Werke: Blätter aus dem Brotsack (1940) Tagebuch seiner Militärzeit
- Die Schwierigen (J`adore ce qui me brûle) 1943
Montauk (1975)
2. ENTSTEHUNG DES WERKES
- entstand 1953 Veröffentlichung 1 Jahr später
- als Roman erschien: F. hatte als Theaterautor Namen
- in kurzer Zeit erreichte Roman Millionenauflage
- Ur-Idee „Stiller“: im Tagebuch niedergeschriebene – Skizze „Schinz“ betrachtet
- Zusammenhang m. späterem Stiller dtl. Skizze als gedankl. Ausgangspunkt für im Stiller erhaltene Märchen „Rip van Winkle“ u. für Geschichte „Isidors“
- in Werkstattgespräch m. Horst Bieneck sagte Frisch zur Entstehung: „Ich war ein Jahr in Amerika, und da ich ein Stipendium hatte, meinte ich fleißig sein zu müssen. Ich schrieb 600 Seiten, die misslangen. Eines Tages, zuhause, tippte ich wie öfters, wenn ich mich langweilte und mich unterhalten muß, ein paar Seiten. Ziellos, frei von dem beklemmenden Gefühl, einen Einfall zu haben. Nichts geht leichter zugrunde als ein Einfall, der sich selbst erkennt! Das blieben die ersten Seiten vom Stiller , unverändert; das Material, das ich zum Weitertippen brauchte, stahl ich aus den 600 misslungenen Seiten rücksichtslos, so dass das Buch nach dreiviertel Jahren fertig war.“
- Buch in etliche Fremdsprachen übersetzt brachte ihm zugleich in Anerkennung seiner Bühnenarbeiten „Wilhelm-Raabe-Preis“ 1955; „Schiller-Preis“ 1955 + „Welti-Preis für das Drama“
1956
- „Stiller“ als Durchbruch zu neuen Romanform gewertet
- Der Bund (Bern) v. 24.12.1954: „So sehr es in seinem Wesen ungezählte Fragen ruft, so sehr es den Leser oft vor den Kopf stößt – so unbestritten ist, dass Stiller in der schweizerischen Literatur ein Werk von radikaler Eigenständigkeit darstellt. Es ist ihm nichts Vergleichbares an die Seite zu stellen. Auch innerhalb d. dt. Gegenwartsepik steht es sehr allein da. Wie man sich auch zu ihm stellen mag, daran vorbeigehen kann man nicht.“
3. GATTUNG
- literarisches Tagebuch
- zentrales Thema: Abhängigkeit v. Bildnis u. Identität
- allgemeine Funktion: Beschäftigung m. eigenem Ich;
Ausdruck d. eigenen Individualität
- in „Stiller“: Tagebuchform nur in ungeraden Heften Selbstbesinnung durch Niederschreiben seines Lebens macht Selbstannahme am Schluß möglich
- gleicht einem Kriminalroman Aufspüren d. ursprünglichen Identität
4. AUFBAU
1. Teil: - Stillers Aufzeichnungen im Gefängnis (Tagebuchform) in d. Schweiz
- Ich-Erzähler (ist White; Romanheld jedoch Stiller)
- 7 Teilen (Hefte)
- länger als 2. Teil
- Ineinandergreifen v. Berichten d. gegenwärtigen Geschehens + Erinnerungen an Vergangenes (Reflektionen Whites über sein Leben u. Protokolle v. Berichten über Stillers Leben) nach u. nach ergeben sich für Leser Zusammenhänge d. einzelnen Ereignisse Problem: ständige Überlagerung v. Gegenwart u. Vergangenheit
2. Teil: - Nachwort d. Staatsanwalte
- Ich-Erzähler
- 1 Teil
- Beschreibung Stillers Leben nach Entlassung aus Gefängnis
- offener Schluß
- keine chronologische (zeitrechnerische) Handlung
- keine Vermischung d. Erzählperspektive
5. HANDLUNG
- bei Einreise in Schweiz vermeintliche Amerikaner Mr. James Larkin White wird festgenommen + festgenommen
- identischem Aussehen verdächtigt, d. vor 7 Jahren verschwundene Anatol Ludwig Stiller (Bildhauer) zu sein angebl. in mysteriöse Agentenaffäre verwickelt gewesen
- Stiller alias White soll sich zur Identität seiner Person bekennen
- er leugnet beharrlich, auch als Verratsverdacht hinfällt fühlt sich nicht in Lage Anschuldigungen durch Beweise zu wiederlegen, da ihm eigene Herkunft + Vergangenheit seltsamerweise unbekannt
- Hauptteil d. Romans bilden Gefängnisaufzeichnungen v. White soll er auf Aufforderung seines Rechtsanwalts schreiben (Hilfe Identität Whites/Stillers zu klären)
- bilden Hauptteil d. Romans + beginnen m. Worten: „Ich bin nicht Stiller!“ (vorlesen S.1)
- White/Stiller: Aufzeichnungen in tagebuchartiger Form Erlebnisse in U-Haft, Erinnerung an Aufenthalt in Amerika Konfrontationen m. eigenen Vergangenheit, dazu Protokolle, d. W./S. nach Berichten v. anderen Personen anfertigt (breiten, um ihn zu erinnern, eigenes Leben vor ihm aus)
- Gefangene daraufhin m. Freunden, m. Ehefrau Julika, m. einstigen Geliebten (Frau d. Staats- anwaltes), d. Halbbruder u. m. Stiefvater konfrontiert identifizieren ihn eindeutig als vermissten Stiller erzählen ihm auch seine Vergangenheit
- Stiller glaubt kein einziges Wort; ist fest d. Meinung nicht gesuchte Person zu sein; hört aber zu
- endgültige Beweis, d. es sich um Stiller handelt vor Gerichtsurteil im Atelier reagiert ohne Angst, etwas Falsches zu tun, ist ganz er selbst (S.)
