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Vorwort
Das Brisante an der Pädagogik ist, daß man nicht mit Gegenständen umgeht, sondern mit Menschen!
In der heutigen Zeit der verstärkten Emanzipation des Einzelnen in der Gesellschaft und dem Wunsch nach Verwirklichung und Individualisierung wird gleichzeitig die Forderung nach mehr Toleranz und Kooperation immer lauter. Dem allgegenwärtigen Egozentrismus und dem - besonders durch die Medien propagierten - steigenden Gewaltpotential steht in meinen Augen ein immer größer werdendes Bedürfnis nach Verständnis, Harmonie und Familie gegenüber. Diese Offenheit unserer Gesellschaft für individuelle Lebens- und Wertvorstellungen läßt die Menschen unsicher werden. Tradierte Normen und Verhaltensmuster verlieren an Geltungskraft. Auch die Erziehungsvorstellungen haben sich teilweise verändert.
Erziehung in dem Sinne, jemanden zu er-ziehen, also heranzuziehen und für ein selbständiges Leben vorzubereiten, scheint nahezu eine Doktrin zu sein. Denn wer maßt sich an, wirklich die Bedürfnisse eines anderen zu kennen? Hilfebedürftige Familien werden noch immer erzogen, indem ihnen veraltete pädagogische Modelle übergestülpt werden, bei denen nur die Symptome statt die Ursachen behandelt werden. Trotz neuer Perspektiven scheint sich die Pädagogik noch nicht von den traditionellen linearen Sichtweisen trennen zu wollen.
Es gibt seit Jahren ein neues pädagogisches und psychologisches Modell, das seine Wurzeln in der traditionellen Familientherapie, welche vor 40 Jahren entstand, hat und welches sich seitdem weiterentwickelte: die systemische Theorie! Als lösungs- und ressourcenorientierte Therapie/Beratung sieht sie „Probleme” als hilfreich und nützlich an. Mit ihrer Hilfe wird der Familie eine Chance gegeben, sich wieder neu zu orientieren, indem gemeinsam nach Lösungen gesucht wird. Die Familie wird nicht vom Boden aufgehoben, sondern es wird ihr die Kraft gegeben, selber aufzustehen. Problemlösungen werden von der Familie selbst erarbeitet und zwar im Rahmen dessen, was jede einzelne Person in der Familie leisten kann, um wieder eine gemeinsame Grundlage des Zusammenlebens zu finden. Dabei ist diese Form der Beratung als Hilfe zur Selbsthilfe zu sehen. Ihre Methoden sind nachweislich erfolgreich. Das Arbeitskonzept FAM (Familienaktivierungsmanagement) 1 basiert auf dem systemischen Ansatz, bedient sich aber auch anderer Denkrichtungen wie z.B. der Verhaltenstherapie. Es ist ein Kriseninterventionsprogramm und dient der ressourcen- und lebensweltorientierten Jugendhilfeplanung. Im Rahmen eines Modellprojekts, das die Bundesregierung für drei Jahre förderte, wurde es von 1996 bis ’99 durch die Stiftung St.
1 Im Folgenden werde ich der Einfachheit halber bei der Abkürzung FAM bleiben.
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Wendel 2 im ganzen Saarland angewandt. In der Zwischenzeit wird FAM in den meisten Ländern der BRD angeboten, wobei die Fallzahlen mit ihren Erfolgen für sich sprechen. Ich selbst wurde vor vier Jahren auf das Programm aufmerksam und verfolge seitdem seine Entwicklung. Literatur hierzu gibt es wenig. Die Methoden und Ideen von FAM setzen sich aus den verschiedenen Lehrbüchern der systemischen Therapie zusammen und liegen dem amerikanischen Originalmodell „families first” zugrunde. Stark vertreten ist FAM im Internet 3 , und auch aus Aufsätzen für Sozialzeitschriften und -magazine habe ich meine Informationen bezogen. Die Fallbeispiele, die ich anbringe, stammen aus der FAM-Stelle des Deutschen Roten Kreuzes 4 (DRK) in Langen bei Bremerhaven, welches den Kreisverband Wesermünde im Landkreis Cuxhaven betreut.
Als Studentin der Sonderpädagogik auf Lehramt gilt mein Interesse FAM, da ich als Lehrerin definitiv mit sogenannten „Problemkindern” in Kontakt bin, besonders da meine erste Fachrichtung „Pädagogik bei Verhaltensstörungen” ist. Realistisch gesehen ist der Lehrer oft mehr Bezugsperson für die Kinder als deren eigene Eltern. Ich werde Kontakt mit dem Jugendamt haben, und FAM wird über das Jugendamt vermittelt. Ich halte es daher für sinnvoll, mich über verschiedene Lösungsansätze, die ich in meiner späteren Arbeit einsetzen kann, zu informieren.
