch die Brände erhitzte, was einen schnellen Luftstrom nach oben und
den Zustrom kühlerer Luft aus allen Richtungen verursachte. Um die Katastrophe perfekt zu
machen, herrschte zwischen 11 und 15 Uhr ein Wirbelsturm über Hiroshima. Die starken Winde
verursachten weitere Brände; im Umkreis von zwei Kilometern um den Nullpunkt verbrannte
alles Brennbare zu Asche. Im Umkreis von 3 Kilometern wurden 90 Prozent aller Gebäude
vollkommen zerstört und brannten aus. Selbst im Umkreis von 4 Kilometern gab es noch massive
Zerstörungen: 68 Prozent aller Gebäude wurden vollständig, 24 Prozent halb zerstört und
verbrannten. In diesem größeren Gebiet blieben nur 6180 Gebäude (8 Prozent) benutzbar.
Die Toten Zu den Körperverletzungen durch die Atombombe gehörten (wie noch zu erwähnen
ist) nicht nur Verbrennungen und äußerliche Wunden, sondern auch schwere strahlenbedingte
Körperschäden. So gab es noch lange nach der Bombardierung durch die Bombe verursachte
Todesfälle. Darum kann man keine genaue Angabe der Todesopfer angeben, da immer andere
Schätzungen veröffentlicht wurden. Von den verschiedenen Schätzwerten geht die Zahl von
32959 Toten aus dem Bericht des Gouverneurs sowie die Zahl von 46185 Toten aus dem Bericht
der Gesundheitsbehörde der Präfektur Hiroshima (1945) heraus. Der "offizielle Bericht" der Stadt
Hiroshima spricht von 47185 Toten. Es wird deutlich was für ein Chaos vorherrschen mußten,
bzw. was für ein unübersichtliches Szenario durch die Bombe entstand. Aus heutiger Sicht ist
davon auszugehen, daß es rund 100000 Tote gibt (von ca. 350000 Einwohnern).
Nagasaki Die Situation in Nagasaki war fast genauso schrecklich wie in Hiroshima. Es gab auch
hier viele Tote, und auch hier gibt es keine Klarheit über ihre genaue Anzahl. es wurden
unzählige Berichte geschrieben; in den einem hieß es, daß es 50000 Tote gibt, in einem anderen
wiederum, daß es 30000 Tote seien. Die Behörde für "Auswärtige Angelegenheiten" Nagasakis
redete sie von 23753 Toten und 1924 Vermißten (1945). In den Aufzeichnungen der Feuerwehr
der Stadt Nagasaki stößt man 25630 Tote und 1887 Vermißte. In einer Schätzung eines
amerikanischen Komitees 1956, wird von 39000 Toten und keinen Vermißten geredet. Sechs
Jahre vor dieser Schätzung wurde eine andere Schätzung vom "Komitee zur Erhaltung der
Atombomben - Dokumente" der Stadt Nagasaki gemacht. Damals, 1950, war es etwas leichter
gewesen, eine genaue Zahl zu geben. So ging man in dieser Schätzung von 73884 Toten und
74909 Menschen mit leichten und schweren Verletzungen aus. In Nagasaki wurden, im Vergleich
zu Hiroshima, die Gebäude durch die Druckwelle stärker beschädigt. Die Schäden durch Feuer
überstiegen jedoch jede Vorstellungskraft. Zeugenaussagen zu Folge, sollten im Umkreis von
500 Metern vom Nullpunkt entfernt mehrere Brände gleichzeitig ausgebrochen sein, und nicht
von Winden langsam ausgebreitet werden.
Die Atombomben Die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki waren unter dem Decknamen
"Manhatten Project" entwickelt worden. Seit Dezember 1941 hatten amerikanische
Wissenschaftler an diesem Projekt gearbeitet; nach drei Jahren und sieben Monaten des
Experimentierens gelang es ihnen, im Juli 1945 die Atombombe herzustellen. Für die
Atombombe von Hiroshima wurde Uran 235 (U235) verwendet. Sie hatte eine Länge von 3
Metern, einen Durchmesser von 0,7 Metern und wog 3 Tonnen. Sie hieß "Little Boy". Die
Atombombe von Nagasaki enthielt Plutonium 239 (Pu239). Mit einer Länge von 3,5 Metern und
einem Durchmesser von 1,5 Metern wog sie 4,5 Tonnen und wurde "Fat Man" genannt. Schnelle
Neutronen stießen mit den Kernen der U235 - Atome oder mit denen von Pu239 zusammen und
lösten eine explosive Kettenreaktion von Kernspaltungen aus, die eine ungeheure Menge Energie
freisetzte. "Little Boy" hat vermutlich Energie freigesetzt, die etwa 12,5 Kilotonnen des
herkömmlichen hochexplosiven Trinitrotoluol (TNT) entsprach, und "Fat Man" etwa die von 22
Kilotonnen TNT. (Die Energieausbeute von 20 Kilotonnen TNT entspricht der, die bei der
Kernspaltung eines Kilogramms U235 freigesetzt wird!) Im Jahr 1945 konnte der Welt größte
Bomber, die B-29, nur 5 Tonnen herkömmlicher Bomben transportieren. 20 Kilotonnen TNT
würden daher insgesamt eine Menge Sprengstoff ergeben, die von mehr als 4000 B-29 Bombern
transportiert werden müßte. Nun sollte man kurz darüber nachdenken, was so eine Sprengkraft an
einem Punkt für Auswirkungen haben würde. Die von einer "normalen" TNT-Bombe freigesetzte
Energie wird in eine Druckwelle und Hitzestrahlen verwandelt; während 85 Prozent der von der
Atombombe freigesetzten Energie in Druckwelle und Hitzestrahlen verwandelt werden; die
restlichen 15 Prozent werden als Strahlung freigesetzt.
Der Ablauf einer Explosion Bei der Explosion einer Atombombe wird im Sprengpunkt sofort
eine Höchsttemperatur von mehreren Millionen Grad Celsius erreicht. Bei einer derart hohen
Temperatur wird das gesamte Material der Atombombe zu ironisierten Gas, und es wird
elektromagnetische Strahlung mit einer Wellenlänge von 0,01 bis 10 Nanometern freigesetzt. Sie
wird von der umgebenden Luft absorbiert, so daß der Temperaturanstieg einen Feuerball
verursacht. In Hiroshima und Nagasaki bildete sich innerhalb von 0,1 Millisekunden nach der
Explosion ein Feuerball mit einem Durchmesser von ungefähr 15 Metern und einer Temperatur
von ca. 300000Grad Celsius. Er bestand aus einem heißen inneren Bereich und einen äußeren
Bereich mit einer etwas niedrigeren Temperatur. Zuerst dehnt sich der Feuerball aus, die
Stoßwelle aber verbreitet sich schneller. Wenn sich die Stoßwellenfront bildet, steigt die
Temperatur der umgebenden Luft und sie beginnt zu leuchten. Die Temperatur der Luft sinkt
allmählich wieder und sie verliert an Leuchtkraft, so daß das Innere des heißen Feuerballs
sichtbar wird. Das alles spielt sich innerhalb von 0,015 Sekunden nach der Explosion ab. Der
Feuerball im Inneren wird immer größer und ist eine Sekunde nach der Explosion am größten.
Die Oberflächentemperatur des Feuerballs sinkt einmal auf ungefähr 1800 Grad Celsius und
steigt dann 0,2 Sekunden nach der Explosion wieder auf ungefähr 7700 Grad Celsius. Dann fällt
sie wieder und etwa 10 Sekunden später erlischt die Leuchtkraft des Feuerballs vollkommen.
Diese Erscheinung nahmen die Menschen in Hiroshima und Nagasaki innerhalb von Sekunden
wahr. Nach einer Atombombenexplosion in der Luft entsteht eine Stoßwelle. Die
Geschwindigkeit der Stoßwelle liegt in der Nähe des Sprengpunktes zwar über der
Schallgeschwindigkeit, wird aber mit wachsender Entfernung vom Sprengpunkt geringer und
erreicht an einem entfernteren Punkt dann etwa Schallgeschwindigkeit. Hinter der Stoßwelle
wird die nachfolgende Luft konzentrierter und erreicht höhere Temperaturen. Diese Luft bewegt
sich mit niedrigerer Geschwindigkeit in die gleiche Richtung wie die Stoßwelle und wird
Druckwelle genannt. Die Energie der Druckwelle macht etwa 50 Prozent der Gesamtenergie
einer atomaren Explosion aus. Diese Druckwelle führte in weiten Bereichen, wie schon erwähnt,
zu gebäudeschäden, zerstörte aber nicht nur Bauten, sondern tötete oder verwundete auch
Menschen und Tiere.
Die Überlebenden Nach der Bombardierung von Hiroshima und Nagasaki mußten
Hunderttausende von Überlebenden mit deren vielschichtigen und widerwärtigen Folgen fertig
werden. Mehrere Gruppen von Überlebenden sind zu unterscheiden: 1.) Menschen, die selbst
schädliche Auswirkungen erlitten; 2.) Föten, die im Mutterleib betroffen waren; 3.) Menschen,
die von der Rückstrahlung betroffen wurden, wozu auch sie Menschen gehörten, die vom
radioaktiven Niederschlag betroffen waren. Man darf jedoch nicht vergessen, daß außer
körperlichen Krankheiten auch geistliche Schäden auftreten. Die Gesamtzahl aller Personen , die
unter diese Definitionen fallen, läßt sich unmöglich genau ermitteln. Eines der frühesten
Dokumente über die Überlebenden, die zur Bombardierungszeit in den beiden Städten gewohnt
hatten, ist eine "Zusatzeinschätzung" zur Volkszählung vom Oktober 1950. Dieses Dokument
nennt insgesamt 283508 Überlebende nach dem Stand vom Oktober 1950, wobei 158597 die
Bombardierung von Hiroshima, 124901 die von Nagasaki und 10 Personen beide Explosionen
überlebten. Kurz nach der Bombardierung war die Bevölkerung Hiroshimas auf etwa 83000
zurückgegangen. Bis Februar 1946 war sie wieder auf 169000 angestiegen, und bis zum Juli des
gleichen Jahres kletterte sie weiter auf 185000. Aber nur etwa 6500 Menschen wohnten innerhalb
eines Umkreises von 1 Kilometer um den Nullpunkt. Im nächsten Kreis von 2 Kilometer Radius
lebten 34000; von 3 Kilometer Radius 70000; und von mehr als 3 Kilometer 75000. Im Bezirk
Ujina, wo es keine schweren Feuerschäden gegeben hatte, war die Bevölkerungsdichte am
höchsten.
Chronologie: 1945 - 1985 Ereignisse, die mit den Atombomben zusammen hängen
1945 16. Juli: Die USA testen auf dem Versuchsgelände Alamogordo (New Mexico) erfolgreich
der Welt ersten Kernsprengkörper; 6. August: Eine Atombombe wird auf Hiroshima abgeworfen.
Präsident Truman und Kriegsminister Stimson geben Erklärungen über den Bombenabwurf ab; 9.
August: Eine Atombombe wird auf Nagasaki abgeworfen; 15. August: Japan kapituliert und
akzeptiert die Bedingungen der Potsdamer Konferenz. Japanische Zeitungen berichten in
Einzelheiten über die Atombombenschäden; 3. September: Das Pressekorps der Besatzungsmacht
kommt nach Hiroshima. Wilred Burchett kommt unabhängig nach Hiroshima; 9. September: Die
"Manhattan - Project" Gruppe macht Untersuchungen in Hiroshima. (Der Leiter der Gruppe
dementiert Zeitungsberichte über anhaltende Auswirkungen der Atombombe, 12. September); 19.
September: Das Generalhauptquartier der Besatzungsmacht verfügt Pressezensur; 17. Oktober:
Der Kameramann von Nippon Eigasha wird beim Filmen der Atombomben - Verhältnisse in
Nagasaki von amerikanischen MP verhaftet (Das Generalhauptquartier verbietet am 12.
Dezember formell das fotografieren von Atombomben - Szenen.); 30. November: Der
Sonderausschuß zur Erforschung der Atombombenschäden legt sein ersten Bericht vor. Das
Generalhauptquartier verfügt, daß für atombombenbezogene Forschungen eine vorherige
Genehmigung erforderlich ist.
1946 30. Juni: Das US Strategic Bombing Survey Team schließt seinen Bericht "The Effects of
Air Attack on the Cities of Hiroshima and Nagasaki" ab; 10. August: Die Stadt Hiroshima führt
eine Untersuchung über die Einwohner (Stand 6. August 1945) durch; 3. November: Japans
Nachkriegsverfassung wird verkündet (und tritt am 3. Mai 1947 in Kraft); 26. November:
Präsident Truman ordnet die Bildung der Atomic Bombing Casualty Comission (ABCC)
innerhalb des Nationalen Forschungsrats der Nationalen Akademie der Wissenschaften an (die
Vorbereitungsgruppe der ABCC kommt am 6. Dezember in Hiroshima an).
1947 1. April: Die Medizinisch - Wissenschaftliche Vereinigung Japans hält ihr erstes
Nachkriegstreffen, bei den Seiji Kimoto (Universität Tokio) und andere gesonderte Verträge über
Atombombenkrankheiten hielten; 1. August: Das Zentral Krankenhaus Hiroshimas führt
Gesundheitsuntersuchungen durch; 7 Leukämiefälle werden entdeckt.
1949 30. Januar: Takashi Nagai veröffentlichte "Nagasaki no Kane" ("Die Glocken von
Nagasaki"); 11.April: Der Ausschuß zur Erhaltung von Atombombendokumenten der Stadt
Nagasaki wird gebildet; er beschließt (am 6. Mai), ein Atombombenmuseum zu eröffnen; 11.
Mai: Gesetze erklären Hiroshima zur Friedensgedenkstadt und Nagasaki zur Internationale
Kulturstadt (sie treten am 6., bzw. 9. August in Kraft); 29. August: Die Sowjetunion führt (in
Sibirien) ihren ersten Atombombentest durch; 17. September: Noreman Cousins schlägt in
"Saturday Review of Literature" die moralische Adoption von Atombomben - Waisen durch
Pflegeeltern vor.
1950 8. Februar: Iri Maruki und Toshiko Akamatsu eröffnen in Tokio eine Ausstellung von
Atombombengemälden; spätere Wanderausstellung durch ganz Japan; 25. März: Die
Internationale Konferenz zur Erhaltung des Friedens veröffentlicht den "Stockholmer Appell";
25. Juni: Der Korea Krieg beginnt (Waffenstillstandsverhandlungen beginnen am 10 Juli 1951;
der Waffenstillstand wird am 27. Juli 1953 unterzeichnet.); 6. August: Hiroshima
Friedensfestival wird vom Generalhauptquartier der Besatzungsmacht aufgelöst; es finden nicht
genehmigte Friedensdemonstrationen statt; 9. August: In Nagasaki finden nicht genehmigte
Friedensdemonstrationen statt; 1. Oktober: ABCC führt in ganz Japan, ergänzend zur
Volkszählung, eine Untersuchung über die Atombombenüberlebenden durch.
1951 1. August: Der Wissenschaftsrat von Japan veröffentlicht einen zusammenfassenden
Bericht seiner Untersuchungen über die Atombombenschäden (der 2 - bändige Bericht erscheint
am 5.5.1953); 8. September: Der Friedensvertrag von San Francisco und der amerikanischjapanische Sicherheitsvertrag werden unterzeichnet (und treten am 28. April 1952 in Kraft); 2.
Oktober: Arata Osada veröffentlicht die Sammlung "Genbaku no Ko" (= Kinder der
Atombombe).
1952 17. Januar: Die Stadt Hiroshima führt eine Untersuchung über die Atombombenschäden
durch, bei der von der Stadt ernannte Interviewer die einzelnen Haushalte aufsucht; 1. April:
Beamte der Sozialbehörden führen eine Untersuchung über die Atombombenschäden in Nagasaki
durch; 6. August: Die Stadt Hiroshima widmet den Atombomben - Toten ein Mahnmal; 9:
August: Die Stadt Nagasaki veranstaltet eine Friedensfeier und einen Gedenkgottesdienst für die
Atombomben - Toten; 3. Oktober: Großbritannien führt (auf den Monte - Bello - Inseln vor der
australischen Westküste) seinen ersten Atomwaffentest durch; 1. November: Die USA bringen
die erste Wasserstoffbombe zur Explosion (Eniwetok - Atoll, Marschall - Inseln, Pazifischer
Ozean).
1953 13. Januar: Der Rat für die Atombombenopfer in Hiroshima wird gegründet; der Rat für die
Atombombenopfer in Nagasaki folgt (am 14. Mai); 12. August: Die Sowjetunion testet ihre erste
Wasserstoffbombe (in Zentralasien).
1954 1. März: Die USA führen beim Bikini - Atoll (Marschall - Inseln) einen
Wasserstoffbombentest durch; "Todesasche" regnet auf mikronesische Inselbewohner und die
Besatzung des japanischen Thunfischbootes "Fukuryu Maru 5"; 27. März: Die
Stadtverordnetenversammlung von Yaizu verabschiedet eine Resolution gegen den Einsatz von
Atomwaffen; 1. April: Die Zweite Kammer des Parlaments verabschiedet eine Resolution zur
"internationalen Kontrolle der Atomenergie"; die Resolution der Ersten Kammer (vom 5. April)
fordert die "internationale Kontrolle der Atomenergie und ein Verbot der Atombomben"; 23.
April: Der Wissenschaftsrat von Japan fordert die "Abschaffung der Atomwaffen
und...internationale Kontrolle der Atomenergie"; 9. Mai: Unterschriftenkampagne gegen
Wasserstoffbomben beginnt; 8. August: Der Nationale Rat für die Unterschriftenkampagne gegen
Atom- und Wasserstoffbomben veranstaltet in Tokio eine Eröffnungskundgebung.
1955 13. April: 3 Hiroshima Opfer erheben im Amtsgericht Tokio Klage gegen den japanischen
Staat und fordern Entschädigungen für die Atombombenschäden (das Gericht entschied, daß das
Abwerfen von Atombomben gegen internationales Recht verstößt); 9. Juli: Bertrand Russell und
Albert Einstein veröffentlichen ihre Friedenserklärung; 6.-8. August: Die erste Weltkonferenz
gegen Atom- und Wasserstoffbomben findet in Hiroshima statt; 9. August: Die
Friedensgedenkstatue in Nagasaki wird geweiht; 24. August: Das Friedensgedenkmuseum in
Hiroshima wird eröffnet;
1956 27. Mai: Die Vereinigung der Atombombenopfer - Verbände in Hiroshima hält sein erstes
Treffen ab. Der Rat der Atombombenopfer in Nagasaki wird am 23. Juni gebildet; 20.
September: Das Atombomben - Krankenhaus Hiroshima wird eröffnet.
1957 21. März: Das Gesetz zur Medizinischen Versorgung von Atombombenopfern wird
verabschiedet; 15. Mai: Großbritannien zündet seine erste Wasserstoffbombe; 7.-10. Juli: Der Rat
internationaler Wissenschaftler tritt in Kanada zusammen.
1958 31. März: Die Sowjetunion beschließt, Kernwaffenversuche einzustellen; 1. April: Die
Universität Hiroshima errichtet in der medizinischen Fakultät das Institut für
Kernstrahlungsforschung; 28. Mai: Das Atombomben - Krankenhaus Nagasaki wird eröffnet; 31.
