Sie wird durch Faktoren eingegrenzt, auf die die meisten Personen keinen oder nur geringen Einfluß haben. Die meisten Personen begegnen in dem Zeitraum, in dem sie eine Paarbeziehung suchen, nur einer relativ kleinen Anzahl von passenden Personen. Diese Gruppe der potentiellen Kandidaten stellt keine Zufallsauswahl aus der gesamten Bevölkerung dar. Um eine andere Person als Partner in Betracht zu ziehen, muß es ein Minimum an Kontakt geben. Die Wahrscheinlichkeit, eine Beziehung zu einer anderen Person eingehen zu können, erhöht sich in dem Maße, in dem man Gelegenheit hat, sie kennenzulernen.
Allein aus diesen Gründen gibt es eine Vorauswahl der potentiellen Partner einer Bevölkerung. Diese Vorauswahl erfolgt meist nach soziodemographischen Merkmalen. Mit den Menschen die in der gleichen Gegend wohnen, die gleiche Ausbildung absolvieren, den gleichen oder ähnlichen Beruf haben und die die gleichen Hobbys haben, hat man mehr Kontakt, als mit dem Rest der Bevölkerung. (Klein, 1991, S. 33-35) Auch der Volksmund versucht bei der Partnerwahl weiterzuhelfen und hat das Problem der Partnerwahl mit auf den ersten Blick widersprüchlichen Erfahrungen in Worte gefaßt: „Gleich und gleich gesellt sich gern“ und „Gegensätze ziehen sich an“.
Ebenfalls ist die Partnerwahl in der Wissenschaft ein oft untersuchter Gegenstand. Vor allem ist von Interesse, ob es Regelhaftigkeiten in der Partnerwahl gibt, und wenn es sie gibt, ob es aufgrund dieser Regelhaftigkeiten in der Partnerwahl zu einer Sortierung nach bestimmten sozialen, physischen oder psychischen Merkmalen in einer Bevölkerung kommt. Solche Sortierungsvorgänge in einer Bevölkerung werden Siebungen genannt. Kommt es zu solchen Siebungsprozessen aufgrund Regelhaftigkeiten in der sexuellen Partnerwahl, so nennt man diese Paarungssiebung (assortative mating).
2. Paarungssiebung
Stimmen Mann und Frau die sich in einer sexuellen Partnerschaft befinden, in Deutschland ist dies meisten die Ehe und dort läßt sich eine Partnerschaft am leichtesten untersuchen, in einem oder mehreren Merkmalen überein, liegt positiver Partnersiebung oder Homogamie vor.
Unterscheiden sie sich in diesem Merkmal, so spricht man von negativer Paarungssiebung oder Heterogamie. Die Homogamie entspricht also der Gleichheitswahl, die Heterogamie dem Tauschprinzip.
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Statistisch läßt sich das Ausmaß der Paarungssiebung für alle quantifizierbaren Merkmale als Partnerkorrelation ermitteln. Für alle übrigen Merkmale können Häufigkeitstabellen angelegt werden, die das Häufigkeitsverhältnis der Merkmalsverteilung bei den tatsächlichen Partnerschaften zu der erwarteten Merkmalsverteilung bei einer zufälligen Partnerschaft angeben. (Knussman, 1996, S.455)
Im folgenden sollen nun fünf Arten der Paarungssiebung näher betrachtet werden: a) somatische Paarungssiebung
D.h. die Siebung aufgrund von körperlichen Merkmalen. Da in allen menschlichen Bevölkerungen die Heterosexualität überwiegt, liegt also Heterogamie hinsichtlich der Geschlechtszugehörigkeit vor. Alle folgenden Ausführungen beziehen sich auf Paarungssiebung in heterosexuellen Partnerschaften. (Knussman, 1996, S.456) Homogamie wurde vor allem für die Größenvariation gefunden. Insbesondere für die Körpergröße und für damit zusammenhängenden Maße, wie Beinlänge, Armlänge und Gewicht.
Allerdings muß man beachten, daß die Partnerkorrelation in der Körpergröße nicht linear ist, sondern eine Schrankenregel besteht. In fast allen Partnerschaften ist der Mann größer als die Frau. Große Männer finden sich mit dem ganzen Größenspektrum der Frauen zusammen, während kleine Männer nur mit jeweils kleineren Frauen eine Partnerschaft eingehen. Die Größe des Mannes ist also eine Schranke für die Größe der Frau. Wenn man nun eine erste Erklärung für dieses Phänomen sucht, so könnte man sagen, daß sich ein Mann immer nur eine Partnerin sucht, auf die er herabblicken kann und so ein Überlegenheitsstreben des Mannes zu Ausdruck kommt.
