Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung. 1
1.1 Fragestellung 1
1.2 Aufbau der Arbeit und Begründung der Fallauswahl. 1
1.3 Einige Fakten und Kennzahlen. 2
2. Theorie. 4
2.1 Die erste Dilemmafrage: Was bedeutet Entwicklung in Nepal 4
2.2 Interdependenztheorie 5
2.3 Entwicklungstheorie 6
2.4 Wie initiiert man Entwicklung? Die DEZA-Strategie als Antwort auf die zweite
Dilemmafrage 7
3. Schlussfolgerungen und Interpretationen 9
4. Literaturverzeichnis 11
Tabellenverzeichnis :
Tabelle 1: Kennzahlen- und Faktenvergleich Nepal -Schweiz: 3
Tabelle 2: Entwicklungszusammenarbeit des Bundes in Nepal: Schwerpunkte und Aufwand: 8
1. Einleitung
Durch den Globalisierungsprozess ist die Welt engmaschiger geworden. Die Medien projizieren uns das Leid in anderen Ländern in Bild und Ton direkt ins Wohnzimmer. Die modernen Transportmittel machen es möglich, in weniger als 24 Stunden selbst inmitten des Geschehens humanitärer Katastrophen zu gelangen. Was global passiert, macht uns zunehmends betroffen, Entwicklungsländer sind gar nicht so weit weg. Betroffenheit ist ein Motiv, in einem Land Entwicklungshilfe zu leisten, es sind aber noch andere Interessen mit der Hilfeleistung in Entwicklungsfragen verbunden. Diesen wird in dieser Arbeit, die im Rahmen des Proseminars für Internantionale Beziehungen des Instituts für Politikwissenschaft verfasst wurde, auf die Spur gegangen.
“Ziel der Entwicklungsarbeit und der humanitären Hilfe ist es, die Lebensbedingungen der Bevölkerungen in ärmeren Ländern zu verbessern...“, so der erste Satz der Zielsetzung im Leitbild der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) im eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (DEZA 1999: 1).
1.1 Fragestellung
Warum aber engagiert sich die Schweiz überhaupt bei der Entwicklung ärmerer Länder? Welches Interesse hat die Schweiz an den Lebensbedingungen in diesen Ländern? Durch welche Strategien werden die Zielsetzungen in der Entwicklungszusammenarbeit verfolgt?
Am Fallbeispiel Nepal analysiere ich die Entwicklungszusammenarbeit der Schweiz auf den Ebenen Interesse und Strategie aus entwicklungstheoretischer Perspektive und aus der Perspektive der Interdependenztheorie. Zum Zweck einer “ganzheitlichen““ Sichtweise wird keine Unterscheidung zwischen bi- und multilateraler Entwicklungszusammenarbeit vorgenommen. Es sollen aber zwei Dilemmas, die vor allem bei der Umsetzung von Entwicklungspolitik eine Rolle spielen, aufgezeigt werden. Nämlich: 1. Was bedeutet Entwicklung? Und: 2. Wie initiiert sie erfolgreich?
1.2 Aufbau der Arbeit und Begründung der Fallauswahl
Zur Klärung dieser Fragen wird zuerst unter Abschnitt 2.1 auf das erste Dilemma der Entwicklungszusammenarbeit am Beispiel Nepal eingegangen. Im Abschnitt 2.2 werden die Interdependenztheorie und im Abschnitt 2.3 die Entwicklungstheorien zur Klärung des Interesses an Entwicklungszusammenarbeit herangezogen. In Abschnitt 2.4 wird aufgezeigt, inwiefern die DEZA durch die Strategie, mit der die entwicklungspolitischen Ziele umgesetzt werden sollen, auf die zweite Dilemmafrage antwortet.
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Für die Wahl des Fallbeispiels Nepal waren zwei Gründe ausschlaggebend: Erstens ist Nepal ein Schwerpunktland der Schweizerischen Entwicklungszusammenarbeit: Die Schweiz engagiert sich seit über vierzig Jahren in diesem Himalayastaat. Zweitens habe ich dort in den Jahren 1996 während vier Wochen und 2001 während drei Wochen Bekanntschaft mit Land und Leuten gemacht und pflege ein paar persönliche Kontakte, soweit dies möglich ist.