Oktober: Die USA, England und die Sowjetunion beraten in Genf über ein Kernwaffen - Test - Moratorium;
1960 13. Februar: Frankreich führt in der Sahara seinen ersten Atombomben - Test durch; 7.Mai:
Die USA verkünden die Wiederaufnahme unterirdischer Kernwaffenversuche; 1. Oktober: Neue
Untersuchungen über Atombombenopfer in Nagasaki und Hiroshima während der Volkszählung.
1961 31. Juli: Der Japanische Rat gegen Atom- und Wasserstoffbomben veröffentlicht das
"Weißbuch über Atom- und Wasserstoffbomben - die verborgene Wahrheit"; 15. November: Der
Nationale Rat für Frieden und gegen Kernwaffen organisiert sich.
1963 15. Juli: Die USA, Großbritannien und die Sowjetunion schließen einen Vertrag über den
Kernwaffenversuchsstop in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser; 5. August: Die 9.
Weltkonferenz gegen Atom- und Wasserstoffbomben wird von der Sozialistischen Partei Japans
und vom Generalrat der Gewerkschaften boykottiert; das führt im nächsten Jahr zur Spaltung in
den Japanischen Rat gegen Atom- und Wasserstoffbomben und den Japanischen Kongreß gegen
Atom- und Wasserstoffbomben;
1965 27. Juni: Eltern von Kindern mit Mikrozephalie (Strahlenkrankheit), die im Mutterleib zu
Opfern wurden, gründen die "Pilz - Gesellschaft".
1967 17. Juli: Die Volksrepublik China führt ihren ersten Wasserstoffbomben - Test durch; 9.
November: Dokumentarfilme über die Atombombe, die während der Besatzung Japans durch die
USA beschlagnahmt wurden, kehren nach Japan zurück.
1968 20. Mai: Das Gesetz über Sondermaßnahmen für Atombombenopfer wird erlassen; 1. Juli:
Die USA, Großbritannien und die Sowjetunion unterzeichnen den Vertrag über die
Nichtverbreitung von Kernwaffen (Atomwaffensperrvertrag); 24. August: Frankreich führt
seinen ersten Wasserstoffbomben - Test durch.
1972 1. Januar: Die Stadt Hiroshima führt eine Untersuchung über Menschen durch, die durch
die Atombombe zu alleinstehenden Alten wurden; 1. Juni: Das Institut für Friedenerziehung
Hiroshima wird eröffnet; 1. November: Die Stadt Nagasaki führt eine Untersuchung über
Atombombenopfer und ihre Familien durch.
1975 1. April: Hiroshima und Nagasaki veranstalten Eröffnungsfeierlichkeiten für die
Einrichtung ihrer Stiftung zur Erforschung der Strahlenauswirkungen; 5. August: Hiroshima und
Nagasaki schließen einen "Bund der Friedenskulturstädte".
1976 1. Dezember: Die Bürgermeister von Hiroshima und Nagasaki treffen den Generalsekretär
der USA, um ihm die Petition für "Totale Abschaffung von Kernwaffen und Allgemeine und
Vollständige Abrüstung" zu überreichen.
1980 19. Juni: Vier Atombombenüberlebende aus Hiroshima sagen in einer öffentlichen Sitzung
des US - Senats über die Auswirkungen des Nuklearkrieges aus.
1981 25. Februar: Papst Johannes Paul II. veröffentlicht bei seinem Besuch in Hiroshima einen
Friedensaufruf; danach besuchte er Nagasaki; 19. März: Erstes Treffen der Internationalen Ärzte
für die Verhinderung eines Nuklearkrieges.
1982 21. März: In Hiroshima findet eine Friedensdemonstration statt, eine weitere in Tokio, die
die Zweite Sitzung der Vereinten Nationen zu Abrüstungsfragen zum Ziel hat; 7. Juni: Die
Sondertagung der Generalversammlung der Vereinigten Nationen zu Abrüstungsfragen wird
eröffnet; eine Million Menschen nehmen an einem Anti - Kernwaffen - Marsch in New York teil;
26. August: UN Generalsekretär Javier Pérez de Cúellar besucht Hiroshima.
1983 20. Januar: Die Bürgermeister Nagasaki und Hiroshima rufen 72 Städte in 23 Ländern auf,
sich dem Programm zur Förderung der Städtesolidarität mit dem Ziel der Abschaffung der
Kernwaffen anzuschließen.
1985 31. Mai: Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Bürgermeister Nagasaki und Hiroshima 668
mal gegen Kernwaffenversuche der Nuklearstaaten protestiert; 5. August: Die erste
Weltkonferenz von Bürgermeistern für Frieden durch Städtesolidarität findet in Hiroshima und
Nagasaki statt.
Amerikanische Atomtests 1946 - 1948:
Mikronesien besteht aus 2100 Inseln und Atollen, die zwischen Hawaii und den Philippinen über
den Pazifik verstreut liegen. In den letzten 400 Jahren hatte das Land vier verschiedene
Kolonialherren: Spanien, Deutschland, Japan und die USA. Die USA nahmen die Inseln 1944
den Japanern ab, nachdem dort über zwei Jahre lang die blutigsten Schlachten des Zweiten
Weltkrieges geschlagen, in denen ca. 6288 US - Soldaten, 70000 Japaner und 5000 Mikronesier
getötet wurden. Nach der Eroberung durch die USA halfen die Mikronesier beim Bau von
amerikanischen Stützpunkten auf Peleliu, Anguar, Saipan, Tinian und Kwajalein. In Tinian
entstand der größte Militärflughafen der Welt, von wo auch die Atomangriffe auf Japan geflogen
wurden. Im Juli 1947 übertrug der Weltsicherheitsrat der Vereinigten Nationen den USA die
Treuhandverwaltung Mikronesiens. Das Abkommen gestattete den USA, die Inseln zu
"befestigen". Als Gegenleistung versprachen sie, "die Gesundheit der Einwohner, ihr Land und
ihre Rohstoffe zu schützen.". Bereits fünf Wochen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges
suchten die Generalstabchefs der USA nach geeigneten Gebieten zum Erproben ihrer geplanten
Atomtests. Im Januar 1946 wurde das Bikini - Atoll für die Tests ausgesucht, eine zu den
Marshall - Inseln gehörende Gruppe von 36 Inseln mit einer Fläche von insgesamt 6 km². Die
Bewohner des Atolls wurden nach Rongerik umgesiedelt. Im Dezember 1947 besetzte die US -Marine für eine weitere Testserie auch Enewetak (oder Eniwetok).
Test "Able" Test "Able" fand am 1. Juli 1946 statt. Als die Bombe explodierte, gab es laut einem
Strahlenschutzhandbuches, das nach der Operation publiziert wurde, einen grellen Lichtblitz von
einigen Millionstel Sekunden Dauer. Danach bildete sich aus den brodelnden Gasen ein rasch
wachsender Feuerball. Vom Zentrum der explosion ging eine Schockwelle aus, die auf dem
Wasser als intensives Schimmern sichtbar war, das sich in alle Richtungen ausbreitete. Als der
Feuerball zu glühen aufhörte, entstand eine große, weiße pilzförmige Wolke aus Rauch,
Spaltprodukten, nicht gespaltenen Partikeln und Staub, welche in eine Höhe von etwa 10500 m
stieg. Als die Wolke mit dem Wind abtrieb und sich aufzulösen begann, wurden unbemannte
Flugkörper und Wasserfahrzeuge in das Explosionsgebiet geschickt, um Proben der
Radioaktivität zu nehmen. Etwa zwei Stunden nach der Detonation fuhren bemannte
Kanonenboote in die Lagune ein - Kanonenboote waren schnell und wendig - und maßen das
Strahlungsniveau in der Umgebung der Zielschiffe. Sobald die verschiedenen
Radioaktivitätswerte festgestellt waren - etwa vier Stunden nach der Detonation - wurden
Mannschaften an Bord der Schiffe geschickt. Sie untersuchten die Schiffe an Stellen mit
niedriger Radioäktivität. Noch vor Ende des Tages wurde die Lagune als sicher beschrieben.
Einem nach der Operation verfaßten amtlichen Bericht zufolge wäre die Bombe für jedes
Besatzungsmitglied an Deck der Zielschiffe bis auf eine Entfernung von 1300 Meter tödlich
gewesen. Für durch Panzerung geschützte Menschen hätte sich die tödliche Distanz auf etwa die
Hälfte reduziert. Der Tod wäre ausschließlich durch die Sofortwirkung der Bombe - Hitze, Druck
und Anfangsstrahlung - herbeigeführt worden, da der größte Teil des Fallouts im Atompilz
enthalten war und vom Wind abgetrieben wurde.
Test "Baker" Nachdem die Auswertungen von "Able" abgeschlossen worden waren, wurde am
25. Juli unter dem Codenamen "Baker" die zweite Bombe gezündet. Anders als beim ersten Test
wurde dabei ein Teil des Wassers der Lagune in die Luft geschleudert. Aus einem Bericht geht
hervor, daß "sich eine riesige Wassersäule von fast 700 m Durchmesser und etwa 1500 bis 1800
Meter Höhe bildete. An ihrer Spitze entstand eine pilzförmige Wolke aus Gas und "Gischt". Als
die Säule über der Lagune zusammenbrach, breitete sich eine fast 300 Meter hohe Flutwelle aus
und verschluckte alle Zielschiffe." Die Untersuchungen erfolgten wie beim Test "Able". Jedoch
waren die Schäden an den Zielschiffen um einiges größer. Diesmal überschwemmten große
Mengen von hochradioaktivem Wasser die Decks der Schiffe, oder drangen auch in ihr Inneres
ein. Bei diesen beiden Versuchen, Test "Able" und Test "Baker", sollte untersucht werden, wie
Schiffe auf offener See bei einem nuklearem Angriff enden würden, und wie es den
Schiffsbesatzungen ergehen würde. An den Ergebnissen wird deutlich, daß die Schiffe, bei einem
Angriff, wenig Chancen haben würden.
2. Dezember 1949: Hanford, Experiment "Green Run" Hanford war eine von drei Atomstädten,
die im Zusammenhang mit dem Manhattan - Projekts entstanden. Sie entstand 1943 im Südosten
des Staates Washington und wurde auf einer Fläche von 900 km² von 45000 Mitarbeitern
errichtet. Gleichzeitig begann man mit dem Bau von drei Reaktoren, in denen das Plutonium für
die erste Testexplosion und für die Nagasaki - Bombe produziert werden sollte. In den folgenden
zehn Jahren werden am selben Ort weitere fünf Reaktoren gebaut. Bis zu ihrer Stillegung in den
Jahren 1964 bis 1971 produzierten die acht Reaktoren 50 t waffenfähiges Plutonium, genug, um
ungefähr 1000 Bomben von der Sprengkraft der Nagasaki - Bombe herzustellen. Hanford lieferte
das Plutonium für mehr als die Hälfte der Bomben an das Kernwaffenarsenal der USA. Während
der Produktion wurden Sicherheitsmaßnahmen nicht genau beachtet. So konnten Wolken mit
radioaktivem Jod, Ruthenium, Cäsium und anderen Elementen in die Atmosphäre gelangen und
verseuchten Menschen, Tiere, Agrarprodukte und Gewässer im Umkreis von mehreren hundert
Kilometern. Ein Großteil der Verseuchung ging vom Experimenten mit kurzgekühltem, "green"
genannten, Reaktorbrennstoff aus. Dabei ging es um die Gewinnung von Plutonium in Anlagen,
die nicht mit Filtern ausgestattet waren. Bestrahltes Natururan wird vor seiner Aufbereitung
normalerweise 83 bis 101 Tage lang in Wassertanks gekühlt. In dieser Zeit zerfällt ein Teil der
vielen radioaktiven Elemente, die nach der Bestrahlung in gefährlichen Mengen im Brennstoffen
enthalten sind, und die Radioaktivität fällt auf einen niedrigen Wert. Wird der Brennstoff
dagegen nicht gekühlt, bevor die Brennstäbe zur Auflösung ihrer Metallhülle in ein Säurebad
kommen, werden große Mengen radioaktiver Elemente freigesetzt. Am 2. Dezember 1949 fand
das bekannteste dieser Experimente unter dem Namen "Green Run" statt: Eine Tonne bestrahltes
Uran wurde nach nur 16 Tagen Kühlung aufbereitet. Wie aus einem Dokument hervorgeht, das
erst 1989 veröffentlicht wurde, war das Experiment Teil eines raffinierten militärischen Plans,
bei dem es darum ging, Plutoniumfabriken in der Sowjetunion zu lokalisieren. Zu diesem Zweck
sollten in Hanford dir Beerdingungen simuliert werden, wie man sie in der Sowjetunion, die um
eine schnelle Produktion von Atombomben bemüht war, vorfinden könnte. Genaue Details dieses
Versuches wurden aus den Berichten bei der Veröffentlichung genommen und sie wurden bis
jetzt noch nicht bekannt gegeben.
Fünfziger Jahre Amerikanische Atomtests: 1951 - 1958 In diesem Zeitraum führten die USA auf
ihrem Testgelände in Nevada 120 km nordwestlich von Las Vegas über 100 oberirdische
Atombomentests durch. Durch den Fallout dieser Versuche wurden weite Teile der Umgebung
radioaktiv bestrahlt. Dies führte zu einer Reihe von gerichtlichen Klagen, von denen viele erst
kürzlich entschieden wurden. Laut Schätungen nahmen in den fünfziger Jahren etwa 150000
amerikanischen Soldaten an einem oder mehreren oberirdischen Atomversuchen auf dem
Testgelände in der Wüste Nevadas teil:
1951: Während einer Serie von sieben Testexplosionen wurden die ersten drei von insgesamt
acht Truppenübungen namens "Desert Rock" durchgeführt. Ziel dieser Übung: Erforschung von
Taktik und Bedingungen der Kriegsführung auf dem atomaren Gefechtsfeld. 1952: 10600
Soldaten nahmen während einer Testreihe von acht Explosionen unter dem Codenamen
"Operation Tumbler - Snapper" an dem Manöver "Desert Rock IV" teil. 1953: "Desert Rock V"
wurde mit annähernd 21000 Angehörigen aller vier Waffengattungen durchgeführt. Das Manöver
fand im Rahmen der Operation "Upshot - Knothole" statt, einer Testserie mit elf Detonationen.
1957: "Operation Plumbob" umfaßte 24 Versuchssprengungen und sechs Sicherheitsexperimente,
die laut Energieministerium bestätigen sollte, daß es im Falle einer versehentlichen Zündung des
mit dem Sprengsatz verbundenen Sprengstoffs zu keiner atomaren Explosion kommen könnte.
Im Rahmen von "Plumbob" wurden zwei getrennte militärische Übungen durchgeführt: Anfang
Juli "Desert Rock VII" unter Beteiligung des Marine Corps, Ende Juli und im August "Desert
Rock VIII" unter Beteiligung der Army. Insgesamt nahmen 16000 Soldaten teil.
"Smoky" Der bekannteste Versuch innerhalb der Testreihe "Plumbob" war "Smoky", benannt
nach einem Gebirgsausläufer, der in der Nähe des Testgeländes lag. Dort wurde am 31. August
1957 auf einem 210 m hohen Stahlturm eine 44 - Kilotonnen - Bombe gezündet. Die Soldaten
beobachteten den Versuch von einem Stand aus, der etwa 29 km vom Bodennullpunkt entfernt
lag. Drei Tage später führten sie Gefechtsübungen auf dem Gebiet durch. Am 2. September 1957,
zwei Tage nach "Smoky", nahm ein Großteil ebendieser Soldaten an Manövern im offenen
Gelände teil, nur knapp 5 km von der Stelle entfernt, wo die 11 Kilotonnen Bombe "Galileo"
gezündet wurde.
Die Einzelheiten dieses Versuchs wurden erstmals 1978 bei Anhörungen vor dem Unterausschuß
des US - Kongresses für Gesundheits- und Umweltfragen bekannt. Thema der Anhörungen:
Nachwirkungen der Atomtests in Nevada und im Pazifik zwischen 1946 und 1958. Im Juni 1985
veröffentlichte die amerikanische Akademie der Wissenschaften die Studie "Mortality of Nuclear
Weapons Test Participans", in der die Todesursachen von 49000 Veteranen untersucht wurden.
Der Studie zufolge starb kein ungewöhnlich hoher Prozentsatz dieser Veteranen an Krankheiten,
die auf Strahlung zurückzuführen sind. Allerdings waren mindestens 10 von 3554 Teilnehmern
an "Smoky" vor Erreichen des 45. Lebensjahres an Leukämie gestorben. Diese Rate lag um das
Zweieinhalbfache über der erwarteten Zahl.
Britische Atomtests: 1952 - 1958 Durch die wachsende Besorgnis über die Atompolitik der
Sowjetunion und das Atomwaffenmonopol der USA veranlaßt, entschloß sich Großbritannien
eine eigene Atombombe als Abschreckungsmittel zu entwickeln. Der Beschluß, die ersten
Atombombentests in Australien durchzuführen, wurde von den Politikern begrüßt. Insgesamt
wurden zwischen 1952 und 1958 21 britische Atomtests auf australischem Gebiet durchgeführt,
zwölf davon auf oder in der Nähe des Festlandes, neun auf einem Testgelände auf den
Weihnachtsinseln. Aufgrund wachsender Proteste von Aborigines und ehemaligen Soldaten, die
aussagten, durch die Tests Gesundheitsschäden erlitten zu haben, beauftragte das australische
Parlament 1984 eine Kommission mit der Untersuchung der Angelegenheit. Die Kommission
zwang die britische Regierung, Hunderte bis dahin geheimgehaltene Dokumente freizugeben.
Zusammenfassend kam die Kommission zu dem Beschluß, "daß die Tests wahrscheinlich einen
Anstieg der Krebsrate bei der gesamten australischen Bevölkerung verursacht haben, besonders
aber bei den Aborigines, die in der Nähe der Testgelände gelebt haben, und bei Tausenden direkt
an den Tests beteiligten Soldaten und Zivilisten."(1985).
Auch die Briten führten die "einige" Tests durch:
"Operation Totem"(14. - 26. Oktober 1953) Zwei Testbomben von 10 kt und 8 kt Sprengkraft
wurden auf einem Stahlgerüst auf dem Testgelände Emu Field in Südaustralien gezündet. Die
Tests wurden übereilt und bei ungeeigneten Wetterverhältnissen durchgeführt. "Totem I"
produzierte doppelt soviel Fallout wie "Totem II". Berichte von Aborigines, daß eines ihrer Lager
in der Nähe des Testgeländes nach dem Test in "schwarzem Nebel" gehüllt worden sei, wurden
um 1970 erstmals von einem Anthropologen aufgezeichnet und gingen 1980 durch die
australische Presse. Viele Fachleute hielten die Geschichte für erfunden, aber der Bericht der
Kommission hält sie für "plausibel". Der Vorfall wurde später offiziell vom Australian Ionising
Radiation Council (AIRAC) untersucht, und dieser kam zu dem Schluß, es sei unwahrscheinlich,
daß die damals in der Gegend lebenden Aborigines langfristige Gesundheitsschäden erlitten
hätten. Im Rahmen der Operation "Hot Box" flog eine drei Mann starke Crew in einer besonders
präparierten Maschine sechs Minuten nach der Explosion durch den Atompilz und legte eine
Strecke von ca. 1800 m in der radioaktiven Wolke zurück. Der Weg der Wolke wurde
zweieinhalb Tage lang verfolgt. Sie war 24 Stunden nach der Explosion immer noch sichtbar.
