2
Inhaltsverzeichnis a
1. DIE URSPRÜNGLICHE PHILLIPS-KURVE 3
1.1 DIE EMPIRISCHE STUDIE VON A. W. PHILLIPS 3
1.2 DIE THEORETISCHE BEGRÜNDUNG DER PHILLIPS-KURVE 5
2. DIE MODIFIZIERTE PHILLIPS-KURVE 6
2.1 DIE MODIFIZIERUNG VON P.A. SAMUELSON UND R.M. SOLOW 7
2.2 DIE "SPEISEKARTENTHEORIE" 8
3. STAGFLATION: DIE MODIFIZIERTE PHILLIPS-KURVE 9
3.1 DIE ERWEITERUNG DURCH E.S PHELPS UND M. FRIEDMAN 9
4. DIE ROLLE DER ERWARTUNGSHALTUNG 10
4.1 DIE EXTRAPOLATIVE ERWARTUNGSBILDUNG 10
4.2 DIE ADAPTIVE ERWARTUNGSBILDUNG 12
4.2
KURZ UND LANGFRISTIGER TRADE OFF
BEI AUTOREGRESSIVEN ERWARTUNGEN 13
4.3 DIE RATIONALE ERWARTUNGSBILDUNG 14
4.4 KURZ UND LANGFRISTIGER TRADE OFF
BEI RATIONALEN ERWARTUNGEN 15
5. DIE MODERNE PHILLIPS-KURVE 16
5.1 DER ANGEBOTSSCHOCK 17
6 ABSCHLIEßENDE BEMERKUNGEN ZUR PHILLIPS-KURVE. 17
LITERATURVERZEICHNIS: 18
3
1. Die ursprüngliche Phillips-Kurve
Dieses Kapitel befaßt sich mit der Studie von A. W. Phillips und den daraus resultierenden Ergebnissen. Außerdem wird der Verlauf der Phillips-Kurve durch weitere Überlegungen theoretisch fundamentiert.
1.1 Die empirische Studie von A. W. Phillips
Im Jahre 1958 veröffentlichte der an der London School of Economics lehrende Neuseeländer A. W. Phillips, seine empirische Untersuchung über die Beziehung zwischen Arbeitslosenquote und der Lohnsteigerungsrate. Phillips wertete hierbei Daten aus den Jahren 1861 bis 1957 für Großbritannien aus und veranschaulichte seine Ergebnisse unter anderem in Koordinatensytemen, welche die inverse, nicht-lineare Beziehung der Indikatoren stark veranschaulichten. 1 Obwohl den Ökonomen die negative Korrelation zwischen der Arbeitslosenquote und den Wachstumsraten der Nominallöhnen bekannt war, 2 inspirierte sie die ökonomische Forschung so, daß mehrere modifizierte Versionen der Phillips-Kurve entstanden.
Für den Erfolg und der Popularität der Untersuchung von Phillips gib es nach K. W. Rothschild insbesondere drei Gründe. 3 Der wohl stärkste Grund ist die wirtschaftspolitische Bedeutung im Konflikt zwischen Vollbeschäftigung und Preisniveaustabilität. Weiterhin glaubte Rothschild, daß man mit der Phillips-Kurve eine feste Konstante der Wirtschaftstheorie gefunden habe. Ebenfalls ist die Intensität und damit die Langfristigkeit des Betrachtungszeitraumes ein Faktor. Schließlich enthält die Studie empirische Daten von annähernd einhundert Jahren mit verschiedenen Konjunkturverläufen.
Durch die graphische Darstellung seiner Arbeit etablierte sich der Begriff "Phillips-Kurve". Die folgende Abbildung 1 zeigt die typische "ursprüngliche Phillips-Kurve" mit den Daten aus den Jahren 1948 - 1957 für Großbritannien:.
1 Vgl. A.W Phillips, The Relation between Unemployment and the Rate of Change of Money
Wage Rates in the United Kingdom, 1861 - 1957, in: Economica, 1958, S. 283 - 299.
