1. Einleitung
2. Entstehung der Familiennamen
2.1 Ursachen für Entstehung
2.2 Zeitliche und räumliche Ausbreitung der Familiennamen
2.3 Historisch- soziale Gliederung der Familiennamen
Bildung der Familiennamen 3.
Bildung von Familiennamen aus Rufnamen 3.1
Patronymika
3.1.1
Metronymika
3.1.2
Aus dem Genitiv von Rufnamen gebildete Familiennamen 3.1.3
Satznamen
3.2
Herkunftsnamen 3.3
Bildung aus Wohnstättenbezeichnungen 3.4
Bildung aus Berufsbezeichnungen 3.5
Bildung aus Übernamen 3.6
Jüdische Familiennamen 4.
Schluss
5.
Bibliographie 6.
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1. Einleitung Mein Thema beschäftigt sich mit den Familiennamen und besonders mit den Hinter- gründen der Entstehung, besonders im historisch- sozialen Bereich und der Untertei- lung der Familiennamen.
Ich habe dabei auf die geographische Gliederung verzichtet, da dies den Rahmen einer Proseminararbeit sprengen würde.
2. Entstehung
2.1 Ursachen für Entstehung
Jahrtausende lang trugen die Menschen nur einen Namen. Eine Ausnahme waren die Römer mit ihrem 3- Namen- System, das aus Rufname + Sippenname + Beina- me bestand. Aber heutzutage ist es in fast allen Ländern Vorschrift wenigstens zwei Namen zu tragen: Vor- und Familiennamen Der Rufname reicht ursprünglich zur Kennzeichnung einer Person aus. Gelegentlich konnte ihm auch ein Beiname hinzugesetzt werden. Diese Zusätze wurden im Allge- meinen nicht vom Vater auf den Sohn vererbt und galten auch nicht für die anderen Familienmitglieder. Es konnte sich um eine genealogische Erläuterung handeln 1 , um Angabe der Herkunft oder der Wohnstätte 2 , des Berufes oder Amtes 3 . Besonders bei Königen dienten sogenannte Übernamen zur Charakterisierung: Ludwig der Fromme, Ludwig der Heilige, Iwan der Schreckliche, zur Auszeichnung: Karl der Große oder zur Unterscheidung: Pippin der Ältere/ der Jüngere, Ludwig das Kind. Weil sich bei mittelalterlichen Überlieferungen manchmal auch verschiedene Zusätze bei der glei- chen Person finden, ist oft nicht klar, ob es sich um ständige Beinamen oder um ge- legentliche Erläuterungen des Schreibers zur genaueren Identifikation der Person handelt.
Aus den Beinamen entwickelten sich die Familiennamen. Seit Anfang des 12. Jahr- hunderts lässt sich in Urkunden eine verstärkte Tendenz zur regelmäßigen Perso- nenbezeichnung mit Ruf- und Beinamen beobachten. Allerdings ist die Unterschei- dung zwischen Bei- und Familiennamen bis ins 14/15. Jahrhundert schwierig. Es lässt sich nicht immer erkennen ob ein Beiname schon ein Familienname ist oder nicht. Als wichtige Kriterien für die Feststellung, ob Beiname oder nicht, gelten ers- 1 z.B. Hiltibrant Heribrantes sunu= Hildebrand Sohn des Heribrand 2 dies findet man häufig bei Adelsgeschlechtern, die sich nach der Stammburg benannten: z.B. die Habsburger, Hohenstaufen etc.
3 z.B. Wartmann der Wächter, oder Peter der Müller
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tens eine Vererbung des Namens über mehrere Generationen. Allerdings kann es auch da Unsicherheiten geben, weil eine Wohnstätte oder ein Beruf ja auch vom Va- ter auf den Sohn vererbt werden können. Zweitens, dass Geschwister den selben Namen tragen. Drittens, der Name passt nicht mehr zur bezeichneten Person 4 . Vier- tens, der Wegfall von Verbindungsgliedern zwischen Ruf- und Beinamen 5 ist ein sehr unsicheres Kriterium, kann aber je nach Quellenbeschaffenheit auch benutzt werden.
Es gibt eine Reihe von Gründen für die Ausbreitung der Zweinamigkeit. Die Zahl der gebräuchlichen Rufnamen wurde ständig geringer 6 und deswegen trugen mehr Men- schen den gleichen Namen. Infolge der traditionellen Namengebung begegnete man in einer Familie oder Sippe häufig dem gleichen Vornamen 7 . Zur genauen Personen- bezeichnung waren präzisierende Zusätze notwendig. 8 Außerdem wuchs die Bevöl- kerung der mittelalterlichen Städte immer mehr an. Um 1200 gehen Schätzungen für Köln schon von einer Bevölkerung von 10000 bis 15000 Menschen aus; Lübeck, Frankfurt/Main, Zürich erreichten bis zur zweiten Hälfte der 13. Jahrhunderts mehr als 10000 Einwohner. Bei dieser Anzahl von Menschen waren unterscheidende Zu- sätze zu den Vornamen erforderlich. Der Fernhandel und auch andere Verbindungen von Stadt zu Stadt entwickelten sich mit dem Aufblühen der Städte, gleichnamige Personen kamen zusammen 9 .
