Die 95 reichsten Deutschen besitzen so viel wie 17,5 Millionen Haushalte mit insgesamt 41 Millionen Menschen. [1]
Diese Studie zeigt gleich am Anfang zusammengefasst wie das Vermö gen, und damit zwangsläufig auch der soziale Status, in der BRD verteilt ist. Sie wurde zwar schon `92 verö ffentlicht, zeigt aber eindrucksvoller als reine Zahlen was der Kernpunkt der sozialen Probleme ist. Das Vermö gen hat sich in den letzten 10 Jahren sowieso mehr in Richtung der Wohlhabenden verschoben, wie diese Statistik von Rolf Mü nster zeigt: Zwischen 1980 und 1998 ist die Verteilung des Volkseinkommens um rund 10 Prozentpunkte zugunsten der Gewinneinkommen und zu Lasten der Arbeits- und Sozialeinkommen verschoben worden, das sind rund 200 Mrd. DM jä hrlich. [2] Das bedeutet das zwischen 1980 und 1990 das Einkommen aus Vermö gen (Dividenden, Zinsen, etc.) um 10% gestiegen - auf Kosten der Erträge aus dem „ normalen“ Lohn. Die Vermö genden werden demnach immer reicher, die sozial Schwächeren zwar nicht unbedingt immer ärmer, aber sicher auch nicht reicher, da jene meist kein Vermö gen haben aus dem sie Einkü nfte erzielen kö nnten. Schon hier sieht man das die Verteilung des Vermö gens in der BRD nicht vollkommen gerecht sein kann: Die Kluft zwischen „ arm und reich“ scheint größer zu werden. Die aktuelle Verteilung im Detail (Geldvermö gen und Immobilienbesitz) zeigt diese Statistik vom Statistischen Bundesamt: 5% der Haushalte besitzen 45% des Privaten (netto) Geldvermögens. [3] 50% der Haushalte besitzen 5% des Privaten (netto) Geldvermögens. [3] 5% der Haushalte besitzen 32% des Privaten Immobilienbesitzes. [3] 51% der Haushalte besitzen nichts vom Privaten Immobilienbesitz. [3]
[1]Forbes 1992, im isw w&gd Nr. 4
[2]www.barkhof.uni-bremen.de/kua/memo/, Ausgewählte Thesen zur Sozialen Gerechtigkeit, Rolf Mü nster
[3]Geldvermö gen: Statistisches Bundesamt (EVS), DIW, isw; Immobilienbesitz: DIW
Die PISA-Studie zeigt neben dem katastrophalen Abschneiden des deutschen Bildungssystems ein weiters Problem: In keinem anderen Land ist das voraussichtlich erreichte Bildungsniveau am Ende seine schulischen Laufbahn, schon so klar an den Eltern abzusehen: Vermö gende Eltern kö nnen sich Nachhilfe leisten oder fö rdern eher ihre Kinder bei den Haussaufgaben und beim Lernen. Die Eltern in sozial schwächeren Familien haben oft sehr wenig Zeit fü r ihre Kinder, meist durch 2 Vollzeit Jobs bedingt, mit der Folge des schulischen Versagens.
Eine weitere Bestätigung dieser Theorie zeigt die jü ngste Studie des Institut fü r Jugendforschung in Mü nchen (IJF), die erst am Mittwoch verö ffentlicht wurde: Es zeichnet sich ein Trend hin zur „ Zweiklassengesellschaft bei der Internetnutzung“ ab: Etwa 59% der Hauptschü ler und Hauptschulabsolventen gaben an das Internet gar nicht zu nutzen, bei den Gymnasiasten waren es nur 25%.
Aus diesen Grü nden ist es fü r viele schwierig, wenn auch gar unmö glich eine besser bezahlte Anstellung zu finden, gerade bei Lehrberufen gibt es Dumpinglö hne und viel Arbeitslosigkeit.[4][5]
Der soziale „ Aufstieg“ ist somit schwierig, der soziale Abstieg weniger: Seit 1960 hat sich die Zahl der Sozialhilfeempfänger verfü nffacht. Die Ursachen sind Arbeitslosigkeit und zeitweilige oder dauerhafte Verdienste im Niedrigeinkommensbereich. Die Sozialhilfe wird immer mehr zum Auffangbecken fü r das gesellschaftliche Problem der Arbeitslosigkeit - das hierfü r benö tigte Geld muss an anderen Stellen gespart werden - ein Teufelskreis dessen Lö sung noch nicht schwierig scheint.[6]
[4]Institut fü r Jugendforschung in Mü nchen (IJF)
[5]Der Spiegel 50/2001
[6]www.barkhof.uni-bremen.de/kua/memo/, Ausgewählte Thesen zur Sozialen Gerechtigkeit, Rolf Mü nster
Meiner Meinung nach kann bei solchen Fakten nicht von einer absolut gerechten Verteilung des sozialen Status gesprochen werden - die Kluft zwischen arm und reich wird immer größer und im Moment ist kein Ende in Sicht. Niemand verlangt das, wie im Kommunismus, alle Menschen den absolut gleichen sozialen Status haben, nur sollte die Kluft innerhalb der Bevö lkerung kleiner werden und eine Zweiklassengesellschaft mö glichst vermieden werden, denn eine solche wäre kontraproduktiv fü r die Wirtschaft und das Sozialsystem. Die Regierung ist gefordert. Wir sollten diese Fakten allerdings auch nicht ü berbewerten: Den meisten Deutschen geht es gut besonders wenn man sich die Verteilung in anderen Ländern anschaut, in denen es 100 Reiche und 10 Millionen wirklich arme Menschen gibt. Noch sind wir eins der sozial fü hrenden Länder, und im Moment muss (fast) niemand hier in wirklicher Armut leben.
