Thema: Die „Truman-Doktrin“
Ein Wandel in der amerikanischen Politik
Bearbeiter: Hissler Sascha OGefr OA
Ich erkläre hiermit, dass ich die vorliegende Seminararbeit selbständig angefertigt habe; die aus fremden Quellen direkt oder indirekt übernommenen Gedanken sind als solche kenntlich gemacht.
Die Arbeit wurde bisher bei keiner anderen Gelegenheit vorgelegt.
Fürstenfeldbruck, 20. Juli 1999
Seite
I. Einleitung
II. Die amerikanische Kooperationspolitik unter Roosevelt
1. Atlantik-Charta und ARCADIA-Konferenz 2
2. Kooperationspolitik in der Anti-Hitler Koalition am Beispiel der Kriegskonferenzen von Casablanca, Teheran und Jalta 3
3. Tod Roosevelts 6
III. Der neue Präsident und die Vorreiter der Truman-Doktrin
1. Trumans Amtsantritt und entschlossenes Auftreten gegenüber Molotow 7
2. Gründung der UN, Schlagwort „Eiserner Vorhang“ 8
3. Potsdamer Konferenz 8
4. Kennans „langes Telegramm“, Trumans Brief an Byrnes, Churchills „Fulton-Rede“ sowie Byrnes Rede als ideologische Vorreiter der Doktrin 9
IV. Die Truman-Doktrin
1. Erörterung der Probleme Griechenlands und der Türkei 12
2. Mehrere Hilfsforderungen an den amerikanischen Präsidenten 14
3. Verkündigung der Doktrin 16
4. Kennan durch „X-Artikel“ als Urheber der Eindämmungspolitik 18
20 V. Zusammenfassung
Literaturverzeichnis 22
- 1 - I.Einleitung
Die Truman-Doktrin begründete die „außenpolit. Leitlinie der USA im kalten Krieg, wonach die USA bereit waren, anderen „freien“ Völkern auf deren Ersuchen hin militär. und wirtsch. Hilfe gegen eine Gefährdung ihrer Freiheit von innen oder außen zu leisten“ 1 . In dieser kurzen Art und Weise wird heute in einem weitverbreiteten Lexikon die Botschaft Trumans vom 12. März 1947 abgehandelt, ohne dabei die Vorgeschichte zu berücksichtigen. Mit dieser Seminararbeit - die in chronologischer Reihenfolge der Ereignisse aufgebaut ist - wird die Entstehungsgeschichte der Doktrin erläutert und die Leistung Trumans herausgestellt, der im April 1945 in die Fußstapfen des langjährigen US-Präsidenten Franklin Delano Roosevelts (1933-1945) trat, jedoch dessen Politik der Kooperation mit „Onkle Joe“ (so wurde Joseph Stalin von den Amerikanern bezeichnet) nicht mehr lange fortsetzen konnte.
Als erstes werden die relativ guten amerikanisch-sowjetischen Beziehungen während des zweiten Weltkrieges beschrieben, die besonders auf der Atlantik-Konferenz sowie bei den darauf folgenden Kriegskonferenzen erkennbar sind. Höhepunkte dieser interalliierten Kriegskonferenzen waren zweifelsohne die beiden einzigen Konferenzen aller drei Regierungsspitzen in Teheran und Jalta, wo sich Roosevelts Konzept über den Umgang mit der Sowjetunion verdeutlichen läßt. Sehr hilfreich bei dieser Analyse sind die umfangreichen Memoiren des britischen Premierministers Churchill, die Studie von Günter Moltmann über „Amerikas Deutschlandpolitik im zweiten Weltkrieg“ sowie der Wegweiser durch die alliierten Kriegskonferenzen von Gerd Ressing mit dem provokativen Titel „Versagte der Westen in Jalta und Potsdam?“. Nach dem Tode F.D. Roosevelts kam Harry Spencer Truman an die Macht, die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen verschlechterten sich und in den USA war eine Abkehr von der Kooperationspolitik erkennbar. Doch was waren die Ursachen für diesen Wandel in der amerikanischen Politik? Zur Beantwortung dieser Fragen sind die Memoiren von Harry Truman und die seines stellvertretenden Botschafters in Moskau, George F. Kennan, lesenswert und auch die beiden Studien des habilitierten deutschen Politikwissenschaftlers Ernst-Otto Czempiel „Weltpolitik der USA nach 1945, Einführung
1 Meyers Lexikonredaktion (Hg.): Meyers grosses Taschenlexikon in 24 Bänden, Bd. 22, Mannheim/Wien/Zürich 1987 2 , S. 238.