Die systemische Therapie/Beratung, auf der FAM basiert, ist nicht nur in Schule und Sozialer Arbeit anwendbar. Weitere Anwendungsbereiche der Systemtheorie sind auch Supervision, Familienmedizin, Psychiatrie, Management, Industrie und Politik. Auch in Krisensituationen des Alltags und im Privatleben können ihre Methoden und Techniken umgesetzt werden.
1. Familienberatung
1.1. Zum Begriff „Beratung”
Ursachen für die Beratungsbedürftigkeit sind lebenspraktische, soziale, seelische, körperliche und/oder wirtschaftliche Schwierigkeiten (Belardi, 1996, S. 32). Ein Ratsuchender 5 sieht sich vor Probleme gestellt, die er durch eigenes Handeln nicht lösen
2 Kinder-, Jugend und Altenhilfe
3 Die entsprechenden Adressen sind im Literaturverzeichnis aufgeführt.
4 Auch hier werde ich der Einfachheit halber die Abkürzung DRK verwenden.
5 Ich bin mir klar darüber, daß auch weibliche Personen hilfesuchend sein können. Die Beschränkung auf männliche Personen hat keinesfalls diskriminierenden Charakter,
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kann. Von Beratung wird dann gesprochen, wenn ein Experte dem Ratsuchenden Auskunft über mögliche und den Umständen angemessen erscheinende Entscheidungen gibt. Beratung kann sich auf alle Bereiche des täglichen Lebens beziehen. Beratung soll in der Hilfe zur Selbsthilfe bestehen und nicht in der Delegation der Problembewältigung an den Berater. Sie ist auf Verselbständigung und Unabhängigkeit der Ratsuchenden ausgerichtet. Außerdem beinhaltet Beratung Freiwilligkeit des Klienten und läßt ihm seine Eigenverantwortlichkeit bzw. befähigt ihn dazu (Flügge, 1991, S. 18).
1.1.2. Ausbildung der Berater
Es gibt Beratungen im weiteren Sinne, die vom hilfreichen Gespräch mit dem Nachbarn oder Kollegen bis zur Wegweisung durch selbsternannte Experten für Lebensfragen aller Art reichen. Eine Professionalisierung des Experten hat sich vor allem dort ausgebildet, wo das Befolgen seiner Ratschläge rechtsrelevante Folgen hat bzw. haben kann. In den entsprechenden Bereichen hat der Experte dann eine öffentlich-rechtlich anerkannte Ausbildung absolviert. Die Träger von Einrichtungen der Jugend-, Ehe-, Familien- und Lebensberatung definieren in ihren Ordnungen sehr genau, welche Ausbildung und welche Art von Berufserfahrung Berater nachzuweisen haben, da im Rahmen psychosozialer Hilfsangebote der Begriff der Beratung enger gefaßt wird als in der Umgangssprache (BMFuS, 1993, S. 7).
1.1.3. Aufgaben und Ziele der Beratung
Die Aufgabe von Beratung besteht darin, die Ratsuchenden bei der Lösung von Problemen in der Lebensführung zu unterstützen, ohne ihnen eine bestimmte Lösung aufzudrängen. Das Ziel ist erreicht, wenn der Ratsuchende in der Beratung fachkundige Unterstützung erfährt, die zu selbständig erarbeiteten Lösungen führt. Das Ziel der Beratung ist nicht so sehr ein Ratschlag, den der Betroffene befolgt, sondern Unterstützung beim Finden eines Lösungswegs, den der Ratsuchende als eigene Entscheidung akzeptiert und an dem er sein weiteres Handeln orientiert (BMFuS, 1993, S. 8).
1.1.4. Beratungsende
sondern dient der Vereinfachung des Lesens und Schreibens. Im gesamten Dokument werde ich die maskuline Form und das verallgemeinernde „man” verwenden. Beides schließt ebenso den weiblichen Part ein. Auf abweichende spezielle Formen werde ich entsprechend hinweisen.
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Manche Ratsuchende möchten unbegrenzt Beratung haben 6 . Das ist zum einen nicht möglich, da evtl. die Warteliste der institutionalen Beratungsstelle voll ist. Und zum anderen würde das erreichte Ziel der Unabhängigkeit des Betroffenen zunichte gemacht und in eine Abhängigkeit (vom Berater) umkehren.
Je nach Dauer - ob die Anzahl der Beratungsstunden vorgegeben oder frei ist - und Intensität der Beziehung ist entsprechend früh auf den Beratungsabschluß vorzubereiten. Vor allem, wenn die Ratsuchenden positive Veränderungen erfahren haben, muß auf das Beratungsende vorbereitet werden (Belardi, 1996, S. 85).
