Alfred Kubin wurde am 10. April 1877 in Leitmeritz in Böhmen (Österreich)
geboren. Er hatte eine schwere Jugend. Mit 10 Jahren verlor er seine Mutter,
die an Schwindsucht starb. »Dieser Todeskrampf hat sich in mir fest eingeprägt
und wirkte stark auf mich ein, weit stärker aber erschrak ich und bangte mir
vor der maßlosen Verzweiflung meines Vaters« (Breicha a. a. O., S.13). Zwei
Jahre später starb seine Stiefmutter.
Kubin brach immer wieder seine Schule ab. Sein Vater, der Offizier war und von
seinem Sohn einen normalen Lebensweg verlangte, verlor sein Vertrauen in sei-
nen Sohn. Dies äußerte sich durch Ohrfeigen und Stockhiebe. Alfred Kubin
erlebte eine Zeit der vollkommensten Verlassenheit, die jedoch belebend für
seine Phantasie war.
Mit 15 Jahren ging Kubin nach Klagenfurt zu seinem Onkel in die Fotografen-
lehre. Nach vierjähriger Lehre entwickelte er eine Gleichgültigkeit gegenüber
dem Geschäft seines Onkels. Er begann zu trinken und verliebte sich in ein
Mädchen, das seine Gefühle jedoch nicht erwiderte.
Der Pessimismus in Kubins Leben steigerte sich so sehr, dass er beschloß, sich
am Grabe seiner Mutter zu erschießen. Doch die verrostete Waffe versagte. Nach
Abschluß seiner Lehre wurde er von seinem Onkel auf die Straße gesetzt. In
seiner Verzweiflung ging er zum Militär: »Denn die Unterordnung und der Zwang
waren hier etwas Allgemeines und ich hatte nie das Gefühl, ich allein werde
niedergedrückt« (ebenda S.17). Alfred Kubin diente 18 Tage. Der Wendepunkt
kam, als beim Begräbnis eines Divisionskommandanten die Trauermusik einsetzte.
Er verlor das Bewußtsein und fiel in ein Delirium. Nach einem daran sich
anschließenden dreimonatigen Hospitalaufenthalt wurde er aus der Armee entlas-
sen.
Mit 21 Jahren konnte Kubin mit Zustimmung seines Vaters ein Kunststudium in
München aufnehmen. Ein Jahr später besuchte er die Akademien der Naturklasse
von Nikolaus Gysis. Er kam jedoch selten zum Unterricht. Die strenge akademi-
sche Malerei genügte seiner von makabren Gesichtern überschäumenden Phantasie
nicht.
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Alfred Kubin.
Selbstporträt 1907/08
(diese wie die
nachfolgenden
Abbildungen sind ver-
kleinert)
Alfred Kubin - Ein Alptraumzeichner
Gymnasium S 3 Dezember 2001
Kubins Schaffensrausch begann, als er mit einem Radierzyklus des Symbolisten
Max Klinger in Berührung kam. Weiterhin wirkten sich die künstlerischen
Arbeiten von Goya, de Groux, Rops, Munch, Ensor und Redon stark auf ihn aus.
1902 kam es unter anderem durch die Unterstützung des Verlegers Hans von Weber
zur ersten Einzelausstellung. 1903 veröffentlichte er eine Mappe. Auch wenn es
aus einigen Ecken scharfe Kritik gab, waren seine Publikationen ein Erfolg.
Mit 25 Jahren beschäftigte er sich ernsthaft mit dem Gedanke Emmy Bayer zu
seiner Braut zu machen. Doch Emmy Bayer erkrankte und starb am 1. Dezember
1903 an Typhus
Seine Verzweiflung wich, als er einige Zeit später die junge Witwe Hedwig
Gründler geb. Schmitz kennenlernte. Sie heirateten nach kurzer Bekanntschaft am
22. September 1904. Doch auch Hedwig ringt immer wieder mit dem Tod. Aufgrund
ihrer Krankheit (Gesichtsneuralgie) muß sie immer wieder ins Sanatorium und
ist 14 Jahre lang morphiumabhängig. Erst 1919 wird sie als geheilt erklärt.