Diese Faktoren begünstigen die Entstehung von Beinamen. Sie hätten dem Bedürf- nis nach Unterscheidung, auch ohne Erblichkeit, genügen können. Für die Entste- hung erblicher Familiennamen aus den Beinamen gibt es weitere Ursachen. Die Wohnung, der Besitz, der Beruf, das Amt und auch Eigenschaften konnten vom Va- ter auf den Sohn übergehen. Somit konnte der darauf zielende Beiname auch auf 4 z.B., wenn der Beiname Fett vom Vater auf den hageren Sohn übertragen wird oder der Sohn Bäcker gerufen wird, obwohl er Müller ist etc.
5 wie z.B. Hennich Kotzhusen statt Hennich von Kotzhusen oder. Heinrich Schenke statt Heinrich genannt der Schenke 6 Durch eine Vereinheitlichung des Namenschatzes. , einige besonders beliebte Rufnamen wurden vermehrt gegeben, andere starben ab: in Lübeck hießen bis zur Mitte des 14.Jh. von 6700 Personen 323 Hermann, 190 Heinrich, 177 Gerhart, 157 Thidemann, 143 Konrad; 163 Adelheit, 26 Mechthilt, 22 Gertrud 7 ein alter Brauch war, den Enkel nach dem Großvater zu benennen, es entstanden bestimmte Leitnamen einer Sippe, die mit Regelmäßigkeit wiederkehrten 8 so nennt z.B. Werner der Gartnaere den nach seinem Vater benannten Bauern Helmbrecht den jungen Helm- brecht 8 so nennt z.B. Werner der Gartnaere den nach seinem Vater benannten Bauern Helmbrecht den jungen Helm- brecht 9 es musste eine Unterscheidung geben zwischen Peter aus Frankfurt und seinem Geschäftspartner Peter aus Bremen
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den Sohn übergehen und eine gewisse Erblichkeit war entstanden. 10 Für den Adel war die Vererbung der Stammburg vom Vater auf den Sohn besonders bedeutsam. Vor allem, nachdem Konrad II. 1037 die Erblichkeit der Lehen zugestanden hatte. Durch den erblichen Beinamen wurden nun erbliche Rechte und Besitz zum Aus- druck gebracht. Abgesehen von dieser jüngeren Entwicklung war der Brauch der Sippen- oder Familienzugehörigkeit durch den Namen Ausdruck zu verleihen, schon in germanischer Zeit vorhanden 11 . An die Stelle der Bindung durch den Stabreim im Rufnamen trat immer stärker die Bindung durch den Beinamen. Bei diesem Prozess ist der Einfluss der romanischen Staaten nicht zu verachten. Zum Beispiel hatte sich in Oberitalien das Bürgertum viel früher entwickelt als in Deutschland In Venedig und in Mailand gab es Familiennamen schon im 8. Jahrhundert. Über Frankreich wirkte diese Entwicklung auf den deutschen Westen und Südwesten, wo sie einen günsti- gen Nährboden fand.
Eine wichtige Voraussetzung für die Einführung von festen Familiennamen bei grö- ßeren Teilen der Bevölkerung war, die Entwicklung der kommunalen Verwaltung mit der städtischen Kanzlei, Steuerlisten und Bürgerverzeichnissen. Ohne den Stadt- kämmerer 12 und Stadtschreiber sind Familiennamen als „Massenerscheinung“ nicht denkbar. Diesen Stand erreichten viele Städte aber erst im 13./14. Jahrhundert, des- halb konnten sich die Familiennamen erst in dieser Zeit durchsetzen, obwohl die o- bengenannten Faktoren schon viel länger wirkten.
2.2 Zeitliche und räumliche Ausbreitung der Familiennamen
Man findet die Familiennamen seit dem 12. Jahrhundert zuerst in den großen rheini- schen Städten. Im Verlauf der folgenden 3 Jahrhunderte verbreiteten sie sich vom Westen und Süden nach Osten und Norden, von den größeren in die kleineren Städ- te. 13 Im größten Teil Deutschlands hatte sich die Entwicklung der Familiennamen bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts vollzogen. Allerdings war diese Entwicklung vor allem in den ländlichen Gebieten noch lange nicht abgeschlossen, dies geschah teil- weise erst im17./18. Jahrhundert.
10 Der Sohn Peters des Müllers war auch Müller: Hans der Müller 11 z.B. durch den Stabreim im Anlaut der Namen: Gunter, Gerenot, Giselher der Brüder im Nibelungenlied oder Hiltibrant, Heribrant, Hadubrant bei Vater, Sohn und Enkel: gleicher Stabreimanlaut und gleiches Endsuffix des Namens 12 nachg.
13 In Köln trugen schon um 1150 ca. 18% der Bürger einen Beinamen, 100 Jahre später sind es 70-90%. Aber die war auch für das Rheinland ein Sonderfall: in Frankfurt hatten 1311/12 noch 66% der Bürger nur einen Rufna- men; dagegen gab es in Wien bereits 1288 keine Einzelrufnamen mehr
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Die Familiennamen besaßen lange Zeit nur eine relative Festigkeit. Sie haben oft bei einer Familie gewechselt: Adlige konnten oft nach ihren Besitzungen unterschiedlich heißen: Zenno von Bühl/ Zenno von Bottingen, die Grafen von Wittelsbach hießen vorher von Scheyern Bei Bauern wechselte oft der Name wegen des bewirtschafte- ten Hofes: Cord Merlhusen, der jetzt des Hofes wegen Cord Hesse heißt. Auch Hei- rat oder Beruf konnten zu einem Namenswechsel führen: Ein Dresdener Ratsmitglied urkundet 1513 als Georg Eyssenmenger (Eisenhändler), 1514 als Georg Seydenheffter, 1525 als Seydensticker, 1531 als Georg Czollner (Zöllner). 14 Viele Künstler und Gelehrte wechselten den Namen. Besonders zur Zeit des Huma- nismus im 15. Und 16. Jahrhundert war es in gebildeten Kreisen die Mode den Na- men zu Latinisieren oder Graecisieren. Dies geschah einmal durch lautliche Umfor- mung und das Anhängen fremder Endungen 15 beziehungsweise durch Überset- zung. 16 Außerdem war die Schreibweise der Familiennamen nicht fest, da es noch keine ein- heitliche Orthographie gab..