- 2 - undDokumente“ sowie „Das amerikanische Sicherheitssystem 1945-1949, Studie zur Außenpolitik der bürgerlichen Gesellschaft“ sind ebenfalls sehr hilfreich. Nachdem die Berichte der ideologischen Vorreiter (George Kennan und James Byrnes) erläutert worden sind, wird der Anlaß und der Inhalt der Truman-Doktrin skizziert und die Frage beantwortet, was denn so besonderes an der Doktrin war, daß die USA durch sie einen neuen Kurs eingeschlagen haben.
Der Schwerpunkt dieser Seminararbeit liegt in der Herausstellung des Unterschiedes zwischen der Politik Roosevelts und Trumans in Bezug auf die Sowjetunion sowie in der Beschreibung der Vorgeschichte und der Erläuterung des Inhaltes der Doktrin.
II. Die amerikanische Kooperationspolitik unter Roosevelt
1. Atlanik-Charta und ARCADIA-Konferenz
Vom 9. bis zum 12. August 1941 fand in der Placentia-Bay bei Argentinien auf Neufundland eine geheime britisch-amerikanische Atlantikkonferenz statt, in welcher der amerikanische Präsident Franklin Delano Roosevelt und der britische Premierminister Winston Spencer Churchill eine acht Punkte umfassende Erklärung erarbeiteten, die am 14. August 1941 veröffentlicht wurde. In dieser sogenannten Atlantik-Charta formulierten die beiden Staatsmänner gemeinsame Grundsätze, nach denen „ihre Länder gemeinsam für kollektive Sicherheit, Abrüstung, Selbstbestimmung, internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit und die Freiheit der Meere eintreten“ 2 wollten. Punkt eins und zwei der Charta bestätigen den antiimperialistischen Aspekt ihrer Politik, denn es wird weder eine territoriale Bereicherung angestrebt noch möchten sie territoriale Veränderungen ohne die Zustimmung der entsprechenden Länder akzeptieren. In Bezug auf die Kriegspolitik der Alliierten gegen die Achsenmächte Deutschland, Italien und Japan gibt der sechste Punkt der Charta die Vernichtung der Nazityrannei als privilegiertes Ziel vor („Germany first-Strategie“ 3 ). Diesen Prinzipien schlossen sich am 24. September 1941 neun weitere Staaten an, darunter auch die Sowjetunion unter Marshall Joseph Stalin. Bis zum
2 Heideking, Jürgen: Geschichte der USA, Tübingen/Basel 1996, S. 322.
3 Heideking, USA, S. 332.
- 3 - Kriegsendewaren es insgesamt 24 Staaten, die ihre Politik nach dieser Charta ausrichteten 4 .
Bestätigt wurde die Atlantik-Charta durch die ARCADIA-Konferenz, die - kurz nach dem Eingreifen der USA in den Zweiten Weltkrieg - vom 22. Dezember 1941 bis zum 14. Januar 1942 stattfand. Das Ergebnis dieser britisch-amerikanisch-sowjetischen Besprechungen war die „United Nations Declaration“, in der sich die Großmächte Amerika, Großbritannien, Sowjetrußland und China plus zweiundzwanzig weitere Staaten zur Zusammenarbeit gegen die Achsenmächte verpflichteten und auf einen separaten Waffenstillstand mit diesen verzichteten 5 .
