Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung 1
2. Aufgabenstellung 3
3. Danton 3
3.1 Der erstarrte Revolutionär 3
3.2 Die Sinnkrise als Hintergrund 4
3.3 Die Konsequenz 6
4. Der Blutmessias und seine Jünger 7
5. Die Konfrontation 11
6. Die Verbindung 13
6.1 Die Einsamkeit 14
6.2 Die Äquidistanz zum Volk 15
7. Zusammenfassung 17
8. Ausblick 18
9. Literaturverzeichnis 19
9.1 Primärliteratur 19
9.2 Sekundärliteratur 19
9.3 Quellenangaben 19
1. Einleitung
Als der junge Georg Büchner, im Alter von nur 22 Jahren, sein erstes Drama, Dantons Tod, vollendet hatte, lag der Sturm auf die Bastille in Paris noch kein halbes Jahrhundert zurück. Aber nicht nur die zeitliche Nähe, sondern auch sein persönliches Schicksal veranlassten Büchner dazu, den Stoff der französischen Revolution in seinem Erstlingswerk aufzugreifen. Dass er für die Niederschrift desselben, kurz vor seiner Flucht aus Darmstadt [1] , nach eigenen Aussagen nur fünf Wochen benötigte [2] , darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass er sich bereits „im Frühjahr 1834, also unmittelbar vor dem ersten Entwurf des Hessischen Landboten“, intensiv dem Studium der Geschichte der französischen Revolution gewidmet hatte [3] . Helmut Fuhrmann weist zu Recht darauf hin, dass Büchner sich auch schon zu seiner Gymnasialzeit in Darmstadt mit den dramatischen Ereignissen in Frankreich um 1789 beschäftigt hat [4] . So schreibt Büchner in einer Schulrede, die den „Heldentod der vierhundert Pforzheimer“ zum Thema hat und die seine Begeisterung für die revolutionären Geschehnisse zum Ausdruck bringt:
[...]ich brauche mein Augenmerk nur auf den Kampf zu richten, der noch vor wenigen Jahren die Welt erschütterte [...] Ich meine den Freiheits-Kampf der Franken; Tugenden entwickelten sich in ihm, wie sie Rom und Sparta kaum aufzuweisen haben und Taten geschahen, die nach Jahrhunderten noch Tausende zur Nachahmung begeistern können. [5]
Einen großen literarischen Erfolg konnte Büchner zu seinen Lebzeiten allerdings mit seinem Stück nicht verbuchen, da die Mehrheit der zeitgenössischen Leser durch die vom Autor verwendeten Technik der Quellenmontage abgeschreckt wurde. Dabei ist zu berücksichtigen, dass, nach neueren Untersuchungen, immerhin ein Fünftel des gesamten Textes quellenabhängig ist. [6] Büchner selbst rechtfertigt diese für die damalige Zeit so ungewöhnliche Montagetechnik in einem Brief an seine Familie:
Der dramatische Dichter ist in meinen Augen nichts, als ein Geschichtschreiber, steht aber über Letzterem dadurch, daß er uns die Geschichte zum zweiten Mal erschafft und uns gleich unmittelbar, statt eine trockene Erzählung zu geben, in das Leben einer Zeit hinein versetzt, uns statt Charakteristiken Charaktere, und statt Beschreibungen Gestalten gibt. Seine höchste Aufgabe ist es, der Geschichte, wie sie sich wirklich begeben, so nahe als möglich zu kommen.“ [7]
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Die Folge davon beschreibt jedoch der Redakteur Karl Gutzkow, in dessen ‚Phoenix‘ ein gekürzter Vorabdruck des ‚Danton‘ erschienen war, in einem Brief an Büchner: „Ihr Danton zog nicht [...] Darüber vergaß man, dass in der Tat doch mehr von Ihnen gekommen ist, als von der Geschichte u [sic] machte aus dem Ganzen ein dramatisiertes Kapitel des Thiers“ [8] , dessen ’Histoire de la Révolution française‘ [9] neben der Heftreihe „Unsere Zeit“ [10] eine der wichtigsten historischen Quellen Büchners war. Gleichwohl wusste nach Aussagen von Jürgen Seidel ein Teil der Leserschaft die moderne Bauform des Dramas durchaus zu schätzen:
In Kreisen der literarischen und philosophischen Avantgarde findet das Stück mitunter enthusiastische Aufnahme. Offensichtlich erkennt man hier, mit welcher zukunftsweisenden Tiefe der junge Autor Politik, Religion, soziales Leben, Kunsttheorie, Weltschmerz und Sensualismus - die gängigen Themen der Vormärz-Subkultur - verstanden und literarisch überzeugend in Szene gesetzt hat. [11]
Abgesehen von der Tatsache, dass die Auswirkungen und Konsequenzen der französischen Revolution in Bezug auf die soziale Gesellschaftsordnung in Frankreich und anderen europäischen Ländern ihre Bedeutung bis in die Gegenwart aufrecht erhalten haben, ist es gerade die Vermischung oben genannter Themen und Ansätze, die „Dantons Tod“ für den heutigen Rezipienten so aktuell erscheinen läßt.