2. Familienberatung und Familientherapie
2.1. Abgrenzung von Beratung und Therapie
Aufgabe der Beratung ist, eine Orientierungsgrundlage zu schaffen (BMFuS, 1993, S. 8). Die Beratung kann Wege zur Hilfe, gelegentlich zur Schadensbegrenzung, aufzeigen, muß es aber dem Ratsuchenden selbst überlassen, ob er diesen Weg gehen will. Eine Therapie erfordert eine sorgfältige Diagnose und dient der Behebung bzw. Linderung der behandlungsbedürftigen Störungen. Allerdings gibt es fließende Übergänge zwischen Beratung und Therapie. Häufig erleben Ratsuchende durch das Beratungsgespräch schon eine Entlastung vom Leidensdruck. Sie fühlen sich erleichtert und können die Problemsituation und alternative Lösungen aus einer gewissen Distanz heraus sehen. Dies ist allerdings nicht das Ergebnis einer Therapie, denn die objektiven Probleme bestehen noch immer (BMFuS, 1993, S. 12 f.).
Des weiteren unterscheiden sich Beratung und Therapie in ihrer Dauer: Beratung als kurzfristige Intervention 7 ; Therapie als längerfristige Intervention (Belardi, 1996, S. 41).
2.2. Familienberatung
2.2.1. Aufgaben und Ziele der Familienberatung
Familienberatung ist (nach dem Wissenschaftlichen Beirat für Familienfragen) die Gesamtheit der Beratungshilfen für Männer und Frauen wie für Eltern und Kinder (BMFuS, 1993, S. 3). „Familienberatung soll Familienverhältnisse bessern.” (Oswald/Müllensiefen, 1986, S. 89)
6 Das hängt u.a. mit den unrealistischen Erwartungen der Betroffenen zusammen. Ausführlich nachzulesen bei Belardi, 1996
7 „Vermittlung” nach DUDEN; ich finde „Eingreifen” passender
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Sie soll die Familie bei der Bewältigung ihrer Aufgaben unterstützen oder einzelnen Mitgliedern helfen, innerhalb der Familie - oft auch in stärkerer Unabhängigkeit von ihreinen eigenen Weg zu finden.
Familienberatung versucht „durch Einsatz ihrer fachlichen Kompetenzen ein möglichst hohes Maß an seelischer Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien zu erreichen, indem sie dazu beiträgt, daß sich junge Menschen ihren Fähigkeiten entsprechend entfalten und aktiv mit den Anforderungen der Umwelt auseinandersetzen können.” (Flügge, 1991, S. 14)
2.3. Familientherapie
Ebenso wie die Familienberatung hat die Familientherapie das Ziel, die Konfliktregelung in der Familie wieder herzustellen. Sie hat den Anspruch, familiäre Probleme grundsätzlich durch eine Umstrukturierung der Beziehung lösen zu können (Oswald/Müllensiefen, 1986, S. 7).
„Familientherapie gibt dem identifizierten Patienten seine Fähigkeit zur Selbstbestimmung innerhalb eines veränderten familialen Kontextes zurück. Wenn die latenten Möglichkeiten der Familie zur Selbstheilung wieder entdeckt und aktiviert wurden, dann gilt das Fehlverhalten des einzelnen nicht länger als Stigma, sondern als ein Signal und als die Chance, innerhalb einer Gruppe, die ihre eigene Geschichte besitzt, zu wachsen und sich zu entfalten. In einem solcherart veränderten Umfeld fällt es allen Familienmitgliedern leichter, sich stärker am Leben der Gemeinschaft zu beteiligen.” (Andolfi, 1988, S. 11)
2.3.1. Anfänge der Familientherapie
Erste Ansätze familienorientierter Arbeit finden sich bereits in der Sozialarbeit des letzten Jahrhunderts. Bereits 1890 kritisierte die amerikanische Sozialarbeiterin Zilpa Smith ihre Kollegen: „Die meisten von euch behandeln arme oder kranke Einzelpersonen, ohne ihre Familienbeziehungen zu sehen. Wir behandeln die Familie als Ganzes, meist mit dem Ziel, sie zu erhalten, manchmal aber auch, um bei der Auflösung zu helfen.” 8 . Die frühen Familienstudien ab den 40er Jahren suchten nach Ursachen bzw. der einen Ursache psychischer Störungen, und die Therapeuten behandelten ausschließlich Einzelpatienten. Zur Klärung symptomatischen Verhaltens bediente man sich des linearen Denkens (Kap. 4.1.1.).
