1. Epochenkonstellation
Voraussetzung für die Entstehung der Gotik waren tief
greifende sozialökonomische und politische Wandlungsprozesse. Die Gotik ist die zweite Epoche mittelalterlicher Baukunst. Sie hat ihre Wurzeln in einer sich ständig erweiternden Konstruktion und einer in tiefem innerlichen Gotteserleben entspringenden Richtung des inneren Sinnes: alles irdisch Schwere aufzulösen und durchscheinend zu machen, losgelöst von allen Schwerkraftgesetzen.
Die Einheit von Kirche und Staat in Deutschland zerbricht in langen Kämpfen zwischen Kaiser und Papst. Die Fürsten erstarken gegenüber dem Kaiser. Die geistige und politische Vorrangstellung Deutschlands bröckelt unter den letzten Staufern ab und endet im Interregnum nach dem Tode Friedrich II. (1250), so zerfällt auch die kulturelle Einheit Europas. Zwar werden die Deutschen Verhältnisse hundert Jahre später unter der Herrschaft Karl IV. wieder geordneter, aber die kulturelle Blüte, die daraus wächst, ist auf den nationalen Bereich eingeschränkt.
1214 siegt Philippe II. Auguste (1180-1223) bei Bouvines
gegen die Engländer und ihren verbündeten Otto IV., welcher Gegenkaiser Friedrich II. war.
Als Philippe den erbeuteten Reichsadler in einer großzügigen Geste dem bedrängten Friedrich übersendet, wird das staufische Kaisertum ein letztes Mal anerkannt und der französische Einfluss auf Deutschland gestärkt. Philippe IV. (1328-1314) verschleppt das Papsttum in die „Babylonische Gefangenschaft“ nach Avignon. Mit diesem Schlag löst er die Probleme, die in hohem Maße den Untergang des deutschen Kaisertums mitbewirkt hatten. In der Mitte des
15. Jahrhunderts befreit sich Frankreich endgültig von englischen Territorialansprüchen, was eine ungeheure Stärkung des Nationalbewusstseins hervorruft. Innerhalb Frankreichs entfalten sich indes Orden relativ ungebunden, in denen Ackerbau und die Sieben Freien Künste gelehrt werden. Die Kirche war noch
nie so stark in die weltliche Machtausübung integriert wie etwa in Deutschland. In ihrem Bannkreis kristallisierten sich auch zuerst die geistigen Wandlungen heraus, die ihr äußeres Bild zuerst in der Gotik finden werden. Die Beziehungen zwischen den Machtansprüchen der Krone und den Intentionen der Kirche bleiben dabei immer intakt. Der Dominikaner Thomas von Aquin und der Benediktiner Abälard sind die führenden Köpfe der neuen Philosophie, die Scholastik. Sie lehren an der Universität von Paris, die um 1200 gegründet wurde und entwickeln auch eine neue Methode mit diesem Wissen, die Wahrheit der Offenbarung dialektisch zu beweisen. Es vollziehen sich tief greifende Wandlungen in ganz Europa. Das alte imperiale Weltbild der Menschen in Deutschland löst sich auf. Die Logik „Gott - Kaiser - Sicherheit“ wird im schlechten Sinne bestätigt. Im Schutz neu erbauter Städte erlangt der Bürger zusehends Wohlstand, Bildung und Emanzipation. Bürger die z.B. an einem Dom bauen, erhalten Lohn.
Die Menschen wollen das Einswerden mit Gott bewusst erleben. Zum Beispiel wird die Kathedrale ein Ort, in dem sich diese Wandlungen des Weltbildes widerspiegeln.