Erst im 17. Jahrhundert erfolgten behördliche Verordnungen, um den Namenswech- sel zu unterbinden, die Zweinamigkeit durchzusetzen und um die Schreibweise zu sichern.
2.3 Historisch- soziale Gliederung der Familiennamen
Außer der zeitlich- räumlichen Gliederung gibt es auch eine historisch- soziale Glie- derung.
Unter den Adelsgeschlechtern im Südwesten gab es schon gegen Ende des 10. Und in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts feste Familiennamen. In den Städten mach- ten damit die Patrizier 17 den Anfang. Sie standen im öffentlichen Leben und hatten Beziehungen ( vor allem Handelsbeziehungen) zu anderen Städten. 18 In den Dörfern setzte diese Entwicklung später ein, weil es dort nicht diese Fülle von Menschen mit gleichem Rufnamen, wie in den Städten gab. Hofbesitzer waren durch den Hofnamen gekennzeichnet.
Am längsten ohne festen Familiennamen blieben Dienstboten, Mägde und Knechte, in der Stadt wie auf dem Land. Für urkundliche Eintragungen genügte meistens der 14 alle Beispiele zitiert nach dtv- Atlas. Namenkunde 15 Heinrichs→Henrici, Michels→ Michaelis, Müller→ Mylius, etc.
16 Bauer→ Agricola, Fuchs→ Vulpius, Müller→ Molitor, Schmidt→ Faber, Schulze→ Praetorius, Schwarzert→ Melanchton etc.
17 städtische Bürgerschaft
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Rufname, sowie die Angabe des Dienstherrn. 19 Teilweise wurden Landarbeiter, Arme und sonstige Abhängige überhaupt ohne Namen, auch ohne Rufnamen, verzeich- net. 20 Sogar der wirklichen Name eines Dienstboten konnte durch den seines Herrn verdrängt werden. 21 Noch bis in unser Jahrhundert wurde auf Dörfern der „Knecht“ Kurt Müller bei dem Bauern Franzen einfach Franzens Kurt genannt. Die untergeordnete Stellung der Frau findet sich auch in den Familiennamen wieder. Es finden sich zunächst kaum selbständige Familiennamen. In der Regel wurde die Frau nach der Heirat mit dem Namen des Mannes genannt, manchmal behielt sie auch den Namen des Vaters bei, wenn er dem Mädchenrufnamen hinzugesetzt wor- den war. Zunächst ist sehr häufig die Movierung des Mannesnamens zu beobach- ten. 22 Daraus entwickelte sich allmählich der Brauch, die männliche Namensform ohne weitere Veränderung auf die Frau zu übertragen. Abgesehen von der Movie- rung gab es auch andere Möglichkeiten, die Frau nach dem Mann zu benennen. 23 Gelegentlich gab es auch Frauen mit selbständigen Beinamen, unabhängig von de- nen des Vaters, Mannes oder Dienstherrn. Dabei wird es sich vor allem um bedeu- tendere Frauen handeln, die auch als Rechtspersonen auftraten und durch ihren Be- sitz bekannt waren. 24 Neuhinzugezogene alleinstehende Frauen wurden dann wie die Männer nach dem Herkunftsort genannt. 25 Sehr selten waren Benennungen von Männern nach einer Frau. 26 3. Bildung der Familiennamen
3.1 Bildung von Familiennamen aus Rufnamen
3.1.1 Patronymika
Patronymika sind Vatersnamen. Personen wurden nach dem Rufnamen des Vaters genannt. Sie sind aus der Kennzeichnung des Verhältnisses von einer Person zu einer anderen entstanden. Die ist meist der Vater. 27 18 unter 185 Namen der Dresdener von 269 Ratsmitgliedern bis 1500 erscheinen nur 4 Einzelnamen, der letzte
1318 19 in Dresden 1516 Bernhart des Rats alhier zw (zu) Dresden Reyttender knecht und Diner. Zit. Nach Die deut- sche Sprache 20 z.B. in Plauen 1430 Frießners Gesell, in Dresden 1556 der armen Witwen tochter bej der vogelstange 19 in Dresden wird 1500 anlässlich des Todes eines Patriziers, des alten Monheubt, auch sein Winzer Peschen gnant Das Monhewbtigen erwähnt . ²² der Pauwel Heynchenynne, Gregor Futtermarchalschin, Merten Stöltzsnerin, Hildebrendesche etc. 23 Berrendes wedewe, vidua (Witwe) Hermanni Storkes, katherinen nachgelasßnen witwen mertin lippardts vnd nu Simon Jhans toppfers ehelichen haußfrawn, 24 Ilsebe Wendinne, Aleken Lutteken de Goslaria, Ilsabe von deme Bomegarden 24 23 Alheyd von Norten, Katerina van Bonstede, Jutte von Hamelen
