I Inhaltsverzeichnis I
I Inhaltsverzeichnis
I Inhaltsverzeichnis. I
II Abkürzungsverzeichnis II
III Abbildungsverzeichnis. III
1 Einleitung 1
2 Innovationsindikatoren: Stellung im Innovationsprozeß und deren Vor- und
Nachteile 2
2.1 Ressourcenindikatoren (Inputindikatoren) 2
2.1.1 FuE-Ausgaben. 2
2.1.2 FuE-Personal. 3
2.1.3 Staatliche FuE-Subvention 5
2.1.4 Investitionen in FuE-intensive Ausrüstungen. 6
2.1.5 Lizenzen und Gebühren 6
2.1.6 Unentgeltliche Wissensressourcen. 7
2.2 FuE-Ertragsindikatoren (Byput-Indikatoren) 8
2.3 Fortschritsindikatoren (Outputindikatoren) 8
2.3.1 Patente 8
2.3.2 technometrischer Indikator 10
3 Fazit 11
IV Literaturverzeichnis IV
II Abkürzungsverzeichnis
II Abkürzungsverzeichnis
DPA Deutsches Patentamt EPA Europäisches Patentamt FuE Forschung und Entwicklung OECD Organization for Economic Co-Operation and Development PATDPA Patentdatenbank des deutschen Patentamtes
III Abbildungsverzeichnis
III Abbildungsverzeichnis
Innovationsstadien................................................................................................. ....12
1 Einleitung
Zur Messung des technischen Fortschritts gibt es in Deutschland wenige Untersuchungen, wenn man als Vergleichsmaß die Gesamtheit der wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsergebnisse zugrunde legt 1 . Bedingt durch das Geheimhaltungsbedürfnis strategisch wichtiger Unternehmensaktivitäten läßt sich die Datenknappheit in der empirischen Innovationsforschung erklären. So werden viele Daten aus Statistiken meist in hohen Aggregationsebenen, d.h. nach Land oder Sektor, angegeben. Eine Verwendbarkeit auf mikroökonomischer Ebene, die gerade niedrige Aggregationsebenen, also eine Aufgliederung nach Unternehmen, besser nach Produkten verlangt, wird somit erschwert. Eine Möglichkeit dieser Problematik zu begegnen ist die Unterteilung in verschiedene Innovationsindikatoren nach ihrer Stellung im Innovationsprozeß in Input-, Byput- und Output-indikatoren 2 . Geht man von einem linearen Prozeß aus, so kennzeichnen Input-Indikatoren technischen Fortschritt, Byput-Indikatoren messen Begleit- und Teilerscheinungen und Output-Indikatoren geben qualitativen, mengen- oder wertmäßigen Fortschritt an. Jedoch ist der Innovationsprozeß nicht als geradlinig zu verstehen, sondern bestehend aus vielen Inputs, Outputs und Teilergebnissen die ineinander greifen und damit Rückkopplungen zulassen 3 . Daher wird vorgezogen von Ressourcen-Indikatoren, FuE-Ertragsindikatoren und Fortschrittsindikatoren, aufgrund der weniger stark geprägten und allgemeiner gehaltenen Begriffsbezeichnung, zu sprechen 4 . Da jede Neuerung wieder als Input für weitere Innovationen dienen kann, wird auf die Kategorie der FuE-Ertragsindikatoren nur kurz eingegangen.
Besprochen werden hier vor oben genanntem Hintergrund die wichtigsten Innovati-onsindikatoren, deren Vor- und Nachteile und welche Aktivitäten des Innovationsprozesses mit ihnen gemessen werden können.
1 vgl. Granstrand (1994), S. 14-23
2 vgl. Grossekettler (1978), S. 227, 229 und 230 sowie Audretsch (1996), S. 206
3 vgl. Machlup (1962) sowie Gerybadze (1982)
4 vgl. Grupp, H. (1997), S. 43
Innovationsindikatoren: Stellung im Innovationsprozeß und deren Vor- und Nachteile
2 Innovationsindikatoren: Stellung im Innovationsprozeß und
deren Vor- und Nachteile
2.1 Ressourcenindikatoren (Inputindikatoren)
Die hier im einzelnen behandelten Ressourcen-Indikatoren sollen als Oberbegriff für alle Meßmöglichkeiten stehen, die es ermöglichen „... personelle, monetäre, investive und sonstige Aufwendungen für Forschung, Entwicklung und Innovation zu messen“ 5 .