2 Eine der ersten Studien ist die von Fischer Vgl. I. Fischer, A Statistical Relation Between U- and Prices Changes, International Labor Review Juni 1926
3 Vgl. K. W. Rothschild, Die Phillips-Kurven-Diskussion, in: Löhne, Preise, Beschäftigung,
Frankfurt 1974, S. 19 - 20
Abbildung 1: Die ursprüngliche Phillips-Kurve 1948 - 1957 (R. Dornbusch / S. Fischer,
Makroökonomik, S. 491.)
Die Unregelmäßigkeiten der Jahre 1949 und 1951 erklärte Phillips unter anderem durch den Einfluß von exogene Umständen, wie Importpreissteigerungen oder Anpassungsverzögerungen. Seine Hypothese sah er grundsätzlich bestätigt, daß während des Betrachtungszeitraum "...the Rate of Change of monye wage rates cab be explained by the level of unemplyment and the rate of change of unemployment" 4 .
In Abbildung 1 ist zuerkennen, das es sich bei der ursprünglichen Phillips-Kurve, um eine hyperbelförmigen Funktion mit negativen Verlauf handelt. In dieser Funktion ist ein geringe Arbeitslosenquote mit einer hohen Lohnsteigerung und dementsprechend ein hohe Arbeitslosenquote mit geringer Lohnsteigerung verbunden. Folglich existiert eine inverse Beziehung zwischen der Arbeits-
4 Vgl.
Wage Rates in the United Kingdom, 1861 - 1957, in: Economica, 1958, S. 283 - 299.
5
losenquote und der Änderungsrate der Geldlöhne. Dieser Zielkonflikt zwischen Arbeitslosigkeit und Lohnentwicklung wird auch "trade off" genannt.
Mathematisch war die ursprüngliche Phillips-Kurve wie folgt spezifiziert: 5
− = konstant ˆ bU w
Die Wachstumsrate der Nominallöhne w ˆ ist in Abhängigkeit der Variable U die der Arbeitslosigkeit entspricht, wobei b ein Koeffizient ist der die Reaktion des Norminallohns auf die laufenden Arbeitslosenquote bestimmt.
1.2 Die theoretische Begründung der Phillips-Kurve
Leider hatte "... Phillips selbst über den theoretischen Hintergrund des von ihm gefundenen Zusammenhangs nicht viel zu sagen" 6 und überlies die Interpretation seiner Arbeit anderen. 1960 lieferte R.G. Lipsey ein theoretisches Fundament zur Phillips-Kurve in Form einer Studie. 7
Danach kann die ursprüngliche Phillips-Kurve aus dem klassischen Gesetz von Angebot und Nachfrage abgeleitet werden. Kernpunkt dieser Überlegung ist ein normal verlaufendes Angebots/Nachfragemodell in Abhängigkeit vom Nominallohn. 8 Im Schnittpunkt beider Kurven herrscht nicht, wie man annehmen könnte, eine Arbeitslosigkeit von Null, sondern eine normale Arbeitslosenquote, die sich auf friktionelle und strukturelle Unterbeschäftigung bezieht, wobei die Anzahl der offenen Stellen gleich der Zahl der Arbeitsuchenden ist. 9 Verlagert sich, z.B. aufgrund von höheren Absatzerwartungen, die Nachfragefunktion in diesem Modell nach rechts, entsteht bei bestehendem Nominallohn ein Nachfrageüberschuß. Die Konsequenz aus dem Gesetzt von Angebot und
5 Vlg. J. D. Sachs / B. Larrain, Makroökonomik in globaler Sicht, Oldenburg 1995, S. 586
6 Vgl. O. Landmann./ J. Jerger, Beschäftigungstheorie, S. 88
7 Vgl. R. G. Lipsey, The Relation between Unemployment and the Rate of Change of Money
Wage Rates in the United Kingdom, in: Economica Vol. 27, 1960, S. 1-31.