"Operation Mosaic"(16. Mai und 19. Juni 1956) Auf zwei der Monte - Bello - Inseln wurden
Tests mit Bomben von 15 kt bzw. 60 kt Sprengkraft unternommen. Nach dem zweiten Test, der
eine besonders große Explosion abgab, streifte die radioaktive Wolke das australische Festland
und hinterließ in verschiedenen Küstenregionen Spuren von Radioaktivität.
"Operation Buffalo"(September - Oktober 1956) In dieser Serie wurden vier Tests durchgeführt.
Zwei Sprengsätze von 15 kt und 10 kt wurden auf Stahlgerüsten gezündet, ein Sprengsatz von 3
kt wurde in der Luft und einer von 1,5 kt wurde auf dem Boden gezündet. Es war die erste
Testreihe in Maralinga, einem abgelegenenGebiet in Südaustralien, das als ständiges Testgelände
ausgewählt worden war. Die Test gehörten zum Kern des britischen Atombombenprogramms, zu
einem "umfassenden Programm biologischer Studien und der Untersuchung der Auswirkungen
der Waffe", wie 1987 beschrieben wurde. Das Militär errichtete ein großes Dorf aus
Fertigbauhütten und brachten in der Nähe von Ground Zero eine ganze Armee menschlicher
Puppen und lebender Haustiere in Stellung, die der Wirkung der Explosion ausgesetzt wurden.
Ungefähr 250 Soldaten aus Commonwealth - Ländern beobachteten die Boden - Detonationaus
einer Entfernung von ca. 7 km und inspizierten danach, ausgerüstet mit Strahlenschutzanzügen
und Gasmasken, zwei Stunden lang deren Auswirkungen. Der Bericht der Kommission kritisiert
die Durchführung aller vier Tests der Serie. (Zitat)"...Insgesamt waren die Vorkehrungen, durch
die während der Testserie "Buffalo" die Sicherheit der Ureinwohner gewährleistet werden sollte,
von Ignoranz, Inkompetenz und Zynismus auf Seiten der dafür Verantwortlichen geprägt. Daraus
folgt unabweisbar, daß es eher dem Zufall zu verdanken ist, wenn durch die Explosion keine
Eingeborenen verletzt oder getötet wurden, als der Bereitstellung adäquater organisatorischer,
logistischer und materieller Mittel zur Gewährleistung ihrer Sicherheit..."
Die Weihnachtsinsel (Mai 1957 - September 1958) Da die Großmächte ihr Arsenal an
Kernwaffen erweiterte, sah sich Großbritannien gezwungen, sein Ansehen durch das Einführen
einer Wasserstoffbombe (H - Bombe) zu festigen. Das Ergebnis war die Testserie "Grapple" auf
der Weihnachtsinsel. Die Serie bestand aus sieben H - Bomben und zwei Atombomben Tests,
durchgeführt in einem Zeitraum von 15 Monaten. Genaue Informationen über die Stärke dieser
Bomben wurden bis heute nicht bekannt gegeben. Jedoch klagten viele Soldaten die damals dabei
waren auf Schadensersatz, da sie von Strahlenschäden geplagt wurden. Einige der beteiligten
Soldaten wußten schon damals, welchen Strahlungen sie sich aussetzten. So auch auch die
Soldaten des Schwadrons 76, die durch die Atompilze der H - Bomben flogen, um Proben
radioaktiven Materials zu sammeln. Erste Anklagen kamen 1986 vor dem britischen High Court:
Der Obergefreite Melvyn Bruce Pierce, der an einem Lymphom litt, klagte auf Entschädigung.
Pierce war von 1957 bis 1958 Ingenieur auf der Weihnachtsinsel gewesen. Die Entscheidung in
diesem Fall würde maßgebend sein für den Schadensersatzanspruch von über 1000 Mitgliedern
der British Nuclear Test Veterans Association, die angeben, an Krebs erkrankt zu sein, weil sie
während der britischen Kernwaffentests in den fünfziger Jahren Strahlung ausgesetzt waren. 12.
Dezember 1952: Chalk River, Ontario, Kanada Die erste größere Reaktorkatastrophe der Welt
ereignete sich in dem leichtwasser - gekühlten, schwerwasser - moderierten Forschungs- und
Testreaktor NRX in Chalk River, rund 240 km nordwestlich von Ottawa. Die Beschreibung und
der Verlauf des Unfalls erfolgt jetzt mit Auszügen aus dem Bertini - Bericht: "...Durch
Betätigung verschiedener numerierter Knöpfe auf der Kontroll - Konsole konnten
Steuerstabgruppen zurückgezogen werden. Über den Nummern leuchteten rote Lämpchen auf,
wenn die Steuergruppen in vollständig zurückgezogener Position waren. Durch Erhöhung des
Luftdrucks über den "Banks" ließen sich die Steuerstäbe in den Reaktor einfahren; dazu mußte
Knopf 4 gedrückt werden. Knopf 3 aktiviert ein Solenoid, das dafür sorgte, daß der Verschluß
dem erhöhten Luftdruck standhielt. Wollte der Techniker die Steuerstäbe in den Reaktor
einfahren, mußte er also gleichzeitig die Knöpfe 3 und 4 drücken. Um dies zu erleichtern, hatte
man die Knöpfe auf die Konsole dicht nebeneinander installiert. Die Knöpfe, mit denen die
Gruppen der Steuerstäbe zurückgezogen wurden, waren eine Armlänge entfernt... ...Am 12.
Dezember 1952 führte das Bedienungspersonal bei niedriger Leistung einige Tests durch. Da der
Brennstoff nur wenig Wärme entwickelte, war in vielen Stäben die Zirkulation des Leichtwasser
- Kühlmittels gedrosselt worden. Da bemerkte der Schichtleiter, daß mehrere rote Lämpchen
aufflammten. Er ging in den Reaktorkeller. Dort sah er, wie ein Techniker Ventile öffnete, die
bewirkten, daß die Steuerstabgruppen ganz ausgefahren wurden. Entsetzt schloß er alle Ventile.
Nun hätten die Steuerstäbe in den Reaktor zurückfallen müssen, und einige taten es auch. Andere
jedoch fielen aus unerklärlichen Gründen nur so weit zurück, daß die roten Lämpchen erloschen,
und blieben in fast ganz ausgefahrener Position. ... Der Schichleiter rief aus dem Keller seinen
Assistenten, um ihm Anweisungen zu geben, mit dem Test noch einmal von vorn zu beginnen
und durch drücken der Knöpfe 3 und 4 sämtliche Steuerstäbe einzufahren. Doch er versprach sich
und sagte, er solle die Knöpfe 4 und 1 drücken. Mit Knopf 1 wurden Steuerstäbe zurückgezogen.
Der Assistent legte den Hörer aus der Hand, denn um 4 und 1 gleichzeitig zu drücken, mußte er
beide Arme ausstrecken. Folglich konnte er seinen Vorgesetzten nicht hören, der seinen Irrtum
korrigieren wollte. Da der Assistent Knopf 3 nicht gedrückt hatte, war der Verschluß nicht
gesichert. Die Folge: Die Luft, die in die Kammern strömte, wurde nicht komprimiert. Statt die
Steuerstäbe in den Reaktor zu drücken,entwich sie durch den Verschluß. ... Bald darauf bemerkte
der Techniker im Kontrollraum, daß die Reaktorleistung rapide anstieg, und drückte den
Schnellschußschalter. Auch ohne Luftdruck sollten die Steuerstäbe herunterfallen, doch aus
unerfindlichen Gründen taten es viele nicht und die Leistung stieg weiter. ... Nach kurzer
Beratung mit Physikern und dem stellvertretenden Inspektor, die sich in der Warte aufhielten,
beschloß man, den Schwerwasser - Moderator abzulassen. Damit gelang es, den Reaktor
abzuschalten, allerdings nicht augenblicklich, da das Wasser eine gewisse Zeit brauchte, bis es
abgeflossen war. ... Doch damit nicht genug. Wasser ergoß sich in den Keller, Leichtwasser -Kühlmittel, wie sich herausstellte. Innerhalb und außerhalb der Gebäude wurde Strahlenalarm
ausgelöst. Maßnahmen zur Evakuierung der Anlage wurden angeordnet. ...
Amerikanische Atomtests von 1954 bis 1958
"Bravo" Am 1. März 1954 wurde unter dem Codenamen "Bravo" auf der Insel Bikini in
Bodennähe eine 15 mt Wasserstoffbombe gezündet. Man hatte eigentlich eine Explosion von 6
mt erwartet, tatsächlich waren es dann 15 mt. Die Explosion riß einen Krater von über 70 m Tiefe
un über 1800 m Breite. Der Feuerball schmolz riesige Mengen des Korallengesteins, saugte sie
mit sich in die Luft und verbreitete sie als tödlichen Fallout. Die Bombe war extra dafür
konstruiert, eine maximale Fallout Menge zu produzieren. An jenem Morgen bließ der Wind in
Richtung zweier bewohnter Atolle namens Rongelap und Utirik, 160 und knapp 500 km von
Bikini entfernt. Bei früheren Tests waren ihre Bewohner evakuiert worden, vor "Bravo" hatte
man das unterlassen. Die Inseln wurden praktisch im Fallout gebadet. Rongelap wurde von einer
4 cm dicken Schicht weißlichen Staubs bedeckt, Utirik verschwand ganz im radioaktiven Nebel.
Es dauerte Tage, bis Schiffe der amerikanischen Marine erschienen und die 236 Inselbewohner
und 28 Mann amerikanisches Militärpersonal auf die Marinebasis der nahegelegenen Insel
Kwajalein evakuierten. Zu diesem Zeitpunkt traten bei den Inselbewohnern bereits erste
schmerzhafte Symptome auf: Übelkeit, Verbrennungen der Haut, Durchfall, Kopfschmerzen,
Augenschmerzen, Taubheit, Verfärbung der Haut und allgemeine Erschöpfung. Untersuchungen
ergaben, daß im Blut der Insulaner die Zahl der weißen Blutkörperchen und der T - Zellen
zurückgegangen war, die eine wichtige Rolle im Immunsystem des Körpers spielen. Die
Menschen verloren ihre Fingernägel, ihre Finger bluteten und ihre Haare fingen an auszufallen.
Die Insulaner waren jedoch nicht die einzigen Opfer. Ein japanisches Fischerboot befand sich
zum Zeitpunkt der Explosion 160 km östlich von Bikini auf Thunfischfang und geriet in den
Fallout. Als das Boot zwei Wochen später nach Japan zurückkehrte, litten alle 23
Basatzungsmitglieder an der Strahlenkrankheit. Einer von ihnen starb am 23. September 1954 an
Schäden der Leber und des Blutes. Der Vorfall löste einen internationalen Aufschrei der
Empörung aus. Zwei Jahre später zahlten die USA an die japanische Regierung über zwei
Millionen Dollar Entschädigung. Letztendlich stellt sich jedoch die Frage, ob die Amerikaner
absichtlich "vergaßen", die Insulaner zu evakuieren. Die amerikanische Regierung versichert, daß
es ein einmaliger Zufall war, die Insulaner hingegen, sind sicher, daß sie als
"Versuchskaninchen" mißbraucht wurden.
Die sowjetische Atombombe
In den 30er Jahren Im Vergleich zu den Laboratorien in Paris (Marie Curie), Cambridge (Ernest
Rutherford), Kopenhagen (Niels Bohr), Rom (Enrico Fermi) und in Deutschland (Otto Hahn,
Werner Heisenberg, Lise Meitner, Walter Bothe, etc.) wurden in der Sowjetunion Studien zur
Kernphysik reichlich spät aufgenommen. Nur sowjetische Physiker befaßten sich damals mit
atomphysikalischen Forschungen. D. Skobelzyn, ein Schüler von Marie Curie, widmete sich seit
1924 der Atomphysik; G. Gamov, den Ioffe 1928/29 und 1930/31 zu Bohr nach Kopenhagen
schickte, befaßte sich mit theoretischen Fragen des Alpha - Zerfalls. Eine international
respektierte Errungenschaft sowjetischer Physik stellte das Protonen - Neutronen - Modell des
Atomkerns von D. Ivanenko (1932) dar. Die sowjetische Kernforschung hatte in den 30ern ihren
Hauptsitz in Leningrad. In dieser Stadt befand sich auch die Akademie der Wissenschaften. Nach
den Entdeckungen des Jahres 1932 (der Neutronen, der Positronen, des Deuterons und der
Spaltbarkeit eines Lithiumkerns durch Protonen), wandte sich eine kleine Gruppe sowjetischer
Physiker unter der Leitung von Ioffe und dem damals 29 - jährigem Igor Kurchatov der
Atomforschung zu. Kurchatov kam als Anfänger zur Kernphysik, bisher hatte er sich dem
Verhalten von Dielektrika in starken elektrischen Feldern gewidmet. Zu der Gruppe von
Kurchatov gehörten M.A. Eremeev, der ein kleines Zyklotron bauen sollte, G. I. Schchepkin, mit
dem Kurchatov einen 200 Kilo Volt - Protonen - Beschleuniger baute, A.U. Russinov, der die
Issomerie der Kernkräfte studierte, sowie Kurchatovs Mitarbeiter A.P. Grinberg und I.S
Panasjuk. Ein wichtiges Ereigniss für die sowjetische Kernphysik war die im September 1933 im
Leningrader Phystech (= Physikalisch - Technisches Institut) stattgefundene "Konferenz zum
Atomkern", auf der u.a. auch der Fachmann auf der Relativitäts- und Quantentheorie und
ehemalige Assistent von Werner Heisenberg, Guido Berg, teilnahm. Für kernphysikalische
Untersuchungen brauchte man vor allem ein Zyklotron, ein Kreisbeschleuniger für Protonen und
schwere Ionen, in dem die Teilchen in einem örtlich und zeitlich konstanten Magnetfeld kreisen
und bei jedem Umlauf von einem Hochfrequenzfeld beschleinigt werden. Bereits 1933 hatten
Kurchatov und Alichanov die Notwendiekeit, dem Phystech ein Zyklotron zur Verfügung zu
stellen, betont. Elektromagneten der gewünschten Größe herzustellen, überforderte vorerst die
sowjetische Elektroindustrie. Intensive Bemühungen, 1935/36 ein stärkeres Zyklotron in
Westeuropa zu kaufen, blieben erfolglos. Mitte der dreißiger Jahre existierte ein brauchbares
Zyklotron allein im "Lawrence - Laboratorium" in den USA. Ein neues Zyklotron wurde 1936 im
Leningrader Radium - Institut von Mysovskij fertiggestellt; dessen Leistungsfähigkeit ließ jedoch
zu wünschen übrig. Das Vakuum wollte nicht entstehen, der Hochfrequenzgenerator
funktionierte nicht. Die Versuche zur Teilchenbeschleunigung mittels eines Zyklotrons blieben
erfolglos. Im Januar 1937 schrieb Ioffe dem Volkskommissar für Schwerindustrie, daß das
Phystech im Unterschied zu den Laboratorien in Westeuropa unter primitiven Bedingungen zu
arbeiten habe. Selbst das kleine Dänemark baue Nils Bohr ein Zyklotron! Gegen alle
Widerstände durfte Kurchatov schließlich ab August 1937 seine Zeit damit verbringen, eine
Lösung für den Zyklotronenbau zu finden. Der Bau eines starken Zyklotron sollte noch auf sich
warten lassen. Im Wirtschaftsrat des Volkskommissariats der UdSSR waren am 7. Juli 1939
Mittel für das Zyklotron des Leningrader Phystech bewiligt worden, aber erst im Februar 1941
stellte das Werk "Elektrosila" endlich den Magneten zur Verfügung. Das eigens für das
Zyklotron gebaute Gebäude war noch nicht fertig gestellt, und der Krieg unterbrach vorerst alle
Arbeiten. Obwohl dann 1944 im Moskauer Laboratorium Nr. 2 (das zum entscheidenen Labor für
das Atombombenprojekt werden sollte) ein Zyklotron mit 73 cm Durchmesser erfolgreich in
Gang gesetzt worden war, mußte der Verteidigungsrat 1945 abermals den beschluß fassen, die
Arbeiten am Leningrader Zyklotron "dringend" zu beenden. Erst im Jahre 1946 konnte es entlich
in Betrieb genommen werden. Nicht nur die Teilchenbeschleunigung war ein Problem, das auf
die mangelnde Erfahrung mit der Technologie zurückzuführen ist; es gab auch ein finanzielles
Tief in der sowjetischen Kasse. Es fehlte auch an Isotopentrennanlagen. Zudem hatte das für
Experimente zur Verfügung stehende Natururan allzu viele Beimengungen, die die unangenehme
Eigenschaft besitzen, Neutronen unnötig zuverbrauchen. Schweres Wasser wurde von der
sowjetischen Industrie noch nicht produziert, für teures Geld mußte es in Norwegen gekauft
werden. Der Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 setzte der
Kernforschung und den Betrachtungen über eine Atombombe vorerst ein Ende.
Die Entscheidung zum Atombombenbau Ohne von den Aktionen der amerikanischen Physiker zu
wissen, versuchte auch ein sowjetischer Physiker die politische Führung von einem Bau von
einer Atombombe zu überzeugen. Im November 1941 schrieb Kursant und Georgij N. Flerov
einen Brief an S.V. Kaftanov, den Volkskommissar für Höhere Bildung und Beauftragten des
Verteidigungskomitees für wissenschaftliche Fragen. Die Vorbereitung der nötigen Maßnahmen
für die Wiederaufnahme der Arbeiten an der Atombombe sollte Kapiza aufgetragen werden.
Flerov versuchte den Minister mit dem Argument zu überzeugen, daß man mit der Atombombe
die Weltherrschaft erlangen könnte (Zitat: "...Man muß immer erinnern, daß der Staat, der als
erster die Atombombe verwirklicht, der ganzen Welt seine Bedingungen diktieren kann; und jetzt
ist das einzige, womit wir unseren Fehler - die halbjährige Untätigkeit - ausbügeln können, die
Wiederaufnahme der Arbeit und ihre Weiterführung in noch größeren Maßstab als vor dem
Krieg. ..."). Das "Kleine Präsidium" der Akademie der Wissenschaften hielt am 20. Dezember
1941 ein Atomseminar in Kazan ab, an dem unter anderen Ioffe und Kapiza teilnahmen. Flerov
dachte, daß im Vergleich zu der in den vergangenen 6 Monaten über Deutschland von den Briten
abgeworfenen Bombenmenge, "(Zitat) die Explosion der in einer Bombe eingeschlossenen
Uranmenge auf dem Territorium Deutschlands der ganzen englischen Luftwaffe erlauben würde,
sich drei Jahre zu erholen". 200000 Tonnen Dynamit, kalkulierte Flerov, könnten durch 2,5 Kilo
Uran ersetzt werden.
