Westfälische Wilhelms- Universität
Institut für Deutsche Sprache und Literatur
HS: Von der Utopie zur Science fiction
Dozentin: Dr. B. Wanning SS 2000
Kindererziehung in Politeia
Tina Brackmann
02.08.00
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Zur Person Platon 4
3. Das Staatsmodell Politeia 5
3.1 In welche Gesellschaftsform mündet Politeia ? 9
3.2 Kindererziehung in Politeia 12
3.3 Sizilien 17
4. Schluß
4.1 Vergleich mit ,,Schöne neue Welt" von----23 Aldous Huxley
4.2 Einbettung in den historischen Kontext---25
4.3 Fazit 30
5. Literaturangabe 31
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit ,,Kindererziehung in Politeia" sollte sich - wie der Titel schon verrät - hauptsächlich mit der Erziehung der Kinder im Idealstaate Platons beschäftigen. Doch der Umfang des Kapitels ,,Kindererziehung in Politeia" hebt sich nicht von anderen hervor, da ich die Themen, wie z.B. ,,Das Staatsmodell Politeia" als ebenso wichtig ansah, genügend zu erläutern, da es sich um die Kindererziehung in eben diesem Staat handelt.
Die Hauptwerke, auf die sich diese Arbeit gründet ist die Primärliteratur ,,Der Staat" und der siebte Brief.
Die Gliederung dieser Ausarbeitung sieht folgendermaßen aus.
Beginnen werde ich mit einer groben Erläuterung des Philosophen Platon.
Anschließend wird das von Platon entwickelte Staatsmodell `Politeia′ vorgestellt, und es werden mehrere Meinungen im Bezug auf die Gesellschaftsform, in die Politeia mündet, aufgezeigt.
Darauf folgend wird auf die Kindererziehung in diesem Staate eingegangen.
Des weiteren wird von dem siebten Brief Platons berichtet, in dem er von seinen Reisen nach Sizilien schreibt. Hier versuchte er seinen Idealstaat umzusetzen.
Zum Schluß ein Vergleich mit dem utopischen Roman von Aldous Huxley, eine Einbettung der Kindererziehung in den historischen Kontext und das Fazit.
2. Zur Person Platon
Über die Biographie Platons ist im Gegensatz zu seinem umfangreichen Werk wenig bekannt.
Platon war ein griechischer Philosoph, der
427 v.Chr. in Athen geboren wurde und dort im Jahre 348/ 347 v.Chr. starb. Er stammte von einem adligen Geschlecht ab. Durch seinen Lehrer Sokrates wurde er zum philosophischen Fragen nach den `Tugenden′ geführt und nachhaltig beeinflußt. Platon lernte von Sokrates die Hebammenkunst (Maieutik), die er in seinen Dialogen festgehalten hat. Von großer Bedeutung war die Gründung einer Akademie in Athen um 387 v.Chr., als deren bekanntester Schüler Aristoteles hervorging. In seinen zahlreichen erhaltenen Schriften, die meist in Dialogen verfaßt wurden, führt weitgehend Sokrates das Gespräch. Platon reiste drei Mal nach Sizilien, etwa 388- 387; 366-365 und 361-360 v.Chr.1
Durch seinen Staatsentwurf `Politeia′ wurde Platon zum Vater der Utopie.2
Mit seinen Werken `Politeia′ (Der Staat) und `Nomoi′ (Die Gesetze) stellte er einen Erziehungsstil auf, der die Bildung des Einzelwesens ganz dem Staatsziel unterordnete.
Seinen Idealstaat `Politeia′ hat er nicht verwirklichen können.3
Die pädagogisch wichtigsten Schriften Platons
sind `Staat′, `Gesetze′, `Menon′ und `Symposion′.4
Die letzten Lebensjahre verbrachte er in Athen mit ununterbrochener Lehrtätigkeit bei seinen Schülern.5
3.1 Das Staatsmodell Politeia
Der Dialog Politeia wurde im 4. Jahrhundert v.Chr. nach der Gründung der Akademie verfaßt und fällt in die mittlere Schaffensperiode Platons.6 Wichtig in diesem Zusammenhang ist noch das Werk ,,Gesetze", in dem er seine Forderungen von ,,Politeia" abschwächt.
Platon verfaßte Politeia, da er eine Gefahr erkannte, die dem Staatsganzen aus der individualistischen, nur auf den Erfolg des Einzelnen gerichteten Bildungsweise der Sophisten erwuchs. Durch die Sophisten kam es zu einer Loslösung des Einzelwesens von der Bindung an Normen und Ordnungen der Gemeinschaft. Platon war der Überzeugung, daß alle Staaten seiner Zeit schlecht regiert würden.7
Er wollte den Staat Athens, der eine Niederlage gegen Sparta und eine ,,innere Entartung", d.h. Individualismus, Gewaltherrschaft der dreißig Tyrannen nach dem Kriege und die Hinrichtung Sokrates′, erlebt hatte, durch eine radikale innere Reform retten. Er strebte eine Verknüpfung von starker Staatsautorität und philosophischem Geist an.8
Um eine Verbesserung der Lebensumstände hervorzurufen, stellte er in seinem ,,Staat" und den ,,Gesetzen" ein Erziehungsmodell auf, in dem der Einzelne ganz dem Staatsziel untergeordnet wurde.9
Mit Politeia hat er als erster ein bewußtes, systematisch geformtes Ideal der Erziehung und der Kultur geschaffen. Dabei sollten Philosophie und Wissenschaft den Staat führen und die höchste Bildungsmacht darstellen.10
Sein Idealstaat sollte von Philosophen regiert werden11, und alle Güter, einschließlich der Frauen, sollten der Allgemeinheit gehören.