2.1.1 FuE-Ausgaben
Die FuE-Ausgaben galten lange Zeit als einziges Meßkriterium 6 , wobei es nicht darauf ankommt ob ein Unternehmen diese Aufwendungen selbst aufbringt, sondern ob es über deren Allokation verfügen kann 7 . Mögliche Finanzierungsquellen hierfür sind z.B. interne Verrechnung nach Verursachungsprinzip, Umlageverfahren über Konzernzentrale als auch staatliche Subventionen und Fördermittel der Europäischen Union 8 . Unterstellt wird, daß es ohne Finanzierung des technischen Inputs keine FuE-Ergebnisse gibt. Nach heutigem mikroökonomischen Verständnis ist eine Konformität von Innovationsinput und FuE-Aufwand nicht haltbar, weil dies unterstellt, man könne zwischen intern erzeugtem Wissen (finanziert durch monetären FuE-Input) und „... dem institutionenökonomischen Arrangement...“ 9 , d.h. externen Wissensquellen unterscheiden und diese somit strikt trennen. Außen vor bleiben weitere Wissensquellen wie z.B. Lernen aus Nachahmung, was zeigt, daß FuE-Aufwand nur ein Teilgebiet des Innovationsinputs erfaßt. Ein weiteres Problem für die Messung, ist von definitorischer Natur. Hierbei geht es um die Abgrenzung des Begriffs Forschung und Entwicklung gegenüber verwandten Tätigkeiten. Etabliert hat sich ein internationaler Standard, der im sogenannten “Frascati-Handbuch“ der OECD dokumentiert ist. 10 Dieser ist auch für die FuE-Statistik in der BRD
5 Grupp, H. (1997), S. 144
6 vgl. Freeman (1982), S. 21
7 vgl. Grupp, H. (1997), S. 146
8 umfassend bei Brockhoff (1997)
9 Grupp, H. (1997), S.147
10 Frascati-Handbuch
Innovationsindikatoren: Stellung im Innovationsprozeß und deren Vor- und Nachteile
maßgeblich. Das Datenmaterial ist dennoch mangelhaft, weil es kein Forschungsstatistikgesetz gibt, so daß relevantes Datenmaterial aus den nach dem Finanzstatistikgesetz (FuE-Ausgaben des Staates), dem Forschungsstatistikgesetz (FuE-Ausgaben der Hochschulen) und für die Wirtschaft vom Stiftverband für die deutsche Wirtschaft erstellten Statistiken entnommen werden muß. Der Stiftverband gibt alle 2 Jahre seine FuE-Statistik bekannt, die auf freiwilliger Basis gesammelte, meist hoch aggregierte (aus Geheimhaltungsgründen) Daten enthält. 11 Vorteilhaft erweist sich, daß sich FuE-Ausgaben einem einzelnen Projekt, Forschungsziel, Produktgruppe, Unternehmen oder Institution zuordnen lassen. Für die Messung wird meistens der FuE-Ausgabenanteil am Umsatz einer Branche oder eines Unternehmens ausgewertet. Man nennt diese Größe FuE-Ausgaben-Intensität. 12 Ein Vorteil dieses Indikators ist die Eliminierung von Größenunterschieden bei Unternehmen. Ein Nachteil dieses Indikators sind Fehlschlüsse im Hinblick auf die Innovationsstärke. Bei schlechtem Umsatz (Marketing bedingt) hohe FuE-Intensität, d.h. Überschätzung, bei gutem Umsatz (Marketing bedingt) niedrige FuE-Intensität, d.h. Unterschätzung.
