Gliederung
I. Einleitung 1
II. Terminologische Klärung. 2
1. Schmerz. 2
2. Akuter vs. chronischer Schmerz. 3
3. Chronischer Schmerz 4
III. Psychologische Aspekte des chronischen Schmerzes,
der Schmerzverarbeitung und der Chronifizierung
von Schmerzen 7
1. Das operante Modell. 7
2. Diathese-Stress-Modell 8
3. Psychodynamische Erklärungsprinzipien 9
4. Weitere Erklärungsprinzipien 9
5. Psychosoziale Befunde 10
IV. Chronische Rückenschmerzen 12
1. Allgemeines 12
2. Rückenschmerz ohne Pathologie 12
3. Prävention chronischer Rückenschmerzen 14
4. Risikofaktoren für chronische Rückenschmerzen. 15
V. Psychologische Behandlungsmöglichkeiten bei
chronischen (Rücken)Schmerzen 17
1. Entspannungsverfahren 17
2. Operante Schmerztherapie 19
3. Biofeedback 20
4. Kognitiv-verhaltenstherapeutischer Ansatz 20
VI. Schlussbemerkungen 22
VI. Bibliographie. 23
2
I. Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit wird sich mit Chronifizierungsprozessen bei Schmerzen insbesondere Rückenschmerzen auseinandersetzen. Dabei werde ich zuerst auf das Phänomen Schmerz, das Schmerzerleben und Chronifizierungsprozesse eingehen um hiernach auf chronische Rückenschmerzen einzugehen. Abschließend werde ich mich mit psychologischen Behandlungsmöglichkeiten und - verfahren beschäftigen.
Zugunsten der besseren Lesbarkeit wurde grundsätzlich auf eine geschlechterspezifische Ausdifferenzierung der Personen- und Berufsbezeichnungen verzichtet, alle Bezeichnungen sind in der männlichen Form geschrieben und gelten im selben Sinn für die weibliche Form.
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II. Terminologische Klärung
1. Schmerz
Einführend kann Schmerz als „komplexe Sinneswahrnehmung unterschiedlicher Qualität“ definiert werden, welche in der Regel durch die „Störung des Wohlbefindens als lebenswichtiges Symptom von Bedeutung ist und in chronischer Form einen eigenen Krankheitswert erlangt“. 1 Nach Jänig ist Schmerz ein Phänomen, „das eine aktive Antwort des Organismus auf periphere Reize ist, und aus vier Komponenten besteht: Erstens einer sensorisch-diskriminativen, zweitens einer kognitiven, drittens einer affektiven und viertens einer autonomen bzw. somatomotorischen Komponente“. Demnach ist Schmerz das Ergebnis der Interaktion des peripheren mit verschiedenen Instanzen des zentralen Nervensystems.
Als Nozizeption werden die physiologischen Vorgänge verstanden (Aufnahme, Weiterleitung und Verarbeitung der noxischen Reize), als Schmerzerfahrung wird das psychophysiologische Phänomen verstanden (emotionale, kognitive und verhaltensbezogene Momente). Berichtet ein Mensch von seinen Schmerzen, so meint er seine Schmerzwahrnehmung, seine Schmerzerfahrung und sein Schmerzerleben - damit kommt zum Ausdruck, dass die gesamte Person durch die Schmerzen beeinträchtigt wird. 2
Die Schmerzdefinition der IASP (International Association for the Study of Pain) definiert maßgeblich Schmerz als „ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktueller oder potentieller Gewebeschädigung verknüpft ist oder
Pschyrembel (1994): 1380. 1
vgl. Ruoß (1998): 15. 2
4
mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird.“ 3 Dementsprechend fallen die meisten Definitionen ähnlich aus - wie zum Beispiel die von Engel. Der beschreibt Schmerz als „eine grundlegende unangenehme Empfindung, die dem Körper zugeschrieben wird und dem Leiden entspricht, das durch die psychische Wahrnehmung einer realen, drohenden oder phantasierten Verletzung hervorgerufen wird.“ 4 In beiden Definitionen wird auf die Kausalkette der Gewebeschädigung und die Schmerzreaktion verwiesen, womit Schmerz nicht nr eine reine Reizempfindung ist. Zu der Nozizeption kommt auch ein persönlich gefärbter, emotional und kognitiv bewerteter Aspekt kommt. 5
Betrachtet man Schmerz als komplexes Phänomen werden Parallelen zu psychopathologischen Störungen (wie Depression oder Angst) deutlich. Sowohl Angst als auch Depression inkludieren verhaltensbezogene und verbalkognitive Komponenten und werden unter eine psychologischen Perspektive therapiert. Für Schmerz gilt deshalb Ähnliches - wenn nicht das Gleiche - und damit wird eine psychologische Therapie des Schmerzes höchst plausibel.
