Jürgen Link
- positive Belege > wörtl. Übernahme, auch Strukturen
- Applikationen von biographischen und textuellen Mustern
- Ausrichtung von Autoren nach anderen Autoren in Habitus, Werkentwicklung... (Müller nach Brecht)
- Strategische Intertextualität > Bezug auf andere Texte deutlich sichtbar, aber Wirkungsstrategie ist völlig anders (Goethes Mignon und Kästners Adaption)
- Poetische Transfiguration > völlige Umarbeitung des Textes, leichter Bezug zu Prätext (Brezengang) Bachtin (20er)
- monologisch lesen: Leser bezieht sich auf Bestehendes und Tradition
- dialogisch lesen: L. versucht aufzubrechen und Diskussion in Gang zu bringen
- „Dialogizität“ Kristeva (60er)
- Texte werden aus Texten erzeugt
- Alles ist Text Edition
Editionswissenschaft seit Gutenberg Copyright seit Gründung dt. Zollverein (ca. 1834) Probleme beim editieren:
- lesen, entziffern
- zuordnen, wie viele verschiedene Texte befinden sich auf einem (Papier früher teuer, ergo mehrere Texte auf eines) Blatt?
- Wann wurde was geschrieben?
- Unleserliche Teile interpretieren
- Wieviele Fassungen sind vorhanden?
- Welche will der Autor publiziert haben?
- Textverderbnis/verluste finden
- Authorisierung beachten
- Frühere Publikationen, eventuelle Unterschiede
Ausgabetypen
Erster Druck immer wichtig, da zitierfähig Hist.-krit.
- Hinweis auf Beschaffenheit der Funde
- Nicht modernisierter Abdruck der Textzeugen
- Abkürzungen erläutert
- Alle zum Werk gehörenden Texte werden mit abgedruckt
- Überlieferungs-, Entstehungs- und Druckgeschichte wird erläutert
- Kommentar, Stellenkommentar; lexikalische Besonderheiten und Stil werden erläutert; personelle Beziehungen werden erläutert
- Bibliographie
- Register
- Lemma-, Faksimile- (teuer) oder Schichtenapparat Studienausgabe
- oft Taschenbuch
- behutsam modernisiert
- Angaben zur Fassung
- Information zur Entstehungsgeschichte
- Kommentare, Register, Vor-, Nachwort Leseausgabe
- modernisierter Text
- unzulässige Texteingriffe
- keine Angaben zur Fassung Archetext > Ursprungstext, nicht Original Textverwitterung > eingeschlichener Fehler Konjektur > Vermutung bei Textübertragung Textgenese > Entstehung des Textcorpus
Der Autor
- im Sturm und Drang Stilisierung des Autorbildes als Genie mit gött. Gabe (Lenz, Goethe, Klinger...)