8 D.h. steigender Nominallohn bei Nachfrageüberhang - Überbeschäftigung (Nachfrage > Ange- und sinkender Nominallohn bei Angebotsüberhang - Unterbeschäftigung (Angebot > Nach-
9 Vlg. E. M. Claassen, Grundlagen der Makroökonomischen Theorie, München 1980, S 282
6
Nachfrage ist nun ein steigender Nominallohn. So verbindet sich eine geringere Arbeitslosenquote mit Lohnsteigerungen, wie es Phillips Studie ebenfalls zeigt. Lipsey betont jedoch, daß die Beziehung zwischen Arbeitslosenrate und Lohnsatzänderungen im Falle eines Nachfrageüberschusses nicht linear sei, da der Wechsel des Arbeitsplatzes und/oder der Eintritt in den Arbeitsmarkt, z.B. nach vollendetem Studium, je nach Anzahl der offenen Stellen einen entsprechenden Zeitbedarf beansprucht. 10
Eine weitere theoretische Begründung für den Verlauf der Phillips-Kurve ist die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften. In Zeiten starker Beschäftigung können sie, aufgrund der Knappheit des Faktors Arbeit, höhere Löhne erzielen. Das hat zur Folge, daß sich die Kosten der Lohnsteigerungen aufgrund von starker Beschäftigung in steigenden Preisen widerspiegelt. Dagegen ist der Einfluß der Gewerkschaften in rezessiven Phasen gering. Auch handeln Gewerkschaften nicht immer eigennützig. So gab es in Deutschland in den 90ern Jahren oftmals nur ein Inflationsausgleich als Tarifabschluß um die angespannte wirtschaftliche Lage nicht zu verschlechtern und die Preisstabilität zu wahren. Die Phillips-Kurve läßt sich also nicht nur empirisch, sondern durchaus auch theoretisch begründen.
2. Die modifizierte Phillips-Kurve
Die Existenz einer stabilen Phillips-Kurve stellt einen wirtschaftspolitischen trade off da, insofern als eine tiefere Arbeitslosenrate durch eine höhere Lohnänderungsrate erkauft werden kann. Der wirtschaftspolitisch interessantere trade off ist aber derjenige zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit. Auf dieser Überlegung basierend, entstand die Modifizierung der Phillips-Kurve, auf der in dem folgenden Kapitel näher eingegangen wird.
10 Vgl. R. G. Lipsey, The Relation between Unemployment and the Rate of Change of Money
Wage Rates in the United Kingdom, S. 1-31.
7
2.1 Die Modifizierung von P.A. Samuelson und R.M. Solow Die Ökonomen P.A. Samuelson und R.M. Solow ersetzten bei der Phillips-Kurve ".... aufgrund der engen statistischen Korrelation von Nominallohnveränderungen und Inflation die abhängige Variable Nomimallohnveränderung durch die Inflationsrate". 11 Diese modifizierte Form ist in Abbildung 2 dargestellt.
Abbildung 2: Die modifizierte Phillips-Kurve (W. Patzig, Stagflation und Phillips-Kurve,
S.212)
Samuelson und Solow gingen bei dieser graphischen Darstellung davon aus, das es einen 2,5 %igen Produktivitätsanstieg gab, den sie einfach von der Lohnsteigerungsrate subtrahierten. Diese Verschiebung wird in der rechten Ordinate dargestellt. Die ursprüngliche Phillips-Kurve geht also in die modifizierte Kurve über, indem von jedem Ordinatenwert, die jeweilige Änderungsrate der Arbeitsproduktivität subtrahiert wird. Es entsteht ein neuer Zusammenhang zwischen Inflationsrate und Arbeitslosenquote. Der Übergang zur Lohninflation ist allerdings nicht fundamental, weil Preisinflation und Lohninflation eng miteinander verknüpft sind. In Zeiten, in den die Löhne schnell steigen, steigen auch die Preise schnell. 12 Mathematisch gilt:
ˆ − = bU λ P
11 W. Patzig, Stagflation und Phillips-Kurve, Freiburg, 1990 S211.
12 Vgl. N. G. Mankiw, Makroökonomik 4, Auflage, S 404
8
Wobei P ˆ die Inflationsrate ist, U die Arbeitslosenquote und λ die Veränderung
der Arbeitsproduktivität. Die Arbeitslosigkeit kann auch genauer als zyklische U − Arbeitslosigkeit U spezifiziert werden, wobei U die Arbeitslosigkeit der
n laufenden Periode und n U die natürliche Arbeitslosigkeit darstellt.
