Symbolverzeichnis:
Q Outputmenge der Outsider
q Outputmenge der Insider
R O (Q) Reaktionsfunktion der Outsider
NC (q) R I Reaktionsfunktion der Insider vor Fusion
C (q) R I Reaktionsfunktion der Insider nach Fusion
Q NC Outputmenge der Insider vor Fusion
Q C Outputmenge der Insider nach Fusion
q NC Outputmenge der Outsider vor Fusion
q C Outputmenge der Outsider nach Fusion
Π NC Gewinn der Insider vor Fusion ) (q
I
Π C Gewinn der Insider nach Fusion ) (q
I
N Gesamte Anzahl der Unternehmen
M Anzahl der fusionierten Unternehmen
V Gesamtes Marktvolumen
? Substitutionsparameter
p i Preis des Unternehmens i
p j Preis des Unternehmens j
q i Produzierte Menge des Unternehmens i
q j Produzierte Menge des Unternehmens j
q 0 Ursprünglich produzierte Menge aller
Unternehmen
p 0 Ursprünglicher Preis aller Unternehmen
p * Preis der Insider nach Anpassung
r* Preis der Outsider nach Anpassung
c Kosten
2
p 1 Preis der Insider im Zwischenzustand
q 1 Output der Insider im Zwischenzustand
R N-M (p) Reaktionsfunktion der Outsider
R M (r) Reaktionsfunktion der Insider vor Anpassung
R M Reaktionsfunktion der Insider nach ) (r
M
Anpassung
? O (N-M) Gewinn der Outsider nach Anpassung
? C (M) Gewinn der Insider nach Anpassung
R N-M-1 (p) Gewinn der Outsider, falls ein Unternehmen
wegfällt
M+1 (r) R M Gewinn der Insider, falls ein Unternehmen
hinzukommt
p 2 Preis der Insider, wenn ein Unternehmen
hinzukommt
r 2 Preis der Outsider, wenn ein Unternehmen
wegfällt
p k Preis des k-ten Unternehmens
B k Gruppe k der fusionierten Unternehmen
n i Rang n der i-ten Unternehmensgruppe
n i+1 Rang n der (i+1)-ten Unternehmensgruppe
? i Gewinn eines Unternehmens der
Fusionsgruppe B i+1
? i+1 Gewinn eines Unternehmens der
Fusionsgruppe B i+1
3
Abbildungsverzeichnis:
Abbildung 1: Produktionsreaktion nach der Fusion 2
Abbildung 2: Gewinnverschiebung nach der Fusion 3
Abbildung 3: Ursprünglicher Preisanstieg der Insider als Konsequenz auf die Fusion 5
Abbildung 4: Reaktionsfunktionen mit r * und p * als Gleichgewichtspreis 8
Abbildung 5: Reaktionsfunktionen mit r 2 und p 2 als Gleichgewichtspreis 13
4
1. Salant, Switzer, Reynolds: „Losses from Horizontal
Merger: The Effects of an Exogenous Change in
Industry Structure on Cournot-Nash Equilibrium”
1.1 Einleitung
Die Folgen einer horizontalen Fusion werden normalerweise als exogener Wandel in der
Marktstruktur behandelt, der das ursprüngliche Cournotgleichgewicht ersetzt. Von dem neu
entstandenen (fusionierten) Unternehmen wird angenommen, dass es sich wie ein multipler
Cournotspieler in einem unkooperativen Spiel mit den anderen Unternehmen verhält.
In dem Artikel von Salant, Switzer & Reynolds wird untersucht, inwiefern einige exogene
Fusionen die endogenen aggregierten Gewinne der fusionierenden Unternehmen schmälern
werden.
In der Cournotlösung wird angenommen, dass die Outputentscheidung jedes Unternehmens,
gegeben den Outputentscheidungen der anderen Unternehmen, gewinnmaximierend ist.
