2. Definition von Non-Profit-Organisationen
Für eine Definition von Non-Profit-Organisationen ist es zunächst einmal nötig, sich von den geläufigen Negativdefinitionen zu lösen. Neben dem hier benutzen Begriff der Non-Profit-Organisation (NPO) ist nämlich mehr und mehr auch der Begriff der nichtstaatlichen, bzw. der Nicht-Regierungs-Organisation (NRO) international gebräuchlich. Der erste Begriff legt die Betonung auf die Abgrenzung von gewinnorientierten Unternehmen, auf die Abgrenzung vom Markt. Dabei kann es jedoch zu dem Mißverständnis kommen, Non-Profit-Organisationen dürften keine Gewinne erwirtschaften. Das ist jedoch nicht der Fall, Gewinne sind durchaus zu begrüßen, werden sie für den Organisationszweck, gewissermaßen die „Mission“ der NPOs verwendet. Der Begriff der Nicht-Regierungs-Organisation legt im Gegensatz dazu den Schwerpunkt auf die Abgrenzung, die Unabhängigkeit vom Staat, wobei dann aber Mischformen zu Problemen und Mißverständnissen führen können. (Vgl.: Badelt, 1997: 6)
Diese Art von Negativdefinitionen haben nur einen geringen Wert, der Begriff der Non-Profit-Organisation soll in dieser Arbeit aber aufgrund seiner Geläufigkeit trotzdem weiter benutzt werden.
Um dem weiten Spektrum der Non-Profit-Organisationen gerecht werden zu können, werden nun verschiedene Definitionmerkmale, ja Charakteristika besprochen, die zusammengenommen eine Non-Profit-Organisation ausmachen. Nicht bei allen Non-Profit-Organisationen sind immer alle Aspekte im gleichen Maße ausgeprägt, in einem Mindestmaß sollten die einzelnen Merkmale jedoch vor-handen sein.
Zunächst muß zumindest eine geringe formale Organisation, zu der formalisierte Entscheidungsstrukturen und Verantwortlichkeiten aber auch eine Satzung gehören, vorhanden sein. Des weiteren ist eine Non-Profit-Organisation privat, also nicht staatlich, wobei öffentliche Unterstützung vor allem in Form finanzieller Zuschüsse nicht ausgeschlossen wird. Ihre Einkommensquellen sollten aber zu einem Großteil aus Spenden und Beiträgen bestehen. Non-Profit-Organisationen dürfen zwar Gewinne erwirtschaften, aber, wie schon erwähnt, keine Gewinne an Mitglieder ausschütten, die Gewinne müssen satzungsgemäß für den Organisationszweck verwendet werden. So kann der steuerliche Status der Gemeinnützigkeit erfüllt werden. Hinzu kommt ein Minimum an Selbstverwaltung, also Unabhängigkeit und auch Freiwilligkeit, daß nicht nur durch ehrenamtliche Tätigkeiten, sondern auch schon durch die freiwillige Mitgliedschaft und Spenden erfüllt sein kann. (Vgl.: Ebd.: 7ff)
2
Insgesamt verfolgen Non-Profit-Organisationen in einem hohen Maße bedarfsorientierte Sachziele und dienen so dem gesellschaftlichen Gemeinwohl. 3. Tätigkeitsbereiche
3.1 Typologie nach Tätigkeitsbereichen
Non-Profit-Organisationen decken ein weites Spektrum ab, so daß vor allem in der Dienstleistungsbranche einen wichtigen Wirtschaftsfaktor darstellen. (Vgl.: Badelt, 1997: 5) Dabei werden Eigenleistungs- und Fremdleistungs-NPO unterschieden, je nach dem, ob die Organisation nur für eigene Mitglieder, wie zum Beispiel Sportvereine, oder gerade für Nichtmitglieder tätig ist, wie vor allem Organisationen der Entwicklungshilfe in Industrieländern. Non-Profit-Organisationen können im Kultur- und Erholungsbereich tätig sein, wie das auf private Museen, Orchester und auch Sportvereine zutrifft. Des weiteren sind sie im Bildungs- und Erziehungswesen tätig, wie zum Beispiel private Schulen und Kindergärten. Dabei spielen oft kirchliche Organisationen eine große Rolle. Das trifft auch für das Sozialwesen zu, eines der wichtigsten Bereiche für Non-Profit-Organisationen, in denen kirchliche Organisationen wie die Caritas viel Arbeit leisten. Hier handelt es sich um Dienste für Alte, Behinderte und Randgruppen in Form von Beratungsstellen und Pflege- und Betreuungsdiensten. Hinzu kommen noch Gruppen, die auch politisch Einfluß nehmen, wie berufsständische Interessenvertretungen (z.B. Gewerkschaften) und eben auch Organisationen für Entwicklungshilfe und/oder Umweltschutz. (Vgl.: Ebd.: 4)
