INHALTSVERZEICHNIS
EINLEITUNG 3
1.1 ZITAT. 3
1.2 „ICH“ 3
1.3 VORWORT III 4
AUSGEHENDES MITTELALTER (14./15.JAHRHUNDERT) 5
1.4 GEISTIGES LEBEN 5
1.5 CHRISTENTUM 6
1.6 ZUSAMMENFASSUNG 7
15.JAHRHUNDERT. 8
1.7 GEWERBE UND HANDEL 8
1.8 DAS STAATLICHE GEFÜGE 9
1.9 ZUSAMMENFASSUNG 9
LUTHER. 11
1.10 KINDHEIT BIS „JUNGER ERWACHSENER“ 11
1.11 DIE 95THESEN 11
CALVIN. 13
1.12 JUGEND CALVINS. 13
LITERATURVERZEICHNIS 14
1.1 Zitat
„Der menschliche Verstand vermag den Zusammenhang der Ursachen aller Erscheinungen nicht zu begreifen, aber der Trieb, diese Ursachen zu erforschen, schlummert in des Menschen Seele. Und da er in die vielen kunstvoll verworrenen Grundbedingungen aller Erscheinungen nicht eindringen kann, von denen jede einzelne als Ursache gelten könnte, greift er nach der ersten besten, die ihm am verständlichsten ist und am nächsten liegt, und behauptet: Das ist die Ursache.
Bei geschichtlichen Ereignissen, wo die Kämpfe der Mensehen untereinander den Gegenstand der Beobachtung bilden, ist das, worauf der Mensch zuerst verfällt und was ihm am nächsten liegt, der Wille Gottes und dann die Willensäußerungen aller der Personen, die auf dem sichtbarsten Platz bei den Ereignissen stehen: der Helden der Weltgeschichte. Aber man braucht nur in das Wesen jedes geschichtlichen Ereignisses einzudringen, das heißt in die Tätigkeit der gesamten Masse der Menschen, die an den betreffenden Ereignissen teilgenommen haben, um überzeugt zu sein, daß der Wille eines Helden der Weltgeschichte nicht etwa die Handlungen der Massen lenkt, sondern ständig selber von ihnen geleitet wird. [...]
Für ein historisches Ereignis gibt es keine Ursache und kann es keine geben außer der einzigen Ursache aller Ursachen. Aber es gibt Gesetze, die die Ereignisse lenken. Zum Teil sind sie uns unbekannt, zum Teil können wir sie fühlen. Ein Erkennen dieser Gesetze ist aber erst dann möglich, wenn wir uns abgewöhnt haben, die Ursache geschichtlicher Ereignisse im Willen eines einzelnen Menschen zu suchen, ebenso wie das Erkennen der Planetenbewegungen erst dann möglich wurde, als sich die Menschen von der Vorstellung losgemacht hatten, daß die Erde feststehe“ (Tolstoi 1993, 1340f)
1.2 „Ich“
Was unsere menschliche Sprache von der tierischen unterscheidet, ist ihre Unbedeutung dem existentiellen Leben gegenüber. Diejenige der Tiere - ohne näher darauf eingehen zu wollenist der Art- und Lebenserhaltung untergeordnet. Unsere heutige Sprache hat den Überlebenscharakter weitgehend verloren, ist zum Ausdruck unserer eigenen Befindlichkeit geworden. - Die Sprache als Ausdruck unseres Denkens / eigenen Denkens / meines Denkens. Mit dem ersten gesprochenen Menschenwort begann ein Wesen zu existieren, das sich als Individuum fühlte, als Ich. (Verschiedene Theorien der Schöpfungsgeschichte sollen hier nicht zum Inhalt gemacht werden: Ob der Mensch vom Affen oder Adam abstammt ist für die weiteren Betrachtungen nicht von Belang.) Dieses Ich, erst einmal „angeknipst“, wuchs vom kleinen, schwach flackernden Flämmlein zu einem lodernden Feuer und mit ihm sein Bewusstsein von der Welt. Was ich damit sagen will: Dass der Mensch „von Innen nach
