Hochschule Bremen
Internationaler Studiengang Fachjournalistik
Wintersemester 2001/2002
Virtuelles Lernen ein Vergleich zwischen
Fern- und Präsenzstudium
Hausarbeit im Fach Soziologie II
ISFJ 7
bei Prof. Dr. G. Syben
von
Frank Miener
D:\Eigene Dateien\Hausarbeiten und Diplomarbeit\HA Soziologie II\HA Soz II.sxw
Inhaltsverzeichnis
1 Virtuelles Lernen propagierte Zukunft...3
2 Methode...3
3 Unterscheidung von virtuellem und Fernstudium...4
4 Fernstudium oder Präsenz Vergleich der Angebote ...5
4.1 Lehrverfahren...5
4.2 Studieninhalte...6
4.2.1 Inhalte im Grundstudium...6
4.2.2 Hauptstudium...7
4.3 Prüfungsformen im Vergleich ...8
5 Vorteile Nachteile der Lehrform ,,Lehrbrief" ...9
6 Resümee ...10
Literaturverzeichnis...12
Tabellen...12
Anhang...13
I. FeU-Studienplan für das Hauptstudium ...13
II. Wahlpflichtfächer FeU Hagen ...13
III. Wahlpflichfächer der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg...14
IV. Diplomprüfungsordnung für den Studiengang Wirtschaftswissenschaft an der
Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg ...14
V. Diplomprüfungsordnung für den integrierten Studiengang
Wirtschaftswissenschaften an der Fernuniversität Hagen ...14
Seite 2
1 Virtuelles Lernen propagierte Zukunft
Seit einigen Jahren propagieren Politiker, Bildungsforscher und Universitäten das virtuelle Lernen als
Möglichkeit, vielen Menschen eine Bildungschance zu eröffnen. Zugleich erwarten sie, dass sich bereits
im Jahr 2005 die Hälfte aller Studierenden nur noch per Internet in ihre Alma Mater begeben. Das ermit-
telte eine Regierungskommission unter dem Vorsitz des SPD-Politikers Peter Glotz bereits im Jahr 2000
[Asendorpf 2001: 67]. Die Hochschulen bauen diese Systeme momentan mit Hochdruck aus, beinahe
jede Universität und Fachhochschule betreibt entsprechende Projekte. Vorreiter ist hier die Fernuniversi-
tät in Hagen (FeU), die einen virtuellen Campus betreibt
1
.
Neben diesen neuen, technisch aufwändigen Angeboten gibt es zudem den ,,klassischen" weg über
Lehrbriefe, die von der Bildungseinrichtung versendet und von den Studierenden bearbeitet werden. Mit
diesem System haben sowohl staatliche Hochschulen als auch private Bildungsträger seit Jahrzehnten Er-
folge. Gemein ist beiden Systemen dabei, dass die Studierenen nur wenig bis gar keinen Kontakt zu ihren
Kommilitonen bekommen, diese sogar in ganz Deutschland oder darüber hinaus verteilt leben können.
Somit stellt sich generell die Frage, ob ein Fernstudium ein geeignetes Mittel ist, einen berufsqualifizieren-
den akademischen Abschluss zu erwerben. Dieses soll in dieser Arbeit anhand eines Vergleichs zwischen
zwei Studiengängen zum einen den Diplom-Studiengang Wirtschaftswissenschaften in Ausrichtung
Volkswirt an der FeU, am anderen der Diplom-Studiengang Wirtschaftswissenschaften an der Carl-von-
Ossietzky-Universität Oldenburg untersucht werden, wie sich Inhalte und Lernmethoden in den beiden
Systemen Fernstudium und Präsenzstudium unterscheiden. Besonderes Augenmerk soll dabei sowohl auf
die Inhalte, den Zeitaufwand als auch auf die Prüfungsformen gelegt werden.
Ausgehend von der Überlegung, dass im Fernstudium Arbeitstechniken in wissenschaftlichen Arbeiten
kaum bis gar nicht direkt vermittelt werden, soll diese Untersuchung auch die These überprüfen, dass
sich ein Fernstudium eher an Aufbaustudenten richtet als an Studienanfänger. Dies soll an der Überprü-
fung des Studienverlaufs und dem Angebot für Erstsemester der beiden ausgewählten Hochschulen er-
folgen.
Beide Vergleichangebote wurden ausgewählt, da sie ihre entsprechenden Angebote bereits seit mehre-
ren Jahren bzw. Jahrzehnten unterhalten. Anfangsschwächen und Schwierigkeiten während des Aufbaus
des Studienganges sind damit ausgeglichen und können nicht mehr zu einer verminderten Vergleichbar-
keit beider Angebot führen.