Während meinen beiden Aufenthalten in Nepal habe ich mir oft die Frage gestellt, wie dort eine nachhaltige Entwicklung in Gang gesetzt werden könnte. Bei meiner ersten Reise sah ich in der Topographie Nepals die grösste Herausforderung für Entwicklungsanstrengungen. Bei meinem zweiten Aufenthalt stachen mir vor allem ökologische Probleme (Übernutzung des Waldes, Erosion, Wasserwirtschaft, Abfallentsorgung) ins Auge, die eine Entwicklung mit dem Etikett “nachhaltig“ gefährden.
Die neuesten Ereignisse rund um das Massaker am nepalesischen Königshof waren zwar kein Beweggrund für die Wahl dieses Falles, sie bieten aber eine Fülle an aktuellen Informationen über die innenpolitischen Verhältnisse dieses Landes und einen spannenden Interpretationsspielraum in bezug auf die Konsequenzen der künftigen Entwicklungszusammenarbeit mit Nepal. Im Schluss- und Interpretationsteil wird kurz darauf eingegangen.
1.3 Einige Fakten und Kennzahlen
Nepal ist ein Vielvölkerstaat, in dem verschiedene Religions- und Sprachgemeinschaften und ethnische Gruppen zusammenleben. Das Kastenwesen der dominanten indo-arischen Bevölkerung und die grossen sozialen Unterschiede (Stadt / Land, Gebildete / Ungebildete) schaffen aber ein Spannungspotential, welches die Harmonie zwischen den sozialen Gruppen gefährden könnte. In nord-südlicher Richtung kann Nepal topographisch in vier Zonen aufgeteilt werden: in den hohen Himalaja, wovon etwa die Hälfte vergletschert und nicht wirtschaftlich nutzbar ist und die steilen, tief eingeschnittenen fruchtbaren Flusstäler, in die Hügellandschaft vor der Hochgebirgszone und im Süden in die Tiefebene Terrai. Nepal grenzt an die beiden Länder China und Indien, wobei vor allem zum südlichen Nachbar Indien enge Beziehungen und grosse Abhängigkeiten bestehen. Nepal hatte seit der Staatsgründung 1768 bis 1951 rege Beziehungen mit dem besetzten Tibet und mit Indien. Damals kontrollierte Nepal einen grossen Teil des Handels auf der Seidenstrasse. Aber erst seit 1950 kann von einer Öffnung des Landes nach aussen gesprochen werden. Das heute offenkundige Mächteungleichgewicht zwischen Nepal und seinen Anliegerstaaten beeinflusst die nepalesische Aussenpolitik wesentlich .
Die verbotene maoistischen Communist-Party hat 1996 mit dem Ziel, eine Bauernrepublik zu errichten, den Bürgerkrieg ausgerufen. Seither destabilisieren in einigen Regionen des Landes Guerillagruppen die innenpolitische Lage. Der Staat hat mit Gewalt auf den Widerstand der unterprivilegierten Schichten reagiert. Bisher forderten die Auseinandersetzungen gemäss Helvetas mehr als 1'500 Menschenopfer (Brückenbauer 2001).
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Nepal zählt zu den am wenigsten entwickelten (LLDC) und ärmsten Ländern der Erde. Nach dem "Bericht über die menschliche Entwicklung" der Vereinten Nationen (UNDP 1997) rangiert Nepal gemessen an einem kombinierten Index von Lebenserwartung, Kindersterblichkeit und BSP pro Kopf an 154. Stelle von 175 gelisteten Staaten. Die Netto-Auszahlungen der offiziellen Entwicklungshilfe aus allen Quellen betrug 1985-1991 2’57 Mio. US$ (Zingel 1999: html).
