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1. Einführung
Wenn wir fremde Gespräche beobachten, beginnen wir das Gespräch zunächst immer mit Rückgriff auf eigene Gesprächserfahrungen zu analysieren. In vielen fällen können daher Gesprächsanalysen nur als mögliche Interpretationen verstanden werden, die sich höchstens durch ähnliche Analysen anderer Personen festigen lassen.
Es gibt viele verschiedene Ansätze wie man eine Analyse verfassen kann, was man in ihr berücksichtigt und was für welche Art von Analyse am besten ist. Ich habe mich auf die Erklärungen von Angelika Linke gestützt und werde anhand von Henne und Rehbock die Entstehungsweise einer ausführlichen Notation versuchen zu verdeutlichen
2. Umsetzung einer Tonbandaufzeichnung ohne Vorkenntnisse
Zu Beginn meines Referates habe ich meine Kommilitonen eine eigene Notation anfertigen lassen um ein gewisses Verständnis dafür zu erreichen, was eine Notation aus macht. Hierzu habe ich ihnen einen Gesprächsausschnitt aus dem Film „Reine Nervensache“ mehrmals vorgespielt und sie gebeten alle Auffälligkeiten zu notieren. Die Ergebnisse haben wir dann zum Schluss auf einer Folie zusammengetragen (siehe S. 2a); wir haben also unsere eigene kleine Notation zusammengestellt, zwar noch sehr lückenhaft und unübersichtlich, aber ich denke, dass das Grundverständnis für das was eine Notation überhaupt ist vermittelt werden konnte.
3. Gesprächsnotation nach Linke 3.1 Die Notation von Gesprächen
Um ein aufgezeichnetes Gespräch überhaupt analysieren zu können, muss die gesprochene Sprache in schriftlicher Form aufbereitet werden, dies nennt man Transkription. Dabei wird Umgangssprache sowie eine dialektale Färbung der Sprache so wiedergegeben wie sie gesprochen wird, z.B.:
o Lass mal, is nich so schlimm, das ham wir doch gleich wieder!
o Gell, des isch richtig?
Wichtig ist auch, dass Pausen und Parallelsprechphasen (Überlappungen beim Sprechwechsel, Unterbrechungsversuche...) deutlich kenntlich gemacht werden.
Je nach Analyseinteresse können z.B. paraverbale Ereignisse (Wiedergabe des Tonhöhenverlaufs, Signalisierung der Akzentuierung und/oder des Sprechtempos) die Transkription ergänzen.
Die üblichste Form der Transkription ist die sogenannte Partitur-Schreibweise, die in Anlehnung an die Notenschrift entstanden ist. So können bei der Notation von Gesprächen Kommunikationsereignisse die gleichzeitig ablaufen, in untereinander angeordneten Zeilen, parallel gelesen werden. Hierbei findet sich dann auch in den Zeilen darüber oder darunter Platz für Einträge zum nonverbalem Verhalten, oder auch für Kommentare des Beobachters. Hierzu gehe ich später auf die „Einführung in die Gesprächsanalyse“ von Henne und Rehbock ein. 3.2 Wirkung einzelner Gesprächsbeiträge aufeinander: Initiierung vs. Respondierung
Man unterscheidet grundsätzlich initiierende von respondierenden Akten. Initiierende Akte verpflichten Gesprächsteilnehmer zu einer Reaktion. Ein initiierender Akt wäre z.B. die Stellung einer Frage. Selbst wenn mein Gesprächspartner die Antwort nicht weiß, reagiert er in irgend einer Form, z.B. mit einer Gegenfrage. Henne und Rehbock sprechen in ihrem Buch
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nicht von Initiierung sondern von Determinierung, da sich der Gesprächsbeitrag mehr oder weniger determinierend auf den folgenden Beitrag auswirkt. Der Gesprächsakt, der durch die Initiierung ausgelöst wird, nennt man Respondierung. In den meisten Fällen sind Respondierungen wieder an Initiierungen gebunden: Frage → Gegenfrage → Antwort Susi: „Hast du heute schon gebadet?“ = Initiierung Tom: „Wieso, stinke ich?“ = Respondierung & Initiierung Susi: „Nein, aber ich wollte gleich Baden gehen.“ = Respondierung
Meist wird schon durch den Gesprächstyp das Recht bzw. die Verpflichtung vergeben initiierende oder rein respondierende Gesprächsbeiträge zu liefern. Ein Beispiel dafür ist die Aufnahme einer Krankengeschichte oder die Diagnose verschiedener Krankheiten beim Arzt. Hier sind die Beiträge des Arztes vorwiegend initiierend.