In Alfred Kubins Leben kam es immer wieder zu innerem Zwiespalt und Zerris-
senheit. 1906 zog er sich, noch keine 30 Jahre alt, auf ein Landschloß nach
Zwickledt, Oberösterreich, zurück, wo er bis zu seinem Tode 1959 lebte. Er
selbst bezeichnete es sein Landschloß als kleinen Bauernhof, der ihn im Krieg
ernährte. Ausschlaggebend für das, was er am Tage schaffte, war das, was er in
der Nacht träumte. Alfred Kubin verarbeitet seine Träume in Bildern. Der gere-
gelte Tagesablauf und die ländliche Umgebung taten ihm gut: »Die Natur in
wechselnder Beleuchtung ist immer anregend, die Luft stärkend« (ebenda S.25).
Am 2. November 1907 starb sein Vater. Es folgten tiefe Depressionen. 1908
schrieb er innerhalb von acht Wochen seinen Roman »Die andere Seite«, in wei-
teren vier Wochen versah er ihn mit Illustrationen. 1909 wurde sein Roman ver-
öffentlicht und erntete viel Anerkennung. Mit »Der anderen Seite« erlebte er
seinen Durchbruch in seiner illustrativen Tätigkeit.
Den 1. Weltkrieg musste er nicht aktiv mitzumachen. Wegen seiner schwächlichen
Gesundheit wurde er nach dreimaliger Musterung endgültig zurückgestellt.
Der Tod eines Freundes brachte ihn aus dem Gleichgewicht und in Trance. Da er
zuvor die Lehren Buddhas laß, kam es zur vielzitierten »Buddhistischen Krise«.
Es ging nun vorwiegend, um die Ausbalanzierung der Gegensätze.
Alfred Kubin illustrierte insgesamt 170 Bücher (d.h.2361 Buchillustrationen).
Er illustrierte unter anderen Texte von E.A.Poe, Dostojewski, E.T.A.Hoffmann,
Hauff, Strindberg, Voltaire, Kleist, Gerhard Hauptmann, Mynona, Elias Canetti,
Trakl, Ernst Jünger und Franz Kafka.
Zwar war Alfred Kubin darauf angewiesen Bücher zu illustrieren, dies war seine
Brotarbeit, jedoch durch seinen Erfolg konnte er sich die Autoren aussuchen,
für die er eine besondere Neigung besaß. Er konnte die Bücher illustrieren,
die ihm lagen. Außerdem konnte er oft eigene Vorschläge bei den Verlegern
durchsetzten. Alfred Kubin versetzte sich jedesmal mit starker Intensität in
ein Buch: »Es [war] jedesmal ein starkes seelisches Erlebnis, mich mit dem
Geist einer Dichtung schaffend vertraut zu machen. Dieses Bemühen, ganz in das
Werk des Dichters einzudringen, reicht weit über die am Zeichentisch verbrach-
ten Stunden hinaus« (Kubin a. a. O, S. 69.) Dabei hielt er sich jedoch nicht
zu stark am Text und füllte die Illustrationen mit seiner eigenen
Vorstellungswelt.
Von 1921 bis nach seinem Tode gab es eine kaum übersehbare Anzahl an Aus-
stellungen von Alfred Kubin in ganz Europa. Auch an Ehrungen fehlte es in sei-
nem Leben nicht. So erhielt er unter anderen 1951 den Österreichischen
Staatspreis für bildende Kunst.
Im zweiten Weltkrieg wurde sein Kunst als »entartet« bezeichnet. Kubin kapselt
sich immer stärker ab. Trotz allem erschien 1941 seine Autobiographie
»Abenteuer einer Zeichenfeder«.
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Während der Befreiung durch die amerikanische Armee 1945 erhielt Kubins Haus
etliche Treffer. Er zeichnete in diesen Tagen »Offenbarung und Untergang«.
1948 starb seine Frau nach längerem schweren Leiden. Elf Jahre später am 20.
August 1959 starb Kubin 82-jährig in Zwickledt.