2 Methode
Um einen Vergleich der Qualifikation der Absolventen beider Studienangebote vornehmen zu können,
werden die Inhalte der Ausbildung sowie die Prüfungsformen, die von der jeweiligen Diplomprüfungs-
ordnung vorgesehen sind, miteinander verglichen. Dabei kommen sowohl die Themen in den Vergleich
als auch die vorgesehene SWS-Zahl. Anhand dieser Daten kann ermittelt werden, welche Qualifikation
die Absolventen erwerben.
1 Im Internet unter
www.fernuni-hagen.de
zu finden
2 Methode
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3 Unterscheidung von virtuellem und Fernstudium
In der aktuellen Diskussion um virtuelles Lernen werden oft zwei Begriffe durcheinander gemischt: vir-
tuelles Lernen und Fernstudium. Das virtuelle Lernen wird dabei in der Bedeutung von Online-Studium
verwendet, also dem Studium per Computer und Internet mittels spezieller Webseiten und multimedial
aufbereiteter Systeme. Ein Fernstudium dagegen bezeichnet die klassische Form von Fernunterricht mit-
tels Lehrbrief und Rücklauf, der inzwischen allerdings auch online möglich ist.
Die Online-Studiengänge haben den Nachteil, dass sie teure Investitionen von bis zu 2.000 Euro und
mehr von den Studierenden fordern [Miener 2002]. Sie ersetzen auch den persönlichen Kontakt nicht,
können aber per Videokonferenz zumindest visuelle Kontakte ermöglichen. Auch Wissenschaftler haben
Bedenken: Rüdiger Lautmann hat in der ,,Zeit" den Verdacht geäußert, dass die Qualität der Lehre absin-
ken könnte [Asendorpf 2001: 67].
Die Fernuniversität baut momentan ebenfalls einen virtuellen Campus auf. Das Projekt steckt aber
noch in den Kinderschuhen und arbeitet noch nicht vollständig. Der Fachbereich Wirtschaftswissen-
schaften ist noch nicht beteiligt und verbreitet seine Fernstudienunterlagen ,,klassisch" per Lehrbrief. Aus
diesem Grund wird in dieser Arbeit auch nur das Thema Fernstudium, nicht aber das PC-gestützte On-
line-Studium betrachtet.
3 Unterscheidung von virtuellem und Fernstudium
Seite 4
4 Fernstudium oder Präsenz Vergleich der
Angebote
Um die Angebote miteinander zu vergleichen, werden in dieser Arbeit die Methode des Unterrichts
(z.B. per Lehrbrief, Vorlesungen, Übungen und Seminaren), die Inhalte der Ausbildung und der Umfang
der Ausbildung untersucht. Dabei wird von einem Vollzeitstudium bei allen Anbietern vorausgesetzt. Die
Fernuniversität Hagen bietet darüber hinaus auch ein Teilzeitstudium an, das je nach Zeitaufwand dann
auch die doppelte Länge eines Vollzeitstudiums beträgt. Für das Vollzeitstudium sind bei der Fernuniver-
sität ca. 40 50 SWS angesetzt. Dies entspricht auch der Studienordnung der Carl-von-Ossietzky-Univer-
sität Oldenburg.
4.1 Lehrverfahren
Fernuniversität Hagen
Carl-von-Ossietzky-
Universität Oldenburg
Lehrbriefe und Kontrollen
Ja, Auswahl der Kurse durch Studie-
rende zu Semesterbeginn
Nein, Skripte und Material über
Dozenten
Arbeitsgruppen
Empfohlen, sollen sich selbst zu-
sammenfinden
Entstehen durch Projekte in der
Hochschule
Studienzentren
Vorhanden an vielen
Universitäten
Nein
Vorlesungen, Seminare etc.
mit Präsenzzeiten
Nein
Ja
Bibliotheken an der
Universität
Nur für lokale Studierende
Ja, zusätzlich in Bremen
Praktika
Nicht vorgeschrieben
Tabelle 1: Lehrmethoden der Universitäten auf Basis der Selbstdarstellung der Universitäten, der
Diplomprüfungsordnung und dem Internetangebot
2
Die Fernuniversität Hagen bieten ihren Studierenden den Unterricht über Kursmodule an. Diese wer-
den zu Beginn des Semester anhand eines Kursplanes durch die eingeschriebenen Teilnehmer bestellt
und in Form von mehreren Lehrbriefen und Kontrollaufgaben pro Kurs ausgewählt und bearbeitet.