Um nun eine Einordnung von FuE-Ausgaben im Innovationsprozeß vorzunehmen muß danach gefragt werden, welches Ziel mit den FuE-Ausgaben verfolgt wird. In die FuE-Ausgaben fließen Personal-, Sachaufwendungen und staatliche FuE-Förderung ein. Der Förderungsindikator spiegelt gesellschaftliche und politische Forschungsprioritäten wieder und wäre somit in der Nähe der Grundlagenforschung anzusiedeln. Da die Sachaufwendungen im FuE-Aufwand jedoch einen erheblichen Anteil haben und die primäre Intention für das Unternehmen die angewandte Forschung mit Blick auf ein Produkt ist, wären die FuE-Ausgaben im Innovationsprozeß der angewandten Forschung zuzuordnen.
2.1.2 FuE-Personal
In der nationalen und internationalen Statistik sind das in der Forschung und Entwicklung beschäftigte Personal eines der am häufigsten verwendeten Innovations-indikatoren. FuE-Personal ist ein Indikator für intern durchgeführte Arbeiten, der
11 vgl. Schwitalla, B. (1992), S. 100-102
12 vgl. ebenda, S.126
Innovationsindikatoren: Stellung im Innovationsprozeß und deren Vor- und Nachteile
irrtümlicherweise häufig mit dem FuE-Ausgabenindikator gleichgesetzt wird. Dieser beinhaltet jedoch außer den Personalausgaben für das in der Forschung und Entwicklung tätige Personal auch extern vergebene FuE-Aufträge, Sachausgaben für Laborausrüstungen, Geräte und dergleichen. Außerdem nimmt der Indikator FuE-Personal eine Sonderstellung ein, wenn man das in den Köpfen vorhandene technische Wissen, die Erfahrung und das Geschick, damit umzugehen bedenkt. Der Indikator FuE-Personal kann sich wie die FuE-Ausgaben an einem Projekt, bestimmten Forschungsziel, Produktgruppe, Unternehmen, Wirtschaftszweig oder Institutionen wie Staat und Hochschule orientieren. Dabei hat FuE-Personal das gleiche definitorische Problem wie FuE-Ausgaben und insoweit mit der gleichen Datenknappheit zu kämpfen (siehe FuE-Ausgaben 2.1.1).
In empirischen Untersuchungen wird der Indikator FuE-Personal weniger häufig verwendet als FuE-Ausgaben. Der Grund liegt darin, daß bei Abbildung von FuE-Aktivitäten durch die Zahl der damit beschäftigten Mitarbeiter diese Aktivitäten bei kapitalintensiver Forschung und Entwicklung unterschätzt werden beziehungsweise bei personalintensiver Forschung und Entwicklung überschätzt werden. 13 Ein weiteres Problem stellt die, aufgrund arbeitsrechtlicher Gründe, nur langsam erfolgende Anpassung an veränderte FuE-Strategien dar. Des weiteren besteht eine Schwierigkeit darin, nur zeitweise in der Forschung und Entwicklung tätige Personen Vollzeitäquivalenten zuzuordnen. Als eindeutiger Vorteil gegenüber anderen Indikatoren ist zu werten, daß es sich bei FuE-Personal um eine reale Größe handelt, die frei von Wechselkursen ist und zum internationalen Vergleich nicht preisbereinigt werden muß. Arbeitszeitverkürzungen, unterschiedliche Wochenarbeitszeit oder jährliche Arbeitszeit sind aber zu berücksichtigen. 14 Verwendet wird FuE-Personal überwiegend zur Beurteilung der relativen Innovationsstärke einer Branche oder eines Unternehmens bezogen auf die Gesamtzahl der Beschäftigten. Aufgrund der Fähigkeit des in Forschung und Entwicklung tätigen Personals, sein Wissen in konkretes umzusetzen, ist FuE-Personal als Schnittstelle zwischen Wissen und Forschung im Innovationsprozeß einzuordnen.