2. Kooperationspolitik in der Anti-Hitler Koalition am Beispiel der Kriegskonferenzen von Casablanca, Teheran und Jalta
Nachdem die Amerikaner im November 1942 unter dem Oberbefehl von General Dwight D. Eisenhower erfolgreich in Nordafrika gelandet waren, trafen sich Roosevelt und Churchill vom 14. bis 24. Januar 1943 zur Kriegskonferenz in Casablanca. Auch Stalin war zu dieser Konferenz geladen, doch wegen seiner Arbeit in Moskau war er zu dieser Zeit unabkömmlich 6 . In einer anderen Quelle heißt es jedoch, daß Stalin „aus Verärgerung über das Ausbleiben der alliierten Invasion in Frankreich nicht erschienen war“ 7 . Auf dieser Konferenz stellte Roosevelt die bedingungslose Kapitulation („Unconditional Surrender“) der Achsenmächte Deutschland, Italien und Japan zum ersten Mal öffentlich als Kriegsziel vor.
Somit war eine politische Lösung des Krieges, also ein Rechtsfrieden, unmöglich geworden, denn eine bedingungslose Kapitulation sollte die Voraussetzung für die spätere Friedensordnung sein. Auch Stalin schloß sich diesem Kapitulationsprinzip durch den Tagesbefehl vom 1. Mai 1943 an, denn dieses Prinzip band die alliierte Koalition enger
4 Moltmann, Günter: Amerikas Deutschlandpolitik im zweiten Weltkrieg, Kriegs- und Friedensziele 1941-1945, Heidelberg 1958 (Beihefte zum Jahrbuch für Amerikastudien, 3. Heft, Hg.: Fischer, Walther), S. 23-31.
5 Moltmann, Amerikas Deutschlandpolitik, S. 40.
6 Moltmann, Amerikas Deutschlandpolitik, S. 63.
7 Grabert, Wigbert (Hg.): Jalta - Potsdam und die Dokumente zur Zerstörung Europas, Tübingen/Buenos Aires/Montevideo 1985 (Beihefte zu Deutschland in Geschichte und Gegenwart, Bd. 13), S. 25.
- 4 - aneinanderund zerstörte die Hoffnung Hitlers, einen Keil zwischen die Bündnispolitik der Westmächte und der Sowjetunion zu schieben, um so einen Separatfrieden zu erreichen 8 . Vom 28. November bis zum 1. Dezember 1943 trafen sich die drei Staatsoberhäupter Stalin, Churchill und Roosevelt zum ersten Mal persönlich auf der Kriegskonferenz im iranischen Teheran. Churchill bezeichnete dieses Treffen als „die gewaltigste Konzentration von Weltmächten, die es je in der Geschichte der Menschheit gegeben hat“ 9 , alle vereint in dem „Wunsch nach Vergeltung am gemeinsamen Feind“ 10 . Auch der amerikanische Präsident Roosevelt bekundete seine Freude über das Treffen der „Großen Drei“ und sprach gleichzeitig seine Hoffnung auf die Zusammenarbeit in der Nachkriegszeit aus: „Ich glaube, [...] daß die drei Nationen, die sich während dieses Krieges verbündet haben, die Bande zwischen sich festigen und die Voraussetzungen für die enge Zusammenarbeit künftiger Generationen schaffen werden“ 11 . Amerikaner und Briten sagten Stalin zu, die Invasion Frankreichs (Operation „Overlord“) Ende Mai 1944 durchzuführen und billigten Stalins Forderung nach der Annexion ganz Ostpolens und stellten ihm weitere Gebiete sowie eisfreie Häfen in Aussicht. Auf der Gegenseite sicherte Stalin Roosevelt zu, er werde zu gegebener Zeit in Ostasien aktiv werden, um so die Amerikaner im Kampf gegen Japan zu unterstützen. Churchill hegte nach der erfolgten italienischen Kapitulation einen Plan für eine westliche Balkaninvasion, doch aus Angst vor einer zeitlichen Verschiebung der Operation „Overlord“ widersprach Roosevelt diesem Vorschlag und auch Stalin lehnte aus „territoriale[m] Eigeninteresse Rußlands“ 12 diesen Vorstoß ab. Doch Churchill ließ von seinem Plan der Balkaninvasion nicht ab und so landeten Ende des Jahres 1944 die britischen Armeen allein in Griechenland und wurden dort in einen Bürgerkrieg zwischen den konservativen und den linksgerichteten Kräften verwickelt. Hier lag die Ursache für die spätere amerikanische Intervention durch ihren Präsidenten Harry Truman im Jahre 1947 13 , auf die später noch eingegangen wird. Roosevelt sprach schon in Teheran über ein neues System für den Weltfrieden nach dem Sieg über Deutschland und Japan: Er wollte den gescheiterten Genfer Völkerbund durch