ˆ − = λ ) ( U b P
n
Als natürliche Arbeitslosenquote bezeichnet man "... das Niveau der Arbeitslosenquote zu dem die Inflationsrate konstant ist, ohne eine Tendenz sich zu beschleunigen oder zu verlangsamen." 13
2.2 Die "Speisekartentheorie"
Durch die Modifikation von Samuelson und Solow konnte die Phillips-Kurve als technische Relation interpretiert werden. Aus dieser Perspektive ist es möglich eine geringere Arbeitslosenquote gegen einen höhere Inflationsrate einzutauschen. Die Phillips-Kurve dient als Budgetgerade und legt somit den Handlungsspielraum der Geld und Fiskalpolitik fest. Abbildung 3 verdeutlicht dieses.
Abbildung 3. Stabilisierungspolitik mit Hilfe der Phillips-Kurve
13 Vgl. R. J. Gordon, Makroökonomik, 4 Auflage, S17
9
Da der Ursprung der Ordinate, also keine Arbeitslosigkeit und keine Inflation nicht erreicht werden kann, haben Politiker nur die Wahl einen Punkt auf der Phillips-Kurve zu realisieren. Je nach politischer Gesinnung müssen Sie sich also für mehr Arbeitslosigkeit und weniger Inflation, oder für weniger Arbeitslosigkeit und mehr Inflation entscheiden.
3. Stagflation: Die modifizierte Phillips-Kurve
Auch die modifizierte Phillips-Kurve vernachlässigte jedoch das für Arbeitnehmer die Kaufkraft und für die Arbeitgeber die Kosten in Relation zu den Güterpreisen im Vordergrund stehen. 14 Dieser Kritikpunkt und die Tatsache, daß während den siebziger Jahren die zeitweise erhebliche Inflationsbeschleunigung nicht mit mehr Beschäftigung, sondern mit wesentlich mehr Arbeitslosen verbunden war, führten zu einer zusätzlichen Erweiterung der Phillips-Kurve. 15
3.1 Die Erweiterung durch E.S Phelps und M. Friedman
Bereits Ende der sechziger Jahre äußerten der E. Phelps und M. Friedman Kritik an der Interpretation der Phillips-Kurve als "Speisekarte". Die Stagflation, also die hohen Arbeitslosenquoten und die ebenfalls hohen Inflationsraten der Siebziger Jahre, die der behaupteten Stabilität der Phillips-Kurve widersprachen, gab ihnen Recht. E. Phelps und M. Friedman argumentierten in einer neuen Überlegungn das Arbeitnehmer und Arbeitgeber nur am Reallohn und damit an der Summe der für Geld erhältlichen Gegenleistungen interessiert seien. Aus diesem Grund versuchen die Wirtschaftssubjekte abzuschätzen, welche zukünftige Entwicklung das Preisniveaus haben wird und bilden damit Erwartungen über die zukünftige Inflation. 16
14 Vlg. J. D. Sachs, F. Larrain, Makroökonomik In globaler Sicht, Oldenburg 1995, S 586
15 Vgl. R. Dornbusch / S. Fischer, Makroökonomik, München 1992, S 493
16 Vlg. G. Dieckheuer, Makroökonomik Theorie und Politik, 2 Auflage 1995, S 362
10
P ˆ ) wird in folgender Gleichung ausgedrückt: Diese zusätzliche Einflußgröße ( e
ˆ − = e ) ( U b P
n
Die Inflationsrate ( P ˆ ) ist abhängig von der zyklischen Arbeitslosenquote P ˆ ). Folge der hinzugefügten Inflati- U − )und der erwarteten Inflationen ( e ( U
n
onserwartung ist, daß sich die ursprüngliche Phillips-Kurve auf den Spezialfall P ˆ = 0) reduziert und das sich die Kurve bei einer einer Inflationserwartung ( e
erwartenden Inflation die ungleich Null ist im selben Verhältnis zur erwarteten Inflation vertikal verschiebt. 17 Die Begründung für die vertikale Verschiebung der Phillips-Kurve liegt in den Eigenschaften der Erwartungen die in den folgenden Abschnitten näher beschreiben werden.