Im vierten Buch heißt es bezüglich dieser Forderung: ,,[...]das Heiraten und die Ehen und die Kindererzeugung, nämlich daß dies alles unter dem Sprichwort: `unter Freunden herrscht Besitzgemeinschaft′".12
Das Privateigentum wurde abgelehnt, denn Reichtum und Armut erzeuge ,,Üppigkeit und Faulheit und Neuerungssucht, diese außer der Neuerungssucht auch niedere Sinnesart und minderwertige Arbeitsleistung."13 Außerdem wäre es eine ,,kindliche Vorstellung", daß Glück im Besitz liege.14
Diese Regelung trifft aber nur den ersten und den zweiten Stand, nicht die Vollbürger15, denn ,,der dritte Stand [...] ist von allen politischen und militärischen Geschäften und von allen politischen Rechten ausgeschlossen."16
Trotz der ökonomischen Gleichheit wird eine Hierarchie festgelegt. Den Herrschenden sei bei der Geburt Gold, den Beihelfern (=Wächtern) Silber und den Ackerbauern und sonstigen Handarbeitern Erz beigemischt worden.17
Dies bedeutet, daß jeder Mensch ,,verschiedene Anlagen hat, der eine für dieses, der andere für jenes Geschäft" und somit ,,keiner dem anderen völlig gleich" ist.18
In dem Staat tut jeder ,,das Seinige", d.h. das seiner Anlage am besten entsprechende. Somit müßten alle Berufe vertreten sein.19
Es bedarf einer Arbeitsteilung, denn wenn jeder nur ,,selbst für sich selbst das Seine" tun würde, käme es zu einer niedrigen und schlechteren Produktion.20
Es ergibt sich eine Einteilung in die drei Stände der Philosophen, der Wächter und der Vollbürger.
Die meisten Menschen, die Vollbürger, sind für die erwerbstätigen Berufe geeignet. Die Mutigen, d.h. die Wächter, für den Krieg und die wenigen Hochbegabten, d.h. die Philosophen, für das schwierige Amt des Regierens.21
Ebenso wie die Gliederung des Staates in drei Teile, wurde auch die menschliche Seele in die drei Kräfte Vernunft, Mut und Begierde eingeteilt.22 Jeder einzelne Mensch trägt ,,die [...] drei Grundformen (des Staates) in seiner Seele".23
Daraus ergibt sich folgende Darstellung:

Diese Dreigliederungen gründet Platon auf die menschliche Natur, wie z.B. aus folgendem Satz ersichtlich ist: ,,Wenn dagegen ein von Natur zum Handwerker [...] Bestimmter [...]."24
Es gibt aber die Möglichkeit für ein Mitglied des zweiten Standes, in den ersten Stand der Philosophen aufgenommen zu werden. Dies ist der Fall, wenn jemand ,,ohne weiteres bereit ist sich jedes Wissensfaches zu bemächtigen und mit
Lust ans Lernen geht und nicht genug davon haben kann". Diesen würden sie ,,mit Recht weisheitsliebend (Philosoph) nennen."25
Außerdem ist es möglich, daß ein Nachkomme aus dem goldenen Stand silbern ist, oder ein Nachkomme des silbernen Standes golden.26
Der dritte Stand allerdings ist von diesen Möglichkeiten ausgeschlossen.
Sklaven sind in allen Schichten so selbstverständlich, daß Platon sie gar nicht erwähnt. Außerdem empfiehlt Platon für alle Stände Euthanasie, d.h. Töten chronischer Kranker (aber mit deren Einverständnis), da sie nur noch eine Last für den Staat und für sich selbst seien.
3.1 In welche Gesellschaftsform mündet Politeia ?
Um diese Frage zu beantworten, möchte ich erst darauf eingehen, wie Platon die Staatsformen festgelegt hat.
Politeia sei eine Aristokratie, da ,,ein Staat von den geistig und sittlich Besten geleitet wird". Wenn der Leiter des Staates nur einer der Besten ist, dann handele es sich um eine Monarchie." Wenn nicht mehr die Besten regieren würden, sondern die Ehrsüchtigen, die wieder Privateigentum besitzen und sich insgeheim bereichern, würde es sich um eine Timokratie handeln. Es gehe hier nicht mehr um das Wohl aller, sondern um den eigenen subjektiven Geltungstrieb. Eine Oligarchie würde dann vorliegen, wenn eine kleine Gruppe von Reichen regieren würde, die nur materielle Wirtschaftsmacht und den eigenen Vorteil anstrebe.