Tabelle 1: Kennzahlen- und Faktenvergleich Nepal -Schweiz:
Quellen: Fischer Weltalmanach 2000, Meyers grosses Taschenlexikon, Schweizerisches Bundesamt für Raumplanung, Nepalnet 2001, Schweizerische Nationalbank, DEZA-Homepage 2001
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2. Theorie
Bevor näher auf die Motivation und das Interesse an Entwicklungszusammenarbeit am Beispiel Nepal eingegangen wird, soll zuerst erläutert werden, was Entwicklung für Nepal bedeutet. Entwicklung ist ein sehr abstraktes Wort, wenn man den Zustand dieses Landes nicht kennt. Die grössten Probleme sind offensichtlich, viele andere sind unterschwellig vorhanden. Tatsache ist, dass viele direkte und indirekte Zusammenhänge bestehen. Genausowenig wie Entwicklungsdefizite monokausale Ursachen haben, gibt es auch monokausale Lösungen.
2.1 Die erste Dilemmafrage: Was bedeutet ”Entwicklung” in Nepal
Wie aus Tabelle 1 hervorgeht, fehlt es in Nepal an vielem. Besonders stechen die infrastrukturellen Defizite ins Auge. Das Land ist in Anbetracht der vorhandenen Infrastruktur überbevölkert. Mit der grosszügigen Aufnahme tibetischer Flüchtlinge seit der Besetzung Tibets durch China, hat sich das Land eine noch grössere Last aufgetragen. Das tägliche Kalorienangebot von 1953 Kalorien pro Kopf ist knapp, und wenn man berücksichtigt, wie in Nepal gearbeitet und transportiert wird, nämlich grösstenteils durch eigene Körperkraft, ist Hunger eine reale Bedrohung für die ärmste Bevölkerung. Die späte Öffnung Nepals hat noch Auswirkungen, die berücksichtigt werden müssen: So musste Abfall zuerst als Problem erkannt werden - bevor Besucher aus anderen Ländern nach Nepal kamen, hatte Abfall keine Bedeutung - es gab schlicht keinen.
Was also bedeutet Entwicklung in diesem Staat? Handlungsbedarf besteht beinahe überall. Aber wo soll man beginnen? Allgemein kann zwischen einer sozioökonomischen Entwicklung, “it involves income, health, education, environmental quality, the use of technology, the nature of political system, and participation in the political system itself“ (Tisch/Wallace 1984: 8) und einer menschlichen Entwicklung, (erfasst Fähigkeiten und Fertigkeiten), unterschieden werden.
Unter all diesen Gesichtspunkten bedeutet Entwicklung in Nepal zuallererst, dass die Befriedigung elementarster Grundbedürfnisse menschlichen Lebens für die ärmste Bevölkerung gesichert werden muss und das Bewusstsein über die verschiedenen Probleme hergestellt werden muss, damit die Bevölkerung ihre Situation versteht. Die Vermittlung von Wissen ist enorm wichtig. Damit kann sich das Land am besten selber helfen und die dargebotene Hilfe sinnvoll einsetzen.
Besondere Anstrengungen im Umweltschutz und bei der Schärfung des Umweltbewusstseins machen sich für einen grossen Teil der Bevölkerung bezahlt. Dafür sprechen gute Gründe: Die nepalesische Bevölkerung heizt und kocht vorwiegend mit Holz, betreibt Landwirtschaft und ist darum auf ein funktionierendes Ökosystem angewiesen. Auch für Indien und Bangladesh spielt der Zustand der Natur in Nepal eine Rolle, deren Flüsse zum Teil mit aus Nepal abfliessendem Wasser gespiesen werden.
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2.2 Interdependenztheorie
Die Interdependenztheorie geht davon aus, dass gegenseitige Abhängigkeiten zwischen den Staaten dieser Erde bestehen. Durch den Globalisierungsprozess sind die Staaten näher zusammengerückt, und amit gewinnt auch die globale Dimension vieler entwicklungspolitischen Probleme und Herausforderungen an Bedeutung. In der internationalen Entwicklungszusammenarbeit sind aus diesem Grund viele
Interdependenzen auszumachen. Gegenseitige Abhängigkeiten müssen aber nicht symmetrisch, d.h. auf beiden Seiten gleichermassen stark ausgeprägt sein. Man misst die Abhängigkeit zweier Staaten voneinander, indem man beispielsweise jeden Akteur auf seine Empfindlichkeit und Verletzlichkeit auf das Verhalten des anderen Akteurs hin prüft.