8 vgl. Broderick,C., Schrader, S.: „The History of Professional Marriage and Family Therapy”, 1981 in Schlippe von/Schweitzer, 1998, S. 18
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Erst in den 50er Jahren begannen an verschiedenen Orten der Welt Psychotherapeuten mit Familien statt nur mit Einzelpatienten zu arbeiten (systhema, 1995, S. 6). Die - heute bekannten - Einwegspiegel wurden eingesetzt, um Familieninterviews live mitzuerleben. Man stellte fest, daß jedes Familienmitglied in das Netzwerksystem der Familie eingebunden ist und daß bestimmte Verhaltensmuster in bestimmten Situationen erlernt und somit vorherzusagen sind.
2.3.2. Die Entwicklung der Familientherapie
In den 60er Jahren wurden u.a. in Palo Alto, Kalifornien, interessante Beobachtungen in der Arbeit mit schizophrenen 9 Persönlichkeiten gemacht, was zu einer neuen Sichtweise von Problemen und Krankheiten führte. Schizophrenie, die bis dahin als Geisteskrankheit des Individuums verstanden worden war, konnte nicht mehr unter Ausschluß des wechselwirkenden Familienverhaltens betrachtet werden. Man begann zu zweifeln, ob Schizophrenie im medizinischen Sinne überhaupt eine Krankheit war. Vielleicht nicht mal eine Störung, sondern eine normale Äußerung, die im Familienkontext Bedeutung hat und somit eher als Problemlösungsstrategie anzusehen ist. „Probleme” und psychische Störungen sind nicht „Eigenschaften” einzelner Personen, sondern Bestandteil sozialer Systemstrukturen (Hoffman, 1987, S. 2). Das war der Beginn der systemischen Familientherapie oder der systemischen Praxis. Die oben genannten Untersuchungen am „Mental Research Institute” (MRI) in Palo Alto, in dem auch Paul Watzlawick tätig war, hatten großen Einfluß auf die ersten systemischen Modelle, die sich in den 60er und 70er Jahren etablierten.
Seitdem entwickelte sich die Familientherapie in verschiedene Richtungen. Drei dominierende Strömungen lassen sich ausmachen (systhema, 1995, S. 7 ff.):
I. Klassische Modelle
II. „Kybernetik 2. Ordnung” III. Narrative Ansätze
Jede dieser Strömungen beinhaltet systemische Modelle, von denen ich einige im Kapitel 4 kurz vorstellen werde. Ebenso werde ich dort die Kerngedanken der drei großen Richtungen erläutern.
3. Der Ansatz der Systemischen Beratung
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Die systemische Beratung bildet einen eigenständigen Denk- und Handlungsansatz, der sich - wie bereits beschrieben - aus der Familientherapie unter Einbeziehung moderner System-und Kommunikationswissenschaften entwickelte. Der systemische Ansatz bietet Konzepte und Instrumentarien, um die Komplexität und Vernetzung der Wirklichkeit als dynamischen Prozeß zu erkennen und zu verändern (Bötel, 2001). Die oben genannten verschiedenen systemischen Richtungen basieren auf einigen wesentlichen gemeinsamen Grundeinsichten, die ich hier kurz erwähnen möchte.
3.1. Was ist ein „System”
Ein System kann mehrere Vorstellungen beinhalten, je nachdem, von welchem Standpunkt aus man es betrachtet. Es ist sowohl ein Gefüge, ein einheitliches Ganzes als auch ein aus grundlegenden Einzelerkenntnissen zusammengestelltes Ganzes (DUDEN). Es ist ein Unterschied, ob man ein Heizungssystem, einen Ameisenhaufen, einen Menschen, eine Familie oder eine Gesellschaft als System betrachtet.
In der systemischen Beratung werden alle sozialen Strukturen in eigenständige Systeme unterteilt. Der Begriff System bezeichnet in der Systemtheorie eine Gruppe von Menschen, die als Ganzes interagieren und deren Beziehungen untereinander intensiver und produktiver sind als ihre Beziehungen zu anderen Elementen (Willke, 1993 in Schlippe von/Schweitzer, 1998, S. 55). Jeder Mensch ist Teil eines Systems, das wiederum Teil eines größeren komplexen Systems ist. „Ein System wird immer erst dann als solches erkennbar, wenn es von einer Umwelt unterschieden werden kann, das heißt, es geht offenbar gar nicht ohne den Beobachter, der die Entscheidung darüber trifft, was er oder sie als „System”, was als Umwelt betrachtet” (Schlippe von/Schweitzer, 1998, S. 54).
