La France dans le monde
Einführung
„La France dans le monde“ ist ein sehr großes und umfassendes, ein enorm vielfältiges Thema, das es in dieser Arbeit ein wenig aufzuschlüsseln gilt. Es ging mir dabei - auch in Anbetracht des Seminarthemas „Frankreich 2000 - Grundwissen und Analysen“ - nicht um eine lückenlose Dokumentation sondern um einen Überblick über geschichtliche Voraussetzungen für die heutige Rolle unseres Nachbarlandes in einer veränderten Welt. Es sollen vor allem Schwerpunkte dargestellt und erläutert werden. Nach einer straffen Übersicht über verschiedenste französische Einflüsse in der Welt - auch in der Geschichte - folgt eine Besprechung der Leitlinien und Realitäten der gegenwärtigen französischen Außenpolitik.
Dass sich unser Hauptaugenmerk dabei hauptsächlich auf den europäischen Kontext richtet, hat verschiedene Gründe.
Zum einen erscheint das französische Streben nach internationaler Bedeutung angesichts der Vorreiterstellung der USA als wenig erfolgversprechend, Frankreich muss sich auf seine Fähigkeiten und Möglichkeiten besinnen und erkennen, in welchem Rahmen es als aktiver Gestalter agieren kann - es kann primär nur Europa sein. Dies geht einher mit der Einsicht in die Notwendigkeit multilateraler Kooperationen auf den Gebieten Wirtschaft, Politik, Justiz oder Umwelt, in denen sich Aufgaben stellen, die allein nicht bewältigt werden können und dürfen. Frankreich überwindet seine Angst vor der „mondialisation“, bemüht sich um „Eigenart“ (« caractéristique ») statt „Ausnahme“ («exception»).
Zum anderen sollen Frankreichs momentane EU-Ratspräsidentschaft und die deutschfranzösische Zusammenarbeit eine Rolle spielen.
Probleme und Schwierigkeiten sollen ebenfalls aufgezeigt werden. Geschehen soll dies unter anderem durch eine Hinterfragung von Anspruch und Wirklichkeit französischen außenpolitischen Arbeitens unter Betrachtung des eigenen Selbstverständnis‘.
All dies wird nun nicht vom rein romanistischen Standpunkt aus erfolgen, sondern soll auch sprachliche Aspekte beinhalten. Das liegt zum einen am Studiengang des Autors als auch an der immensen Bedeutung von Sprachmittlung. Nicht nur spielt sie eine wichtige Rolle für das Zustandekommen internationaler Beziehungen, sie ist auch Basis jeglichen interkulturellen Transfers. Sprache ist darüber hinaus ein elementarer Bestandteil nationaler und kultureller Identität einer Nation, dies gilt ganz besonders für Frankreich und das Selbstverständnis der Franzosen.
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Bevor wir uns dem aktuellen Stand der französischen Außenpolitik genauer zuwenden, soll zuerst einmal ein kurzer Blick in die Geschichte klären, inwiefern Frankreich international eine Rolle gespielt hat.
Beginnen wollen wir in der Zeit der Aufklärung - zweifelsohne eine wahre Blütezeit französischer Kultur und Philosophie. Unbestritten außerdem die enormen Auswirkungen des Schaffens der zahlreichen großen Denker: Rousseau und die Idee vom Volk als homogenem Souverän, Diderots Enzyklopädie - das damalige Standardwerk, Montesquieu und die Begründung der Gewaltenteilung in Exekutive, Judikative und Legislative und nicht zuletzt Voltaire - brief-freundschaftlich verbunden mit Friedrich dem Großem von Preußen. Theorien zu Volk und Staat, Schlüsselbegriffe wie Demokratie, Gewaltenteilung oder Souveränität, die heute alltäglich sind, wurden im 18. Jahrhundert mit Leben erfüllt.
All diese damals revolutionären Ideen und Theorien wirkten sich nicht nur auf das Leben im eigenen Land aus, sondern fanden den Weg über den Atlantischen Ozean in ein ebenso neuartiges Land, das sich in einem ebenso revolutionären Akt von den Fesseln Großbritanniens befreite: Amerika. Ausdruck der vielen Gemeinsamkeiten, die zwischen dem politischen System der jungen Vereinigten Staaten und den Ideen der Aufklärer und Staatstheoretiker im vorrevolutionären Frankreich bestanden, mag der
Unabhängigkeitskrieg der USA sein. Über die Anerkennung der amerikanischen Souveränität im Jahre 1778 hinaus unterstützte Frankreich die Unabhängigkeitskämpfer sowohl militärische als auch finanziell und zahlreiche europäische Freiwillige wie etwa La Fayette und von Steuben nahmen am Krieg teil. Doch gab es durchaus nicht nur politische, staatstheoretische Übereinstimmungen, sondern auch eine gemeinsame Feindschaft zu einem Großbritannien, das krampfhaft versuchte, die amerikanischen Kolonien zu halten. Ihren schriftlichen Ausdruck fand die Kooperation schließlich im Französisch-Amerikanischen Allianzvertrag. Kurz darauf zwingt eine französische Flotte die Briten, die Belagerung Philadelphias aufzugeben. Im Jahre 1779 tritt Spanien in den Krieg ein und trägt dazu bei, dass schließlich 1780 ein französisches Expeditionskorps auf Rhode Island landet und am Hudson River den Schulterschluss mit den Amerikanern vollzieht. Nach dem Sieg über die britische Armee bei Yorktown (1782), folgen weitere französische Militäraktivitäten vor Gibraltar, Indien, Guyana und den Antillen. Schließlich beendet 1783 der Vertrag von Versailles den Krieg mit der Anerkennung der Autonomie. Frankreich erhält von seinem Erzfeind einige Antilleninseln, sowie St.-Pierre-et-Miquelon und den Senegal; Kanada und Gibraltar bleiben britisch.
Wenn man zur Zeit des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts von einem sogenannten Europe Napoléonienne spricht, hat dies absolut seine Berechtigung. Ein großer Teil der Brüder Bonaparte herrschte in europäischen Königreichen: Napoléon nicht nur in Frankreich, sondern auch in Italien, Jérôme in Westfalen, Joseph zuerst in Neapel, später in Spanien und schließlich Louis in Holland. Der Einflussreichste unter ihnen war jedoch zweifelsohne Napoléon Bonaparte. Sein Wirken, dass die französischen Grenzen sprengte, wirkte über die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts hinaus nach. Mit der Schaffung des Rheinbundes im Jahre 1806 beendet er die Existenz des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation von 962. Napoleon wird Protektor und militärischer Oberbefehlshaber von 16, später 36 deutschen Kleinstaaten. Nur ein Jahr später verhängt er die Kontinentalsperre, die allen englischen Schiffen und Produkten den Zugang zu sämtlichen europäischen Häfen unmöglich macht. 1808 begibt sich der französische
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Kaiser während eines sechsjährigen Kirchenkonflikts in Opposition zu Papst Pius VII. Rom und der Kirchenstaat werden besetzt und trotz seiner Exkommunikation läßt Napoléon Pius verhaften und annulliert das Konkordat. Die von ihm geführten Revolutionskriege sind historische Ereignisse, deren Wirkung sich - zum Nachteil Napoleonsverselbstständigte. Nach den anfänglichen, territorial einträglichen Siegen muss Napoleon mehr und mehr Niederlagen verkraften. Die zunehmenden Spannungen mit Russland, der Bruch der Kontinentalblockade 1810 verleitet den als genial bekannten Feldherrn zum desaströsen Russlandfeldzug 1812. Der für die französischen Truppen viel zu kalte russische Winter und die Taktik der Verbrannten Erde in Moskau zermürben und dezimieren das zurückweichende Heer und führen zur Niederlage. Unter der Knute der französischen Besatzung finden die Völker Europas zu ihrer eigenen Identität, sie besinnen sich auf ihre Geschichte und erheben sich in neugewonnenem nationalem Bewusstsein für ihre Unabhängigkeit und Freiheit. 1813 schließlich gewinnt die Sechste Koalition (England, Österreich, Russland, Preußen und Schweden) die entscheidende Völkerschlacht bei Leipzig. Napoleon ordnet den Rückzug über den Rhein an und kapituliert in Paris, die Grenzen von 1789, die er gesprengt hatte, wurden wiederhergestellt. Die endgültige Niederlage Napoleons in der Schlacht von Waterloo wird zum geflügelten Wort und verhilft ein Jahrhundert später einer schwedischen Band zum großen Durchbruch. Der französische Sieg gegen die Dritte Koalition bei Austerlitz gab einem Pariser Bahnhof seinen Namen, ebenso wie die Schlacht bei Trafalgar einer Londoner Sehenswürdigkeit ihren Namen gab.