4. Die Rolle der Erwartungshaltung
Da die Inflationserwartungen die Lage der Phillips-Kurve erheblich beeinflußt, ist es aus wirtschaftspolitischer Sicht interessant festzustellen, wie Erwartungen gebildet werden, wenn die Kurve weiterhin als Grundlage von Entscheidungen dienen soll. Im allgemeinen setzen sich Erwartungen aus subjektiven Erfahrungen, sowie aus der Beachtung objektiver Phänomene und Informationen zusammen. 18 In der Literatur unterscheidet man im allgemeinen zwischen 3 Arten von Erwartungsbildung. Der extrapolativen, adativen und rationellen Erwartungsbildung.
4.1 Die extrapolative Erwartungsbildung
Die extrapolative Erwartungsbildung ist der einfachste Typ der autoregressiven Erwartungen. Der erwartete zukünftige Inflationsverlauf wird ausschließlich auf Erfahrungen über den vergangenen Inflationsverlauf gebildet. Wenn die Inflation in der Vergangenheit stetig gestiegen ist, wird man davon ausgehen das sich
17 Vgl. W. Patzig, Stagflation und Phillips-Kurve, S 221
18 Vlg. G. Dieckheuer, Makroökonomik Theorie und Politik, 2 Auflage 1995, S 354
11
dieser Trend auch in der Zukunft fortsetzen wird. Die erwartete Inflationsrate ist also direkt von den vorhergegangenen Werten abhängig.
P ˆ ) der Perio- e Das unten aufgeführte Beispiel zeigt die erwartete Inflationsrate( t ˆ t- ˆ t- de Zeitpunkt ( t ) in Abhängigkeit der letzten ( 1 P ) und der vorletzten ( 2 P ) Periode:
ˆ − + = e ) P a(P − t 2 1
Folglich ist die erwarte Inflationsrate gleich der beobachteten der letzen Periode, korrigiert durch den Unterschied der letzen und vorletzten Periode in Höhe des Koeffizienten a . 19 Besonderes vereinfacht ist der Fall mit a gleich Null wobei man lediglich den Vorperiodenwert der Inflationsrate erhält:
ˆ ˆ 1 = = t e P P e P Oder zeitlich anders ausgedrückt: − 1 t +
Die erwartete Inflationsrate ist somit immer gleich der Inflation der vorhergegangenen Periode. Eine maßgebliche Rolle hierbei spielt der Zeithorizont, also die Anzahl der Jahre, die zur Bildung der Inflationserwartung herangezogen werden. Je größer der Zeithorizont, um so genauer ist der Erwartungswert. Im allgemeinen geht man jedoch davon aus, daß der jüngeren Vergangenheit ein größeres Gewicht beigemessen wird als weiter zurückliegenden Zeitpunkten 20 . Bei dieser Art der Erwartungsbildung existiert leider keine Möglichkeit eventuelle Irrtümer aus vergangenen Perioden zu korrigieren. Diesen Kritikpunkt versucht man bei der adaptiven Erwartungshaltung zu vermeiden.
19 E. M. Claassen, Grundlagen der Makroökonomischen Theorie, München 1980, S 299
20 E. M. Claassen, Grundlagen der Makroökonomischen Theorie, München 1980, S 301
12
4.2 Die adaptive Erwartungsbildung
Die adaptive Erwartungsbildung ist eine Erweiterung der extrapolativen Erwartungsbildung. Sie ergänzt zusätzlich die Möglichkeit der Korrektur eines vorhergehenden Erwartungsirrtums. Jeffery D Sachs beschreibt diesen Mechanismus wie folgt:
ˆ 1 − + = e ) ( P v P +
ˆ + e Die bestehen Erwartungen über die Inflation der nächsten Periode ( ) sind P
1
P ˆ ) zuzüglich der Korrektur der Vorhersagleich der Erwartung dieser Periode ( e P ˆ − ), die in Abhängigkeit des Faktors v e gefehler im Verlaufe dieser Periode ( P
stehen, der die Schnelligkeit angibt, mit der die Erwartungen revidiert werden. 21 Vereinfacht heißt das: Ist die Inflation in dieser Periode höher als erwartet, dann wird sie für die nächste Periode nach oben korrigiert und ist sie in dieser Periode niedriger als angenommen, wird sie nach unten revidiert. Für die Wirtschaftspolitik stellt dieses ein Problem dar, denn sie kann die erwartete Inflationsrate nur beeinflussen wenn sie die herrschende Rate ändert.