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Die Bildung von Patronymika erfolgt in den europäischen Sprachen erstens durch Zusammensetzungen für Sohn beziehungsweise Tochter. Am deutlichsten ist das bei isländischen Namen auf –son bzw. –dottir. Mehr als zwei Drittel der Dänen tragen Namen auf –sen, das aus –son entstanden ist. In der Türkei, wo erst 1934 Familien- namen angenommen werden mussten, entschieden sich nur 5% der Bevölkerung für Patronymika. Die Wörter für Sohn sind oft mit dem Namen verschmolzen, so dass sie nicht mehr deutlich erkennbar sind. 28 Zweitens durch den Genitiv, indem statt Otto Heinrichs Sohn etwa nur Otto Heinrichs gesagt wurde. Der Name traf ja bei Weiter- vererbung nicht mehr nur Heinrichs Sohn, sondern auch seine Enkel, Urenkel, etc.. Dieser Typ ist im Englischen besonders häufig. Dabei treten wie im Deutschen starke Endungen auf –s und schwache auf –en auf. 29 Drittens durch Präpositionen in der Bedeutung Genitiv/ von. Sie übernehmen patronymische Funktion in Namen. 30 Vier- tens durch Suffixe, die die Bedeutung „zugehörig“ haben. Diese treten besonders in slawischen Sprachen auf. 31 Auch mit Suffixen wie dt. –er, -ing, -mann, frz. –ard konn- ten Familiennamen aus Rufnamen abgeleitet werden. Aber diese Suffixe treten häu- figer in anderen Funktionen, Namen, Wortgruppen auf. Fünftens durch Verkleine- rungssuffixe. Mit ihnen wurden oft Koseformen von Rufnamen gebildet. Sie bieten sich aber auch an, einen Junior nach einem Senior zu benennen. 32 So konnten mit Diminutiven 33 auch Patronymika gebildet werden. 34 Durch einfache Addition konnten auch Familiennamen gebildet werden, dass heißt Rufname des Sohns/ der Tochter plus Rufname des Vaters. Dieser Typ ist in Deutschland besonders häufig vertreten. Er ist aber auch in anderen Sprachen sehr verbreitet.
26 Hans von der Sophy, Goczke der Wysynne Man 27 in Russland führte die Kennzeichnung nach dem Vater zum 3- Namensystem: Vorname, Vatersname, Famili- enname: Jascha Michailowitsch( Sohn des Michail) Deganov. Tatjana Ivanovna( Tochter des Iwan) Deganova; die Isländer führen nur den Vatersnamen und gar keine Familiennamen: Kinder von Gunnar Bjarnason und Ingibjörg Larusdottir heißen Finnbogi Gunnarsson und Helga Gunnrsdottir (Tochter des Gunnar) 28 ital. Figlio erscheint zu Fi- verkürzt; irisch/ schottisch Mac Phail (Sohn des Paul) kann sich entwickeln zu Quail, Mac Austin zu Costain; walisisch ap „Sohn“ wird zu B- oder P- am Anfang von Namen wie Bedvard, Pugh, Bevan (Sohn des Edward, Hugh, John) 27 Roberts, Davis, Philipps bzw. Thommsen, Hobben, Dawn 30 wie frz. Daubert „ von Albert“, ital. Di Giorgio, span. De Francesco 31 russ. -owitsch/-ewitsch, -ow/-ew, -in; tschech. –sky; poln. –ski, oft zusammen mit anderen Suffixen –owski, -ewsk, -inski 32 Hein und das junge Heinle, Fritz und das Fritzeken 31 Kose- bzw. Verkleinerungsformen 32 ital. Suffixe –ello, -elli, -etto, -etti, -ino, -ini, -oni, -otto, -otti; nl: -ken(s, -tjen(s))
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Familiennamen, die aus Rufnamen entstanden sind, sind noch heute ein Spiegelbild der mittelalterlichen Rufnamengeschichte. Je seltener ein Rufname damals war, des- to besser eignete er sich dazu, einen Menschen zusätzlich zu kennzeichnen, indem man ihm den seltenen Rufnamen des Vaters als Beinamen hinzusetzte. Rufnamen, die sehr häufig waren in der Zeit der Entstehung der Zweinamigkeit, wie Konrad, Heinrich, Ulrich, Hans, wurden seltener benutzt. Allerdings stimmt diese Beobach- tung nur relativ und auf den Ort gesehen. Absolut gesehen, sind die Familiennamen, die aus Konrad, Heinrich etc. abgeleitet sind, wie Kunze, Hinz(e), Heinemann etc. heute recht häufig, weil sich die wenigen Fälle pro Ort sich im gesamten deutschen Sprachgebiet doch ansammelten. So hat die Bevorzugung einiger weniger Rufna- men im Spätmittelalter ihre Spuren im heutigen Familiennamenschatz hinterlassen. 35 In England teilten sich im 14. Jahrhundert zwei Drittel aller Männer 7 Rufnamen 36 . Die sich daraus entwickelnden Familiennamen stellen heute die mit Abstand größte Gruppe aller englischen Patronymika.
In den USA bilden Familiennamen aus John und William die zweit- und dritthäufigs- ten Familiennamen überhaupt. Die ebenfalls zahlreichen aus David abgeleiteten Fa- miliennamen gehen auf Zuwanderer aus Wales zurück, wo David Landespatron und deshalb als Name besonders beliebt war.