- Copyright seit Gründung des dt. Zollvereins 1834
- Trennung zwischen Person und Autor
- Autor bewegt sich in medialer Inszenierung, abhänhig von den Medien
- Autor wird Objekt der Öffentlichkeit Focault
-Diskurs als Redeordnung; 1. Redegegenstand, 2. Regulationssystem definiert die Regeln seine Schwerpunkte:
- nicht Mensch, sondern Werk spielt Rolle; Name wird mit Werten verbunden
- Autoren werden über Werke angeeignet, Copyright gesetzlich geregelt
- Zuschreibungsverhältnisse: Verlage, Medien schreiben Autoren Texte zu; Autoren schreiben für einen anonymen Markt > Objekt; Literaturintern Werkzuschreibung über Stil
- Lyrisches ich als Instanz des Autors Gedächtnis
konnektive Struktur einer Gesellschaft
- Gemeinsames Wissen und Selbstbild
- Gemeinsame Vergangenheit
- Gemeinsame Ordnung basierend auf Werten und Regelnseit Buchdruck wird die Vergegenwärtigung gestärkt, festes Medium, auswendig lernen wird unnötig Assmann:
- mimetisches Gedächtnis: lernen durch Nachmachen
- Ding-Gedächtnis: Gegenstände > Erinnerung
- Kommunikatives Gedächtnis: weitergabe kultureller Erfahrung im Gespräch
- Kulturelles Gedächtnis: zu Zweck kommt Sinn > Tisch vs. Altar Erinnerungsfiguren nach Halbwachs bezogen auf kulturelles Gedächtnis
- Gruppenbezug > Sportvereine oder Religionen haben eigene Rituale die auch Raum und Zeit bedingen
- Rekonstruktivität > Vergabgenheit als Bild, nicht Realität; nur für Gruppe so rekonstruiert
- Gedächtnis vs. Geschichte > Bild vs. Realität
Bibliothek als Möglichkeit zur Auslagerung des Gedächtnisses Zensur und ideologischer Zwang fördern Vergessen Wissenschaftlicher Text
strikte Trennung zwischen Eigen,- und Fremdanteil durch Fußnoten und Zitate Argumentationstrang mit finaler Aussage Kriterien
- Intersubjektivität > verweis auf Begriffe
- Argumentationszusammung,- entwicklung
- Erkenntnisinteresse: warum schreibe ich den Text?
- Thesen/Hypothesen be/widerlegen
- Widerspruchsfrei
- Bibliographie Gattungen Vosskamp
orientiert sich am Prager Strukturalismus (Strukturanalyse) Jauß als Vorbild
- kommunikativ
- Autor-Leser-Konsens
- Über strukturelle Ähnlichkeiten werden Gattungsbegriffe gebildet
- Rezeptionsgeschichte > beim Leser entstehen Erwartungshaltungen einer Gattung gegenüber
- Gattungen hist. Wandelbar
- Inventio > Gattung wird gegründet
- Institutionalisierung > Gattung wird als solche wahrgenommen
- Dominanz > Etablierung
- Krise
- Deinstitutionalisierung > Ende
- Fundus rethorischer Muster der Gesellschaft
- (Reinstitutionalisierung)
anthropologisches Gattungsmodell von Goethe/Gottsched
Normativ
- Lyrik > subjektiv
- Epik > objektiv >>>>>>>> triadisches Modell
- Drama > subjektiv & objektiv
- >>> Problematik: Neue Medien?
Hermeneutik
Kafka „Vor dem Gesetz“
- nicht eindeutig interpretierbar
- Text steht isoliert dar, mehrfach einzeln publiziert
- Von ihm als gelungen bezeichnet
- Pasley: Text markiert Schreibkrise Kafkas
- Hermetischer Text >kein Bezug zur Alltagswelt, wie Gesetz an sich auch, da Auslegung nötig
- Mann geht rein >schlägt Weg ein; bleibt er draußen > alle Möglichkeiten offen
- Mehrsinnig
- Text entwickelt Eigendynamik: Sinn des Autors + des Lesers + des Textes Literatur kann zwischen Diskursen vermitteln; Theologie, Politik und Gesetz Pictura > Bild Subscriptiones > Bildunterschrift
- Emblem > Bild + Bildunterschrift
- Goethesymbol > Bild + mehrdeutige Bildunterschrift
- Chiffresymbol > Zwischen Bild und Bildunterschrift eigentlich kein logischer Zusammenhang, nur durch Hinweis gegeben
- Kafkasymbol (Mischform von G & CH): z.B „vor dem Gesetz“ > Gesetz als interdiskursiver Begriff
Versmaß & Metrik
- aus der Antike Jambus > xy Trochäus > yx Anapäst > xxy Daktylus > yxx
(Spondeus > yy; nur im griechischen vorhanden) Einführung der Taktstriche durch Häusler; immer vor Hebung Alexandriner: sechshebiger Jambus mit einer Zäsur nach dem dritten Fuß Distychon: Hexameter & Pentameter
Bsp: Immer strebe zum Ganzen, und kannst Du selber kein Ganzes Y x y x x y x x y x y x x y x
Werden, als dienendes Glied schließ an ein Ganzes dich an. Y x x y x x y y x x y x x y alkäische Odenform (nach Alkaios)
- Strophe enthält 4 Verse: 1&2= 11 Silben, 3=9 Silben, 4=10 Silben
- Vers 1,2&3 jambisches Maß, in 1&2 im Vierten Fuß anapästisch verändert, im Dritten Vers rein
- Im Schlußvers stehen 2 Daktylen und zwei Trochäen
- Beginnt unbetont und endet unbetont Text: Biermann
- bezieht als Schriftsteller öffentlich Position; dieses Engagement verlangt er auch von anderen
- vorangestellter Claudiustext alsUmkehrung: Schriftsteller zieht sich zurück Drama („ es läuft“) Warum gehen Leute ins griech. Theater?
