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Skilled Out? Über die Bedeutung von ökonomischem Kapital, Humankapital und Sozialkapital

Title: Skilled Out? Über die Bedeutung von ökonomischem Kapital, Humankapital und Sozialkapital

Diploma Thesis , 2002 , 119 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Stephan Pflaum (Author)

Sociology - Work, Education, Organisation
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„Der erste, der ein Stück Land eingezäunt hatte und es sich einfallen ließ, zu sagen: dies ist mein und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der wahre Gründer der bürgerlichen Gesellschaft.(…) wie viel Not und Elend (…) hätte derjenige dem Menschengeschlecht erspart, der die Pfähle herausgerissen oder den Graben zugeschüttet und seinen Mitmenschen zugerufen hätte: ‚Hütet euch, auf diesen Betrüger zu hören; ihr seid verloren, wenn ihr vergesst, dass die Früchte allen gehören und die Erde niemandem.“1

Mit diesen Worten beginnt Jean Jacques Rousseau eines der Kapitel in seinem Diskurs über die Ungleichheit unter den Menschen. Sie machen ihn zum Wegbereiter der soziologischen Klassenanalyse. Bei Rousseau ist das Eigentum an Ressourcen – hier an Boden – der Grundstein für die Entstehung sozialer Klassen. Mit dem Eigentum eines Akteurs an einer Sache – das macht das Bild von den Pfählen und dem Graben deutlich – ist der Ausschluss anderer Akteure von dieser Sache und damit von deren Nutzen verbunden. Über das Eigentum entsteht dem Eigentümer so ein Vorteil, der zugleich ein Nachteil für den oder die Eigentumslosen ist.

Die Idee vom Eigentum und der damit verbundenen Entstehung von sozialen Klassen wird ein gutes Jahrhundert später von Karl Marx fortgeführt. Ähnlich Rousseau gibt es auch in seinem Gesellschaftsbild eine Klasse von Eigentümern, die Kapitalisten und eine Klasse von Eigentumslosen, die Arbeiter. Der Grundtenor der urmarxistischen Theorie ist bekannt: Da Angehörige der Arbeiterklasse über kein oder zumindest über kein ausreichendes Maß an Kapital zur Sicherung ihrer Existenz verfügen, sind sie gezwungen, ihre Arbeitskraft an die Kapitalisten gegen die Zahlung eines Lohns zu verkaufen. In diesem System, wie Karl Marx es beschreibt, kommt es zur Ausbeutung der Arbeiter, da sich die Kapitalisten des Mehrwerts der Arbeit bedienen. Der Mehrwert entsteht, da die Arbeiter länger für den Kapitalisten arbeiten, als zur Existenzsicherung erforderlich wäre. Er ist mit anderen Worten eine Rente, die durch den Faktor Arbeit entsteht, aber auf Seiten des Kapitals zu Buche schlägt. Diesen Tatbestand bezeichnet Karl Marx als Ausbeutung, die zwangsläufig zu antagonistischen Interessen zwischen der Klasse der Arbeiter und der Klasse der Kapitalisten führt.2 Wie bei Jean Jacques Rousseau ist auch bei Karl Marx das Eigentum an Ressourcen der Ausgangspunkt allen Übels [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Kapitalrente und Klassenanalyse