Keinesfalls handelt es sich bei dem Drama lediglich um ein „politisches Lehrstück“, wie Martina Kitzbichler richtig erkennt, [12] vielmehr ist es darauf angelegt, die grundlegenden Fragen der „Menschennatur“, wie Büchner sie in seinem berühmten „Fatalismus“-Brief anspricht [13] , zu analysieren und zu diskutieren. Wolfgang Martens formulierte dazu passend: „Hinter den revolutionären Auseinandersetzungen steht in Dantons Tod hier wie dort ein bohrendes Fragen nach dem Sinn des Seins und nach der Weltordnung.“ [14]
Darin liegt wahrscheinlich auch der Grund, warum Büchner sich in seinem Drama auf einen so kurzen Zeitabschnitt der französischen Revolution bezieht, einen Abschnitt „von kaum zwei Wochen“ [15] , der sich von der Hinrichtung der Hébertisten bis zur Guillotinierung der Dantonisten erstreckt und dessen Kern von der Auseinandersetzung zwischen Robespierre und Danton gebildet wird. Da der historische Verlauf und der Ausgang der Ereignisse dem Publikum bereits bekannt waren und somit keine besondere dramatische Spannung erzeugt werden konnte [16] , ist es in erster Linie der Konflikt der beiden Protagonisten, dem das Drama seine große Wirkung verdankt und der weniger
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auf den konträren politischen Positionen, als auf diametral entgegengesetzten Weltanschauungen beruht, die im folgenden näher erörtert werden sollen.
2. Aufgabenstellung
Ziel der hier vorliegenden Arbeit ist es, die beiden Kontrahenten, Robespierre und Danton, sowie deren Auseinandersetzung und die dafür verantwortlichen Ursachen näher zu beleuchten. Dabei sollen nicht nur ihre Unterschiede, sondern auch die durchaus vor-handenen Gemeinsamkeiten herausgearbeitet werden. Außerdem sollen nicht nur diese beiden Figuren im Vordergrund stehen, sondern auch deren Beziehungen zu ihrer Umgebung innerhalb des Dramas untersucht werden. Eine weitere Fragestellung wird sein, ob die beiden Protagonisten im Rahmen der Geschehnisse eine Entwicklung durchlaufen und wenn ja, wie diese aussieht.