In der Literatur findet man als Erklärungsansatz den Ausdruckswert der Körperhöhe. Auch hier muß nicht zwingend ein Überlegenheitsstreben des Mannes zum tragen kommen, sondern es könnte sich auch die Einstellung der Frau niederschlagen, die in dem Wunsch nach mit dem Aufblicken verbundenen Gefühlen oder das Vermeiden einer in der sozialen Meinung negativ bewerteten Situation besteht. (Knussman, 1996, S.456) Bei der Paarungssiebung nach Gewicht gibt es schwankende Untersuchungsbefunde. In einigen Untersuchungen ergab sich eine stärkere Homogamie aufgrund der Partnerwahl nach Gewicht, als für die Körperhöhe.
Hier tritt nun ein Problem auf, was auch der Volksmund erkannt hat: Ehepartner werden sich im Laufe der Jahre vermeintlich oder tatsächlich immer ähnlicher. Gerade das Gewicht,
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welches von den Köpermaßen relativ beeinflußbar ist, bietet für das Problem der Anähnlichung bei der Untersuchung von Paarungssiebung ein gutes Beispiel. Eine Untersuchung in England 1982 hat unter anderem zum Ergebnis, daß in den Fällen, in denen ein Partner dick ist, der andere in Gefahr läuft, ihm gleich zu werden. Umgekehrt würde das bedeuten, daß auch die Schlanken häufiger zusammenleben. Die gleiche Ernährung innerhalb einer Familie kann einen starken Einfluß auf die Körpergewichtsentwicklung haben. Ob sich nun Partner aussuchen, die beide einen Ansatz zur Fettleibigkeit haben, oder ob die Gewichtsentwicklung vom Partner beeinflußt wird, läßt sich nicht so leicht klären. Im ersten Fall würde eine echte Paarungssiebung vorliegen, im zweiten nur eine Anähnlichung oder Modifikation. (Stegemann; Knussmann, 1984 S.277-278)
Eine Untersuchung aus dem Jahr 1984 von C. Stegman und R. Knussmann hat u.a. dies nachgeprüft und um diesen Einfluß auszugleichen, die Gewichtskorrelation für erst kurz zusammenlebende Paare mit denen für lange zusammenlebende Paare verglichen. In dieser Stichprobe hat sich die oben genannte Hypothese nicht bestätigt, sondern sie müßte sogar umgekehrt formuliert werden. Da in beiden Gruppen eine hohe Korrelation für das Körpergewicht vorlag, könnte wie folgt argumentiert werden: „Schon bei den jüngeren, schlankeren Paaren besteht eine Bevorzugung der Gleichgewichtigkeit der Partner, die sich bei den älteren Paaren bestätigt, aber in abgeschwächter Form erscheint. Dafür bieten sich zwei Erklärungen an: Entweder hat sich ein Partner stärker verändert als der andere oder die mit der Gewichtszunahme im Alter erhöhte Variabilität des Merkmals verringert die Höhe der Korrelation.“ (Stegemann; Knussmann, 1984 S.278).
Ob dies nun für die Gesamtheit der Bevölkerung stimmt, oder nur eine Besonderheit dieser untersuchten Stichprobe ist, ist unklar und muß weiterhin untersucht werden. (Stegemann; Knussmann, 1984 S.277-278)
Was nun andere körperliche Merkmale betrifft, ergeben sich unterschiedliche Ergebnisse: 1. Mäßige Homogamie besteht in Hinsicht auf die Merkmale der Augenbrauen (Höhe, Dichte, Form) und Wimpern (Länge, Biegung, Dichte, Farbe), eine deutliche Homogamie am Mund ( Dicke der Schleimhautlippen, Ausprägung des Philtrums und Form des Philtrumeinschnitts in die Schleimhautlippe). Dies ist besonders interessant, da der erste sexuelle Kontakt in der Regel mit dem Mund erfolgt.
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2. Leichte Heterogamie besteht in Hinsicht auf die leptomorph-pyknomorphe Variationsreihe und die damit zusammenhängenden Gesichtsmerkmale wie Gesichtsrelief, Profil und Nasenprominenz. Auch die Merkmale der Haut (Oberflächenrelief, Talgigkeit) und die des Kopfhaares (Dichte, Haardicke) tendieren zur Heterogamie. 3. Panmixie, das Zustandekommen rein zufallsbedingter Paarungen besteht in Hinsicht auf die Form und Farbe des Kopfhaares und für die Augenfarbe. Dies bedeutet allerdings nicht, daß diese Merkmale für die Partnerwahl bedeutungslos sind, sondern nur, daß unsere individuelle Vorliebe nicht mit unseren eigenen Merkmalsausprägungen korrelieren.