Grundlegende Probleme Die Ausarbeitung der Technologie zur Herstellung von metallischen
Uranblöcken ohne Beimengungen stand an vorderster Stelle. Für den ersten experimentellen
Reaktor, sowjetischen erwartete man, wurden 45 Tonnen reinsten Urans und 500 Tonnen reinsten
Graphits benötigt. Im Laboratorium Nr.2 befanden sich allein 90 kg Uranoxyd und 218 kg
Metallpulver, die aus Deutschland mitgebracht worden waren. Die Akademiemitglieder
Vernadskij und Fersman, die schon im Jahre 1943 auf die Suche nach sowjetischen
Uranvorkommen geschickt worden waren, hatten feststellen müßen, daß die meisten der alten
Uranminen unter Wasser standen. Ähnlich wie beim "Manhattan - Projekt" erwies sich auch für
die sowjetischen Chemiker die Analyse der Beimengungen des Urans als ungewöhnlich
schwierig. Schädliche Beimischungen von Bor, Kadmium, Lithium, Germanium, Titan,
Vanadium, Mangan, Eisen und anderen Elementen, die als "Neutronenschlucker" die
Kettenreaktion behindern, verdarben das Graphit. Die vom Moskauer Elektrodenwerk
angelieferten Graphitstücke enthielten anfänglich Beimengungen, die die zulässigen Werte um
das Hundertfache überstiegen! Nachdem Graphit und Uran in ausreichender Reinheit vorhanden
waren, konnten endlich Experimente mit der Reaktorschichtung vorgenommen werden. Tag und
Nacht schichtete man in Zelten und in Erdhöhlen Uran- und Graphitblöcke auf, um die optimalen
Abmessungen der Blöcke studieren zu können. Am 25. Dezember 1946 konnten die Sowjets
endlich Fermis entscheidenen Durchbruch vom Dezember 1942 für sich wiederholen. Die
Kettenreaktion funktionierte. Der Experimentalreaktor F-1, von Kurchatov persönlich
angefahren, bestand aus 36 Tonnen Uran, die in 19000 Einzelblöcken aufgeschichtet worden
waren. Wie man erfuhr, kamen die Uranblöcke für den Experimentalreaktor im wesentlichen aus
deutschen Beständen und noch nicht aus sowjetischer Produktion. Aber erst mit einem
Brutreaktor konnten Kilogrammengen des kostbaren Materials erstmals im April 1947 produziert
und abgetrennt werden. doch es traten Fragen auf; wie z.B.: - Wie könnte man den Reaktor
"unterkritisch" halten? - Wie verhielt er sich im Dauerbetrieb? - Welche Regelstäbe und welche
Kühlsysteme eignen sich am besten? - Wie verhält sich die Neutronendichte im Reaktor? -Welchen Einfluß hat der athmosphärische Druck? - Worin besteht die optimale Gitteranordnung?
- Welches Material braucht man für den Reaktorschutz? Diese und andere Fragen sollten mit dem
Experimentalreaktor beantwortet werden! Ein Prozess der chemischen Abtrennung von
Plutonium erwies sich als außerordentlich schwierig. Die bestrahlten Uranblöcke waren extrem
radioaktiv. Da keine automatischen Einrichtungen vorhanden waren, die das Arbeiten auf Distanz
möglich machten, setzten sich die Mitarbeiter des Leningrader Radium - Institutes erheblichen
Strahlenbelastungen aus, an denen dann einige sterben sollten.
Erfolgsdruck und der letzte Teil der Erforschung Nach Hiroshima und Nagasaki standen sie
sowjetischen Physiker unter dem Alptraum, entweder rechtzeitig die eigene Atombombe
fertigzustellen und damit das "atomare Patt" herstellen zu können, oder Opfer des nächsten
Bombenabwurfs zu werden. Churchill hatte in seiner "Fulton - Rede" mehr oder minder offen zur
Vorbereitung eines Atomkrieges gegen die Sowjetunion aufgerufen. Zugleich entwickelte das
Pentagon Pläne, Atombomben auf die Sowjetunion abzuwerfen. Die Amerikaner beruhigten sich
mit der Annahme, daß die Sowjets noch mindestens 20 Jahre brauchen würden, um die erste
Atombombe zünden zu können. Der doppelte Druck aus dem Vorsprung der Amerikaner und
dem Mißtrauen Stalins gegenüber den sowjetischen Wissenschaftlern ließ für Zweifel an der
Berechtigung des Bombenbaus und für ethische Überlegungen über seine Verantwortbarkeit
keinen Raum. Stalin entschied sich zu einem Bluff, mit dem die amerikanische Regierung
möglicherweise zu beeindrucken war. Am 6. November 1947 erklärte Molotov, daß "das
Geheimnis der Atombombe schon lange nicht mehr existiert". Die amerikanische Regierung
machte sich aus dieser Aussage nicht viel; "wenn die Sowjets das Geheimnis kennen, heißt das
noch lange nicht, daß sie die Bombe gebaut haben!", meinten sie. Der Druck, unter dem sich
Stalin fühlte, drückte sich auch Innenpolitisch aus; der Ministerrat verpflichtete 1948 Kurchatov,
Chariton und Zernov, die Atombombe nicht später als bis zum 1. Dezember 1949 fertigzustellen.
In dem Atombombenprojekt suchte man nach "Verrätern"! Die Mitarbeiter des Uranprojekts
gerieten bei auftretenden Schwierigkeiten immer wieder unter Sabotageverdacht. Die panische
Angst vor der Aufdeckung vermeintlicher oder tatsächlicher Fehler oder auch nur allzu
menschlicher Nachlässigkeit trieb wiederholt Mitarbeiter in den Tot. Einige Monate vor dem
Test, die Bauarbeiten auf dem Explosionsgelände waren bereits in vollem Gange, stoppte
Kurchatov die Weiterarbeit. "Was würde passieren, wenn die Bombe nicht erfolgreich
explodierte?", fragte er sich. Wenigstens eine Ersatzbombe sollte vorbereitet werden. Fursov und
Bochvar sollten in kürzester Zeit genug Plutonium für eine zweite Bombe beschaffen. Die
Aufbauten sahen den amerikanischen sehr ähnlich. Auf dem Testgelände standen rundherum
standen Bauten zum studieren der Detonationswelle. Die Wirkung der Radioaktivität sollte an
Tieren untersucht werden. Statt die Bombe von einem Flugzeug abzuwerfen, sollte sie auf einem
50 Meter hohen Turm zur Explosion gebracht werden. Kurchatov, Zavenjagin, Chariton, Zernov
und der wöchentlich anreisende Berija folgten jedem der streng protokollierten und an Stalin
berichteten Arbeitsschritte. Ein KGB - Generalhauptquartier stand auf dem Explosionsturm und
beobachtete ununterbrochen das Geschehen. Die Physiker überkam zunehmend die Angst.
Niemand wollte sich vorstellen, was bei einem Mißerfolg geschehen würde. Trotz aller
Belastungen und Problemen gelang die Explosion in den Morgenstunden des 29. August 1949.
Nach außen verlautete gleichwohl vorerst nichts von der Atomexplosion. Die politische Führung,
die schon im November 1947 vieldeutig behauptet hatte, das Geheimnis der Atombombe zu
kennen, entschied sich, den Bluff fortzusertzen. Am 23. September 1949, amerikanische
Aufklärungsflugzeuge hatten zuvor Luftproben ausgewertet, erklärte Präsident Truman, daß die
US - Regierung Informationen über eine Atomexplosion in der Sowjetunion habe. Zwei Tage
darauf informierte die TASS die Öffentlichkeit mit Irreführung und einer Wiederholung der
Molotov - Lüge (Zitat): "...Bekanntlich sind weitreichende Bauarbeiten in der Sowjetunion im
Gange - der Bau von Wasserkraftwerken, Bergbauschächten, Kanälen und Straßen -, die große
Sprengtätigkeit mit Hilfe neuester technischer Mittel erfordern. Da diese Sprengtätigkeiten
häufig in verschiedenen Regionen des Landes stattfanden und weiter stattfinden, ist es möglich,
daß dies die Aufmerksamkeit außerhalb der Grenzen der Sowjetunion auf sich gezogen hat. Was
die Produktion von Atomenergie in der Sowjetunion anbetrifft, ist es nötig, nochmals
festzustellen, daß bereits am 6. November 1947 Molotov, der Außenminister der UdSSR, eine
Erklärung zum Geheimnis der Atombombe abgegeben hat, in der er sagte, daß "dieses Geheimnis
seit langem nicht mehr existiert". Diese Erkärung bedeutete, daß die Sowjetunion bereits das
Geheimnis der Atomwaffen enthüllt und diese Waffen zu ihrer Verfügung hatte...". Die
sowjetische Führung pokerte bereits mit der Atombombe, bevor sie sie hatte. Das triumphierende
Gefühl, nun tatsächlich auch über dieselbe Karte wie die sich im Atommonopol sicher denkenden
Amerikaner zu verfügen, kostete die politische Führung um Stalin aus.
Chronik 1920 - 1953 1920 Gründung des Leningrader Physikalisch - Technischen Instituts unter
A. Ioffe:
1922 Gründung des Radium - Instituts unter V. Chlopin in Leningrad.
1928 Theorie des Alpha - Zerfalls duech G. Gamov entwickelt. Gründung des Physikalisch -Technischen Instituts in Charkov.
1931 Kyrill Sinelnikov, zuvor an Ernest Rutherfords Cavendish Laboratory in Cambridge,
beginnt in Charkov am Phystech eine Kernforschungsgruppe aufzubauen.
1932 Nach Chadwicks Entdeckung des Neutrons beginnt eine Gruppe um Abram Ioffe am
Leningrader Phystech mit der Auswertung der britischen, amerikanischen und italienischen
Kernforschungen. Protonen - Neutronen - Modell von D. Ivanenko.
1933 1. Allunionskonferenz zur Kernforschung in Leningrad, u.a. mit Frederic Joliot - Curie, etc.
Die Kernforschungsgruppe am Phystech in Leningrad wird zur Abteilung für Kernphysik unter
Kurchatov aufgewertet.
1933 - 1936 In der Akademie der Wissenschaften arbeitet eine spezielle Kommission unter Ioffe
für das Studium des Atomkerns.
1934 Gründung des Lebedev - Instituts für Pkysik unter Vavilov in Moskau. Alichanov und
Kurchatov bauen in Leningrad ein kleines Zyklotron. Vavilov und Cherenkov beobachten eine
ungewöhnliche Elektronenstrahlung, die Cherenkov - Effekt genannt wird.
1935 Van - de - Graff - Generator beginnt am Charkover Phystech zu arbeiten. Beginn der
Experimente zur Teilchenbeschleunugung, allerdings erfolglos.
1936 Im Leningrader Radium Institut beginnt ein Zyklotron zu arbeiten. Wöchentliches
"Neutronen - Seminar" unter Leitung von Kurchatov am Leningrader Phystech. Wiederholung
der Versuche von Enrico Fermi. Leningrader Physiker fordern Mittel für ein großes Zyklotron.
Kritik in der Akademie der Wissenschaften an der angeblichen Nutzlosigkeit der Leningrader
Kernforschung. Brief Ioffes an den Volkskommissar für Schwerindustrie, in dem er die
finanzielle und materielle Lage des Leningrader Phystechs beklagt.
1937 Theoretische Erklärung des Cherenkov - Effekts durch Tamm und Frank.
Kernforschungskonferenz in Moskau mit 120 Teilnehmern.
1938 3. Allunionskonferenz zur Kernphysik in Moskau. Eine permanente Kommission für
Kernforschungen wird beim Präsidium der Akademie der Wissenschaften unter Sergei Vavilov
eingerichtet. Die Zersplitterung der Kernforschung soll vermieden werden. Deutsche Emigranten
Fritz Houtermans und Alexander Weissberg, die am Charkover Phystech arbeiten, werden
zusammen mit anderen Charkovern Physikern verhaftet. Houtermans und Weissberg werden
nach Abschluß des deutsch - sowjetischen Nichtangriffsvertrages an Deutschland ausgeliefert.
Entdeckung der Kernspaltung durch Otto Hahn und Fritz Strassmann.
1939 Chariton äußert in einem Vortrag, daß eine Atombombe auf der Basis von Uran235
möglich sei. Chariton und Zeldovich berechnen eine kritische Masse von 10 kg Uran235 oder
Plutonium für eine Bombe. Vernadskij etabliert eine Kommission für die Untersuchung der
Isotopentrennung in der Akademie der Wissenschaften.
1940 Flerov und Petrzak entdecken die spontane Uranspaltung. 1. Isotopenkonferenz der
Akademie der Wissenschaften. Weitgehender Veröffentlichungsstop in den USA in Bezug auf
Kernforschung. Bildung einer Kommission unter der Leitung Chlopins. Diese Kommission soll
Wege der Isotopentrennung und Anreicherung herausbekommen, sowie ein Plan zur Erreichung
einer Kettenreaktion errichten. Sowjetische Kernphysiker schreiben an die Akademie der
Wissenschaften (AW), daß die Atomforschungen keinen Aufschub mehr dulden, dabei wird auf
die militärische Bedeutung hingewiesen. Mittel für den Bau eines Versuchsreaktors auf der Basis
von Natururan sollten zur Verfügung gestellt werden. Urankommission der AW legt ihren
Forschungsplan vor. Die Möglichkeiten einer Kettenreaktion sollten geprüft, die Methoden der
Isotopentrennung weiter erforscht und die Suche nach Uranerz verstärkt werden. Brief Zemenovs
an das Volkskommissariat für Schwerindustrie: Es solle sich für den Bau einer Atomwaffe
einsetzen.
1941 Der Magnet für das große Zyklotron am Leningrader Phystech wird fertiggestellt. Die
deutsche Wehrmacht überfällt die Sowjetunion. Unterbrechung der Kernforschungen. Das
Leningrader Phystech wird nach Kazan evakuiert. Kapiza äußert sich skeptisch über den
möglichen Einsatz einer Atombombe während des Krieges. Erste Spionagemeldungen aus
London über dortige Arbeiten an einer Uranbombe. 1942 Auswertung der
Geheimdienstinformationen zu britischen Kernforschungen; bald darauf wird beschloßen, daß
eine eigene Organisation für Atomspionage aufzubauen. Forderungen von sowjetischen
Physikern zum Bau der Uranbombe. Kurchatov wird gefragt, ob er die Leitung des des
Uranprojekts übernehmen will; diese Frage beantwortet er mit einem "Ja". Enrico Fermi gelingt
die erste kontrollierte Kettenreaktion im "Chicago Pile Number One".
1943 Aufnahme des Charkover Phystechs (Laboratorium Nr.1) in das Uranprojekt.
1944 Pomeranchuk entwickelt Formel für die kritische Masse des Reaktors. Gewinnung erster
bedeutsamer Mengen reinen metallischen Urans.
1945 Erste Graphitproben mit der nötigen Reinheit für einen Reaktor hergestellt. Der erste Test
einer Atombombe findet in den USA statt! Bombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki.
1946 Industrielle Herstellung von Graphit mit reaktortauglicher Reinheit sichergestellt. Erste
kontrollierte Kettenreaktion in der Sowjetunion in einem graphitmoderierten Reaktor.
1947 Erste Berechnungen zu einem Schwerwasser - Reaktor auf der Basis von Natururan durch
Pomeranchuk und Galanin. Später starten Nikitin und Kollegen den ersten Schwerwasser -Reaktor. Erste Produktion von Plutonium im Brutreaktor (bei Tscheljabinsk).
1948 Beschluß des sowjetischen Ministerrats, die Atombombe nicht später als bis zum 1.12.1949
fertigzustellen. Inbetriebnahme des ersten Industriereaktors. 29.08.1949 fand der Test der ersten
sowjetischen Atombombe statt!!!
1953 12.08.1953 : Zündung der ersten sowjetischen Wasserstoffbombe!!!
Nuklear- und Kernwaffenunfälle
27. Juli 1956: Broken Arrow 1 Luftwaffenbasis Lakenheath, England Ein amerikanischer B - 47
Bomber eines amerikanischen Geschwaders geriet bei einer Routineübung auf dem Flugplatz der
Royal Air Force in Lakenheath, 30 km nördlich von Cambridge, ins Schleudern und kam von der
Landebahn ab. Er ging in Flammen auf und krachte in einen Munitionsbunker, in dem drei Mark
- 6 -Atombomben gelagert waren, von denen jede 3,6 t TNT als Teil des zur Zündung der
nuklearen Kerne notwendigen Mechanismus enthielt. Zwar bestand nicht die Gefahr einer
Kernexplosion, da die Bomben nicht scharf waren, aber bei der Explosion des TNT wäre
Plutonium in die Atmosphäre gelangt und über ein weites Gebiet verstreut worden.
22. Mai 1957: Broken Arrow 2 Luftwaffenbasis Kirtland, New Mexico Ein B - 36 Bomber mit
einer Besatzung von 13 Mann transportierte eine H - Bombe von der Luftwaffenbasis Biggs in
Texas nach Kirtland, einer Lauftwaffenbasis, am südlichen Stadtrand von Albuquerque. Um
11.50 Uhr geriet das Flugzeug in einer Höhe von 520 m in eine Turbulenz, genau in dem
Augenblick, als ein Offizier den Stift entfernte, der die Bombe in ihrer Halterung sicherte. Es war
damals üblich, dan Sicherungsstift bei Starts und Landungen zu entfernen, damit die Bombe im
Notfall abgeworfen werden konnte. Laut Aussage des Funkers, verlor der Offizier das
Gleichgewicht und griff, als er sich festhalten wollte, nach dem Mechanismus, mit dem der
Bombardier die Bombe aus ihrer Halterung löst. Die Bombenklappen waren zwar geschlossen,
wurden jedoch von der Bombe durchschlagen und abgerissen. Die 19000 kg schwere 10 -Megatonnen - Bombe, eine der größten H - Bomben, die je gebaut wurden, stürzte 520 m in die
Tiefe. Auf dieser kurzen Distanz konnten die Fallschirme ihre Bremswirkung nicht vollkommen
auswirken. Die Bombe landete etwa 7 km südlich des Kontrollturms von Kirtland. Durch den
Aufschlag detonierten die konventionellen Sprangköpfe der Bombe, töteten eine Kuh und rissen
einen Krater von 3,6 m Tiefe und 7,6 m Breite in ein unbebautes Stück Land. Bei Bergungs- und
Aufräumarbeiten derArmee wurden jenseits des Kraterrands keine Radioaktivität festgestellt. Es
wurde ausgesagt, daß nicht die nötigen Materialien zum Scharfmachen der Bombe an Bord
waren.
11. September 1957, Rocky Flats, Colorado Die Anlage von Rocky Flats wurde 1952 heimlich
gebaut, und liegt nur 26 km nordöstlich von Denver entfernt. Im Umkreis von 50 km um die
Fabrik lebten fast zwei Millionen Menschen. In der Anlage wird Plutonium für Atomsprengköpfe
aus alten Sprengköpfen wiedergewonnen und aufbereitet, um daraus neue Bomben zu machen.
Beide Tätigkeiten sind äußerst gefährlich. Die Handhabung von Plutonium ist sehr schwierig. Es
oxidiert sofort, wenn es mit Sauerstoff in Berührung kommt, und die Reaktion ist besonders
heftig, wenn es in Form feiner "Späne" vorliegt. Als Oxid kann es extrem kleine Partikel bilden,
die manchmal nur aus einem Molekül bestehen. Die Partikel sind nur schwer aus der Luft zu
filtern und deshalb extrem gefährlich für den Menschen, da Plutonium dann am
gesundheitsschädlichsten ist, wenn es eingeatmet wird. In der Lunge kann schon eine Menge von
wenigen Milliardstel Gramm tödlich sein! Am Abend des 11. September 1957 brach das
Gebäude Nr. 771 der Anlage ein Feuer aus. In einem Strahlenschutzkasten war es zu einer
Selbstentzündung von Plutoniumspänen gekommen. In Strahlenschutzkästen verarbeiten
Angestellte mit bleigefütterten Handschuhen das Plutonium. Die leicht entzündlichen
Plexiglaswände eines Kastens hatten Feuer gefangen, und als die Arbeiter versuchten, den Brand
zu löschen, kam es zu einer Explosion. Die Explosion riß alle 620 Filter in die Ventilatoren des
Gebäudes aus den Halterungen, und dicke Wolken schwarzen Rauches gelangten in die
Außenluft. Sie enthielten 14 bis 20 kg brennenden Plutoniums in Form von radioaktiven
Partikeln. Über zehn Jahre später, am 11.Mai 1969, brach in der Fabrik erneut ein Großfeuer aus.