8 Moltmann, Amerikas Deutschlandpolitik, S. 63-68.
9 Ressing, Gerd: Versagte der Westen in Jalta und Potsdam? Ein dokumentierter Wegweiser durch die alliierten Kriegskonferenzen, Frankfurt am Main 1970, S. 42.
10 Moltmann, Amerikas Deutschlandpolitik, S. 89.
11 Ressing, Jalta und Potsdam, S. 42.
12 Ressing, Jalta und Potsdam, S. 44.
13 Heideking, USA, S. 334.
Arbeit zitieren:
Diplom-Staatswissenschaftler (univ.) Sascha Hissler, 1999, Die Truman-Doktrin. Ein Wandel in der amerikanischen Politik, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Das Unheimliche in Goyas 'Schwarzen Gemälde' - ein Versuch, da...
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Programmmusik im Unterricht - Eine Nacht auf dem kahlen Berge
Hausarbeit (Hauptseminar), 17 Seiten
Unterrichtsentwurf für Musik, 9. Schuljahr: W.A. Mozarts "Die Zau...
Unterrichtsentwurf, 24 Seiten
Die Sowjetische Nationalitätenpolitik der Gründerväter
Ideologie, Konzeption und Real...
Geschichte Europa - and. Länder - Zeitalter Weltkriege
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Containment: Die Eindämmungspolitik George F. Kennans 1945-1950
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Nationalitätenpolitik der Sowjetunion
1914 bis 1939 - Einwurzelung u...
Geschichte Europa - and. Länder - Zeitalter Weltkriege
Seminararbeit, 20 Seiten
Hitlers Kriegserklärung an die USA, 11. Dezember 1941
Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg
Hausarbeit (Hauptseminar), 38 Seiten
Rezeption oder Ablehnung? Die philosophisch-militärische Theorie Carl ...
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Knotenpunkt dreier Systeme? Großbritannien, die USA, das Commonwealth ...
Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Zielsetzungen musikpraktischer Arbeit und ihre Relevanz für die Sekund...
Ausarbeitung, 15 Seiten
Die unterrichtliche Umsetzung des allgemeinen Verlaufsmodells von Jeis...
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
Der Primat des Papstes - Die Krise des Primates im Zeitalter von Schis...
Theologie - Systematische Theologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Der Wohlfahrtsstaat in der Krise - Der lohnarbeitsbezogene deutsche So...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Diplomarbeit, 108 Seiten
Sascha Hissler's Text Die Truman-Doktrin. Ein Wandel in der amerikanischen Politik ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Sascha Hissler hat den Text Die Truman-Doktrin. Ein Wandel in der amerikanischen Politik veröffentlicht
Sascha Hissler hat einen neuen Text hochgeladen
Avancierte Ästhetin und politische Moralistin
Die universelle Intellektuelle...
Richard Faber
Die Amerikanische Deklaration der Rechte und Pflichten des Menschen
Zum Prozeß der Rechtserzeugung...
Grace Nacimiento
0 Kommentare