Der Wiener Kongress 1815 ist darum bemüht, eine Neuordnung des napoleonischen Europas zu erwirken. Frankreich wird jedoch nur territorial, nicht aber politisch geschwächt, und wird Mitglied in der restaurativen Heiligen Allianz der europäischen Monarchen.
Nach der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die vor allem geprägt war von innenpolitischen Unruhen, republikanischer Opposition, politische motivierten Attentaten und den Revolutionen von 1830 und 1848, verstärkte Frankreich sein europäisches Engagement. Ein wichtiges Ereignis ist hier der Krim-Krieg (1853-55). Zahlreiche französische Interessen im Ausland wurden hier berührt, so etwa der Wunsch nach europäischem Gleichgewicht, der sich in einer Allianz mit England niederschlug, die Verteidigung eigener Interessen im Mittleren Osten und der Kampf gegen den Panslawismus 1 , den man gemeinsam im Krieg besiegte. Auf dem Pariser Kongress 1856 verschafft der Gastgeber den Staaten Serbien, Moldawien und der Walachei die Unabhängigkeit und dem Schwarzen Meer politisch-militärische Neutralität. Frankreich wird Hegemonialmacht in Europa, spielt beispielsweise später eine entscheidende Rolle beim Zusammenschluss von Moldawien und der Walachei zu Rumänien und löst die Heilige Allianz auf. Der ehemalige Bündnispartner England und auch Russland entfernen sich von der europäischen Bühne und das im Wiener Kongress durch Metternich noch so dominante Österreich wird isoliert.
Erst der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 kann einen Schlusspunkt unter die französische Hegemonie in Europa setzen. Ein vom damaligen deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck geschickt fingiertes Telegramm, die sogenannte Emser Depesche 2 , macht alle Bemühungen der französischen Diplomatie zunichte, sich mit den süddeutschen Staaten zu verbünden und entzündet den schon lange schwelenden Rivalismus zum Krieg. Deutschland ist siegreich und bemüht sich, dem Unterlegenen
1 von Westeuropa (vor allem in der Religion) befürchtete Bedrohung durch Russland
2 Der deutsche H. Abeken informierte damit Kanzler Bismarck über eine Unterredung Kaiser Wilhelms mit dem französischen
Gesandten Graf Benedetti. Benedettis diplomatische Forderung nach einem Verzicht deutscher Fürsten auf die spanische Erbfolge
wurde von Bismarck überspitzend zu einem Ultimatum umformuliert und veröffentlicht. Dieser diplomatische Affront war Anlaß für den
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seine Niederlage bewusst zu machen. Man besetzt ein Paris, das von den Kämpfen der Commune gebeutelt wird. Im Laufe der Friedensverhandlungen verliert Frankreich das Elsaß und verpflichtet sich zur Zahlung hoher Reparationen. Demonstrativ wird im Spiegelsaal von Versailles das Deutsche Reich gegründet und das Zweite Französische Kaiserreich wird langsam abgelöst durch die Dritte Republik.
Aufgrund ihrer großen Bedeutung wollen wir nun die Kolonialgeschichte Frankreichs zusammenfassen. Bereits im 16. und 17. Jahrhundert beteiligt sich Frankreich an Erschließungen auf dem amerikanischen Kontinent, insbesondere in Kanada und in Louisiana, wo sich noch heute in Architektur, Sprache und Kultur französische Einflüsse erkennen lassen. 1608 gründet Champlain die Provinz Québec. Auch in Westindien, in Guayana, im afrikanischen Senegal, auf der Insel Réunion und bei der Eroberung Indiens engagiert sich Frankreich.
Der insgesamt eroberte Besitz beträgt schließlich über 4 Mio. Quadratkilometer - es entsteht das „Premier Empire Colonial”. In der Folge des Siebenjährigen Krieges (1756-63) jedoch geriet es in ernsthafte Gefahr. Die Rivalität mit England um den Mittelmeerhandel und die Eroberung von Kolonien führte dazu, dass sich Frankreich im Vertrag von Versailles mit Österreich zusammenschloss. Es folgen harte Kämpfe gegen ein englisch-russisches Bündnis, die schließlich den Verlust Kanadas, der Antillen und der indischen Besitzungen zur Folge haben. Der Friede von Paris belässt Frankreich lediglich Martinique, Guadeloupe und fünf Kontore in Indien. Er ist gleichzeitig des Ende des Premier Empire Colonial Français.
Erst in der Blütezeit von Imperialismus und Nationalismus, dem 19. Jahrhundert, wird Frankreich wieder eine der aktivsten Kolonialmächte. Es erobert Algerien, anschließend Nossi-Bé, Mayotte und Tahiti. Das neu entstandene Deuxième Empire Colonial wächst außerdem um Neu-Kaledonien, Senegal und Dakar. Zwei Jahre später beginnt Frankreich seine Aktivitäten in Indochina und kolonialisiert China, Cochin-China, Annam sowie Kambodscha. Nach dem Italienischen Krieg erhält Frankreich außerdem Nizza und Savoyen.
Machthungrig und realitätsfern will die Kolonialmacht 1860 in Mexiko nach der Niederschlagung von Unruhen ein katholisches Reich errichten, um auf dem Neuen Kontinent eine moralisch und wirtschaftlich starke Gegenposition zu den USA einzunehmen. Dieses Unternehmen ist von vornherein zum Scheitern verurteilt: große Verluste an Soldaten, Zeit und Geld für ein utopisches Ziel schaden dem französischen Ansehen in der Welt und nehmen die Niederlage der demoralisierten Armee in Sedan 1870/71 vorweg.
In Afrika aber sind die Anstrengungen erfolgreicher. Nach 1870 gehören unter anderem die saharischen Teile Tunesiens, das Kongogebiet, der Sudan, Madagaskar, Marokko, die Elfenbeinküste und Guinea zum Empire Colonial. Es kommt jedoch zunehmend zu Konflikten mit anderen Kolonialmächten aufgrund sich überschneidender Interessen. So leben etwa in Tunesien italienische Siedler, im Sudan gibt es Konfrontationen mit englischen, in Marokko mit deutschen Truppen.