3
Dazu werden an verschiedenen Fernstudienzentren an Universitäten in ganz Deutschland Arbeitshilfen
angeboten. Die FeU empfiehlt zudem, sich mit örtlich nahen Kommilitonen in Arbeitsgruppen zusam-
menzuschließen. Eine Nutzung der Universitätsbibliothek in Hagen ist dabei faktisch nur den Studieren-
den möglich, die in der Nähe der Universität leben. Andere Studierende sind auf die Nutzung der Univer-
sitätsbibliotheken und öffentlichen Bibliotheken in der Nähe ihres Wohnortes angewiesen.
Die Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg hat für die Studierenden ,,das volle Programm" des
Hochschulstudiums im Angebot. Dazu gehören Vorlesungen, Seminare, Proseminare und Übungen. Die-
se werden an der Universität abgehalten. Hinzu kommt die eigene Bibliothek der Einrichtung und die
2 Fernuniversität Hagen: http://www.fernuni-hagen.de/FBWIWI/, Universität Oldenburg: http:
//www.uni-oldenburg.de/zsb/studien/studgang/wirtwiss.html
3 Vgl. Informationsschrift 3 der FeU [FeU 2001]
4 Fernstudium oder Präsenz Vergleich der Angebote
Seite 5
Staats- und Universitätsbibliothek an der Universität Bremen als örtlich nahe liegende zusätzliche Ein-
richtung.
4.2 Studieninhalte
4.2.1 Inhalte im Grundstudium
Fernuniversität Hagen
Carl-von-Ossietzky-Universität
Oldenburg
Dauer in Semestern laut Plan
4
4
Anzahl SWS gesamt
4
70
5
34-36
Fächerzahl während des
Grundstudiums
6
7
6
Abschluss des Grundstudiums
Diplomvorprüfung studienbeglei-
tend bis zum Ende des 4. Sem.
Diplomvorprüfung studienbeglei-
tend bis zum Ende des 4. Sem.
Tabelle 2: Grundstudium im Vergleich.
Das Grundstudium in den Wirtschaftswissenschaften ist an beiden Universitäten vier Semester lang
und schließt mit einer Diplomvorprüfung ab. Diese wird in Oldenburg studienbegleitend gefordert, auch
in Hagen legen die Studierenden die Prüfungen während des Grundstudiums ab. Im Gegensatz zum Prä-
senzstudium kommen dabei in Hagen nur Klausuren zum Einsatz, in Oldenburg haben Studierende die
Wahl zwischen Klausuren, Hausarbeiten und mündlichen Prüfungen. Als Klausurziel definieren beide
Hochschulen:
,,In den Klausurarbeiten sollen die Kandidatin /der Kandidat nachweisen, dass sie/er in begrenzter
Zeit und mit begrenzten Hilfsmitteln ein Problem mit den geläufigen Methoden ihres/seines Faches er-
kennen und Wege zu einer Lösung finden kann." [FeU DPO 1997, §12]
In Hagen sind von den Studenten bis zur Vordiplomprüfung 70 SWS zu absolvieren, 28 SWS mehr als
in Oldenburg. Zusätzlich haben die Studierenden nicht die Wahl zwischen einigen Schwerpunkten, wie
dies die DPO Oldenburgs zulässt [Uni Oldenburg 2002: 2]. Allerdings muss einschränkend gesagt wer-
den, dass in den SWS-Zahlen der Fernuniversität die Vor- und Nachbereitungszeiten mit eingerechnet
sind und diese in der DPO der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg fehlen. Somit sind für beide
Studiengänge in etwa gleiche Daten anzunehmen.
4 Inkl. Vorprüfungsphase, Summen addiert. Quelle: Anhang zur DPO [Uni Oldenburg 2002: 2]
5 Fernuniversität Hagen: die SWS-Angaben sind Bruttoangaben inkl. Vor- und
Nachbereitungszeiten. Diese werden an Präsenzuniversitäten nicht angegeben, sind aber
vorausgesetzt als eigenständige Leistungen außerhalb der Vorlesungen, Übungen und Seminare.
6 Fortgeschriebene Fächer (z.B. BWL I, BWL II und BWL III) sind in eine Fächergruppe addiert
4 Fernstudium oder Präsenz Vergleich der Angebote
Seite 6
Fernuniversität Hagen
7
Carl-von-Ossietzky-Universität
Oldenburg
BWL
21
6
VWL
14
6
Rechnungswesen
In BWL enthalten
6
Wirtschaftsinformatik
7
8
8
Mathematik und Statistik
14
--
Ökologie
--
8
Rechtswissenschaft
10
8+8
9
Summe 66
36
Tabelle 3: Fächer im Grundstudium bis zum Vordiplom, subsummiert als Fachbereich (z.B. BWL) in
SWS
Aus der Übersicht in Tabelle 3 ergibt sich, dass in Hagen doppelt so hohe Anforderungen (in SWS) ge-
stellt werden als in Oldenburg. Besonderer Wert wird dabei auf die Vermittlung von wirtschaftlichem
Wissen und mathematischen Kenntnissen gelegt (BWL, VWL, Mathematik und Statistik). In Oldenburg
gibt es eine verbindliche Einführung in die Rechtswissenschaften (eine Lehrveranstaltung), in Hagen
zwei.