Eine Fülle von Kurz-, Kose- und Verkleinerungsformen mittelalterlicher Rufnamen mit all ihren mundartlichen Abwandlungen aus dem alltäglichen Sprachgebrauch sind in den Familiennamen konserviert worden.
Das Verhältnis germanischer gegenüber christlicher Rufnamen spiegelt sich eben- falls in den Familiennamen wieder. Im Südwesten zum Beispiel überwiegen Famili- ennamen aus germanischen Rufnamen weit vor denen aus christlichen Rufnamen. 37 Daran kann man erkennen, dass als die christlichen Rufnamen Ende des 13. Jahr- hunderts in Mode kamen, die Ausbildung der Familiennamen soweit abgeschlossen war, so dass christliche Rufnamen nur selten in Familiennamen eingehen konnten. Östlich der Elbe hingegen überwiegen Familiennamen aus christlichen Rufnamen, weil sich dort die Familiennamen erst später verfestigten. 38 Am Mittel- und Nieder- 35 aus Johannes, dem beliebtesten damaligen Rufnamen entstanden über 300 deutsche Familiennamen wie z.B.: Jansen, Jahn, Jehn, Jaenig, Gensch, Jaenicke, Jennek, Guderian, Hensel, Hanke, Hahnemann, Hamann, etc. 34 John, William, Thomas, Richard, Robert, Henry, David 35 ihr Verhältnis beträgt in Freibug/Br. Im 13.- 15. Jh. 84:16%; in Esslingen 88:12% 37 ihr Verhältnis beträgt in Freibug/Br. Im 13.- 15. Jh. 84:16%; in Esslingen 88:12% 38 in obersächsischen Städten beträgt das Verhältnis germ. zu christl. zu slaw. Patronymika 41:54:5%
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rhein waren die christlichen Rufnamen schon früher als anderswo üblich geworden und konnten so in die Familiennamenbildung eingehen.
Bei christlichen Patronymika kam es wesentlich häufiger zu Kurzformen als bei ger- manischen. Das lag hauptsächlich daran, dass die gewohnten zweigliedrigen germa- nischen Rufnamen den Menschen wesentlich leichter von der Zunge gingen, als die oft drei- oder viergliedrigen christlichen Rufnamen, die aus fremden Sprachen stammten und oft auch eine ungewohnte Betonung und Lautverbindungen hatten. Daher sind viele germanische Rufnamen ungekürzt zu Familiennamen geworden, 39 während ungekürzte christliche Rufnamen als Familiennamen 40 selten sind. Sie tre- ten oft in Kurzformen auf. 41
3.1.2 Metronymika
Metronymika sind Mutternamen. Diese Gruppe ist bei weitem nicht so umfangreich, wie die der Patronymika. Dies hängt mit geringeren sozialen und rechtlichen Stellung der Frau in der mittelalterlichen Gesellschaft zusammen. 42 Mögliche Gründe für die Entstehung der Metronymika sind die Benennung nach der Mutter oder Ehefrau, weil diese den Vater oder Gatten an Abstammung, Vermögen oder Ansehen übertraf, die Benennung von unehelich Geborenen oder von Kindern von Witwen, die Benennung von Abhängigen nach ihrer Herrin. 43 Daneben ist in Einzelfällen auch eine andere Herkunft möglich. Alisch(er) kann auf Adelheid, aber auch auf slawische Kurzformen von Alexander zurückgehen.
3.1.3 Aus dem Genitiv von Rufnamen gebildete Familiennamen
Patronymika im Genitiv sind heute wegen missverständlicher Schreibung heute kaum mehr zu erkennen, besonders wenn sie von Rufnamen auf –old oder –hart abgeleitet sind. 44 Das Verbreitungsgebiet von Namen mit starkem Genitiv auf –s deckt sich in etwa mit dem von Namen mit schwachem Genitiv auf -en. 45 Oft wurden, besonders 39 Herrmann, Hartmann, Günther,Markwart 40 wie Augustin(us), Benedikt(us), Balthasar, Hieronymus 39 wieAugste(i)n, Au(g)st, Austen, Bendix, Balzer, Grollmus etc 42 das Verhältnis zu aus männlichen Rufnamen abgeleiteten Bei-o. Familiennamen beträgt in Magdeburg im 14. Jh. 32:349; in Braunschweig bis 1402 16:122 43 im Niederdeutschen ist manchmal die ehrende Anrede vrouwe ( Herrin, edle Frau) in der abgeschwächten Form ver(n) mit dem Familiennamen verschmolzen: Vernaleken (der Frau Adelheid), Verwiebe ( Wigburg) 44 Arnholz für Arnold –s, Warmholz für Warinholt –s, Bierholz, - hals für Berold –s,etc. 45 dieser wurde bei Rufnamen verwendet, die auf Vokal, -s oder –z enden: Otto→ Otten, Jutta→Jutten, Ku- no→Kuhnen, Heiko→Heyken, Lorenzen, Hansen etc.
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im Niederdeutschen, beiden Genitive miteinander kombiniert. 46 Latinisierte Familien- namen 47 im Genitiv enden auf –i, -is, -ae. 48
3.2 Satznamen
Satznamen sind Namen, die ursprünglich aus Sätzen zusammengerückt sind Be- kannte Träger solcher Namen sind zum Beispiel Klaus Störtebeker 49 oder Shakes- peare 50 .
Als ursprüngliche Sätze sind alle diese Namen mit Verben – meist in der Imperativ- manchmal auch in der Ichform gebildet -.