13 vgl. Schwitalla, B. (1992), S. 103
14 vgl. Grupp, H. (1997), S.149-150
Innovationsindikatoren: Stellung im Innovationsprozeß und deren Vor- und Nachteile
2.1.3 Staatliche FuE-Subvention
Die staatliche FuE-Subvention ist ein interessanter Indikator, mit dessen Hilfe es möglich ist, Aufschluß über das staatliche Interesse an bestimmten Technologien beziehungsweise den Einfluß staatlicher Politik auf industrielle Innovation zu gewinnen. 15
Man unterteilt staatliche FuE-Subventionen in 2 Arten: • Direkte Projektförderung in ganz bestimmten Forschungsbereichen. • Indirekte Förderung ohne direkten Bezug auf ein Projekt, sondern allgemeine Förderung der FuE-Tätigkeit.
Zur indirekten Förderung gehören unter anderem steuerliche Vergünstigungen in Form von FuE-Sonderabschreibungen, FuE-Investitionszulagen, finanzielle Zulagen zur Erhöhung des FuE-Potentials (z.B. FuE-Personalkostenzuschuß) als auch Infrastrukturmaßnahmen. 16 Statistisches Datenmaterial liegt für OECD-Länder vor, allerdings auf sehr hoch aggregiertem Niveau und teilweise lückenbehaftet, so daß eine mikroökonomische Betrachtung ausgeschlossen ist. Für die BRD kann allerdings Zahlenmaterial aus Veröffentlichungen des Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) entnommen werden. Zu beachten ist allerdings, daß Subventionen anderer Ministerien (z.B. die der Verteidigung, Wirtschaft) sowie die der Kommission der europäischen Union nicht erfaßt werden. Auch enthalten die Datenquellen nur die finanziellen Mittel für die direkte Projektförderung. Dies ist einerseits ein Mangel, andererseits ist die direkte Projektförderung der geradlinigste Eingriff in die Privatwirtschaft und somit von besonderem Gewicht. Gemessen werden staatliche Zuwendungen als Anteil an den gesamten FuE-Ausgaben einer Branche oder eines Unternehmens. Daraus läßt sich feststellen, ob die Innovationsaktivitäten einer Branche oder eines Unternehmens eher marktgerichtet oder von staatlichen Zielsetzungen geleitet wird. 17 Die staatliche FuE-Subvention geht einerseits in die FuE-Ausgaben eines Unternehmens ein, andererseits zeigt er auf, welchen Einfluß staatliche Politik und gesellschaftliche For-schungsprioritäten haben. Da sich die deutsche Forschungs- und Technologiepolitik
15 vgl. Grupp,H. (1997), S. 151-153
16 vgl. Schwitalla, B. (1992), S. 137-138
17 vgl. ebenda, S. 138-146
Innovationsindikatoren: Stellung im Innovationsprozeß und deren Vor- und Nachteile
stark an der Grundlagenforschung orientiert, werden FuE-Subventionen als Indikator im Innovationsprozeß der Grundlagenforschung zugeschrieben. 18
2.1.4 Investitionen in FuE-intensive Ausrüstungen
Oftmals muß zur Entwicklung und Einführung neuer Produkte in neue Produktionsverfahren investiert werden. Auch wenn nicht immer die Entwicklung neuer Produkte im Vordergrund steht, sondern nur alte Produktionseinrichtungen durch neue Gerätschaften und Ausrüstungsgüter ersetzt werden, so führt dies gewöhnlich zu einer gesteigerten Effizienz der Produktionsprozesse, weshalb die Höhe der Investitionen als wichtiger Indikator für extern zugeführte Technologie im Bereich der Innovation und Diffusion gewertet werden. 19 Noch stellen Investitionen in FuE-intensive Ausrüstungen einen selten verwendeten Indikator dar, nicht zuletzt weil er in der Wirt-schaftsforschung eher als Konjunktur- und Wirtschaftsindikator etabliert ist; jedoch nannten in einer vom Ifo-Institut durchgeführten Untersuchung zur Innovation durchschnittlich 60% der befragten Unternehmen die Einführung neuer Produktionstechniken als Innovationsziel. 20 Wie schon oben erwähnt sind Investitionen in FuEintensive Ausrüstungen im Innovationsprozeß der Innovation und Diffusion zuzuordnen, weil sie für extern zugeführte Technologie von großer Bedeutung sind.
