1. Was ist Soziologie?
o Alle Menschen sind „Amateursoziolog/innen“
o Alle Menschen haben (Vor-)Urteile, die ihnen die Einordnung von Erfahrungen / Wahrnehmungen erlauben. Was sind (Vor-)Urteile?
Mehr oder weniger gute Erfahrungen des Zusammentreffens bestimmter Ereignisse
Auch SoziologInnen versuchen, die Welt
• (systematisch) wahrzunehmen,
• zu verstehen,
• zu deuten,
• zu erklären.
o Soziologie versucht, in den alltäglich erlebten Vorgängen „Gewebe aus immer wiederkehrenden Verhaltensmustern“ (Berger/Berger:1974) zu erkennen und zu verstehen.
o Unter welchen Bedingungen leben oder arbeiten Menschen zusammen?
o In welchen Beziehungsformen tun sie dieses?
o Personen und Institutionen/Organisationen sowie Netzwerke und soziale Beziehungen
o sind der eigentliche Gegenstand der Soziologie.
1.1 Soziale Welt
Diese Netzwerke und sozialen Beziehungen, in die Menschen und Institutionen eingebunden sind, haben unterschiedliche Reichweiten:
überschaubare persönliche Netzwerke und Lebenskreise (Familie, Freundeskreis)
komplexere Verbindungen (Verwandtschaft, Nachbarschaft, Arbeitsplatz) zum Großteil noch über face-to-face Kontakte hergestellt
unübersichtlichere, oft unsichtbare aber vielfach real erfahrbare Netzwerke (Gemeinde, Berufsorganisationen, Kirchen, Staat, Parteien, Wirtschaft)
Verbindungen mit fließenden Grenzen (Industrienationen, „Weltgesellschaft“, ....)
„Soziologie erforscht das Zusammenleben der Menschen, ihr zwischenmenschliches Verhalten und sucht dabei die gesellschaftlichen ‚Webmuster’ und Verknüpfungszusammenhänge - die ‚Strukturen’ und ‚Prozesse’ der verschiedenen sozialen ‚Netzwerke’ - zu beschreiben, zu analysieren und zu erklären.“ Henecka1985:14f
1.2 Gesellschaft
Definitionen
Gesellschaft = df. "Das jeweils umfassendste System Menschlichen Zusammenlebens. (...) Der Gesellschaftsbegriff ist immer Teil einer Theorie des menschlichen Zusammenlebens,
als theoretischer Begriff ... immer abhängig von der sozialen Realität der Gesellschaft als seiner Praxis" (Fuchs et al. 1988: 267)
als GesellschaftswissenschaftlerIn (aber auch als ArchitektIn)
immer abhängig von der eigenen gesellschaftlichen Position, der eigenen Deutung von Gesellschaft etc.
Räumliche Geltungsbereiche von "Gesellschaft"
Global Weltgesellschaft Supra-national Abendländische Gesellschaft Orientalische Gesellschaft Sozialistische Gesellschaft Kapitalistische Gesellschaft "Erste" Welt National Österreich Überregional Österreichische Stammländer Burgenland Regional Region Wien Wien Lokal Wien Wieden
Formen des Aufbaus von „Gesellschaft“
Hierarchischer Aufbau
Individuum
Soziale Gruppe Soziale Institution Gesellschaft Makro-Ebene
Demographischer Aufbau
Alter
Geburtskohorte Geschlecht Familienstand Nationalität Haushaltstyp Stellung im Lebenszyklus Soziale Ungleichheit Kaste Stand Soziale Klasse soziale Schicht Soziale Lage Soziales Milieu Lebensstil
2. Alltagswissen und soziologisches Denken
Alltagswissen
... der eigene Bezugsrahmen ist selbstverständlich und „natürlich“
... entsteht in Übereinstimmung mit der eigenen sozialen Gruppe, in Abgrenzung zu anderen
... weist eingebaute normative Elemente und Werthaltungen auf
verfügt über ein Muster individueller dualisierte Erklärungen
Soziologie
Erklärungen werden ... ... belegt und überprüft
o ... ist immer in gesellschaftliche Zusammenhänge gestellt ... entindividualisiert
manche Erklärungen stimmen mit der Alltagswahrnehmung überein, andere nicht
Was ist „SOZIAL“ ?
„Sozial“ als ethisch-moralische Haltung (sozial-unsozial)
Seneca: „beneficium dare socialis res est“: Es ist sozial, ein gutes Werk zu tun. Soziale Frage: Öffentlich-politische Dimension: Sozialpolitik Sozialhilfe Sozialreform, Sozialstaat Sozial als wertneutraler Begriff: (gemeinschaftsbezogen) Der Mensch als soziales Wesen heißt: Der Mensch lebt in Gemeinschaften Jedes zwischenmenschliche Verhalten ist soziales Verhalten.
„SOZIOLOGIE“
Auguste Comte: socio Gemeinschafts- / Gesellschaftslogie Lehre
Als „Lehre vom Sozialen“ erforscht die Soziologie also das menschliche Zusammenleben bzw. das zwischenmenschliche Verhalten
Gegenstand der Soziologie ist also die Gesellschaft mit den in ihr lebenden Menschen. Diesen Gegenstand teilt sie sich mit anderen (Sozial)- Wissenschaften.