Eine weitere Homogenität zwischen den Partner einer Beziehung besteht in der körperlichen Attraktivität. Diese wurde nach einer Bewertungsskala von unabhängigen Personen beurteilt. Hierbei trägt zwar die Attraktivität der Frau zur ehelichen Bindung des Mannes bei, die Attraktivität des Mannes aber weniger zu der ehelichen Bindung der Frau. (Knussman, 1996, S.456-457) b) psychische Paarungssiebung
Von den psychischen Merkmalen ist vor allem die Intelligenz auf Paarungssiebung untersucht worden. Dabei wurde eine starke Homogamie festgestellt. Diese Homogamie nach Intelligenz ist vorteilhaft für eine Bevölkerung, da sie einen relativ hohen Anteil an Hochbegabten garantiert. Auch bei der Untersuchung von Begabungsbereichen wurde Homogamie, wenn auch eine schwächere als bei der allgemeinen Intelligenz, angetroffen. In der aus der Begabung erwachsenen Interessensausrichtung besteht Homogamie und zwar durchaus auch schon vor der Heirat, also nicht durch Angleichung im Laufe langjährigem Zusammenleben.
Dies deckt sich nun mit den landläufigen Erfahrungen und läßt sich vielleicht wie folgt erklären. Allein für eine ausgeglichene Kommunikation zwischen den Partner ist eine einigermaßen übereinstimmende allgemeine Intelligenz erforderlich und ebenso wird diese durch gleiche Begabung und Interessensausrichtung gefördert. Zudem ist zu beachten, daß, wie schon einleitend erwähnt, der für eine Partnerbildung notwendige Kontakt und das gegenseitige Kennenlernen durch gemeinsame Interessen erleichtert wird. Auch für die Libido hat man eine vergleichsweise starke Homogamie festgestellt.
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Bei allen weiteren Persönlichkeitsmerkmalen ist das Bild uneinheitlich. In einigen Fällen läßt sich eine schwache Homogamie beobachten oder es läßt sich keine Paarungssiebung erkennen. Teilweise wurde jedoch auch eine leichte Heterogamie festgestellt. Hierbei dürfte es sich dann um eine Ergänzung der Persönlichkeiten handeln. Bei der Paarungssiebung nach psychischen Merkmalen muß allerdings damit gerechnet werden, daß ein Einfluß durch soziale Faktoren besteht.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß bei einigen Untersuchungen für mißglückte Ehen bei psychischen Merkmalen weder Homogamie noch Heterogamie festgestellt wurde. Es kam zu einer Häufung von Halbkontrastehen. D.h. bei einem Partner ist ein Merkmal besonders stark ausgeprägt, während es beim andern nur durchschnittlich ausgeprägt ist. Erklären kann man dies vielleicht damit, daß diese Partner weder der einen Regel „Gegensätze ziehen sich an“, noch der anderen „gleich und gleich gesellt sich gern“, gehorchen.
Das Phänomen der gescheiterten Halbkontrastehen trat desgleichen bei einigen somatischen Merkmalen, wie z. B. der Siebung nach der leptomorph-pyknomorphe Variationsreihe auf. (Knussman, 1996, S.457-458) c) Paarungssiebung nach Rasse
Bei der Paarungssiebung nach Rasse spielen überwiegend soziale, aber auch psychische und evtl. auch körperliche Faktoren eine Rolle. Innerhalb gemischter Populationen kommt es zu einer starken Homogamie der großen Rassenkreise.
Als Gründe hierfür sind soziale Schranken, stark unterschiedliches Aussehen und
unterschiedliche Mentalitäten zu nennen. (Knussman, 1996, S.458) d) Paarungssiebung nach Alter
Die vermutlich engste Homogamie besteht nach dem Lebensalter. In Deutschland ist in den meisten Ehen der Mann älter als die Frau. Die durchschnittliche Altersdifferenz der Ehepartner beträgt z.B. in den USA 2,7 Jahre. Erst ab einem höheren Alter (30-35 Jahre) verändert sich dies zugunsten der Frau. (Knussman, 1996, S.458) Die Ursache dürfte in den Bedingungen des Heiratsmarktes liegen. Dort besteht z.B. für Deutschland ein Ungleichgewicht der Altersverteilung in bestimmten Jahrgängen. Verstärkt wird diese Unausgewogenheit noch dadurch, das Männer, die nach einer Scheidung wieder
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heiraten, häufig eine wesentlich jüngere Frau heiraten. Daher kommt es zu Staueffekten in der Zone der jüngeren Männer und der älteren Frauen. Diese Marktsituation führt dazu, daß Frauen jenseits des 35. Lebensjahres entgegen ihrem Partnerleidbild bereit sind, auch jüngere Männer zu heiraten. (Jürgens, 1973, S. 33-35)
Inwieweit sich die beobachtete Homogamie nach dem Lebensalter durch die unterschiedlichen Situationen auf den Heiratsmärkten ändert bzw. umkehrt, läßt sich nur schwer voraussagen.