Neben NABU, BUND und Greenpeace ist der WWF, der in dieser Arbeit näher betrachtet werden soll, sicherlich eine der bekanntesten Umweltschutzorganisationen in Deutschland 3.2 Die Ziele des WWF
„Die Zeit wird knapp, um die größten Bedrohungen des Lebens auf unserem Plane-ten noch abzuwenden. Wer seinen Kindern eine lebenswerte Umgebung hinterlassen
will, weiß, daß er jetzt handeln muß.“ (WWF, 1999: 1) Mit diesen Worten begründet der World Wide Fund for Nature (WWF) seine Arbeit, dessen oberstes Ziel es ist, die genetische biologische Vielfalt der Tiere und Pflanzen und ihrer Lebensräume für und mit dem Menschen zu bewahren. Die lebenswerte Umwelt soll für die nächste Generation erhalten werden. Es geht aber auch um die Erhaltung der natürlichen erneuerbaren Ressourcen wie Holz, vor allem auch durch Nachhaltigkeit. Zur Durchsetzung dieser Ziele sollen Wirtschaftsprozess und Maßnahmen gefördert werden, die zur Verhinderung von
3
Umweltverschmutzung, Ressourcen- und Energieverschwendung beitragen. (Vgl.: WWF, 1999: 2)
Die Arbeitsschwerpunkte des WWF sind drei Großlebensräume: Meere und Küsten, binnenländische Feuchtgebiete und Wälder. Die bedrohten Tier- und Pflanzenarten dieser Lebensräume sollen dabei besonders durch den Aufbau von Naturschutzgebieten geschützt werden. (Vgl.: WWF, 1999: 1) Natürlich sind diese Ziele Ergebnis einer langen Entwicklung seit der Gründung des WWF International 1961 mit dem Hauptsitz in der neutralen Schweiz, der damals noch World Wildlife Fund hieß. Die Namensänderung von 1986 zeugt von der Ausweitung der Arbeitsbereiche. In den achtziger Jahren fanden aber noch weitere Umorientierungen statt. So wurde zum einen Entwicklungszusammenarbeit mit dem Naturschutz kombiniert, und zwar aus dem Bewußtsein heraus, daß nur eine Förderung der weltweiten Entwicklung dem Umweltschutz auch global weiterhelfen wird. Im gleichen Zusammenhang stehen auch die neuen Prinzipien Nachhaltigkeit und Ganzheitlichkeit, die der internationalen Interdependenz Rechnung tragen. (Vgl. Url: www.wwf.ch, Stand: 10. Mai 2001) Die Umweltstiftung WWF Deutschland ist nun Teil des World Wide Fund for Nature. Da es nicht möglich war, die nötigen Informationen zu bekommen, soll sich diese Arbeit nun im Folgenden mit dem WWF Deutschland beschäftigen, der im Jahre 1963 gegründet wurde. 4. Aufbau und Struktur
Im Hinblick auf Entwicklung und Wachstum von Organisationen allgemein sind drei Phasen beobachtbar. Die Pionierphase, in der die Idee des Gründers oder des Gründerteams stark im Vordergrund stehen, herrschen familienartige Strukturen vor, die viel improvisieren. Die Kommunikation ist direkt und personenbezogen. Dabei sind jedoch Probleme wie Überlastung und sinkende Motivation möglich.
Diese Probleme werden in der Differenzierungsphase überwunden, in der die Organisation nach den Maßstäben, Systematik, Logik und Steuerbarkeit umstrukturiert wird. Dabei kommt es zu einer Standardisierung der Aufgabenbearbeitung und zu funktionaler Säulenbildung. Allerdings bestehen es in solch formalisierten Organisationen oft Überorganisation und die Entscheidungsprozesse sind eher langwierig. (Vgl.: Badelt, 1997: 191)
In der Integrationsphase wird versucht, diese Defizite durch Neugestaltung in dezentralisierte Teamstrukturen auszugleichen. Häufig werden die Aufgaben in so integrierten Organisationen von operativen Einheiten erledigt. Dabei herrschen
4
flache Hierarchien vor. (Vgl.: Ebd.: 205) Es ist durchaus möglich, diese Phase als demokratisierend zu bezeichnen.