Allein mit Russland gelingt eine Verteidigungsallianz, bevor 1914 der Erste Weltkrieg ausbricht. Im Versailler Friedensvertrag erhält Frankreich die deutschen Mandatsgebiete Togo und Kamerun, kurz darauf von der Türkei Syrien und den Libanon. Das Empire Colonial umfasst jetzt über 12 Mio. km² und mehr als 100 Mio. Einwohner. Dieser Höhepunkt markiert zugleich die Wende im französischen Kolonialismus: 1925/26 kommt es zu kriegerischen Auseinandersetzungen in Marokko (Rif-Krieg), es entstehen nationalistische Bemühungen im arabischen Raum, Forderungen nach Autonomie und Unabhängigkeit werden laut.
Schließlich folgt 1943/44 der Verlust des Mandats über Syrien und den Libanon. Kommunistische Einflüsse verbreiten sich besonders in Indochina. Eine Neuordnung des
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überseeischen Besitzes wird notwendig, kann jedoch den Zerfall des Empire Colonial nicht mehr aufhalten. Die blutigen Unruhen in Marokko, Tunesien, Algerien und der über neunjährige Indochina-Krieg sind ein trauriger Schlusspunkt. Ein Neuanfang nach dem Vorbild des britischen Commonwealth ist die Gründung der Union Française im Oktober 1946. In lockerer politischer Form schließt sich Frankreich mit einigen Kolonien zusammen.
Nach und nach erkämpfen sich jedoch die meisten Gebiete - leider oft blutig - ihre Autonomie. Die Dekolonisation nimmt ihren Anfang, doch Frankreich beharrt auf seiner „grandeur“ und reagiert auf die Unabhängigkeitsbestrebungen der ehemaligen Kolonien repressiv. Zusehends setzten sich jedoch die Vertreter eines kolonialen Verzichts durch. In Genfer wird 1954 der langjährige Indochina-Krieg beendet, das geteilte Vietnam, Kambodscha und Laos verlassen die Union Française und erlangen in der Folgezeit ihre Autonomie, ebenso Tunesien und Marokko. Noch im selben Jahr beginnt jedoch in Algerien ein blutiger Krieg um die Unabhängigkeit, verhärtete Standpunkte auf beiden Seiten führten zu blutigen Auseinandersetzungen. Der Kampf um die ehemalige Kolonie, in der über 800000 französische Siedler lebten, und deren Widerstand führten schließlich zum Untergang der IV. Republik, der Rückkehr de Gaulles und der Ausarbeitung einer neuen Verfassung für eine neue, V. Republik. Algerien wurde unabhängig und die Algerienfranzosen kehrten in ihr Mutterland zurück. Die neue Verfassung sah die Umwandlung der Union Française zur 1. Communauté Française vor, eine staatsrechtliche Vereinung der ehemaligen Kolonialmacht mit den autonomen (später unabhängigen) Gebieten in Äquatorial- und Westafrika und Madagaskar unter dem Vorsitz des Staatspräsidenten und eines Exekutivrates. Nach der Entlassung vieler Mitgliedsländer in die Selbständigkeit wurde 1960 die zweite Communauté Française ins Leben gerufen. Neben dem heutigen Kongo 3 , Gabun, Madagaskar, Senegal und dem Tschad schloß Frankreich auf völkerrechtlicher Basis auch Verträge mit der Elfenbeinküste, Mauretanien und Kamerun. Nicht nur am Bedeutungsverlust der beiden Communautés lässt sich der fortschreitende Dekolonisationsprozess erkennen.
Wie sieht angesichts dessen die gegenwärtige französische Afrika-Politik aus? Nach eigener Aussage hat man im Elysée-Palast Afrika zu einer außenpolitischen Priorität erklärt. Im Vordergrund stehen die Förderung der Demokratisierung und die Festigung von Demokratie und Rechtsstaat, jedoch ohne jegliche Einmischung in interne Belange der Nationen. Dies ist keineswegs ein Rückzugs, eher eine Revision. Fragen der afrikanischen Sicherheit werden multilateral in Übereinstimmung mit den bestehenden Verteidigungsabkommen behandelt werden, die militärische Präsenz wird weitgehend aufrecht erhalten und soll auf neue Aufgaben wie Friedenssicherung und humanitäre Einsätze vorbereitet werden. So gab es 1978/79 ein französische Interventionen in Zaire und Zentralafrika, 1983 im Tschad und in der jüngeren Vergangenheit in Ruanda oder Somalia.
Der kritische Betrachter wird bemerken, dass all diese hehren Ziele natürlich nicht ganz uneigennützig sind. Angesichts wachsender gesellschaftlicher Spannungen in Frankreich aufgrund der Migrationsproblematik wird humanitäre, politische, militärische und Entwicklungshilfe quasi zur Notwendigkeit. Die Franzosen definieren ihren Sitz im Sicherheitsrat der UN und ihre Fürsprecherrolle für die Dritte Welt über ihre Sonderstellung auf dem afrikanischen Kontinent. Besonders auf politischer Ebene wird außerdem deutlich, dass es sich zwangsläufig um langfristige Hilfe handeln muss, bis man erste dauerhafte Erfolge bei der Durchsetzung von Demokratie und Menschenrechten erzielen kann. Oft erweisen sich dann Nicht-Regierungsorganisationen oder gar Privatinitiativen als flexibler
3 Kongos Hauptstadt Brazzaville wurde benannt nach ihrem Gründer Pierre Savorgnan de Brazza (1852 - 1905), ein französischer
Afrikaforscher und Kolonialpionier italienischer Abstammung 7 / 22
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und effizienter als Ministerien und Behörden, sie können einen direkteren Kontakt mit der Bevölkerung erreichen und Überzeugungsarbeit leisten. Außerdem schafft man sich durch ökonomische Unterstützung einen potenten Handelspartner. Bei Weltbank und Internationalem Währungsfonds macht sich Frankreich für eine Klärung der Schuldenfrage ein, seine G7-Partner konnte es beim Gipfel in Lyon 1996 von einem umfangreichen Schuldenerlass für die ärmsten Entwicklungsländer überzeugen. Damit dies keine Dauerlösung wird, liegt es auf der Hand, dass die Entwicklungs- und Schwellenländer bei der Konsolidierung ihres Finanzwesens kräftig unterstützt werden.
Frankreich ist sich ebenfalls bewusst, dass die frankophonen Länder Afrikas nicht bevorzugt werden dürfen, sondern dass auch die portugiesisch-, spanisch- und englischsprachigen Nationen mit einbezogen werden müssen. Ein nicht unbedeutender Bestandteil der Afrika-Politik sind die französischen Staatsbürger auf dem schwarzen Kontinent. Vor vier Jahren lebten südlich der Sahara 114000 von ihnen - mehrheitlich im frankophonen Schwarz-Afrika. Ihre Zahl ist jedoch rückläufig. Mit der Schaffung eines Hohen Rates für internationale Zusammenarbeit bemühen sich die Außenpolitiker,
(Nichtregierungsorganisationen,
Körperschaften) zu koordinieren oder salopp gesagt, diese ein wenig „im Zaum zu halten“. Bereits 1957 sagte François Mitterand - damals als Überseeminister der IV. Republik in seinen Überlegungen zur Überseepolitik - dass es „ohne Afrika im 21. Jahrhundert keine Geschichte Frankreichs geben [wird]“ und 25 Jahre später, dass „die Zukunft Afrikas von vorrangiger Bedeutung für die Sicherheit Frankreichs [ist]“ und hat damit wohl den Nagel auf den Kopf getroffen.