Wenn der Faktor v nahe bei 1 liegt so passen sich die Erwartungen aufgrund der gegenwärtigen Inflation schnell an. Ist v =1 so kann man die adaptive Erwartungsbildung erheblich vereinfachen auf:
ˆ 1 = P e P +
Hier ist die Inflationsrate der aktuellen Periode gleich der erwarteten Rate der nächsten Periode, was dem er einfachste Fall der extrapolativen Erwartungsbildung entspricht und auch als statische Erwartung bezeichnet wird. 22 Setzt man die Statische Erwartung in die Phillips-Kurve ein, so erhält man:
ˆ 1 − = ) ( U b P + n
21 Vlg. J. D. Sachs, F. Larrain, Makroökonomik In globaler Sicht, Oldenburg 1995, S 590
22 Vlg. J. D. Sachs, F. Larrain, Makroökonomik In globaler Sicht, Oldenburg 1995, S 590
13
Hier wird deutlich das die Arbeitslosenquote nur bei einer expansiven Wirtschaftspolitik mit steigender Inflation unter ihrer natürlichen Rate gehalten werden kann. So kann die Arbeitslosigkeit (U ) nur mit einem immer weiteren steigenden Inflationsniveau unter ihrer natürliche Quote ( n U ) gehalten werden.
4.2 kurz und langfristiger trade off bei autoregressiven Erwartungen Nach der Phillips-Kurve Theorie glaubten viele Ökonomen, daß eine dauerhafte niedrigere Arbeitslosenquote durch eine höhere, aber stabile Inflationsrate erkauft werden kann. Der Staat kann also durch eine Erhöhung der Gesamtnachfrage via Geldpolitik eine geringere Arbeitslosenrate realisieren. Dieser Effekt ist jedoch nur kurzfristig, da die Wirtschaftssubjekte ihre Inflationserwartungen im Zeitverlauf anpassen und sich dadurch die Phillips-Kurve vertikal verschiebt. Das hat zur Folge, daß sich das gewünschte Beschäftigungsziel wieder nur mit einer weiteren Steigerung der Inflationsrate erreichen läßt. Dieser Vorgang wird auch als Akzelerationstheorem bezeichnet. 23
Mit einer beschäftigungspolitischen Aktion läßt sich die Arbeitslosenrate zwar unter ihr natürlichen Niveau senken, aber sie wird immer wieder zu ihrem Ursprung zurückkehren während die erhöhte Inflationsrate bleibt. 24 Langfristig kehrt also die Arbeitslosigkeit wieder auf ihr natürliches Niveau zurück und es gibt keinen trade off, Folglich verläuft die langfristige Phillips-Kurve senkrecht. Abbildung 4 zeigt die kurz und langfristige Phillips-Kurve bei autoregressiven Erwartungen.