Auch lässt sich feststellen das Gesprächsteilnehmer die sich ausschließlich respondierend verhalten, also nur auf Fragen Antworten, von uns als schlechte Gesprächspartner empfunden werden.
Bei einer Analyse ist es manchmal also gar nicht so einfach festzustellen ob ein Gesprächsbeitrag ausschließlich respondierend oder vielleicht doch noch eine initiierende Wirkung hat.
3.3 Zusammengehörigkeit von Gesprächsbeiträgen
Der kaum trennbare Zusammenhang mancher respondierenden von initiierenden Gesprächsakten wird anhand der nächsten Beispiele deutlich:
o Frage → Antwort
o Kompliment → Reaktion auf Kompliment (Dank/Herunterspielen/Zurückweisung)
o Gruß → Gegengruß
o Vorwurf → Reaktion auf Vorwurf (Rechtfertigung/Entschuldigung/Wutausbruch)
o Vorschlag → Annahme oder eigenen Vorschlag entgegnen
Es gibt also eine ganze Reihe von Initiierungs-Respondierungs-Paaren die dem angesprochenen Gesprächsteilnehmer nur noch eine eingeschränkte Wahl bezüglich der Respondierung lassen. Auf ein solches Paar mit einer falschen Respondierung oder gar nicht zu Antworten, kommt einer schweren Verletzung der Konversationsmaxime gleich. Tom: „Wie geht es dir?“
Susi: „Ich hab Hunger, lass uns etwas essen gehen.“
Wärt ihr an Toms Stelle, wie würdet ihr euch fühlen? Ihr würdet bestimmt denken Susi hat irgend ein Problem über das sie nicht reden kann, oder sie ist sauer auf mich und hält das Gespräch so kurz wie möglich. Dies zeigt nur das wir alle die Konversationsmaxime in uns tragen. Bei jedem Gespräch was wir führen durchlaufen wir unbemerkt ein Raster und alles was aus diesem Raster fällt wird dann als anormal, komisch empfunden.
Bei manchen dieser Initiierungs-Respondierungs-Paaren ist die „Paarigkeit“ auf ein Paar begrenzt, z.B. bei Gruß und Gegengruß. Wobei die Paarigkeit auch mehrere sich überschnei- dende Paare involvieren kann wie z.B.:
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Kompliment → Herunterspielen → Nachdoppelung des Kompliments
Tom: „Du hast heute aber ein schönes Kleid an.“ Susi: „Ach, so toll sieht es gar nicht aus.“ Tom: „Wirklich Susi in diesem Kleid siehst du umwerfend aus.“
3.4 Differenzierung der Responsivität
In einem Gespräch Verpflichtet sich also der Gesprächsteilnehmer auf einen initiierenden Beitrag seines Vorredners zu reagieren (zur Respondierung).