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Die Zeit, in der durch großen Kolonienbesitz ein Land zur Weltmacht werden konnte, ist vorbei. Eine neue Selbstdefinition ist notwendig, neue Ansprüche und Ziele müssen formuliert, Wirkungsgebiete gefunden werden.
Um nun eine kritische Hinterfragung der Rolle Frankreichs in der heutigen Welt anstellen zu können, müssen wir uns zuerst über die selbst gesteckten Ziele und Grundsätze Klarheit verschaffen. Der unbescheidene Anspruch auf eine exponierte und bedeutsame Rolle sowohl im politischen als auch im ökonomischen internationalen Kontext resultiert vor allem aus einem ausgeprägten Selbstbewusstsein. Seit der Zeit des Ancien Régime definieren sich die Franzosen als Staatsnation mit starkem historischen Bewusstsein. Es schuf die geschichtliche Entwicklung in Frankreich - und zwar nicht erst seit dem Großereignis der Bürgerlichen Revolution von 1789 - eine übergreifende starke Bande des französischen Volkes untereinander. Das Wissen, die Wiege der modernen Demokratie und darüber hinaus Begründer und Bewahrer der Menschen- und Bürgerrechte zu sein, kommt ja nicht von ungefähr und spielt eine große Rolle bei der „Standortsuche” der Franzosen. Aktuelles Beispiel: die massive Unterstützung des demokratischen Wandels in Serbien nach der Abwahl von Slobodan Milosevic. Man ist sich seiner Geschichte bewusst, seines Einflusses auf die Nationalstaatsbewegung und seiner Rolle als europäische Hegemonialmacht im 19. Jahrhundert; auch die einst glorreiche Kolonialzeit ist noch immer in den Hinterköpfen präsent.
Der argentinische Schriftsteller Hector Bianciotti, der seit 1961 in Paris lebt und seit 1981 französischer Staatsbürger ist, sagt über Frankreich: „Die Stärke Frankreichs liegt in dem Glauben an sich selbst. Außerdem hat es die Kraft, die westlichen Kulturen aufzunehmen. Sie vermischt sie schließlich, um seine eigene Kultur zum Strahlen zu bringen. Für Ausländer sind Frankreich und die Franzosen die ganze Welt. Und dann gibt es diese außergewöhnliche Stadt Paris, ein Kondensat Europas. Paris ist eine Hauptstadt, weil es dort eine große Mischung von Menschen gibt, viele sind auf Durchreise, ausländische Einflüsse, die das restliche Land ignoriert oder nicht akzeptiert. Wenige Hauptstädte in der westlichen Welt respektieren diese Definition.“
Ein anderer Frankreichspezialist, der Brite Theodore Zeldin, Geschichtsprofessor in Oxford, meint 4 : „Frankreich ist mehr eine Idee als ein Land. Frankreich glaubt an die Vollkommenheit des Menschen. Deshalb können die anderen Länder es als Modell betrachten. Seine Stärke besteht darin, Menschen aufzufordern, Ideen zu entwickeln, die mehr universellen als nationalen Charakter haben. Betrachtet man die Geschichte Frankreichs und Englands, stellt man fest, dass der Unterschied der beiden Länder auf der Suche nach Freiheit der ist, dass die Engländer die Freiheit für sich allein erfunden haben, während die Menschenrechte universell sind. Während viele Nationen noch versuchen, sich von den anderen zu unterscheiden und sich mehr über ihre eigene Geschichte Gedanken machen als über die Bedürfnisse des Menschen im Allgemeinen, ist Frankreich ein alternatives Modell. [...] Außerdem gibt es nur wenige Länder, die so sehr wie Frankreich Freude an der geistigen Tätigkeit und der Konversation haben. Frankreich ist ein Land, wo man über alles diskutieren kann, seine eigenen Möglichkeiten entdecken kann und intellektuelle Anregungen findet, um seine Gedanken zu vertiefen. Frankreich ist ein Ort der Begegnung und des Austauschs, wo sich Denker intellektuell ernähren können. Und in einer Welt, in der die Menschen müde sind und nach einfachen Situationen suchen, hat Frankreich etwas originelles zu bewahren. Frankreich glaubt an die Vollkommenheit des Menschen.“
4 aus: Label France N°39
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Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Gründe, sich als „puissance mondiale moyenne” (Jean Chesnaux), als mittlere Weltmacht also, zu verstehen. So zum Beispiel die andauernde Präsenz in den Übersee-Departements und -Territorien, den DOM - TOM, der weiterhin bestehende Einfluss auf dem afrikanischen Kontinent, der ständige Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, die Menge der 34 Mio. Frankophonen und der 1,5 Mio. im Ausland auf hohem Niveau arbeitenden Franzosen. Gleichzeitig spricht man aber auch von der sogenannten „décennie perdue” der 80er Jahre (Jean-Jacques Kourliansky). Was war geschehen? Vor allem in Lateinamerika verlor Frankreich viel Einfluß an die immer stärker werdenden Vereinigenden Staaten, die unter den Präsidenten Reagan und Bush ihre Stellung als Supermacht festigen konnten. Dazu noch einmal Hector Biancotti 5 : „Ich habe mit 12, 13 Jahren entdeckt, dass es ein Land gibt, das Frankreich heißt und das viel Einfluß auf die ersten spanischsprachigen Dichter hatte, die ich gerne las. Damals war Frankreich für ganz Südamerika das kulturelle Zentrum der westlichen Welt.“
Die anfangs beschriebene Haltung manifestiert sich nun in folgenden außenpolitischen Grundsätzen: Selbstbestimmungsrecht der Völker, Achtung der Menschenrechte und der demokratischen Grundsätze, Achtung des Rechtsstaates und Zusammenarbeit zwischen den Nationen. Diese Grundsätze stehen wiederum unter zwei großen Prämissen: Bewahrung der nationalen Unabhängigkeit sowie regionale und internationale Solidarität. Nachdem wir also die Grundsätze und Prinzipien der französischen Außenpolitik betrachtet haben, sollen die Arbeitsbereiche, also die praktische Anwendung der Theorie betrachtet und hinterfragt werden.