Die drei Seelenteile wurden auf die Staatsformen folgendermaßen aufgeteilt und werden in der Reihenfolge immer schlechter:
Vernunft · Aristokratie, Mut · Timokratie und Begierde · Oligarchie. Eine Demokratie wäre dann vorhanden, wenn jeder Staatsbürger ,,weder Ordnung noch Pflichtenzwang kennt, sondern nach Lust und Laune in den Tag hinein lebt und das ein liebliches, freies und seliges Leben heißt". Die äußerste ,,Entartung" bestünde in der Tyrannei.27
1982 war Wolfgang Biesterfeld der Meinung, daß
Politeia ,,kein Programm (sei), das zum Agieren auffordert, sondern ein Muster, ein `paradeigma′." Die Politeia könne so weniger als Urbild totalitärer Systeme der Neuzeit angesehen werden, da diese eine ganz andere Einstellung zu den Problemen von Freiheit und Gerechtigkeit aufweise. Politeia müsse eher als ein in hohem Grade mißverstandenes Vorbild angesehen werden.28
Barbara Zehnpfennig schrieb 1997, Platon halte die Demokratie für verderblich und greife auf aristokratisch - dorische Grundsätze zurück. Durch die Bestimmungen, welche Form der Dichtung, Musik und bildenden Kunst in der Erziehung verwendet werden soll, warf Karl Popper ihm vor, mit den Mitteln der Zensur eine totalitäre Staatsdoktrin durchsetzen zu wollen. Dem widersprach die Autorin Barbara Zehnpfennig u.a. deshalb, da einem Kind ,,keine Maßstabs - und Orientierungslosigkeit" zugemutet werden dürfe.29 Dennoch sei Politeia ,,ein Schema, das manchen politischen Modellen zugrunde liege, z.B. Marxens Theorie von Urkommunismus - Klassengesellschaft - klassenloser Gesellschaft oder der von den Nazis mißbrauchten Drei - Reiche - Spekulation von Joachim de Fiore.[...]" Politisch wäre das die Geburtsstunde der Utopie.30
Barbara Zehnpfennig war anderer Meinung als Aristoteles, der in der Gütergemeinschaft eine Art von `Kommunismus′ sah und glaubte, daß sich kaum jemand um etwas kümmern würde, was allen gehöre. Sie meinte aber, daß die geistige Ausrichtung das Eigentum bedeutungslos machen würde.31
Obwohl das Gemeineigentum nur für die beiden oberen Stände Gültigkeit haben sollte, wirkte Politeia später, d.h. besonders in der Renaissance, wie ein sozialistisches Programm. Hiltrud Gnüg stellte 1999 fest, daß Platon Aristokrat war, die unterste Schicht als unwürdig erachtete und deshalb fälschlicherweise als Verfasser einer urkommunistischen Gesellschaftsform dargestellt worden sei. Doch Politeia sei durch das reale Vorbild Sparta entstanden und dieser Staat basierte auf einer hierarchischen Ordnung.32
3.2 Kindererziehung in Politeia
Die Erziehung im Staatsmodell Politeia wird vollkommen vom Staat geprägt und differenziert.
Beim dritten Stand wird eine besondere Erziehung nicht für nötig gehalten, denn er hat die einzige Aufgabe, die notwendigen Existensmittel zu schaffen.33
Anders sieht es bei dem zweiten und ersten Stand aus.34
In Politeia sollen Hochzeiten zelebriert werden, obwohl Ehe und Familie abgeschafft werden sollen und die Polygamie angestrebt wird.35
Mit einem kurzen religiös - politischen Festakt soll einem freizügigen Sexualleben mit freier Partnerwahl entgegengewirkt werden. Die Eheleute werden nach der Zeugung wieder getrennt.36
Nachkommen sollen dadurch entstehen, daß sich nur die Besten mit den Besten paaren, die Nachkommenschaft der Schlechtesten wird unterdrückt, bzw. die Schlechtesten sollen gar nicht aufgezogen werden und an einen ,,unzugänglichen und unbekannten Ort" gebracht werden; aber dies dürften nur die Herrscher wissen.37
Die Neugeborenen werden auf ihre Standeszugehörigkeit geprüft, dies geschieht nach den Anlagen und nicht nach der Herkunft.38
Die Schwächlichen werden ausgesetzt und die Gesunden kommen in ein Säuglingsheim zur Aufzucht. Die Kinder gehören nicht den Eltern sondern dem Staate. Sie leben in Kinder-
gemeinschaften zusammen und kennen ihre Eltern nicht.39 Eine Kindergemeinschaft soll die Unterscheidung von dein und mein verhindern und dazu führen, daß alle Kinder wie die eigenen behandelt werden.40
Es wird ein Erziehungsideal angestrebt, das vorsieht, die Kinder möglichst früh nach ihrer Gold-, Silber- oder Erzseele zu sortieren und entsprechend ihres Standes und ihres zukünftigen Berufes zu unterrichten.41
Man solle das Spiel der Kinder beobachten, um ihre seelische Eignung bestimmen zu können.
Vom 7. bis 10. Lebensjahr sei die erste gymnastische, vom 10. bis 17. die musische, vom 18. bis 20. die kriegerische Ausbildung vorgesehen. Dies gelte für Jungen und Mädchen gleichermaßen.42
Die Erziehung des zweiten Standes
Den späteren Wächtern solle Askese, Mut und Tapferkeit gelehrt werden. Deshalb sollten Dichter, die Götter mit menschlichen Schwächen zeigen, wie z.B. Homer, aus der Erziehung verbannt werden.43
Es solle das vermittelt werden, was den Kampfmut steigere und die Angst vor dem Tod nehme. Im dritten Buch heißt es: ,,[...]daß der ehrenhafte Mann nicht glauben wird, der Tod sei etwas Schreckliches [...]. [...] er wird nicht um ihn (den Toten) jammern, als wäre ihm etwas Schreckliches widerfahren.[...] Mit Recht also stellen wir das Wehklagen von seiten der angesehenen Männer ab und überlassen es den Weibern und selbst unter diesen nicht den Achtungswerten [...]."
Es soll den zukünftigen Wächtern vermittelt werden, sich selbst zu genügen und andere Menschen nicht zu brauchen.44
Hier zielt die berufsspezifische Erziehung auf eine Verarmung der emotionalen Fähigkeiten. Die Wächtererziehung ähnelt militärischer Zucht; es gibt weder Privatleben noch harmlose Sinnesgelüste.45
Sie dürften nur das aller nötigste besitzen und einen knappen Lohn von den übrigen Bürgern erhalten. Dadurch blieben sie in ständiger Abhängigkeit von diesen und würden nicht zu ,,feindseligen Herren" gegenüber den anderen Bürgern.46 Die Aufgabe der Wächter sei es, ,,gegen die Ihrigen sanftmütig und nur gegen die Feinde zornmütig" zu sein.47
Die musische und gymnastische Ausbildung seien die großen Erziehungsmittel und erfolgen größtenteils um der Seele willen.48
Während der musischen Bildung solle die Jugend nichts Unwahres, Unsittliches und Verweichlichendes kennenlernen.
