INTERNET - ERWEITERUNG DER WISSENSKLUFT? 2
JÄCKEL, Michael / WINTERHOFF-SPURK, Peter (Hrsg.): Mediale Klassengesellschaft? Politische und soziale Folgen der Medienentwicklung. R. Fischer Verlag, München 1996.
OPASCHOWSKI, Horst W.: Generation @: Die Medienrevolution entlässt ihre Kinder: Leben im Informationszeitalter. Kurt Mair Verlag, Hamburg/Ostfildern 1999.
3. THEORIE
„1970 formulierte das Forscherteam Tichenor / Donohue / Olien von der Minnesota University erstmals die Wissenskluft-Hyothese [sic]. Sie stellten damit die gängige Annahme in Frage, dass die Massenmedien zur besseren Informiertheit aller beitragen. Gerade umgekehrt zeigte nämlich die Wissenskluft-Forschung, dass von der Medieninformation zu einem Thema nicht alle gleichermassen zu profitieren vermögen. Weil die gebildeteren Mediennutzer über eine bessere Medienkompetenz und mehr Vorwissen verfügen, die Medien effizienter und informationsorientierter nutzen sowie sich eher der informationsreichen Printmedien bedienen, verstärkt sich tendenziell die Kluft zwischen den Informationsreichen und den Informationsarmen.
Heute, dreissig Jahre später, versprechen sich optimistische Politiker und Wirtschaftsvertreter genau wie damals wahre Wunder vom Internet, dessen Einsatz in Schulen und Privathaushalten quasi automatisch zur informierten Gesellschaft führen werde.“ 5 Neue Studien belegen, dass das Internet die Wissensklüfte schneller wachsen lässt. Neben dem Kriterium des Zuganges und dem des Alters, ist vor allem das Kriterium der Bildung zu berücksichtigen. Gebildetere Menschen nutzen das Internet aktiver und
informationsorientierter als Menschen mit einer weniger hohen Bildung. 6 Das Internet beschleunigt lediglich den Prozess der Wissensklufterweiterung, denn es ersetzt die anderen Massenmedien nicht, sondern bedingt sie vielmehr. Studien zeigen, dass die Menschen das Internet am effizientesten nutzen, die zu der Kategorie der ‘Vielleser’ gehören. 7 Das Internet schafft also keine neuen (parallelen) Wissensklüfte, es wirkt aber beschleunigend und vergrössernd auf die schon bestehenden Wissensklüfte ein. Die Variable der Bildung ist im Modell (siehe 4. Modell) also schon bei den ‘Viel- und Wenigwissern’ enthalten. Bleiben noch die Variablen Alter und Zugang.
Der Zugang spielt eine grosse Rolle, sowohl auf nationaler, als auch auf internationaler Ebene. Für Einkommensschwächere ist ein Internet-Zugang purer Luxus und in armen Ländern gibt es massiv weniger ‘Server’ und somit Zugangsstellen. Im Vergleich zu den klassischen Massenmedien (Zeitung, TV und Radio) kommt beim Internet noch das Phänomen des ‘Sekundären Analphabetismus’ dazu, das im Segment der ‘Medienverweigerer’ (Wenigwisser), die das Internet bestenfalls zur Unterhaltung nutzen, und im Segment der älteren Bevölkerungsteile (Alter) zu finden ist. Besonders ältere Menschen verweigern sich den neuen Massenmedien. Ihnen gegenüber steht die ‘Generation @’, die schon in einer hochtechnisierten Welt aufgewachsen ist oder grosses Interesse an den neuen Medien bekundet. 8 Somit ist der ‘typische User’ vorwiegend wohlhabend, gut gebildet
5 http://www.medientage-muenchen.de/archiv/pdf/bonfadelli.pdf.
6 http://www.medientage-muenchen.de/archiv/pdf/bonfadelli.pdf.
7 Opaschowski, S. 154-156.
8 Opaschowski, S. 19.
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und jung. Neueste Zahlen zeigen, dass der ‘typische User’ nicht am Aussterben ist, sondern dass sich seine Merkmale noch klarer manifestieren. 9
4. MODELL
Legende: <-> 1 Wissenskluft vor Massenmedien <--> 2 Wissenskluft vor Internet
<---> 3 Wissenskluft durch Massenmedien und Internet vergrössert.
5. HYPOTHESEN UND STATISTISCHES VERFAHREN
9 http://www.medientage-muenchen.de/archiv/pdf/bonfadelli.pdf.
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Zusammenhang zwischen der Bildung und der Art wie das Internet verwendet wird.
Hypothese 1: Je höher die Bildung, desto informationsorientierter wird das
Internet genutzt.
• Es sei p die Korrelation zwischen der Bildung und dem informationsorientierten Gebrauch des Internets, dann ist H 0 : p 0
H 1 : p < 0.
• Statistisches Verfahren: Bravais-Pearson-Korrelation.
Zusammenhang zwischen dem Alter und der Bereitschaft das Internet zu nutzen.
Hypothese 2: Je höher das Alter, desto tiefer die Bereitschaft im nächsten Jahr zu Hause
einen Internetzugang einrichten zu lassen.
• Es sei p die Korrelation zwischen dem Alter und der Bereitschaft zum Internetzugang zu Hause, dann ist H 0 : p 0
H 1 : p < 0.
