Andrew Lloyd Webber wurde am 22.03.1948 in London als erstes Kind von William Lloyd Webber und Jean Hermione Johnston geboren. Andrew und sein jüngerer Bruder Julian Lloyd Webber wuchsen mit Musik auf, der Vater war musikalischer Leiter in zwei renommierten Kirchen und Professor für Komposition und Harmonielehre am Royal Collage of Music, dessen Direktor er später wurde.
Andrew Lloyd Webbers besonderes Interesse galt von Kindheit an der szenischen Musik, er versuchte sich in der Komposition von Bühnenmusik und Liedern für sein Puppentheater. Mit der Komposition der Popkantate JOSEPH AND THE AMAZING TECHNICOLOR DREAMCOAT 1968 begann die Karriere Lloyd Webbers, die 1972 mit der Uraufführung von JESUS CHRIST- SUPERSTAR ihren großen Durchbruch erlangte. In Lloyd Webbers Musik ist eine große stilistische Bandbreite und Vielfalt zu finden. Jedes Werk hat eine unverwechselbare, typische Atmosphäre, die dem Charakter des Werkes entspricht. Innerhalb der Werke sind stets Elemente aus vielen Bereichen der Popularmusik zu finden: Blues, Swing,
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Ragtime, Rock'n'Roll, Country, Filmmusik, Operette und Rockmusik, Anlehnung an Klassik und zeitgenössische Moderne. Dabei gelingt es Lloyd Webber, alle Richtungen und Anregungen zu einem Personalstil zusammenzufassen.
(Popkantate)
und VARIATIONS
Bereits 1978 wurde Andrew Lloyd Webber gebeten, ein Requiem für die Opfer der Unruhen in Nordirland zu komponieren. Andere Tätigkeiten hielten Lloyd Webber von dieser Aufgabe ab, die Idee jedoch blieb. Der Tod seines Vaters William Lloyd Webber 1982 war letztendlich der Anstoß zur Vertonung der lateinischen Totenmesse. Zusätzlich erschütterten Lloyd Webber in der Gestaltungsphase des Werkes zwei Ereignisse tief: Zum einen starb ein ihm bekannter Journalist bei einem Terroranschlag der IRA in London, zum anderen las er einen Artikel der New York Times über einen kambodschanischen Waisenjungen, der die Wahl hatte, entweder seine verkrüppelte Schwester zu ermorden oder selbst zu sterben, und der sich für Ersteres entschieden hatte.
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Kirchenmusik hat in Lloyd Webbers Jugend eine große Rolle gespielt, sowohl im Elternhaus als auch in der Schule, in der die Teilnahme an Gottesdiensten zum Alltag gehörte. Im Alter von zehn Jahren hatte Lloyd Webber einem Gedenkgottesdienst für Vaughan Williams beigewohnt, mit dreizehn die Uraufführung Benjamin Britten's WAR REQUIEM besucht. So ist anzunehmen, dass Lloyd Webbers eigenes Requiem nicht ausschließlich kommerziellen Motiven entsprang. Allerdings stecken hinter der Idee des Requiems auch strategische Gründe. Zum einen suchte Lloyd Webber Möglichkeiten, seine zweite Ehefrau Sarah Brightman in seine Werke mit einzubeziehen, zum anderen wollte er nach dem künstlerischen Misserfolg von STARLIGHT EXPRESS die Herausforderung annehmen, „[...] sich weiterzuentwickeln, den Bereich seiner Technik und seines emotionalen Ausdrucks auszuweiten“ 1 . So würde ein Requiem einen guten Kompromiss darstellen, da es abstrakte Musik und Theater verbindet, schließlich gibt es kaum Texte, die so dramatisch sind wie das "Dies Irae".
Die Uraufführung des REQUIEMs war am 24. Februar 1985 in der St. Thomas Episcopal Church, New York mit Sarah Brightman, Placido Domingo und Paul Miles-Kingston als Gesangssolisten unter der Leitung von Lorin Mazaal.
4.1.1 Allgemeines
Andrew Lloyd Webber verwendet in seinem konzertanten REQUIEM die in Latein abgefasste römisch- katholische Liturgie als Textvorlage, wobei er kleine Änderungen im Ablauf vornimmt, Passagen entfernt und weitere Texte des nicht vertonten Totenmesseteils einfügt. Insgesamt hat das Requiem eine Länge von ca. 46 Minuten. Die Komposition für Chor, einen Jungen (Knabensopran), ein Mädchen (Sopran) und einen Mann (Tenor) entspricht der Kirchentradition. In der Streichersektion des Orchesters fehlen die Violinen, das Holz setzt sich aus jeweils zwei Flöten, Oboen, Klarinetten Saxofonen, Fagotten und einem Kontrafagott zusammen, im Blech gibt es vier Hörner, drei Trompeten und vier Posaunen. Neben den Pauken findet eine Vielzahl von Schlag- und Perkussionsinstrumenten, ein Schlagzeug und verschiedene Stabspiele Verwendung. Auch Harfe, Klavier mit Celesta, Synthesizer und Orgel gehören zum Orchester.