Linke gibt nun ein Beispiel von Schwitalla, der die Respondierung als funktionale Katergorie und die Responsivität als inhaltliche Kategorie unterscheidet. Innerhalb der Responsivität nimmt Schwitalla folgende Differenzierung vor:
o Responsivität (wenn sowohl die Intention als auch der Inhalt des initiierenden Zuges berücksichtigt ist)
o Teilresponsivität (wenn nur ein Teil des Inhalts berücksichtigt wird)
o Nonresponsivität (wenn weder Inhalt noch Intention berücksichtigt werden) Das oben angesprochene Problem ist häufig in Talkshows oder in politischen Diskussionen zu beobachten. Hier täuscht ein Gesprächspartner eine responsive Äußerung nonverbal, also durch Zuwendung zum Gesprächspartner, oder auch sprachlich (Dazu möchte ich etwas sagen...) vor, ohne dann das eigentliche Thema in seinem Gesprächsbeitrag zu berücksichtigen. 3.5 Vernetzung einzelner Teiltexte
Manche Fragestellungen und Perspektiven die aus der Textlinguistik kommen lassen sich durchaus auch auf die Gesprächsanalyse beziehen. Linke nennt hier das Beispiel der Wechselbeziehung zwischen Sprecher und Hörer, die verschiedenen Gesprächsbeiträge können nämlich auch unter dem Gesichtspunkt der Vertextung untersucht werden. So kann man feststellen, dass die Gesprächsteilnehmer sich mit Hilfe von Hörerrückmeldungen, bzw. durch eigene Gesprächsbeiträge eine enge Bindung zum Vorredner aufbauen. Aus der Sicht der Textlinguistik werden mit der Hilfe von Kohäsionsmitteln die Grenzen zwischen den einzelnen Gesprächsbeiträgen überbrückt. Der nachfolgende Sprecher kann:
o eine angefangene syntaktische Konstruktion des Vorredners oder der Vorrednerin beenden (S: ...nee, wo wir da in Griechenland waren/ - T: ja, ja, da hatten wir nicht so viele Mücken.) oder
o sich mit einer eigenen Äußerung an eine zu Ende geführte Konstruktion elliptisch anschließen (S: ...nee, das lass ich mir von dem aber nicht gefallen/ - T: würde ich auch nicht, eher würde ich zurück schlagen...),
o die abschließende syntaktische Konstruktion des soeben beendeten Gesprächsbeitrags durch einen geeigneten konjunktionalen Anschluss aufgreifen und erweitern (S: ...nee, so etwas lasse ich mir nicht vorwerfen! - T: Man hat sich ja auch die größte Mühe gemacht und wollte immer nur das Beste, nicht wahr?) oder
o Teilkonstruktionen oder einzelne Zentrale Worte oder Wendungen aus dem vorhergehenden Gesprächsbeitrag aufgreifen und in seinem eigenen Beitrag wieder verwenden (S: ...nee, Tante Erna wird immer älter! - T: Tja, älter wird sie wirklich, aber ihr But- terkuchen schmeckt noch genauso wie früher.)
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Diese oben gezeigten sprachlichen Verknüpfungen von benachbarten Gesprächsbeiträgen führen mit zur Vernetzung der einzelnen „Teiltexte“, was den Eindruck eines gemeinsamen, kohärenten Endprodukts verstärkt.
Diese Gespräche haben für uns Anzeichen relativ hoher Responsivität, was dann gleichgesetzt wird mit einem kooperativen Gesprächsverhalten.
4. Gesprächsnotation nach Henne und Rehbock 4.1 Das Selektieren von Notationsdaten
Um überlappende, gleichzeitig geäußerte, schlecht artikulierte und durch die Medienqualität beeinflusste Gespräche zu analysieren bedarf es oft eines mehrfach Abhörens des Mediums. Als Beispiel hierfür wird Wagner genannt, der durchschnittlich 34 Stunden zur Notation einer Stunde Tonbandaufzeichnung braucht. Die Freiburger Arbeitsstelle benötigt für exaktere Ergebnisse einer Stunde Tonbandaufnahme schon 50-100 Arbeitsstunden, während je nach Genauigkeit der Analyse für eine Videoaufzeichnung von einer Stunde 200-400 Arbeitsstunden benötigt werden.
Es gibt also drei gute Gründe eine Notation schriftlich zu machen:
1. Die Untersuchung brauch eine verlässliche Materialbasis. Für eine Gesprächsanalyse ist der notierte Text also der eigentliche Korpus.
2. Die schriftliche Notation macht das Gespräch überschaubarer, da man aufeinander folgende Gesprächsbeiträge gleichzeitig vor Augen hat, sie also auch gleichzeitig untersuchen kann.