Einer der wichtigsten, wenn nicht sogar der wichtigste Arbeitsbereich Frankreichs über die eigenen Grenzen hinaus ist wohl unbestritten der Aufbau des „europäischen Hauses”. Bereits Charles de Gaulle sah hierin sein wichtigstes Projekt, er strebte nach Entspannung, Verständigung und Zusammenarbeit mit den damaligen Ostblock-Staaten und träumte gar von einem Europa vom „Atlantik bis zum Ural”. Pascal Boniface, Direktor am Institut
für internationale und strategische Beziehungen (IRIS), meint: „Auch wenn eine Minderheit der Franzosen dadurch einen Identitätsverlust befürchtet, so ist doch der Mehrheit unter ihnen bewußt, dass Europa für Frankreich Schutzwall und Sprungbrett gleichzeitig ist. Schutzwall, weil Frankreich angesichts großer technologischer und strategischer Entwicklungen seine Identität innerhalb Europas besser verteidigen kann, da es mit Partnern zu tun hat, die ähnliche Sorgen haben und sich alle der Notwendigkeit der Zusammenarbeit bewußt sind. Aber auch Sprungbrett, denn Frankreich ist heute eines der wenigen Länder, die Europa in eine wirkliche Macht verwandeln wollen und nicht nur in einen einfachen Wirtschaftsraum. Das strategische Europa existiert noch nicht, aber es kann zu einer der wichtigsten Mächte in einer multipolaren Welt werden.“ Eine immer stärkere Unübersichtlichkeit der Welt und die zunehmende Emanzipation der vormaligen Kolonien zwingen Frankreich geradezu, sich auf Europa zu konzentrieren. Vorrangige Aufgabe ist dabei die Wahrung von Frieden und Sicherheit und die Festigung und Weiterverbreitung der demokratischen Staatsform. Der angestrebte Wohlstand der Völker sowie die Hilfsprogramme und technischen Kooperationsprojekte für Osteuropa und das Baltikum erfordern zwangsläufig die Schaffung eines integrierten Wirtschafts- und Währungsraumes. Europa soll eine wirtschaftliche Macht und politische Einheit mit einer eigenen Identität werden.
Jedoch ist dies nur die eine Seite der Medaille. Trotz aller europäischen Bemühungen setzt Frankreich vorrangig auf das Prinzip der Subsidiarität, also den Verzicht auf Eingriffe
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in eigenständige nationale Kompetenzen. Noch immer herrscht in weiten Teilen der Bevölkerung Skepsis gegenüber der neuen europäischen Einheitswährung, sicherlich nicht unverständlich angesichts eines an den internationalen Börsen schwächelnden Euro. Ein konkretes Beispiel dafür sind die Proteste und Streiks im Spätsommer dieses Jahres aufgrund der hohen Kraftstoffpreise, die unter anderem durch den im Vergleich zum Euro hohen Dollarkurs verursacht wurden. Kritik wird auch aus dem landwirtschaftlichen Sektor immer wieder laut, wenn sich die Bauern von neuen Regelungen, Quoten und Subventionskürzungen aus Brüssel bedroht sehen.
Dazu ein Zitat 6 von Bertrand Badie, Professor am Institut d'Études politiques in Paris: „Wir sind in Frankreich sehr interessiert an den Problemen des Staates und seinem Schicksal, denn Frankreich hat den Staat zwar nicht erfunden, aber es hat zumindest das Modell des Nationalstaates entwickelt, das über die Aufklärung und die Französische Revolution sehr weite Verbreitung gefunden hat. Nun, da dieses Modell des Nationalstaates herausgefordert wird, stehen wir in vorderster Front. Meine ausländischen Kollegen neigen häufig dazu, in meinen Analysen eher eine fixe Idee der Franzosen zu sehen als eine große und entscheidende Herausforderung für die Entwicklung auf diesem Planeten. Es trifft zu, dass wir möglicherweise größere Schwierigkeiten haben, uns eine post-souveräne Welt vorzustellen, in der der Staat an die zivile Gesellschaft und an transnationale Netzwerke weitere Kompetenzen abgeben müsste. Das krampfhafte Festhalten an der Souveränität gibt es nicht nur in Frankreich. Immerhin sind die Vereinigten Staaten, die sich doch in bezug auf diese Kultur des Staates als sehr emanzipiert betrachten, neben China die hauptsächlichen Gegner der Gründung des internationalen Gerichtshofes, der vielleicht einer der ersten post-souveränen Institutionen sein wird. Auch die Länder der Dritten Welt, die nur sehr oberflächlich zu dieser nationalstaatlichen Kultur gehören, hängen sehr an gewissen Attributen, die die Globalisierung heute direkt in Frage stellt. Es handelt sich hier um sehr konservative Tendenzen. Aber über diese reaktionäre Antwort hinaus gibt es auch Antworten, die in neue Richtungen weisen. Die Rolle Frankreichs in Europa und in der Welt liegt vielleicht darin, diesen Weg der Innovationen aufzuzeigen und zwar in einem Punkt, der mir sehr am Herzen liegt und über den wir, im Namen der Aufklärung und der Französischen Revolution, einige sehr wichtige Dinge zu sagen haben, nämlich die allmähliche Ablösung der Idee des souveränen Staates durch die Idee des verantwortlichen Staates.“
Juli bis Dezember 2000 anpacken, wie will man Europa verändern und gestalten? In einer Mitteilung fasst Präsident Jacques Chirac die Ziele zusammen: "Für seinen sechsmonatigen EU-Vorsitz hat sich Frankreich zum Ziel gesetzt, Europa menschlicher und stärker zu machen. Reform der Institutionen, aktive Außen- und Sicherheitspolitik und Fortschritte bei den Erweiterungsverhandlungen; so wird Europa stärker sein und in zunehmendem Maße den Anliegen seiner Bürger Genüge leisten können: Wachstum und Beschäftigung, Sicherheit und Justiz, Umwelt und Ausbildung. Ich bin davon überzeugt, daß der französische Vorsitz mit der Unterstützung aller Mitgliedstaaten, der Kommission und des Europäischen Parlaments die Europäische Union in die Lage versetzen wird, diesen Weg weiter zu beschreiten.“ Als vorrangige Aufgaben stellen sich die Verantwortlichen also die Vorbereitung Europas für die Aufnahme weiterer Mitglieder, die Modernisierung der Wirtschaft (u.a. mit dem Ziel der Vollbeschäftigung) und größere
6 aus: „Label France“ N° 38, Januar 2000
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Bürgernähe (das ist quasi eine Notwendigkeit). Neben dieser selbsterklärten Kontinuität mit den vorangegangen Präsidentschaften, will man auch eigene Akzente setzen, so etwa beim verbesserten Schutz der Rechte der Arbeitnehmer. Auch auf militärischem Gebiet gibt es verstärkte Bemühungen zur Festigung europäischer Verteidigungsstrukturen, die Zusammenarbeit mit der NATO wird forciert werden, denn schließlich ist Frankreich kein Mitglied im militärischen Teil des Paktes. Des Weiteren plant man strategische Allianzen mit den EU-Nachbarn, besonders mit Russland, der Ukraine, den Mittelmeer-Anrainern sowie den westlichen Balkanstaaten.
Dieses Pensum zielt auf eine Stärkung der Rolle und der Bedeutung Europas in der Weltgleichzeitig ist das auch eine Stärkung Frankreichs, wenn es aktiv mitgestaltet und sich mit erfolgreicher Arbeit profilieren kann. Die Herausforderung „Mondialisation“ muß vorrangig im europäischen Rahmen angenommen werden, dann nur in diesem Kontext können die Franzosen wirklich Einfluß ausüben und Gestalter sein.
Es sollen nun die deutsch-französischen Beziehungen genauer betrachtet werden, um die Einstellung der Franzosen zu ihrem Nachbarn zu verstehen, schließlich ist die Überwindung der oft genannten „Erbfeindschaft” ein „Motor“ für Europa. Ein kurzer Blick in die Geschichte verrät uns, dass beide Staaten gemeinsame Wurzeln haben. Sie entstanden beide aus dem riesigen Frankenreich. Beide haben in ihrer Geschichte einen großen König in dieser Zeit. Wenn wir Deutschen an Karl den Großen denken, erinnern sich die Franzosen an Charlemagne - und beide haben sehr unterschiedliche Vorstellungen von ein und derselben Person. Die weitere Geschichte ist wechselhaft, es entwickeln sich zwei selbstständige Staaten, zwei eigene Völker und Kulturen.