4.1.2 Gegenüberstellung: Abweichungen im Aufbau bei Lloyd Webber vom Totenmesse-Formular
Lloyd Webber gliedert sein Requiem in zehn Teile: I. REQUIEM - KYRIE II. DIES IRAE III. REX TREMENDAE IV. RECORDARE V. INGEMISCO - LACRYMOSA VI. OFFERTORIUM VII. HOSANNA VIII. PIE JESU
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IX. LUX AETERNA X. LIBERA ME
In diesem Aufbau hat Lloyd Webber das traditionelle Totenmesse-Formular verändert. Die ersten drei Abschnitte Introitus, Kyrie und Graduale sind zu einem Großteil zusammengefasst. Der gesamte Text vom Introitus und vom Kyrie ist vertont. Das Kyrie wird erstmals ab T 34 vorgestellt. Ab T 38 erklingt erneut das Requiem aeternam aus dem Introitus. Ab T 43 wird das Kyrie wiederholt. Es folgt ab T 49 wieder das Requiem aeternam, wobei nicht deutlich ist, ob es aus dem Introitus oder dem Graduale stammt. Einerseits würde das Graduale mit den Worten „Requiem aeternam“ beginnen, anderseits fehlen die Zeilen „In memoria aeternam erit justus; ab auditione mala non timebit“, so erklingt also erneut nur der Text des Introitus'. Das Tractus fehlt.
Der gesamte Text der Sequenz Dies irae ist in den vier eigenständigen Teilen DIES IRAE, REX TREMENDAE (attacca an das DIES IRAE), RECORDARE und INGEMISCO - LACRYMOSA vertont. Der anschließende sechste Teil, das OFFERTORIUM folgt ganz dem vorgegebenen Text. Ab T 59 werden ihm allerdings die ersten 3 Zeilen des Sanctus' hinzugefügt, das im Totenmesse- Formular auf das OFFERTORIUM folgt.
Als neuer, siebenter Teil HOSANNA erklingt der zweite Textabschnitt aus dem Sanctus: „Hosanna in excelsis; Benedictus qui venit in nomine Domini". Am Ende des Teils werden die ersten drei Zeilen aus dem Die Irae und die letzten zwei Zeilen aus dem Introitus wiederholt.
PIE JESU heißt der achte Teil im Lloyd Webber'schen Requiem. Der Text wird zweimal gebracht, wobei beim ersten Mal die Worte „Agnus dei" (Lamm Gottes) durch die Worte „Pie Jesu" (Milder Jesu) ersetzt werden.
Der Liturgie folgend schließt sich als neunter Teil das Communio LUX AETERNA an.
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Das Werk endet mit dem Responsorium LIBERA ME, In T 33 eingefügt die Zeile „Exaudi orationem meam" (Erhöre mein Gebet). Ausgelassen wurde die Zeile „Dies magna et amara valde".
4.1.3 Musikalische Formung der Textabschnitte
Der erste Satz REQUIEM - KYRIE beginnt mit einem tiefen Akkord, der vom Klavier und den Bläsern angestimmt wird. Die vorgegebene Tonart a-moll mit zusätzlichen Sekunde ist ein dissonanter Klang, der die harmonische Ausdrucksweise des Werkes bestimmen wird.
Die modale Melodie der ersten Textzeile im Knabensopran bestimmt den ersten Satz und zieht sich als eines der Hauptthemen durch das gesamte Werk, wobei es auch mit anderem Text und in anderer Besetzung erklingt.
Einen Kontrast zum Hauptthema bilden zwei „Gebetsrezitative“ des zweiten und des letzten Textabschnittes. Das DIES IRAE beginnt mit einem doppelten Fanfaren-Signal, ein unangenehmer Sprung in einer offenen Quinte. Das DIES IRAE ist ein aufregender Satz, sehr dissonant im Klangeindruck. Die Rhythmik des Satzes wechselt ständig zwischen 6/8 und 4/4 und hemmt so seine wirkliche Entwicklung. Nachdenklich wird die Musik, wenn der Solotenor mit dem JUDEX ERGO auftritt. Der dritte Satz REX TREMENDAE folgt attacca, erneut mit dem Fanfarenruf, diesmal im tiefen Chor und im Blech, jedoch kehrt die Melodie zum Anfangsthema des Knabensoprans zurück und endet leise mit den Worten „salva me".