23 Vgl. O. Landmann / J. Jerger, Beschäftigungstheorie S93
24 Vlg. G. Dieckheuer, Makroökonomik Theorie und Politik, 2 Auflage 1995, S 370
Abbildung 4: Kurz- und langfristige Phillipskurve bei adaptiver Erwartungsbildung
Berlemann (Dr. rer. pol.), Michael, In "Makroökonomische Modellierung"
4.3 Die rationale Erwartungsbildung
In den frühen siebziger Jahren wurde ein anderer Ansatz der Erwartungsbildung bekannt. Bei der Bildung von rationalen Erwartungen geht man davon aus, daß die Wirtschaftssubjekte zusätzlich zu den Erfahrungen der Vergangenheit, jede mögliche Information nutzen um Prognosen über die Zukunft aufstellen zu können. Arbeiter und Unternehmer bilden also auf der Basis der ihnen zur Verfühgung stehenden Informationen, Vorhersagen über den zukünftigen Inflationsverlauf und verknüpfen diese mit ihren Erfahrungen aus der Vergangenheit. Damit wird den Wirtschaftssubjekten eine gewisses wirtschaftliches Verständnis unterstellt, mit dessen Hilfe sie die Informationen richtig verwerten können. Folglich werden auch Informationen über die aktuelle Wirtschaftspolitik zur Erwartungsbildung verwendet. Weil Geld und Fiskalpolitik die Inflationsrate beeinflussen, hängen die Inflationserwartung auch von der verfolgten Wirtschaftspolitik ab. 25 Damit ist eine direkte Einflußnahme der wirtschaftspolitischen Entscheidungsträger auf die rationale Erwartungsbildung im Gegensatz zur adaptive Erwar- tungsbildung möglich.
15
Ein solches Modell scheint relativ einfach sein, wird aber sehr schnell komplex, wenn vielen Einflußfaktoren zur Ergebnisfindung verwendet werden. Da Information nicht unbegrenzt und kostenlos zur Verfügung stehen, entstand der Ansatz der "ökonomisch-rationaler" Erwartungsbildung. Hierbei streben die Wirtschaftssubjekte nicht die maximale Informationsmenge an, sondern mehr die für sie wirtschaftlich sinnvolle Anzahl. So kann es unter gewissen Umständen sinnvoll sein, wenn die adaptive Erwartungsbildung als "ökonomisch-rational" gewählt wird, wenn zum Beispiel die Kosten zur Informationsbeschaffung zu hoch und/oder die Wirtschaftssubjekte nur mangelnde Kenntnisse von Wirtschaftszusammenhängen haben. 26
4.4 Kurz und langfristiger trade off bei rationalen Erwartungen Unter der Annahme das die Wirtschaftssubjekte richtige rationale Erwartung bezüglich der Inflationsrate gebildet haben, und der Staat expansive Geldpolitik zur Senkung der Arbeitslosigkeit in gleicher Höhe betreibt, werden die Inflationserwartungen durch die ausgedehnte Geldmenge bestätigt und es gibt keinen kurzfristigen trade off. Die zusätzliche Geldmenge trifft auf mit geringere Kaufkraft rechnende Arbeitnehmer und Arbeitgeber, und wird so einfach absorbiert ohne eine Wirkung zu erzielen. Diese "Selbsterfüllung" der Erwartungen hat zur Folge daß die Phillips-Kurve bei rationalen Erwartungen kurz und langfristig horizontal verläuft wie Abbildung 5 zeigt. 27
25 Vgl. N. Gregory Mankiw, Makroökonomik 4 Auflage, S 411
26 Vgl. E. M. Claassen, Grundlagen der Makroökonomischen Theorie, München 1980, S 304
27 Vlg. G. Dieckheuer, Makroökonomik Theorie und Politik, 2 Auflage 1995, S 373
Abbildung 4: Phillips-Kurve bei rationaler Erwartungsbildung.
Berlemann (Dr. rer. pol.), Michael, In "Makroökonomische Modellierung"
Vertreter der rationalen Erwartungsbildung behaupten jedoch, daß eine offene und glaubwürdige Informationspolitik mehr bewirken würde, als diesbezüglice wirtschaftspolitische Maßnahmen. 28 Kommuniziert der Staat eine eindeutige Disinflationspolitik, so würden sich die Erwartungen schnell nach unten korrigieren. Das hätte zur Folge, daß sich auch die Phillips-Kurve horizontal nach links verschieben würde, und man so eine niedrigere Inflationsrate auch ohne erhöhte Arbeitslosigkeit realisieren könnte.