2.1.5 Lizenzen und Gebühren
Eine bedeutende Rolle spielen auch entgeltliche Informationsressourcen wie Lizenzen und Gebühren. Sie stellen als Aufwand der Wissensbeschaffung die Übernahme fremden Know-hows für die interne Verarbeitung durch das eigene FuE-Personal dar, während extern vergebene FuE-Aufträge darauf zielen, “fertige“ durch fremdes Know-how und fremdes Personal gefertigte “Einheiten“ zu beziehen. Der Wissenserwerb durch externe, entgeltliche Informationsressourcen stellt einen wesentlichen Bestandteil der Innovationsanstrengungen dar. Die Unternehmen mindern durch den Know-how-Import Risiken durch eigene Forschung und Entwicklung und adaptieren das Wissen speziell an ihre Bedürfnisse. Leider sind die Kosten
18 vgl. Schwitalla, B. (1992), S. 12
19 vgl. ebenda, S. 12
20 vgl. Neumann (1990)
Innovationsindikatoren: Stellung im Innovationsprozeß und deren Vor- und Nachteile
nur schwer abzuschätzen, weil sie oft so eng mit den FuE-Ausgaben verbunden sind, daß eine Trennung nur schwer wenn überhaupt möglich ist. Auch liegen zahlenmäßige Angaben für den Know-how-Erwerb durch Unternehmen auf einzelbetrieblicher Ebene nicht vor und werden auf absehbare Zeit weder national noch international zur Verfügung stehen. 21 Einordnen ließe sich der entgeltliche Wissenserwerb im Innovationsprozeß nahe der industriellen Entwicklung, da Forschungen bereits abgeschlossen sind und das Know-how für die Entwicklung eingebracht wird.
2.1.6 Unentgeltliche Wissensressourcen
Monetäre Aufwendungen sind nur bei geschütztem, privaten technologischen Wissen zu entrichten (z.B. Patentlizenzen). Frei verfügbares Wissen kann ohne jede Gebühr erworben und angeeignet werden. Ein in Großbritannien ansässiges Transferbüro zur Vermittlung von wissenschaftlichem Wissen an Unternehmen hat allerdings in Zusammenarbeit mit einem Bibliotheksdienst die Verwendbarkeit der Ausleihstatistik von wissenschaftlichen Texten erwogen, die sich an den Wirtschaftszweigen und den nachgefragten Wissenschaftsdisziplinen der jeweiligen Unternehmen orientiert. Plausibel wird der neue Indikator durch die Ergebnisse einer Befragung der Unternehmen, die erfolgreiche Datenbankrecherchen durchführten. Sie gaben an, die Texte an erster Stelle zur Ausgestaltung laufende Projekte, an zweiter zur Konzipierung von neuen Forschungsprojekten zu benötigen. Bislang gibt es jedoch wenig substanzielles Datenmaterial. Eine weitere Möglichkeit freies Wissen zu erwerben, ist über Austausch durch sogenannte “Communities“, d.h. gleichgesinnten Interessengruppen in informellen Kreisen von Wissenschaftlern, Ingenieuren und Geschäftsleuten. 22 Eine Einordnung in den Innovationsprozeß ist nicht nach Gebieten des Wissens- bzw. Technologieaustauschs zu beurteilen, bei denen es sich um grundlegende Forschungsstudien, als auch um anwendungstechnische Details handeln kann, sondern nach der allgemeinen Wissensbeschaffung. Somit ist es ein “Indikator für die Wissensbeschaffung“ 23 allgemein und dem Vorrat an Wissen zuzuschreiben.
