Die Rolle des Glaubens in den matthäischen Wundergeschichten am Beispiel einer Exegese der Wunderheilungsgeschichte Matthäus 8, 5-13
Inhalt Seite
0. Exposition 3
1. Der Übersetzung des Matthäustextes 8, 5-13 4
1.1 Inhaltsangabe 5
2. Textkritik 6
2.1 Anmerkungen zum übersetzten Text 6
3. Literarkritik 11
3.1 Abgrenzung der Geschichte 11
3.2 Struktur der Geschichte 12
3.3 Synoptischer Vergleich 14
4. Formgeschichte 16
5. Tradition und Redaktion 18
6. Zusammenfassung 22
7. Der Glaube in den matthäischen Wundergeschichten 24
7.1 Das Thema des Glaubens 24
7.2 Die Rolle des Glaubens in den mt. Wundergeschichten 25
7.3 Der Glaube als Gebetsglaube bei Matthäus 26
8. Literaturverzeichnis 28
2
0. Exposition
In dieser Seminararbeit geht es um die neutestamentliche Geschichte „Der Hauptmann von Kafarnaum", die im Matthäusevangelium 8,5-13 steht. Es werden an diesem Text die exegetischen Methoden verwendet, um einen gewissenhaften Umgang mit neutestamentlichen Texten zu pflegen und dem sachgemäßen Verstehen derselben zu dienen. Nach einer Inhaltsangabe der Geschichte folgen die Exegeseschritte sprachliche Analyse, Quellenanalyse, Gattungskritik, Traditions- und Redaktionskritik. Im Anschluss an die eigentliche Exegese folgt eine kurze Zusammenfassung, in der die wichtigsten Ergebnisse und Schlüsse wiedergegeben werden.
Den letzten Teil dieser Hausarbeit bildet eine Einführung in die Rolle des Glaubens nach dem matthäischen Verständnis. Es geht darum aufzuzeigen, dass der Evangelist Matthäus auch in den Wundergeschichten immer wieder die große Bedeutung des Glaubens betont.
3
1. Die Übersetzung des Matthäustextes 8, 5-13 1 *
5 Als er nach Kafarnaum hineinging, trat ein Hauptmann zu ihm und bat ihn
6 und sprach: „Herr, mein Sohn liegt gelähmt zu Hause, schrecklich gequält.“
7 Er sagt ihm: „Ich soll kommen und ihn heilen?“
8 Der Hauptmann aber antwortete und sprach: „Herr, ich bin nicht gut genug, dass du unter mein Dach kommst; nein, sag’s nur mit einem Wort, so wird mein Kind gesund werden!
9 Auch ich bin ja ein Mensch unter Befehlsgewalt und habe Soldaten unter mir. Sage ich diesem: „Geh!“, so geht er, und einem anderen: „Komm!“, so kommt er, und meinem Sklaven: „Mach das!“, so macht er es.“
10 Als aber Jesus das hörte, wunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: „Amen, ich sage euch: Bei niemandem habe ich so großen Glauben in Israel gefunden. Ich sage euch aber:
11 Viele werden von Osten und Westen kommen, und mit Abraham, Isaak und Jakob zu Tisch liegen im Himmelreich;
12 die Söhne des Reichs aber werden in die Finsternis draußen geworfen werden; dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.“
13 Und Jesus sagte zum Hauptmann: „Geh, es geschehe dir, wie du geglaubt hast!“ Und der Sohn wurde in jener Stunde gesund.
1 Luz, Ulrich. Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament, 1. Teilband,:
Das Evangelium nach Matthäus. S. 12.
* Diese Übersetzung wurde rein subjektiv ausgewählt. Sie enthält u. a. die interessante
Variante, nach der es sich um den Sohn des Hauptmanns, und nicht um den Knecht handelt.
4
1.1 Inhaltsangabe
Die Geschichte ,,Der Hauptmann von Kafarnaum" handelt von der Heilung eines Sohnes bzw. Knechtes des Hauptmanns in der Stadt Kafarnaum, einem galiläischen Fischerdorf an der nordwestlichen Küste des Sees Genezareth. Hier wird Jesus von dem Hauptmann gebeten, seinen gelähmten, oder „paralysierten“, unter Qualen stehenden Jungen zu heilen. Er lenkt jedoch bei einer leicht erstaunten Nachfrage Jesu, ob dieser zu dem Leidenden kommen solle, sofort ein, da er seiner Meinung nach der Anwesenheit Jesu in seinem Hause nicht wert sei. Jesus solle stattdessen nur ein Wort sprechen, so dass der Kranke wieder gesund werde. Seine Auffassung über die Macht des Wortes Jesu begründet der Hauptmann mit einem Vergleich zwischen sich und Jesus. Der Vergleich besagt, dass sie beide Menschen seien, die einer Obrigkeit unterstehen. Somit werde ein Wort von Jesus ausreichen, um den Jungen zu heilen, genauso wie ein Wort von ihm ausreiche, um Soldaten einen Befehl zu geben, den diese sogleich zu befolgen haben. Jesus ist über diesen tiefen Glauben verwundert und nimmt ihn zum Anlass für eine kurze Rede an die Menschen, die ihm nachgefolgt sind. In seiner Rede sagt er, dass nicht (nur) die ,,Kinder Israels" in das Reich Gottes gelangen, sondern dass jeder, der gläubig ist, diesen Ort erreichen kann.
Die Ungläubigen werden, selbst wenn sie Israeliten sind, in die Finsternis ausgestoßen. Abschließend sagt Jesus zum Hauptmann, dass er zurückgehen könne und jenes eintreten werde, an das er geglaubt hat. Der Junge ist umgehend geheilt.