Die ältesten Satznamen sind bereits vor 1150 in Köln nachweisbar. 51 Sie erlebten im 14./15. Jahrhundert ihre Blütezeit. Später nahm ihre Anzahl wieder ab. Ihre Herkunft ist nicht gesichert. Sie können spontan entstanden sein, aber auch durch das Französische beeinflusst worden sein, wo die Satznamen etwas eher ent- standen sind.
Auch Sätze und Redewendungen, die eine Person ständig im Mund führte könnten zum Übernamen und später zum Familiennamen geworden sein. 52
3.3 Herkunftsnamen Die Entstehung der Familiennamen geschah zu einer Zeit mit sehr starken Binnen- wanderungen. Die Landbevölkerung zog es in die aufblühenden Städte. Die Zugezo- genen benannte man gern nach ihren Herkunftsgebieten. Die daraus entstandenen Namen gliedern sich nach Völkern/ Ländern 53 , Stämmen 54 , Regionen 55 , Orten 56 . Die Herkunftsnamen bilden eine zahlenmäßig starke Gruppe, besonders in den Städ- ten. 57 46 Kunens zu Kuno, Hobbens zu Habbo aus Hadubrand 47 siehe S.
48 Caspari, Petri, Danielis, Andreae, Thomä 49 stürze den Becher 50 schüttle, schwinge den Speer 51 Brechseif – brich die Seife , Scuceverchen- schütze, hege die Schweine 52 z.B.: B(e)igott, Michdorst (mich dürstet es), Gotterbarm 53 Unger nach Ungar 54 Bayer 55 Bergsträßer 56 Basler, Kölln 57 in Hamburg ca. 40%, in den Dörfern um Hamburg 10-20%
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Als Präposition zur Angabe der Herkunft wurde meistens von, ut oder das lateinische de verwendet, manchmal auch ...der/ die... . Dieser Typ war überall in Deutschland verbreitet, ist heute aber nur noch in einigen Randgebieten zu finden. 58 Bei diesen Fällen handelt sich es bei „von“ um kein Adelsprädikat. Bei Nichtadligen hielt sich das von nur an den Rändern im Nordwesten 59 und in der Schweiz. Beim Adel hielt sich das von und gewann seit dem 17. Jahrhundert den Wert einer besonderen Kenn- zeichnung. Adelsnamen sind meist zu den Wohnstättenbezeichnungen zu rechnen. Im Spätmittelalter, als solche Angaben zum Familiennamen zum Familiennamen wurden, vernachlässigte man solche Angaben immer mehr. Im Oberdeutschen 60 be- gann etwa ab 1400 der artikellose Typus auf –er zu überwiegen. 61 Im Mitteldeut- schen 62 ist gegen Ende des 15. Jahrhunderts das von so gut wie verschwunden und hat den Typus „unveränderter Ortsname“ hinterlassen. 63 Im Niederdeutschen 64 ge- schah dasselbe, nur dass sich teilweise dort auch der Typus –mann hielt. 65 Auch das Suffix –er wurde zur Herkunftsbezeichnung verwendet. Dieses –er hat keine patro- nymische Bedeutung wie –er bei Rufnamen. Zunächst steht noch ein Artikel 66 , der dann später aber verschwindet.
Es treten nicht wie bei Schmidt oder Meyer eine dieselben Namen sehr häufig auf, sondern eine große Anzahl unterschiedlicher Namen. 67 Aber diese Namen sind auch die instabilste Gruppe. 68 Das liegt daran, dass derselbe Herkunftsname nur sehr beschränkt und an die nähere Umgebung gebunden auftrat, während andere Namen häufiger und überregionaler auftraten. 69 Probleme beim Erfassen von Herkunftsnamen ergeben sich daraus, dass anschei- nend eindeutige Fälle auch zu anderen Gruppen gehören können 70 , eine Trennung 58 unter Dresdener Ratsherren findet man 1332 u.a. Heynrich von Pirne (nach Pirna bei Dresden), Hermannus de Lyptzk (Leipzig) 59 mit Anschluss an das Niederländische 60 wo 61 auch –ler, -ner Furtwängler, Wiesentner 62 wo 63 entstanden u.a. aus Kürzung von Heinrich von Altenburg und Heinrich Altenburger zu Heinrich Altenburg; Andere Bsp. Auerbach, Bodelschwingh, Steinhagen Scharnhorst 64 wo 65 innerhalb des –mann-Typus gibt es im Nordwesten viele Bildungen zu Flussnamen.: Aller-, Ems-, Leine-, Lipp-, Necker-, Sauermann 66 z.B. im 12. Jh. Albrecht der Basiler (Basler) →1580 M. Magdeburger, 1582 hans Salfelder 67 theoretisch konnten so viele Namen entstehen wie es Ortsnamen gibt und dazu mehrere Varianten: zu Köln: Köllner, von Cölln, Kölsch, Kölling, Cölnermann 68 im Altenburgischen waren von den vielen um 1600 nachweisbaren Herkunftsnamen 200 Jahre später noch 15% vorhanden, von den Patronymika noch 40% 69 Schmidt heißen viele Familien in vielen Gegenden, weil der Name aus einem überall verbreiteten Beruf stammt; Kröpelin nur wenige Familien, weil der entsprechende Ortsname einmalig und nur in Mecklenburg
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von den Wohnstättennamen schwierig ist, besonders in den Fällen, wo Ortsnamen aus Flurnamen hervorgegangen sind 71 , lautliche Differenzen zwischen Ortsnamen und daraus abgeleiteten Herkunftsnamen bestehen. In den Herkunftsnamen kann einerseits der Ortsname in einer alten/ mundartlichen Form konserviert sein, die von der heute amtlichen abweicht 72 und andererseits kann sich auch der Herkunftsname durch lautliche Entwicklung vom Ortsnamen entfernt haben 73 .