Da Musik die Gemütsverfassung beeinflusse, solle die verweichlichende lydische und jonische Musik abgelehnt und die dorisch, phrygische befürwortet werden.49
Von Kind an solle den Wächtern vermittelt werden, daß es einen Gott gebe, der einen Maßstab für Gut und Böse liefere. Es kommt damit zu einer Abkehr von der Homerischen Götterwelt und zu einer monotheistischen Argumentation.50
Der Wächternachwuchs solle vielen Prüfungen unterzogen werden, um die Besten ermitteln zu können, die sich zum Regieren eignen.51 Wer sich von den Wächtern besonders auszeichne, gehe in die Gruppe der ,,Auserwählten" ein und habe damit die Höhle verlassen, wie es Platons Höhlengleichnis darstellt.52
Die Erziehung des ersten Standes
Die Jugend des ersten Standes solle vom 7. bis 17. Lebensjahr zunächst die musisch - gymnastische Ausbildung ebenso wie der zweite Stand erhalten.
Das Entscheidende an der Erziehung des ersten Standes liege darin begründet, daß ihre Seele zur philosophischen Betrachtung des ,,wahrhaft Seienden" geführt werde. Dies sei nur möglich, wenn sie über Charakterfestigkeit, Ernst, intellektuelles Können und Lebensreife verfügten.
Die nun geforderte Erziehung sei die ,,Kunst der Umlenkung", d.h. das Kind müsse nun ,,nach der richtigen Seite hingewendet" werden. Die Anlage dazu besitze es bereits.53 Das ,,Umlenken" ist bildhaft gemeint und bezieht sich auf das Höhlengleichnis. Das Kind solle einen ,,Aufstieg" erreichen, um aus der Höhle zu gelangen.54
Im 20. Lebensjahr erfolge eine erste strenge charakterliche und intellektuelle Auslese. Im Alter von 20 bis 30 Jahren solle das eigentlich wissenschaftliche Studium beginnen. Das Wissen solle vertieft und in einen systematischen Zusammenhang gebracht werden.
Nach erneuter strenger Auslese vom 30. bis 35. Jahr, solle sowohl bei dem Mann als auch der Frau strenge Philosophie betrieben werden. Darauf solle eine 15jährige praktische Ausbildung im Staatsleben folgen. Erst ab dem 50. Lebensjahr wäre es möglich, daß der/die so Geformte die Leitung des Staates und der Erziehung übernehmen könne.55
Nur so scheint für Platon eine weise Staatsführung gewährleistet und ein Mißbrauch ausgeschlossen.56
3.3 Sizilien
Platon reiste dreimal nach Sizilien und zwar von etwa 388 - 387, 366 - 365 und 361 - 360 v. Chr..
Im siebten Brief schreibt Platon über seine drei Aufenthalte.57 Der siebte Brief wurde im Jahr 354 oder 353 v.Chr., dem Jahr der Ermordung Dions, verfaßt.58
Zu Beginn erzählt Platon von einer ,,großen Unzufriedenheit mit [der] Staatsverfassung", ,,einer Umwälzung", durch die allerdings die herrschende Ungerechtigkeit nicht beendet und keine Staatsverfassung auf rechtlicher Grundlage eingeführt worden sei. Im neuen Staat herrschten schlechtere Bedingungen als im Alten. Es sei zu einem erneuten Sturz und einer Änderung der ganzen Verfassung gekommen. Von der neuen Regierung sei Sokrates wegen Gottlosigkeit hingerichtet worden. Platons ,,Drang nach staatsmännischer Betätigung" wich vorerst, denn für ein praktisches Eingreifen wartete er auf einen günstigeren Zeitpunkt. Er stellte fest, daß alle Staaten politisch verwahrlost seien und daß das Leiden ein Ende hätte, wenn die Regierenden sich ernsthaft mit Philosophie beschäftigen oder Philosophen die Regierung übernehmen würden.
Mit dieser Überzeugung kam er nach Sizilien.59
Sein erster Aufenthalt ereignete sich 388 v.Chr. Bei seiner ersten Reise trat er mit den Pythagorern in Unteritalien in Verbindung. Er versuchte vergeblich in Syrakus Dionysios I., später Dionysos II., für das Ideal eines Staates nach philosophisch - sittlichen Grundsätzen zu gewinnen und machte die Bekanntschaft mit Dion.
Der Aufenthalt widerte ihn an, da die Bewohner zwei mal täglich reichlich aßen und niemand ,,allein in seinem Bett" schlafe. Solche Staaten müßten unaufhörlich zwischen ,,Tyrannenherrschaft, Oligarchie und Demokratie hin und her schwanken". Dion war begeistert von der wissenschaftlichen Ausarbeitung ,,über das wahre Glück der Menschen" und er half Platon zu Dionysios I. zu kommen. Dion schickte ihm Informationen über den ,,Bestand des Reiches in Italien und Sizilien" und über Dionysios′ Interesse an Philosophie und Geistesbildung. Er gab Platon Hoffnung, daß sein Staat umgesetzt werden könnte.60
Der zweite Aufenthalt fand wahrscheinlich sehr bald nach dem Tod des älteren Dionysios I.