Damit ergibt sich für das Grundstudium, dass es zwar eine inhaltlich unterschiedlich gewichtete Ausbil-
dung an den beiden Universitäten gibt, diese aber vom Umfang her etwa identisch sind (Differenz 3 SWS
zu Gunsten der Universität Oldenburg). Die zu erbringende Leistung bis zur Diplomvorprüfung ist somit
in den Aspekten Zeitaufwand und Inhalt als identisch und gleichwertig zu betrachten.
4.2.2 Hauptstudium
Im Hauptstudium differenzieren die Inhalte recht stark. Die Fernuniversität hat ihren Studiengang
Wirtschaftswissenschaften aufgeteilt in vier unterschiedliche Diplome: den Diplom-Kaufmann I, den Di-
plom-Kaufmann II, den Diplom-Volkswirt I und den Diplom-Volkswirt II. Die einzelnen Rubriken
(Kaufmann/Volkswirt) unterscheiden sich in ihrer Länge die Version I ist kürzer, die Diplomprüfung
weniger umfangreich als die Version II. Die einzelnen inhaltlichen Unterschiede können dem Anhang I
entnommen werden.
Auch in Oldenburg sind unterschiedliche Schwerpunkte während des Hauptstudiums möglich. So wird
zum einen ein Schwerpunkt Informatik, ein juristischer Schwerpunkt und ein ökologischer Schwerpunkt
angeboten. Zusätzlich gibt aber auch Möglichkeit, ein ,,allgemein gültiges Diplom" zu erwerben, also kei-
nen Fachschwerpunkt zu belegen.
Für diese Arbeit wurden der schwerpunktfreie Zweig des wirtschaftswissenschaftlichen Studienganges
an der Carl-von-Ossietzky-Universität ausgewählt und der Abschluss Diplom-Volkswirt II an der Fern-
universität Hagen. Diese sind sich in Leistungsumfang ähnlich, auch die abschließende Diplomprüfung
7 Angabe als Brutto-SWS inklusive Vor- und Nachbereitungszeiten
8 In Hagen Pflichtfach, in Oldenburg Wahlmöglichkeit zwischen Informatik oder
Rechtswissenschaft
9 Wahlfreies Fach, Auswahl zwischen Informatik und Rechtswissenschaft
4 Fernstudium oder Präsenz Vergleich der Angebote
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ist mit 12 Wochen gleicht. Aus diesem Grund ist eine Vergleichbarkeit beider Abschlüsse gegeben.
Fernuniversität Hagen
Carl-von-Ossietzky-Universität
Oldenburg
Allgemeine VWL
14
12
Allgemeine BWL
14
12
Wahlpflichtfächer
10
(Anzahl/Summe SWS)
(1/12)
12
(3/12)
36
Einführung in die EDV
--
2
Seminare
4 (2x2)
11
--
Volkswirtschaftliches
Schwerpunktfach
16
--
Volkswirtschaftspolitik
12
--
Diplomprüfung
n.a.
n.a.
Diplomarbeit
12 Wochen
n.a.
Summe 82
62
Tabelle 4: Fächer des Hauptstudiums in SWS über die Dauer des Hauptstudiums
Aus der Tabelle 4 vier ersichtlich, dass an der Fernuniversität ein um 20 SWS höher Umfang erreicht
werden muss. Dabei muss aber wieder in Betracht gezogen werden, dass die Angaben von der Carl-von-
Ossietzky-Universität Oldenburg lediglich die Veranstaltungsdauern während der Vorlesungszeit ange-
ben.
Die Fernuniversität legt dabei weitere volkswirtschaftliche Schwerpunkte, während die Oldenburger
Universität den Studierenden im Rahmen der angebotenen Fächer (siehe Anhang III) einer freiere Hand
lässt und so eine breitere Basis anbietet. Die Auswahl der Wahlfächer ist dabei ähnlich, so dass auch in
den Inhalten eine weitgehende Übereinstimmung gefunden werden kann. Die Diplomprüfung setzt sich
in beiden Hochschulen aus studienbegleitenden Leistungen, Prüfungsleistungen im Abschlusssemester
und einer Diplomarbeit zusammen.
