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habe, teils niemals kannte. Was kann ich ihnen nützen, was bin ich ihnen und sei ich auch des Vaters, des alten Landwirts Sohn. Und ich wage
nicht, an der Küchentür zu klopfen, nur von der Ferne horche ich stehend, nicht so, daß ich als
Horcher überrascht werden könnte. Und weil ich von der Ferne horche, erhorche ich nichts, nur einen leichten Uhrenschlag höre ich oder glaube ihn vielleicht nur zu hören, herüber aus den Kindertagen. Was sonst in der Küche geschieht, ist das Geheimnis der dort Sitzenden, das sie vor mir
fremder wird man. Wie wäre es, wenn jetzt jemand die Tür öffnete und mich etwas fragte. Wäre ich
(Max Brod veröffentlichte 1920 den Text, nachdem er ihn mit einer Überschrift versehen hatte.)
Franz Kafka beschreibt in seiner Parabel „Heimkehr“ eine alltägliche Situation, in der ein Mann wie jeden Tag von der Arbeit nach Hause kommt. Die Bezeichnung als Parabel resultiert daraus, dass ein Sachverhalt anhand eines konkreten Beispiels aufgezeigt wird. Deutlich wird dies bei Kafka dadurch, dass er am Beginn der „Heimkehr“ einen Ich-Erzähler verwendet und ab Zeile 27 das verallgemeinernde „man“ benutzt. Des Weiteren wird nicht das Nachdenken über das eigentlich und eingangs Erzählte bezweckt sondern über das daraus resultierende, das sich jedoch zu dem zu Beginn Beschriebenen ähnlich verhält. Der Sohn eines Landwirtes, der seit langem endlich wieder nach Hause kommt, steht im Flur des väterlichen Hauses, kann sich jedoch nicht dazu überwinden, an die Küchentür zu klopfen, hinter der sich anscheinend die Familie versammelt hat (vgl. Z.1 und Z.10).
Der Ich-Erzähler befindet sich in einer psychischen Krise, die durch den Rückblick deutlich wird, den er gibt. Obwohl er zu Hause ist, was durch seine Erkenntnis deutlich wird, dass es „meines Vaters alter Hof“(Z. 2f.) ist, kommt in ihm kein heimisches Gefühl auf. Er erinnert sich an seine Kindheit, als er das „im Spiel um eine Stange gewunden[e Tuch]“ (Z. 7f.) erblickt.
Dies jedoch reicht nicht aus, ihn zum Eintreten zu motivieren. Die zu beginn noch beruhigende Feststellung wird relativiert. „Altes, unbrauchbares Gerät, ineinanderverfahren verstellt den Weg zur Bodentreppe“ (Z. 4 - 6) ebenso wie ihm sein Zögern den Weg zur Familie verstellt. Alle Beschreibungen
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der Außenwelt des Erzählers geben Hinweise auf dessen Innenwelt. Diese ist geprägt von Angst vor einer altbekannten Umgebung, einem Umfeld, in dem er aufgewachsen ist und lange Zeit gelebt hat. Widergespiegelt wird diese Unsicherheit durch die Fragen, wer ihn „empfangen“ wird oder wer „hinter der Tür [auf ihn] wartet“ (Z. 9f.). Seine Unsicherheit manifestiert sich in der Frage „Ist dir heimlich, fühlst du dich zu Hause?“(Z.12) Sie impliziert den Zweifel an der Heimlichkeit, da er zwei Mal in der gleichen Frage denselben Sachverhalt anspricht.
Die Umgebung wirkt befremdlich auf den Landwirts-Sohn, denn „kalt steht Stück neben Stück, als wäre jedes mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt, die ich teils vergessen habe, teils niemals kannte“ (Z. 14 - 17). Die Erwähnung der mittlerweile unbekannten Angelegenheiten zeigt ebenso die Entfremdung von der Familie wie die Kälte die Raumentfremdung zeigt. Weiterhin wirkt das Umfeld inzwischen sogar bedrohlich, so „lauert“ die Katze auf dem Geländer (Z. 6). Diese Unsicherheiten bilden zusammen die Barriere des Ich-Erzählers. Ihm ist zwar klar, dass sein Zögern ihn nur noch mehr entfremdet, was er als einen allgemeinen Sachverhalt in dem Satz „Je länger man vor der Tür zögert, desto fremder wird man.“(Z. 28f.) darstellt, und ihm ist auch klar, dass er sich schon stark entfremdet hat, weshalb er „nur von der Ferne [horcht]“ (Z. 21f.), aber ihm fehlt das nötige Selbstvertrauen, seiner Familie
entgegenzutreten. Statt dem Versagen in der Rolle des alten Landwirtssohn ein Gelingen in einer neuen Rolle entgegenzusetzen, verharrt er vor der Tür umhüllt von Erinnerungen an die Vergangenheit und an die Kindheit, die ein Handeln in der Gegenwart unmöglich machen. Durch das Betreten der Küche wäre der Ich-Erzähler in der Lage, ein neues Leben zu beginnen, doch auf Grund seiner psychischen Konstitution bleibt dieser Grenzüberschritt aus. Diese Unfähigkeit resultierend aus der eigenen Unsicherheit ist bei Franz Kafkas 1920 erschienener Parabel „Heimkehr“ charakteristisches Merkmal für den Nihilismus.