Es wäre nun irreführend, Abhängigkeit als Grund für die Unterentwicklung anzusehen (vgl: Boeck Jahr:64f), denn auch die entwickelten Staaten sind von der Dritten Welt abhängig. Assymetrische Abhängigkeiten können aber ein Grund dafür sein, dass zwei Staaten verschiedene Entwicklungschancen und -perspektiven haben: “...less-developed countries (especially small ones) often suffer from the effects of ‘asymetrical interdependence’. On average, they are much more sensitive in there economic interdependence than are developed capitalist states” (Gill/Law 1988 :281).
Nepal seine Entwicklungsdefizite nicht aus eigener Kraft aufholen kann, das ist offensichtlich. Ohne fremde Hilfe würde sich wenig bis gar nichts verbessern, unter Umständen würde sich die Situation sogar verschlechtern. Insofern ist Nepals Abhängigkeit von anderen Staaten bei der Entwicklung sehr gross. Was lässt sich über die Abhängigkeit der Schweiz von den Ländern der Dritten Welt sagen und welchen Grund hat die Schweiz, mit Nepal in Entwicklungsfragen zusammenzuarbeiten? Zur Erschliessung neuer Märkte? Zur Aufrechterhaltung freundlicher staatlicher Beziehungen? Weil ein Interesse an einer Entwicklung der Länder der Dritten Welt in unserer Gesellschaftsethik verankert ist und Chancenungleichheit zum Handeln aufrüttelt? Oder ist es blosse Rechnerei, die aufzeigt, dass die Nutzen einer andersweitigen Verwendung der für Entwicklungszusammenarbeit vorgesehenen Ressourcen kleiner sind, als die Kosten eines damit einhergehenden Imageschadens der Schweiz in der Weltöffentlichkeit? Im Staatengefüge wird aufgrund des Solidaritätsgedankens zwischen den Staaten und der riesigen Diskrepanz zwischen dem Wohlstand der Schweiz und dem Wohlstand wenig entwickelter Länder eine Beteiligung und einen Beitrag von der Schweiz bei der Entwicklung der Dritten Welt erwartet. Insofern lastet ein moralischer Druck auf den wohlhabenderen Staaten, den weniger Wohlhabenden bei der Entwicklung unter die Arme zu greifen.
Um die Abhängigkeit der Schweiz von den Ländern der Dritten Welt zu prüfen, hilft ein Gedankenexperiment: Was wäre, wenn die Schweiz Entwicklungszusammenarbeit boykottieren würde? Die Schweiz würde international als ein nur auf Eigennutz bedachtes, unsolidarisches Land an den Pranger gestellt und hätte mit grosser Wahrscheinlichkeit wirtschaftlich boykottiert oder mit Boykott bedroht werden.
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Mit diesen Überlegungen ist aber noch keine Aussage über die spezifischen gegenseitigen Abhängigkeit der beiden Länder Schweiz und Nepal gemacht. Für beide Länder besteht theoretisch die Möglichkeit, auch mit anderen Partnern zusammenzuarbeiten. Für die Schweiz ist es verhandelbar, in welchem Land sie sich bei der Entwicklung beteiligt, nur ob die Schweiz bei der Entwicklung der Länder der Dritten Welt einen Beitrag leistet ist kaum verhandelbar. Für Nepal hingegen ist es kaum verhandelbar, von wem sie angebotene Hilfe annehmen soll, Hilfe wird überall dringend benötigt und sie abzulehnen kann sich das Land eigentlich nicht leisten. Nepals Abhängigkeit ist also existenzieller Art (Verletzlichkeit)und bezieht sich mehr auf die Resultate der Entwicklungszusammenarbeit während die Schweizer Abhängigkeit sich mehr auf das Engagement selbst bezieht (Empfindlichkeit). Insofern kann gesagt werden, dass das Abhängigkeitsverhältnis Nepal-Schweiz ungleichgewichtig ist und Nepal mehr von der Entwicklungszusammenarbeit mit der Schweiz abhängt, als umgekehrt.