4.1 Aufbau und Entscheidungsstrukturen des WWF Deutschland Die Umweltstiftung WWF Deutschland hat die Pionierphase sicherlich überwunden. In wie weit sie jedoch schon in die Integrationsphase eintritt, ist aus den erhältlichen Informationen kaum ersichtlich. Die Verfassung gibt nur Aufschluß über die Entscheidungen und die Personalrekrutierung in den obersten Organen, was im folgenden erläutert werden soll.
Einleitend muß erwähnt werden, daß der WWF als Stiftung und nicht als Verein konzipiert ist, die keine Mitglieder, sondern nur Förderer hat. Daraus ergibt sich, daß diese keinen direkten Einfluß auf die Politik des WWF nehmen können. In den WWF-Gruppen, mit deren Aufbau die Stiftung seit 1993 begonnen hat, ist eine aktive, wenn auch meist auf das Sammeln von Spenden begrenzte Teilnahme an der Stiftungsarbeit möglich. (Vgl.: Fritzler, 1997: 72) Der WWF besteht aus fünf Organen, in denen alle bedeutenden Entscheidungen getroffen werden. Das Organigramm gibt einen kurzen Überblick.
5
Zuerst ist der Stiftungsrat zu nennen, der viele entscheidende Funktionen und Aufgaben in sich vereint. Er besteht aus bis zu 30 Mitgliedern, die jeweils auf 4 Jahre gewählt werden. Gewählt werden kann nur, wer von einem Mitglied des Stiftungsrats vorgeschlagen wurde. Der Stiftungsrat wählt sich für die Dauer seiner Amtszeit einen Vorsitzenden (zur Zeit Dr. Michael Otto mit seinem Stellvertreter Horst Kleiner). Der Stiftungsrat kommt mindestens einmal jährlich zusammen, auf Antrag auch häufiger.
Die wichtigsten Aufgaben sind sicherlich die Wahl des Präsidiums aus eigenen Reihen und dessen Überwachung. Das Präsidium besteht aus einem Präsidenten (zur Zeit Carl-Albrecht von Treuenfels) und sechs weiteren Mitgliedern, die auf 4 Jahre gewählt werden. Es überwacht die Verwaltung, den Geschäftsführer (zur Zeit Dr. Georg Schwede) und seinen Stellvertreter (zur Zeit Ute Jakobi). Der Geschäftsführer ist vom Präsidium beauftragt und verwaltet das Stiftungsvermögen. Außerdem obliegt ihm die Führung der laufenden Geschäfte. Er plant die Maßnahmen, die zur Erfüllung des Stiftungszweckes notwendig sind. Er ist ver-antwortlich für die Buchführung, die Jahresrechnung und den Geschäftsbericht. Die Aufgabe des Geschäftsführers bedeutet ebenfalls die rechtsgeschäftliche Vertretung der Stiftung. Schließlich müssen der Geschäftsführer und das Präsidium dem Stiftungsrat jährlich Rechnung legen.
Dafür wählt der Stiftungsrat auch aus den eigenen Reihen die Rechnungsprüfer. Es sind drei Mitglieder des Stiftungsrates, die auf jeweils zwei Jahre berufen werden. Ihre Prüfung der Rechnungslegung muß durch öffentliche Prüfer (für das Jahr 1999 wurde die Wirtschaftsgesellschaft Ernst & Young Deutsche Allgemeine Treuhand AG beauftragt) bestätigt werden, kann aber auch von öffentlichen Prüfern ganz durchgeführt werden.
Schließlich kann der Stiftungsrat ein Kuratorium einberufen, das aus Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens besteht, die auf 4 Jahre gewählt werden. Der Stiftungsrat wählt auch den Vorsitzenden des Kuratoriums und dessen Stellvertreter, die auch aus dem Stiftungsrat kommen können. Er hat die Aufgabe, den Stiftungsrat zu beraten und die Stiftung zu fördern. (Vgl.: WWF: Verfassung, o. J.)
Wie schon erwähnt ist aus der Verfassung nicht ersichtlich, wie Entscheidungsprozesse auf der unteren Ebene der einzelnen Fachbereiche und Referate funktionieren. Eine genaue Abgrenzung zwischen WWF international und WWF Deutschland war ebenfalls schwer möglich.
Aus der herausragenden Rolle des Stiftungsrates, der sich zudem ja fast ausschließlich aus sich selbst rekrutiert, läßt sich jedoch schließen, daß der WWF trotz der Gruppenentscheidungen die Integrationsphase noch nicht erreicht hat.