3. Auch sollen die simultan sprachlichen von den nicht-sprachlichen Zeichen getrennt werden, da sie so leichter der Analyse zugänglich gemacht werden können. Ein Problem dabei ist, je mehr Daten eines Notats analysiert werden, um so höher ist die Fehlerwahrscheinlichkeit in der Gesprächsanalyse. Es muss also überprüft werden, welche Daten für eine Analyse irrelevant sind und in wie weit Daten berücksichtigt werden müssen. Z.B. sollte entschieden werden, ob Sprechpausen notiert werden oder ob nur Pausen mit einer Mindestlänge berücksichtigt werden. 4.2 Datentypen in Gesprächsnotaten
Es ist eigentlich nicht möglich eine Vorlage mit Fragen zu erstellen, die alle denkbaren Situationen berücksichtigt und als Korpus für alle Analysen einzusetzen währe. Denn vor allem die sozialen, individuellen und situativen Variablen sind so verschieden und zahlreich, dass die fast unendliche Menge an Kombinationsmöglichkeiten der Fragen eine solche Vorlage nicht gestattet.
Natürlich lässt sich aber eine generelle Aussage darüber treffen, welche Datentypen bei einer maximal informativen Gesprächsanalyse notiert werden müssten. Siehe Schaubild S.5a-c 4.3 Minimalanforderungen Für die Notation akustischer Aufzeichnungen:
Notation aller verbalen und tonalen Zeichen in literarischer Umschrift;
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Notation der Hauptbetonungen, rhythmisch-intonatorischen Markierungen (Kadenzen), Pausen, Dehnungen und Wortabbrüche; Kennzeichnung der Lautstärke und des Sprechtempos;
Bezeichnung nicht-sprachlicher hörbarer Äußerungen (Lachen, Husten, Schmatzen etc.);
Selektiver Kommentar zum expressiven Gehalt des vokalen Verhaltens (sprachbegleitende Stimmgebung, nicht-sprachliche vokale Äußerungen wie Lachen, Stöhnen); Kommentar zur lexikalischen und referentiellen Bedeutung erklärungsbedürftiger verbaler und tonaler Zeichen sowie zur pragmatischen Bedeutung von Äußerungen, die nicht aus sich und dem sprachlichem Kontext verständlich sind; Bezeichnung der Sprecher; Visualisierung der Abfolge und Verschränkung der Gesprächsschritte;
Angabe nicht personengebundener hörbarer Ereignisse und Tätigkeiten, soweit sie wichtig erscheinen.
Für die Notation visueller Daten kommen folgende Punkte hinzu: Notation der Körper-, Kopf- und Blickzuwendung der Sprecher; Stichwortartige Beschreibung gesprächsrelevanter gestischer Zeichen (darstellende, appellative, expressive) und nicht-gestischer Aktionen der Gesprächspartner; Angaben sonstiger gesprächsbeeinflussender oder erklärender sichtbarer Ereignisse. Wichtig sind über diese Daten hinaus Angaben zu den einzelnen Gesprächsteilnehmern sowie ihrer Beziehung untereinander.
Wir haben hier trotz minimaler Anforderungen einen hohen Zeitaufwand, der auch einzuplanen ist.
4.4 Entwurf eines gesprächsanalytischen Notationsbeispiel
Beim schreiben einer Notation sollte man sich auch immer darüber bewusst werden, dass je mehr Details ein Notat beinhaltet, umso schwerer ist es für den Leser, sich ein plastisches Bild der Notation zu machen. Je mehr Details desto größer die Gefahr der Unübersichtlichkeit. Das bedeutet:
o Es sollten weitgehend bekannte bzw. ersichtliche Symbole verwendet werden.
o Die quasi-simultanen Möglichkeiten unsere üblichen Schreib- und Druckkonventionen, wie Großschreibung und Zeichensetzung, sollen ausgenutzt werden.
o Der Text sollte nur soviel Daten beinhalten, dass er trotzdem noch überschaubar bleibt.
o Die im Text gegebenen Kommentare und genutzten Daten sollten möglichst so platziert werden, dass sie in Zugehörigkeit zu den Textdaten stehen.