Das Querhaus erhält reich gegliederte Fassaden, Figuren im Tympanon und
reiche Gewändefigurenportale z.B.:
• Mailänder Dom
• Notre Dame
• Meißner Dom
• Kölner Dom
• Naumburger Dom
• Straßburger Münster
2.1 Frühgotik
• Kreuzrippengewölbe, die auf der Jochgliederung basieren
• Neubau von St. Denis; erstmals systematische Verwendung des Spitzbogens, Strebewerk
• Chorumgang ist unterteilter Einheitsraum
• 4. Stockwerk wird hinzugefügt (Triforium)
• Lanzettfenster ohne Maßwerk
• Zweiturmfassade, mit spitz auslaufenden Türmen
• reich ausgeschmückte Kapitellornamentik
• Bauplastik
• Bedeutende Glasmalereien
• Beispiele: - Abteikirche von St. Denis
- Kathedrale von Laon
- Kathedrale Notre Dame
2.2 Hochgotik
• geringere Anzahl von Fenstern
• Einturmfassade mit durchbrochenem Turmhelm
• reiche Bauplastik
• Kleinarchitektur
• 2. Stockwerk (Galerie) wird weggelassen
• Triforium
• Glasmalerei löst Freskenmalerei ab
• 3-5schiffige Basiliken
• Beispiele: - Kathedrale von Chartre
2.3 Deutsche Spät- und Sondergotik
• große Dächer
• schlanke Pfeiler
• einfache, spärliche Außenfassade
• Stern- und Netzgewölbe
• Blüte im 15. Jahrhundert
• 3-5schiffig
• Schiffe unterscheiden sich sehr geringfügig in der Breite
• phantasiereiche Kleinarchitektur
• Beispiele: - Erfurter Predigerkirche
2.4 Handzeichnungen
3. Plastik
• Plastik und Architektur verbinden sich
• Figuren stehen trotzdem frei
• Plastik ist ausdrucksgewaltigstes Organ für Geist der Zeit
• lebensnah Darstellung
• individuelle Züge
• betonte Körperlichkeit und Naturnähe
• Darstellung von idealer Schönheit in Frankreich
• Gewänder mit lockerem anmutigem Faltenwurf
• weibliche Figuren in geschwungener Haltung so genannte S-Krümmung dargestellt gotischer Schwung charakteristisch für die gotische Plastik
• Plastik erreicht in Gotik hohe Blüte
• Um 1400 entstand die
• Bekannte Künstler:
4. Malerei
• Verdrängung der Wandmalerei
• Loslösung von Baukunst
• Bemühung, Lebensnähe, Natürlichkeit zu zeigen
• Bilder werden bewegter
• kompakter Körperbau
• bei Mariendarstellung schauen sich Mutter und Kind an
• keine Schatten
• Maler sieht sich als Künstler
• bekannte Maler: - Stephan Lochner
• Entstehung eines neuen Gebietes der Malerei, da es viele Fenster gab Glasmalerei
Glasmalerei:
• Blüte in Hoch- und Spätgotik
• Themen: biblische Geschichten, Heiligenfiguren, aber auch Bauarbeiter bei ihren Beschäftigungen
• Vorgehensweise:
• Entwurf (Riss) wird hergestellt
• Fertigung eines Kartons (originalgroße Zeichnung, vorgesehene Farben werden eingetragen)
• Zuschnitt und Bemalung der einzelnen Glasteile
• Aufmalung von Umrissen und feinen Zeichnungen mit Schwarzlot
• Aufschmelzung im Brennofen
• Verbindung der Glasteile durch Bleistege
• Bleistege unterstreichen Linienführung der Bilder
• Prägung der Glasmalerei durch vier Komponenten: Glas, Farbpigment, Blei, Licht das durch Fenster gefiltert wird
Tafelmalerei:
• Auch Altarmalerei genannt
• Neuschöpfung der Gotik
• Verbindung zur Holzplastik
• Altar entwickelt sich zum Flügelaltar
5. Nachweis der Gotik
Beispiel: Meißner Dom
Der Dom zu Meißen wurde ab dem 10. Jahrhundert bis um 1530 gebaut. Er wurde zum Großteil in der gotischen Epoche errichtet. Der Meißner Dom ist drei schiffig, mit zwei spitauslaufenden, durchbrochenen Türmen. Man findet frühgotische Gewölbe, ebenso wie hoch- und spätgotische Gewölbe. Das Langhaus mit seinen wuchtigen Pfeilern und der Chor mit seinen riesigen Fenstern, dem Chorumgang und den typisch gotischen Glasmalereien, sind durch einen Lettner getrennt. Der Lettner war die Grenze zwischen dem „gemeinen Volk“ und der geistlichen Macht, die Wasser predigten und Wein tranken. Diese Lettner sind nur noch in wenigen Bauwerken zu sehen, da die Vielzahl durch Bilderstürmer zerstört wurde. Ein Merkmal ist auch das verkürzte Querhaus. Über dem Eingang im Westen findet man einen riesigen Vierpass. Der Chor weist abgestufte Strebepfeiler auf und in den hohen Fenstern ist reiches Maßwerk vorhanden. An das Querhaus schließt ein einzelner Turm an, was auf die hochgotische Einturmfassade schließen lässt. Eine Galerie ist nicht vorhanden. An den Türmen sind Fialen, Krabben und eine jeweilige Kreuzblume vorhanden.
An allen diesen Merkmalen ist zu erkennen, dass der Meißner Dom ein gotisches Bauwerk ist, in dem sich Früh-, Hoch- und Spätgotik vermischen.
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Heiner Schumann, 2002, Gotik, Munich, GRIN Publishing GmbH
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Die Holzbildwerke des 13. bis ...
Jan Friedrich Richter, Hedwig Röckelein, Thomas Labusiak
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Echt super hat mir sehr viel geholfen.
on Wednesday, April 10, 2002-
Teacher
Bewertung.
spitzen Arbeit
on Monday, April 28, 2003-
manu
bawertung;-).
ich finde deine arbeit super spitze
on Monday, February 28, 2005-
habua
gut gemacht.
ich würde (WENN ICH LEHRER WÄRE)dir eine 1 geben
on Monday, April 07, 2008-