Seit 1957 waren nur wenige Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden, das zweite Feuer hatte
deshalb ein ähnliches Ende wie das erste. Plutoniumsplitter hatten sich auf einem Fließband in
einem Strahlenschutzkasten selbst entzündet. Wider wurde die Situation durch das leicht
entzündliche Material des Kastens verschlimmert. Das Feuer gilt bis heute als schlimmster Unfall
in der Geschichte der Fabrik. Es verursachte einen Schaden von 50 Millionen Dollar und legte
sechs Monate lang die gesamte Kernwaffenproduktion der USA lahm. Im Jahr 1974 kaufte die
Regierung Tausende von Hektar verseuchten Bodens im Osten und Südosten von Rocky Flats
auf, und weitere Tausende erwarb sie nach einem Gerichtsverfahren im Jahr 1985, bei dem sie
sich einverstanden erklärt hatte, für plutoniumverseuchte Gebiete in der Nähe der Fabrik neun
Millionen Dollar zu bezahlen!
10. Oktober 1957: Windscale, Sellafield, England Anfang 1946 waren die britischen
Atomwissenschaftler von der Arbeit am Manhattan - Projekt in Los Alamos zurückgekehrt. Auch
ihre Mitarbeit an Kanadas zivilem Reaktorprogramm am Chalk River war beendet. Die USA
hatten ihr Atomforschungsprogramm inzwischen so umorganisiert, daß Großbritannien von
Informationen abgeschottet war und kein spaltbares Material mehr bekam. Da Großbritannien
entschlossen war, auf eigene Faust Atomwaffen herzustellen, mußten sie Plutonium auf jeden
Fall erhalten. Aus diesem Grund wurden in einer alten Munitionsfabrik in Sellafield hastig zwei
Anlagen zur Plutoniumproduktion gebaut. Die Fabrik erhielt den Namen Windscale und bestand
aus zwei einfachen, luftgekühlten Atommeilern mit Natururan als Brennstoff, das in einem
Graphitblock eingeschlossen war und zur Umwandlung in Plutonium 239 mit Neutronen
beschossen wurde. Das Graphit diente als Moderator. Es bremste die Neutronen ab und erhöhte
so die Möglichkeiten, daß sie mit einem Urankern kollidierten. Der Moderator entwickelte
jedoch eine seltsame Eigenschaft: Durch die Neutronen wurden Kohlenstoffatome aus ihrer
normalen Position in den Graphitmolekülen geschossen, der Graphit änderte seine Struktur und
speicherte Energie (Wignerenrgie). Die Notwendigkeit, diese Energie auf kontrollierte Weise
abzuführen, wurde im September 1952 erkannt, als es zu einer spontanen Entladung der Energie
kam. Glücklicherweise war der Reaktor zu dieser Zeit nicht im Betrieb. Kontrollierte
Entladungen wurden in der Folge dadurch herbeigeführt, daß man das Graphit erhitzte. Man
setzte dadurch im Meiler eine Kernreaktion in Gang und schaltete dabei die Ventilatoren ab, die
den Reaktor kühlen. Dieses Verfahren wurde auch am 7. Oktober 1957 angewandt, nachdem man
mit der Abführung der Wignerenergie länger als üblich gewartet hatte. Die Ventilatoren wurden
abgeschaltet, und der Reaktor wurde kritisch gemacht, damit er sich über Nacht erhitzen konnte.
Am nächsten Tag sollte er abgeschaltet werden. Die Temperaturfühler im Reaktorkern schienen
jedoch anzuzeigen, daß sich die Wignerenergie nicht im vollem Unfang entladen hatte. Der
Reaktor wurde deshalb erneut erhitzt. Diesmal zeigten die Fühler ein ungewöhnlich schnelles
Ansteigen der Temperatur an, der Reaktor wurde also wieder heruntergefahren. Am 9. Oktober
schien alles normal, mit einer Ausnahme: In einem Teil des Kerns stieg die Temperatur
unaufhörlich an. Einen Tag später wurden die Ventilatoren eingeschaltet. Die Temperatur sank
im ganzen Reaktor, mit Ausnahme der heißen Stelle im Kern, an der sie weiter zunahm.
Ungefähr zur gleichen Zeit registrierten die Meßgeräte in den Filtern des 150 m hohen
Schornsteins der Anlage erhöhte Werte der Radioaktivität. Gegen Mittag erfolgte ein weiterer
Austritt von Radioaktivität, die jetzt auch von von Meßgeräten in der Umgebung des
Fabrikgeländes angezeigt wurde. Man nahm Luftproben und stellte fest, daß deren radioaktivität
die normalen Wete um das Zehnfache überstieg. Inzwischen war klar geworden, daß etwas
unerwartetes geschehen war. Man vermutete einen geborstenen Brennstab. Versuche, mit einem
Scanner in den Reaktorkern hineinzusehen, mißlangen, da der Scanner verklemmte und versagte.
Schließlich zogen zwei Mitarbeiter in Strahlenschutzanzügen einen Verschlußstopfen heraus und
sahen in das Reaktorinnere. Die Brennstoffkanäle, die sie sehen konnten, standen in Flammen.
Die Temperatur war an einer Stelle des Reaktorkerns zu hoch gestiegen. Ein Brennstab war
geborsten, und das Uran hatte oxidiert. Dabei ist soviel Hitz frei geworden, daß das Graphit in
Brand geriet. Die Ventilatoren, die angeschaltet worden waren, um die Temperatur zu senken,
hatten das Feuer noch stärker entfachen lassen. Als das Feuer sein Höhepunkt erreicht hatte,
standen drei Tonnen Uran in Flammen. Man versuchte die Brennelemente aus den Reaktor zu
ziehen. Das konnte aber nicht schnell genug durchgeführt werden. Man beschloß, den Reaktor
mit Wasser zu fluten. Feuerwehr und Polizei wurden alamiert, da man nicht wußte, ob nicht eine
Wasserstoff - Sauerstoff - Explosion entstehen könnte. Schläuche wurden in den Reaktorkern
eingeführt und das Wasser eingeleitet und es kam zu keiner Explosion. Das Feuer wurde bald
unter Kontrolle gebracht. Die Regierung schaltete sich erst einmal nicht ein. Doch später, als man
erfuhr, daß es Schäden in der Natur gab, wurde sie aktiv. Zwei Tage später fand man nämlich
heraus, daß die in der Gegend produzierte Milch mit dem Radio - Isotop Jod - 131 verseucht war,
das die menschliche Schilddrüse schädigt. Einige Millionen Liter Milch von Kühen aus einem
Gebiet von über 1000 km² im Umkreis der Anlage wurden in Flüsse und ins Meer geschüttet.
Noch Wochen später gaben die Bäche der Gegend einen sauren Geruch von sich. Für so einen
Unfall wurden keine Pläne gemacht und keine Vorbereitungen getroffen. So standen die Helfer
vor einem neuem Rätsel.
1957/1958: Tscheljabinsk - 40, UdSSR Der Unfall, der Tausende von Quadratkilometern Land
im Südural in Rußland verseuchte, hat möglicherweise auch Hunderten von Menschen das Leben
gekostet. Alle Informationen über diesen Unfall wurden zurückgehalten, und der Unfall wäre nie
bekannt geworden, wenn nicht einige Wissenschaftler Nachforschungen angestellt hätten. In den
späten vierziger Jahren begannen die Sowjets mit großer Hast die Plutoniumfabrik Tscheljabinsk
- 40 zu bauen. Sie lag etwa 16 km östlich der Industriestdt Kyschtym am Südufer der Kyzyltasch
- Sees. Die Atomwissenschaftler standen unter enormen Druck: Sie brauchten eine ausreichende
Menge Plutonium, um noch vor Stalins 70. Geburtstag im Dezember 1949 den ersten russischen
Atombombentest durchführen zu können. Tatsächlich wurde die Bombe im August 1949 zur
Explosion gebracht. Erst im November 1976 erwähnte der emigrierte russische Biochemiker
Zhores Medwedjew in einem Artikel, auch nur nebenbei, eine Katastrophe im Ural. Diese
Aussage weckte großes Interesse, und Medwedjew und andere Wissenschaftler begannen
Nachforschungen anzustellen. Dabei stießen sie auf eine Menge Untersuchungen sowjetischer
Ökologen, aus denen hervorging, daß Seen, Böden und über 200 Tier- und Pflanzenarten in
einem nicht genannten Gebiet von mehreren tausend km² radioaktiv verseucht worden waren.
Außerdem fanden sie heraus, daß bei dem Unfall offensichtlich die Lagerung atomarer Abfälle
eine Rolle gespielt hatte, wie sie sich bei der Herstellung waffenfähigen Plutoniums anfallen. Die
fünf in den sowjetischen Untersuchungen erwähnten Radio - Isotope Strontium - 90, Ruthenium -106, Cäsium - 137, Cerium - 144 und Zirkonium - 95 sind für hochradioaktiven flüssigen
Atommüll, der nach der Entfernung aus dem Reaktor ein bis zwei Jahre lang zerfallen ist,
charakteristisch. Nach und nach fügten sich die einzelnen Erkenntnisse zu einem Bild. Der Unfall
war mit großer Wahrscheinlichkeit im Dezember 1957 oder Anfang Januar 1958 passiert, denn
am 9. Januar hatte Radio Moskau einen großen Teil seiner Sendezeit Berichten über die
Strahlenkrankheiten gewidmet und eine detaillierte Liste vorbeugender Maßnahmen
bekanntgegeben. Dies wurde von Sowjetbürgern bestätigt, die zur fraglichen Zeit in der
Unfallregion gewesen und Zeugen der Auswirkungen des Unfalls geworden waren.
Offensichtlich hatte die Regierung die schnelle Evakuierung der Städte der Umgebung
angeordnet, und Erholungsheime und Hotels waren als Katastrophenhospitäler umgewandelt
worden. Riesige Mengen Nahrungsmittel wurden vernichtet, unverseuchte Nahrung wurde über
weite Entfernungen herantransportiert. Wie zu Kriegszeiten waren die Lebensmittel rationiert.
Das Gebiet wurde von der Außenwelt abgeriegelt. Die wichtigste Straße wurde neun Monate
gesperrt. Über die genaue Ursache der Katastrophe besteht immer noch keine Klarheit.
Medwedjew hällt eine konventionelle chemische Explosion, die durch die Bildung von Gasen in
der Umgebung heißen radioaktiven Mülls verursacht worden sei, für die wahrscheinlichste
Erklärung. Die in den fünfziger Jahren beim Umgang mit Atommüll angewandten Verfahren
waren primitiv, und es wurden gern "Abkürzungen" genommen, um Zeit zu sparen.
11. März 1958: Broken Arrow 3, Florence, South Carolina Eine Staffel von B - 47 Bombern, die
auf der bei Savannah in Georgia gelegenen Luftbasis Hunter stationiert war, bereitete sich auf ein
Manöver vor. Die Operation trug den Codenamen "Snow Flurry"; die Maschinen sollten eine der
vier US - Luftwaffenbasen in Nordafrika unter gefechtsmäßigen Bedingungen anfliegen. Wie die
anderen Maschinen der Staffel hatte auch Nr. 876 eine echte Atombombe an Bord, von der
Besatzung "Schwein" genannt. An Bord befand sich außerdem in einem verschlossenen
Sicherheitscontainer ein steckerartiger Zündmechanismus, mit dem die Waffe scharfgemacht
werden konnte, wenn ein bestimmtes Codesignal empfangen und bestätigt wurde. Kurz nach dem
Start, in einer Höhe von etwa 4200 m, löste sich die Bombe aus ihrer Halterung und durchschlug
die Bombenklappen. Die Bombe fiel in einen Garten einer Familie eines kleinen Dorfes in South
Carolina. Die Bombe riß einen Krater von 11m Tiefe und 23 m Breite. Der chemische Zünder des
nuklearen Sprengkopfs war mit einer Sprengkraft von mehreren hundert Kilogramm TNT
explodiert. In der gewaltigen Hitze war der atomare Kern der Bombe verdampft und hatte das
Gelände um den Bodennullpunkt mit Plutonium verseucht. Durch die Druckwelle der Explosion
gerieten im Umkreis von 1,5 Kilometern Autos außer Kontrolle, Bäume wurden umgeworfen und
Häuser beschädigt. Die Familie, in deren Garten die Bombe gefallen war, verlangte 300000
Dollar als Entschädigung, erhielt aber knapp ein Sechstel, 54000 Dollar, davon.
Natürlich geschahen noch viele andere Unfälle. Die sind am Ende in einer Zeittafel, die auch
noch andere andere Ereignissen aufweist,verzeichnet.
Bundesrepublik Deutschland und der Atomwaffensperrvertrag
Chronologie der deutschen Atompolitik bis zum Atomwaffensperrvertrag NPT (Non- Profileration Treaty) 1954-1970
1954 23.10.1954: Adenauer erklärt im Rahmen der Pariser Verträge den Verzicht auf
Atomwaffenproduktion innerhalb der Bundesrepublik. Dieser Verzicht berührt nicht den Besitz
oder die Verwendung der Atomwaffen sowie die Herstellung von Atomwaffen auf dem
Staatsgebiet fremder Länder. Die Erklärung Adenauers schafft die Voraussetzung, eine eigene
Atomindustrie aufzubauen. Noch während der Pariser Konferenz macht Adenauer keinen Hehl
daraus, daß für ihn dieser Verzicht nur so lange bindend ist, wie die Umstände unter denen er
zustande kam, sich nicht ändern. (1)
1955 22.06.1955: Die USA schließen mit den NATO-Staaten ein Abkommen über die
"Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Atominformation" das u.a. "die Ausbildung von Personal
im Einsatz von Atomwaffen" regelt. (4)
20.101955: Strauß wird Atomminister
1955/56 Seit 1955 werden Pressemeldungen lanciert, wonach früher oder später eine nukleare
Bewaffnung der in Gründung befindlichen Bundeswehr vorgesehen sei - "seit September 1956
hörten in den Tageszeitungen der BRD die Diskussionen über Atomwaffen für die Bundeswehr
nicht mehr auf." (2) Ende 1956 zeigte sich seitens der USA erstmals eine gewisse Bereitschaft,
den europäischen Verbündeten taktische Atomwaffen zu liefern.
1956 Juli 1956: Gründung des Kernforschungszentrums Karlsruhe, d.h. Übernahme einer bei den
Atommächten aus den Erfordernissen der Bombenproduktion heraus entstandenen
Organisationsform. Der Physiker Heisenberg: "Es beunruhigte mich, daß für die Menschen, die
hier ( im Kernforschungszentrum K.) wichtige Entscheidungen zu treffen hatten, die Grenzen
zwischen friedlicher Atomtechnik und atomarer Waffentechnik fließend waren..." (3)
19.10.1956: Strauß wechselt vom Atom- in das Verteidigungsministerium.
1957 Januar 1957: Strauß vereinbart mit dem französischen Verteidigungsminister Bourges-Maunoury eine Reihe von Abkommen zur Förderung einer engeren französisch-deutschen
Zusammenarbeit bei der Herstellung "moderner Waffen". (1)
29.01.1957: Strauß erklärt gegenüber Physikern, daß "eine große atomare Aufrüstung der
europäischen NATO" notwendig sei. (2)
22.02.1957: Das Adenauer-Kabinett legt einen Entwurf für das bundesdeutsche Atomgesetz vor,
in dem der Hinweis "für friedliche Zwecke" weggelassen wird. (4)
25.03.1957: Gründung der europäischen Atomgemeinschaft. Für die BRD gibt es eindeutige
Hinweise dafür, "daß spätestens seit der Ernennung von Strauß zum Verteidigungsminister, etwa
im Oktober 1956, die Bundesregierung den Euratomvertrag schwerpunktmäßig unter dem Aspekt
der militärischen Nutzung behandelte und die Möglichkeit erwog, auf der Sechser-Ebene in der
Gemeinschaft oder national Atombomben herzustellen." (5) Seitens des bundesdeutschen
Verteidigungsministeriums wurde insbesondere ( und mit Erfolg) auf den Austausch militärischer
Atompatente im Rahmen des Euratomvertrages Wert gelegt. (5) Frankreich trat in die Euratom
ohnehin nur mit Vorbehalt ein, um ein eigenes Atomwaffenprogramm in die Wege leiten zu
können. Daher sah man "in den Plänen einer atomaren Zusammenarbeit der westeuropäischen
Staaten, zumindest im zivilen Sektor, eine Möglichkeit, die erforderlichen Lasten zu verteilen
und dennoch im militärischen Bereich die französische Selbständigkeit zu bewahren... Die
atomare Organisation der westeuropäischen Staaten sollte das französische Programm ergänzen
und unterstützen". (6)
05.04.1957: Adenauer erklärt in seiner berühmten Pressekonferenz (die in der Folge die
Bewegung "Kampf dem Atomtod" nach sich zog): "Unterscheiden Sie doch die taktischen und
die großen atomaren Waffen. Die taktischen Waffen sind nichts weiter als eine
Weiterentwicklung der Artillerie. Selbstverständlich können wir nicht darauf verzichten, daß
unsere Truppen auch in der normalen Bewaffnung die neueste Entwicklung mitmachen..." (2)
02.07.1957: Wegen des ergänzten Zusatzes "für friedliche Zwecke" wird die Verabschiedung des
Atomgesetzentwurfs von dem Adenauer-Kabinett und weiteren 44 Parlamentariern per
Stimmenthaltung verhindert, da, so der damalige CDU/CSU Bundestagsfraktionsvorsitzende
Krone, "in der Begründung der beiden Gesetze Formulierungen enthalten sind, die weit über das
hinausgehen, was für eine wahre deutsche Sicherheitspolitik gut ist." (7)
27.08.1957: Auf die Frage eines Journalisten, ob der 1954 auferlegte Atomwaffenverzicht
aufrechterhalten werde, antwortet F.J. Strauß: "Jeder Verzicht wird unter der Voraussetzung
ausgesprochen, daß von Zeit zu Zeit zu prüfen ist, ob die Voraussetzungen unter denen dieser
Schritt erfolgt ist, noch zutreffen... Um ganz offen auszudrücken, woran ich denke - aber nicht
nur ich, sondern auch viele meiner Freunde: Das ist eine europäische Atomstreitmacht (...) Diese
Atommacht müßte und könnte einer europäischen Regierung unterstellt werden." (3)
19.12.1957: Die NATO-Ministerkonferenz beschließt die Weitergabe von US-Mittelstreckenraketen und en Aufbau von Atomsprengkopflagern in Westeuropa, die - unter US-Verschluß gehalten- "im Ernstfall" den NATO-Verbündeten "sofort verfügbar" sein sollen. (2)
1958 25.03.1958: Eine sichere Bundestagsmehrheit beschließt die Aufrüstung der Bundeswehr
"mit modernsten Waffen" (Atomwaffen). (2)
Ende März 1958: Die Bundesregierung billigt bedenkenlos das NATO-Dokument MC 70, das
einen genau bezifferten Plan für die Aufnahme von "Träger- bzw. Abschußmittel für
Atomsprengkörper" in der BRD bis zu einem festgesetzten Zeitpunkt (1963) enthält. (2)
31.10.1958: Die USA erklären, ihren Alliierten Informationen für die Entwicklung von, für die
Atomkriegsführung, geeigneten Waffen zugänglich zu machen, wobei " den Möglichkeiten für
eine Zusammenarbeit in der Entwicklung und Produktion von militärischen Reaktoren besondere
Bedeutung" beigemessen werden. (8)
1959 Wolf Häfele, später Leiter des Projekts "Schneller Brüter", reist von Karlsruhe aus zu einem
einjährigen Forschungsaufenthalt in das US-Atomforschungszentrum Oak Ridge (dort hatte man
einst den Rohstoff für die Hiroshima-Bombe hergestellt. (3)
05.05.1959: Im Rahmen eines "Abkommens über die Zusammenarbeit bei der Nutzung der
Atomenergie für Verteidigungszwecke" wird die Ausbildung von BRD-Soldaten an US-Atomwaffen geregelt. (9)
03.12.1959: Nach Ankündigung der USA, nur nach Verabschiedung eines bundesdeutschen
Atomgesetzes weitere Brennstoffelemente zu liefern, kommt es zur Beschlußfassung im
Bundestag über das Atomgesetz (einschließlich einer Einschränkung "für friedliche Zwecke").