Das Interesse der Schweiz an der Entwicklungszusammenarbeit basiert auf verschiedenen Säulen: Einerseits auf gesellschaftsethischen Werten, die besagen, dass Solidarität zwischen den Staaten dieser Erde gut ist, die Menschenrechte universell gelten und die entwickelten Staaten eine entwicklungspolitische Verantwortung tragen. Andererseits sind auch umwelt- und sicherheitspolitische, aber auch wirtschaftliche Interessen, sowie Imagegründe für ein Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit in der Schweiz ausschlaggebend.
2.3 Entwicklungstheorie
Seit Entwicklungszusammenarbeit auf internationaler Ebene (bilateral und multilateral) praktiziert wird, sind verschiedene Umorientierungen seitens der Akteure festzustellen. War man früher davon ausgegangen, dass eine rasche Entwicklung, wie sie die Erste Welt während der Industrialisierung erlebte, auch in den weniger entwickelten Ländern möglich sei, wenn man nur dieses und jenes tun würde, zeigt sich heute ein anderes Bild: Die Verschiedenheit der Entwicklungsländer macht Generalisierungen in bezug auf Problemlösungen schwierig. In den verschiedenen Ländern sind unterschiedliche Voraussetzungen für Entwicklung gegeben, die zum Teil nur berücksichtigt, aber nicht beeinflusst werden können, wie beispielsweise Topographie oder Klima. Der Entwicklungsprozess selber ist von vielen Faktoren beeinflusst. Eine Aufzählung all dieser ist hier wenig sinnvoll, aber einige Schlüsselfaktoren werden unter 2.4 aufgegriffen. Der Versuch, während den 1950er und 1960er Jahren die “Industrialisierungsrezepte“ der Ersten Welt in den Ländern der Dritten Welt anzuwenden, ist fehlgschlagen. In den 1960er und 1970er Jahren lenkten dann die Kritiker jener Praxis die Aufmerksamkeit auf die Strukturen des Weltmarkts, weil kein Schutz der Dritten Welt vor Ausbeutung durch die Industriestaaten vorgesehen und weil eine Beteiligung der weniger entwickelten Länder am Weltmarkt durch den Protektionismus der entwickelten Länder erschwert war. Dieser Perspektivenwechsel führt vor Augen, dass nicht nur innerstaatliche, sondern auch transnationale Faktoren für die Entwicklung relevant sind.
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Von einer stärkeren Partizipation am Welthandel würden positive Impulse auf die wirtschaftliche Entwicklung der Dritten Welt ausgehen, nur fehlt es diesen Staaten schlicht an den nötigen Ressourcen. Trotzdem die Probleme des Weltmarktzugangs und der Weltmarktbeteiligung seit über 30 Jahren bekannt sind, steht es um die relative Beteiligung der ärmsten Länder am Weltmarkt gar noch schlechter als früher, die Kluft zwischen reichen und armen, entwickelten und wenig entwickelten Ländern wird grösser. Die Situation lässt sich tragischerweise so beschreiben: “Die dritte Welt spielt im “Spiel“ des Welthandels nicht betrogen, sie spielt gar nicht mit“ (Ruloff 2001: 25).
Mit den öffentlichen Schulden lastet eine schwere Hypothek auf vielen Staaten der Dritten Welt. Das Problem der Verschuldung stellt diese Länder vor ein weiteres Entwicklungsdilemma, welches hier aber nicht tiefergehend behandelt wird. Wo sind die vorhandenen finanziellen Mittel am sinnvollsten einzusetzen? Mit der Abzahlung von Schulden würden auch die Aufwendungen für die Zinsen dieser Schulden kleiner und so längerfristig mehr Ressourcen für andere Investitionen frei. Andererseits besteht meist anderswo genug Handlungsbedarf und die Gelder werden für andere Zwecke gebraucht.