2.1 Der total wealth von Akteuren

2.2 Über Kapitalrenten, antagonistische Interessen und Ausbeutung

2.3 Stärken und Schwächen der Theorie

3 Die Erweiterung des total wealth-Konzepts

3.1 Die Bedeutung von ökonomischem Kapital

3.1.1 Die Eigenschaften von ökonomischem Kapital

3.1.2 Die Investition in ökonomisches Kapital

3.1.3 Die Renten aus ökonomischem Kapital

3.1.4 Zusammenfassung

3.2 Die Bedeutung von Humankapital

3.2.1 Die Eigenschaften von Humankapital

3.2.2 Die Investition in Humankapital aus individueller Sicht

3.2.3 Die Investition in Humankapital aus relationaler Sicht

3.2.4 Die Renten aus Humankapital

3.2.5 Zusammenfassung

3.3 Die Bedeutung von Sozialkapital

3.3.1 Die Eigenschaften von Sozialkapital

3.3.2 Die Investition in Sozialkapital aus individueller Sicht

3.3.3 Die Investition in Sozialkapital aus struktureller Sicht

3.3.4 Die Renten aus Sozialkapital

3.3.5 Zusammenfassung

4 Die Wechselwirkungen von ökonomischem, Human- und Sozialkapital

4.1 Humankapital als Funktion von Sozialkapital

4.2 Exkurs: Kulturkapital statt Humankapital?

4.3 Ökonomisches, Humankapital, Sozialkapital und status attainment

4.4 Zusammenfassung: Das 3K-Modell vom total wealth

5 Zusammenfassung und Ausblick: Was bleibt von den Klassen?

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von ökonomischem Kapital, Humankapital und Sozialkapital im Kontext der modernen Klassenanalyse, wobei sie das Konzept des "total wealth" nach Aage B. Sørensen als theoretische Basis nutzt, um ökonomische Renten, Ausbeutungsprozesse und antagonistische Interessen theoretisch zu fundieren und empirisch zu beleuchten.

  • Rentenbasierte Klassenanalyse und deren theoretische Stärken/Schwächen
  • Funktionsweise und Akkumulation von ökonomischem Kapital, Humankapital und Sozialkapital
  • Wechselwirkungen und institutionelle Einbettung der verschiedenen Kapitalformen
  • Strukturelle Bedingtheit von Ausbeutung und Klassenbildung
  • Status Attainment und das 3K-Modell des "total wealth"

Auszug aus dem Buch

Die Renten aus ökonomischem Kapital

Wie weiter oben bereits angedeutet, ist das Konzept der Rente Bestandteil der klassischen ökonomischen Theorie in der Tradition von Adam Smith, David Ricardo und Alfred Marshall. Als Beispiel für die Entstehung von Renten wurde die Beziehung zwischen Grundeigentümer und Pächter genannt. Diesen Zusammenhang gilt es nun zu verallgemeinern.

Renten entstehen dann, wenn von einer Kapitalressource X eine bestimmte unveränderliche Menge vorhanden ist. Hat ein Akteur A1 die Eigentumsrechte an dieser Ressource X, und ist ein zweiter Akteur A2 daran interessiert, diese Ressource wertschöpfend zu nutzen, so kann A1 seine Eigentumsrechte in Form von Nutzungs- oder Kontrollrechten an A2 übertragen. Diese Übertragung von Rechten wird in der Regel von A2 über eine Zahlung an A1 kompensiert. Diese Kompensationszahlung von A2 an A1 kann als Rente verstanden werden. Die Beziehung zwischen A1 und A2 bzw. die aus dieser ableitbare Rente kann auf verschiedene Art interpretiert werden.

Kombinierte Renten: Die von A2 an A1 abgeführte Kompensationszahlung ist eine kombinierte bzw. geteilte Rente. Durch die Übertragung der Nutzungsrechte an X an A2 kann A1 die Ressource nicht mehr oder nur noch eingeschränkt selbst nutzen. Diese verlorenen Nutzungsmöglichkeiten sind für A1 Opportunitätskosten, die von A2 über die Rentenzahlung kompensiert werden. A2 wiederum erzielt über den wertschöpfenden Einsatz der Ressource X einen Ertrag, aus dem ein bestimmter Teil als Rentenzahlung an A1 abgeführt wird. Auf diese Weise teilen sich A1 und A2 die Wertschöpfung aus dem Einsatz von X. Beziehungen dieser Art gehen Akteure dann ein, wenn zwei Ressourcen über eine kombinierte Anwendung einen höheren Ertrag abwerfen, als jede Ressource für sich allein genommen. Ein wichtiges Beispiel für eine solche Kombination von Ressourcen ist die Anwendung des Produktionsfaktors Arbeit auf den Faktor Kapital. Ein Arbeiter stellt einem Kapitalisten gegen die Kompensationsleistung des Lohns seine Arbeitskraft zur Verfügung. Der Kapitalist produziert durch Kombination dieser beiden Ressourcen einen bestimmten Ertrag, von dem – vereinfacht gesagt – ein Teil als Lohn an den Arbeitnehmer zurückfließt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die soziologische Klassenanalyse ein, kontrastiert die Ansätze von Marx und Weber und begründet die Relevanz des "total wealth"-Konzepts von Sørensen.

