Jean- Baptiste Lamarck (1744- 1829) ☺ 1809 „Philosophie zoologique“:
o Zunahme an Perfektion von einfachen Tieren bis zu Menschen
o erstaunliche Vielfalt der Organismen
o Arten transformieren allmählich in andere: Voraussetzung: Umwelt und Organismus verändern sich, dies war schon immer so.
Abstammungslinien können sich spalten.
o Schwäche: Ging davon aus, dass Individuen auf Umwelt reagieren, aber nicht, wie neue, angeeignete Eigenschaften vererbt werden können. Von Lamarck zu Darwin
☺ Versuch, Geologie mit Schöpfungsgeschichte in Verbindung zu bringen. ☺ Man stimmte überein, dass bei Fossilien keine menschlichen Überreste seien. ☺ Es gab Hinweise auf eine große Sintflut, aber da bei Fossilien viele Veränderungen gefunden worden waren, müsste es eigentlich mehrere Fluten gegeben haben.
☺ 1830 Charles Lyell „Prinzipien der Geologie“: geologische Vorgänge als Ergebnis sekundärer Ursachen und nicht übernatürlicher Einflüsse. ☺ 1844: „ Die Spur der Naturgeschichte der Arten“:
- Wirkung der Gesetze, die der Schöpfer hervorgerufen hat.
- Fragte sich, ob alles durch das Wirken gewöhnlicher Kräfte erklärbar sei.
- Rudimentäre Organe als Produkt der Evolution
- Fehler: Er glaubte an Spontanerzeugung
gewöhnte Menschen an Idee der Evolution, beantwortete theologische Fragestellung profan.
☺ Louis Pasteur (1822-1895) machte Versuche, die gegen die Urzeugung sprachen.
Darwin
Lebenslauf Teil 1:
- Geboren am 12. Februar 1809 als fünftes von sechs Kindern.
- Großvater hatte schon Evolutionstheorie entwickelt
- Darwin wurde im Frühjahr 1817 eingeschult, kam bald darauf in ein humanistisches Internat. Er interessierte sich aber nicht für Sprachen, sondern für die an der Schule weniger stark vertretenen Fächer Mathematik und Naturwissenschaften. Er ist ein Träumer und Einzelgänger, hat eine Vorliebe fürs Schießen und baut sich zu Hause ein Laboratorium.
- Sein Vater nimmt ihn schließlich von der Schule und lässt ihn in Edinburgh Medizin studieren (1825). Auch dies langweilt Darwin, er entdeckt nebenbei die Biologie, bekommt erste Anerkennung, bricht das Medizinstudium zugunsten eines Theologiestudiums in Cambridge ab. Er ist nicht sicher, ob er zum Priester berufen ist, wählt aber das Studium, da er als Geistlicher Zeit für Forschung und Jagd hat. Das Studium macht ihm Spaß, da dort auch Algebra, Geometrie und Botanik gelehrt werden. Außerdem macht Darwin Musik, malt und sammelt Käfer.
- Bleibt nach Abschluss des Studiums noch zwei Semester in Cambridge und nutzt diese Zeit für Exkursionen und Lektüre. Danach will er geologische und biologische Studien auf Teneriffa machen.
- Er bekommt von einem Freund das Angebot, mit auf eine Exkursion nach Feuerland zu kommen.
- Während der Wartezeit auf die Exkursion wird seine psychosomatische Störung deutlich: hysteroide und depressive Phasen, Hypochondrie
- An Bord (Dezember 1831) geht es ihm besser, er findet Freunde und ist von Südamerika begeistert.
Er macht biologische und geologische Beobachtungen, erlebt die Umgebung aber auch emotional, ist überwältigt.
- Im September 1835 erreicht er die Galapagos- Inseln. Hier macht er maßgebende Beobachtungen an Vogelarten (bes. Finken):
Tiere sind optimal an den Lebensraum angepasst, alle Arten sind durch Stadien des Übergangs verbunden.
Frage: Hat Gott wirklich jede Art einzeln geschaffen?