3.2. Das System Familie
Die Familie bildet das primäre und kleinste System. Geschwisterpaare, Ehepartner, weibliche und/oder männliche Familienmitglieder werden bereits wieder in Subsysteme unterteilt, wobei die Konstellationen variabel sind. Die Familie an sich ist das einflußreichste System, dem ein Mensch im Laufe seines Lebens angehört (McGoldrick/Gerson, 1990). Nahezu alle Menschen sind in Familiensystemen organisiert. Das Interesse der systemischen Beratung liegt auf dem persönlichen Umfeld, den sozialen Bezugssystemen, dem Beziehungsgefüge und dem „Spiel” der Interaktionen in den Systemen (Bötel, 2001). Die interfamiliären Beziehungen sind von Mustern geprägt, die sich
9 bewußtseinsgespalten, widersprüchlich
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tendenziös wiederholen (McGoldrick/Gerson, 1990). Das körperliche, emotionale und soziale Wohl jedes Mitglieds steht in einer wechselseitigen Beziehung zu dem Familiensystem. Veränderungen in einem Teil des Systems nehmen Einfluß auf andere Teile. Die Position, die der Einzelne in der Familienstruktur einnimmt, kann sein funktionales bzw. dysfunktionales Verhalten und die von ihm bevorzugten Beziehungsmuster nachhaltig beeinflussen. Dies schlägt sich sogar auf den in der nächsten Generation gegründeten Familientypus nieder.
3.3. Was ist ein „Symptom”?
Symptome sind ein unerwünschter Zustand, der von jemandem als Problem und als veränderungsbedürftig angesehen wird, was impliziert, daß sie prinzipiell veränderbar sind (Schlippe von/Schweitzer, 1998, S. 103). Das führt zu einer weiteren Kernfrage der systemischen Theorie: der Sichtweise von Symptomen oder Störungen.
Diese werden daraufhin untersucht, welchen Sinn sie innerhalb eines bestimmten Beziehungskontextes haben. Menschen erwerben im Laufe ihres Lebens bestimmte Grundüberzeugungen, nach denen das Leben ausrichtet wird. Symptome stellen oftmals Lösungsversuche in schwierigen Lebenssituationen dar, in denen der Betroffene nicht mehr in der Lage ist, seine Vorsätze flexibel zu handhaben.
Symptome werden nicht einem Einzelnen zugeordnet, sondern als Beziehungsphänomene gesehen. Eine als streitsüchtig beschriebene Person ist nicht an sich streitsüchtig, sondern zeigt dieses Verhalten in spezifischen Situationen in der Beziehung zu ganz bestimmten Menschen, z.B. dem Ehepartner gegenüber. Anderen gegenüber zeigt sie sich vielleicht eher kompromißbereit und kooperativ (Bötel, 2001).
3.4. Die Rolle des Beraters
Wie in Kapitel 3.1. erwähnt, spielt der Beobachter in der systemischen Theorie eine wesentliche Rolle, da er das System als solches erkennt. In der systemischen Beratung fällt die Aufgabe des Beobachtens der Beratungsperson zu. Jedoch ist der Berater während seiner Beratungstätigkeit ähnlich wie die Familienmitglieder in die Struktur und Beziehungsregeln der Familie eingebunden. Er ist also Teil des familiären Systems (Oswald/Müllensiefen, 1986, S. 68). Trotzdem darf er sich nicht so involvieren lassen, daß er seine außenstehende Position als Beobachter aufgibt. Um dieser verantwortungsvollen Position gerecht zu werden, ist es unabdingbar, sich einiger Leitlinien der Systemtheorie zu bedienen.
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Der Berater muß sich der Subjektivität seiner Wirklichkeitsbetrachtung bewußt sein. Aufgrund dieser Bewußtheit kann er sich selbst steuern. Während der Beratung/Therapie ist er verantwortlich für den Prozeß eines gemeinsamen Verstehens. Er sorgt für Perspektiven- und Rollenvielfalt. Die Arbeit in der systemischen Beratung ist lösungs- und ressourcenorientiert und nicht an Problem- und Defizitbeschreibungen ausgerichtet. Der Berater geht also davon aus, daß alle Fähigkeiten (Ressourcen), ein Problem zu lösen oder ein Symptom aufzugeben, in der Regel in jedem Einzelnen vorhanden sind und ihm in Krisensituationen nur oft nicht zur Verfügung stehen. Prozeßleitend ist hier die Zielbestimmung und Eigenverantwortung des Klienten. Für diesen Prozeß steht dem Berater ein spezielles systemisches Handwerkszeug zur Verfügung wie vor allem das zirkuläre Fragen (Kap. 12.7.) und die Aufstellungsarbeit (Kap. 13.1.).
3.5. Grundannahmen der systemischen Theorie
Dieses Kapitel dient sowohl der Zusammenfassung des oben Genannten als auch der Weiterführung zum nächsten Teil. Ich stelle in Stichpunkten die Grundthesen der systemischen Theorie dar, wobei ich mich an Steve DeShazer orientiere. 1) Systeme sind dynamische Ganzheiten.