3. Danton
3.1 Der erstarrte Revolutionär
Wer zu Beginn des Dramas in Danton einen leidenschaftlichen und einen von dem Wunsch nach Veränderung der politischen Verhältnisse geprägten Revolutionär erwartet, wird von Büchner enttäuscht. Danton, der ohne Zweifel die „Zentralfigur des Stückes“ [17] ist, wird nämlich nicht als begnadeter Rhetoriker in einer Rede vor dem Konvent oder als visionärer Politiker eingeführt. Stattdessen befindet er sich in der Eingangsszene an einem Spieltisch mit seinem Freund Héraut-Séchelles, seiner Frau Julie und einigen weiteren Damen. Dort geben sie sich dem „sinnlosen Zeitvertreib des Kartenspiels“ [18] hin und tauschen erotische Anzüglichkeiten statt revolutionärer Gedanken aus. Selbst als Camille Desmoulins und Philippeau von den aktuellen Ereignissen in Paris berichten und durch die Entfaltung ihres politischen Programms, von dem später noch die Rede sein wird, versuchen, Danton zum Handeln zu bewegen, bleibt dieser sichtlich ungerührt. Auf die Aufforderung Camilles: „Danton du wirst den Angriff im Konvent machen“ [19] , antwortet er nur : „Ich werde, du wirst, er wird. Wenn wir bis dahin noch leben, sagen die alten Weiber.“ [20] Mit dieser zynischen Antwort gibt Danton „beredten Ausdruck einerseits seiner Interesselosigkeit am aktuellen Geschehen wie auch andererseits - und das ganz besonders - seiner Gleichgültigkeit gegenüber eigenem zielstrebigem Handeln“. [21] Noch deutlicher wird Dantons politisches Desinteresse, als
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er in dieser ersten Szene beschließt, zu gehen und zu Julie sagt: „Ich muss fort, sie reiben mich mit ihrer Politik noch auf.“ [22]
Auch als die Situation für die Dantonisten nach der Rede Robespierres vor dem Jakobinerklub in eine reale Bedrohung umschlägt, verharrt Danton in seiner Lethargie. Auf die nun eindringliche Warnung von Lacroix: „Wir müssen nun handeln“, reagiert Danton ebenso lapidar wie zuvor: „Das wird sich finden“. [23]
Ebenso niederschmetternd wirkt die Aussage Dantons über die Motivation seines politischen Engagements. Denn er leitet seine Motive nicht aus dem Bedürfnis ab, die bestehende soziale Gesellschaftsordnung zugunsten einer für das Volk besseren verändern zu wollen, sondern aus einer rein persönlichen. So bekommt Camille auf seine Frage, warum er den Kampf überhaupt begonnen hätte, nur von ihm zu hören: „Die Leute waren mir zuwider. Ich konnte dergleichen gespreizte Katonen nie ansehn, ohne ihnen einen Tritt zu geben. Mein Naturell ist einmal so.“ [24]
Es bleibt als festzuhalten, daß der Leser schon im ersten Akt des Dramas in Danton einen Menschen vorfindet, der „seine Identität als Politiker verloren“ [25] hat und der keinerlei inneren Antrieb verspürt, den Kampf gegen seinen Kontrahenten Robespierre ernsthaft aufzunehmen. Dies unterstreicht auch seine Aussage gegenüber Lacroix: „Morgen geh´ ich zu Robespierre, ich werde ihn ärgern, da kann er nicht schweigen.“ [26] Das deutet darauf hin, dass Danton in keinster Weise versucht ist, einen Konsens herstellen zu wollen, sondern bewusst die Provokation sucht, deren Konsequenz - die Verurteilung durch das Revolutionstribunal und die anschließende Enthauptung - er durchaus kennt, zumal er selber sagt: „Ich weiß wohl, - die Revolution ist wie Saturn, sie frißt ihre eignen Kinder.“ [27]
3.2 Die Sinnkrise als Hintergrund
Man darf nun aber nicht dem Irrtum unterliegen, dass Dantons Lethargie nur auf einer Frustration in Blick auf die Revolution oder der Politik an sich beruht. Denn die Gründe dafür sind sehr viel tiefergehend und die Wurzeln seiner Sinnkrise sind philosophischer, psychologischer und religiöser Natur.
Wolfgang Martens war es, der sich im Jahre 1960 in seinem Aufsatz „Ideologie und Verzweiflung“ [28] intensiv mit den religiösen Motiven beschäftigt hat, die zu der Trägheit Dantons geführt haben. Er identifiziert dabei vor allem den Atheismus, zu dem sich Danton bekennt [29] , als eine der Hauptursachen für die Lethargie, wenn er sagt:
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Arbeit zitieren:
Sascha Fiek, 2002, Danton und Robespierre als Kontrahenten in Büchners Revolutionsdrama „Dantons Tod“, München, GRIN Verlag GmbH
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