3.4 Bildung aus Wohnstättenbezeichnungen
Man spricht von Wohnstättennamen, wenn ein Mensch nach seinem Wohnsitz, nach dessen Lage an Fluss, Wald, Berg etc. benannt ist. In der Bildungsweise besteht kein grundsätzlicher Unterschied zu den Herkunftsnamen.
Auch bei den aus Bezeichnungen der Wohnstätte gebildeten Familiennamen liegt die Verwendung einer Präposition am nächsten. Allerdings gibt es hier eine Reihe von unterschiedlichen Präpositionen 74 .
Abgesehen von den Adelsnamen hat sich dieser Typus heute nur noch in Randge- bieten, wie im Nordwesten und in der Schweiz erhalten.
Familiennamen dieser Art treten im deutschen Sprachgebiet unterschiedlich stark in Erscheinung, spielen aber im Verhältnis zu den übrigen Gruppen eine zahlenmäßig geringere Rolle.
3.5 Bildung aus Berufsbezeichnungen
Die Namengebung nach dem Beruf hat sich vor allem in der mittelalterlichen Stadt mit der weitgehenden Spezialisierung und Arbeitsteilung unter den Handwerkern ent- faltet.
Besonders entwickelt war die Spezialisierung im metallverarbeitenden Gewerbe. Für diese Berufe gab es zum Beispiel im mittelalterlichen Nürnberg 59 verschiedene Be- zeichnungen, vor allem für den Schmied 75 , auch andere Berufe sind in vielen Ab- vorhanden ist; wenn eine Familie Kröpelin ausstirbt oder den Namen wechselt, kann das schon den Familienna- men gefährden, bei Schmidt hingegen nicht 70 Hamburger, Heimburger auch zu Heimbürger „Dorfschulze“; Wiener auch zu slaw. Viniar „Winzer“ 71 die in mittelalterlichen Quellen oft noch getrennten Typen Hans von Bühl und Hans am Bühl (Hügel) fallen später in Hans Bühl oft zusammen, Harder kann der in/an der Hardt(Wald) oder der aus Hardt sein 72 Baudissin „aus Bautzen“, Behe(i)m „der Böhme“, Brunswik „aus Braunschweig“, Soltwedel „aus Salzwedel“ 73 Neuneier aus Neuenau, Murner, Flettner aus Murnau, Flettnau, Jener, Fulder aus Jena, Fulda, Besler aus Ba- sel 74 z.B. Kune bi dem Borne, Mathis uf der Hofestad, Dytherich bi dem Tore, Pauwel am Ende (am Ende der Gas- se wohnend), 75 z.B. Büchsenschmidt, Kupfersmid, Kaltsmid, Helmsmyd, Hufsmit, Messersmit, Drotzieher, Kannengiesser etc.
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wandlungen vertreten zum Beispiel Böttcher, 76 Fleischer 77 und Schuster 78 . Auch „Fah- rendes Volk“ 79 findet man in Namen vertreten.
Es gibt auch sogenannte mittelbare Berufsbezeichnungen, die zu Familiennamen wurden. Sie enthalten nicht die direkte Berufsbezeichnung, sondern beziehen sich auf das Material, das Werkzeug, das Erzeugnis oder den Arbeitsgang des Handwer- kers. 80
3.6 Bildung aus Übernamen
Der Begriff „Übername“ wird unterschiedlich verwendet: im weitesten Sinn synonym mit Beiname, dass heißt für alle über den eigentlichen Personennamen hinaus vor- handenen, die Person charakterisierenden Namen; im weiten Sinn für alle Beinamen, außer denen, die aus Rufnamen gewonnen sind; im engen Sinn –so wie hier- für die Beinamen, die nicht zu den Patronymika, Herkunfts-, Wohnstätten- oder Berufsna- men gehören, sondern nach auffallenden körperlichen oder geistigen Eigenschaften eines Menschen von seinen Mitbürgern gegeben worden ist, oft auch in derbem Spott. Es sind alle Wortarten verwendet worden, doch Substantive und Adjektive ü- berwiegen.