Für die Kollusion bedeutet dies, dass die fusionierten Unternehmen als jeweils eigenständige
Kartelle betrachtet werden und ihre Entscheidungen für eine Kartellsituation treffen.
Um dazustellen, wie sich die Marktsituation und die Outputentscheidungen der Unternehmen
ändern, wird folgendes Cournotmodell betrachtet, in dem alle Unternehmen unabhängig
handeln. Diese Situation wird mit einem Markt verglichen, in dem ein Teil der Unternehmen
fusioniert. Die fusionierten Unternehmen gelten als „Insider“, die nicht fusionierten und
weiterhin unabhängig handelnden Unternehmen als „Outsider“.
1.1.1 Das Modell
Zuerst betrachten wir das Verhalten der nichtfusionierten Unternehmen, der Outsider. Diese
reagieren auf die gesamte Outputmenge Q der Insider mit ihrer aggregierten
Outputentscheidung R O (Q). Da die Steigung der Reaktionsgeraden R O (Q) negativ ist, wird
eine Mengenreduktion der Insider immer mit einer Mengenausweitung der Outsider
beantwortet.
5
Abbildung 1: Produktionsreaktion nach der Fusion
Da vor der Fusion seitens der Insider kein strategisches Verhalten besteht, wählen die Insider
als aggregierte Outputmenge Q NC und die Outsider als Antwort darauf q NC . Der Schnittpunkt
der beiden Geraden im Punkt A ist das Nashgleichgewicht vor der Fusion.
Nach der Fusion ändert sich das Verhalten der Insider; sie ziehen bei ihrer gewinnoptimalen
Outputentscheidung nun die Kosten in Betracht, welche durch den Output der anderen Insider
entstehen und internalisieren diese durch eine neue Outputmenge Q C (< Q NC ).
Dadurch verschiebt sich die Reaktionskurve der Insider nach unten, das heißt, die Insider
verringern ihre Outputmenge als Antwort für einen gegebenen Output der Outsider und es
C (q) < R I NC (q). gilt: R I
Die Reaktionskurve der Outsider hingegen ändert sich nicht, da es für die Outsider nicht
darauf ankommt, ob der Output der Insider von mehreren (vor Fusion) oder einem
Unternehmen (nach Fusion) geleistet wird.
Die Verschiebung der Reaktionskurve der fusionierten Unternehmen führt zu einem neuen
Schnittpunkt B. Dort produzieren Insider die neue Gleichgewichtsmenge Q C (< Q NC ) und die
Outsider q C (> q NC ).
Π Π C und sind die Gewinne der Insider vor beziehungsweise nach der Fusion. NC ) (q ) (q
I I
Wir nehmen an, dass die Gewinne nach der Fusion höher sind als davor, da die
Insiderunternehmen bei niedrigeren Gewinnen wieder die Outputmenge vor der Fusion
1 . Π Π C wählen würden. Deshalb sollte nach der Fusion gelten: < NC ) (q ) (q
I I
1 Salant, Switzer, Reynolds, 1983, S.189
6
Weil allerdings der Output der Outsider steigt und damit die Gewinne der Insider fallen,
besteht die Möglichkeit, dass die Ausweitung der Outsiderproduktion nach der Fusion die
Gewinne der Insider derart verringert, so dass diese sogar niedriger sind als im
Gleichgewichtsfall vor der Fusion.
Abbildung 2: Gewinnverschiebung nach der Fusion
Π C Dieses Szenario wird in der Abbildung 2 dargestellt; dort sind die Gewinne der Insider ) (q
I
Π nach der Fusion geringer als der Gewinn im Vorfusionsfall. NC ) (q
I
1.2 Zusammenfassung
Fusionen in Märkten mit Mengenwettbewerb können für die Insider eine Minderung des
Gewinns zur Folge haben. Dies mag zuerst überraschend sein, da die Mitglieder der
Fusionsgruppe alle Handlungen duplizieren können, welche die Unternehmen vor der Fusion
vollzogen haben. Da die Insider aber die Outputentscheidungen der anderen
Fusionsmitglieder internalisieren, senken sie ihre Produktion. Aufgrund der fallenden
Nachfragekurve der Outsider kommt es auf der Seite der nicht bei der Fusion beteiligten
Unternehmen zu einer Erhöhung des Outputs. Darum besteht die Möglichkeit, dass die
Ausweitung der Outsiderproduktion nach der Fusion die Gewinne der Insider derart
verringert, so dass diese niedriger sind als im Gleichgewichtsfall vor der Fusion.