7
Für eine Non-Profit-Organisationen in einer demokratischen Gesellschaft ist diese Umweltstiftung in einem Maße undemokratisch, das die Legitimation und Glaubwürdigkeit der Organisation doch erheblich beschneidet. 5. Projekte und Arbeitsweise
Für Non-Profit-Organisationen spielt die ehrenamtliche Arbeit aufgrund der Finanzierungsproblematik eine wichtige Rolle. Projekte können als interdisziplinäre, zielgerichtete, temporäre und ganzheitliche Aufgaben aufgrund ihres höheren Motivationspotentials mehr ehrenamtliche Arbeitskraft rekrutieren, da sie zeitlich begrenzt sind und auch meist keinen Routinecharakter besitzen, sondern oft neuartige Problemlösungsansätze ausprobieren. (Vgl.: Badelt, 2000: 299, 315f) Projekte lassen sich nach diversen Kriterien, wie nach den inhaltlichen Zielen, dem Grad der Wiederholung, der Komplexität oder der Konkretisierung differenzieren. Die Vorteile von Projekten liegt dabei in der Steigerung von Flexibilität und Dynamik und in der Sicherung der Qualität durch eine ganzheitliche Projektdefinition. (Vgl.: Ebd.: 300f)
Im Folgenden sollen nicht nur die Projekte, sondern zuallererst die allgemeine Arbeitsweise der Umweltstiftung WWF Deutschland beschrieben werden. 5.1 Arbeitsweise des WWF Deutschland
Der WWF Deutschland möchte Einfluß auf Regierungen, Industrie, Handel und Verbraucher ausüben und dabei Bildungsarbeit für ein Verständnis um Hintergründe, Zusammenhänge und Handlungsmöglichkeiten des Umweltschutzes leisten. Des weiteren sollen die Ziele durch das Zustandekommen und die Umsetzung internationaler Verträge, Konventionen und Gesetze gefördert werden. (Vgl.: WWF, 1999: 3)
In diesem Zusammenhang wird die Konsensorientierung des WWF deutlich, der einen Dialog mit allen gesellschaftlichen Gruppen führen will. Der WWF sieht sich zwar durchaus konfliktbereit, ist jedoch mehr an Kooperation mit Regierungen, Behörden und Unternehmen interessiert. Er nimmt an internationalen Umwelt-und Naturschutzkonferenzen wie der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro teil. Auf dieser Ebene wird auch mit anderen internationalen Organisationen kooperiert. (Vgl.: Ebd.: 5f)
Der WWF Deutschland kooperiert auch mit der Wirtschaft. Dabei sorgt seit 1986 die Panda-Fördergesellschaft für Umwelt mbH (PFG) für eine unabhängige Auswahl der Projekte. Der WWF gewährleistet nämlich technologische, fachliche und vor allem auch finanzielle Unterstützung von Naturschutz-Projekten, umweltverträglichem Wirtschaften und von Bewußtseinsbildung, Aufklärung und Ausbildung
8
im Bereich Umwelt. Dabei kommen nur Unternehmen in Frage, die sich durch eine nachhaltige Ressourcennutzung und eine umweltschonende und energiesparende Produktionsweise auszeichnen. (Vgl.: Ebd.: 8f) Natürlich ist auch für den WWF eine gute Öffentlichkeitsarbeit unabdingbar. Auch er ist ja hauptsächlich von Spenden abhängig. Dabei werden durch Briefe Spendenaufrufe getätigt und eine Vielzahl von Prospekten und Informationsmaterial verschickt, oder Ortsgruppen organisieren Spendenaktionen, bei denen auch der Bekanntheitsgrad der Organisation verstärkt wird. (Vgl.: Ebd.: 10f) 5.2 Beispielprojekte des WWF Deutschland
Der WWF Deutschland finanziert sowohl nationale als auch internationale Projekte, da zwei Drittel der jährlichen Spendeneinnahmen immer an die Mutterorganisation WWF international abgegeben werden. Eines der internationalen Projekte ist „Global 200“. Hier wurden weltweit 232 einzigartige Lebensräume, wie zum Beispiel die Everglades in Florida, aber auch das Wattenmeer, erfasst und in Bezug auf ihr ökologisches Gleichgewicht untersucht und bewertet. „Nur knapp ein Viertel der ‚Global 200‘ (24%) kann noch als ‚relativ stabil oder intakt‘
angesehen werden. Mehr als ein Viertel (29%) der Öko-Regionen gilt als ‚gefährdet‘.