2) Alle Teile eines Systems sind miteinander verknüpft und wirken aufeinander ein. 3) Das Verhalten eines Systems entsteht aus dem Zusammenwirken seiner Teile. 4) Wenn ein Teil eines Systems sich verändert, müssen sich die anderen Teile verändern, um die Änderung zu verarbeiten -> Kleine Änderungen führen zu größeren Änderungen. 5) Große Probleme benötigen nicht notwendigerweise große Lösungen. 6) Komplizierte Probleme benötigen nicht notwendigerweise ebenso komplexe Lösungen. 7) Zu wissen, was man vermeiden muß, ist genauso wichtig wie zu wissen, was man tun muß. 8) Ein Erfolg darf nicht fixiert, sondern ausgebaut werden. 9) „Viele Wege führen nach Rom.” -> Es gibt nicht nur einen Lösungsweg. 10) Der Therapeut muß mit Bedacht vorgehen und darf den Klienten nicht hetzen. Zu schnelle Bewegungen bewirken Schwierigkeiten.
11) Klienten erzählen dem Therapeuten bereits, wie er mit ihnen kooperieren kann, wenn er genügend zuhört.
12) Lineare Ursache-Wirkungs-Ketten (in menschlichen Beziehungen) bilden kein passendes Modell zum Verständnis dynamischer Ganzheiten.
13) Veränderung entsteht kontinuierlich und unausweichlich, daher ist es wichtig zu wissen, was die Klienten beibehalten wollen.
14) Jedes Leidensmuster enthält irgendeine Art von Ausnahme zu der Regel, die als Hinweis für die Lösung dienen kann.
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15) Die Kenntnis der Regelungsmechanismen ist Voraussetzung für ein rationales Beeinflussen des Systemverhaltens.
16) Die Beeinflussung komplexer Systeme erfolgt durch Änderung der Regeln zur Erzeugung gewollter Verhaltensmuster.
17) Muster erscheinen in Zeit und Raum. Die Veränderung von Zeit (wann) und Raum (wo) sind häufig Wege, um schnelle und prompte Lösungen zu entwickeln.
4. Die drei Richtungen und ihre Modelle
Dieses Kapitel scheint vom eigentlichen Thema „Beratung in der Familie mithilfe des Kriseninterventionsprogramms FAM” abzulenken. Dem ist nicht so. FAM basiert auf den Denkansätzen der systemischen Theorie und bedient sich der Methoden unterschiedlicher systemischer Modelle. Daher ist es notwendig, dem Leser einen kurzen Einblick in die Originalkonzepte zu gewähren, um bei der späteren Betrachtung von FAM auf Parallelen hinweisen zu können. Einige Ansätze sind bei FAM stärker vertreten als andere Modelle (z.B. die Kybernetik 2. Ordnung). Ihnen lasse ich mehr Beachtung zukommen als den Modellen, die eine weniger große Bedeutung für FAM haben. Um nicht den Rahmen der Arbeit zu sprengen, verzichte ich vollkommen auf die Darstellung einiger systemischer Modelle. Auf ausführliche Literatur verweise ich am Ende dieser Arbeit 10 .
4.1. Die traditionellen Modelle
Wie schon in Kap. 2.3.2. erwähnt, dachte man über Geisteskrankheiten traditionsgemäß in linearen Begriffen mit historischen und kausalen Erklärungen. Diese Erklärungen basierten meistens auf einem medizinischen oder einem psychodynamischen Modell. Ich stelle beide Modelle im Präteritum vor, gehe aber davon aus - und der Leser wird mir (evtl. erfahrungsgemäß) zustimmen - daß sie noch immer häufig angewandt werden.
4.1.1. Das Ursache-Wirkungsdenken (lineares Denken)
Beruhten die kausalen Erklärungen auf einem medizinischen Modell, wurden emotionales oder geistiges Unglück mit einer Krankheit oder einer biologischen Störung gleichgesetzt. Somit waren die Behandelnden Ärzte und die Umgebung meist ein Krankenhaus. Die Behandlung bestand darin, „eine ‘Aetiologie’ (Ursachenforschung) der sogenannten
10 Besonders empfehlen kann ich in diesem Zusammenhang Hoffmann, Lynn, 1987.
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Krankheit zu betreiben - ein typisch lineares Gebilde - und dann eine Behandlung einzuleiten, wie zum Beispiel Drogen verabreichen oder andere Mittel zu erfinden, mit denen diese körperlichen Vorgänge verändert oder blockiert werden können, die man für den Zustand des Patienten verantwortlich” (Hoffman, 1987, S. 3) machte.