Diese Möglichkeit ist allerdings nicht zwingend, der Gewinnzuwachs der Insider kann den
Ausfall durch das Verhalten der Outsider auch kompensieren. 2
2 siehe dazu Salant, Switzer, Reynolds, 1983, S. 192, Schaubild III
7
2 Deneckere, Davidson: „Incentives to Form Coalitions
with Bertrand Competition“
2.1 Einleitung
Generell nimmt die Industrieökonomikliteratur an, dass selbst bei konstanten Skalenerträgen
Fusionen für die teilnehmenden Unternehmen profitabel sind, da sie durch die gewachsene
Marktmacht die terms of trade zu ihren Gunsten drehen können und somit in der Gruppe
höhere Erträge erwirtschaften können als unabhängig operierende Unternehmen in der Lage
sind.
Salant, Switzer, Reynolds wiesen nach, dass bei Mengenwettbewerb die Insider nach der
Fusion durchaus schlechter gestellt sein können als im ursprünglichen Zustand. Allerdings ist
der Preis für die Unternehmen viel eher eine strategische Variable als die Menge.
Dieser Umstand wirkt sich vor allem auf die Reaktionskurve der Outsider aus, die jetzt im
Gegensatz zum Mengenwettbewerb eine positive Steigung erhält. Dadurch wird eine
Preiserhöhung der Insider immer mit einer Preiserhöhung der Outsider beantwortet.
Nachdem alle Unternehmen ihre Anpassungen vollzogen haben, liegen die Preise auf einem
höheren Niveau als im Ausgangspunkt und alle Marktteilnehmer sind besser gestellt.
2.2 Markt mit einer Fusionsgruppe
2.2.1 Das Modell
Angenommen wird ein Markt mit N Unternehmen und differenzierten Gütern. Die
Unternehmen besitzen jeweils die exklusiven Rechte an ihren Produkten und produzieren alle
zu gleichen und konstanten Kosten c. Die Nachfrage q für Unternehmen i wird durch die
symmetrische Nachfragefunktion von Shubik (1980) dargestellt:
V sei das gesamte Volumen des Marktes, p i der Preis für Produkt i, N die gesamte Anzahl der
im Markt existierenden Unternehmen und ? ≥ 0 der Substitutionsparameter. Je höher der Wert
für ?, desto eher sind die Güter substituierbar.
Der Gleichgewichtspreis p 0 vor der Fusion ergibt sich über die Gewinngleichung für ein
beliebiges Unternehmen i unter der Annahme c = 0:
8
( ) ( ) ( )
Da im Gleichgewicht alle Preise identisch sind, gilt: p j = p i = p 0
Nach der Fusion von M < N Firmen entsteht ein neues Gleichgewicht (p 1 , q 1 ), welches das
bisherige Preis-Mengen-Gleichgewicht (p 0 , q 0 ) ablöst:
Abbildung 3: Ursprünglicher Preisanstieg der Insider als Konsequenz auf die Fusion
Die Gerade dd’ beschreibt die Nachfrage für Produkt i, wenn alle anderen Unternehmen den
selben Preis p 0 verlangen. Existiert nur eine Firma im Markt, so besitzt diese das Monopol.