5. Die moderne Phillips-Kurve
Die Phillips-Kurve hat seid A. Phillips verschiedenen Modifikationen erfahren. Die Nominallöhne ( w ˆ ) wurden durch die Inflationsrate ( P ˆ ) ersetzt, die Abwei- U − )also die zyklichung der Arbeitslosigkeit von ihren natürlichen Niveau ( U
n
P ˆ ) ergänzt. In der modersche Arbeitslosigkeit und die Inflationserwartungen ( e
28 Vlg. N. G. Mankiw, Makroökonomik, 4 Auflage, S 411
17
nen Form der Phillips-Kurve wird zusätzlich der sogenannte Angebotsschock hinzugefügt: 29
)
ˆ + − = e ) ( v U b P
n
5.1 Der Angebotsschock
Der Angebotsschock ( v ) beschreibt eine Veränderung der Outputmenge die Unternehmen bei einem gegeben Preisniveau zur produzieren bereit sind. 30 Ein Beispiel hierfür sind die durch die OPEC verursachten stark gestiegenen Ölpreise der siebziger Jahre oder eine große Mißernte in der Landwirtschaft. Der Angebotsschock kann sich positiv oder negativ auf die Inflationsrate auswirken. Ein nachteiliger Angebotsschock führt zu einem negativen Wert von v und damit zu einer steigenden Inflation. Hervorgerufen wird die Steigung durch allgemeine Zunahme der Produktionskosten. Deshalb nennt man diese Inflation auch "Kostendruck Inflation". Negativ, und damit inflationsverringernd, wirkt sich ein positiver Angebotsschock auf v aus.
6 Abschließende Bemerkungen zur Phillips-Kurve.
Die Vergangenheit hat gezeigt das die Phillips-Kurve, trotz verschiedener Anpassungen, kein verläßliches Modell zur Erfassung des Zusammenhanges von Arbeitslosigkeit und Inflation ist. Der Wunsch der Politiker, ein einfaches und sicheres Entscheidungsinstrument für ihre Wirtschaftspolitik zu besitzen, hat sicherlich zur mehrfachen Modifikation beigetragen. Ich bin der Meinung das die Phillips-Kurve sicherlich ein interessanter Ansatz ist, aber viel zu einfach um das komplexe Verhältnis zwischen der Arbeitslosenquote und Inflationsrate passend zu beschreiben.
29 Vlg. N. G. Mankiw, Makroökonomik, 4 Auflage, S 404
30 Vlg. R. J. Gordon, Makroökonomik, 4 Auflage, S 707
18
Literaturverzeichnis:
Berlemann (Dr. rer. pol.), Makroökonomische Modellierung und makroö-
Claassen, E. M. Grundlagen der Makroökonomischen Theorie,
München 1980
Dieckheuer, G. Makroökonomik Theorie und Politik, 2 Auflage
1995
Dornbusch, R./ Fischer, S. Makroökonomik, München 1992
Gordon, R. J. Makroökonomik, 4 Auflage
Landmann, O./ Jerger, J. Beschäftigungstheorie, Berlin 1999
Lipsey, R. G. The Relation between Unemployment and the
Patzig, W. Stagflation und Phillips-Kurve, Freiburg 1990
Phillips, A. W. The Relation between Unemployment and the
Mankiw, N. G. Makroökonomik, 4 Auflage, 2000
Rothschild, K. W Die Phillips-Kurven-Diskussion, in: Löhne,
Preise, Beschäftigung, Frankfurt 1974,
Sachs J. D. / Larrain F. Makroökonomik In globaler Sicht, Oldenburg
1995
19
Hiermit versichere ich, das die vorliegende Arbeit von mir selbständig und ohne unerlaubte Hilfe angefertigt worden ist, insbesondere, dass ich alle Stellen die wörtlich oder annähernd wörtlich aus Veröffentlichungen entnommen sind, durch Zitate als solche kenntlich gemacht habe.
Carsten Schneider
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Carsten Schneider, 2001, Die Theorie der Phillips-Kurve: Zur Rolle der Erwartungsbildung im makroökonomischen Modellen., München, GRIN Verlag GmbH
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ein Kollege
Phillips Rules.
Was ein Glück das Phillip nicht recht hatte! Ansonsten währe es jetzt ein Echter Teuro!
am Monday, June 17, 2002-