21 vgl. Grupp, H. (1997), S. 153
22 vgl. ebenda, S.154-155
Innovationsindikatoren: Stellung im Innovationsprozeß und deren Vor- und Nachteile
2.2 FuE-Ertragsindikatoren (Byput-Indikatoren)
FuE-Ertragsindikatoren sind Ergebnisse früheren Forschungsoutputs z.B. der Grundlagenforschung in Form von wissenschaftlichen Publikationen meist in Zeitschriften. Sie werden durch Zitierung in künftigen wissenschaftlichen Arbeiten oder Patendokumenten weiterverarbeitet und repräsentieren somit einen Byput (auch als throughput bekannt), d.h. es ist möglich festzustellen, welchen Forscher welches Forschungsgebiet inspiriert hat. Entsprechend verhält es sich mit Zitaten von Patenten in anderen Patentdokumenten. So zitieren auch Patentämter ältere Patentschriften, um die Neuheit der Erfindung zu belegen. Während Literaturzitate eher der Grundlagenforschung als auch der angewandten Forschung zugeschrieben werden, spiegeln Patentzitate besser Ergebnisse industrieller Entwicklungstätigkeit wider, da sie an kommerzielle Nutzbarkeit geknüpft sind. 24 Abschließend läßt sich sagen, daß FuE-Ertragsindikatoren Begleit- oder Teilerscheinungen des technischen Fortschritts messen und “... Hinweise auf die Diffusion von Wissen zwischen verschiedenen Innovationsakteuren geben“ 25 . Erfaßt werden kann jedoch nur der schriftlich niedergelegte Teil der technologischen und wissenschaftlichen Kenntnisse. 26
2.3 Fortschritsindikatoren (Outputindikatoren)
Fortschrittsindikatoren zeigen mengen- oder wertmäßige oder qualitätsveränderte Auswirkungen auf die Produktion.
2.3.1 Patente
Patente stellen den am häufigsten verwendeten und am stärksten umstrittenen Fort-schrittsindikator dar. Seine Bedeutung hat in den letzten Jahrzehnten durch die Möglichkeit der vereinfachten, automatischen, elektronischen Erhebung in nationalen und internationalen Patentdatenbanken stark zugenommen. Für die USA besteht diese Möglichkeit schon seit den 60er Jahren, für die BRD seit 1986 durch die PATDPA, die sämtliche Patentanmeldungen am deutschen Patentamt sowie am europäischen Patentamt mit Bestimmungsland BRD enthält. Für eine bessere Auswer-
23 vgl.Grupp, H. (1997), S. 154
24 vgl. Schwitalla, B. (1992), S. 12-13
25 Grupp, H. (1997), S. 177
26 vgl. ebenda, S.143 und 174-176
Innovationsindikatoren: Stellung im Innovationsprozeß und deren Vor- und Nachteile
tung der statistischen Daten wurde von GREIF (1990) eine Zuordnung der Patentanmeldungen zu einzelnen Wirtschaftszweigen und ihrer Verwendung vorgenommen. Trotz der Möglichkeit eine Zuordnung zu kleinen Einheiten vorzunehmen bestehen einige Nachteile. Nicht alle Erfindungen werden patentiert, weil z.B. Geheimhaltung 27 oder andere Strategien vorgezogen werden bzw. Patentverletzungen bei Verfahrenspatenten meist schwer nachzuweisen sind. Diese Problematik beschreibt die Patentneigung, die sich als Quote aus den angemeldeten Patenten und den tatsächlich gemachten Inventionen ergibt. 28 Dies führt zu Verzerrungen auf allen Aggregationsebenen (Unternehmen, Sektor, Land). Allerdings erklärt eine Analyse von MANSFIELD 29 , daß sektorale Unterschiede der Patentneigung unbedeutend sind. Verzerrungen lassen sich auch auf unterschiedliche nationale Patentsysteme zurückführen. So ist beispielsweise eine Patentanmeldung im Inland kostengünstiger, weswegen hier die Patentneigung höher ist. Auch sind nicht alle Erfindungen patentierbar wie beispielsweise Software die normalerweise das Urheberrecht schützt. 30 Ein mögliches technisches Problem ist die technologieorientierte Patentklassifikation. Das heißt, daß ein einzelnes Patent für verschiedene Produktgruppen und Wirtschaftszweige Bedeutung haben kann. Das amerikanische Patentamt stellt über Quotierung eine Zuordnung nach Produktgruppen nach der “standard industrial classification“ zur Verfügung. Für die vom deutschen Patentamt verwendete “internationale Patentklassifikation“ wurde von GREIF eine Konkordanz auf Sektorebene (Wirtschaftszweige) erstellt. Daraus wiederum ergibt sich ein weiteres, wenn auch nicht gravierendes Problem, daß das patentanmeldende Unternehmen in einem Konzern oft das Mutterunternehmen und nicht die rechnungslegende Tochtergesellschaft ist. 31
Zu differenzieren ist auch der Begriff Patent nach erteiltem Patent und Patentanmeldung, die auch Mehrfachentwicklung zuläßt. Patentanmeldungen werden als Basis für das deutsche und europäische Patentamt verwendet, während für das amerikanische Patentamt nur jedes erteilte Patent zählt. Da oben genannte Problematik auf beide Arten zutrifft, wäre sie an dieser Stelle zu relativieren.