MÖ GLICHE LÖ SUNGEN
Theoretisch ist die soziale Ungleichheit lö sbar, praktisch wird das aber ein sehr schwierig Spagat fü r die Regierung der BRD: die Vermö genden werden kaum auf ihr Vermö gen oder Teilen davon verzichten um die Kluft zwischen „ arm und reich“ zu schließen. Der radikale Versuch des Kommunismus ging auch nicht auf: „ Alle Tiere [Menschen] sind gleich - nur einige sind gleicher als die anderen“ [7] d.h. am Ende scheitert es immer bei denen die Geld haben und nicht „ fü r eine bessere Welt“ darauf verzichten wollen - was auch irgendwie verständlich ist. Die Bundesregierung hat dennoch einige Mittel um wenigsten die Kluft zu verkleinern und das Vermö gen besser zu verteilen. Trotzdem dü rfte sich die Umsetzung der unten angesprochenen Punkte als schwieriger erweisen als es scheint, wie man an den Versprechungen und dem Erfolg der Bundesregierung zum Thema Senkung der Arbeitslosigkeit sehen kann - ein Unternehmen wie das deutliche Verringern der sozialen Kluft kö nnte sich als unmö glich erweisen.
è Die Bemü hung der Bundesregierung seit mehr als 20 Jahren ist vor allem eine starke Wachstumspolitik, die Konjunktur soll der Garant fü r soziale Gerechtigkeit sein. Das dies keine wirkliche Lö sung ist, zeigt die Entwicklung der Sozialhilfeempfänger während der letzten größeren Konjunktur zwischen 1984 und 1989: Die Zahl der Hö herverdienenden (ü ber 100.000DM p.a.) nahm zwar um 100% zu, die Anzahl der Sozialhilfeempfänger allerdings auch um 50%. Wachstumspolitik kann also kein alleiniges Mittel gegen soziale Ungleichheit sein. [8]
è Soziale Gerechtigkeit braucht Vollbeschäftigung, Arbeitslosigkeit schließt Menschen vom Wohlstand aus. Nur Vollbeschäftigung mit geregeltem Einkommen sichert den Menschen soziale, kulturelle und materielle Wachstumsmö glichkeiten und ist eine wesentliche Vorraussetzung fü r mehr soziale Gerechtigkeit. [9]
[7]George Orwell, Farm der Tiere - Animal Farm „ All Animals are equal ...”
[8]www.barkhof.uni-bremen.de/kua/memo/, Ausgewählte Thesen zur Sozialen Gerechtigkeit, Rolf Mü nste)
è Die Haushaltspolitik muss in Zeiten von Wachstumsschwächen versuchen den Export und die Konjunktur zu fö rdern um Entlassungen entgegenzuwirken.
è Unternehmen und Vermö gen sind nur noch an 17% der Steuern beteiligt. Dem sollte mit hö herer Vermö gens- und Unternehmenssteuern entgegengewirkt werden. Aktiengewinne und Erbschaften sollten hö herer bzw. ü berhaupt versteuert werden.[9]
è Verbesserung der Infrastruktur um auch Beschäftigung außerhalb der Region zu ermö glichen. Besonders flächendeckende Versorgung und faire Preise sollte es geben.
è Lohnpolitik muss Dumpinglö hne und kontraproduktive Lohnverträge verhindern. Es muss fü r stabile Lö hne gesorgt werden um langfristige Vermö gensplanung zu ermö glichen.
è Angleichung von Ost und West: Im Osten mü ssen die Lö hne langsam aber sicher an das westliche Niveau angehoben werden, besonders bei Frauen herrschen noch große Unterschiede.
è Dagegen muss auch versucht werden regionale Unternehmen zu fö rdern und zu erhalten, um dem Trend zu „ Mega-Unternhemen“ entgegenzuwirken. Besonders diese kö nnen nämlich ihre Produkte im Niedrigpreissegment ansiedeln und so die kleinen und mittelständischen Unternehmen vom Markt drängen. Die Bundesregierung muss auch Fusionen zwischen Großunternehmen genau kontrollieren, um den kleineren Unternehmen nicht die Chancen zu nehmen.
è Reform des Bildungssystem: Es muss fü r jeden gleiche Chancen geben, es kann nicht sein das der soziale Status der Eltern ü ber die eigene Zukunft entscheidet. Jeder sollte Zugang zum Internet haben und vor allem wissen wie man es nutzt. Ganztagesschulen wie in anderen Ländern mit Hausaufgabenbetreuung etc. wäre ebenfalls eine wichtige und sinnvolle Mö glichkeit.
Karl Georg Zinn
Wie man sieht hat die Bundesregierung einige Mö glichkeiten um dem Trend entgegenzuwirken, die soziale Ungleichheit kann man allerdings niemals ganz verhindern - einZiel was meiner Meinung nach auch nicht sehr sinnvoll ist: Man muss schließlich den Wettbewerb fö rdern und auch das Individuum, mit Erfolg und Misserfolg, darf nicht vergessen werden. Der Kommunismus ist mehr als einmal gescheitert - und das nicht ohne Grund. Ich halte nur fü r wichtig das wirklich jeder die gleichen Chancen bekommt. Michael Merker, im Dezember 2001.
Arbeit zitieren:
Michael Merker, 2001, Soziale Gerechtigkeit in der BRD, München, GRIN Verlag GmbH
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