(10)
1960 SPD-Bundestagsabgeordneter Bechert erklärt im Bundestagsausschuß für Atomenergie
(deren Vorsitzender er 1962 werden sollte), "hinter dem Reaktorrummel hätten vorwiegend
militärische Zwecke gestanden. Man wollte Plutonium, deswegen sollten Reaktoren gebaut
werden." (Im Protokoll ist kein Widerspruch zu dieser Behauptung verzeichnet.) (11) Im selben
Jahr ließ auf dem Hannoveraner SPD-Parteitag Willy Brandt keinen Zweifel daran, daß unter
seiner Führung die SPD zumindest "eine deutsche Beteiligung an einer Atomstreitmacht der
NATO" billigen würde. (12)
Juli 1960: Es erscheint die vertrauliche Heeresdienstvorschrift 132/1 ("Wirkung und Einsatz von
Atomsprengkörpern"), in der sich "deutlich die Kenntnis wieder(spiegelt), die die westdeutschen
Militaristen bereits über die Atomkriegsführung sowie über die Wirkungsweise und
Beschaffenheit von Atomwaffen besitzen." (4)
August 1960: Die Bundeswehrführung drängt nach Nuklearbewaffnung der Bundeswehr. In einer
Sonderbeilage der "Informationen für die Truppe" wird konstatiert: "Bei einem einseitigen
Verzicht auf atomare Bewaffnung der Schildstreitkräfte kann die Bundesrepublik nicht verteidigt
werden... Die Bundeswehr... kann weder auf die allgemeine Wehrpflicht, noch auf die
Zugehörigkeit zur NATO, noch auf die atomare Bewaffnung verzichten..." (13)
1961 27.11.1961: Strauß fordert in Washington gemeinsame Kontrolle und Entscheidungsgewalt
über die nuklearen Waffen im NATO-Rahmen. (1)
29.12.1961: In seiner Regierungserklärung fordert Adenauer die "baldigst mögliche" Etablierung
der NATO-Nuklearstreitmacht. (1)
1962 16.11.1962: Als "Verteidigungsausgaben im weiteren Sinne" bezeichnet die "Zeit" die
staatlichen Finanzspritzen zum Aufbau eines BRD-Atomenergieprogrammes.
1963 Die USA winken mit größerem Nachdruck mit dem Projekt einer Multilateralen
Nuklearflotte, genannt MLF (25 Schiffe, bestückt mit Polaris-Atomraketen, finanziert zu 40%
von der BRD), wobei die Frage nach der politischen Kontrolle über die Atomwaffen unklar
bleibt. (1) Vorgesehen waren 25 schwimmende Abschußbasen mit je acht "Polaris- A 3"-Raketen
-jede mit einer Sprengkraft von 35 Hiroshima Atombomben, Reichweite der Geschosse 4.500
km, eine Entfernung von Island bis nach Moskau. "Zusammen werden die 25 MLF-Atomfrachter
rund zehnmal soviel Vernichtungskraft unter den Luken lagern wie die gesamte Bombenlast, die
während des Zweiten Weltkriegs von Bombenfliegern aller beteiligten Kriegsmächte ausgeklinkt
wurden." (Spiegel, 45/1964)
25.03.1963: Verteidigungsminister v. Hassel erklärt in einem FAZ-Gespräch, nur in der
Anfangsphase der geplanten MLF ein US-Vetorecht über die Atomwaffen hinnehmen zu wollen:
"Sobald aber sichtbar werde, daß die multilaterale Streitmacht tatsächlich ein militärisches
Instrument werde, müsse es möglich sein, den amerikanischen Partner vom Veto abzubringen
und den Mehrheitsbeschluß für die politische und militärische Nutzung dieser Streitmacht
herbeizuführen."
Mitte 1963: Die BRD erhält die ersten nur nuklear bestückten Kurzstreckenraketen. (2)
1964 Auf dem Karlsruher SPD-Parteitag setzen sich Brandt, Erler und H. Schmidt "vorbehaltlos"
für das Projekt einer multilateralen Atomstreitmacht ein. (12)
Februar 1964: Es wird (anstelle eines Abkommens vom 22.06.1955) ein neues "Übereinkommen
zwischen den Parteien des Nordatlantikvertrages über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der
Atominformation" abgeschlossen. (4)
1965 Juni 1965: Bundestagspräsident Gerstenmaier erklärt, die BRD brauche den gleichen Status
wie Frankreich und Großbritannien. " Das sei keineswegs archaischer Nationalismus, denn nur
mit einem solchen Rang könne die Bundesrepublik einen angemessenen materiellen und
geistigen Beitrag zur Sicherung der Allianz leisten. Und nur mit dem Rang einer größeren Macht
könne sie ihren Anspruch auf deutsche Wiedervereinigung wirkungsvoll vertreten." (1)
03.07.1965: In einem Interview mit den "Düsseldorfer Nachrichten" droht Außenminister
Schröder mit dem "Erwerb eigener Atomwaffen", falls die in Aussicht gestellte MLF unter
Beteiligung der BRD nicht zustande kommt. Diese Erklärung wird nachgedruckt im Bulletin des
Presse- und Informationsamtes vom 09.07.1965. (14)
September 1965: Weltweite Empörung provoziert Strauß mit einer Attacke gegen den
Atomwaffensperrvertrag, in der mit einem neuen "Führer" gedroht wird, falls die BRD ohne
Atomwaffen bleibt: "Für jeden vernünftig Denkenden allerdings muß ein Deutschland, dem man
noch einmal eine Art "militärisches Versailles" aufoktroyieren würde und das dann als drittgrößte
Wirtschaftsmacht der Welt diskriminiert zwischen Ost und West stünde, nur als ein Alptraum
erscheinen. Allein nach den geschichtlichen Erfahrungen könnte man sich ausrechnen, wann ein
neuer Führertyp einem derartig behandelten Deutschland Atomwaffen oder schlimmeres
versprechen oder wohl auch verschaffen würde." (Spiegel, 38/65)
19.11.1965: Die "Frankfurter Rundschau" berichtet: "Die Bundesrepublik könnte nach Mitteilung
des ,Instituts für strategische Studien' in London pro Jahr 186 kleine Atombomben des Nagasaki-Typs herstellen, wenn sie alle Leistungs- und Forschungsreaktoren, die gegenwärtig für friedliche
Zwecke arbeiten, auf die Produktion von Plutonium umstellen würde."
Dezember 1965: "Der Spiegel" berichtet: "Zweimal im Jahr müssen die deutschen Piloten auf
dem sardinischen Flugplatz Decimomannu in jeweils drei Anflügen eine Übungsbombe im
simulierten Atombombenabwurf ins Ziel bringen. Zum Abwurf dreht der Bomber immer einen
,Immelmann-Turn' und wirft aus der Drehung die Bombe seitlich ins Ziel... Ein deutscher Pilot
zum "Spiegel": "Wenn wir im Kriege diese Figur fliegen, weiß der Russe unten am Flak-Geschütz, daß in 30 Sekunden der große Blitz niedersaust - selbst wenn es ihm gelingen sollte,
uns abzuschießen." (Spiegel , 50/67)
1966 Mai 1966: Aus Norwegen kauft die Bundesrepublik 6.000 Atombomben-Atrappen für
Übungszwecke innerhalb der Bundeswehr.
1967 06.12.1967: Schröder, Verteidigungsminister der großen Koalition, erklärt: "Eine deutsche
Beteiligung an den taktischen Atomwaffen ist notwendig, damit an allen Frontabschnitten, auch
an denjenigen, die den deutschen Truppen zugewiesen sind, Trägermittel für atomare
Sprengkörper vorhanden sind... Die deutschen Streitkräfte müßten bei gleichem Auftrag und im
gleichen Operationsgebiet mit gleichen Waffen wie die Truppen der Verbündeten ausgestattet
sein." (13) (vgl. Meldung vom August 1960)
1970 Im Weißbuch der sozialliberalen Bundesregierung heißt es: "Jedoch muß die Bundeswehr
mit Trägermitteln für nukleare Waffen ausgerüstet sein, solange der potentielle Gegner und die
Streitkräfte der Verbündeten darüber verfügen. Andernfalls könnte die Bundeswehr nicht in der
gleichen Weise kämpfen wie der Gegner und die eigenen Bundesgenossen. Deshalb sind
Luftwaffe und Heer mit Trägermitteln für Atomwaffen ausgestattet." (13)
Anmerkungen
(1) D. Mahnke, Nukleare Mitwirkung, Berlin 1972, S. 6, 26, 50, 57, 107, 111, 112 (2) H. Rupp,
Außerparlamentarische Opposition in der Ära Adenauer, Köln `80 S. 35-42 (3) R. Kollert u.a.
Kalkar-Report, Ffm 1983, S. 124-130. (4) DDR-Außenministerium, Das Bonner
Kernwaffenkartell, Berlin 1969, S. 28 u. 36 (5) C. Deubner, Die Atompolitik der westdeutschen
Industrie und die Gründung von Euratom, New York 1977, S. 72 u. 122 (6) H. Kramer,
Nuklearpolitik in Westeuropa und die Forschungspolitik der Euratom, Köln 1976, S. 71. (7)
Bundestagsprotokoll (Stenographischer Bericht) 1957, Bd. 38., S. 13044 (8) Europaarchiv (EA),
20.04.1958, S. 52 (9) J. Glasneck, Zur Genesis des Kernwaffenkomplotts USA -Westdeutschland (1958-1965), Halle 1967, S. 10690 (10) Bundestagsprotokoll (Stenographischer
Bericht) 1959, Bd. 44, S. 5040 (11) J. Radkau , Aufstieg und Krise der deutschen
Atomwirtschaft, Reinbek 1983, S. 190 (12) A. Ashenasi, Reformpartei der Außenpolitik,
Opladen 1968, S. 194 u. 199 (13) K. v. Schubert, Sicherheitspolitik der BRD, Köln 1979, S. 33
ff., 147 u. 233 (14) EA, Folge 15/1965
Die historische Entwicklung des NPT und der Beitritt der BRD
Die USA hatte nach ihrer Entdeckung der Kernspaltung zuerst auf Geheimhalten, dann auf die
Anwendung ziviler Zwecke gesetzt. Mit der Verbreitung der Atomtechnologie in anderen
Ländern begann die USA auf Abkommen, die für den Frieden zwischen den Ländern und gegen
die Verbreitung von Atomwaffen, sein sollten. Den ersten Textentwurf legte die USA schon im
August 1965, nach dem Abkommen über das Verbot von Kernwaffenversuchen in der
Atmosphäre zwischen den USA, der UdSSR und Großbritannien, vor. Im Gegenzug legte die
Sowjetunion im September einen eigenen Entwurf des NPT vor. Ihr Interesse lag vor allem in der
internationalen Verpflichtung der BRD, keine Atomwaffen zu produzieren oder zu erwerben. Die
BRD hatte vorher ja nur den Westmächten gegenüber auf die Atomwaffen verzichtet. (1954) Die
Sowjetunion sah sich in ihren Befürchtungen über eine Atomrüstung der BRD auch darin
bestätigt, daß der damalige Außenminister Schröder nur bei der Errichtung einer multilateralen
Atomstreitmacht unter Mitwirkung der BRD auf die Atomwaffen verzichte. So war es das
Bestreben der Sowjetunion, durch den NPT auch nukleare Gemeinschaftslösungen für die BRD
zu verhindern.
Ab Ende 1966 gaben die USA auch in diesem Punkt nach und verzichteten auf Formulierungen,
die eine multilaterale Streitmacht unter dem NPT zuließen. Dadurch verloren die Deutschen die
Hoffnung trotz des Atomverzichts durch Gemeinschaftslösungen trotzdem noch eine
Machtpolitik zu betreiben.
Das zivile Atomprogramm der BRD war 1966 so weit fortgeschritten, daß sie als
"Schwellenmacht" (also an der Schwelle zur Atommacht) bezeichnet wurde. In der großen
Koalition gab es verschiedene Auffassungen zum NPT. Die SPD war bereit auf nuklearen
Mitbesitz zu verzichten, unter der Bedingung, daß der NPT eine spätere gemeinsame Atommacht
("Europäische Option") nicht verhindere.
Nach jahrelangen Auseinandersetzungen und hartnäckigen Konsultationen mit den USA erreichte
die Bundesregierung folgende wichtige Abschwächung des NPT:
-eine zeitliche Beschränkung der Gültigkeit des NPT (bis 1995).
-das Offenhalten der "Europäischen Option", allerdings nur für einen europäischen Bundesstaat,
der mindestens eine der europäischen Atommächte umfaßt, und vollständig integrierte
Streitkräfte sowie eine gemeinsame auswärtige Sicherheitspolitik hat (dies wurde durch eine
Interpretation der USA festgelegt, der die UdSSR stillschweigend zustimmte).
-die Sicherheitskontrollen in Westeuropa erfolgen nicht im wesentlichen durch die IAEO,
sondern durch die Euratom. Die IAEO überprüft lediglich die Modalitäten der EuratomÜberwachung.
-die Aufnahme von Artikel IV (Verpflichtung zur Erleichterung des weitestmöglichen
Austausches von Material, Ausrüstung und Know-how bei der zivilen Kernenergienutzung) und
Artikel V (Weitergabe von möglichen Vorteilen aus friedlichen Kernsprengungen an
Nichtkernwaffenstaaten) in den NPT.
Weitere, speziell der BRD gegenüber abgegebene US-Interpretationen sind:
-der Vertrag wird restriktiv ausgelegt, d.h. alles was nicht ausdrücklich verboten ist, ist erlaubt.
-im Falle der Entscheidung einen Krieg zu beginnen, ist der Vertrag nicht mehr länger bindend.
-der Transfer von Nuklearsprenkörpern ist zwar verboten; nicht aber der Transfer von nuklearen
Trägersystemen oder der Kontrolle über sie, sowie "Konsultationen und Planungen der nuklearen
Verteidigung" unter den NATO Verbündeten.
Der Vertrag wurde am 28.November 1969, nach dem Regierungswechsel unter der
sozialliberalen Koalition von der Bundesregierung unterzeichnet, das Verifikationsabkommen
zwischen Belgien, Dänemark, der BRD, Irland, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Euratom
und der IAEO am 5.April 1973. Beide wurden am 20.Februar 1974 ratifiziert.
Zur Klarstellung muß noch erwähnt werden, daß sich der NPT nur auf Kernsprengungen bezieht.
Alle anderen militärischen Nutzungen ( Antrieb von Kriegsschiffen; Stromerzeugung von
militärischen Anlagen; Verwendung von Kernmaterial in konventionellen Waffen; selbst die
Verwendung von Atommüll als Kontaminationswaffe) sind erlaubt, da es zu keiner nuklearen
Sprengung kommt.
Three Mile Island
Three Mile Island ist eine Insel im Susquenna River, rund 16 km flußabwärts von Harrisburg, der
Hauptstadt Pennsylvanias mit 60000 Einwohnern. Diese Gegend liegt ungefähr 300 km von New
York entfernt und ist eine Gegend, die hauptsächlich durch ihre Landwirtschaft am Leben
erhalten wird.
Das größte Unglück, welches jemals in einem kommerziell geführten Amerikanischen
Atomreaktor passierte, begann am 28. März 1979.
Hier handelt es sich um einen 1000 MW Druckwasserreaktor, welcher von einer Firma B.&W.
auf der Insel gebaut worden war. Betreiberfirma war MetropolitanEdison (MetEd), eine
Tochterfirma eines großen Kraftwerkeigners.
Block 2 dieses Reaktors arbeitete zum Zeitpunkt des Unfalls erst seit knapp 3 Monaten. Der
Reaktor hatte zwar bis zum Zeitpunkt der Katastrophe schon einige Pannen hinter sich, doch
hatte die Firma, die diesen Reaktor betrieb einige finanziell verständliche Gründe, diesen Block
vor dem Abschluß aller Tests schon in Betrieb zu nehmen. Wenn sie nämlich den Reaktor noch
im Jahre 1978 ans Netz gehen lassen würden, dann würden ihnen 50 Mio. $ Steuern entfallen und
sie könnten die Preise noch etwas höher lassen und dadurch wiederum einen Zusatzgewinn von
40 Mio. $ einstreichen. Also ging Block 2 schon am 30. Dezember 1978 ans Netz.
Die Ereigniskette, die zum Unfall führte, begann am 28. März um 4.00 Uhr morgens.
Block 2 wurde mit voller Leistung gefahren, als im Sekundärkreislauf eine Wasserpumpe ausfiel
und als Folge davon schaltete sich die Turbine des Kraftwerks selbständig ab. Obwohl Block 2
keine Elektrizität mehr erzeugte, lief der Reaktor weiterhin mit Vollast. Als die Temperatur im
Primärkreislauf stieg, versagten zwei weitere automatische Sicherheitsvorkehrungen: Zunächst
öffnete sich ein vorgesteuertes Abblaseventil (PORV) im Primärkreislauf und baute den Druck
ab. Dann gab es einen Scram, was heißt daß der Reaktor sich abschaltete. Dies war für die
Arbeiter jedoch nichts neues. Schon oft hatten sich Turbine und Reaktor abgeschaltet. Sie wußten
auch, daß wenn der Druck weit genug abgesunken war, würde sich das Ventil schließen und das
System normal weiterlaufen. Was sie jedoch nicht wußten, war das sich das Ventil verklemmt
hatte und der Druck immer weiter abfiel, woraufhin sich der Druckhalter-Abblasetank immer
weiter füllte. Kurze Zeit später lief er über und radioaktives Wasser ergoß sich in das
Reaktorgebäude. Kurze Zeit nach dem ersten Alarm wegen der Pumpe gab es im Kontrollraum
erneut Alarm, was den Arbeitern zeigte, daß es Probleme im Reaktor gab. Allerdings wußten sie
nicht warum, denn eine Leuchte zeigte fälschlicherweise an, daß sich das Abblaseventil
ordnungsgemäß geschlossen hätte. Das offene Ventil war jedoch nicht das einzige Problem.
Notsysteme, die Wasser in den Sekundärkreislauf hätten pumpen sollen, arbeiteten ebenfalls
nicht, da man sie zur Wartung abgeschaltet hatte. Die Zettel, die im Kontrollraum darauf
hinwiesen, waren so angebracht, daß sie die Warnlampen verdeckten. Zum zweitenmal war dem
Personal entgangen, daß ein wichtiges System nicht funktionierte. Da die Notsysteme
geschlossen waren, liefen die Dampferzeuger trocken. Somit führte nur noch das Primärsystem,
das durch das Abblaseventil rapide an Druck verlor, Wärme aus Reaktorblock 2 ab. (Selbst bei
abgeschalteten Reaktor erzeugte die Nachzerfallswärme noch 6% der normalen Reaktorleistung.)