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2. Textkritik
2.1 Anmerkungen zum übersetzten Text
V. 5 Mt beginnt mit der Ortsangabe. Die Bedeutung dieser Stadt (Kafarnaum = „die eigene Stadt“) hatte er schon in 4,13 betont. Bei Mk wird Kafarnaum am Ende des Berichts von der Heilung des Aussätzigen (Mk 1,40-45) erwähnt, die Perikope vom Hauptmann aus Kafarnaum folgt aber weder hier noch steht sie an einer anderen Stelle im Mk-Evangelium.
V. 6 Der Kranke wird in der vorliegenden Übersetzung (Luz) als „Sohn“ bezeichnet, der „gelähmt“ und „gequält“ zu Hause, also nicht in der Gegenwart Jesu und des Bittenden, liegt. Der zu Heilende (Vers 6 und 13) kann aber auch mit Diener (Sand), Sklave (Preuschen), Knecht (Gnilka), Bursche (Wilckens), Junge (Schweizer) oder gar Mädchen (Preuschen) übersetzt werden (siehe Kapitel 8: Literaturverzeichnis). “Mein Junge“, die Schweizer 2 Übersetzungsvariante von Eduard ist eine Art
Kompromisslösung, da in diesem Fall sowohl Sohn als auch Knecht gemeint sein kann.
Zum Knecht, bzw. Haussklaven bestand in der Regel jedoch auch ein recht persönliches Verhältnis. Jedenfalls lässt der Sprachgebrauch die Möglichkeit offen, dass es sich um den Sohn handelt. 3 Bei dem Kranken handelt es sich wahrscheinlich um einen ans Bett gefesselten Menschen, der gelähmt ist. Das Adjektiv [paralytikos] begegnet dem Leser 10mal im NT und könnte auch mit „paralytisch“ übersetzt werden. 4 Der Unterschied liegt darin, dass man unter „gelähmt“ im Allgemeinen ein körperliche Behinderung versteht, während das von Paralyse abgeleitete Adjektiv nach der medizinischen Erklärung auch eine fortschreitende Gehirnerweichung bedeuten kann. Die Anrede „Herr“ entspricht ganz der mt. Theologie. Jesus hat Macht und hat als [kyrios] eine große Autorität.
2 Schweizer, Eduard. Das Neue Testament Deutsch, Das Evangelium nach Matthäus,
Teilband 2. S. 136.
3 Wiefel, Wolfgang. Das Evangelium nach Matthäus. S. 162.
4 Sand. Alexander. Regensburger Neues Testament. Das Evangelium nach Mt. S. 178.
6
V. 7 In der vorliegenden Form wird die Antwort Jesu in Frageform dargestellt, mit der Begründung, dass nur dann das betonte „Ich“ ([ego]) sinnvoll sei. 5 Allerdings kann diese Frage verschieden gedeutet werden. Meint Jesus die Frage etwas vorwurfsvoll im Sinne von: „Soll ich etwa kommen, um ihn zu heilen?“ oder nur rhetorisch, um seine Hilfe anzubieten: „Möchtest du, dass ich ihn heile?“ Jedenfalls steht die Antwort Jesu im historischen Präsens, welches die Wichtigkeit seiner Aussage ebenso unterstreicht, wie das [ego] seine Autorität. Selbst eine mögliche Übersetzung in indikativischer Rede: „Ich komme und werde ihn heilen“ 6 muss nicht im Gegensatz zu der in Frageform übersetzten Variante stehen. Im Einklang mit Vers 10 („Als aber Jesus das hörte, wunderte er sich…“) ist der Satz aber als erstaunte Frage des jüdischen Rabbi Jesus an den heidnischen Hauptmann am besten erklärt.
V. 8 Wieder beginnt der Hauptmann seine „Antwort“ mit einem demütigen „Herr“ ([kyrios]). Diese passt aber zu der im folgenden Satz ausgesprochenen Anerkennung der Vollmacht Jesu. Der Hauptmann betont seine Unwürdigkeit und appelliert an das machtvolle Wort Jesu. [logo] ist instrumentaler Dativ. Die Heilung, die erwartet wird, ja dem Hauptmann sogar gewiss ist, ist das Werk des wirkkräftigen Wortes. 7 Es wird in diesem Vers klargestellt, dass Jesus nicht persönlich anwesend sein muss, um heilen zu können.
Der Hauptmann akzeptiert mit seinem Verhalten im Übrigen eine jüdische Vorschrift, nach der der häusliche Verkehr mit Nichtisraeliten eingeschränkt war. 8
V. 9 Der Hauptmann vergleicht die Vollmacht Jesu mit der ihm aus seinem militärischen Dienstverhältnis vertrauten „Befehlsgewalt“. Entweder drückt der Offizier damit aus, dass sie beide, Jesus und er, unter einer noch höheren Gewalt stehen, oder dass gerade Jesus, der niemandem
5 Luz, Ulrich. Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament, 1. Teilband,:
Das Evangelium nach Matthäus. S. 12.
6 Sand. Alexander. Regensburger Neues Testament. Das Evangelium nach Mt. S. 179.
7 Wiefel, Wolfgang. Das Evangelium nach Matthäus. S. 163.
8 Wilckens, Ulrich. Das Neue Testament. Übersetzt und kommentiert. S. 42.
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H.-A. Theilen, 2003, Die Rolle des Glaubens in den matthäischen Wundergeschichten am Beispiel einer Exegese der Wunderheilungsgeschichte Matthäus 8, 5-13, München, GRIN Verlag GmbH
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Exegese "Der Hauptmann von Kapernaum" (Matthäus 8, 5-13)
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