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Wir wollen die Jahrhunderte überspringen und im 18. Jahrhundert fortfahren, in dem es zwischen Voltaire und Friedrich dem Große durch regen Briefwechsel schon auf hoher Ebene einen geistigen und kulturellen Austausch der beiden Kulturen gab. Doch bereits einhundert Jahre später sollte sich das Blatt wenden. Zwischen den Jahren 1870 und 1940 gab es drei deutsche Invasionen in Frankreich. Das führte zu einer zunehmenden politischen Kompromisslosigkeit gegenüber der jeweils anderen Nation. An den Geschehnissen während des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 lässt sich erkennen, dass das Verhältnis beider Staaten auch sehr stark an symbolischen Orten hängt. Immer wieder richteten sich Aktionen, mit denen man den anderen treffen wollte, gegen bestimmte Gebiete - denken wir bloß an den ewigen Zankapfel Elsaß-Lothringen. In der Geschichte haben die Bürger dort mehr als einmal die Staatszugehörigkeit gewechselt. Dass dies nicht problemlos vor sich ging, liegt auf der Hand. Auch auf das wirtschaftlich hochbedeutsame Ruhrgebiet hatte der ehemalige Agrarstaat Frankreich schon oft ein neidisches Auge geworfen. Und zu guter Letzt sind da drei Orte, die in den verschiedenen Kriegen eine große Rolle gespielt haben: Paris in seiner Funktion als französische Hauptstadt, der Spiegelsaal zu Versailles als Platz wechselnder Triumphe und der Wald von Compiègne, den Hitler nach seiner Machtergreifung als Unterzeichnungsort des „Schanddiktats von Versailles” dem Erdboden gleichmachen ließ. In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen gab es jedoch auch Bemühungen um eine deutsch-französische Annäherung. Verdient gemacht hat sich hier vor allem Gustav Stresemann, dessen Kooperation mit dem damaligen französischen Außenminister Aristide Briand den beiden einen gemeinsamen Friedensnobelpreis 1926 bescherte. Doch bereits wenige Jahre später wurde durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten alles Erreichte zunichte gemacht. Frankreich schloss im Dezember 1944 einen Beistandsvertrag mit der Sowjetunion und auch seine Rolle bei den Münchner Verträge ist umstritten, Hitlers Expansion nach Osten sah man tatenlos zu. Später gehörte Frankreich zu den Alliierten, in dieser Funktion schlug es nach dem Ende des 2. Weltkriegs einen harten Weg ein, forderte beispielsweise die Internationalisierung des Ruhrgebiets, eine Abtrennung des Saarlandes und einen separaten Rheinstaat - Deutschland sollte zum Agrarland gemacht werden. Diese Vorschläge zeugen von einer gewissen Angst gegenüber den Deutschen, jedoch waren sie nicht vollständig umsetzbar. Eine Revision der Deutschlandpolitik wurde notwendig, erst recht als die sowjetische Besatzungszone in den Ostblock eingebunden wurde. So richteten sich die diplomatischen Beziehungen hauptsächlich auf die Bundesrepublik, sie wurde stets, hilfreich waren gute persönliche Bindungen zwischen den Führungspersönlichkeiten beider Länder: Charles de Gaulle und Konrad Adenauer, Valerie Giscard d’Estaing und Helmut Schmidt sowie François Mitterrand und Helmut Kohl. Zwischen den Lionel Jospin und Gerhard Schröder scheint jedoch ein gewisser Pragmatismus vorzuherrschen.
Trotz der großen Schwierigkeit eines Neubeginns nach den drei Kriegen also, in die beide Staaten involviert waren, wurden die Bemühungen um die deutsch-französische Freundschaft weiter betrieben. So verzichtete etwa Frankreich auf
Reparationsforderungen und eine wirtschaftliche Schwächung Deutschlands, Charles De Gaulle sprach gar von einer „Schicksalsgemeinschaft“, die im Jahre 1963 ihren Ausdruck im Deutsch-Französischen Freundschaftsvertrag fand. Er sah unter anderem regelmäßige Konsultationen der verschiedenen Minister und führte zur Gründung des Deutsch-Französischen Jugendwerkes, das den Austausch der Jugend beider Völker verbessern helfen soll. Im wirtschaftlichen Bereich haben sich Jean Monnet und Robert Schuman mit der Initiative zur Gründung Montanunion verdient gemacht. Sie war die Keimzelle der Europäischen Union, wie wir sie heute kennen. Alle diese Kooperationen waren und sind ein wichtiger Motor auf dem Weg zur europäischen Einigung und die Übereinstimmung beider Staaten zu europäischen Fragen ist unabdingbar.
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Kommen wir nun zum nächsten großen außenpolitischen Arbeitsbereich, der internationalen Sicherheit. Frankreich ist Mitglied im politischen Teil der NATO, in der Westeuropäischen Union (WEU), in der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und stellt Truppen für das Euro-Korps zur Verfügung. Frankreich ist Angehöriger der G7 (einer Vereinigung der sieben größten Industrieländer plus Russland) und gehört zu den fünf Atommächten - neben Großbritannien, den Vereinigten Staaten von Amerika, Russland und nicht zuletzt China, das 1964 unter Mao Zedong seine erste Atombombe zündete. Dies geschah als bewusster Kontrapunkt gegen die Dominanz der beiden Supermächte USA und Sowjetunion in Abrüstungsfragen. Die Franzosen nahmen damals sicher nicht grundlos als erste wieder diplomatische Beziehungen mit der Volksrepublik auf und vollzogen die völkerrechtliche Anerkennung. Auch die Bewahrung der eigenen atomaren Abschreckungsstreitmacht, der sogenannten „force de frappe”, ist, nach eigener Aussage, nicht nur für die europäische Verteidigung ein bedeutsamer Bestandteil der französischen Außenpolitik. Trotzdem wird mittlerweile bereits von einem umfassenden Atomteststopp gesprochen. Dessen vollständige Realisierung dürfte allerdings noch Zukunftsmusik sein, zu viel Bedeutung misst man der Atomenergie und auch der Atomwaffe bei.
Selbstverständlich ist Frankreich als bedeutendes Mitglied und viertgrößter Beitragszahler 7 der UNO ständiges Mitglied mit Vetorecht im Sicherheitsrat, Französisch ist eine von sechs Amts- und zwei Arbeitssprachen innerhalb der UNO und die Sonderorganisation UNESCO hat ihren Sitz in Paris. Im Bewusstsein seiner historischen Verantwortlichkeit als ehemalige Kolonialmacht, nehmen französische Truppen an Friedensmissionen im Nahen Osten, in Afrika, in Kambodscha, in Bosnien-Herzegowina (8500 IFOR-Soldaten) aber auch Ex-Jugoslawien (10.000 Soldaten) teil, französische Blauhelme werden im Libanon, in Palästina, Somalia, Angola, Georgien und während des Irak-Kuwait-Konflikts eingesetzt.