Ein zentraler Faktor für Entwicklungserfolg bzw. Nichterfolg ist “Good Governance“, also eine saubere Regierung und Verwaltung (ebd.). Wenn ein Staat politische Stabilität, Menschenrechte, Demokratie, Rechsstaatlichkeit, soziale Gerechtigkeit usw. auf seine Fahne geschrieben hat, und sich auch so verhält, erhöht dies seine Chancen, Direktinvestitionen anzuziehen, womit auf privater Basis Leistungen erbracht werden können, die auf staatlicher Basis eine Entwicklung für das Land darstellen. “Good Governance“ spielt auch beim Problem der Fungibilität von Entwicklungshilfe eine Rolle: Die Absichten, wo die Mittel der Entwicklungshilfe eingesetzt werden sollen, können zwischen Geber- und Empfängerländer divergieren. Ist seitens eines Geberlandes Entwicklungshilfe dafür gedacht, ein funktionierendes Schulwesen zu errichten, der Empfängerstaat aber verwendet die Mittel gegen die Abmachung für Rüstungsausgaben, verschlechtert dies die Chancen des Empfängerstaats, auf weitergehenden Entwicklungshilfeleistungen.
2.4 Wie initiiert man Entwicklung? Die DEZA-Strategie als Antwort auf die zweite Dilemmafrage Die DEZA formuliert in ihrem Leitbild ihre Vision, die Ziele, einen Rahmen, die Instrumente, grundlegende Werte der Entwicklungszusammenarbeit und den Auftrag, der durch das Bundesgesetzes über die internationale Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe vom 19. 3. 1976 und den Bundesbeschluss vom 24. 3. 1995 über die Zusammenarbeit mit den Staaten Osteuropas definiert ist. Ihre Organisation und ihre Politik richtet sich nach diesem Leitbild. Bei der Umsetzung der Entwicklungszusammenarbeit geht die DEZA nach ihrer auf dem Leitbild begründeten Strategie 2010 vor, welche fünf wichtige Schlüsselfaktoren von Entwicklung tangiert.
Im Leitbild hält die DEZA fest, dass sie einen Beitrag bei der Lösung globaler Zukunftsaufgaben leisten will, damit “Frauen, Männer und Kinder in Frieden, Sicherheit, Gerechtigkeit und Wohlergehen leben können, auch künftige Generationen über ausreichende Ressourcen für ihre Entwicklung verfügen und sich die
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Schweiz weltoffen, grosszügig und solidarisch verhält (DEZA 1999: 4).” In ihrer Strategie 2010 wird diese Vision auf die Formel “nachhaltig, zukunftsgerichtet, partnerschaftlich und wirkungsorientiert” heruntergebrochen. Was bedeutet das für die Gestaltung der Entwicklungszusammenarbeit? Die DEZA bietet ihre Zusammenarbeit nicht bedingungslos an. Das Engagement ist befristet, themenbezogen und richtet sich nach expliziten Zielen. Wie im Wort Entwicklungszusammenarbeit schon impliziert ist, arbeitet die DEZA mit Partnern zusammen. Nichtkooperation wird sanktioniert, wobei die Leistung humanitärer Hilfe von dieser Bedingung ausgenommen ist. Der Komplexität der Probleme und Herausforderungen wäre diese Organisation alleine nicht gewachsen. Durch Allianzen werden aber die Erfolgschancen erhöht, da koordiniert und synergiennutzend gearbeitet werden kann. "Die DEZA fokussiert ihre Aktivitäten auf die fünf thematischen Schwerpunkten: Krisenprävention undbewältigung, gute Regierungsführung, Einkommensförderung und Beschäftigung, Erhöhung der sozialen Gerechtigkeit nachhaltige Nutzung“ (DEZA 2000: 10). Innerhalb dieser Themenbereiche verfolgt die DEZA konkrete Entwicklungsprojekte und legt dabei besonderen Wert auf die Förderung von Frauen und den Zugang zu Wissen. Um möglichst grosse Wirkungen zu erzielen, arbeitet sie mit Strukturen und Prozessen, die Anreize zur Kreativität und zum Abbau bürokratischer Abläufe und Einstellung bieten. Der Schweiz werden bei der Umsetzung ihrer Entwicklungsstrategien seitens der OECD gute Noten gegeben: "Swiss co-operation has incorporated the question of good governance and human rigths in all its activities, both at the policy and operational level“ (OECD: II-33). In Nepal richtet sich das Engagement der DEZA vor allem auf den Aufbau einer funktionierenden Verkehrsinfrastruktur, auf die Bildung und den nachhaltigen Umgang mit der Umwelt.