Optimal für eine Notation von kleinen Gruppengesprächen ist die Partiturnotation (von Ehlich/Rehbein). Hier besteht jede Partiturzeile aus mehreren simultanen Einzelteilen (je eine pro Gesprächsteilnehmer). Stumme Mithörer bekommen wie in einer Orchesterpartitur keine Partiturzeile. In ihr werden deutlich simultane, aufeinanderfolgende von Beiträgen sowie ihre Dauer anschaulich abgebildet.
Das Sprechtempo kann z.B. mit Hilfe von „Taktstrichen“ verdeutlicht werden. Siehe hierzu Bsp.1.
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Zwar haben wir bei der Partiturschreibweise das Problem, dass die Augen hinauf und hinunter wandern müssen, was zur Leseerschwernis führt, aber die Vorteile überwiegen. Man kann die Partitur je nach Bedarf verkleinern oder wie in Bsp.2 zu sehen ist auch erweitern. Hier wurde die Partitur um Teil-Partiturklammern erweitert, diese verdeutlichen hier parallele Interaktionen. Auch können wie Bsp.3 zeigt, visuelle Daten durch Dopplung der Zeilen eingefügt werden.
4.5 Das Notationssystem
Anordnung der Daten
Die Notation erfolgt im Querformat und zwar in folgenden Spalten: Sp.1:
Zeitzählung Sprecher-Bei der Notation von Video-Aufzeichnungen werden die Sprecherzeilen in je eine Text- und Handlungszeile gedoppelt.
4.6 Bezeichnung der Interakanten (Sprecher) Wie in Bsp.4 deutlich zu sehen werden die Sprecher in Spalte 2 mit Hilfe von Siglen bezeichnet. Bei längeren Beiträgen eines Sprechers werden die Siglen auf zwei reduziert und mit einem senkrechten Strich verbunden.
Die Adressaten der sprachlichen Äußerung kann man an folgenden Dingen erkennen:
a) Blick, Kopf-, Körperhaltung des Sprechenden
b) Der sprachlichen Äußerung selbst (Anrede, inhaltliche Bezugnahme)
c) Dem Wissen über die Gesprächspartner oder seiner Erinnerung an die Situation (falls z.B. eine Zuwendung in der Aufzeichnung nicht sichtbar ist) Wie machen wir die oben genannten Punkte in unserer Notation sichtbar:
a) Bei körperlicher Zuwendung wird der Adressat in der Handlungszeile notiert.
b) In Fall b ist der Adressat auch für den Leser aus dem Text ersichtlich.
c) In Fall c wird der Adressat nicht in der Partitur, sondern im Kommentar angegeben.
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Bei sichtbar kommunikativen Handlungen werden die Adressaten in den Handlungszeilen benannt. Hier muss besonders die Kopfhaltung und die Blickrichtung beachtet werden, aus Platzgründen verwendet man zur Notation Abkürzungen wie in Bsp.5.
4.7 Sprachliche Zeichen
Die verbalen Zeichen werden generell klein geschrieben und in „literarischer“ Umschrift notiert. Zusätzlich gelten folgende Regeln und Zeichen:
o c: langes offenes o: c mann
o ∂: der gewöhnlich als äh notierte Pausenfüllervokal
Unbetontes „e“ in Vor- und Endsilben wird dagegen als e notiert, soweit es (als[∂]) gesprochen wird; dagegen steht ein Bindestrich (-), falls es verschluckt wird, die Silbe aber erhalten bleibt:
fahren = [fa:r∂n], fahr-n = [fa:r-n], fahrn = [fa:rn] (fahr-n ist also zweisilbig, fahrn dagegen einsilbig) geg-n = [ge:g-n], leb-n = [le:b-m]
(Die phonetische Realisation des Nasals wird nicht bezeichnet.)
o Auch andere verschluckte Laute und Lautgruppen werden nur in dem Fall, dass ihre völlige Tilgung das Unterschlagen einer Silbe zur Folge hätte, durch - bezeichnet. Sie können allerdings, sofern dies zum Verständnis oder zur besseren Lesbarkeit erforderlich erscheint, in runden Klammern eingefügt werden: gib ma-n apf-l rüber; da stand son becher so-n bemalter; (i)ch ma(ch) ja son bisschen da in der richtung so; ne(b)n-m auto (= [ne:m-m aoto:]); aus er flasche; da(s i)s gut (= [das gu:t]); servi(ce) (= [zervi:]).
o
Unverstänliches:...............