9
Dies ist auch der Fall, wenn sich alle Unternehmen zusammenschließen und dann äquivalent
zum Ein-Unternehmens-Fall ein Monopol ausüben können. In beiden Fällen wird die
Nachfrage durch die Gerade DD’ beschrieben. Die Steigung der Gerade d M d M ’ hängt von der
Anzahl der fusionierten Unternehmen ab und erklärt die Nachfrage für die Situation, in der
nur eine bestimmte Anzahl M der Unternehmen sich der Fusion anschließt. Die Gerade d M d M ’
wird steiler, je höher die Anzahl der Insider ist.
Wenn ein Unternehmen vor der Fusion den Preis anhob, so zog es den Einfluss der
Preiserhöhung auf die Nachfrage und damit den Gewinn der anderen Unternehmen bei seiner
Entscheidung nicht in Betracht. Nach der Fusion wird diese Externalität in den Preiswechsel
einbezogen und alle Koalitionäre setzen ihren Preis auf ein höheres Niveau. Deshalb liegt p 1
höher als p 0 . Das Verhalten der Insider gilt für alle beliebigen Preise, die von den Outsidern
verlangt werden.
Um die Auswirkungen der Fusion auf die Preisentscheidungen der Insider und Outsider zu
untersuchen, wird angenommen, dass alle Insider den gleichen Preis p = p 1 = p 2 = ... = p M und
alle Outsider den gleichen Preis r = p M+1 = p M+2 = ... = p N verlangen. Dadurch ergeben sich
drei Reaktionsfunktionen.
2.2.2 Reaktionsfunktion der Outsider
Preis p * sei der Preis, von dem wir erwarten, dass ihn alle Outsider verlangen und p sei der
Preis, den alle Insider verlangen. Die Gewinne für Unternehmen j ergeben sich aus:
Da alle Outsider den gleichen Preis verlangen, gilt: p j = p * = r
10
2.2.3 Reaktionsfunktion der Insider
Die Insider setzen ihre Preise derart, dass ihre aggregierten Gewinne maximal sind. Preis p ’
sei der generelle Preis, der von allen anderen Insidern verlangt wird und r der Preis aller
Outsider. Unternehmen h als Insider setzt dann seinen Preis, um folgende Gewinnfunktion zu
maximieren:
γ
Die erste geschweifte Klammer misst den Gewinn für Unternehmen h, während der zweite
Term den Einfluss, den der Preis des Unternehmens h auf die anderen (M - 1) Insider hat,
einbezieht.
= Π p
h h
M (
γ γ γ
h h
M (
p h h
M (
⇔
Da alle Insider den gleichen Preis haben, gilt: p h = p’ = p
Beide Geraden schneiden sich in p 0 . Um die Preisänderung der Insider zu berechnen, benötigt
man eine dritte Reaktionsfunktion.
2.2.4 Reaktionsfunktion der Insider nach der Fusion
Nach dem Zusammenschluss erhöhen die Insider ihren Preis p und ihre Reaktionskurve auf
M den Outsiderpreis r verschiebt sich von R M nach R M .
2.2.5 Schaubild der Reaktionsfunktionen
Nach dem Zusammenschluss erhöhten die Insider anfänglich ihren Preis von p 0 auf einen
Preis, der die beste Antwort auf den weiterhin von jedem Outsider veranschlagten Preis p 0 ist.
Diese Änderung wird von den Outsidern erwidert, die wiederum ihren Preis erhöhen. Danach
zieht die Fusionsgruppe wieder nach und setzt ihren neuen Preis, bis sich Insider und Outsider
im Gleichgewicht (r * , p * ) befinden.
Abbildung 4: Reaktionsfunktionen mit r * und p * als Gleichgewichtspreis
Die neue Reaktionsfunktion der Insider führt zu einem neuen gewinnoptimalen Preis p * für
die Insider und r * für die Outsider.
2.2.6 Gleichgewichtspreise nach der Fusion
Der neue Gleichgewichtspreis r * ergibt sich aus dem Schaubild im Schnittpunkt der Geraden
M R M (r) und R N-M (p).