27 vgl. Archibugi, D. (1996), S. 21
28 vgl. Schwitalla, B. (1992), S. 106-109
29 vgl. Mansfield, E. (1985)
30 vgl. Archibugi, D. (1996), S. 21
31 vgl. Schwitalla, B. (1992), S. 109
Innovationsindikatoren: Stellung im Innovationsprozeß und deren Vor- und Nachteile
Patentanmeldungen spiegeln jedoch den FuE-Input besser wider, als erteilte Patente, weil auch diesen FuE-intensive Arbeiten vorausgehen, die unfraglich mit Lerneffekten verbunden sind und somit den Fortschritt beeinflussen. 32 Bei empirischen Erhebungen tritt ein weiteres Problem auf: die Größeneinheit Patent. Bei einer ausreichend großen Stichprobe wird allerdings darauf vertraut, daß im Mittel der Wert der Patente (Basiserfindung oder fortgeführte Verbesserung) je Einheit gleich ist. Werden außerdem “Qualitätsmerkmale“ wie erteilte Patente oder Aus-landsanmeldungen benutzt, um einen Mindeststandard für den Wert eines Patents zu gewährleisten, so muß mit einer gewissen Zahl von Nullbeobachtungen gerechnet werden. Diese Nullbeobachtungen richten sich nach der Größe der Untersuchungseinheit und sie entstehen trotz ständigem FuE-Input, da Patente nicht kontinuierlich anfallen.
Viele Untersuchungen - wie z.B. die des europäischen Patentamtes von 1994 33 , die belegt, daß 25% der analysierten Unternehmen für 90% der patentierbaren Erfindungen Patente und weitere 25% für 50%-90% der patentierbaren Erfindungen Patente anmelden, zeigen einen engen Zusammenhang zwischen den Innovationsaktivitäten von Unternehmen, Sektoren, Ländern und Patenten. Desweiteren spricht für den Einsatz von Patenten als Innovationsindikator, daß sie direktes Ergebnis eines Innovationsprozesses sind und den Wettbewerb im technologischen Wandel zeigen. Eine Patentanmeldung wird mit dem Gedanken an genau diesen technologischen Wandel und die Möglichkeit daraus Kapital zu schlagen vorgenommen. Außerdem liegt großes Datenmaterial in Form von langjährigen, einfach auszuwertenden Statistiken vor. 34
Patente repräsentieren Innovationsoutput industrieller Entwicklung und werden dieser zugeordnet.