- Gegen Ende der Reise bekommt Darwin Heimweh, am 02.10.1836 ist er schließlich wieder in England. Auf der Reise sind aufgrund der Beobachtung der Sklaverei erste Zweifel am Christentum aufgetreten.
- Darwin siedelt für fünf Jahre nach London, freundet sich hier mit Lyell an, der Aktualitätsprinzip entwickelt hatte: Kräfte auf der Erde wirken seit jeher. Darwin wird Sekretär der Geologischen Gesellschaft, sein einziger fester Beruf.
- In dieser Zeit beginnt er mit ersten Notizen für sein Werk „Über die Entstehung der Arten“, das 21 Jahre später erscheinen wird. Außerdem kommt es im Laufe der Zeit zu einer geistigen Neuorientierung seinerseits: Er zweifelt zwar nicht an der Existenz Gottes, aber an der Historizität der Bibel. Weiterhin fragt er sich, ob der Realitätsgehalt der christlichen Lehre höher ist, als der anderer Lehren. An der christlichen Lehre findet er besonders die mögliche ewige Bestrafung der Sünden grausam.
Darwin glaubt nur noch aus Vernunft an Gott, weil er nicht glaubt, dass die Welt ein Zufall ist. Zauber und Überwältigtsein ist verschwunden. kritische Distanz
- In London treten psychosomatische Leiden wieder auf, er heiratet am 29.01.1839 aus „gesundheitlichen Gründen“.
- Bald darauf zieht er sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurück un bezieht mit 32 Jahren 1842 seinen „Alterssitz“. Hier entstehen die ersten systematischen Aufzeichnungen über seine Theorie.
- 1844 liegt der erste Entwurf seines Werkes vor. Er setzt 400 Pfund für Publikation aus, falls er Frühzeitig sterbe. Zur gleichen Zeit:
Die Zeit war offen für neue Gedanken, so dass Darwin nicht der einzige war, der eine Evolutionstheorie entwickelte:
Alfred Russell Wallace stammte aus armen Verhältnissen, sparte für seine Reisen und stellte auf den malaiischen Inseln die Theorie des Artenwandels über die Selektion der Tüchtigsten auf. 1855 erscheint sein erster Artikel darüber, Darwin stimmt ihm in
einem Brief zu - nicht ohne anzudeuten, dass er diese Gedanken schon seit 20 Jahren verfolgt.
1858 schreibt Wallace in einem anderen Artikel vom „Kampf ums Dasein“:
- Theorie der Überproduktion
- Überleben der tüchtigsten Varianten
- Verwirft im Gegensatz zu Darwin Lamarcks Theorie
- Benutzt nur den Begriff „Zuchtwahl“ nicht. Den Aufsatz schickt Wallace vor der Publikation zu Darwin. Lebenslauf Teil 2:
Darwin fertigt einen Auszug seines Manuskriptes an und schickt ihn zusammen mit Aufsatz von Wallace zur Veröffentlichung.
Wallace verzichtet auf seinen Prioritätsanspruch. Trotzdem kürzt Darwin sein Manuskript, so dass „ On the Origin of Species by means of Natural Selection, on the Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life“ 1859 erscheinen kann.
Das Buch wird zum meistgelesenen Werk seines Jahrhunderts. Es revolutioniert das wissenschaftliche und weltbildliche Denken.
- Am 30. Juli 1860 findet eine Sitzung der „British Association fort he Advancement of Science“ statt, an der Darwin wegen Krankheit nicht teilnimmt. Anwesens sind bei der Konferenz Bischof Samuel Wiberforce und Thomas Henry Huxley, der sich zu Darwins Theorien bekennt. Die Auseinandersetzung wird paradigmatisch für die nächsten 90 Jahre als Auseinandersetzung mit dem Darwinismus zwischen Theologen und Biologen. Dies geschieht nicht zuletzt durch die übertriebene Überlieferung, die die Auseinandersetzung zu einer Art Legende werden ließ:
Wilberforce hat der Legende nach eine lächerliche Rede gehalten, an deren Ende er die Frage gestellt hat, ob Huxley lieber einen begabten Mann oder einen Affen zum Großvater habe. Huxleys Antwort war, dass er lieber einen Affen als einen
begabten Menn der wissenschaftliche Diskussion ins Lächerliche ziehe zum Großvater haben wolle.