4.3 Prüfungsformen im Vergleich
Die Prüfungen sind für den Erwerb des akademischen Abschlusses wichtig. An beiden Universitäten
kommen unterschiedliche Prüfungen zur Anwendung. In den folgenden Tabellen sind diese ersichtlich.
Fernuniversität Hagen
Carl-von-Ossietzky-Universität
Oldenburg
Grundstudium
Klausur in Studienzentren,
Lernkontrollen während der Se-
mester (ohne Bewertungen)
Klausur, Referat, Hausarbeit
Hauptstudium
Fünf Klausuren, zwei Hausarbei-
ten (inkl. zwei Vorträge)
Klausur, Referat, Hausarbeit
Diplomprüfung
fünf Klausuren, Diplomarbeit
Klausur, Diplomarbeit, ggf. Pro-
jektbericht
Tabelle 5: Prüfungsformen laut DPO der jeweiligen Studiengänge
10 Übersicht über die Wahlpflichtfächer siehe Anhang III
11 Präsenzveranstaltung mit Seminar, Diskussion, Vortrag und Seminararbeit
4 Fernstudium oder Präsenz Vergleich der Angebote
Seite 8
Die Prüfungsformen der beiden Hochschulen ähneln sich vor allem in Hauptstudium und Diplomprü-
fung stark. Hier sind sowohl in Hagen als auch in Oldenburg Klausuren, Hausarbeiten und die Diplomar-
beit als Prüfungsform vorgesehen. An der Präsenzuniversität Oldenburg kommen auch Referate hinzu,
die es in Hagen nur zweimal gibt.
Für das Hauptstudium sind zwei Präsenzseminare an der Fernuniversität Hagen vorgesehen. Diese
müssen mit einer Hausarbeit und einem Vortrag zur Hausarbeit als Prüfung abgeleistet werden. Lediglich
körperliche Behinderungen und Inhaftierung können als Freistellungsgrund anerkannt werden. Die Semi-
nare sind in der Regel Wochenendveranstaltungen [FeU 2001: 4].
Im Grundstudium ist die Situation anders. Hier sind für Fernstudierende nur Klausuren vorgesehen,
die Leistungskontrollen sind kein Prüfungsbestandteil. Referate oder Hausarbeiten sind im Studiengang
Wirtschaftswissenschaften im Grundstudium nicht möglich
12
.
Gegen Ende des Studiums gleichen sich die Prüfungsformen also immer weiter an, am Ende stehen
faktisch identische Prüfungen in den drei Hauptformen Überprüfung (Klausur), Diskussion (Vortrag)
und Ausarbeitung (Seminar- und Diplomarbeit). Unterschiede in den Formen gibt es an den Universitä-
ten also nicht. Hinzu kommt jedoch die Frage der Vorbereitung auf die jeweilige Prüfung, speziell auf die
Klausuren und die Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens.
Dazu bieten beide Universitäten Einführungsveranstaltungen für Studienanfänger an. Aus räumlichen
Gründen kann dies an der Fernuniversität jedoch nicht direkt in Hagen geschehen, sondern wird zum ei-
nen auf Lehrbriefe zum Studium und zu den einzelnen Fächern und zum anderen auf die Fernstudien-
zentren verteilt. Hier werden Kurse und Seminare angeboten, auch Arbeitsgruppen für gemeinsames Ler-
nen werden organisiert. Die Nutzung dieser Angebote bleibt den Studierenden überlassen. Im Rahmen
von Orientierungswochen und Einführungsveranstaltungen wird auch in Oldenburg die Methode des
wissenschaftlichen Arbeitens in Seminaren vermittelt.
Die Vorbereitung auf eigenständiges wissenschaftliches Arbeiten ist somit in Hagen nicht optimal gege-
ben. Vorgelegte Informationsschriften zum Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten bedienen zwar alle In-
halte des Themas, können Fragen aber nicht immer direkt beantworten
13
. Studierende mit Vorerfahrung
entweder aus vorherigen abgeschlossenen Studien oder Studiengangswechsler haben also Vorteile
durch Vorwissen und auch ein leichteres Einfinden in das eigenständige Arbeiten und Lernen.