Weiterhin lassen sich zwischen der psychischen Verfassung des Ich-Erzählers und der des Autors viele Parallelen ziehen. Ein tiefsitzendes
Minderwertigkeitsgefühl prägten Kafkas Leben ebenso wie Angst und Unsicherheit. Sie waren typisch für Kafkas Psyche. Franz Kafkas Vater Hermann Kafka war ein erfolgreicher Kaufmann, der in seinem Sohn einen eben solchen sehen wollte. Franz Kafka verinnerlichte zwar diesen Anspruch, konnte ihn jedoch nie erfüllen, weswegen er mit
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Schuldgefühlen beladen war, die die Entfremdung von seiner Familie verursachten. Als Kind wurde ihm keine Nähe seiner Mutter zuteil, da sie ganztägig in einem Geschäft arbeitete. Von seinem Vater fühlte er sich ausgeschlossen, da sein eigener Charakter sehr kontrastreich zu dem seines Vaters war.
Genau wie in „Heimkehr“ sind es frühkindliche Erfahrungen, die Kafka bzw. den Ich-Erzähler daran hindern, die Entfremdung von der Familie zu überwinden und einen Neuanfang zu wagen. In seinem Tagebuch behauptete er 1922, sein ganzes Leben hätte aus dieser Verweigerung bestanden: „Mein Leben ist das Zögern vor der Geburt". Gemeint ist mit der Geburt der Beginn einer neuen Lebensweise, die zu einem neuen Leben führen sollte. Für dieses Leben war es jedoch bereits zu spät, da Kafka zwei Jahre später im Jahre 1924 starb.
b) Franz Kafka: Kleine Fabel
»Ach«, sagte die Maus, »die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, dass ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, dass ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell
In der Überschrift der „Kleinen Fabel“ Kafkas ist von einer Fabel die Rede. Auch dieser Text wurde erst später von Max Brod veröffentlicht, nachdem er mit einem Titel versehen wurde. Es treten zwei Tiere auf als Spieler und Gegenspieler. Daraus erfolgt ein antithetischer Aufbau. Ohne irgendwelche vorherigen Erklärungen setzt die Handlung sofort ein und wird hauptsächlich durch den Dialog getragen. Der Text enthält eine Lehre, die auch häufig zur Pointe wird. Das Bildhafte hat dabei den Sachverhalt bzw. die Lehre zu unterstützen, anstatt sie [die Lehre] wie bei einer Allegorie zu verschlüsseln. Diese Merkmale sind typisch für die Gattung der Fabeln, da über die Tiere bildhaft eine Moral vermittelt wird. Aus diesem
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Grund ist der von Brod gewählte Titel durchaus gerechtfertigt. Das Attribut „klein“ tritt dabei jedoch in den Hintergrund.
Fraglich bleibt bei der Definition jedoch, ob tatsächlich ein konkreter Fall stellvertretend für viele allgemeinere Fälle beschrieben ist, wie es Lessing es im 18. Jahrhundert erklärt. Das hieße jedoch, dass es auch allgemein als Moral-, Werte- und Ordnungsgefüge dient, welches einen
zivilisatorischen Effekt ausüben sollte. Die Lehre der Katze jedoch erfüllt ausschließlich einen
egoistischen Zweck, zumal sie aus einer katzenbestimmten Welt gezogen wird, die Mäusen keinen Raum lässt.
Dennoch ist dieser Text eher unüblich für eine Fabel, da er z.B. direkt mit einem Rückblick der Maus beginnt. Der Leser wird nicht über die Konfliktsituation informiert sondern über die Vergangenheit und Gegenwart der Maus, welche sich auch nicht an einen Gesprächspartner wendet, wie sonst üblich, sondern zu sich selbst spricht. Kennzeichnend für diese sind Angst, Unsicherheit und Orientierungslosigkeit. Diese Kennzeichnen sind jedoch aus Sichtweise der Maus durchaus verständlich, da sie sich immer bedrängt fühlt. Entweder durch die unüberblickbare Weite oder durch die immer schneller zusammeneilenden Wände (vgl. Z. 1 - 7).