2 Kapitalrente und Klassenanalyse: Dieses Kapitel erläutert das "total wealth"-Konzept als Grundlage für die Analyse von Lebenschancen, Marktlagen und der Entstehung von ökonomischen Renten.

3 Die Erweiterung des total wealth-Konzepts: Der Hauptteil analysiert detailliert die Eigenschaften, Investitionsstrategien und Rentenbildung von ökonomischem Kapital, Humankapital und Sozialkapital.

4 Die Wechselwirkungen von ökonomischem, Human- und Sozialkapital: Hier werden die Interdependenzen der Kapitalformen untersucht, insbesondere durch Integration des Status-Attainment-Modells und Bourdieu’scher Konzepte.

5 Zusammenfassung und Ausblick: Was bleibt von den Klassen?: Das Schlusskapitel synthetisiert die Erkenntnisse und diskutiert kritisch die Zukunftsfähigkeit des Klassenbegriffs in einer individualisierten Gesellschaft.

Schlüsselwörter

total wealth, Klassenanalyse, ökonomische Rente, Humankapital, Sozialkapital, Ausbeutung, antagonistische Interessen, Marktlage, Status Attainment, Investitionsstrategien, Bildungszertifikate, Transaktionskosten, Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Sozialstruktur

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die soziologische Klassenanalyse auf Basis des "total wealth"-Konzepts von Aage B. Sørensen und untersucht, wie ökonomisches, Human- und Sozialkapital als Ressourcen für Marktakteure zur Entstehung von Renten und damit verbundenen Klassenstrukturen beitragen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die rentenbasierte Klassentheorie, die Mechanismen von Investitionen in verschiedene Kapitalformen sowie die strukturelle Bedingtheit von Ausbeutung und Interessenkonflikten in modernen Arbeitsmärkten.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, das "total wealth"-Modell um Humankapital und Sozialkapital zu erweitern, um eine präzisere Analyse von sozialen Ungleichheiten und den daraus resultierenden Klassenkonflikten zu ermöglichen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine theoretisch-analytische Methode, die auf der Integration von weberianischen und marxistischen Ansätzen durch das rententheoretische Modell von Sørensen sowie Erkenntnissen aus der Humankapitaltheorie und der Netzwerkforschung basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die spezifischen Kapitalformen (ökonomisch, human, sozial) isoliert betrachtet, ihre Investitionskalküle formalisiert und die Entstehung von Renten in unvollkommenen Märkten sowie deren gesellschaftliche Auswirkungen diskutiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie "total wealth", Klassenanalyse, ökonomische Rente, Sozialkapital, Humankapital und Ausbeutung charakterisiert.

Wie unterscheidet sich die Arbeit von klassischen Klassenmodellen?

Während klassische Modelle oft von festen Klassenlagen ausgehen, fokussiert diese Arbeit auf die situative Entstehung von Renten durch unterschiedliche Kapitalressourcen und deren Auswirkung auf individuelle Lebenschancen und Marktinteressen.

Welche spezifische Rolle spielt das Sozialkapital in diesem Modell?

Sozialkapital fungiert als relationaler Faktor, der die Investitionsbedingungen (Kosten/Nutzen) für andere Kapitalformen beeinflusst und somit maßgeblich an der Schließung oder Öffnung von Netzwerken und dem Zugang zu Renten beteiligt ist.

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Details

Title
Skilled Out? Über die Bedeutung von ökonomischem Kapital, Humankapital und Sozialkapital
College
LMU Munich  (Institut für Soziologie)
Grade
1,5
Author
Stephan Pflaum (Author)
Publication Year
2002
Pages
119
Catalog Number
V10599
ISBN (eBook)
9783638169769
Language
German
Tags
Humankapital Sozialkapital soziale Ungleichheit Klassenanalyse
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stephan Pflaum (Author), 2002, Skilled Out? Über die Bedeutung von ökonomischem Kapital, Humankapital und Sozialkapital, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10599
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