Zu diesem Zeitpunkt schaltete sich ein Notsystem ein und pumpte unter hohem Druck Tausende
von Litern Wasser in das Primärsystem. Normalerweise hätte dies die Wassertemperatur gesenkt
und den Druck im Kühlsystem erhöht. Doch erneut setzte menschliches Versagen ein
vermeintlich narrensicheres System außer Kraft: Die Bedienungsmannschaft interpretierte die
Situation falsch und schaltete eine der Notpumpen ab. Innerhalb von Minuten sackte der
Kühlmittelstand im Primärsystem von Block 2 so tief ab, daß Wasser in Dampf umschlug. Teile
des Kerns lagen nun frei, die Temperaturen im Reaktorinnern schnellten in die Höhe, Brennstäbe
barsten. Unbemerkt von den Operateuren begann Block 2 zu schmelzen. Radioaktive Gase
entwichen in den Himmel.
Über die Strahlungsmenge, die bei dem Unfall damals freigesetzt wurde , ist 10 Jahre nach dem
Unfall immer noch nichts genaues herausgekommen. Sicher ist nur, daß viele der Berichte, die
nach dem Unfall verfaßt wurden, unverläßlich, verharmlost oder gefälscht waren. Die offiziellen
Berichte der Betreiberfirma und einiger Wissenschaftler besagten, daß keine Gefahr bestände, da
kaum radioaktiver Fallout in der Umgebung niedergegangen sei.
Einige private Ermittlungen ergaben aber, daß die Anzahl der Schilddrüsenerkrankungen, der
Fälle von Krebs, Säuglings- oder Tiersterben in der Umgebung von Three Mile Island deutlich
über dem Durchschnitt Amerikas lagen.
Die MetEd wurde damals auf 155.000 $ verklagt, die damals höchste Strafe für so ein Vergehen.
Ein Pappenstiel, wenn man überlegt wieviel Gewinn man mit einem solchen Reaktor macht.
Schlimmer wird für sie aber die Entsorgung des Reaktorblocks 2. Seit knapp 16 Jahren wird der
Kern, der damals fast vollkommen geschmolzen und durch den Sicherheitsbehälter gedrungen
war, in langsamer und teurer Arbeit von Hand abgebaut. Insgesamt belaufen sich die Kosten des
Unfalls auf rund 2,1 Milliarden $.
Bjelojarsk
Der Atomkomplex Bjelojarsk liegt etwa 15 km von der Stadt Swerdlowsk entfernt. Er besteht aus
zwei RBMK-Reaktoren von der Bauart des Reaktors von Tschernobyl und einem neueren
Brutreaktor vom Typ BM-600.
Nach dem Bericht der "sozialistischen Industrie" begann das Unglück am 30. Dezember 1978 mit
einem Brand, der durch einen Kurzschluß in der Maschinenhalle ausgelöst wurde. Dachträger
und Betonpfeiler konnten der Hitze nicht standhalten und brachen zusammen. Als die ersten
Arbeiter in die Halle kamen, konnten sie schon den Himmel sehen, da sich die Decke den
Pfeilern anschloß. Das Feuer hatte bereits weitere Kurzschlüsse verursacht, die zu
Sekundärbränden führten und das automatische Löschsystem lahmlegten. Als die Arbeite den
Brand bekämpfen wollten ging das Licht aus.
Jedoch hatten die Arbeiter ein zentrales Problem: Es war vorgeschrieben, bei einem derartigen
Unfall beide RBMK-Reaktoren abzuschalten. Mitten im russischen Winter herrschten aber
außerhalb des Gebäudes Temperaturen von fast minus 50(C. Bei einer Abschaltung beider
Reaktoren würden die Kühlsysteme einfrieren und es käme zu einer Überhitzung der
Reaktorkerne, was zu einer doppelten Kernschmelze führen könnte. Auch die Wärmeversorgung
der anliegenden Dörfer wäre damit abgeschaltet und jeder weiß, was das heißt. Da Reaktor Nr.2
unter den Trümmern des Daches lag wurde er abgeschaltet, Nr.1 und dessen Turbine wollte man
in Betrieb halten. Die Temperatur in der Halle war aber trotz des Feuers auf minus 40(C
gesunken und die Turbine war eingefroren. Der Turbogenerator mußte aber unbedingt wieder
flott gemacht werden, da sonst die Restzerfallswärme von den Reaktoren nicht abgeführt werden
könne.
Einige der Techniker konnten auf Grund der hohen Temperatur an den Schaltpulten nicht mehr
dort bleiben und mußten ihre Plätze verlassen. Zum Glück trafen daraufhin aber schon 1200
Feuerwehrleute ein. Einige Techniker nahmen Atemschutzgeräte, liefen wieder hinein um das
wichtigste zu bedienen und liefen heraus um Atem zu schöpfen. Und das immer und immer
wieder. Ein Paar wurden bewußtlos und es gab oft niemanden, der sie hätte ersetzen können.
Inzwischen war das Feuer auch im Computerraum und die Reaktoren konnten nicht mehr bedient
werden. Kurz bevor es den aktiven Kern erreichte wurde das Feuer doch noch gelöscht. Die
Kernschmelze konnte vermieden werden.
Einige meinten, wenn der Bericht vom Unfall früher veröffentlicht worden wäre(er wurde erst
1987 bekannt) hätte es den Unfall von Tschernobyl vielleicht nie gegeben. Vielleicht.
Die Sicherheitsstandards wurden daraufhin für die Anlage verschärft. 84 der Feuerwehrleute und
Arbeiter wurden mit der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Ihre Namen wurden nie bekannt
gegeben. Das gleiche gilt für die Zahl der Opfer.
Tschernobyl
Am Montag, dem 28. April 1986, 9.00 Uhr, maßen Techniker im schwedischen Atomkraftwerk
Forsmark, 100 km nördlich von Stockholm, abnorm hohe Strahlenwerte. Der Reaktor wurde
daraufhin überprüft und es stellte sich heraus, daß dieser Reaktor keine Lecks besaß. Und doch
registrierten Geigerzähler bei den rund 600 Beschäftigten des Kraftwerks und bei Boden- und
Pflanzenproben aus der Umgebung der Anlage Werte, die um das 14fache über dem Normalwert
lagen. Bald trafen aus anderen Gebieten Skandinaviens ähnliche Befunde ein. Damit stand fest:
Irgendwo mußten riesige Mengen Radioaktivität in die Atmosphäre entweichen. Der Wind kam
aus Südost - von der Sowjetunion. Die Skandinavier ersuchten Moskau um eine Erklärung,
erhielten aber nur ausweichende Antworten. 12 Stunden nach dem Vorfall in Forsmark sendete
das Moskauer Fernsehen eine knappe Erklärung des Ministerrates der UdSSR: "Im
Atomkraftwerk Tschernobyl hat sich ein Unfall ereignet. Ein Reaktor wurde beschädigt.
Maßnahmen zur Beseitigung der Unfallfolgen werden unternommen. Den Geschädigten wird
geholfen. Eine Regierungskommission ist gebildet worden."
Mit dieser eher ungenauen Nachricht begann für viele Europäer wohl das schwerste Problem der
Atomenergie aller Zeiten.
Der Unfall
Der Atomkraftwerk-Komplex Tschernobyl liegt am Fluß Pripjat, 130 km nordwestlich von Kiew,
der mit 2,5 Millionen Einwohnern drittgrößten Stadt der Sowjetunion. Dieses Gebiet ist eher
dünn besiedelt und weitgehend landwirtschaftlich genutzt. Die beiden größten Städte waren bis
April 1986 das 50000 Einwohner zählende Pripjat , das eigens für die Bauarbeiter und
Beschäftigten des Komplexes errichtet worden war, und Tschernobyl mit 12000 Einwohnern.
Das Atomkraftwerk Tschernobyl war mit zwei Reaktorpaaren vom Typ RBMK-1000
ausgestattet. Eine dritte Doppelblockanlage befand sich im Bau. Der RBMK ist ein
graphitmoderierter Druckröhren-Siedewasserreaktor mit einer elektrischen Leistung von 1000
MW. Der Uranbrennstoff wird durch Wasser gekühlt. Dabei wird Dampf erzeugt, der zwei
Turbinen mit jeweils 500 MW Leistung antreibt. Die Brennstäbe sind in einem Graphit-Moderator eingeschlossen, der die schnellen Neutronen bremst und so die Atomare
Kettenreaktion aufrecht erhält.
Am Nachmittag des 25. April begann die Bedienungsmannschaft, während einer planmäßigen
Abschaltung von Block 4 eine der mächtigen 500-MW-Turbinen zu testen. Der Test sollte
erweisen, ob die Turbine, die den stromerzeugenden Generator antrieb, nach der Notabschaltung
noch so lange weiterdrehte, daß die Anlage in den entscheidenden 45 Sekunden bis zum
Anlaufen der dieselbetriebenen Notstromaggregate ausreichend mit Strom versorgt wurde.
Die Bedienungsmannschaft fuhr die Reaktorleistung auf 50% der Nennleistung herunter und
setzte das Notkühlsystem außer Betrieb. Um 14.00 Uhr fragte der Kontrollbeamte des Kiewer
Versorgungsnetzes an, ob bis 23.10 weiter Strom geliefert werden könne. Das Personal in
Tschernobyl war einverstanden, versäumte es aber, nach 23.10 das Notkühlsystem wieder
einzuschalten.
Die Techniker fuhren die Reaktorleistung auf 1% der Nennleistung herunter und damit weit unter
das Niveau, wie es für das Experiment erforderlich war. Dann zogen sie den Großteil der
Steuerstäbe heraus und schalteten weitere wichtige Sicherheitssysteme ab. Diese elementaren
Verletzungen der Sicherheitsvorschriften hatten zusammen bewirkt, daß der Reaktorblock 4 am
26. April, 1.23 Uhr, instabil geworden war. Die Reaktorleistung stieg und die Techniker hatten
die Kontrolle über alles dieses verloren. Eine Minute später kam es in einem Teil des Reaktors zu
einer prompt überkritischen Leistungsexplosion. Innerhalb von vier Sekunden erreichte Block 4
das 100fache der Nennleistung - möglicherweise stand er kurz vor der atomaren Explosion. In
einigen Brennstäben schmolz das Uran und brachte das Kühlwasser zum Verdampfen. Dies
verursachte eine Dampfexplosion. Die 1000 Tonnen schwere Abdeckung von Block 4 flog weg.
Brennende Trümmer des Reaktors prasselten auf umliegende Gebäude nieder. An mehr als 30
Stellen entstanden Brände.
Dann reagierte Wasser mit dem glühend heißen, 1700 Tonnen schweren Graphit-Block. Dabei
bildete sich hoch explosiver Wasserstoff. Es kam zu einer zweiten Explosion, die radioaktive
Trümmer und Radionuklide anderthalb Kilometer in den Himmel schleuderte. Um das Feuer zu
ersticken und eine weitere Freisetzung von Radioaktivität zu verhindern, warf man von
Hubschraubern mehr als 5000 Tonnen Blei, Bor und andere Materialien über dem offenen Kern
ab.
Einunddreißig Feuerwehrleute und Beschäftigte des Kraftwerks kamen an diesem Tag aufgrund
schwerer Strahlenverbrennungen ums Leben. Und es sollten noch viele folgen.
Das Einsargen
Die erste Katastrophe war zwar abgewendet, doch die Probleme der sowjetischen Behörden
waren damit noch längst nicht gelöst. Am 1. Mai begann die Temperatur des atomaren
Brennstoffes wieder zu steigen und erreichte einen Spitzenwert von 2000 (C. Ursache war der
radioaktive Zerfall der atomaren Spaltprodukte, die im beschädigten Reaktor verblieben waren.
Um dieses Problem zu lösen wurde gasförmiger Stickstoff unter hohem Druck in den Bereich
unter dem Reaktor geblasen. Am 6. Mai sank die Temperatur.
Als auch diese Gefahr gebannt war, begann man mit dem "Einsargen" des Reaktors. Ein Trupp
von Bergleuten bekam die Aufgabe, unter dem Block 4 einen Betonsockel anzulegen. Damit
sollte verhindert werden, daß der heiße Kern ein Loch durch das Fundament des Reaktors fraß.
Vierhundert Männer trieben in 3-Stunden-Schichten einen 168m langen Tunnel unter den
Reaktor und kleideten ihn mit Stahlbeton aus. Bis zum 24. Juni hatten sie den monolithischen
Betonsockel gegossen.
Dann nahm man den Bau einer riesigen "Grabkammer" in Angriff, mit der die Anlage langfristig
eingesargt werden sollte. Die gigantische Konstruktion aus über 7000 Tonnen Stahl und 410000
Kubikmetern Beton wurde im November 1986 fertiggestellt.
Schadensbilanz
Nach einer Meldung der sowjetischen Zeitung Iswestija kostet die Katastrophe von Tschernobyl
allein die Sowjetunion 24 Milliarden Mark, und die Kosten steigen weiter. Das Blatt spricht von
dem "vielleicht teuersten Unfall auf unserem Planeten". Ein Blick in die Statistiken zeigt, in
welchem Ausmaß Block 4 das Land verseucht und Menschenleben bedroht hat:
- 1000 km² Land um Tschernobyl waren bis zu einem gewissen Grad kontaminiert
- 135000 Menschen und 86000 Stück Vieh wurden aus der 30-Kilometer-Zone um den Reaktor
evakuiert - eine Kolonne aus 1216 Omnibussen und 300 Lastwagen zog sich über 15 km hin
- 60000 Gebäude in 500 Gemeinden mußten dekontaminiert (gereinigt) werden
- in Kiew wurden als Vorsichtsmaßnahme 400 Brunnen gebohrt, welche die Wasserversorgung
sichern sollten, zusätzlich wurden noch 6 km lange Wasserleitungen verlegt.
Einer sowjetischen Schätzung zufolge ging die Hälfte des Fallouts von Tschernobyl im Umkreis
von 35 km um den Reaktorkomplex nieder. Die andere Hälfte verteilte sich weltweit auf 20
Länder. Die Trümmer und Radionuklide, die durch die Explosion und das Feuer in die
Atmosphäre geschleudert wurden, bildeten eine Wolke, die am 26. und 27. April über Litauen
und Lettland hinwegzog und dann vorübergehend zum Stillstand kam. Anschließend wehten die
vorherrschenden Winde Teile der Wolke nach Mittelskandinavien, nach Ost, West- und
Südeuropa (30. April) sowie nach Großbritannien und Irland (2./3. Mai). Später wurde auch in so
entfernten Gebieten wie der Arabischen Halbinsel, Sibirien und Nordamerika erhöhte Strahlung
registriert.
Da der radioaktive Niederschlag auf dem europäischen Kontinent von Region zu Region recht
unterschiedlich ausfiel, setzten die einzelnen Länder Grenzwerte fest, die erheblich voneinander
abwichen. So schwankte die zulässige Höchstdosis für radioaktives Jod-131 in der Milch
zwischen 20 Bq/l in Hessen und 2000 Bq/l in Frankreich. Ähnliches galt für die Ratschläge, die
ausgegeben wurden. Während deutsche Stellen versicherten, daß die Milch im Gegensatz zu
Gemüse sicher sei, wurde den Italienern empfohlen, auf Milch zu verzichten und alle Kaninchen
zu erschießen. Die Franzosen wiederum erfuhren fast gar nichts. Achtzehn Monate nach
Tschernobyl "empfahl" die Europäische Gemeinschaft Grenzwerte von 500 Bq/kg.
Die Verseuchung Europas durch Tschernobyl begann erst knapp 2 Jahre nach dem Unfall allen
richtig klar zu werden. So gab im Herbst 1988 das Umweltministerium München bekannt, daß
man bei Waldpilzen in Süddeutschland bis zu 11400 Bq/kg festgestellt habe. Das Institut verglich
es so, daß wenn man diese Pilze esse, man "Russisches Strahlenroulette spiele".
Marvin Goldman, Professor an der University of California, verglich sowjetische Daten mit
Werten, die außerhalb der damaligen UdSSR gemessen worden waren, speiste sie in ein
Computermodell ein und fand heraus, daß Anteile von Cäsium-137 dreimal höher waren, als
zuvor angenommen. Nach Goldmans Berechnungen ging ungefähr 1/3 in der Sowjetunion nieder,
wiederum 1/3 im übrigen Europa und das letzte 1/3 in die nördliche Hemisphäre. Goldman teilte
die neuen. Höheren Strahlenwerte durch einen daraus entstandenen neuen Risikofaktor und
gelangte zu erschreckenden Ergebnissen: Danach beliefe sich die Zahl der durch Tschernobyl
verursachten Krebsopfer weltweit auf 40000, "nur" 12000 davon wären Sowjetbürger, rund
21000, also mehr als die Hälfte, Europäer.
Selbst wenn Goldmans düstere Prognose zutrifft, werden Europa und die Sowjetunion noch
glimpflich davongekommen sein: Kiew und seine 2,5 Millionen Einwohner entgingen der
radioaktiven Wolke; erst als sie Schweden erreichte, regnete es, Polen und die Sowjetunion
blieben also zuerst verschont. Nach damaligen Angaben gelangte nur ein kleiner Teil des
radioaktiven Inventars von Block 4 in die Umwelt, die anderen Reaktorblöcke wurden zum
Glück nicht in Mitleidenschaft gezogen.
Politische Auswirkungen
Der Unfall von Tschernobyl löste neben einigen schnellen politischen Handlungen, von denen
unten einige aufgelistet sind, auch überlegte Handlungen aus, wie z.B. die auch unter schnellen
politischen Handlungen stehenden Konventionen der IAEA. Auch wenn dort die Bemerkung
"hastig" dabeisteht, war dies doch ein wichtiger Schritt zur Atomaren Sicherheit in Europa.
- In Schweden erzwangen Atomgegner ein Referendum über einen stufenweisen Ausstieg aus der
Kernenergie
- In Österreich gab die Regierung Pläne bekannt, das erst kürzlich fertiggestellte und noch nicht
in Betrieb genommene Atomkraftwerk Zwentendorf zu demontieren.
- Zehn Monate nach Tschernobyl zerbrach die rot-grüne Koalitionsregierung in Hessen, weil sich
die beiden Partner nicht über die Zukunft einer Atomfabrik in Hanau einigen konnten.
- Im blockfreien Jugoslawien wurden Forderungen nach einem Ausstieg aus der Kernkraft laut.
Am 19.Februar 1987 legte man den einzigen in Betrieb befindlichen Reaktor endgültig stillnach seiner 36. Notabschaltung innerhalb von 6 Jahren
- Einen Monat nach der Sondertagung der IAEA wegen des Reaktorunfalls in Tschernobyl
einigten sich die Teilnehmer der IAEA-Jahreskonferenz im September 1986 auf eine hastig
entworfene Konvention über die frühzeitige Information bei Reaktorunfällen. Sie verpflichtet die
Unterzeichnerstaaten, im Falle eines nuklearen Unfalls im zivilen oder militärischen Bereich,
andere Staaten, die von den Auswirkungen des Unfalls betroffen werden könnten, sowie die
IAEA unverzüglich zu informieren. Bis März 1989 hatten bereits rund 70 Nationen die
Konvention unterschrieben.