M R M (r) einsetzen in R N-M (p):
13
V
V
V
V
V
V
M R N-M (p) einsetzen in R M (r):
Analog zu dem neuen Gleichgewichtspreis der Outsider r * ergibt sich für den neuen
Gleichgewichtspreis p * der Insider folgende Lösung:
Da die Steigung der Reaktionsgeraden 0 < R N-M (p) < 1 ist, liegt der neue Gleichgewichtspreis
p * der Insider höher als r * .
14
2.2.7 Gewinne nach der Fusion
Durch die neuen Preise p * und r * ergeben sich für beide Gruppen die neuen Gewinne ? C (M)
und ? O (N-M). Dazu werden die neuen Gleichgewichtspreise in die Gewinnfunktion, die zur
Berechnung der Reaktionsfunktion verwendet wurde, eingesetzt.
Für den Gewinn ? C (M) der Insider ergibt sich:
Π C
= X
Π C
Π C
Π C
Π C
Π C
Für die verbleibenden (N - M) Outsider ergibt sich der Gewinn ? O (N-M) nach Einsetzen von
r * in die Gewinnfunktion, die zur Berechnung der Nachfragefunktion R N-M (p) verwendet
wurde, analog:
15
Π O (
Π O (
Aus ? C (M) und ? O (N-M) lassen sich zwei Schlussfolgerungen ziehen.
2.2.8 Erstes Theorem: Jede Fusion der Größe 2 ≤ M ≤ N ist für alle
Insider profitabel und Outsider haben die Möglichkeit zum free-ride
Für den Beweis sezieren wir die Preisänderung in zwei Abschnitte. Zuerst erhöhen alle
Outsider ihren Preis von p 0 nach r * - von der gestiegenen Nachfrage profitieren die Insider,
deren Nachfrage steigt. Da der Preis p 0 auch für die Insider nicht mehr gewinnoptimal ist,
setzen die Insider ihren Preis auf p * . Die beiden Preiserhöhungen werden simultan
vorgenommen.
Um zu sehen, warum ein Outsider die Möglichkeit zum free-ride bekommt, betrachtet man
den Zustand vor der Fusion, in dem der Outsider mit einem Insider (N - 2) Mitkonkurrenten
teilt und beide die selben Preise verlangen. Nach der Fusion erhöht sich der Preis der Insider
auf p * > p 0 , während der Preis der Outsider auf r * < p * steigt. Da der Insiderpreis nicht auf
dem individuellen gewinnoptimalen Niveau liegt, der Outsiderpreis hingegen schon, verdient
der Insider weniger als der Outsider.
2.2.9 Zweites Theorem: Fusionen werden profitabler mit der Anzahl der
teilnehmenden Unternehmen
Das Schaubild illustriert das graphische Argument. Falls ein Outsider sich den Insidern
anschließt, so entstehen die neuen Reaktionsfunktionen R N-M-1 (p) für die Outsider und
M+1 (r) für die Insider. Der neue Schnittpunkt (p 2 , r 2 ) liegt über dem alten R M
Gleichgewichtspreis (p * , r * ).
16
Abbildung 5: Reaktionsfunktionen mit r 2 und p 2 als Gleichgewichtspreis
Wiederum lässt sich die Preisänderung in zwei Schritten betrachten. Zuerst folgt ein
zusätzlicher Teilnehmer den Insidern und erhöht seinen Preis von r * nach p * . Danach setzen
die verbliebenen Outsider ihren Preis auf r 2 . Da in diesem Zustand der alte Preis p * für die
Outsider nicht mehr gewinnoptimal ist, müssen sie sich wiederum anpassen und setzen ihren
Preis von p * auf p 2 . Da nach der Anpassung die Preise höher liegen als im vorherigen
Zustand, profitieren alle Unternehmen davon.
2.3 Markt mit mehreren Fusionsgruppen
In diesem Abschnitt wird ein Markt mit mehreren Fusionsgruppen betrachtet. Zuerst wird
untersucht, wie sich Preise und Gewinne in einer bestimmten Fusionsstruktur bilden.