Fast die Hälfte (47%) ist als ‚stark bedroht‘ ausgewiesen.“ (WWF: Let’s leave our
children a living planet! O. J.)
Mit diesem Programm liefert der WWF den Umweltschutzorganisationen und Regierungen konkrete Hilfen für Schutzmaßnahmen. (Vgl.: WWF: Let’s leave our children a living planet! O.J.)
Der WWF Deutschland kümmert sich aber auch ganz konkret um deutsche Umweltprobleme, besonders natürlich in den drei Hauptarbeitsbereichen: Wälder, Meere und Küsten und binnenländische Feuchtgebiete. 5.2.1 Wälder
Dem Schutz des Waldes liegt das Bewußtsein zugrunde, daß er nicht nur Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten ist, sondern auch bei der Produktion von Sauerstoff und nachwachsenden Rohstoffen eine entscheidende Rolle spielt. Ein Beispiel für ein Projekt zum Schutz des Waldes ist das FSC Gütesiegel, das Prüfzeichen des Forest Stewardship Council (FSC). Es ist das einzige international anerkannte und funktionierende Gütesiegel für naturnahe Waldnutzung. Die Kriterien des FSC für nachhaltige Forstwirtschaft sind äußerst vielfältig und gehen über den reinen Naturschutz hinaus. So wird nicht nur die Erhaltung der biologischen Vielfalt und die Erhaltung naturnaher Biotope zur Voraussetzung gemacht. Des Weiteren sollen nämlich auch die Rechte indigener Völker gesichert und das Arbeitsrecht eingehalten werden. (Vgl.: WWF, 1999: 11)
9
In Deutschland wurden unter Mitwirkung des WWF bereits über 100.000 Hektar Wald nach FSC-Kriterien zertifiziert, darunter die Staatsforstbetriebe in Hamburg und Schleswig-Holstein. Die „Gruppe `98“ spielt in Deutschland ebenfalls eine wichtige Rolle. Dieser vom WWF geförderten Initiative gehören inzwischen 55 Unternehmen an, die FSC-zertifiziertes Holz gezielt auf den Markt bringen, unter anderem auch das Versandhaus Neckermann. (Vgl.: WWF, 2000: 11) 5.2.2 Meere und Küsten
Der Schutz des Wattenmeers , ja auch international unter der Flagge der „Global 200“, ist sicherlich eines der wichtigsten Anliegen des WWF Deutschland. So ist auch die Vergrößerung des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, der nun der größte Nationalpark in Mitteleuropa ist, ein bedeutender Erfolg. Der WWF Deutschland setzt sich aber auch für die Ostsee ein. Der Schutz des Greifswalder Boddens durch Regelungen mit Seglern und Fischern ist dafür ein Beispiel.
Momentan ist aber die Initiative gegen das Ems-Sperrwerk besonders interessant. Das Land Niedersachsen möchte mit einem 353 Millionen DM teuren Sperrwerk mögliche Sturmfluten verhindern. Zwar wurde 1998 ein Baustopp erreicht, dieser wurde aber trotz mehrerer unabhängiger Studien, die ökologische und ökonomische Zweifel, aber auch mangelnde Wirksamkeit aus Küstenschutzsicht bezeugen, 1999 vor Gericht wieder aufgehoben. Der WWF wird sich auch weiterhin für eine ökologisch tragfähige Lösung einsetzen. Sein Erfolg oder Mißerfolg in diesem Projekt kann sicherlich Maßstab werden für die Effizienz der verfolgten Arbeitsweise. (Vgl.: WWF, 2000: 12f) 5.2.3 Binnenländische Feuchtgebiete
Binnenländische Feuchtgebiete sind nicht nur besonders artenreich, sie speichern, filtern und reinigen zugleich das Trinkwasser. Dieser besonderen Bedeutung trägt der WWF durch einige Projekte Rechnung. Der Naturpark Uckermärkische Seen (Brandenburg) wurde, durch Spendeneinnahmen finanziert, stetig vergrößert. Er ist nun fast 90.000 Hektar groß und in ausgewählten Bereichen können sich Laubwälder, Moore, Seen und Brüche unbeeinflußt von menschlicher Nutzung entwickeln. Die vom WWF ins Leben gerufene Stiftung „Naturlandschaften Brandenburg“ trägt zusätzlich dazu bei, daß weitere wertvolle Naturflächen erworben und in Totalreservate überführt werden, um den zahlreichen bedrohten Tier- und Pflanzenarten Schutzzonen zu sichern. (Vgl.: WWF, 2000: 14f)
10
6. Finanzierung
Aufgrund der Sinn- und Wertorientierung von Non-Profit-Organisationen spielt bei ihnen nicht primär der wirtschaftliche Überschuss oder das Überleben der Organisation im Vordergrund sondern das Erreichen gemeinnütziger Ziele, das Erreichen des Organisationszweckes, das Voranbringen der sich gestellten Aufgabe. (Vgl.: Badelt, 2000: 249) Der Stellenwert finanzwirtschaftlicher Fragestellungen ist daher ein sensibles Thema.