367 v.Chr. statt.61
Platon sah den Zeitpunkt gekommen, seine ,,Entwürfe für Gesetzgebung und Staatsordnung zu verwirklichen".62
Bei Platons Ankunft war ,,die Umgebung des Dionysios (II.) in voller Zwietracht" und es herrschte Krieg.63 Man klagte Dion an, eine Tyrannei anzustreben, und er wurde von Dionysios ,,außer Landes gebracht". Platon geriet in Gefahr, da man ihn mit Dions Plänen zusammen brachte. Dionysios holte Platon auf seine Burg, wo Platon versuchte ,,dem Dionysios das Verlangen nach einem der Philosophie entsprechenden Leben zu erwecken". Dionysios lehnte aber ab.64
Platon beschloß, daß die Änderung der Staatsverfassung nicht auf Kosten der Bürger gehen dürfe. Denn ,,wenn es nämlich ohne Verbannung und Hinrichtung von Mitbürgern nicht möglich ist zur richtigen Staatsverfassung zu gelangen, wird er (Platon) sich ruhig verhalten und von den Göttern das Heil für sich und den Staat erflehen."65
Platon gab Dionysios durch ,,Andeutungen und allgemeineren Ausführungen" den Rat, sich selbst zu beherrschen und sich zuverlässige Freunde und Genossen zu suchen, denn ohne sie wäre keine feste Staatsform möglich. Er beschrieb die sicheren Grundlagen des Perserreiches, das in sieben Provinzen aufgeteilt wurde. Als weiteres
positives Beispiel nannte er die Athener, die Männer aus besiegten hellenischen Städten gewinnen konnten und so die eroberten Städte siebzig Jahre behielten. Laut Platon hatte Dionysios keine Freunde, traute nur sich selbst und ,,hielt [...]sich denn nur mit knapper Not über Wasser".
Platon versprach, daß wenn Dionysios nach seinen Vorschlägen handele, sich seine Macht vergrößern würde.
Platon erklärte, daß er nach den ,,demütigenden Kränkungen, die dem Dion widerfahren seien", abreisen wolle. Dionysios versuchte ihn mit dem Vorschlag zu halten, alles den Dion Betreffende solle nicht mehr zwischen ihnen stehen. Platon blieb noch das Jahr. Als Dionysios Dions ganzen Besitz verkaufte, wollte Platon endgültig ,,aus dem Käfig [...] entkommen", doch die Schiffahrt war nur im Sommer möglich. Dennoch erklärten Dionysios und Platon ,,vor ganz Sizilien [...] gute Freunde" zu sein. Bald aber glaubte Dionysios nicht mehr daran, daß Platon auf seiner Seite stand und entließ ihn auch deshalb, weil die Söldner Platon Gewalt angedroht hatten.66
In Peloponnes traf Platon Dion, der ihm versprach, sich bei der Rache an Dionysios wegen ,,Gastfreundschaftsbruch" und ,,Austreibung und Verbannung" Dions zu beteiligen. Dion wurde 354 v.Chr., d.h. nach der dritten Reise67, ermordet, da er verdächtigt wurde, eine Tyrannei anzustreben.68
Der dritte Aufenthalt fand 361 -360 v.Chr. statt.
Platon reiste mit seinen Neffen Speusipp und Xenokrates.69
Platon meinte, daß Dionysios die philosophischen Lehren mißverstanden habe, sich selbst aber als ,,wohlunterrichtet" darstellen würde.70
Er schilderte, daß Dionysios ,,nichts Haltbares zu Papier" gebracht habe. Die Schrift hätte er verfaßt, um mit seiner ,,tieferen Bildung" zu prahlen, die er von Platon selbst erhalten habe und dies ,,nur ein einziges Mal". Möglicherweise seien die Ausführungen über sein Verständnis hinausgegangen, und er habe sich auf Grund dessen nicht in der Lage gefühlt, ,,einem der Einsicht und Tugend geweihten Leben zuzuwenden", d.h. Politeia in die Tat umzusetzen. Platon stellte sich die Frage, warum Dionysios ihn als ,,seinen Führer und Gebieter in so leichtfertiger Weise der Verachtung" preisgegeben habe, wenn er seine Ausführungen für wertvoll hielt.71 Seine Frage hat er selbst damit beantwortet, daß Dionysios ein Tyrann sei, der an der Philosophie an sich nicht interessiert wäre.
Nach dem Tode Dions wendete sich Platon an Dions Freunde und Verwandte. Wenn Dion zur Herrschaft gelangt wäre, so Platon, hätte er zunächst Syrakus eine freiheitliche Verfassung gegeben und Sizilien wieder aufgerichtet und von den Barbaren befreit.72 Er wirft Dionysios ,,Gottlosigkeit", ,,Gesetzeshaß" und ,,dreiste Unwissenheit" vor.
Platon gab ihnen die Anweisung, denjenigen aus ihrer Gemeinschaft zu verbannen, der ,,den lockeren Lebensanschauungen der Mörder des Dion und dem sizilianischen Genußleben huldigt". Die anderen müßten sie zu ihren Mitarbeitern bei der Wiederaufrichtung Siziliens machen; diese könnten aus dem gesamten Peloponnes und aus Athen kommen.73
Es müßten Gesetze geschaffen werden, die aus Furcht und sittlicher Scheu eingehalten würden.
Fünfzig Männer sollten für die 10.000 Bürger als Berater gewählt werden. Diese müßten männlich sein, Frau und Kinder haben, namhafte und reiche Vorfahren besitzen. Sie sollten Gesetze geben und den Eid ablegen, sich für das Recht der gesamten Bürgerschaft einzusetzen.74
360 v.Chr. kehrte er nach Athen zurück, und sein Staatsmodell wurde nie umgesetzt.