Festzuhalten ist aber, daß diese Homogamie in den Partnerleidbildern der Personen offensichtlich fest verankert zu sein scheint. e) sozial Paarungssiebung
Hinsichtlich sozialer Merkmale besteht durchweg Homogamie. Dies ist in vielen Untersuchungen für den sozialen Stand bzw. für den sozioökonomischen Status gut belegt und hält unvermindert an.
Dabei gibt es einen Unterschied zwischen Mann und Frau. Frauen heiraten im Vergleich zu ihrer Herkunft und Beruf häufiger in eine höhere soziale Schicht ein, als in eine niedrigere. (Knussman, 1996, S.458-459)
Daraus kann man schlußfolgern, daß der sozial Stand einer Familie vor allem durch den Mann getragen wird und so der „weibliche Zug nach oben“, wie er in vielfältigen Untersuchungen belegt wurde, zu einer Statusverbesserung der Frau und ihrer Kinder führt, während bei einer Partnerschaft mit einem Mann aus einer niedrigeren Schicht die eigene soziale Stellung verloren geht. Für eine Frau ist zum Erhalt der eigenen sozialen Stellung demnach wichtig, einen gleichwertigen Partner zu finden, während Männer auch Frauen aus niedrigeren sozialen Schichten heiraten können, ohne ihren Status zu verändern. Daraus folgt natürlich ein Überschuß an ledigen Frauen in den höheren sozialen Schichten. Eine besonders starke Homogamie besteht nach dem Bildungsniveau, welches ohnehin mit dem sozialen Stand eng verbunden ist. Wie bei der Homogamie nach dem sozialen Stand, macht man die Beobachtung, das Frauen wesentlich häufiger einen Mann heiraten, der einen gleichwertigen oder höheren Schulabschluß hat, während Männer zu einem höheren Anteil auch Frauen mit einem niedrigeren Schulabschluß heiraten. In Deutschland sind nach der Volkszählung 1987 Akademikerinnen zu 65 Prozent mit Akademikern verheiratet, während es umgekehrt nur etwa 36 Prozent sind. Dazu kann eine vermehrte Ledigenquote bei Akademikerinnen festgestellt werden, die mit dem Ledigenüberschuß von Frauen in den
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höheren sozialen Schichten korrespondiert und ihren Grund in den Einflüsse des Heiratsmarktes findet. (Schwarz, 1991, S. 315-321)
Allerdings muß dies nicht unbedingt etwas mit der Heiratsmarktsituation zu tun haben, sondern kann ebenso an der größeren Unabhängigkeit von Akademikerinnen aufgrund des höheren Einkommens liegen. Weiterhin ist anzunehmen, daß das unverheiratete Zusammenleben unter Akademikern häufiger auftritt und in den meisten Statistiken nicht erfaßt wird. Eine eindeutige Aussage zu den Präferenzen der Partnerwahl läßt sich hier nur schwer treffen.
Die Gründe für die Homogamie nach sozialem Stand und dem damit eng verbundenen Bildungsniveau liegen wohl darin, daß eine größere Chance des Kennenlernens besteht, und durch ähnliche Bedürfnisse und Verhaltensweisen sowie besserem gegenseitigem Verständnis ein gutes Auskommen miteinander eher gewährleistet ist. (Knussman, 1996, S.459) Früher war in Mitteleuropa die Homogamie nach dem Religionsbekenntnis besonders stark, in Folge der stärker werdenden Bedeutungslosigkeit der Religion im täglichen Leben lockert sich die konfessionelle Homogamie aber zunehmend.