5 Vorteile Nachteile der Lehrform ,,Lehrbrief"
Das im Studium der Wirtschaftswissenschaften eingesetzte Unterrichtsverfahren ist der Lehrbrief. Hier
ist der Stoff eines Seminar aufbereitet und Materialien zum (Selbst-)Studium werden geliefert. Gleichzei-
tig gibt es Literaturhinweise und auch Übungsaufgaben. Diese können eingereicht werden und werden
von Assistenten oder Hochschullehrern der Fernuniversität Hagen korrigiert. Hier können die Studieren-
den ihren eigenen Leistungsstand mit kontrollieren und auch Fertigkeiten des wissenschaftlichen Arbei-
tens trainieren.
Diese Lehrbriefe besitzen den Vorteil, dass sie alle Kernaussagen des jeweiligen Kurses enthalten und
12 In den Magisterstudiengängen der Geisteswissenschaften ist dieses jedoch möglich.
13 Vgl. Georg Simonis: Studium und Arbeitstechnik der Politikwissenschaft [Simonis 1993]
5 Vorteile Nachteile der Lehrform ,,Lehrbrief"
Seite 9
dieses auch das Kernmaterial für die anstehende Prüfung darstellt. Zudem kann das Material als Nach-
schlagmaterial archiviert werden. Sie sind zudem in der Regel hochschulpädagogisch aufgearbeitet und
verfolgen bestimmte didaktische und methodische Richtlinien zum Wissenserwerb. Dennoch haben die
Briefen auch Nachteile. Es fehlen die direkte Kontaktmöglichkeit zum Lehrenden und zu Kommilitonen,
auftretende Fragen können nur umständlich per Brief, Anruf, E-Mail oder eigene Literaturrecherche zeit-
verzögert beantwortet werden. Zudem liegt die Methode des Lernens aus Literatur nicht jedem Studie-
renden gleich gut, die Diskussion würde ihnen hilfreich sein.
Durch die Konzentration auf den schriftlichen Verkehr miteinander abgesehen von den beiden obli-
gaten Seminaren
14
- entsteht beim Studierenden der Druck, bereits frühzeitig ein Zeitmanagement-System
zu entwickeln, um das Studium in einer angemessenen Zeit absolvieren zu können. Gleichzeitig müssen
Motivationsprobleme gelöst werden, die durch Gruppenverhalten in Präsenzstudien weniger auftreten.
Die Fernuniversität bietet in einigen Fachbereichen, darunter auch Wirtschaftswissenschaften, Orien-
tierungskurse, Probestudien und Brückenkurse an. Diese Kurssysteme sind jedoch bereits auf die Ver-
mittlung speziellen Wissens (z.B. Mathematik) oder Auffrischung vorhandener Fähigkeiten (z.B. Brü-
ckenkurs Englisch) ausgelegt. Es gibt im Angebot für wissenschaftliches Arbeiten lediglich den Brücken-
kurs Deutsch, der diese Fertigkeiten vermitteln soll [FeU 2001].
6 Resümee
Diese Arbeit untersucht die These, dass sich ein Fernstudium in seiner Gesamtheit an Studierende rich-
tet, die bereits akademische Erfahrung durch ein abgeschlossenes Hochschulstudium oder ein weiter
fortgeschrittenes Studium erwerben konnten. Die Überlegung, dass eine fehlende Vermittlung von wis-
senschaftlichen Arbeitsmethoden zu Beginn des Studiums sollte diese These unterstreichen.
An der Fernuniversität müssen Studierende des Studienganges Wirtschaftswissenschaften im Grund-
studium ,,lediglich" Klausuren schreiben. Gerade die Vorbereitung auf Klausuren mit dem Stoff von ins-
gesamt 66 SWS erfordert jedoch eine exakte Vorbereitungsmethode, wie sie in den Schulen inklusive
Abiturvorbereitung nicht oder zumindest nur wenig gelehrt wird. Es existieren zwar Kurse (Brückenkurs
Deutsch), die auf das Analysieren von Texten und die Auswertung und Recherche von Literatur ausge-
legt sind, diese können jedoch allein keine Hilfestellung geben.
In einer späteren Phase des Studiums kommen dann Seminararbeiten, am Ende gar die Diplomarbeit
als eigenständige wissenschaftliche Form hinzu. Zu diesem Zeitpunkt haben die Studierenden zwar Kon-
takt mit wissenschaftlicher Literatur gehabt, mussten sie aber dennoch nicht verfassen. Die Methodik der
wissenschaftlichen Recherche wurde bis zu diesem Zeitpunkt durch das Lernen für Klausuren vermittelt
bzw. sollte vermittelt werden. Die Fernuniversität trägt diesem Umstand Rechnung, indem sie über ver-
schiedenen Fernstudienzentren Angebote für Vorbereitungs- und Vertiefungskurse vermittelt, die jedoch
nicht verbindlich sind. Dadurch obliegt es der Wahlfreiheit des einzelnen Studierenden, diese Angebote
wahrzunehmen und Arbeitstechniken zu üben und Hinweise zu erhalten.