4. Schluß
4.1 Vergleich mit ,,Schöne neue Welt" von Aldous Huxley
Bei der Kindererziehung mußte ich an den utopischen Roman von Aldous Huxley: ,,Schöne neue Welt" denken.
Platon geht in Politeia nicht von mündigen Subjekten aus, die ihre intellektuellen und praktischen Fähigkeiten zu einer Persönlichkeit entfalten sollen, sondern von Spezialisten, die in früher Kindheit nach Spezialgebieten selektiert werden.75
In ,,Schöne neue Welt" werden schon die Embryos in Alphas, Betas, Gammas, Deltas und Epsilons sortiert. Allerdings werden sie nicht geboren, sondern als Serientypen entwickelt. Es gibt auch bis zu 96 völlig identische Geschwister. Hier spielt der technologische Fortschritts -pessimismus die größte Rolle.76
Gleich ist in beiden Utopien, daß es spezialisierte Gruppen gibt, die eine bestimmte Aufgabe haben und nur diese ausfüllen können, weil andere Fähigkeiten unterdrückt wurden.
Die Aufzucht der Kinder ist sowohl bei Huxley als auch bei Platon abhängig von der Bestimmung.
Die Alphas und Betas sind im Staate Huxleys für die intellektuellen Funktionen im Staat vorgesehen77, bei Platon übernimmt der erste Stand der Philosophen diese Funktion.
Wie den Wächtern im Staate Platons, wird in Huxleys Staat den Kleinkinder die Angst vor dem Tode genommen. Bei Huxley durch Konditionierung, die z.B. dazu führt, daß etwas schönes wie eine Blume als schrecklich empfunden wird, und bei Platon im Besonderen durch die Verarmung der Emotionalität.78
Der gravierende Unterschied liegt in der unterschiedlichen Intention der Autoren.
Während Platon einen Idealstaat erschaffen wollte, d.h. die Differenzierung der Menschen in die drei Stände als optimal ansieht, beschreibt Huxley eine negative Staatsutopie, die ein ,,Mißtrauen gegen den mächtigen Staatsapparat"79 deutlich machen soll.
4.2 Einbettung in den historischen Kontext
Die Behandlung von Kindern und Jugendlichen erfuhr im Laufe der Jahrhunderte große Veränderungen.
In der Bibel gibt es viele Beispiele für einen gewaltsamen Umgang mit Kindern. Als Jesus geboren wurde, ließ der regierende König Herodes alle Knaben unter zwei Jahren töten. Moses wurde auf dem Nil ausgesetzt. Kinder schienen keinen Wert zu besitzen, sie wurden als kleine Erwachsene gesehen.
In der Antike herrschte eine reine Männerwelt. Während Knaben ab dem siebten Jahr in Trainingslagern für den Kriegsdienst vorbereitet wurden, dienten Mädchen nur als Gebärmaschinen. Wurden Mädchen zuviel oder behinderte Kinder geboren, wurden sie getötet.
Der Vater entschied in der Familie über Leben und Tod. Kinder hatten keinen eigenständigen Wert und wurden als Besitz der Eltern gesehen.(,,Wem gehörst Du ?) Kinder galten als kleine, unreife Erwachsene, die den Eltern Achtung und Gehorsam schuldeten. Kinder reicher Schichten kamen in Elementarschulen, Gymnasien und Rhetorikschulen.80
Daß Platon in Politeia Kindergemeinschaften entwirft, hängt bestimmt damit zusammen, daß
man um 400 v.Chr. eine andere Einstellung zu den Kindern hatte als heute. Man brachte den Kindern vielleicht weniger Liebe entgegen, um einen Selbstschutz zu erreichen, da damals nur wenige Kinder überlebten. Aus diesem Grunde wird sein Vorschlag, Kinder in Gemeinschaften großzuziehen und es zu vermeiden, daß die Eltern ihre Kinder kennen und umgekehrt, viel eher auf Zustimmung gestoßen sein, als es z.B. in der heutigen Zeit der Fall wäre. Ein möglicher Vorteil der Kindergemeinschaften zu Platons Lebzeit war der, daß alle Kinder allen gehören sollten. Dadurch sollte erreicht werden, daß sich um jedes Kind gleich gekümmert würde, denn es wäre keine Unterscheidung von dein und mein möglich. Außerdem würde ein bewußter Verlust durch den Tod des eigenen Kindes und die Trauer vermieden.
Durch das Christentum änderte sich die Einstellung zum Menschen und damit zum Kind. Die veränderte positive Beurteilung des Kindes (,,Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder...") führen zur Verbesserung der Lebenssituation von Kindern. 330 n.Chr. wurden die ersten Waisenhäuser gebaut.81
Im Mittelalter (9.-14. Jhd.) wurden von allen Kindern hohe Arbeitsleistungen gefordert, ihr körperliche Zustand war schlecht und die Kindersterblichkeit sehr hoch. Zeugung, Geburt, Krankheit und Tod wurden von den Kindern unmittelbar erlebt. Die Kinder Adliger wurden durch Hauslehrer oder Klosterschulen erzogen. Kirchliche Kräfte kümmerten sich um uneheliche und verlassene Kinder.
Im 15. Jahrhundert bekam das Kind in der Kunst Bedeutung durch die Vorstellung der Gotteskindschaft, mit zarten Beziehungen zwischen Eltern und (Jesus-)Kind.