Äquivalent zu dem vorherigen Kapitel verlangen die größere Gruppen wieder höhere Preise,
verdienen aber weniger als die Mitglieder kleinerer Einheiten.
Danach wird bewiesen, dass nach einem Zusammenschluss alle Preise ansteigen und alle
Gruppen von der Fusion profitieren, außer womöglich der kleinsten.
2.3.1 Drittes Theorem: Nach der Fusion veranschlagen größere Gruppen
höhere Preise als kleine Gruppen
In diesem Theorem werden die aus Theorem aufgestellten Behauptungen erweitert. Die
Weiterentwicklung zum vorherigen Modell besteht darin, dass nun nicht nur eine Gruppe von
Insidern sich zusammenschließt, sondern dieser Vorgang k Mal im Markt passiert. Dadurch
17
existieren F = {B 1 , B 2 , ...., B k } Gruppen von Unternehmen, die jeweils die Größe n i besitzen,
wobei die Annahme n
1
≥
n
2
≥
...
≥
n
k
aufgestellt wird, das heißt, die erste Gruppe hat mehr
Mitglieder als die zweite und so weiter und der Preis der größeren Gruppe höher ist als der
Preis der kleineren Gruppe, also dass p
1≥
p
2
≥
...
≥
p
k
für p
i
> p
i+1
falls n
i
> n
i+1
.
Damit die Behauptung stimmt, dass p
i
≥
p
j
falls i > j, muss der umgekehrte Fall, p
i
< p
j
für
i < j auch Bestand haben:
Die Gewinnfunktion für eine beliebige Fusionsgruppe B i ist gegeben durch:
In diesem Fall lässt sich aus den Ungleichungen n i ≥ n j und p i < p j folgern, dass q i < q j gelten
muss. Andererseits ist die Nachfragefunktion von q i als
definiert. Dann müsste für p i < p j auch gelten: q i < q j , das heißt, die Differenz (q i - q j ) muss
negativ sein. Da allerdings gilt:
( )( )
widerspricht dies der Annahme q i < q j und damit stimmt die Behauptung p i ≥ p j falls i > j.
Aus diesem Beweis lässt sich folgender Rückschluss für den Gewinn der Fusionsgruppe
ziehen:
? i sei der Gewinn eines Unternehmens der Fusionsgruppe B i . Dann gilt ? i ≤ ? i+1 (Gleichheit
zwischen ? i und ? i+1 nur für den Fall n i = n i+1 ). Dies bedeutet, dass der Gewinn eines
einzelnen Unternehmens der größeren Fusionsgruppe niedriger ist, als der Gewinn eines
einzelnen Unternehmens der (nächst-) kleineren Gruppe.
Da sich die Gewinnfunktionen der Mitglieder der Gruppen B i und B i+1 nur in zwei Variablen
unterscheiden, nämlich den Preisen, gilt folgender Zusammenhang:
Π > Π = Π ≥ Π ) , ( ) , ( ) , ( ) , ( p p p p p p p p + + + + 1 1 1 1 i i i i i i i i i i i i
Das erste p in der Klammer sei der eigene Preis, das zweite p der Preis der anderen Gruppe.
18
Es ist ersichtlich, dass der Gewinn eines einzelnen Unternehmens dann höher ist, falls es
selber den geringeren Preis p i+1 verlangt und sein Konkurrent den höheren Preis p
beziehungsweise falls der eigene Preis p i und der Preis der Konkurrenz p i+1 beträgt. 3
2.3.2 Viertes Theorem: Falls sich eine größere Gruppe mit einer
kleineren Gruppe zusammenschließt, profitieren alle
Marktteilnehmer davon, außer womöglich die kleinere Gruppe
Falls gilt n
i
> n
j
, wobei k
≠
i, j, dann wirkt eine Fusion von B
i
und B
j
für die nicht beteiligte
Gruppe B k positiv aus, da die Preise im gesamten Markt ansteigen. Daraus ergibt sich
weiterhin, dass p k als Reaktion auf die neuen Preise nicht mehr gewinnoptimal ist.