Betrachtet man Schmerz schließlich evolutionär, so stellt die Fähigkeit Schmerzen zu empfinden, zu lokalisieren und Maßnahmen gegen den Schmerz zu ergreifen oder sich diesem zu entziehen einen frühen und wichtigen Schritt zur integrativen Verarbeitung von Außenreizen und Körpersignalen dar. Schmerz weist auf drohende oder bereits eingetretene Gewebeschäden hin und durch die Fähigkeit ihn qualitativ zu beschreiben und zu lokalisieren, ermöglicht er Rückschlüsse auf die Schmerzursache. 6
2. Akuter vs. chronischer Schmerz
Als akuter Schmerz wird eine Empfindung verstanden, die auf eine drohende oder bereits zugrundeliegende Gewebeschädigung hinweist. Akute Schmerzen treten relativ kurzfristig auf und verlaufen mit einem absehbaren Ende. Vorder-
Ruoß(1998): 15. 3
Engel, zitiert nach Klußmann (1998): 248. 4
vgl. Ruoß (1998): 15; Flor (1991): 4. 5
5
gründig wird ihnen eine Signal- und Warnfunktion zugeschrieben, die den Organismus vor Schäden schützen soll. Zumeist steht das Ausmaß des Schmerzes in direkter Beziehung zur Intensität des schmerzauslösenden Reizes. Wird die Schmerzursache beseitigt, werden in der Regel die Schmerzen nicht mehr empfunden. 7
Chronischer Schmerz ist dagegen nicht allein ein Begleitsymptom einer Erkrankung, sondern entwickelt sich meist zu einer eigenständigen Krankheit - dem Chronischen Schmerzsyndrom. Konventionell gilt ein Schmerz als chronisch, wenn er lang anhaltend (mindestens sechs Monate) und wiederkehrend auftritt. Nach Kröner-Herwig kommen noch zwei weitere Merkmale hinzu: Erstens eine Reihe von erfolglosen Behandlungsversuchen und eine Beeinträchtigung auf verschiedenen Ebenen des Verhaltens und Erlebens. 8 Die Schutzfunktion des akuten ist beim chronischen Schmerz völlig verlorengegangen, in Folge dessen kann ein chronischer Schmerz schwer kausal therapiert werden. Da eine eindeutige Relation zwischen der somatischen Schädigung und den erlebten Behinderungen und Schmerzempfindungen fehlt, scheitern äthiologische Fragen auf die wiederum kurative Bemühungen aufbauen. 9
3. Chronischer Schmerz
Chronische Schmerzen stellen nicht nur für die betroffenen Patienten ein Problem dar, der ganze medizinisch-therapeutische Apparat wird hier mit einer Problematik konfrontiert, die eben mehr Aspekte als nur eine Reaktion auf einen Schmerzreiz hat. Die Tatsache, dass die Zahl derer, die in Deutschland an chronischen Rückenschmerzen leiden in die Hunderttausende geht, spricht hierfür. 10
vgl. Basler/Rehfisch (1990): 311f; BAG für Reha (1994): 218. 6
vlg. Schuhmacher/Brähler (2001): 1; Flor (1991): 5; Basler/Rehfisch (1990): 312. 7
vgl. Ruoß (1998): 19. 8
vgl. Basler/Rehfisch (1990): 312; Ruoß (1998): 20f; Flor (1991): 5. 9
vgl. Deter (1997): 379; Ruoß (1998): 21. 10
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Während akuter Schmerz durch die Behandlung der zugrundeliegenden Krankheit beseitigt werden kann, ist dies bei chronischen Schmerzpatienten kaum möglich, wonach der Fokus hier zuerst auf der Linderung oder Beseitigung des Schmerzes liegt. Die eigentliche Ursache ist bei chronischen Schmerzen häufig nicht oder nicht mehr therapeutisch zu beeinflussen. Medikamentöse Behandlung wie chirurgische Eingriffe führen hier selten zu den erwünschten Resultaten. Das stellt auch den behandelnden Arzt vor Herausforderungen - für ihn bleibt unklar, was eigentlich behandelt werden soll - kranke Organe, Missstimmungen, Probleme oder Verdrängungen. Aufgrund der Hilflosigkeit des Arztes schlägt dieser nicht selten invasive Maßnahmen vor, die in ihrer Wirkung leer laufen oder aber paradox wirken können, indem sie die Symptomatik eher verschlimmern als verbessern. 11
Basler und Rehfisch berichten, dass diese Patienten in mehrfacher Hinsicht leiden - nicht allein an ihren persistierenden Schmerzen mit ihren psychischen und sozialen Konsequenzen, obendrein kommt zu einem steten Wechsel von Hoffnung und Enttäuschung. Ergänzend können zunehmende Hilflosigkeit, Passivität und die Nebenwirkungen der bisherigen medizinischen Behandlungsmaßnahmen genannt werden. 12
Auffälligerweise berichten Patienten mit chronischen Schmerzen nach einer Weile nicht mehr über vegetative Begleiterscheinungen des Schmerzes, stattdessen aber über vegetative Reaktionen wie Appetitmangel, Alibidimie oder Schlafprobleme.
Als Folge der starken Beschäftigung mit dem eigenen Körper kommt es zur Isolation, hierdurch zu psychischen und sozialen Beeinträchtigungen (Grübeln, Katastrophisieren, Selbstwertverlust, Veränderung sozialer Rollen, Einschränkung sozialer Interaktion, Arbeitsplatzverlust, Berentung). Dies wird als algogenes Psychosyndrom umschrieben. In voller Ausprägung tritt Affektlabilität, Ver- vgl.Deter (1997): 378, Basler/Rehfisch (1990): 312f. 11
vgl. Basler/Rehfisch (1990): 313. 12
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Arbeit zitieren:
Dominik Eckardt, 2001, Chronifizierungsprozesse bei Rückenschmerzen, München, GRIN Verlag GmbH
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