Alfred Kubin wurde auf einem Friedhof in Bernstein begraben. Sein gesamter
Nachlass fiel durch einen Schenkungsvertrag an die Republik Österreich und das
Land Oberösterreich.
Die Bedeutung, die Alfred Kubin in seinem Leben der Philosophie zugemessen
hatte, zeigte sich unter anderem in der umfangreichen Bibliothek, die er
hinterließ.
Stilentwicklung
Kubin lebte von der Zeichenfeder. Seine Ausdrucksmittel waren Feder, Tusche
und Papier. Den Federzeichnungen gingen jedoch eine große Anzahl von Blei-
stiftskizzen vorweg. Kubin besaß unzählige Notizheftchen, in denen er Ein-
drücke, Einfälle, Visionen und Studien festhielt. Für die Illustration und
seine freien Zeichnungen, zwischen denen die Grenze oft kaum zu bestimmen ist,
schöpfte er aus diesen Heftchen.
Um 1900 entwickelte Kubin eine Schwarz- weiß Tuschfedertechnik. Der junge
Kubin, bis 1904, wurde teilweise einer Verbindung von Jugendstil und Symbolik
zugeordnet. Seine Zeichnungen waren in dieser Zeit teilweise streng akademisch.
Charakteristisch für seine Zeichnungen sind grauenerregende, makabere, oft
abstoßenden Themen. Sie sind von schonungsloser Abgründigkeit und vom Geruch
des Todes erfüllt; sie zeigen Vorgänge in Leichenhäusern, phantastische
Kreaturen, halb Mensch, halb Tier, Metamorphosen (= Verwandlungen), grotesk
überdimensionale Insekten und ekelerregende Todesszenen. Es zeigten sich schon
jetzt Merkmale des Surrealismus.
Bis 1908/09 experimentierte er z.B. mit Kleisterfarben, Aquarellen, fast unge-
genständlich abstrakten Kompositionen. Danach entwickelt sich sein Zeichenstil
zu einer feinen Kreuz- und Netzschraffuren, aus denen sich heraus die Figuren
zu entwickeln scheinen. Sein Stil ist nun gelockert: mit schneller, kratziger
Feder hielt er in feingestrichelten Linien die Umrisse fest. Seine Themen-
bereiche waren grotesk und phantastisch, düster und übersinnlich. Oft bildete
er schreckenerregende Versionen ab. Alfred Kubin setzte Alpträume, Jenseits-
visionen, das Phantastische und Bedrohliche in zeichnerische Paraphrasen um.
Dabei ist zu beachten, dass er mehr aus innerer Erfahrung als aus äußeren
Erlebnissen schöpfte.
Mit zunehmenden Alter streifte Kubin das Makabere ab und wendete sich häufiger
zur Satire oder zu politischen und sozialen Kommentaren. Trotzdem blieb er in
der Welt des Phantastischen treu.
Die Zeit, in der Alfred Kubin seine Hauptschaffensphase hatte, war das 20.
Jahrhundert, es war die Zeit des Impressionismus, Expressionismus zur abstrak-
ten Kunst und neuer Sachlichkeit.
Im Expressionismus illustrierte er in seinem eigenem Stil. Nicht die Darstel-
lungsform, sondern die inhaltliche Thematik berührte sich oft. Im Grunde war
er jedoch ein absoluter Einzelgänger, der viele Züge aufklingen ließ, die in
den Strömungen der modernen Malerei richtungsweisend werden sollten. Alfred
Kubin fühlte sich nirgends zugehörig und keiner Gruppe verpflichtet. Man
betrachtet Alfred Kubin als Vorläufer oder Begründer der Surrealisten
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Beispiele seiner Illustration
1908 schrieb und illustrierte Alfred Kubin »Die andere Seite«. Zur Geschichte
des Romans: Der fiktive Erzähler (auch Zeichner) erlebt drei grauenhafte Jahre
in dem Traumreich Perle. Die Stadt Perle ist in ein gleichförmiges Grau
getaucht, Sonne, Mond und Sterne sind nie zu sehen. Ein weiteres Merkmal ist,
dass die Wissenschaft verpönt ist. Herr dieses Reiches ist Patera (= Vater).