4.1.2. Das psychodynamische Modell
Entdeckungen des 19. Jahrhunderts über Formen der Energie wie Elektrizität und Dampf beeinflußten dieses Modell. „Die physikalische Welt des Newton geht vom Modell des Billardspiels aus, bei dem die Kausalität linear ist und die Kräfte in einer Richtung auf die Dinge einwirken.” (Hoffman, 1987, S. 4)
Anhänger des psychodynamischen Modells gingen davon aus, daß den Symptomen ein verdrängtes 11 Trauma oder ein verdrängter nicht verarbeiteter Konflikt in der Vergangenheit des Patienten zugrundeliegt. Die Behandlung bestand darin, dem Patienten zu helfen, die Erinnerung an dieses Ereignis zurückzugewinnen, die Emotionen neu zu erleben und im Rahmen der therapeutischen Beziehung zu verarbeiten. Somit würde dem Patienten das Erlebnis bewußt gemacht, und er würde das Symptom vermutlich nicht länger brauchen (Hoffman, 1987, S. 4).
4.2. Systemtherapeutische Modelle im Überblick
11 ins Unterbewußtsein verdrängt
12 „Wissenschaftstheorie, die von einer synchronen Betrachtungsweise ausgeht u. die allem zugrundeliegenden, unwandelbaren Grundstrukturen erforschen will.” nach DUDEN
12
4.2. Klassische Modelle
4.2.1. Strukturelle Familientherapie
In den 70er und 80er Jahren war das Konzept der strukturellen Familientherapie aus Philadelphia sehr beliebt. Sein Begründer ist Salvador Minuchin, der anfangs mit unterprivilegierten Familien und schließlich mit psychosomatischen - vor allem magersüchtigen - Patienten arbeitete.
Minuchins Modell liegt die Annahme zugrunde, daß jede Familie eine eigene Kultur hat, der eine jeweils spezifische Struktur unterliegt (Minuchin/Fishman, 1988, S. 27 ff.). Der Therapeut geht vom Veränderungswunsch der Familie aus. Er muß Zugang zu der Kultur der Familie bekommen, um dann nach Wegen, die die Strukturen und damit die Kultur verändern, zu suchen. Minuchins Arbeit ist vor allem aufgebaut auf dem Konzept der Grenzen und der Hierarchie. Wie sind die Grenzen zwischen Eltern und Kindern (Generationsgrenzen)? Wie sind die Subsysteme organisiert (Subsystemgrenzen)? Familien funktionieren gut, wenn die Grenzen weder zu schwach noch zu starr sind. Der Therapeut kann eine Menge Techniken gebrauchen, um die Grenzen herauszufordern 15 . Er kann z.B. seine Fragen sehr direkt stellen: „Wie haben sie es nur geschafft, sich solche Monster großzuziehen?” oder seine Beobachtungen der Familie kundtun: „Ah, ich sehe, du brauchst gar keine Stimme, du hast ja deine Mutter, die deine Stimme darstellt.”
13 Beschäftigt sich mit der Frage, wie menschliche Erfahrung zustande kommt und wie das entsteht, was wir gewohnheitsgemäß Realität bezeichnen.
14 Realität ist nicht das, was sie zu sein scheint, sondern eine soziale Konstruktion sozialer Akteure
15 ausführlich nachzulesen bei Minuchin, Salvador/Fishman, H. Charles: „Praxis der strukturellen Familientherapie”, 1988
13
Minuchin wurde nicht zuletzt durch seinen provozierenden Stil bekannt (systhema, 1995, S. 8).
4.2.2. Das Mehrgenerationen-Modell
Anfang der 80er Jahre wurde in Deutschland das Heidelberger Modell oder auch das Mehrgenerationen-Modell entwickelt, das sich aus den psychoanalytischen Denkweisen ableitet und erst spät systemische Vorstellungen integrierte. Als Vorantreiber dieses Konzeptes gelten Ivan Boszormenyi-Nagy und seine Co-Autorin Geraldine Sparks. Bei diesem Modell muß der Therapeut einen Blick in die Vergangenheit der Familie werfen, um zu sehen, „wie Verhalten, Erleben oder auch Symptome Sinn ergeben, wenn man Vermächtnisse aus früheren Generationen berücksichtigt und die Frage stellt, inwieweit diese erfüllt wurden beziehungsweise erfüllbar waren.” (Schlippe von/Schweitzer, 1998, S. 25). Die Führung der „Konten” von Familienvermächtnissen wird als Kernfrage dafür angesehen, ob jemand aus einem System ausgeschlossen wird oder nicht (systhema, 1995, S. 8). Ungeliebte Verhaltensmuster sieht Nagy nicht unbedingt als negativ an, sondern spricht ihnen eine Erhaltungsfunktion der Familie zu 16 .