„Das Spektrum möglicher zugeschriebener Bedeutungsbögen reicht von Finan-zierung als notwendiges Übel bis hin zur Einschätzung, daß nachhaltig erfolgrei-ches Wirtschaften von NPOs ohne professionelles Finanzmanagement nicht be-werkstelligt werden kann.“ (Ebd.)
Unterscheidbar sind drei Stadien: Das erste Stadium ist durch die Einstellung gekennzeichnet, in der Finanzierung als notwendiges Übel angesehen wird. Die Ideale sollen nicht finanzwirtschaftlichen Sachzwängen unterworfen werden. Dies kann allerdings die Existenzfähigkeit der Organisationen gefährden. Im folgenden Stadium hat sich die Finanzierung als bewährtes Mittel der Existenzabsicherung der NPO bewährt. Im dritten Stadium wird der Finanzierung dann der Wert eines strategischen Erfolgs- beziehungsweise Wachstumsfaktors beigemessen. Diese Einstellung beruht auf der Überzeugung: „Finanzierung verhindert nicht - oder nicht ausschließlich -, sondern kann auch ermöglichen!“ Wichtig ist jedoch in jeder Hinsicht Transparenz. Diese muß nicht nur nach innen gewährleistet werden, um organisationsinterne Konflikte zu vermeiden, sondern besonders auch nach Außen. Die äußere Transparenz gewinnt ihre Bedeutung dabei nicht nur durch die Glaubwürdigkeit, die Transparenz hervorruft, sondern sie ist auch eine Bedingung für die Anerkennung der Gemeinnützigkeit einer Organisation. (Vgl.: Ebd.: 250)
6.1 Finanzierung der Umweltstiftung WWF Deutschland im Jahre 1999 Die Umweltstiftung WWF-Deutschland ist sich als Stiftung der Bedeutung von Finanzierungsfragen sicherlich bewußt. Als Stiftung finanziert sich der WWF zum Einen aus den Erträgen des Stiftungsvermögens. Diese Erträge sollen vor allem die Verwaltung tragen, um besonders die Spenden direkt dem Umweltschutz zukommen lassen zu können. Im Jahre 1999 konnten 29,2 Millionen DM direkt für Naturschutz, Umweltbildung und Aufklärung ausgegeben werden, im Vergleich zum Jahre 1998 eine Steigerung von 4,0 Millionen DM. 6,5 Millionen DM - 1998 4,9 Mio. DM - wurden für die Mitgliederbetreuung ausgegeben, die ja bei der Aquirierung der Spenden eine entscheidende Rolle spielt. Für die Verwaltung wurden zwar 3,7 Millionen DM - 1998 nur 2,5 Mio. DM - ausgegeben, die Er-
11
träge aus dem Stiftungskapital betrugen jedoch nur 2,4 Mio. DM. Da jedoch noch Lizenzerträge in Höhe von 1,2 Millionen DM eingenommen wurden, ist davon auszugehen, daß zumindest die Spenden - natürlich zusammen mit den Projektzuschüssen - direkt dem Umweltschutz zu Gute kommen. Leider werden im Jahresbericht die Spenden nicht von den Mitgliederbeiträgen getrennt, so daß ein genauer Aufschluß über die Verwendung der Spenden nicht möglich ist. Dies läßt deutliche Schlüsse auf die äußere Transparenz zu. Sie wird sicherlich den gesetzlichen Vorschriften genüge tun. Daß die genaue Verwendung aber nicht jedermann einsehbar ist, stellt ein Glaubwürdigkeitsdefizit dieser Organisation dar. Die anhängigen Diagramme informieren jedoch über die grundlegende Finanzierungsstruktur. Die Diagramme beruhen auf dem Jahresbericht des Jahres 1999 und eigenen Berechnungen. (Vgl.: WWF, 2000: 20f)
12
Ertr äge in Mio DM 1999 / 1998
30
25
20
15
10
5
0
Spenden /Beiträge Erbschaften Projektzuschüsse Sonstiges Zinserträge
1999 1998
13
7. Spezifische Problemstellungen von Non-Profit-Organisationen