Herkules Bell, ein reicher Amerikaner revoltiert gegen Patera. Durch den Kampf
zwischen Patera und Bell kommt es zum apokalyptischen Untergang des Reiches.
Die Uhren bleiben stehen, der Tempel versinkt, eine Revolution bricht aus.
Tiere fallen über die Traumstadt her. Es kommt zu Mord, Chaos und Anarchie.
Der Protagonist kann er sich als einer der wenigen in die Realität retten (er
erwacht in einer Heilanstalt).
Im Epilog sagt Kubin, dass es zwei Grundkräfte des Daseins gebe, der
Todessehnsucht und dem Lebenswillen. Durch den Kampf zwischen diesen beiden
Kräften sei es zum Untergang gekommen.
Nach Auffassung einiger Kritiker enthält »Die Andere Seite« viele verschlüssel-
te autobiographische Züge. Außerdem werde der Zusammenbruch Europas visionär
vorausgesehen. Weiterhin seien die Untergangsstimmungen und -visionen einiger
Künstler, typisch für diese Zeit gewesen. Dies könnte eine Vorahnung des
ersten Weltkrieges gewesen sein.
Die erste Zeichnung bildet einen Marktplatz und Silhouetten oder auch schemen-
hafte Schatten von Menschen, die dort stehen oder spazierengehen ab. Die
Zeichnung ist im Hochformat. Auffällig ist, dass die Gebäude einen großen Teil
des Bildes einnehmen, während die Menschen den geringeren Teil des Bildes ein-
nehmen. Im Mittelpunkt steht der Turm.
Durch die feinen, schnellen und schwungvolle Striche und Schraffuren hat diese
Zeichnung etwas skizzenhaftes. Kubin hat in seinem Roman handelnde Personen
oder einzelne Situationen in Skizzen wiedergegeben. Dieses ist eine Situation
vor dem Untergang. Es zeigt ein friedliches Miteinander, der Menschen in der
Stadt Perle. Jedoch sind die Menschen nicht als Individuen, sondern als Masse
abgebildet. Der Turm und damit verbunden auch die Uhr ist ein starkes Symbol
in dieser Stadt. Wie schon erwähnt bleibt sie beim Untergang stehen.
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Die zweite Zeichnung zeigt eine Situation nach dem oder während des
Untergangs. Durch die Dichte und die Gleichmäßigkeit der Schraffuren und ein-
zelnen Grauabstufungen, (leider auf der Kopie nicht so gut zu erkennen)
bekommt diese Zeichnung einen anderen Stil als die erste. Sie ist deutlich
stärker ausgearbeitet.
Dramatik und Kontraste von Hell zu Dunkel hat Alfred Kubin in vielen seiner
Zeichnungen durch feine Federstriche hervorgerufen. Diese Illustration ist
ebenfalls im Hochformat. Auch in diesem Bild nimmt das Gebäude den größten
Teil der Illustration ein. Die Häuserwand zieht sich einmal durch die
Illustration. Die Raumecke bewirkt die Tiefe der Zeichnung.
Vorne Links im Bild ist ein Skelett zu erkennen, rechts davon hockt eine
Spinne, welche im Gegensatz zum Skelett überdimensional groß ist. Die Spinne
steht im Vordergrund, sie fällt durch den Hell-Dunkel-Kontrast sofort ins
Auge. Sie erscheint wie eine Bedrohung. Wie schon einmal genannt wurde die
Stadt während des Untergangs von Tieren befallen. Das Skelett könnte für den
Zerfall und den Untergang (der Stadt) stehen.
Alfred Kubin versah seinen Roman mit 50 Zeichnungen. Realistisch und phantas-
tisch wurde in diesen Zeichnungen die Traumstadt dargestellt. Durch einen bei-
gefügten Stadtplan sollte die Authentizität der Stadt hervorgerufen werden.
Aus Anlaß seines 75. Geburtstages zeichnete Alfred Kubin die Illustrationen zu
»Die andere Seite« neu. Diese neuen Zeichnungen hatten jedoch an Intensität
und magischer Kraft verloren.