Dem Sopransolo RECORDARE liegt ein Motiv zugrunde, das in einer Orgel- Meditation vorgestellt wird, bevor es vom Solosopran in einer langen Zeile übernommen wird, die mit einem pikanten Sprung einer verminderten Septime endet.
In eine sogenannte vollkommene Bogenform (I - II - III - II - I) ist der fünfte Satz INGEMISCO - LACRYMOSA umgesetzt. Teil I INGEMISCO ist im langsamen 3/4-Takt, beginnt mit einem Seufzer-Rhythmus als Tenorsolo. Teil II LACRYMOSA ist noch immer betont langsam, sehr lyrisch und melodisch im 5/4- und 7/4-Takt gehalten,
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eine schluchzende, italienisch anmutende Nummer. Zum Teil III erfolgt ein abrupter Stimmungswechsel durch einen wilden, schnellen, alptraumhaften Marsch, der den zornigen Text „Confutatis maledictis; flammis acribus addictis; voca me cum benedictis" (Wenn die Verdammten, die den verzehrenden Flammen ausgesetzt sind, vergehen werden, [dann] rufe mich zu den Gesegneten) hervorragend inszeniert. In T 65 wird dabei eine Melodie aus dem DIES IRAE zitiert (vgl. T 45 im DIES IRAE). So abrupt, wie der Marsch begann, endet er auch wieder mit der Wiederholung des LACRYMOSA (II), nun jedoch nicht mehr als Tenorsolo, sondern vom Chor gebracht. Es folgt die Vertonung der letzten Zeilen auf die gleiche Melodie wie im Teil I, womit sich die Bogenform schließt.
Das OFFERTORIUM, der sechste Satz im Requiem, beginnt mit einer kurzen Choralhymne, der ein größeres instrumentales Zwischenspiel folgt. Es schließt wieder Choralgesang an, der mit den ersten zwei Zeilen des vorgezogenen Sanctus endet. Der siebente Satz, das synkopische HOSANNA, ist der erste und einzige Anklang an Broadway-Musik in diesem Tonwerk. Ebenso wie der Folgesatz PIE JESU soll das HOSANNA an späterer Stelle genauer beleuchtet werden.
Der neunte Satz, das nur neun Takte lange LUX AETERNA, geht unmittelbar in den Schlusssatz LIBERA ME über, in die Seelenpein des Solotenors. Mit Einsatz des Chores und des Solosoprans schwillt die Musik nach und nach an, es folgt noch einmal das bereits erwähnte Marschthema aus dem DIES IRAE. Doch die Melodie hat an Dynamik verloren, sie verklingt sanft in dem modalen Eröffnungsthema (s. o.). Der Knabe fällt ein, auch nicht ein letzter Ausbruch des Orchesters kann ihn zurückhalten, er singt sein Lied und wiederholt das Wort „perpetua" (für immer) wieder und wieder, womit das Requiem langsam ausklingt.
4.2 Analyse der Ausnahmeteile Hosanna und Pie Jesu
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Liturgisch gesehen ist das Hosanna „[...] kurz vor dem ‚Kommen‘ des Herrn zur versammelten Gemeinde im Abendmahl. So wird er nun mit dem Benedictus als der ‚einziehende‘, der ‚kommende‘ Herr begrüßt und geehrt“ 2 . Musikalisch umgesetzt ist die überschwengliche Erwartung mit einer spektakulären Nummer getragen von Gospelklängen, ungeraden Rhythmen und einem fulminant- überschäumenden Orchestereinsatz. Der Solotenor stellt die beschwingte, drei- phrasige Melodie A I zu Beginn des Hosannas in B-Dur vor, während der Grundton in der Orgel liegt. Der Viervierteltakt mit der Tempobezeichnung Moderato ε = 132 beginnt mit einem Achtel Auftakt. Die Melodie schwingt sich zu Beginn vom f in Quart- und Terzsprüngen zum g‘ auf, um über die verminderte Sexte ges‘ auf die Quinte überzuleiten. Vom f‘ springt die Melodie in der zweiten Phrase hinauf zu einem Sechzehntelschlenker b‘-a‘ und zurück zum b‘, um nach einer Achtel in die Oktave zu fallen. Die Melodie steigt in der dritten Phrase von b zu einer Sechzehntel- Tonrepitition auf dem es‘, sinkt zum d‘, fällt weiter auf c‘, bäumt sich noch einmal kurz zu zwei gebundenen Sechzehnteln d‘ auf, um dann über c‘ auf dem Grundton b in einem Zweivierteltakt zum Ruhen zu kommen.