2.3.2 technometrischer Indikator
Dieser Indikator mißt wie der Indikator Patente direkten Innovationsoutput, allerdings orientiert er sich am fertigen Produkt, während ein Patent nur die Lösung eines technischen Problems angibt. Er errechnet sich aus einer durch Experten bestimmten Gewichtung einzelner technischer Merkmale eines Produkts, wobei zwischen
32 vgl. Schwitalla, B. (1992), S. 110 und vgl. Grupp, H. (1997), S.161-162
33 Europäisches Patentamt (1994), S. 108
Fazit
Innovation und Imitation nicht unterschieden wird. Soll der Indikatorwert einigermaßen zuverlässig sein, so muß eine genügend große Zahl von Experten zur subjektiven Einschätzung befragt werden. 35
Als zweiter Fortschrittsindikator ist der technometrische Indikator der Innovation und Imitation zuzuordnen, da er sich direkt am Produkt orientiert.
3 Fazit
Die hier vorgestellten Indikatoren stellen nur eine Auswahl dar. Dennoch wurde darauf geachtet, die wichtigsten vorzustellen. Weitere Fortschrittsindikatoren wie etwa die Messung über Hochtechnologie Märkte, Abzählung von Innovationen, Befragung von Unternehmen oder Umsätze mit innovativen Produkten wäre denkbar. Auch kommt es sehr darauf an, welche Aktivität des Innovationsprozesses man messen möchte. Meist wird aber der Indikator durch die Datenverfügbarkeit und das gewünschte Aggregationsniveau diktiert. Auch muß man sich im klaren über die Grenzen der einzelnen Indikatoren sein, die alle „...nur Hinweise auf die Innovationsaktivität geben können und daß sie sie mehr oder weniger fehlerhaft abbilden.“ 36 Zu empfehlen ist die Verwendung mehrerer Innovationsindikatoren, um abschließend die Ergebnisse vergleichen zu können und so die Schwächen einer einzelnen Betrachtung zu umgehen.
Um sich ein Bild der Zusammenhänge machen zu können und die beschriebene Einordnung in den Innovationsprozeß zu erleichtern, folgt eine Abbildung der einzelnen Innovationsstadien mit korrespondierenden Innovationsindikatoren.
34 vgl. Archibugi, D. (1996), S. 21-22
35 vgl. Grupp, H. (1997), S. 130-131 und vgl. Schwitalla, B. (1992), S. 13 und S. 111-112
36 Schwitalla, B. (1992), S. 116
Literaturverzeichnis IV
IV Literaturverzeichnis
Archibugi, D. und Pianta, M., (1996), Innovation surveys and patents as technology indicators: the state of the art, in: OECD: Innovation, Patents and Technological Strategies, Paris 1996
Audretsch, D.B., Industrieökonomik (Bd. 1), in: von Hagen, Börsch-Supan und Welfens, 1996
Brockhoff, K. (1997), Forschung und Entwicklung, Planung und Kontrolle, 4 Auflage, München, R. Oldenburg, 1997
Europäisches Patentamt (1994), Utilisation of Patent Protection in Europe, Europäisches Patentamt, München 1994
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Gerybadze, A. (1982), Innovation, Wettbewerb und Evolution, Tübingen, J.C.B. Mohr, 1982
Granstrand, O. (1994), Economics of Technology, Amsterdam, Elsevier, 1994 Grossekettler, H. (1978), Wie valide sind Fortschrittsindikatoren? Zur Gültigkeit von Messungen des technischen Fortschritts in den Branchen der deutschen Industrie, in: Jahrbuch für Sozialwissenschaft, 1978, 3, S. 223-254 Grupp, H., (1997), Messung und Erklärung des technischen Wandels, Berlin 1997
Literaturverzeichnis V
Mansfield, E., (1985), Studies of Tax Policy, Innovation, and Patents: A Final Report, University of Pennsylvania, 1985
Maschlup, F., (1962), The Production and Distribution of Knowledge in the Unites States, Princeton, N.J., 1962
Neumann, F. (1990), Industrie investiert kräftig in Erweiterungen. Die neuen Ergebnisse des Ifo-Investitionstests, in: ifo-schnelldienst 18, 1990, S. 4-11 Schwitalla, Beatrix, (1992), Messung und Erklärung industrieller
Innovationsaktivitäten, Heidelberg 1992
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Tobias Schudy, 2002, Innovation und Innovationsindikatoren, München, GRIN Verlag GmbH
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