- Abhandlung sozialer Probleme in der Öffentlichkeit > Diskussion Aristotelisches Theater (Aischylos, Euripides, Sophokles)
- Einheit von Zeit, Ort und Handlung > Nähe zu Realität
- Konzentration auf Fabelstrang; kaum/keine Nebenhandlungen
Aufbau
Exposition Katastrophe
Katharsis: „Abstieg“ > Zuschauer versetzt sich in Figur hinein > Einfühltheater Persona: Maske Poropos: Schauspieler hinter der Maske Mimesis: Figuren sollen authentisch sein, z.B. Umgangssprache Deus ex machina: Chaos zu Ordnung durch Gott als Schauspieler Elios, Phobos: Jammer, Schauer Episches Drama (Brecht)
- Mitlied und Gefühle können zu falschen Handlungen führen („die Maßnahme“)
- Bsp. junger Genosse: eigentlich auf der Bühne nicht existent, da von vielen Personen gespielt
- Als Vorbild japanisches No-Theater
- Verlangt vom aussenstehenden Zuschauer Reaktion und eigene Sicht der Dinge
- Keine Einheit von O/Z/H
Drama allgemein
- analytisch: keine Akteinteilung, rückwärtiger Beziehungspunkt
- synthetisch: Zielpunkt
- geschlossen: Einheit von O/Z/H, ein Ausschnitt
- offen: Vielzahl Ausschnitte
Prosa Zeit: Dehnung vs. Raffung
Erzählte Zeit: Zeitraum, in dem sich die Handlung bewegt Erzählzeit: wie lange lese ich das Buch? Erzählperspektiven
- auktorial: allwissend, steuert Leseprozess
- personal: fiktinales Ich oder faktizitives Ich, Goethes „Dichtung und Wahrheit“ als Mischform
- neutral: beobachtend, aussenstehend, miterzählend
- „erlebte Rede“: Zitat aus Figurenrede im Erzählerbereich, ohne Ankündigung und Kommentar eingeflochten
- innerer Monolog Werther
- Raumbeziehungen: sein Inneres&Natur mit Einschub des Textraumes (Frühling Homer, Herbst Ossian)
- Werther wird aus Räumen gestossen; adeliger Raum, bildungsbürgerlicher Raum, Natur (keine Identifikationsmöglichkeit mehr), Texte > bleibt nur er selbst und letztendlich der Tod
- Er will Grenzen überschreiten (z.B. Adel und Anstand); sein Tod als letzte Grenzüberschreitung
- Parallele zu E. Galotti: sie muß ihre Tugend wahren, auch er will sich nicht untreu werden: Tod
Fazit: Werther als sensibler Mensch, Sensibilität wird aber gesellschaftlich nicht wirksam; nicht öffentlich, also kein Ergebnis. Goethes Aussage: So kann man nicht leben...
Arbeit zitieren:
David Mager, 2001, Vorbereitung Ndl-Seminar 1, München, GRIN Verlag GmbH
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