Schwer Verständliches: das
Vermuteter Wortlaut: (überleg-n) : nach mal (überleg-n)
drüb-n/ das wär aber dAnn wieder ++ in porzella:n’
Tonale Zeichen parasprachliche Wörter genannt, sind zumeist Pausenfüller oder Rückmeldungspartikel. Sie werden mithilfe der Buchstaben m (nasal) und h (Hauch) notiert und bedeuten: m,
∂,
hm, h
m:,
∂:,
hm:, h:, m-m,
∂-∂,
hm-m, h∂-∂ m m,
∂ ∂,
hm hm, h∂ h∂ Hierzu kommen die prosodischen Zeichen (“ ’ = , .) in etwas erweiterter Verwendung. Meist wird dadurch die Bedeutung der Tonalen Zeichen deutlich und braucht dann nicht mehr gesondert im Kommentar angegeben zu werden. Hierzu siehe Bsp.6.
Wo die prosodischen Zeichen zum Verständnis der Bedeutung nicht ausreichen, erfolgt einentsprechender Eintrag im Kommentar (spöttisch; = ach so).
Die für das Verständnis wichtigsten prosodischen Zeichen sind die Hauptbetonung im Satz..
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Es wurde eine einheitliche Betonung gewählt:
o Die Vokale deutlich betonter Silben werden als Majuskel = in Großschreibung notiert: hAben sie eventuell an etwas fEIneres apArteres Oder an etwas rustikAleres gedAcht“
o Stark betonte Vokale werden zusätzlich unterstrichen: GekÖpft dUrch bIErfla fAß stand auf
o Bei besonders emphatischer Betonung wird zusätzlich das ganze Wort unterstrichen: VerdAmmter mIst
Eine Abbildung des Tonhöhenverlaufs ist für gesprächsanalytische Zwecke nicht notwendig. Die „Satzzeichen“ der geschriebenen Sprache entsprechen in der gesprochenen Sprache den Kadenzen. Da die semantisch vorbelasteten Zeichen ? und ! ausscheiden, werden die folgenden fünf Kadenzzeichen verwendet: “ : stark steigende/sehr hoch endende Kadenz ’ : leicht steigende/halbhoch endende Kadenz =: schwebende/in mittl. Lage endende Kadenz , : leicht fallende/halbtief endende Kadenz
. : stark fallende/auf dem Grundton endende Kadenz
Überall dort, wo aufgrund einer Pause, eines Tonhöhensprungs oder ähnlichem eine Kadenz zu bemerken ist, wird an das voraufgehende Wort das entsprechende Zeichen angehängt, wie in Bsp.7 veranschaulicht.
Der rhythmische Verlauf eines Gesprächs kann in einer Notation nicht getreu abgebildet werden; er kann aber annähernd aus zwei absoluten Zeitangaben erschlossen werden:
o Die Partiturzeilen werden durch „Taktstriche“ in 3-Sekunden-Einheiten gegliedert.
o
Die Pausen werden in einem 0,5-Sekunden-Raster verzeichnet: +
++ +++ : ca. 1,3-1,7 sec. etc.
Von der Normalform abweichende Dehnungen (Vokale und Konsonanten) und Kürzungen (Vokale) werden durch die Zeichen : = Dehnung und Kürzung ` = Kürzung bezeichnet:
und ich hA:b mich verjAgt, und zwa:(r) eb-nd in:grÜn. Sò, das wÄrs.
Rhythmisch abgehacktes Sprechen (Stakkato) wird durch ´ = Stakkato bezeichnet: aber dás sÁg ích dóch.