Aussen“ wächst und seine Willensäusserungen (=Geschichte) blosser Ausdruck des Verhältnisses dieses sich verändernden Ichs zur Umwelt sind, die Beziehung zu Geistigem/Gott miteingeschlossen. So ist gelehrte Geschichte, die sich in Daten und Fakten äussert, reine Symptomatik, nicht unähnlich einem Krankheitsverlauf. Ihr Wesen werden wir mit Daten nicht erfassen. Was sich im Humanismus/Reformation darstellt, ist lediglich ein Stadium dieser Entwicklung, oder, um die Terminologie beizubehalten: eine Art Kinderkrankheit. Nichts Neues kann entstehen, ohne im Entstehen Altes abzuschütteln (oder zu transformieren), und was sich uns in den Wirren jener Zeit darlegt, ist das Ringen des Ich um einen neuen Standpunkt: Ein kurzes Aufwälzen eines mächtigen Stromes (in dem die erste Menschentat noch mitschwimmen muss und aus dem sich unser Jetzt gebildet hat). Wir sind einerseits Ergebnis der Geschichte, und doch selbst mittendrin in diesen Wogen. Aus dem „woher komme ich“ liesse sich vielleicht auch ein „wohin gehe ich“ schöpfen...
1.3 Vorwort III
In der folgenden Arbeit geht es mir weniger darum, Wissen zu vermitteln oder Überzeugungen breitzuschlagen, als vielmehr einen eigenen Prozess auszulösen. So laufe ich bewusst in die Gefahr, die Arbeit nie richtig zu Ende zu bringen, was ja auf der einen Seite erwünscht sei, auf der anderen jedoch als recht hoffnungslos erscheint. So will ich versuchen, dem Phänomen „Reformation“ auf die Spur zu kommen. (Den Betrachtungswinkel habe ich weiter oben bereits dargelegt.) Ich komme also nicht umhin, dem „Vorfeld“ der Reformation grössere Beachtung zu schenken als dem zündenden Funken selbst. Ich mich auf die nördlichen Breitengrade beschränken (grob: das deutschsprechende Europa). Einige wichtige Aspekte werden ganz weggelassen, so der Humanismus, wo mir eine Kurzfassung schwerfiele, und auch die Renaissance. Doch, wie ich hoffe, sind beide Themen hinlänglich bekannt.
1.4 Geistiges Leben
„Von Hungersnöten, Epidemien und Kriegen gepeinigt, in das Chaos von romfernen und sich gegenseitig verfluchenden Päpsten gestürzt, forschten die Menschen nach okkulten Kräften, aus denen das unerklärliche Elend der Menschheit zu erklären sei; es musste, wie sie allenthalben glaubten, magische Kräfte geben, mit deren Hilfe das Geschehen zu beherrschen und irgendein mystischer Ausweg aus der Welt der harten Tatsachen zu finden sei. So führte die Vernunft ein höchst prekäres Dasein in einer Umwelt, worin die Unvernunft herrschte, wo Zahlenmystik, Weissagung, Omen, Traumdeutung, Astrologie, Wunderheilungen, göttliche und teuflische Eingebung, Alchimie und die okkulten Kräfte der Tier-, Pflanzen- und Mineralwelt Gefühl und Denken regierten“ (Durant 1959, 241). Der Mystizismus bestimmte zum grossen Teil das Denken und Handeln des damaligen Menschen. Hexen- und Dämonenglaube wie auch Heiligenkult begegnen durch alle Stände hindurch. Selbst Könige machten Schlachtzüge (und auch intimere Ereignisse) von Horoskopen abhängig und Astrologen waren an den Höfen ebenso beliebt wie angesehene Berater. Von der Kirche wurde dieser (Aber-)glaube zwar bekämpft, dessen Wirkung aber in keinster Weise bezweifelt (Maleus maleficarum), in den Ablasshändeln beispielsweise sogar „ausgenutzt“.
Arbeit zitieren:
Claude Sturzenegger, 2001, Vor-Reformation, München, GRIN Verlag GmbH
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