Tabelle 2: Entwicklungszusammenarbeit des Bundes in Nepal: Schwerpunkte und Aufwand:
Quellen: DEZA-Homepage, OECD 2000
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3. Schlussfolgerungen und Interpretationen
Die Schweiz leistet einen nicht unwesentlichen Beitrag in der internationalen Entwicklung. Trotzdem hat die Schweiz das Entwicklungsvertragswerk der Vereinten Nationen, nach dem 0,7% des Bruttosozialprodukts für Entwicklungshilfe aufgewendet werden sollten, nie unterzeichnet. Im Jahre 1999 betrugen alle Aufwendungen für Entwicklungshilfe 997 Mio. US$ (OECD 2000: II-27). Im Jahre 2015 soll durch eine sukzessive Erhöhung der Beiträge die gesamten Aufwendungen der öffentlichen
Entwicklungszusammenarbeit 0,4% des Bruttosozialprodukts betragen (DEZA 2000: 18). Die Schweiz verfolgt Entwicklungsanstrengungen zum eigenen Nutzen, aber auch aus dem Solidaritätsgedanken. Präambeln von Abkommen mit Ländern der Dritten Welt zur Förderung und zum gegenseitigen Schutz von Investitionen zeigen auf, dass mit der guten Absicht auf beiden Seiten auch Eigennutz verbunden ist (vgl. Systematische Sammlung des Bundesrechts / Landesrecht).
Solidarität wird von der Schweiz gross geschrieben. Die Bevorzugung der ärmsten Ländern dieser Welt ist Ausdruck davon, dass die Schweiz ihre Entwicklungsziele nach normativen Werten wie Chancengleichheit richtet. Aber auch nach Selbstverantwortung, so dass sehr grossen Wert auf die Selbsthilfe gelegt wird. "Hand bieten zur Selbsthilfe" lautet die Devise.
Das Engagement der Schweiz in Nepal ist unter dem Gesichtspunkt komparativer Vorteile sinnvoll. Von Nepal sagen seine Bewohner, es sei die Schweiz Asiens und denken dabei vor allem an die Schweizer Alpen. Der Vergleich ist gar nicht so schlecht, bezieht man noch andere Eigenschaften mit ein. Nepal, wie auch die Schweiz sind Wasserschlösser auf ihrem Kontinenten. Beide Länder sind kulturelle Schmelztiegel, wobei die Kulturvielfalt auch auf Migration zurückgeht. Und man darf nicht vergessen: Die Schweiz war noch vor hundert Jahren selber ein wenig entwickeltes Land, verglichen mit ihren Nachbarn. Wegen einer gewissen Vergleichbarkeit auf den Ebenen Topographie, Kultur- und Sprachvielfalt kann Nepal in vielen Bereichen vom Know-how der Schweiz profitieren, wie beispielsweise im Strassenbau, wo im gebirgigen Gelände andere Anforderungen gestellt werden als im Flachland.
Die jüngsten Ereignisse im Königreich Nepal sind alles andere als erfreulich. Die nepalesische Bevölkerung hat mit dem Massaker, bei dem beinahe die ganze Königsfamilie von einem Prinzen erschossen wurde, wichtige nationale Repäsentanzpersonen verloren. Das wirft auch einen Schatten auf die Entwicklungszusammenarbeit.
What about Good Governance? Die innenpolitischen Verhältnisse waren schon vorher alles andere als stabil. Der Regierung wird Korruption vorgeworfen und gewisse Teile des Landes waren schon vorher nicht mehr unter der Kontrolle der öffentlichen Verwaltung, sondern sind Einflussgebiet der maoistischen Guerilla. Aber
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der neue Thronfolger ist nicht sehr beliebt im Volk. Es ist fraglich, ob die tiefen Gräben in der nepalesischen Bevölkerung, die auch eine mitverursachende Rolle bei den gewaltsamen Eskalationen in den Provinzen gespielt haben, zugeschüttet werden können.