• Statistisches Verfahren: Bravais-Pearson-Korrelation.
Zusammenhang zwischen der Art des Zuganges und der Einschätzung der Bedeutung des Internets.
Hypothese 3: Je leichter der Zugang, desto wichtiger wird das Internet eingeschätzt.
• Es sei p die Korrelation zwischen der Art des Zugangs und der Ansicht, dass das Internet wichtig ist, dann ist H 0 : p 0
H 1 : p < 0.
• Statistisches Verfahren: Bravais-Pearson-Korrelation. Hier könnten die Daten mittels Panel-Verfahren ermittelt werden, um Verzerrungen durch die Anfangsbegeisterung bzw. den Anfangspessimismus zu korrigieren. Somit würde auch den neuen Zugangstechniken sowie den Neuen ‘im Club der Generation @’ Rechnung getragen.
6. OPERATIONALISIERUNG, METHODEN, KORPUS
OPERATIONALISIERUNG
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• Alter: Drei bis vier Alterskategorien werden gebildet. (z.B. 14-35 Jahre, 36-55 Jahre und 56-70 Jahre). Da der Fragebogen als Grundlage für die Verteilung des Internet-Journals dienen kann, macht es Sinn das effektive Alter zu erfassen. Nachträglich wird es dann der entsprechenden Alterskategorie zugeteilt.
• Bereitschaft Internetzugang zuhause einzurichten: Die Frage „Können Sie sich vorstellen in Verlauf des nächsten Jahres einen Internetzugang einrichten zu lassen?“ wird gestellt und folgende vier Antwortkategorien stehen zur Auswahl: „Ja, wahrscheinlich.“, „Ja, möglicherweise.“, „Nein, eher nicht.“, „Nein, sicher nicht.“
• Bildung: Eine sinnvolle Skala für die Bildung misst nicht nur den Grad der primären Bildung, sondern erfasst auch Weiterbildungskurse (Sekundarschule-Mittelschule-Höhere Schule). Besonders sind hier natürlich Computerkurse zu berücksichtigen.
• Informationsorientierte Nutzung: Die erfassten Daten (siehe unter Methoden) werden folgenden Kategorien zugeteilt: Fachinformationen, Nachrichten und Unterhaltung. Der E-Mail Transfer wird nicht berücksichtigt, da sich damit sowohl Unterhaltung als auch Information verbinden kann und es zu aufwendig wäre zu unterscheiden.
• Art des Zugangs: Hier wird die Frage gestellt: „Wie leicht haben Sie Zugang zum Internet?“. Die Antwortkategorien sind unterteilt in privater Zugang, gschäftlicher Zugang / Zugang an der Schule. Sie reichen von „leicht“ über „mittel“ und „schlecht“ bis „gar nicht“.
• Einschätzung des Internets: Für die Frage: „Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach das Internet?“ sind folgende Antworten möglich: „Sehr wichtig“, „wichtig“, „nicht so wichtig“ und „überhaupt nicht wichtig“.
METHODEN
Die zur Überprüfung der Hypothesen erforderlichen Daten lassen sich alle mittels Fragebogen generieren. Eine Ausnahme bildet die Gernerierung der Daten über die Informationsorientierte Nutzung. Hier macht ein von den Probanden geführtes Internetjournal mehr Sinn. Allerdings sollte dieses annonym eingereicht werden können. Dieses Journal könnte auch in Form einer Software installiert werden, die ermittelt, welche Seiten abgerufen wurden. Selbstverständlich werden die Daten anonym behandelt. Eine andere Möglichkeit zur Erfassung des informationsorientierten Gebrauchs wäre es, über eine bestimmte Zeit hinweg Internet-Terminals an Universitäten, Mittelschulen, Sekundarschulen usw. zu platzieren, die alle abgefragten Seiten speichern. Somit wäre es nicht mehr nötig mittels Fragebögen Informationen über den Bildungsstand der Probanden zu sammeln und die Datenschutzprobleme fielen weg.
KORPUS
Die erste und dritte Hypothese erfordern einen Fragebogen. Als Korpus dienen Probanden/innen von 14 bis 50 Jahren, die bereits Erfahrungen mit dem Internet gesammelt
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haben. Den Probanden/innen, die das Internet regelmässig nutzen werden je Bildungssegment gleich viele Internetjournale ausgeteilt.
Die zweite Hypothese erfordert einen seperaten Fragebogen, der Menschen zwischen 14 und 70 Jahren befragt, die bis anhin noch nie das Internet nutzten.
LITERATURVERZEICHNIS
Literatur
OPASCHOWSKI, Horst W.: Generation @: Die Medienrevolution entlässt ihre Kinder:
Leben im Informationszeitalter. Kurt Mair Verlag, Hamburg/Ostfildern 1999.
Internet
http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/2609/1.html. Zuletzt abgerufen am 18. Oktober
2001.
http://www.medientage-muenchen.de/archiv/pdf/bonfadelli.pdf. Zuletzt abgerufen am
18. Oktober 2001.
Arbeit zitieren:
Giger Matthias, 2001, Projektskizze: Vergrössert das Internet die Wissenskluft in unserer Gesellschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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