Die Studierenden der Präsenzuniversität andererseits haben die Möglichkeit, direkten Kontakt mit Leh-
renden aufzunehmen und Vorort-Kurse zu besuchen. Sie sind ständig umgeben von Kommilitonen und
14 In einigen FeU-Fernstudiengängen sind auch weitere und längere Präsenzen vorgesehen
6 Resümee
Seite 10
akademischen Personal, das Hilfestellung geben kann. Sie haben zudem direkten Zugang zu Bibliotheken
und Rechenzentren, die das Lernen und Recherchieren unterstützen.
Die Auswertung des vorliegenden Materials der Fernuniversität und der Studiengänge kann nicht ein-
deutig belegen, dass sich das Fernstudium eher für ,,vorgebildete" Akademiker denn für ein grundständi-
ges Studium eignet. Studierende, die Engagement und Motivation aufbringen, sich in die wissenschaftli-
chen Methoden selbst einzuarbeiten, eignen sich selbstverständlich auch die grundständigen Studienange-
bote. Fehlen aber Interesse und Motivation im nötigen Maße, steht der Abbruch wahrscheinlich näher als
an einer Präsenzuniversität, wo die Kommilitonen a) helfen können und b) als Kontakt und ggf. Freund
direkt zur Verfügung stehen. Zugleich fordern die Studienordnungen der Hochschulen die Eigeninitiative
und den Einsatz der Studierenden auch über die reine Vorlesungszeit hinaus. Die These kann daher in
dieser Form nicht aufrecht erhalten werden, sie muss vielmehr neu formuliert werden: Das Fernstudium
eignet sich aufgrund fehlender vorbereitender Angebote eher für akademisch vorgebildete Studienanfän-
ger oder -umsteiger, es setzt eine intensive Beschäftigung mit dem Themenfeld ,,wissenschaftliches Ar-
beiten" voraus. Diese Beschäftigung muss tiefergehender sein als die von Studierenden an Präsenzuniver-
sitäten.
Der Vergleich des Studienangebots der Fernuniversität und der Carl-von-Ossietzky-Universität hat da-
gegen ergeben, dass das erfolgreich abgeschlossene Studium an der Fernuniversität dem Studium an einer
Präsenzuniversität gleichwertig ist. Die Dauer des Studiums in SWS ist nahezu identisch, Abweichung
sind im zu vernachlässigenden Bereich von 4 SWS. Die Inhalte der Pflichtfächer sind ähnlich, unterschei-
den sich lediglich in der Ausrichtung des Gesamtstudienganges. In den Wahlfächern bieten beide Univer-
sitäten ähnliche bis identische Fächer an, darunter auch nicht direkt mit der Wirtschaft verbundene The-
men wie Psychologie und Soziologie.
Die Prüfungsleistungen, die von beiden Hochschulen zum Abschluss gefordert werden, gleichen sich
ebenfalls. Damit kann gesagt werden, dass die Ausbildung an der Fernuniversität einem Präsenzstudium
gleichwertig ist und zu einem berufsqualifizierenden Abschluss führt. Somit kann ein Fernstudium aus
diesem Aspekt heraus empfohlen werden.
Die ausgewählten Studiengänge sind seit längerer Zeit etabliert und eingerichtet. Sie entsprechen in ih-
rer Grundstruktur weiteren volkswirtschaftlichen bzw. wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen in
der Bundesrepublik. Die geforderte SWS-Zahl entspricht in beiden Fällen dem Durchschnitt an Universi-
täten, der Inhalt ebenfalls. Damit ordnet sich das Fernstudium in Hagen in den ,,normalen" Betrieb an
den Präsenzuniversitäten ein. Trotzdem sollte an der Fernuniversität ein erweitertes Vorbereitungsange-
bot auf wissenschaftliches Arbeiten entwickelt werden, die auch nicht akademisch vorgebildete Studien-
anfänger auf ein erfolgreiches Studium vorbereitet.