Aufgrund ihres besonderen Organisationszweckes jenseits reinen Profitstrebens, müssen sich Non-Profit-Organisationen einem Spagat zwischen Ökonomie- und Sinnorientierung stellen. Zwar gibt es im NPO-Sektor wenig Regulierung durch einen kompetitiven Markt, aber auch in NPOs dürfen betriebswirtschaftliche Fragestellungen nicht außer acht gelassen werden. Dennoch haben sie mehr Kriterien für die Erfolgsmessung zu beachten als rein gewinnorientierte Unternehmen, zu denen eben vor allem die Orientierung am Organisationszweck gehört. (Vgl.: Badelt, 1997: 321) So ist es falsch, sich ganz betriebswirtschaftlicher Organisation zu unterwerfen; Effizienzkriterien ganz außer acht zu lassen, wäre aber ebenso verfehlt. (Vgl.: Ebd.: 322)
Konkreten Niederschlag findet diese Differenz in der Unterscheidung hauptamtlicher und ehrenamtlicher Mitarbeiter. (Vgl.: Ebd.: 324) Vor dem Hintergrund dieses „Organisationswiderspruches“ (Badelt, 1997: 321), läßt sich die Problematik der Qualitätssicherung besonders gut beleuchten, die beiden Dimensionen der Non-Profit-Organisationen gerecht werden muß. Qualitätssicherung ist in NPOs nämlich vor allem aus Legitimationsgründen ebenso wichtig wie in rein gewinnorientierten Unternehmen. „Leistungs- und Qualitätskriterien müssen inhaltlich und aufgabenspezifisch - vor
dem Hintergrund der verfolgten Mission - definiert werden,“ folgert daher das
Handbuch der Non-Profit-Organisationen. (Badelt, 1997: 388)
Dabei müssen fachliche Grundlagen, organisatorische Strukturen und gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen interdisziplinär beachtet werden. (Vgl.: Ebd.: 389)
7.1 Problematik des WWF Deutschland
Eine so große Organisation wie die Umweltstiftung WWF Deutschland (Aufwendungsvolumen 1999: 39,4 Mio. DM - WWF, 2000: 21) ist sicherlich in einem Maße organisiert, daß eine Orientierung auch an betriebswirtschaftlichen Kriterien vorhanden ist. Der Erfolg spricht dafür.
Beim WWF ist jedoch das in Kapitel 4 besprochene interne Demokratiedefizit erheblich, das die Legitimität der Organisation doch stark einschränkt. Durch das Wahlverfahren der Stiftungsratsmitglieder, der ja das entscheidende Organ ist, besteht praktisch keine Durchlässigkeit der Organisation. Den Stiftungsrat als einen „Rat der Götter“ zu bezeichnen, ist durchaus zu rechtfertigen. (Vgl.: WWF: Verfassung, o. J.) Es kann zwar argumentiert werden, daß die Stiftungsratsmit-
17
glieder durch ihre gesellschaftliche Stellung und ihr gesellschaftliches Ansehen einen besonderen „Draht“ zu Entscheidungsträgern der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft besitzen. So will der WWF ja auch gerade im Dialog mit Politik und Wirtschaft Einfluß auf Entscheidungen im Umweltpolitik nehmen. (Vgl.: WWF, 1999: 5f) Aus diesem Argument folgt jedoch nicht, daß die Stiftungsratsmitglieder nicht demokratisch durch die gesamten Organisationsmitglieder - die den WWF ja vor allem finanziell unterstützen und mittragen - gewählt werden sollte. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Informationspolitik des WWF, die sich sicherlich zum Teil auch aus Organisationszwängen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit ergibt. Daß viele essentielle Informationen aber erst nach mehrmaligem Anschreiben zugesandt wurden, andere schlicht nicht vorhanden waren, zeugt allerdings von einer fehlenden Transparenz, die dem allgemein erhobenen Selbstanspruch von Non-Profit-Organisationen nicht gerecht wird. 8. Fazit
Es hat sich im Verlauf dieser Arbeit nun ein vielfältiges Bild der Umweltstiftung WWF Deutschland ergeben. Dieses reicht von Legitimitäts- und Glaubwürdigkeitsdefiziten aufgrund der Organisationsstruktur bis hin zu erheblichen Leistungen im Umweltschutz, nicht nur durch politische Einflußnahme sondern gerade auch durch finanzielles Engagement. Diese Leistungen sollen trotz der Kritik nicht aberkannt werden.