gehen Nerven m. ihm durch zerstört seine früheren Arbeiten
- am Ende d. Romans nimmt Stiller sich selber wieder an u. Heimatort Schweiz
- Nachwort nicht v. Stiller geschrieben, sondern aus Perspektive d. Rechtsanwaltes beschreibt weiteren Lebensweg :
- Stiller zieht m. Frau Julika an Genfer See; Versuch einer 2. Ehe scheitert ebenfalls
- Julika erkrankte kurze Zeit später stirbt an Lungenkrebs
- letzte Satz: Stiller blieb in Glion und lebte allein Symbolgehalt d. Namens Stiller zum Ausdruck:
- auf Landgut fristet Stiller Dasein: verstummt, zurückgezogen, allein
6. PERSONEN
White/Stiller: - aus kleinbürgerlichem Milieu
- kämpfte als Freiwilliger im Spanischen Bürgerkrieg 1. Versagen
Julika (Frau Stillers): - hübsche, liebenswürdige, zarte, schlanke Frau, rote Haare
- erfolgreich (als Balletttänzerin)
Sybille :
- im Moment 2. Kind Tochter
Staatsanwalt Rolf: -Mann v. Sybille
- hat Interesse an Stiller da er Geliebter v. Sybille war
7. ZUSAMMENFASSUNG ÜBER FRISCH
- bannte undeutl. Lebenserkenntnis u. Entscheidungsnot d. Zeit in dtl. Gestalten u. Vorgänge
- Helden in seinen Werken leiden am eigenen Ich
- bezeichnete Ichverlust, zentrale Stellung, Identitätsfrage u. Selbstwahl als „Warenzeichen“
- seine Dramen sind offen, bieten Diagnose ohne Therapie, kein bitterer Sarkasmus
- Bühnenstücke ohne Moral, werfen fragen auf (geben keine Antworten) + verwirren Zuschauer
- Werke sind deprimierend gibt selten nur Ausweg um Liebe, Ekel u. Lebensüberdruß zu überwinden
- Werke stimmen überein m. Unsicherheit einer Welt ständigem Wandel unterlegen, bringt Katastrophen o. Glückseligkeit
- Folie Zitate aus „Stiller“:
- Kernproblem Zitate: Problem v. Bildnis u. Identität
- wirkliches Leben bedeutet f. F. Wahrhaftigkeit wenn Mensch lügt, tötet er damit Teil d. Welt u. damit sich selbst Selbstbelügung Gegenteil v. „Leben“
- Stillers Schicksal als Signal für Publikum aufzufassen: Signal zur Wahrhaftigkeit Weg zum eigenem Ich
- Problem d. Persönlichkeitsspaltung als extensivste Form d. Identitätskrise
- Identitätskrise im Roman auch bei Julika
- Selbsterfahrung erwächst aus Selbsterkenntnis ( Suche d. Menschen nach eigenem Ich )
- jeder Mensch besitzt f. ihn eigene Individualität kann Schwächen u. Stärken in sich bergen; sensibel o. abgestumpft f. Empfangen v. Signalen
8. QUELLEN
- Buch: Max Frisch „Stiller“
- Berthelsmann Lexikon
- Meyers Lexikon
- Der große Duden
- Internet
MAX FRISCH: STILLER (1954)
Max Frisch über sich selbst:
Er sei ein defensiver, ein reagierender Schriftsteller. Er erfindet nicht Geschichten,
um die Welt zu verändern, sondern stellt die Welt dar, wie er sie erfahren hat,
ohne den moralischen Anspruch zu erheben, Lösungen und Vorschläge zum
Bessermachen aufzuzeigen. Im Grunde sei er ein hilfloser Schriftsteller, der schreibt
um zu bestehen, nicht um zu belehren und wäre vielleicht am glücklichsten, würde
ihm ein Aufweichen seiner Problemwelt gelingen.
Buch:
Damit ein Leben ein wirkliches Leben ist, muss einer „mit sich selbst identisch“
werden.
Andernfalls ist er nie gewesen! Das meine ich: ein Gewesensein, und wenn’s noch
so miserabel war.
Hermann Hesse über „Stiller“:
„Stiller, die Hauptperson, vergisst man nicht wieder, er ist keine Romanfigur, sondern
ein Individuum, ein in jedem Zug erlebter und überzeugender Charakter.“
Münchner Merkur, vom 08.02.1955:
„Dieser Bericht vom armseligen Stiller, dem „Helden wider Willen“, der vor seiner
eigenen Unzulänglichkeit ins Nichts zu fliehen sucht, ist im gebrochenen
Facettenlicht schillerndes Spiegelbild unseres Selbst, weil wir alle ein Stück von
Stiller in uns tragen.“
Arbeit zitieren:
Thomas Leuner, 2002, Frisch, Max - Stiller, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Identitätsproblematik in Max Frischs 'Stiller'
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 19 Seiten
Eine kurze Werkanalyse von Hermann Hesses "Unterm Rad"
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 15 Seiten
Thomas Leuner hat den Text Frisch, Max - Stiller veröffentlicht
Thomas Leuner hat einen neuen Text hochgeladen
Mein Name sei Gantenbein / Montauk / Stiller. Analysen und Reflexionen
Darstellungsform "Tagebuch". U...
Max Frisch, Sybille Heidenreich
Econometrics and Economic Theory in the 20th Century: The Ragnar Frisc...
Steinar Strom, Andrew Chesher, Matthew Jackson
0 Kommentare