Diese kurze, aber sehr prägnante Melodie bestimmt das gesamte Hosanna. Besonders der dem Sprachrhythmus der Worte angepasste Rhythmus zieht im Viervierteltakt, ab T23 auch im Siebenachteltakt den Hörer in seinen Bann, die drei Textphrasen werden in musikalische Phrasen verwandelt. Die Taktschwerpunkte werden in den ersten zwei Phrasen schon fast wie in einem europäischen Marsch eingehalten, in der dritten Phrase werden sie jedoch vorgezogen, so treten die Worte „nomine Domini“ (Name des Herrn) jeweils schon eine Sechzehntel vor den Zählzeiten 4 in T2 und 1 in T3 auf, um die besondere Gewichtung des Sprachrhythmus‘ beibehalten zu können.
In T4 wird die Melodie A II mit einer rhythmischen Akkordbegleitung im Klavier wiederholt. Die Kadenz I - IV - I - IV - IV - II 7 /V 6 - I, der umspielende Rhythmus und die Besetzung Orgel, Klavier, Solotenor zu der freudigen Melodie lässt die Wiederholung des Themas nun vollends in die Ecke Gospel rücken.
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In T7/8 wird meno mosso von den Hörnern das Eröffnungsmotiv des Offertorium zitiert (B), bevor in T9 die begleitete Melodie noch einmal a tempo wiedergegeben wird (A III ).
In T12 schließt sich ein Zwischenspiel des Chores C im Allegro ε = 150 an, das bereits das Orchester im OFFERTORIUM (Tt15) vorgestellt hat, wiederum eine Verarbeitung der OFFERTORIUM-Eröffnung. Im OFFERTORIUM singt der Chor auf die nun mehrfach zitierte Melodie „Jesu Christe; Rex gloriae“ (Jesus Christus, König der Herrlichkeit). Die Einbettung dieser auf erst nachdenkliche, später schon fast grausambrutale Wiedergabe der Melodie mit dem Text „Hosanna in excelsis“ (Hosianna in der Höhe) weist schon auf den unausweichlichen Tod Jesus‘ hin. Jedoch ist das Zwischenspiel herausgerissen aus dem Kontext, als sei es nur eine Vorahnung. Ein Grund dafür ist das Fehlen des Orchesters ab T12. Erst in T18 setzt es mit den Pauken und den tiefen Streichern ein, begleitet und untermalt die Wechsel zwischen Siebenachtel- und Viervierteltakt düster und unheilvoll. Der Schrecken des Todes ist schon nahe, jedoch ist die Freude über die Ankunft des Herrn größer, als dass die größer werdenden Schatten wahrgenommen werden könnten. So beginnt in T23 erneut die Melodie, leicht variiert im Double tempo Siebenachteltakt, Des-Dur. Das sehr schnelle Tempo wird durch eine fließende Achtel- Akkordbegleitung noch verstärkt, die Änderung in das ungerade Taktmaß lässt die jubilierende Melodie unaufhaltsam fließen. In den Takten 23-42 kommt das Thema viermal ohne Unterbrechung (A IV -A VII ), bis der ganze Chor in das Thema eingearbeitet ist. Die Orchesterbegleitung steigert sich, in den tiefen Registern vor allem ab T33 durch die Änderung von langen gehaltenen Tönen zu rhythmischen, die Synkopen akzentuierenden Stampfern, die der Musik trotz des ungeraden Taktmaßes einen tanzbaren Charakter verleihen. In T43 übernimmt im Half Tempo Viervierteltakt der Solotenor wieder die Melodie (A IIX ), diesmal in A-Dur, die Begleitung ist im Verhältnis zum Durchgang A II präziser und voller, Einwürfe vom Orchester werden deutlicher, bekommen mehr Gewicht. In T47 setzt noch vor Ende einer weitern Wiederholung A IX der Sopran mit ein. Weitere zwei Durchgänge
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folgen in den Takten 49 - 54 (A X , A XI ), bis der Chor komplett integriert ist und das Orchester als gleichberechtigter musikalischer Partner auftritt. Nach einer weiteren Modulation kommt das Thema in Ges-Dur weitere vier Durchgänge (A XII -A XV ), vierstimmig im Chor, lebhaft im Orchester, der Solotenor jubiliert mit einer Variation über dem Geschehen. Die Zuspitzung der Freude, die ständige Zunahme und Ausfüllung der Musik erreicht ihr ersehntes Ende in T65, die Melodie wird von einem Schlagwerksolo nach der zweiten Phrase unterbrochen. Mit dem Auftakt zu T66 wird Melodie dann doch noch mit einer Augmentation auf den Worten „venit in nomine Domini“ vollendet. Gleichzeitig mit dem letzten Tönen der Singenden beginnt in T67 die Orgel im Fortefortissimo mit der Melodie aus dem RECORDARE, der Solosopran singt zu dieser Melodie ab T69 die ersten drei Zeilen vom DIES IRAE. Im Sprechchor flüsternd setzt der Chor in T77 ein mit der Wiederholung der Takte 24-27 aus dem Introitus. Die Wiederaufnahme dieser Zeilen, in der freien Übersetzung heißen sie wohl „Die Tage es Zorns sind angebrochen, drum erhöre mein Gebet, denn zu Dir kommt alles Fleisch“ dient der Vorbereitung des nächsten Satzes, dem PIE JESU, der Bitte um Ruhe für den Heiland.