Das starke französische Interesse am Nahost-Friedensprozeß gelangt derzeit zu trauriger Aktualität. Die Anstrengungen von Präsident Jacques Chirac und US-Außenministerin Madeleine Albright, in Paris eine Waffenruhe zwischen dem israelischen Premier Ehud Barak und dem Palästinenserführer Yassir Arafat zu realisieren, sind fehlgeschlagen. Arafat habe die Anwesenheit des amtierenden EU-Ratspräsidenten gewünscht. Es trafen gewissermaßen zwei Interessenblöcke aufeinander: auf der einen Seite die USA und Israel, die beide den Friedensprozeß stark forcieren und auf der anderen Seite die palästinensisch-arabische Affinität zu Frankreich.
Auf dem Gebiet der Entwicklungshilfe unterstützt Frankreich nicht nur die Projekte der UNO und der EU, sondern wird auch selbst tätig. Allein im Jahre 1996 verwandte man 43 Mrd. FF - das entspricht ca. 0,6 % des Bruttosozialproduktes - für die multi- und bilateral Entwicklungs- und humanitäre Hilfe und war so Spitzenreiter unter den G7. Rund die Hälfte dieser finanziellen Mittel fließen nach Afrika, den ärmsten Ländern werden teilweise ihre Schulden erlassen. Angestrengt werden des weiteren Hilfsmaßnahmen für den Rohstoffhandel, den Export und das Finanzwesen, es gibt Bemühungen zur regionalen Integration und makro-ökonomische Anpassungen. 86 Mio. FF wurden nach Naturkatastrophen oder politischen Krisen für die direkte Hilfe in Form von Medikamenten, Nahrungsmitteln, Minenräumgerät oder für den Schutz der Kinder aufgewendet. Hilfsorganisationen, so etwa im ehemaligen Jugoslawien, in Asien, Lateinamerika und Afrika werden aktiv unterstützt.
Der letzte große außenpolitische Arbeitsbereich Frankreichs ist die kulturelle, wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit. Zahlreiche Nicht-Regierungsorganisationen, 133 Kulturinstitute und -zentren in 50 Ländern sowie 1060
7 Beitrag 1994: weit über 2 Mrd. FF
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Zentren der „Alliance Française” in 140 Ländern, an denen 318.000 Menschen Französisch lernen, haben sich diese Zusammenarbeit zur Aufgabe gemacht, organisiert wird sie von zahlreichen Kulturräten und -attachés. Es gibt weltweit rund 300 Schulen mit französischem Lehrplan, an denen 150.000 Schüler unterrichtet werden. 15.000 von ihnen erhalten ein Stipendium von der französischen Regierung und 50.000 sind keine Franzosen. Hinzu kommen wissenschaftliche Forschungsinstitute und archäologische Ausgrabungsprojekte.
Beispielhaft für die multilaterale technische Zusammenarbeit ist das Programm der internationalen Raumstation (ISS) genannt. Die USA, Russland, die Europäische Union, Kanada und Japan wollen zusammen bis zum Jahr 2003 dieses Projekt vollenden. Frankreichs Beitrag ist die Konstruktion des automatischen Versorgungsfahrzeugs der Raumstation und die Bereitstellung der Ariane-Raketen und des Weltraumbahnhofes in Kourou in Französisch-Guayana. Auch auf dem Gebiet des Umweltschutzes ist internationales Agieren ein unbedingtes Muss, um dieses globale Problem anzupacken. 1,5 Millionen Franzosen leben und arbeiten im Ausland. Sie sind tätig als Führungskräfte, Techniker französischer Firmen, Staatsbedienstete oder als Mitarbeiter humanitärer Organisationen. Mehr als die Hälfte von Ihnen lebt in Europa, 26 % in Amerika, 8 % in Nordafrika, Nahost und Mittelost, 8 % in den Sub-Sahara-Staaten und 6 % in Asien und Ozeanien - im Durchschnitt aber nicht länger als vier Jahre.
Franzosen“, gibt es Belgien 3 Mio., in der Schweiz 1 Mio. und in Kanada über 6 Mio. Frankophone. Das Französische ist Nationalsprache in Monaco, auf Martinique, Réunion und Haiti, Amtssprache in Luxemburg und außerdem weit verbreitet in Afrika und Asien. Verschiedene Institutionen arbeiten auf den Gebieten Sprache, Kultur, Wirtschaft und Politik. Große Projekte wie der internationale frankophone Fernsehsender TV5, das Radio France International oder die Gründung von Unifrance 1 zur Förderung des französischen Films im Ausland. Die Frankophonie hat also auch eine ökonomische Motivation, denn oft ist die Sprachbarriere frankophoner Kultur weltweit ein „Exporthindernis“. Regelmäßige Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs aller assoziierten Länder zeigen die politische Bedeutung und auch, dass die Frankophonie eine Chance sein kann. Im Zuge vieler Umbrüche in Asien, der allmählichen Verbreitung von Demokratie und Marktwirtschaft gewinnt die französische Sprache und Kultur trotz der Übermacht des Englischen in der Ökonomie zunehmend an Bedeutung, neue Beziehungen zu den Staaten der ehemaligen Kolonie Indochina (Laos, Kambodscha, Vietnam) entstehen, die alle drei Mitglied der Frankophonie sind. Langfristiges Ziel ist laut Präsident Chirac ein „Dreieck Amerika-Europa-Asien, von dem der Weltfriede weitgehend abhängig ist“ und das auf dem Prinzip der „Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten der anderen“ basiert.
Bereits 1996 bemerkte Habib Bourguibas: „Die Frankophonie ist keine neue Form des Kolonialismus - sich ihr anschließen, heißt, die Errungenschaften der Kolonialzeit im Dienst der Interessen der neuen unabhängigen Staaten zu nutzen“.
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Zur Rolle der « Organisations non-gouvernementales » 8
Im Zuge der Globalisierung und der damit einhergehenden Diversifizierung außenpolitischer, außenwirtschaftlicher Aufgaben, aber auch im Fahrwasser der sogenannten „Dritte-Welt-Szene“ kam es zur Gründung zahlreicher Organisationen, Initiativen und Stiftungen, die sich dieser Aufgaben annehmen. Ihre Arbeitsschwerpunkt ist Hilfe auf den Gebieten Bildungs- und Ausbildung, Soziales, Gesundheit, Recht und Organisation, Selbsthilfe, Flüchtlingsproblematik und Armut. Man bezeichnet sie als Nicht-Regierungsorganisationen (NRO) oder als Non-governmental organisations (NGO) - was nicht dazu führen darf, dass der Staat aus der Pflicht genommen wird. Die NRO sind meist privat und gemeinnützig, deshalb werden sie im Englischen oft auch als Non-profit organisations oder Private Voluntary Organisations (PVO) bezeichnet. Sie stehen also gewissermaßen zwischen dem Staat und dem profitorientierten Markt. Das verschafft ihnen Unabhängigkeit von außen- oder innenpolitischen Zwängen, Parteidisziplin, Bürokratie oder Gewinnstreben und macht sie flexibler, schneller und oft auch wirksamer. Oftmals scheint es, als seien die NRO eine Art Hintertürchen, wenn Kontakte zu offiziellen Stellen nicht herstellbar oder aufgrund der starren Bürokratie zu langwierig sind. So können NRO beispielsweise in diktatorisch geführten Ländern die Bevölkerung unterstützen, wenn für die Diplomaten alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Die NRO arbeiten partnerschaftlich und bevölkerungsorientiert, dadurch sind sie „näher am Geschehen“ und können besser darauf reagieren - durch hohe Motivation und Eigeninitiative kann materielle Stärke oft kompensiert werden. Finanziert werden die NRO weitestgehend durch Spenden, weniger durch staatliche Zuschüsse. Nichtsdestotrotz sind sie auch umstritten: zu viele gebe es von ihnen, sie hätten Probleme mit Korruption, nutzten das Mitleid der Spender aus und seien überhaupt eine weltverbesserische Einmischung in die Politik, behaupten Kritiker.