Allerdings enthält die Konvention keine genaue Definition, was genau als Unfall bezeichnet
wird. Somit bleibt es strittig, ob Unfälle, bei denen weniger Strahlung freigesetzt wird als in
Tschernobyl, meldepflichtig sind.
Kernwaffen Die Atomenergie kann auch für militärische Sachen, z.B. Atombomben, genutzt
werden. Und darum wollen wir noch kurz auflisten, wieviele solcher Waffen ungefähr schon
produziert wurden (diese Zahlen stammen aus dem Jahr 1989): Die USA hatten damals etwa
9500 atomare Gefechtsköpfe für strategische Waffen; die Sowjetunion ca. 8400. Sie stellten
insgesamt eine Vernichtungskraft dar, die für die Vereinigten Staaten 3400 und für die
Sowjetunion 4100 Megatonnen (!) herkömmlichen Sprengstoffs (TNT) entsprechen würde. Doch
es gibt noch die taktischen Waffen, deren Zerstörungskraft um ein Vielfaches der Bombe von
Hiroshima höher ist, die auf beiden Seiten ungefähr 2500 Megatonnen TNT ausmachten.
Nukleare Gefahr aber geht nicht nur von dem anwachsenden Vernichtungspotential, sondern
auch von den zunehmenden komplexen und hoch empfindlichen Trägerwaffen ausinterkontinentale ballistische Flugkörper, U-Boot-gestützte ballistische Flugkörper, mehrfach
gegen getrennte Ziele einsetzbare Wiedereintrittskörper, Flugkörper mittlerer Reichweite,
Marschflugkörper und die Neutronenbombe sowie Langstreckensuperbomber und Atom-U-Boote
(dazu später mehr). An diesen Beispielen wird deutlich, daß es weit mehr Gefahren außer
Atomkraftwerken und Atombomben gibt; es bestehen viele verschiedene Komponenten der
Atombombe und es gibt noch die Neutronenbombe, deren Auswirkungen mindestens so
schrecklich sind, wie die der herkömmlichen Atombombe.
Kernsprengsätze, Kernsprengköpfe und Kernwaffen Diese drei Begriffe werden oft verwechselt.
Ein Kernsprengsatz besteht aus einer Anordnung von spaltbaren und anderen Stoffen sowie aus
einem oder mehreren Zündern. Er kann bei einem Test gezündet werden, stellt aber noch keine
verläßliche Waffe dar. Ein Kernsprengkopf hat gegenüber dem Sprengsatz eine verbesserte
Konstruktion und wird in Serie produziert. Er funktioniert verlässig und mit einer genau
bekannten Wirkung und wird von Raketen, Flugzeugen oder anderen Trägern transportiert. Eine
Atomwaffe ist ein mit einem Treibsatz versehener Sprengkopf. Der Treibsatz kann eine Rakete,
eine Artilleriegranate, eine Atommine, ein Flugkörper oder eine Atombombe sein. Darüber
hinaus können Kernwaffen je nach ihrer militärischen Funktion als strategische Waffe, als
Gefechtsfeldwaffe oder als taktische Waffen klassifiziert werden.
Kernspaltungswaffen Kernspaltungswaffen können auf zwei Arten konstruiert werden: Als
Implosionsanordnung und als Kanonenanordnung. Die Implosionsanordnung ist komplizierter
und empfindlicher, aber auch effektiver. Man umgibt den Kern der Bombe mit einem Mantel aus
hochexplosivem chemischen Sprengstoff, der rundherum gleichzeitig gezündet wird,
sowjetischen daß der Kern implodiert, also zusammengepreßt wird. Die Dichte der
unterkritischen Masse im Bombenkern erhöht sich dabei sowjetischen stark, daß die Masse
überkritisch wird. Diese Anordnung wird bei Bomben mit Spaltmaterial aus Plutonium 239, oder
Uran 235, oder aus einer Mischung der beiden Stoffe verwendet. Sie wurde beim ersten
Kernwaffentest "Trinity" am 16. Juli 1945 benutzt. Auch der "Fat Man", die Atombombe die
über Nagasaki gezündet wurde, ist nach diesem Prinzip gebaut. In der Kanonenanordnung
werden zwei oder mehr unterkritische Massen von Spaltmaterial mittels normalen TNT´s
sowjetischen zusammengeschossen, daß eine überkritische Masse entsteht. Nach diesem Prinzip
war die Hiroshima Bombe "Little Boy" gebaut worden. Da Implosionsanordnungen im
allgemeinen wirkungsvoller sind, sind die meisten Kernspaltungswaffen der USA nach diesem
Prinzip gebaut. Bei beiden Bauweisen bedarf es einen starken Neutronenimpulses zum Starten
der Kettenreaktion. Die Voraussetzung dafür ist, daß man entweder das Spaltmaterial mit einer
Schale aus Plutonium und Berylium umgibt oder eine externe, durch hohe elektrische Spannung
erzeugte Neutronenquelle einsetzt.
Fusionswaffen Unter Fusionswaffen oder Wasserstoffbomben versteht man Atomwaffen, bei
denen mindestens ein Teil der Explosionsenergie durch die Verschmelzung leichter Atome, wie
Wasserstoff oder Lithium, durch Neutronenbeschuß zu Tritium wird, das schwerste Wasserstoff -Isotop. Zur Überwindung der abstoßenden Kraft zwischen den Atomkernen ist eine große
Energiemenge notwendig. Die für eine Kernfusion benötigte hohe Temperatur und der hohe
Druck werden in einer Wasserstoffbombe durch die Explosion einer Spaltungsbombe erzeugt. In
den thermonuklearen Waffen der USA finden zwei Explosionen statt: Eine komprimiert das
Fusionsmaterial, die andere zündet es. Da bei der Fusion Neutronen frei werden, kann diese
wiederum eine Kernspaltung auslösen. Man kann deshalb die Wirkung einer Wasserstoffbombe
ohne große Kosten vervielfältigen, indem man den Sprengkopf mit einem Mantel aus Uran 238
umgibt. Die Explosionsenergie einer großen thermonuklearen Waffe hat also im allgemeinen drei
Quellen - eine Kettenreaktion spaltbaren Materials, eine Verschmelzung des thermonuklearen
Sprengstoffs und, sofern der Sprengkopf Uran 238 enthält, eine zweite Spaltung ohne
Kettenreaktion. Es gibt auch Kernspaltungswaffen, bei denen die Explosion thermonuklear
verstärkt wird. Sie enthalten in oder unmittelbar neben ihrem Kern aus spaltbaren Material
Fusionsmaterial, meist Deuterium oder Tritiumgas. Die Explosion wird dadurch verstärkt, daß
durch das Fusionsmaterial zusätzliche Neutronen frei werden, wodurch sich die Anzahl der
Kernspaltungen erhöht. Da Tritium relativ schnell zerfällt, verliert die thermonukleare
Komponente einer Atomwaffe bei längerer Lagerung an Wirkung. Diese Waffen müssen deshalb
von Zeit zu Zeit ersetzt werden.
Die Neutronenbombe Die Neutronenbombe ist ein thermonuklearer Sprengsatz mit verstärkter
Strahlung. Bei dieser Waffe ist die tödliche Wirkung der bei der Verschmelzung von Deuterium
und Tritium freiwerdenden schnellen Neutronen stark erhöht und die Explosionswirkung
reduziert. Die Strahlung tötet lebende Organismen, während Gebäude meist stehen bleiben. Die
starke Neutronen- und Gammastrahlung wird dadurch erreicht, daß der größte Teil der
freigesetzten Energie durch Fusion und nur ein kleiner Teil durch Kernspaltung geliefert wird.
B - 52 "Stratofortress" Dieses Flugzeug ist nur ein Beispiel, was bis heute mit Waffen, wie
Atombomben, gemacht werden kann. Es würde jedoch zu lange dauern, um alle Kernwaffen, und
deren mögliche Träger, zu beschreiben; darum folgt hier dir Beschreibung des größten Bombers,
der die meisten Atomwaffen tragen kann. Die Boeing B - 52 ist ein Langstreckenbomber, der in
den USA, erstmals in den 1950 gebaut, entwickelt wurde. 1955 wurde die B - 52 in die SAC
(Strategic Air Command) aufgenommen und mit acht Pritt and Whitney Motoren ausgestattet.
Immer neuere Versionen (z.B.: B - 52H, B - 52G, etc.) erlauben es dem Bomber weiter, oder
sicherer, Maschinengewehrstationen ausgerüstet, zu fliegen. Die B - 52H zeigte ihre
Möglichkeiten im Januar 1962, als sie nonstop, ohne aufzutanken, von Okinawa (Japan) bis nach
Madrid (Spanien) in 22 Stunden und 10 Minuten flog. 1977 entschied man sich, den Bomber mit
den in der Luft zündbaren Cruise Missiles auszustatten. Während des Golfkrieges wurde die B -52, mit neuen technischen Ausstattungen, gegen Irakische Einheiten eingesetzt.
SAC - Strategic Air Command Das SAC wurde 1946 gegründet, um die Nuklearen -Langstrecken - Streitmacht der US Air Force zu leiten. 1980 führte das SAC neue
Waffensysteme, wie den B - 1 Bomber, das TR - 1 Hochleistungsflugzeug, oder die MX -
Raketen, ein. Das SAC besitzt ein Geschwader von B - 52 Bombern, welche Cruise Missiles,
Anti - Schiffsraketen, aber auch nukleare Waffen tragen kann, und eins von E - 4
Tankflugzeugen. Das SAC - Hauptquartier befindet sich bei der Offutt Air Force Base, in
Nebraska.
Strahlung und Gesundheit
Wie wirkt Strahlung auf lebende Organismen?
Für einen Organismus ist es lebensnotwendig, daß seine Zellen richtig funktionieren.
Ionisierende Strahlung kann die Verbindungen zwischen den Atomen der Moleküle zerstören,
aus denen die Zellen bestehen, und sie kann den Aufbau der Atome verändern. Solche Schäden
können die Zellen in ihrer Funktion beeinträchtigen oder sie sogar abtöten. Innerhalb gewisser
Grenzen können Zellen, die durch Strahlen verursachten Schäden beheben. Ist der Schaden
jedoch zu groß oder tritt er in einem besonders empfindlichen Teil der organischen Struktur auf,
ist er irreparabel. Strahlenschäden lassen sich in 2 Kategorien aufteilen: Schäden, die das
Individuum erleidet, das der Strahlung ausgesetzt war, und Schäden, die erst bei seinem
Nachkommen auftreten. Erstere Kategorie umfaßt die somatischen Schäden, darunter fallen z.B.
Krebs und Leukämie. Strahlenschäden der Nachkommen dagegen bezeichnet man als vererbte
oder genetische Schäden. Strahlen schädigen eine Zelle vor allem in dreierlei Weise: 1. Die Zelle
stirbt ab; 2. die Zellteilung wird gestört, es kommt zu Krebs; 3. die Keimzellen werden
geschädigt, bei der Nachkommenschaft treten vererbte Mißbildungen auf. Viele Organe können
es noch verkraften, wen nur einige ihrer Zellen abgestorben sind, da sie noch genügend
funktionstüchtige haben, anders liegt der Fall freilich, wenn die beschädigte Zelle eine Keimzelle
in den Eierstöcken oder Hoden ist. Ionisierende Strahlen können das DNS schädigen, jenes
Molekül, welches die Erbinformationen der Zelle enthält. Wenn bei geschädigter DNS aus der
Keimzelle später ein Kind wird, haben sämtliche Zellen des Kindes den gleichen Schaden. Eine
Schädigung der DNS einer einzigen Keimzelle kann also dazu führen, daß eine Mißbildung an
die folgende oder an mehrere folgenden Generationen weitervererbt wird. Ähnlich kann eine
kranke Zelle, deren Kopier- und Vermehrungsmechanismen gestört sind, diese Eigenschaft an
ihre Tochterzellen weitergeben, und es kann sich eine Gruppe kranker Zellen entwickeln, die sich
schneller vermehren als das gesunde Gewebe in ihrer Umgebung. Eine solche Zellgruppe kann
sich zu einem erkennbaren Krebs auswachsen, und in bestimmten Fällen durch lokale
Wucherungen oder Ausbreitung auf andere Teile des Körpers zum Tode führen.
Akutes Strahlensyndrom
Nach einer hohen Strahlendosis sterben viele Zellen ab. Andere können sich nicht mehr teilen
oder vermehren. Dies führt zu verschiedenen Formen von Strahlenkrankheit. Im Wachstum
befindliche Zellen und solche, die sich besonders schnell teilen, sind besonders
strahlenempfindlich. Dazu gehören die Zellen eines Embryos oder Kleinkinds, die Keimzellen
und die Zellen der Darmschleimhäute und des Knochenmarks. Hohe Strahlendosen von über 30
Sievert schädigen das Zentralnervensystem. Sie verursachen Übelkeit, schweres Erbrechen,
Schwindelgefühl und Koma und führen meistens zum Tod. Dosen zwischen 10 und 30 Sievert
schädigen den Magen-Darm-Trakt und führen in den ersten Stunden zu Übelkeit und Erbrechen,
gefolgt von inneren Blutungen, Durchfall und Flüssigkeitsverlust. Erreger aus dem Magen-Darm-Trakt bewirken septische Zustände. Innerhalb einiger Wochen tritt in der Regel der Tod ein, da
die Zellen der Darmschleimhäute sich nicht mehr teilen. Dosen zwischen 1 und 10 Sievert haben
Übelkeit und Erbrechen zur Folge. Nach diesen unmittelbaren Symptomen tritt oft eine
Erholungsphase ein. In der Regel hat die Strahlung jedoch die blutbildenden Zellen im
Knochenmark geschädigt.
Was die (-Strahlung angeht, gibt es eine Tabelle für Ganzkörperbestrahlung, die zeigt, wie ernst
man die Strahlung nehmen muß.
Die Wirkung niedriger Strahlung
Während es heute einen allgemeinen Konsens über die Wirkung hoher Strahlendosen gibt, ist die
langfristige Wirkung niedriger Dosen äußerst umstritten. Die Auswertung vorhandener Daten
wird durch eine Reihe von Faktoren kompliziert: Es kann sehr lange dauern, bis die Schäden
auftreten; die Gruppen an denen Langzeitschäden untersucht werden ( Überlebende der
Atombombenangriffe; Menschen, die dem Fallout der Kernwaffentests ausgesetzt waren,
Arbeiter der Atomindustrie), sind relativ klein, die von ihnen absorbierten Strahlendosen schwer
zu bestimmen; die einzelnen Studien schließlich sind aus einer Reihe von Gründen schwer zu
vergleichen.
Strahlenschutzvorschriften
Die Gesundheitsschädliche Wirkung von Strahlen ist bekannt, seit 1896 der erste Bericht über
Schäden durch Röntgenstrahlung veröffentlicht wurde. 1928 wurde das International X-Ray
Radium Protection Committee (IXRPC) zum Schutz beruflich strahlenexponierter Personen
gegründet. Diese erste Strahlenschutzkommission wurde 1950 reformiert und in International
Commission for Radiological Protection (ICRP) umbenannt.
Genaue Informationen über die Wirkung verschiedener Strahlendosen sind natürlich von großer
Wichtigkeit zur Berechnung der Risiken. Die Interpretation diesbezüglicher Daten ist jedoch
besonders bei niedrigen Strahlendosen umstritten.
Das National Academy of Sciences Committee on the Effects of Atomising Radiation der
Vereinigten Nationen (UNSCEAR) stellt seine eigenen Berechnungen an, ebenso das Advisory
Committee on the Biological Effects of Ionising Radiation (BEIR). Aus der neuesten, 1988
veröffentlichen Studie läßt sich ersehen, daß die international als krebsauslösend akzeptierte
Strahlendosis fünf- bis siebenmal niedriger angesetzt werden muß.
Die umfassendsten zusammenhängenden Informationen über die Langzeitwirkung von Strahlen
wurde an den Überlebenden von Hiroshima und Nagasaki gewonnen. Die Interpretation dieses
Materials bildet bis heute die Grundlage der internationalen Strahlenschutzvorschriften. Nach
dem heutigen Stand wissenschaftlicher Erkenntnis sind jedoch viele der damals vorgenommenen
Schätzungen ungenau. So wurde die damals freigesetzte Strahlenmenge falsch berechnet. Die pro
Dosiseinheit eingetretenen Strahlenschäden waren möglicherweise doppelt so hoch wie
angenommen.
Neuere Studien berechnen das generelle Strahlenrisiko unter Verwendung dieser und anderer
Daten. Sie alle kommen zu dem Ergebnis, daß die Wahrscheinlichkeit von Gesundheitsschäden
bei ionisierender Strahlung drei- bis fünfzehnmal höher liegt als in den Berechnungen, die den
Strahlenschutzvorschriften zugrunde liegen. Die Sicherheitsstandards der meisten Länder richten
sich nach den Empfehlungen der ICRP. Die personelle Zusammensetzung der ICRP allerdings ist
kritisiert worden: Ihre Mitglieder rekrutieren sich hauptsächlich aus den Gremien der
Atomindustrie und dort beschäftigten Radiologen. Den größten Anteil stellen nach wie vor
Physiker, während Genetiker, Pathologen, Epidemiologen und seltsamerweise auch Biophysiker
nur selten auftauchen. Die Empfehlungen der ICRP sind in steigendem Maße für die
Strahlenschutzgesetzgebung der einzelnen Länder maßgeblich geworden. Durch neue
Erkenntnisse über Natur und Ausmaß der Strahlenrisiken sah die Kommission sich gezwungen,
ihre Dosisgrenzwerte für Ganzkörperbestrahlung herunterzusetzen. Sie hat jedoch seit den
siebziger Jahren ihre Schätzungen nicht mehr korrigiert mit der Begründung, es gebe keine
schlüssigen Beweise für eine durchgehende Unterschätzung des Strahlenrisikos. Im Jahr 1900 lag
der empfohlene Dosisgrenzwert bei umgerechnet 100 mSv pro Tag. 1925 lag er bei 10 mSv pro
Woche. Seit 1977 liegt der von der ICRP für Arbeiter mit beruflichen Strahlenrisiko empfohlene
Dosisgrenzwert unverändert bei 50 mSv pro Jahr, also weniger als einem mSv pro Woche. Im
Jahr 1952 wurde erstmals ein Dosisgrenzwert von 15 mSv für die Normalbevölkerung eingeführt.
Er wurde 1959 auf 5 mSv heruntergesetzt. Dieser Wert gilt bis heute, wobei eine Reihe nationaler
Behörden inzwischen strengere Grenzwerte festgelegt haben, wie z.B.
- Großbritannien 1 mSv pro Jahr - Deutschland 0,3 mSv pro Jahr - Amerika 0,25 mSv pro Jahr
Zeittafel
Quellenverzeichnis
John May "Das Greenpeacehandbuch des Atomzeitalters" Knaur Verlag
F.L. Boschke "Kernenergie; Eine Herausforderung unserer Zeit" Birkhäuser Verlag
dtv-Lexikon in 20 Bänden Deutscher Taschenbuch Verlag
"Die Sowjetische Atombombe" Verlag Westfälischer Dampfboot
"Von Humboldt bis Einstein" Piper München/Zürich
"Die große Ära der Wissenschaft in Deutschland 1900-1933" Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart
"Alliierte Jagd auf deutsche Wissenschaftler" Kristall bei Langen Müller
"Das neue, große Bertelsmann-Lexikon" Bassermann-Verlag
Arbeit zitieren:
Benni Eimers, 2001, Die Geschichte der Kernphysik, München, GRIN Verlag GmbH
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