Es ist anzunehmen, daß dies wohl weniger mit der Bedeutungsabnahme der Weltanschauung für die Partnerwahl, als mit der Zunahme konfessioneller Mischehen, die in Wirklichkeit konfessionsneutrale Ehen sind. Jeder Partner hat noch seine statistisch erfaßte Konfession, im normalen Leben ist sie aber bedeutungslos und hat keinen Einfluß auf die Partnerwahl. In anderen Bereichen in denen ebenfalls starke Homogamie vorliegt, wie z.B. soziale Meinung, Lebensgewohnheit, ist nicht eindeutig zu sagen, daß diese Übereinstimmung infolge einer positiven Paarungssiebung erfolgt oder durch gegenseitige Anpassung der Partner. (Knussman, 1996, S.459)
Bei allen Merkmalen, bei denen eine mehr oder weniger starke Homogamie vorliegt, stellt sich immer die Frage, ob dieses Merkmal ein primär Siebendes ist, oder ob es durch Zufälle mitgesiebt wurde.
Diese Problem stellt sich besonders bei den somatischen Merkmalen, da man hier auch vermuten kann, daß es durch die Paarungssiebung nach der sozialen Ordnung zu Merkmalsanreicherungen in den einzelnen sozialen Ständen kam und dadurch die Homogamie nach somatischen Merkmalen mitverursacht wurde. (Jürgens, 1965, S. 178-182) Wie einige Untersuchungen zu Sozialtypen zeigen, kann aber auch nicht ausgeschlossen werden, daß bestimmte somatische Merkmale für die soziale Stellung förderlich sind.
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Inwieweit sich dieses nun mit dem doch offeneren Heiratsmarkt aufzulösen beginnt, ist unklar.
3. Fazit
Die widersprüchlichen Erfahrungen des Volksmunds: „Gegensätze ziehen sich an“ und „Gleich und gleich gesellt sich gern“ kann man nun versuchen zu vereinen. Aus der Gesamtheit der potentiellen Partner bestimmt der Partnersuchende nach dem Prinzip der sozialen und altersmäßigen Homogamie die für ihn akzeptable Gruppe potentieller Partner und aus dieser Gruppe sucht er sich nach dem Prinzip der psychischen Heterogamie den passenden Partner aus. (Pohl, 1973, S. 26)
Dieser sehr theoretische Ansatz und die Zweiteilung des Entscheidungsprozesses ist auch in der Praxis zu beobachten, wird allerdings von den meisten Partnersuchenden so nicht explizit erkannt, sondern meistens teilweise unbewußt vorgenommen. Die soziale und altersmäßige Homogamie wird eher bewußt vorausgesetzt, während die psychische Heterogamie unbewußt gesucht wird. Indes wird das Problem der Partnerwahl von den meistem Partnersuchenden emotional gelöst und nach dem Prinzip „trial and error“ solange wiederholt, bis der passende Partner gefunden ist. Dies kann ein Leben lang andauern, da eine Dauerpartnerschaft ist in unserer Gesellschaft unzweifelhaft das angestrebte Ziel in fast jeder persönlichen Lebensplanung ist.
4. Literatur
Jürgens, H.-W. (1965): Der Sozialtypus. In: Jürgens, H.-W.; Vogel, C. (Hrsg.), Beiträge
zur menschlichen Typenkunde. Stuttgart
Jürgens, H.-W. (Hrsg.) (1973): Partnerwahl und Ehe. Hamburg
Jürgens, H.-W. (1973): Zur Demographie der Partnerwahl. In: Jürgens, H.-W. (Hrsg.),
Partnerwahl und Ehe. Hamburg
Klein, R. (1991): Modelle der Partnerwahl. In: Amelang, M. et al. (Hrsg),
Partnerwahl und Partnerschaft. Göttingen Knippel, M. (1996): Empirische Untersuchung zu Modellbeschreibungen der
menschlichen Partnerwahl. Hamburg
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Knussmann, R. (1960): Konstitution und Partnerwahl. Homo 11, S.123-152
Knussmann, R. (1961): Zur Paarungssiebung nach Integument und nach
morphognostischen Merkmalen des Kopfes. Homo12, S. 193-217
Knussmann, R. (1980): Vergleichende Biologie des Menschen. Stuttgart
Knussmann, R. (1996): Vergleichende Biologie des Menschen. - 2. Auflage, Stuttgart
Pohl, K. (1973): Regeln und Theorie der Partnerwahl. In: Jürgens, H.-W. (Hrsg.),
Partnerwahl und Ehe. Hamburg
Schwarz, K. (1991): Die Schulabschlüsse der Ehegatten der Akademiker und
Akademikerinnen. Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft 3, S.
315-322
Schwidetzky, I. (1971): Hauptprobleme der Anthropologie. Freiburg
Stegemann, C; Knussmann, R.
(1984): Empirische Untersuchung zur Paarungssiebung
geschlechtspezifischer Körpermerkmale. Homo 35, S. 273-285
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Christian Fischer, 1999, Partnerwahl und Ehe. Paarungssiebung, München, GRIN Verlag GmbH
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