„Nur wenn wir auch in angemessenem Umfang in Marketing und Öffentlichkeits-
arbeit investieren, können wir langfristig unser oberstes Ziel erreichen,“ leitet
Carl-Albrecht von Treuenfels, der Präsident des WWF, den Jahresbericht 1999
ein. (Vgl.: WWF, 2000: 1)
Eine Organisation aber, die sich der Bedeutung der Öffentlichkeitsarbiet bewußt ist, wie dieses Zitat beweist, sollte aber, gerade als Non-Profit-Organisation in Abgrenzung zur Wirtschaft auf Transparenz und Demokratie setzen, um ihr Potential als Gestalter der Zivilgesellschaft voll zu entfalten. Abschließend ist es allerdings zu bedauern, daß ein so erheblicher Wirtschafts-faktor wie die Non-Profit-Organisationen in der Wissenschaft noch so wenig Beachtung finden, daß eine wissenschaftliche Arbeit anhand von Sekundärliteratur so gut wie nicht möglich ist.
18
9. Literatur
• Badelt, Christoph (Hrsg.): Handbuch der Nonprofit Organisationen, Stuttgart, 1997.
• Fritzler, Marc: Ökologie und Umweltpolitik, Bonn, 1997. • Klein, Martina; Schubert, Fritz: Das Politiklexikon, Bonn, 1997. • Umweltstiftung WWF-Deutschland (Hrsg.): Warum eigentlich WWF?, Frankfurt, 1999.
• Umweltstiftung WWF-Deutschland (Hrsg.): Jahresbericht 1999, Frankfurt, 2000.
• Umweltstiftung WWF-Deutschland (Hrsg.): Verfassung, Frankfurt, o. J. • Umweltstiftung WWF-Deutschland (Hrsg.): Let’s leave our children a living planet! Frankfurt, o. J. • URL: www.wwf.ch (Stand: 10. Mai 2001)
19
Arbeit zitieren:
Claudia Fritsche, 2000, Non-Profit-Organisationen-das Beispiel des WWF, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
PR von Non-Profit- Organisationen
Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing
Seminararbeit, 17 Seiten
Die Gründung einer Fiktivfirma
BWL - Unternehmensgründung, Start-ups, Businesspläne
Hausarbeit, 19 Seiten
Der Business-Plan aus ökonomischer Sicht
BWL - Unternehmensgründung, Start-ups, Businesspläne
Diplomarbeit, 45 Seiten
Marketing öffentlicher Betriebe - Besonderheiten und Gemeinsamkeiten z...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Seminararbeit, 21 Seiten
Warum brauchen Non-Profit-Organisationen überhaupt Marketing?
Pflegemanagement / Sozialmanagement
Hausarbeit, 22 Seiten
Nonprofit-Marketing - Marketing für nicht kommerzielle Organisationen ...
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Seminararbeit, 19 Seiten
Maßnahmen zur Re-Integration arbeitsloser Problemgruppen in den ersten...
Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
Magisterarbeit, 128 Seiten
Motivations- und Rekrutierungsprobleme ehrenamtlicher Mitarbeiter in W...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Seminararbeit, 18 Seiten
Unternehmensstrategien im Internet
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Seminararbeit, 15 Seiten
Führen durch Zielvereinbarung in Non-Profit-Organisationen
BWL - Personal und Organisation
Diplomarbeit, 48 Seiten
Erstellung eines Unternehmensgründungskonzeptes am Beispiel einer Bäck...
BWL - Unternehmensgründung, Start-ups, Businesspläne
Studienarbeit, 57 Seiten
Claudia Fritsche hat den Text Non-Profit-Organisationen-das Beispiel des WWF veröffentlicht
Claudia Fritsche hat einen neuen Text hochgeladen
Balanced Scorecard in Verwaltung und Non-Profit-Organisationen
Andreas Georg Scherer, Jens Alt
Marketingentwicklung lokaler Non-Profit-Organisationen in Zeiten des W...
Möglichkeiten, Strategien und ...
Bartholomäus Rymek
Berufspädagogische Aktivitäten in Non-Profit-Organisationen
Konzepte - Designs - Instrumen...
Gerhard Niedermair
Die Entwicklung einer Balanced Scorecard für eine Non-Profit-Organisat...
Am Beispiel des Deutschen Tenn...
Vinck Christian, Littkemann Jörn
Die Balanced Scorecard zur Steuerung von For- und Non-Profit Organisat...
Unterschiede und Gemeinsamkeit...
Wolfgang Hufnagl
0 Kommentare