Ab 1500 erschienen in Europa Handbücher über Geburt und Säuglingspflege.82
Erasmus von Rotterdam (1469- 1536) betonte in seinen Werken die Bedeutung der frühkindlichen Erziehung. Der Mensch würde nicht geboren, sondern erzogen. Der Lernprozeß beginne gleich nach der Geburt.83
John Locke schrieb 1693 in seinem Werk ,,Einige Gedanken über Erziehung", daß die Menschen zu 90% das seien was sie sind durch die Erziehung.
Jean Jacques Rousseau veröffentlichte 1762 seinen Erziehungsroman ,,Emile".84
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erschienen illustrierte Lesebücher, spezielle Kinderkleidung und Schulmaterialien, meist aber nur für die bürgerlichen Kinder der Städte zugänglich.
In der Industrialisierung war Kinderarbeit weit verbreitet und blieb bis ins 20. Jahrhundert bestehen. Es entstanden viele Waisenhäuser, die mit Zucht und Brechung des eigenen Willens die seelische Rettung der Kinder erreichen wollten, alles Spielen war untersagt. Pädagogische Gegenbewegungen entstanden, die versuchten die Kinderarbeit zu verbieten und die Schulpflicht zu etablieren. Viele Kinder blieben wegen der ,,Kartoffelferien" vom Unterricht fern; Klassen von 70 bis 200 Schülern waren keine Seltenheit.
Mit der Psychoanalyse von Sigmund Freud, Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts, beginnt ein modernes Verständnis der kindlichen Psyche. Freie Waldorfschulen wurden ca. 1910 gegründet, in denen es zum Wegfall von Noten und Beschäftigung mit künstlerischen und ästhetischen Inhalten kam.
Im Nationalsozialismus, von 1933 - 1945, sind einige Punkte zu entdecken, die mit den Staatsforderungen Platons übereinstimmen.
So wurde die Kindererziehung im Dritten Reich
auch ganz dem Staatsziel untergeordnet. Die Kinder gehörten eher dem Staate als den Eltern. Sie lebten zwar bei ihren Eltern, wurden aber verpflichtend in Kinder- und Jugendgemein-schaften, wie z.B. der Hitlerjugend, dem Staatsziel entsprechend erzogen.
Die Individualisierung im Erziehungsprozeß trat weitgehend zurück. Unter Hitler hatten die ,,Untermenschen" und ,,Nicht - Arier" ebenso wie der dritte Stand bei Platon keine politischen Rechte. ,,Die Besten der Besten" sollten viele Nachkommen haben und die Nachkommenschaft ,,der Schlechtesten" sollte -wie bei Platon- unterdrückt werden, bzw. die Schlechtesten sollten gar nicht aufgezogen und an einen ,,unzugänglichen und unbekannten Ort" gebracht werden, den nur der Herrscher kennen sollte (s.S.12), dies kann im Nationalsozialismus mit den Konzentrationslagern verglichen werden.
Seit dem Krieg ist eine ein Wandel der traditionellen Familie feststellbar.
Beispielsweise nahm die Heiratsneigung seit 1960 ab und ein Trend zur Zwei-Kind-Familie kam auf. Die Zahl der Alleinerziehenden stieg durch vermehrte Ehescheidungen. Der Wunsch nach einem Kind wird mehr bewußt realisiert.
Heute wäre eine Kindergemeinschaft im Sinne Platons und Aufzucht ohne feste Bezugsperson undenkbar, da sich die Einstellung zu den Kindern drastisch verändert hat. Dies liegt u.a. daran, daß die Kindersterblichkeit in den Industrieländern extrem gesunken ist und es möglicherweise zu einer stärkeren Eltern- Kind- Bindung kommen kann als früher. Es gibt zwar Institutionen, in denen die Kinder schon früh leben, wie Kindergarten, Musikschule und Vereine, aber der Kontakt zu den Eltern wird dadurch nicht aufgehoben.
Wenn Kinder heute ihre Eltern verloren haben, kommen sie in ein Kinderheim. Aber das ist eine Übergangslösung und stellt keinesfalls ein Ideal dar. Es wird nach neuen Familien für diese Kinder gesucht und wenn diese gefunden sind, verlassen sie das Heim wieder.
Außerdem hat man festgestellt, daß eine feste Bezugsperson für die Entfaltung der Kinder förderlich ist. Eltern, die von der Kinderpflege und -erziehung befreit waren und so ihre beruflichen Interessen entwickeln konnten, drängten stärker danach, sich selbst um ihre Kinder zu kümmern.85
Es läßt sich eine Tendenz entdecken, daß das Kind wieder wie ein kleiner Erwachsener betrachtet wird, wie im 16. und 17. Jahrhundert, da die Welt des Kindes in die der Erwachsenen (u.a. durch Sex und Gewalt im Fernsehen) eingebettet wird.
4.3 Fazit
Insgesamt muß man sagen, daß Platon das Buch ,,Politeia" nicht für unsere Zeit geschrieben hat. Für seine Zeit und Erlebnisse ist dieses Buch sicherlich verständlich, einiges vielleicht auch uns. (Er ruft z.B. auch dazu auf, daß sich blutsverwandte Länder - für ihn griechische - sich nicht zu bekämpfen, sondern sich ggf. sogar in einer Art Staatenbündnis zusammenzuschließen sollen.) Allerdings darf man zwei Sachen nicht vergessen: Zum einen war der Staat Platons schon zu seiner Zeit mehr ein geistiges Gebilde als ein reales (Platon selbst scheiterte schließlich auch bei der Verwirklichung). Zum anderen lassen sich damit vom Ansatz her viele Staatsformen begründen, die unserer heutigen Demokratie entgegenstehen, z.B. Kommunismus und Alleinherrschaften im negativen Sinne, was Platon bestimmt nicht erreichen wollte.