Für ein Unternehmen B i unterteilt sich die Anpassung des Gewinns in drei Schritte:
1. B j erhöht den Preis von p j auf p i
2. Alle anderen Marktteilnehmer erhöhen ihren Preis
3. Die Gruppe i passt den Preis p i auf die neue Marktstruktur an
Von allen drei Schritten profitieren die Mitglieder der Gruppe B i , allerdings erleidet die
kleinere Gruppe B j zu Anfang Einbußen, da der Gewinn pro Unternehmen sinkt.
In der Tabelle wird ein Markt mit vier Unternehmen dargestellt, die ihren Gewinn mit den
Parametern ? = 1, V = 1 und c = 0 bilden. Die Gewinne in Klammern sind jeweils die
Gewinne einer Fusionsgruppe. Die Erträge wurden mit dem Faktor 1000 multipliziert.
Da die Gewinne am höchsten sind, wenn sich alle Unternehmen zum Monopol
zusammenschließen, müsste man annehmen, dass dies das Ziel aller Unternehmen sei.
Allerdings wird aus dem dritten Theorem und der Tabelle deutlich, dass ein Unternehmen
eher Anreiz hat, die restlichen Unternehmen sich fusionieren zu lassen, um dann als Outsider
einen free-ride zu nehmen. Ein Drang zum Monopol entsteht erst dann, wenn zwei Gruppen à
zwei Unternehmen bestehen.
3 die Gewinnfunktionen der beiden Unternehmen unterscheiden sich nur in p i und p j , daher gilt:
? i+1 (p i , p i ) = ? i (p i , p i )
19
2.4 Zusammenfassung
Der Anreiz zu Fusion in nichtkooperativen Oligopolmärkten entsteht aus zwei maßgeblichen
Gedanken. Zuerst erlaubt eine Fusion den Teilnehmern die negative Externalität des eigenen
Verhaltens auf die Gewinne der anderen abzuschaffen. Diese Externalität tritt sowohl beim
Preis- wie auch beim Mengenwettbewerb auf. Als nächstes entstehen durch den
Zusammenschluss Reaktionen der nichtbeteiligten Unternehmen. Durch die steigende
Reaktionsfunktion im Preiswettbewerb entsteht dadurch ein höherer Preis für die Insider und
damit ein höherer Gewinn als vor der Fusion - somit besteht in diesem Marktumfeld ein
Anreiz zur Kollusion. Welcher der beiden oben genannten Gedanken dominiert, hängt von
dem Substitutionsparameter ? und der Steigung der Grenzkostenkurve ab.
Modelle mit Preiswettbewerb scheinen die organisatorischen Pläne der Unternehmen ziemlich
genau zu beschreiben. Unter bestimmten realistischen Vorraussetzungen in der Nachfrage
sind Fusionen immer von Vorteil für die Mitglieder und der Nutzen steigt mit deren Anzahl.
Durch die entstandene Konzentration von Unternehmen ergeben sich große positive
Externalitäten für die verbleibenden Unternehmen, so dass kleinere Gruppen mit einer
geringeren Vielfalt an Produkten mehr Gewinn erwirtschaften als größere Gruppen.
20
Literaturverzeichnis:
Salant, S.W., Switzer, S., Reynolds, R.J. (1983): Losses From Horizontal Merger: The Effects
of an Exogenous Change in Industry Structure on Cournot-Nash Equilibrium. Quarterly
Journal of Economics 98, 185 - 199.
Deneckere, R., Davidson, C. (1985): Incentives to Form Coalitions with Bertrand
Competition.. Rand Journal of Economics 16, 473 - 486.
21
Arbeit zitieren:
Thomas Deisenberger, 2002, Marktmacht- und Effizienzeffekte als Fusionsmotive, München, GRIN Verlag GmbH
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