Das PIE JESU besticht durch seine Schlichtheit. Dem Satz liegt ein achttaktiges Liedschema B zu Grunde, das insgesamt drei mal wiederholt wird, hinzu kommt ein dreitaktiges Nebenthema A, basierend auf der für die Melodie charakteristischen Achtel-Schlusswendung, das als Einleitung, als Zwischenspiel nach zwei Durchgängen der Melodie und als Schlussthema gebracht wird. Das PIE JESU steht in As-Dur und moduliert nicht. Jedoch findet eine Gänsehaut schaffende Entwicklung durch die Instrumentierung, den Einsatz vom Chor und der verschmelzenden Solostimmen statt.
Ganz zart beginnt das Stück mit Flöte, Harfe und Orgel in der Einleitung (A I ). Setzt der Solosopran in T4 ein (B I ) wird er während des Vordersatzes nur von der Orgel begleitet, zum Nachsatz gesellt sich ab T7 die Harfe dazu. Im zweiten Durchgang (B II ) ab T12 wird die Melodie im Vordersatz vom Knabensopran dargeboten, die Flöte setzt als Begleitinstrument
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wieder ein. Im Nachsatz ab T16 teilen sich Solo- und Knabensopran die Melodie, wobei der Knabensopran eine Terz unter dem Solosopran liegt. Der Chor begleitet mit ausgehaltenen Harmonietönen. In T19 tritt aus der Melodie das Nebenthema (A II ) heraus, hier ist der Ursprung dieses Themas deutlich zu sehen. Die Orchestrierung wird dezent voller, das Crescendo in T21 bereitet den letzten Durchgang des Satzes vor. Der gesamte Chor mit den beiden im Satz aufgetretenen Solisten singt ab T22 (B III ) den ausharmonisierten Vordersatz, jetzt mit dem Liturgie getreuen Text „Agnus dei“ (Lamm Gottes) , der Nachsatz ab T26 ist wieder mit der von Solo- und Knabensopran parallel geführten Terz und einem Akkordteppich im Orchester gestaltet. Am Ende des dritten Melodiedurchgangs in T29 setzt, wie auch schon 10 Takte zuvor, das Nebenthema (A III ) ein, auf die Achtelfigur wiederholen Tenor und Bass die letzte Zeile dieses Satzes, während die Solostimmen die Achtelbewegung mit dem Text
„sempiternam“ wiederholen. Abgeschlossen wird der Satz mit einer kleinen, ruhigen Kadenz.
Lloyd Webber, Andrew: Requiem - Vocal Score. London 1985. Über Andrew Lloyd Webber
Gebhard (Hrsg.): Harenberg Chormusikführer. Dortmund 1999. Mühe, Hansgeorg: Die Musik von Andrew Lloyd Webber. Hamburg 1993. Richmond, Keith: The Musicals of Andrew Lloyd Webber. Berlin 1996. Walsh, Michael: Andrew Lloyd Webber. Mainz 1994. Über die Totenmesse- Liturgie
Nohl, Paul-Gerhard: Lateinische Kirchenmusiktexte. Kassel 1996. Musik in Geschichte und Gegenwart, Sachteil 8. Kassel 1998. Leuchtmann, H. u. Mauser, S. (Hrsg.): Handbuch der musikalischen Gattungen. Lauben 1998.
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Tobias Lempfer, 2001, Requiem von Andrew Lloyd Webber, Das, München, GRIN Verlag GmbH
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