Trotzdem ist die ,,Politeia" eine hoch interessante Darstellung von Platons Philosophie- und Staatsverständnis.
5. Literaturangabe
Primärliteratur:
· Apelt, Otto(Hrsg.): Platon der Staat. In: Platon sämtliche Dialoge. Hamburg 1988.
· Apelt, Otto(Hrsg.): Band VI. In: Platon
sämtliche Dialoge. Hamburg 1988.
Sekundärliteratur:
· Biesterfeld, Wolfgang (Hrsg.): Die literarische Utopie. Stuttgart 1982.
· Brockhaus Enzyklopädie
· Gnüg, Hiltrud (Hrsg.): Utopie und utopischer Roman. Stuttgart 1999.
· Hirschberger, Johannes (Hrsg.): Kleine Philosophie Geschichte. Freiburg 1961.
· Huxley, Aldous (Hrsg.): Schöne neue Welt. Frankfurt 1993.
· Plessen, M./ von Zahn, P.: Zwei Jahrtausende Kindheit, Köln 1979.
· Reble, Albert (Hrsg.): Geschichte der Pädagogik. Stuttgart 1999.
· Weimer, H.: Geschichte der Pädagogik. Berlin 1967.
· Zehnpfennig, Barbara (Hrsg.): Platon zur Einführung. Hamburg 1997.
1 Vgl. Brockhaus Enzyklopädie, S. 232.
2 Vgl.Biesterfeld, W.: Die literarische Utopie. Stuttgart 1982, S. 30.
3 Vgl. Weimer, H.: Geschichte der Pädagogik, Berlin 1967, S. 13f.
4 Reble, A.: Geschichte der Pädagogik, Stuttgart 1999, S.36.
5 Vgl. Brockhaus, S. 232.
6 Vgl. Brockhaus, ebd.
7 Vgl. Weimer, H., ebd.
8 Vgl. Reble, ebd., S. 32.
9 Vgl. Weimer, ebd.
10 Reble, A. ebd., S.33.
11 vgl. Apelt, K. u.a.: Platon der Staat. In: Platon sämtliche Werke, S. 213.
12 vgl. Apelt, ebd., S. 139.
13 Ebd., S. 136.
14 Ebd., S. 202.
15 vgl. Gnüg, H.: Utopie und utopischer Roman, Stuttgart 1999, S.20.
16 Reble, ebd., S. 34.
17 Apelt, ebd. , S. 129.
18 Apelt, ebd., S. 65.
19 Biesterfeld, W.: Die literarische Utopie. Stuttgart 1982, S.30.
20 Zehnpfennig, B., S.94.
21 Weimer, ebd., S. 13.
22 Gnüg, ebd., S. 21.
23 Apelt, ebd., S. 156.
24 Apelt, ebd., S. 155f.
25 Apelt, ebd., S. 217.
26 Apelt, ebd., S. 129.
27 Hirschberger, J., S. 32.
28 Biesterfeld, W.: Die literarische Utopie. Stuttgart 1982, S. 30.
29 Zehnpfennig, B.: Platon. Hamburg 1997, S. 99.
30 Zehnpfennig, ebd., S. 97.
31 Ebd., S. 106.
32 Gnüg, ebd., S. 20f.
33 Hirschberger, ebd., S. 31.
34 Reble, ebd., S. 34.
35 Apelt, ebd., S. 188.
36 Gnüg, ebd., S. 26.
37 Apelt, ebd., S. 191f.
38 Zehnpfennig, ebd., S. 100.
39 Ebd., S.188.
40 Apelt, ebd., S. 198ff.
41 Gnüg, ebd., S. 22.
42 Weimer, ebd., S. 14.
43 Apelt, ebd., S. 88.
44 Apelt, ebd., S. 89.
45 Gnüg, ebd., S. 23f.
46 Apelt, ebd., S. 132.
47 Apelt, ebd., S. 73.
48 Apelt, ebd., S. 122.
49 Apelt, ebd., S.456.
50 Apelt, ebd., S.80f.
51 Apelt, ebd., S.127.
52 Hirschberger, ebd., S. 32.
53 Apelt, ebd., S. 275.
54 ebd., S. 272ff.
55 ebd., S. 307f.
56 Reble, ebd., S. 35.
57 Brockhaus Enzyklopädie, S. 232.
58 Apelt, S. 125.
59 Apelt, ebd., S. 45-48.
60 Apelt, ebd., S. 45 - 51.
61 Ebd., S. 131.
62 Apelt, ebd., S. 45 - 51.
63 Ebd., S. 66.
64 Ebd, S. 52- 55.
65 Ebd., S. 57.
66 Ebd., S. 77-85.
67 Zehnpfennig, ebd., S. 233.
68 Ebd., S. 58- 60.
69 Ebd., S. 135.
70 Ebd., S. 70.
71 Apelt, S. 77f.
72 Ebd., S. 63.
73 Ebd., S. 64f.
74 Ebd., S. 65.
75 Gnüg, H., ebd., S. 22.
76 Huxley, A.: Schöne neue Welt, S. 21f.
77 ebd., S. 31.
78 Gnüg, ebd., S. 192.
79 Gnüg, ebd., S. 188.
80 Pessen/ von Zahn, S. 13f.
81 ebd., S. 23.
82 ebd., S. 54ff.
83 ebd., S. 66ff.
84 ebd., S. 93.
85 Gnüg, ebd., S. 26.
Arbeit zitieren:
Tina Brackmann, 2000, Kindererziehung in Politeia, München, GRIN Verlag GmbH
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