- Agrippina beruft Seneca 49 n. Chr. aus der Verbannung zurück, damit er Lehrmeister ihres Sohnes Lucius Domitius wird
- Studienprogramm des jungen Nero:
- Nero zeigt vor allem im künstlerischen Bereich große Begabung; er dichtet, und singt vor allem so gut, dass Seneca ihn in einem Gedicht, „im Gesang und in der Stimmgewalt“ als dem Apoll gleich, rühmt
2.2 Das Verhalten Senecas und Neros ab dem Regierungsantritt 54 n. Chr.
- Seneca übernimmt die Verwaltung des römischen Reiches zusammen mit Burrus
- Erste politische Tat Senecas nach Jahren der Prinzenerziehung: Verfassen der Grabrede (laudatio funebris) für Claudius; vorgetragen von Nero
- Ebenfalls verfasst Seneca ein Pamphlet 3 : „Ludus Senecae de morte Claudii Neronis“ 4 menippeische 5 Satire; dies verhindert die Apotheosis 6 des Claudius
- Die Unreife des Nero zu regieren und die Herrschaftsucht seiner Mutter Agrippina gereichen Seneca immer mehr zur Besorgnis;
- Zwischen Nero und seiner Mutter entsteht ein Streit; Agrippina droht mit der Einsetzung des Britannicus 7 zum Kaiser
- Nero lässt seinen Stiefbruder daraufhin töten (Anfang 55 n. Chr.)
- Die beiden Reichsverweser Seneca und Burrus, unter denen das goldene Quinquennium 8 der Regierungszeit Neros stattfand, müssen immer wieder versuchen eine Eskalation des Streits zu verhindern
- Hier überreicht Seneca seinem Zögling die staatsphilosophische Schrift „ Ad Neronem Caesarem de Clementia“ 9
- Der Einfluss Agrippinas auf Nero ist so groß, dass Nero sie töten muss, um selbständig und Herr seiner Entschlüsse zu sein.
- Nero inszeniert also einen Selbsmord der Mutter
- Burrus und Seneca decken den Mord, da sie glauben Nero ließe ihnen weiterhin freie Hand in der Politik
- Die pathologischen Eigenschaften in Neros Regierungsstil werden immer deutlicher erkennbar
- Hierauf unterbreitet Seneca Nero ein Entlassungsgesuch und zieht sich auf sein Grundstück in Campanien zurück
- Im Zuge der pisonischen Verschwörung (65 n. Chr.) wird Seneca von Nero der Mitwisserschaft angeklagt und gezwungen sich das Leben zu nehmen
- Große Teile erhalten
3.1 Die Epistulae morales ad Lucilium: Hauptwerk
- Senecas Hälfte einer tatsächlichen, ernsthaften Korrespondenz
- Hauptsächlich ethische Probleme werden behandelt 1
- Das Werk ist unvollständig, da der Schluss fehlt 3.1.1 Die sogenannte Diatribe
- Nachbildungen von unsystematischen, allgemeinverständlichen Lehrvorträgen oder Lehrgesprächen über Themen wie Armut und Reichtum, Luxus und Abhärtung, Familie, Kleidung usf., die Zwischenfragen, Witze, Anekdoten, Sentenzen, sogar Verseinlagen enthalten können
- Form der Diatribe ist seit frühhellenistischer Zeit sehr beliebt und seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. auch ins Lateinische übernommen
- Gerne von Kynikern und anderen Philosphen verwendet, die moralische Probleme ohne bestimmte Schullehren erörtern wollten Seneca mildert die starre stoische Doktrin durch freie Reflexionen, Meditationen und durch praxisbezogenes Denken ab 3.1.2 Zum Adressaten der Briefe
- Vollst. Name: Lucilius Junior Verwalter der kaiserlichen Finanzen auf Sizilien
- Zwischen Seneca und Lucilius bestehen zugleich ein Lehrer-Schüler-Verhältnis und eine gute Freundschaft
- Trotz der höheren Bildung stellt Seneca keinerlei Überlegenheitsansprüche
- Der Leser gewinnt den Eindruck, dass sich zwei gleichstrebende Freunde durch ihren Dialog fördern wollen 3.1.3 Funktionen der Briefform
- Seneca hat von Anfang an geplant die Briefe zu veröffentlichen ⇒ Seneca wendet sich an den Adressaten und gleichzeitig an eine breite Öffentlichkeit
- Seneca will Leser zu Zeugen eines echten Gedankenaustauschs unter Freunden machen
- Theoretische stoische Maximen werden an praktische Probleme des Alltags angepasst und für sie nach dem Motto:
„medicamenta morbis et temporibus aptanda sunt“ nutzbar gemacht: Seneca nimmt durch seine neue Praxisbezogenheit der stoischen Doktrin etwas von ihrer Schärfe, mildert deren Starrheit
Es werden Reflexion und Meditation über bestimmte ethische Probleme betrieben Idee des „Fortschreitens“, proficere:
⇒ Seneca aktualisiert stoische Dogmen und schwächt stoischen Rigorismus ab
- In diesen, von stoischer Philosophie geprägten, Abhandlungen geht Seneca auf Einzelfragen ein, die ihm von Freunden gestellt worden sind De brevitate vitae: ca. 48 n. Chr.
De clementia: 55 n. Chr.
De tranquillitate animi: 59 n. Chr.
De constantia sapientis: 43 n. Chr.
De vita beata: 58 n. Chr.
De beneficiis: 62-65 n. Chr.
De ira: 39-42 n. Chr.: 3 Bücher
Arbeit zitieren:
Christian Fernandes, 2001, Seneca Leben und Werk, München, GRIN Verlag GmbH
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