4.2.3. Erlebnisorientierte Familientherapie
In den 90er Jahren schließlich wurde vom Begründungsmitglied des MRI in Palo Alto Virginia Satir der erlebnisorientierte Ansatz konzipiert. Er orientiert sich an der Humanistischen Psychologie 17 .
„In ihrem Ansatz ist der Selbstwert einer Person der Schlüssel aller Phänomene unseres geistigen und sozialen Lebens.” (systhema, 1995, S. 9) Satir vertritt die Ansicht, daß der Selbstwert einer Person für eine stimmige Kommunikation unerläßlich ist und daß somit eine vertrauensvolle therapeutische Beziehung einen wesentlichen Bestandteil des Veränderungsprozesses darstellt. In der Therapie soll ein stabiler Selbstwert entwickelt werden, um dem Patienten zu ermöglichen zu sagen, was er wirklich denkt, anstatt das zu sagen, was man von ihm erwartet 18 .
4.2.4. Systemisch-kybernetische Familientherapie
16 Fallbeispiele hierzu nachzulesen bei Hoffman, Lynn, 1987, S. 256 ff.
17 Optimistisches Modell: der Mensch sei von Grund auf gut und in der Lage, mit den Schwierigkeiten des Lebens fertigzuwerden in einer Weise, die auf Respekt und Liebe basiert, wenn der Betreffende die Möglichkeit hat, sich frei zu entscheiden.
14
Mitte der 70er Jahre kamen weiterführende Denkanstöße von vier Therapeuten aus Mailand, die als systemisch-kybernetische Familientherapie oder als das Mailänder Modell bekannt wurden. Ähnlich wie bei Palo Alto basieren die in der Entwicklung der Familientherapie nachfolgenden Konzepte auf diesem Ansatz, und somit ist das Mailänder Modell „für praktisch alle Konzepte systemischer Therapie von unschätzbarer Bedeutung” (Schlippe von/Schweitzer, 1998, S. 21). Obwohl die vier Begründer ausgebildete Psychoanalytiker waren, wollten sie dennoch das Bezugssystem der Analyse verlassen und arbeiteten familientherapeutisch mit Familien mit magersüchtigen und schizophrenen Mitgliedern.
„Familie” wird gesehen als regelgeleitetes System. Wie in jeder anderen Gruppe auch entwickeln sich in der Familie Regeln, die die Verhaltensspielräume der einzelnen Mitglieder beschreiben und begrenzen. Bei Familien mit „Problemen” ist in diesem Prozeß ein System entstanden, das sich über Transaktionen reguliert, die genau auf die Symptomatik zugeschnitten sind, die beklagt wird. Die Spielregeln, die die Familie erhalten, zerstören sie zugleich. Und das ist die Paradoxie: Die Familie will sich ändern, ohne sich zu ändern. Das systemisch-kybernetische Modell reagiert mit einem Gegenparadoxon: Eine Änderung ist nur unter der Bedingung möglich, daß sich die Familie nicht ändert! Besondere Techniken (z.B. Verschreibungen, die in sich paradox sind, Kap. 12.9.) machen es der Familie unmöglich, sich weiterhin nach den bisher gültigen Regeln zu verhalten. Die Prinzipien des Hypothetisierens, der Zirkularität und der Neutralität, stellen die Leitlinien dieses Modells dar. Sie werden in dieser Arbeit nur ansatzweise erwähnt.
Die Therapie/Beratung einer Familie kann Monate oder sogar Jahre dauern, aber die Zahl der Interviews bleibt gering (ca. 10 Sitzungen). Eine Sitzung dauert 85-185 Min. und ist in fünf Phasen geteilt, auf die ich nicht näher eingehen werde 19 . Sie wird von zwei Therapeuten/Beratern geleitet, während zwei weitere das Interview durch die Einwegscheibe beobachten. Die Sitzung wird schnell beendet, und eine Diskussion ist nicht gestattet. Es besteht nur die Absicht, neue Informationen in das System einzugeben. Für den Therapeuten/Berater ist es notwendig, sich aus dem „Spiel” der Familie herauszuhalten und unabhängig zu bleiben (Schlippe von/Schweitzer, 1998, S. 26 ff.).
4.3. „Kybernetik 2. Ordnung”
4.3.1. Begriffsklärung
18 Fallbeispiel hierzu nachzulesen bei Hoffman, Lynn, 1987, S. 226 ff.
19 nachzulesen bei Schlippe, Arist von/Schweitzer, Jochen, 1998, S. 29
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Svenja Nemetz, 2001, Familienberatung mithilfe des Kriseninterventionsprogramms FamilienAktivierungsManagement (FAM), München, GRIN Verlag GmbH
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