Die französischen NRO kooperieren auf vielen Gebieten mit dem Außenministerium: Menschenrechte, Gleichberechtigung, Rassismus und Antisemitismus, Wissenschaft, Gesundheit, berufliche und schulische Bildung, kultureller Austausch, Wirtschaftshilfe und Sport. Mittel zur Zusammenarbeit sind verantwortliche Dienststellen oder Stäbe, sogenannte „Ad-hoc-Treffen“ zu aktuellen Themen oder die Förderung von spezifischer Ausbildung und gegenseitiger Kommunikation.
Nachfolgend eine kurze Übersicht über wichtige französische NRO:
Action contre la faim - Agenceuniversitaire de la Francophonie - AmnestyInternational (AI) - Croix-Rougefrançaise - Fédérationinternationale des Ligues des droits de l’Homme (FIDH) - Médecinssans frontières - Reporterssans frontières - Campagnefrançaise pour l’annulation de la dette des pays pauvres très endettés - Plate-formedes ONG françaises pour la Palestine - 8 Hauptquelle:Nuscheler, Franz: Lern- und Arbeitsbuch Entwicklungspolitik, Kap. 22 17 / 22
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Die „Exception française“ im internationalen Kontext
Die oft auch als französische Arroganz oder gar Archaismus aufgefasste „Ausnahmestellung“ bezieht sich auf mehrere Aspekte. Ein bedeutender Schritt weg von einer politischen „exception“ vollzog sich am Ende des 2. Weltkriegs mit der zwangsläufigen Annäherung an den Westen durch Marshall-Plan, Brüsseler Pakt, die Kooperation während der Berliner Blockade und die Integration in die NATO, mit der man - trotz Austritt aus dem militärischen Teil - die Bündnissolidarität pflegt. Doch noch immer zeigt sich auf politisch-diplomatischer bzw. militärischer Ebene die „exception“ in einer exponierten Rolle bei der Entwicklungshilfe, der Unterstützung eines autonomen Palästinenser-Staates im Nahen Osten, der knappen Zustimmung (51%) zu den Maastrichter Verträgen 1992 oder dem Beharren auf atomarer Unabhängigkeit. Eine weltweite Provokation waren etwa die Atomtests auf dem Mururoa-Atoll in den 90er Jahren.
Kulturell sieht sich die Académie française als Verfechter französischer Sprache, Kultur und Lebensart. Die Reinhaltung des Französischen, die Quotierung ausländischer Filme oder Musik und ein gewisser Anti-Amerikanismus bei vielen Intellektuellen und Politikern sind ein bewusster kultureller Gegenpol zum „american way of life“ und ein Kampf für eine eigenständige französische und europäische Identität. Auch in der Wirtschaft gab es lange eine Eigenbrödelei, Skepsis gegenüber der Globalisierung und Angst vor einem technokratischen und bürgerfernen Europa. Auch der Einfluss der Gewerkschaften ist in wenigen anderen Nationen so hoch wie in Frankreich - jüngstes Beispiel: die Lahmlegung des öffentlichen Lebens durch Streiks aufgrund hoher Kraftstoffpreise. Jedoch ist seit einigen Jahren eine Wandlung zu beobachten, teils bewusst, teils zwangsläufig, um nicht von der rapiden Entwicklung überrannt zu werden. Das Konzept der „kulturellen Ausnahme“ wird von der frankophonen Gemeinschaft nicht als Gegenpol sondern vielmehr als Alternative gegen eine Überflutung anglophoner Einflüsse verstanden.
Wirtschaft und Außenhandel
Frankreich nimmt weltweit einen zweiten Platz beim Export von Dienstleistungen, landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Nahrungsmitteln ein und liegt auf Platz vier bei der Ausfuhr von Industrieprodukten. Große Unternehmen wie Renault, Peugeot oder Airbus verschaffen ihrem Heimatland großes Prestige und forcieren die Öffnung zum internationalen Markt - besonders nach Asien - und festigen die gute Position bei der „mondialisation“.
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La France dans le monde Mehrsprachige Terminologieliste 9
9 Hauptquelle: Länderbericht Frankreich 19 / 22
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Literaturverzeichnis
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3. Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Informationen zur politischen Bildung: Parlamentarische Demokratie 1. München: Franzis Druck GmbH 1993 4. Christadler, Marieluise; Uterwedde, Henrik (Hrsg.): Länderbericht Frankreich. Geschichte - Politik - Wirtschaft - Gesellschaft. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 1999
5. Diverse: Brockhaus-Enzyklopädie. 19. Auflage. Mannheim: F.A.Brockhaus 1986 6. Erbe, Michael: Geschichte Frankreichs von der Großen Revolution bis zur Dritten Republik 1789 - 1884. Stuttgart Berlin Köln Mainz: Kohlhammer 1982 7. Fieldhouse, David Kennenth: Fischer Weltgeschichte, Band 29. Die Kolonialreiche seit dem 18. Jahrhundert. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag 1965 8. Hürten, Heinz: Studienbuch Geschichte. Darstellung und Quellen, Heft 9 „Die Epoche der Nationalstaaten und der Erste Weltkrieg”. Stuttgart: Klett Cotta 1981 9. Internet-Ressourcen (Juni, August, Oktober 2000)
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11. Nuscheler, Franz: Lern- und Arbeitsbuch Entwicklungspolitik. Bonn: Dietz 1995 12. Weisenfeld, Ernst: Geschichte Frankreichs seit 1945. München: Beck 1997 13. Woyke, Wichard: Frankreichs Außenpolitik von de Gaulle bis Mitterrand. Opladen: Leske & Budrich 1987
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Schlußwort
Ich hoffe, dass es mir gelungen ist, einen umfassenden Ein- und Überblick über die Rolle Frankreichs in der Welt zu geben. Das dieser nicht vollständig ist, nicht sein kann, ist mir bewusst, die Gründe dafür sind in der Einführung zu finden. Wir können abschließend konstatieren, dass Frankreich nach wie vor eine bedeutende und einflußreiche Nation im internationalen Kontext ist.
Trotzdem gibt es immer wieder mehr oder weniger starke Ressentiments gegenüber dem Nachbarn im Osten, Ängste vor einem zu mächtigen Deutschland (exemplarisch dafür die französischen Beschwerden über die Sprachen-Charta der EU, die Deutschen übervorteile), bei den Briten wird „Schutz” gesucht. Es darf nicht vergessen werden, welche problematischen Konsequenzen die Kolonialgeschichte Frankreichs nach sich zieht. Die starke Population der Einwanderer aus Afrika und Asien führt vor allem in den französischen Ballungszentren immer wieder zu Mißverständnissen und sogar Unruhen (Intoleranz, Inakzeptanz, keine Anpassung).
Arbeit zitieren:
Alexander Drechsel, 2000, La France dans le monde, München, GRIN Verlag GmbH
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