1913 illustrierte Alfred Kubin »Der Doppelgänger« von Dostojewski.Die
Geschichte des Romans: Die Hauptperson dieser Geschichte wankt zwischen der
Entscheidung sich gegenüber Hohn und Spott durchzusetzen, oder ob sie sich
lieber in ein stilles Eckchen verkröche. Sie entschließt sich: »Ich bin ein-
fach nicht ich«. Die Hauptperson wittert überall Feinde. Als sie ziellos in
einer kalten, nassen Novembernacht umherirrt, begegnet ihr ihr zweites Ich:
der Doppelgänger. Diese Szene ist im Roman von Kubin illustriert. Die
Illustration, für die ich mich entschieden habe, ist nicht an eine bestimmte
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Textstelle im Roman gehalten. Alfred Kubin hat mit dieser Illustration den
Zentralaspekt d.h. das Verhältnis oder auch die Beziehung des Protagonisten zu
seinen Doppelgänger dargestellt. Sie lehnt also frei an das eigentliche
Geschehen an, ohne sich fest am eigentlichen Geschehen zu binden. Kubins
interpretiert auf diese Art und Weise das Geschehen.
Das Titelbild, für den ich mich entschieden habe, ist im Hochformat.
Eingerahmt wird die Illustration durch den Autor und Titel des Buches. Die
Schrift ist im passenden Stil gehalten. Durch diese Einrahmung erhält die
Zeichnung etwas rundes, abgeschlossenes.
Die Illustration zeigt einen Menschen der durch ein Unwetter stapft. Wie aus
dem Nichts (aus dem Unwetter heraus) erscheint sein Doppelgänger wie ein
Schatten hinter ihm. Die Raumtiefe wird durch eine angeschnittene Hütte und
Querlinien, die einen Horizont hervorrufen, angedeutet. Der Regen und der Wind
wird durch schräge Linien und durch die flatternde Kleidung der abgebildeten
Person und seines Doppelgängers angezeigt. Durch einige Andeutungen versinkt
der Protagonist geradezu im Unwetter (z.B. Fußstapfen).
Die Illustration ist in skizzenartigen kratzigen, mal dicker und mal dünner
werdenden Federstrichen gehalten. Der Doppelgänger scheint sich aus dem
Unwetter und den wilden Strichen heraus verselbstständigt zu haben. Durch
einige Striche im unteren Bereich der beiden Figuren, sind sie miteinander
verbunden. Der Doppelgänger ist wie ein Schatten, was bedeutet, dass sie sich
nur schwer voneinander lösen können. Er sitzt dem Protagonisten im Nacken. Der
Protagonist sieht seinen Doppelgänger nicht und es scheint, als wenn der
Doppelgänger ihn verfolge. Dadurch erscheint der Doppelgänger wie eine
Bedrohung.
Durch all diese Faktoren entsteht eine stimmungsreiche, spannungsreiche und
mystische Atmosphäre.
1920 fertigt Alfred Kubin eine Umschlagszeichnung zu Mynonas »Der Schöpfer«
an. Der Autor des Buches heißt Salomon Friedlaender und benutzt als Pseudonym
für seine Erzählungen den Namen »Mynona« (rückwärts gelesen gleich anonym).
Die Abbildung zu diesem Buch ist im Hochformat. Gleichzeitig hat die
Illustration, auch hier, durch die Schrift und das Spinnennetz etwas rundes.
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Mitten im Netz sitzt ein spinnenartiges Tier. Die Spinne hat einen mächtigen
Kopf. Die Augen, die Kubin weiß gelassen hat, sind hohl. Zu der runden Form
der Illustration stehen die kantigen dicken und kratzigen Federstriche im
Kontrast.
Alfred Kubin setzt sich um 1920 besonders stark mit Friedländers Philosophie
auseinander. Nach einem Treffen mit Friedlaender äußert Kubin: »Der Schöpfer«
spiegele den ganzen Mynona. Friedländer- Mynona sei ein Doppelwesen und »müßte
einen prachtvollen Mephisto abgeben« (Alfred Kubin a. a. O., S.93-94).