Nepal hat heute gute und freche Medien, die in guterschlossenen Gegenden auch eine Öffentlichkeit herzustellen und Bedürfnisse und Probleme zu artikulieren vermögen. Allerdings bewirkt die hohe Analphabetenrate, dass ein Teil der Bevölkerung von dieser Öffentlichkeit ausgeschlossen bleibt. Weitere Initiativen, die darauf abzielen, auch diese unterprivilegierten Schichten zu erfassen, sind notwendig, weil aus normativer Hinsicht die ganze Bevölkerung im Entwicklungsprozess involviert sein soll. Ebenso hätten weitere Anstrengungen im Demokratisierungsprozess positive Auswirkungen auf die Wahrnehmung einer gewissen Selbstverantwortung in der Bevölkerung.
Was Nepal bräuchte, ist eine starke nationale Integrationsfigur, die den Willen zur Armutsbekämpfung und zur infrastrukturellen Entwicklung bis ins Bewusstsein der Bewohner Nepals hineintragen kann. Sie müsste zwischen Organisationen, mit denen das Land Entwicklungskooperationen eingeht, der Bevölkerung und den verschiedenen Bevölkerungssegmenten vermitteln und in internationalen Arenen auf die Situation Nepals aufmerksam machen können. Wenn alle an einem Strick ziehen, bewegt sich das Land bestimmt schneller vorwärts.
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4. Literaturverzeichnis
Boeckh, Andreas: Dependencia und kapitalistisches Weltsystem. In: Nuscheler, Franz (Hrsg.): Dritte Welt-Forschung. Sonderheft 17 der Politischen Vierteljahresschrift. Opladen 1985, S.57-69.
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Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA): Strategie 2010 der der DEZA. Bern 2000. Heruntergeladen aus dem World Wide Web unter:
http://194.230.65.134/dezaweb2/root/Publications/Entwicklungspolitik_und_Multilaterale_Zusamm enarbeit/Publikationen/D_Strategie_2010.pdf (Stand 20. Juni 2001).
Gill, Stephens / Law, David: The Global Political Economy: Perspectives, Problems and Politics. Baltimore 1988, S. 280-301.
o. A: Den Ball zuspielen. In: Der Brückenbauer, die Wochenzeitschrift der Migros, Zürich, Ausg vom 03. 01. 2001.
OECD: Switzerland. In: DAC - Development Co-operation Review, Preprint of the DAC Journal, Ausg.1, Heftnr. 4, o. O. 2000. Heruntergeladen aus dem World Wide Web unter: http://www.seco-admin.ch/seco/seco2.nsf/Atts/ET_Home_DACBericht/$file/e_CAD.pdf
Ruloff, Dieter: Entwicklungszusammenarbeit: Auszug aus einem Manuskript, Zürich 2001, S. 21-44.
Schweizerische Nationalbank: Zahlungsbilanz der Schweiz 1998. Bern 1999. Heruntergeladen aus dem World Wide Web unter:
http://www.snb.ch/d/download/zbilanz/Zahlungsbilanz_98_d.pdf (Stand 20. Juni 2001).
Schweizerisches Bundesamt für Raumplanung: Verkehrsnetz und beanspruchte Flächen. Bern 2000. Heruntergeladen aus dem World Wide Web unter:
http://www.admin.ch/brp/deutsch/themen/sachgebiete/verkehr1.html (Stand: 20. Juni 2001).
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UNDP: Bericht über die menschliche Entwicklung (Human Development Report). Bonn 1999.
Zingel, Wolfgang-Peter: Nepal - Wirtschaft. Heidelberg 1990. Heruntergeladen aus dem World Wide Web unter:
http://www.sai.uni-heidelberg.de/intwep/zingel/nepal-wi.htm (Stand 20.Juni 2001).
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Verwendete Nachschlagewerke:
Meyers grosses Taschenlexikon.
Fischers Weltalmanach 2000
Systematische Rechstsammlung des Bundes
Weiterführende Links:
http://www.helvetas.ch
http://www.admin.ch
http://www.oecd.org
http://www.un.org.
http://www.panasia.org.sg/nepalnet.
http://www.deza.ch
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Arbeit zitieren:
lic. phil Mathias Grimm, 2001, Entwicklungszusammenarbeit der Schweiz mit Nepal, München, GRIN Verlag GmbH
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