3. Soziologie - die Wissenschaft von der Gesellschaft
3.1 Rolle und Beitrag der Soziologie in den Sozialwissenschaften
Alle menschlichen Tätigkeiten und Erzeugnisse werden in Beziehung zur menschlichen Gesellschaft gesetzt.
Bemühung, den „Sozialen Faktor“ zu isolieren: Freiwerden von der Zurückführung „sozialer Tatsachen“ auf Nichtsoziales. „Soziales soll nur durch Soziales erklärt werden“ Emile Durkheim (1858-1917) Soziologie ist eine Wissenschaft: „Soziologie ist das systematische und kontrollierte Beobachten und Erklären von regelmäßig auftretenden sozialen Beziehungen, von ihren Ursachen, Bedingungen und Folgen“. (Seger 1970 nach: Henecka 1985:23)
3.2 Soziale Probleme und soziologische Fragestellungen
Soziales Problem
Diskrepanz zwischen den gesellschaftlichen Normen und Zielvorstellungen und dem tatsächlichen Verhalten.
(Unvorhersehbare) Situation, die in der Gesellschaftsordnung noch nicht geregelt ist
(Massenarbeitslosigkeit, Umweltverschmutzung): Soziologische Fragestellung:
Gesellschaftliche Problemlagen, Zustände und Prozesse, die erklärt werden sollen. Zur wissenschaftlichen Bearbeitung eines sozialen Problems muss es in eine soziologische Frage übersetzt werden und kann dann mit Instrumenten wie ‚Begriffen’, ‚Methoden, Theorien bearbeitet werden.
Wenn etwas soziologisch geklärt ist, kann es trotzdem als soziales Problem weiterbestehen.
3.4 Das Haus der Soziologie
Abbildung 1: Der Gegenstand von Soziologie
Definition "Soziologie"
Soziologie = df. "Selbständige Einzelwissenschaft, die mit bestimmten Begriffen und Theorien, Methoden und empirischen Techniken Struktur-, Funktions- und Entwicklungszusammenhänge der Gesellschaft beschreibt und aus allgemeinen Prinzipien heraus erklärt." (Fuchs et al. 1988: 717)
Abbildung 2: Das „Haus“ der Soziologie
4. Was kann Soziologie leisten?
Soziologie ist die Wissenschaft vom Sozialen Handeln und zwischenmenschlichen Verhalten
von den sozialen Institutionen und Organisationen von der Gesamtgesellschaft und deren Stabilität und Wandel von den Ideen über die Gesellschaft und als Ideologiekritik
4.1 Untersuchungsebenen der Gesellschaft
Mikroebene: Individuen und Kleingruppen
Sozialpsychologie, nicht primär Verhalten von Individuen in Gruppen, sondern vor allem mit der Gruppe als solcher in Abhängigkeit von den sie umgebenden sozialen Netzwerken
. Mesoebene: Gruppen, Institutionen, Organisationen
Untersuchungen oder vergleichende Darstellungen über die zweckorientierten, planmäßig gestalteten Strukturen und Prozesse in (betrieblichen) Organisationen. Untersuchungen über die informelle Dynamik solcher sozialen Systeme
. Makroebene: Gesellschaft(en)
große soziale Einheiten und umfassende soziale Prozesse Globalisierung, Industrialisierung, Wertewandel,
. Metaebene: Ideen, Ideologien
Soziologie der Soziologie , Wissenssoziologie, Religionssoziologie
4.2 Funktionen und Nutzen der Soziologie
Funktionen der Soziologie (nach Henecka 1985:31f) Aufklärung und Information
Beschreibung und Erklärung gesellschaftlicher „Verhältnisse und Lebenslagen in ihrer Entstehung und Entwicklung, in ihrem Zusammenhang und in ihrer ideologischen Begründung sowie mit ihren Macht und Herrschaftsansprüchen“ um diese „einsichtig und transparent zu machen“. Diagnose, Pädagogik und Beratung
Erkenntnis von Motiven, Bedingungen und Folgen des Verhaltens und des Handelns von Menschen hilft ihnen dabei, ihren Zielen entsprechend rational zu handeln.
Gesellschaftskritik und Prognose
Als kritische Wissenschaft ist die Soziologie verpflichtet auf Distanz gegenüber geltenden Werten und Institutionen. Erzeugung eines kritischen Bewußtseins gegenüber dem status quo.
Stabilisierung und Konservierung
Wenn sich Soziologie nur oder fast ausschließlich sich auf die Analyse und Beschreibung des gesellschaftlich Bestehenden beschränkt und die Interessen der herrschenden Gruppen durch unkritische Anwendung soziologischen Wissens unterstützt, kann sie der Zementierung der herrschenden Zustände dienen.
Arbeit zitieren:
Doris Medek, 2002, Was ist Soziologie?, München, GRIN Verlag GmbH
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Sandra
supi.
hat mir sehr geholfen´!
am Wednesday, January 29, 2003-