Genauso wie die Maus monologisch spricht, tut es auch die Katze danach, da sie der Maus nicht einmal die Chance dazu gab, zu antworten. Ihr Äußerungen sind egoistisch, da sie nur ihr persönliches Fortschreiten garantieren. Ihr Opfer bekommt keine Gelegenheit, diesen Ratschlag anzuwenden, zumal es ohnehin in der Ecke gefangen ist.
Allein auf der Welt hat die Maus keinen Anhaltspunkt, in welche Richtung sie laufen könnte, d.h. wie sie sich verhalten müsste. Die durch ihr Wunschdenken projizierten Mauern bringen durch die Fixierung der Maus jedoch auch etwas Zerstörerisches mit sich, sie engen das Tier in seiner Bewegungs- und Entscheidungsfreiheit ein. Dennoch ist diese Projektion der Wände nur etwas subjektives, objektiv gesehen sind keine Mauern zu erkennen, da sie vom Bewusstsein der Maus aus deren Situation heraus geschaffen wurden.
Kafka kritisiert hier stark den Subjektivismus, der von den Menschen seit der Romantik verinnerlicht wurde. Dieser mutet zerstörerisch an, da er dem Bewusstsein keinen Raum mehr lässt, sich andere Meinungen zu bilden, um andere Entscheidungen zu treffen. Diese Form der Kritik ist im Stil des Nihilismus verfasst, da sich die Maus in keiner Situation auf Dauer zurecht findet. Ohne etwas
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Richtungsgebendes fehlte ihr der Mut, sich allein fortzubewegen, sich selbst Gedanken zu machen. Mit dem Erscheinen der führenden Mauern wusste sie, was sie als nächstes tun sollte, jedoch nahm diese Führung überhand und engte sie mehr und mehr ein. Letztendlich wurde sie dadurch zuletzt in die Vernichtung gestürzt.
c) Helmut Arntzen: [Warum wehrt ihr euch nicht...]
Warum wehrt ihr euch nicht, rief der Adler den Schafen zu, als er sah, wie der Wolf eins nach dem anderen riss.
Schafe, die sich gegen Wölfe wehren, sind gegen 5 (1966)
Dieser Text Arntzens erfüllt die Eigenschaften der Gattung Fabel, da wieder Tiere zur bildhaften Veranschaulichung eines speziellen, auf das Allgemeine anwendbaren, Sachverhaltes verwendet werden.
Der Leser mag bei der Lektüre dieser Fabel Unverständnis über die vom Schaf getroffene Aussage empfinden. Durch die Ironisierung der Traditionen, dass Schafe sich von Wölfen fressen lassen müssten, findet gleichzeitig eine Infragestellung derselben statt. Der Adler, selbst ein Raubtier, erkennt diesen Missstand und macht darauf aufmerksam. Da er nicht involviert ist, kann er aus der Luft die Situation gut überblicken und erkennt die Sinnlosigkeit daran, dass sich die Schafe ohne Gegenwehr von den Wölfen fressen lassen.
Auf das Allgemeine angewandt, könnte das bedeuten, dass zu starkes Festklammern an alten Regeln unweigerlich zur Selbstzerstörung führt. Und auch wenn diese Unsinnigkeit des Festhaltens von einer außenstehenden Person erkannt wird, bedeutet das nicht, dass diese in irgendeiner Form moralisch besser sei, ob nun als Opfer, das nicht seine Einstellung ändern will oder als Täter.
Zusammenfassend ist den behandelten Werken gemein, dass sie alle eine Änderung der Mentalität zugunsten einer neuen Lebenseinstellung verhindern. Dem Erzähler in Kafkas „Heimkehr“ steht sein eigenes Zögern und seine eigene Angst
Arbeit zitieren:
Kristina Rothe, 2002, Nihilismus, München, GRIN Verlag GmbH
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GER-ANTWORT AUF DEN NIHILISMUS
H Clement
Karin Kohler geboren in Freystadt/Niederschlesien
fictives Freystadt bei Gryphius.
Andreas Gryphius nahm den großen Brand der niederschlesischen Stadt Freystadt am 8.-9.7.1637 zum Anlass seines Werkes "Fewriges Freystadt".
Freystadt gibt es wahrhaftig, heißt heute Kozuchow und liegt nicht weit von seinem Heimatort Glogau entfernt.
am Sunday, March 07, 2004-