6 Resümee
Seite 11
Literaturverzeichnis
Asendorpf, Dirk: Die virtuelle Magd, in: Die Zeit 27, Seite 67ff, Hamburg, 2001
Miener, Frank: Studium ohne Kuschelfaktor, in: Econtec , Seite 9, Bremen, 2002
o.V.: Anlage zur DPO, Seite 6, Oldenburg, Universität Oldenburg, 2001
o.V.: Anlage zur DPO, Seite 2, Oldenburg, Universität Oldenburg, 2001
o.V.: Die FernUniversität - Gesamthochschule in Nordrhein-Westfalen, Seite 4,
Hagen, Eigenverlag, 2001
o.V.: DPO der FeU für den integrierten Studiengang Wirtschaftswissenschaften,
§12, Hagen, 1997
o.V.: Informationen zur Fernuniversität Heft 3, Seite 35, Hagen, Eigenverlag, 2002
o.V.: Informationen zur Fernuniversität Heft 3, Seite 34, Hagen, Eigenverlag, 2002
o.V.: Informationen zur Fernuniversität Heft 3, , Hagen, 2002
o.V.: VOBS - Vorkurse, Orientierungsphasen, Brückenkurse, Seite , Hagen,
Eigenverlag, 2001
Simonis, Georg; Rolf, Christoph: Studium und Arbeitstechnik der
Politikwissenschaft, Kurs 1 und 2, Hagen, 1993
Tabellen
Tabelle 1: Lehrmethoden der Universitäten auf Basis der Selbstdarstellung der
Universitäten, der Diplomprüfungsordnung und dem Internetangebot
2
5
Tabelle 2: Grundstudium im Vergleich.
6
Tabelle 3: Fächer im Grundstudium bis zum Vordiplom, subsummiert als
Fachbereich (z.B. BWL) in SWS
7
Tabelle 4: Fächer des Hauptstudiums in SWS über die Dauer des Hauptstudiums
8
Tabelle 5: Prüfungsformen laut DPO der jeweiligen Studiengänge
8
6 Resümee
Seite 12
Anhang
I. FeU-Studienplan für das Hauptstudium
Unterschiedliche Inhalte und Dauer für die einzelnen Abschlüsse sind angegeben [FeU 2001: 34].
II. Wahlpflichtfächer FeU Hagen
Angabe nach Informationsheft 3 der FeU auf Stand der DPO von 1997 [FeU 2001: 35]
(3) Wahlpflichtfächer:
a) Bankbetriebslehre (12 SWS)
j) Personalführung und Organisation (12 SWS)
b) Marketing (12 SWS)
k) Unternehmensrecht (12 SWS l)
c) Produktionswirtschaft (12 SWS)
l) Statistik (12 SWS)
d) Organisation und Planung (12 SWS)
m) Ökonometrie (12 SWS)
e) Betriebliches Steuerwesen (12 SWS)
n) Geld und Kredit (12 SWS)
f) Operations Research (12 SWS)
o) Finanzwissenschaft (12 SWS)
g) Betriebliches Bildungswesen (12 SWS)
p) Umweltökonomie (12 SWS)
h) Personalwirtschaft (12 SWS)
q) Psychologie (12 SWS)
i) Wirtschaftsinformatik (12 SWS)
r) Philosophie (12 SWS)
6 Resümee
Seite 13
III. Wahlpflichfächer der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg
Alle Angaben aus dem Anhang zur DPO [Uni Oldenburg 2002: 6].
2.1 Bereich Volkswirtschaftslehre und Statistik:
a) Statistik
b) Empirische Wirtschaftsforschung/Ökonometrie
c) Ressourcen- und Umweltökonomik
d) Mikroökonomik
e) Makroökonomik
f) Finanzwissenschaft
g) Internationale Wirtschaftsbeziehungen
2.2 Bereich der Betriebswirtschaftslehre:
a) Marketing
b) Produktionswirtschaft
c) Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre
d) Personalwirtschaftslehre
e) Organisation
f) Rechnungswesen (einschließlich Controlling und Treuhandwesen)
g) Entscheidungstheorie
h) Öffentliches Management
i) Unternehmensführung
j) Betriebliche Umweltpolitik
2.3 Sonstige Wahlpflichtfächer
a) Arbeits- und Betriebspädagogik
b) Politische Ökonomie und Geschichte der^ökonomischen Theorie
c) Psychologie
d) Soziologie
e) Politikwissenschaft
f) Arbeitsrecht
g) Bürgerliches Recht, Handels- und Wirtschaftsrecht
h) Öffentliches Recht
i) Steuerlehre und Steuerrecht
j) Europarecht
k) Frauen- und Geschlechterforschung
l) Informatik
m) Europäische Rechtskulturen (nur für Studierende der Carl von Ossietzky Universität Olden-
burg im
Rahmen des Kooperationsabkommens mit der Universität Le Havre)
IV. Diplomprüfungsordnung für den Studiengang Wirtschaftswissenschaft
an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg
V. Diplomprüfungsordnung für den integrierten Studiengang
Wirtschaftswissenschaften an der Fernuniversität Hagen
6 Resümee
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