Die Angaben zur Lautstärke erscheinen im akustischen Kommentar unmittelbar neben dem Text und in musikalischer Notation (siehe Bsp.8):
pp: pianissimo; p: piano; mp: mezzopiano; ff: fortissimo; f: forte; mf: mezzoforte
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4.8 Nicht sprachliche Lautäußerungen
Lautäußerungen wie Lachen, Pfeifen, Klatschen, Husten und Seufzen, werden mit Majuskeln als Verb im Texteingetragen. Endet ein Gespräch mit einer solchen Lautäußerung, so wird die durch einen Pfeil (Lacht ⇒)gekennzeichnet, dies ist in Bsp.9 zu beobachten. Sichtbare personengebundene Ereignisse
Nicht jeder Gesprächsteilnehmer bekommt wegen irgendwelcher Nebentätigkeiten eine eigene Partiturzeile. Würden wir das machen wäre die Partitur viel unübersichtlicher. Längerfristig gleichbleibende Verhaltensweisen (zeigt abwesende Miene) und marginale Tätigkeiten (trinkt einen Schluck) kommen, wenn sie relevant erscheinen, in den visuellen Kommentar. Längerfristige „Intermezzi“ können wie in Bsp.10 zu sehen entsprechend den Lautäußerungen durch Pfeile innerhalb der Partitur bezeichnet werden.
Im Notat reiner Tonaufzeichnungen entfallen natürlich die Handlungen und der visuelle Kommentar.
4.9 Angaben nicht ersichtlicher Bedeutungen
Es können im Kommentar zur Bedeutung mancher sprachlicher und nicht-sprachlicher Zeichen und Äußerungen gegeben werden, soweit diese sonst nicht zu erschließen sind. Dabei kann es sich handeln um:
o Die Semantik gruppenspezifischer Ausdrücke,
o Die referentielle Bedeutung hinweisender (der da, dies) und anspielender Ausdrücke (Worauf bezieht er sich damit?)
o Die pragmatische Bedeutung von Äußerungen (Wie meint er es?: z.B. ironisch),
o Die präsusppositionale Motivation von Äußerungen (Warum sagt er aber in : Das hat mir aber heute gut gefallen?), soweit sie sich stichwortartig explizieren lässt. Gegebenenfalls sollten folgende Punkte auch erklärt werden:
o Die nicht aus der Textnotation ersichtliche Bedeutung tonaler und diesen nahestehender („parasprachlicher“) Zeichen und
o In der Handlungszeile verwendete Abkürzungen 4.10 Gesprächsbereich /Gesprächstyp
In jedem Fall werden dem Notat Daten zum Gesprächstyp und zum Gesprächsbereich vorangestellt. Im einzelnen zählen dazu folgende Angaben: Zu den Interaktanten (Sprechern) Zu Zeit, Ort und Anlass des Gesprächs, Zur Art der Kommunikation
Zur Kommunikationsgeschichte (wie kommt das Thema zustande, sicht über das Thema der einzelnen Gesprächspartner) Aufnahmebedingungen
4.11 Zeitzählung
Zur besseren Übersicht wird ab Spalte 1 eine Zeitzählung im 30-Sekunden-Takt geboten; die Zeitblöcke werden fortlaufend nummeriert.
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5. Schlussteil
Abschließend möchte ich sagen, dass das Thema „Notation“ sehr kompakt ist, wie man bei einer Notation vorgeht bleibt jedem selber überlassen. In meiner Arbeit habe ich mich auf das Beispiel der Partitur-Schreibweise gestützt, da es das häufigste Verfahren ist. Sicher gibt es auch hier Zeichen und Schreibweisen die manchem weder ersichtlich noch logisch vorkommen, aber ich finde, dass vor allem durch die Benutzung der gebräuchlichen Schriftzeichen das Verständnis für den Laien gar nicht so schwer ist. Am Anfang meines Referates sah ich nur die Beispiele mit ihren Zeichen, Pfeilen und groß und klein geschriebenen Wörtern, doch jetzt kann ich diese Beispiele richtig lesen und erkennen ihre Logik und auch die Erleichterung die sie in der Gesprächsanalyse bringen.
6. Literaturverzeichnis
Linke, Angelika, u.a. (1994): Studienbuch Linguistik. 2.Aufl.Tübingen Henne/Rehbock: Einführung in die Gesprächsanalyse, 3.Auflage
Arbeit zitieren:
Kathrin Dubas, 2000, Notation und Verknüpfung von Gesprächsbeiträgen, München, GRIN Verlag GmbH
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