Der Legende widersprechen allerdings Aussagen, nach denen Wiberforce eine ausführliche Besprechung zu Darwins Werk abgeliefert habe, woraufhin Darwin sogar einige Änderungen veranlasste.
- 1871 veröffentlich Darwin ein Buch zur Enstehung des Menschen
- 1872 schreibt er eine weitere Arbeit mit vielen Beobachtungen: Nicht nur Gestalt, sondern auch Verhalten zeigt tierische Herkunft des Menschen. Hier wird allerdings klar, dass Darwin selbst kaum Darwinist ist. Er geht immer noch davon aus, dass z.B. ein Fohlen antrainierte Gangarten von seinen Eltern erbt.
- Im Dezember 1881 bricht Darwin auf offener Sraße zusammen. Nach weiteren Anfällen stirbt er am 19.04.1882 Darwins wichtigste Grundsätze
- Natürliche Zuchtwahl als wichtigstes, aber nicht einziges Mittel der Artenentstehung
- Änderungen zufällig und nicht immer stabil.
- Nachkommen weichen trotz Ähnlichkeit zu Eltern immer etwas ab. Diese Abweichungen könnten dann erblich sein.
- Die Lebenstüchtigsten bestehen im Kampf ums Dasein.
- Hohe Nachkommenzahl wird erzeugt, Zahl der Individuen bleibt aber meist gleich. Dies geschieht durch Kampf um Wohnort, Nahrung, Sexualpartner usw.
- Häufung günstiger Eigenschaften kann, wenn sie vererbt wird, zu neuer Art führen, wenn sie von Verwandten durch räumliche Gegebenheiten, anderes Verhalten oder andere Paarungszeiten usw. getrennt weitervererbt wird. Evolution ist nicht teleologisch. Sie dient nur der möglichst optimalen Nutzung der aktuellen ökologischen Situation.
(Kirchliche) Reaktionen auf Darwin
Zunächst muss man sagen, dass die zunehmende Kenntnis der Welt Hintergrund für Darwins Arbeit war. Der Sturm, der der Publikation der „Entstehung der Arten“ folgte, legte sich bis 1870.
Weder Darwin noch andere Forscher wurden von vornherein durch antireligiöse Ideale motiviert.
☺ 1882 wurde Darwin in der Westminster- Abtei beerdigt. ☺ Den Segen der Kirche bekam er z.B. durch Frederick Temple, später Erzbischof von Canterbury, der Vorlesungen über das Verhältnis Religion - Wissenschaft hielt:
Darwin unterstützte den Gedanken, aus der Gestalt auf die Existenz Gottes zu schließen. Gott hat gemacht, dass sich die Dinge selbst machen. ☺ In den USA wurden Darwins Ideen auch von bekennenden Christen wie z.B. Asa Grey fair erörtert und verbreitet.
☺ Darwins Arbeit fiel in eine Zeit, in der es viele Auseinandersetzungen gab. Es war die Zeit der radikalen Bibelkritik, der Abwendung der Arbeiterklasse von der Kirche und der Trennung von wissenschaftlicher Autorität und christlicher Gelehrsamkeit.
☺ Huxley wollte Autorität der Kirche untergraben Literatur
Berry, „Adam und der Affe. Gott, die Bibel und die Evolution.“, Dortmund 1989, S.29-58
Lay, R., „Die Ketzer - von Roger Bacon bis Teilhard“, Frankfurt / Berlin 1992, S.104-144
Kropac, U., „Naturwissenschaft und Theologie im Dialog“, Münster / Hamburg / London 1999, S.5-8
McGrath, A.E.; „Naturwissenschaft und Religion“, Freiburg 2001, S.35-40
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Silke Schwartkopp, 2002, Zusammenbruch des mittelalterlichen Weltbildes - Darwin, Evolution und Darwinismus, München, GRIN Verlag GmbH
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