Kubin bezeichnete ihn als einen der »merkwürdigsten Köpfe [...] eine ganz unge-
wöhnlich gewölbte, gegen den Scheitel fliehende Stirn und ein zurücktretendes,
feines Kinn begrenzten eine lange, spitze, höchst süffisant herumschnüffelnde
Nase...« (ebendort S.94).
Auffällig bei dieser Beschreibung ist, dass die Spinne aus der Illustration
Übereinstimmungen mit der Beschreibung Mynonas aufweisen. So heißt es weiter-
hin, dass Friedlaender als Mynona den Schöpfer spiele. Soll die Spinne teil-
weise auch Mynona widerspiegeln?
In Friedländers Buch »Der Schöpfer« geht es unter anderen darum, dass jeder
Mensch ein Schöpfer (seiner selbst) sei.
Doppelnaturen wie Mynona oder auch der »Doppelgänger« scheinen Alfred Kubin
vielleicht aufgrund seiner eigenen Zerrissen und Zerspaltenheit, zu faszinie-
ren. Aber nicht nur bei Kubin sondern auch in der Literatur ist der
Doppelgänger ein Motiv.
Kommentar, Schlußbetrachtung
Mich hat der Stil, also das »Wie«, an Kubins Illustrationen gereizt. Seine
makabren Themen konnten mich dagegen nicht immer begeistern. Sein Lebenslauf
ließ mich erkennen, dass seine Erfahrungen, die oft nah am Tod waren, ihn sehr
geprägt haben. Seine Verzweiflung und Zerrissenheit spiegelte sich oft in sei-
nen Zeichnungen wieder. Ich denke jedoch, dass man seinen Stil und seine
Themenwahl nicht auf seine Erfahrungen allein reduzieren kann.
Es gibt jedoch auch etliche Zeichnungen bei denen mir das Thema gefällt. So
ist die Ironie, in vielen seiner Werken, über die ich oft schmunzelte wenn
nicht lachte nicht zu verkennen.
Aber auch die Spannung, die Alfred Kubin bei seinen Zeichnungen aufbaute,
finde ich faszinierend. Durch seine Technik scheint man nichts und alles
gleichzeitig zu erkennen. Alfred Kubin zeichnete nur das Wesentliche. Viele
Fragen ließ er offen. Dadurch wird die Phantasie des Betrachters angeregt und
nicht zerstört, was zu detailreiche Illustrationen oft erreichen. Die
Zeichnungen erhalten etwas Unheimliches und Magisches.
Benutze Literatur
Alfred Kubin: Aus meiner Werkstatt. München 1973 (enthält eine Auswahl seiner
Schriften zur Literatur und Kunst)
Peter Assmann, Hrsg: Alfred Lubin (1877-1959).Salzburg 1995 (mit einem
Werkverzeichnis der Zeichnungen im Oberösterreichischen Landesmuseums, der
weltweit umfangreichsten Sammlung)
Otto Breicha, Hrsg.: Alfred Kubin. München 1978.(Schriften und Bilder zu Leben
und Werk. Viele Beiträge von Freunden und Zeitgenossen Kubins)
Annegret Hoberg, Hrsg.: Alfred Kubin 1877- 1959. München 1990
Walter Jens, Hrsg.: Kindlers Neues Literaturlexikon. München 1988.
Kindlers Malerei Lexikon. Köln o. J., Bd. IX (Ka-Ku)
Alfred Marks: Der Illustrator Alfred Kubin. München 1977 (ein Gesamtkatalog
aller illustrierten Bücher und Mappen, alle Zeichnungen sind abgebildet)
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Selbstporträt 1957 (Originalgröße 28,8 cm : 21,7 cm)
Otto
Kubin.
sehr übersichtlich und verständlich, gute Basisinformationen für eine Einführung in Leben und Wek bestens geeignet (ích hatte mich kurz zuvor verklickt und die Arbeit mit 5 benotet, sorry)
on Saturday, April 13, 2002-