Die Bildung erfolgte durch direkte Benennung des Sachverhaltes 81 oder durch meta- phorische Benennung 82 oder metonymische Bedeutung, dass heißt durch Gegens- tände, Personen, Redewendungen etc., die in irgendeiner Beziehung zum Benann- ten stehen 83 . Auch aus Sätzen konnten Familiennamen entstehen. Die Übernamen kann man ihrer Bedeutung nach in folgende Gruppen einteilen 84 : 1. Körperliche Eigenschaften, Körperteile 85 ; 2.Eigenschaften des Geistes oder Charak- ters 86 ; 3. Tiere, Körperteile von Tieren 87 ; 4. Pflanzen, ihre Teile und Früchte 88 ; 5. Ge- 76 in Binder, Büttner, Küfer, Küppner, Kübler;
77 in: Fleischmann, Knochenhauer, Metzger, Metzler, Schlachter, Sülzer, Selcher 78 in: Schuster, Sutter, Schubert, Schurig, Schu(h)mann 79 in: Pfeif(f)er, Pi(e)per, Fiedler, Lautenschläger, Tänz(l)er 80 auf den Schmied beziehen sich zum Beispiel: Hammer(schlag), Blasebalg, Funke, Hufnagel, Amboss; auf den Fleischer: Rindfleisch, Kalbsfuß, Speck 81 Greulich ( Greil, Graul, Gruhl) „schrecklich“, Wahnschap, Wahnschaff(e) „missgestaltet“ 82 Spatz, Spar, Sperl, Lüning etc. “Sperling“ für einen kleinen, mageren oder flinken Menschen; Storm aufbrau- send wie ein Sturm 83 Sonntag = am Sonntag geboren; Herzog = im Dienst des Herzogs stehend etc. 84 zit. Nach dtv- Atlas 85 Jung, Knie 86 Wrede = grimmig 87 Stier, Pagenstert = Pferdeschwanz 88 Pilz, Holzapfel
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genstände 89 ; 6. Gestirne, Naturerscheinungen 90 ; 7. Jahres- und Tageszeiten, Monate und Wochentage, Festtage 91 ; 8. Kirchliches 92 ; 9. Geld und Geldwert 93 ; 10. Besitz 94 ;
11. Gelegentliche oder gewohnheitsmäßige Handlungen 95 ; 12. Abstammung, Ver-
wandtschaft 96 ; 13. Weltliche und geistliche Würdenträger 97 ; 14. Reihenfolge 98 ; 15. Vorstellungen des Volksglaubens 99 .
Am häufigsten ist der Übername dem Rufnamen als Apposition zugeordnet 100 . Gele- gentlich findet sich anfangs auch noch der Artikel 101 . Wird mir dem Rufname ein Att- ribut verbunden 102 entstehen entweder Namen vom Typ Langheinrich oder - mit Sub- stantivierung und appositioneller Nachstellung des Adjektivs- Namen vom Typ Hein- rich [der] Lange 103 . Das Adjektiv kann stark, schwach oder auch nicht flektiert sein. 104 4. Jüdische Familiennamen Juden waren bis ins 18. Jahrhundert hinein im öffentlichen Leben Beschränkungen unterworfen und nahmen eine Sonderstellung ein. Dies zeigte sich auch darin, dass sie teilweise bis ins 18. Jahrhundert hinein keine festen Familiennamen besaßen. Sie führten als Beinamen gern den Namen des Vaters: Jakob ben (Sohn des) Levi. In größeren Städten fanden sich zuweilen auch andere Beinamen. 105 Seit dem 18. Jahrhundert verlangten die gesetzlichen Bestimmungen auch von den Juden die An- nahme von festen Familiennamen.
In den meisten Gegenden stimmen die von Juden angenommenen Familiennamen mit den allgemein üblichen Typen überein. Oft überwiegen Ableitungen von Orts- und Ländernamen: Altenburg(er), Strassburg(er), Hamburg(er), Frankfurt(er) etc.. Hart- mann, Seligmann, Friedemann sind Beispiele für Übersetzungen aus dem Hebräi- 89 Korb, Korff, Stief(f)el 90 Stern, Schnee 91 Herbst, Hornung = Februar, Freitag 92 Weihrauch, Teuf(f)el 93 Schilling, Pfund 94 Armmann, Reich, Nothaft 95 Tanz(er), Quenzer = Kartenspieler 96 Stiefvater, Trautvetter = lieber Vaterbruder 97 Vo(i)gt Fürst, Herzog, Papst 98 Zwölfter 99 Neidnagel 100 Heinrich Kopf 101 z.B. Köln 1142 Richol der Slefere (der Schläfer) → 1178/83 Richolfus Slefere 102 Typ: der lange Heinrich 103 z.B. in München 1390 swarcz Hennsl = 1390 Hennsl swarcz, im Altenburgisvhen 1465 Langemertin = 1487 Merten Lange 104 im Altenburgischen 1557 Simon Clein = 1560 Simon Kleiner; Aus dem Adjektiv lang haben sich die Famili- ennamen Lang, Lange, Langen, Langer entwickelt
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schen. Daneben gab es Berufsnamen: Bauer, Sänge, Jäger etc. , Übernamen: Alt, Groß, Redlich etc. , Ableitungen aus deutschen oder hebräischen Rufnamen: Marx, Mendel, Meier, Hirsch, Wolf etc.. Häusernamen waren vor allem im Frankfurter Raum im Gebrauch: Rothschild, Schwarzschild, Nußbaum etc. 106 . In den östlichen Gebie- ten In Westgalizien im alten Österreich/ Ungarn wurden einigen Juden Sogenannte Ekel- oder Spottnamen zugewiesen. Allerdings wurden diese Vorkommnisse zu Un- recht verallgemeinert und dadurch ein Teil der Legende und auch der jüdischen Selbstironie.
5.Schluss
6. Bibliographie
- Agricola, Erhard; Fleischer, Wolfgang; Protze, Helmut: Die deutsche Sprache. Leipzig 1970. Bd.2
- Koß, Gerhard: Namensforschung. Eine Einführung in die Onomastik. Tübingen 1990.
- Kunze, Konrad: dtv- Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. München 1998.
- Naumann, Horst: Das große Buch der Familiennamen. Alter , Herkunft, Bedeu- tung.
21 z.B. in Basel 1287 Joseph Kaltwasser = 1293 Joseph Judeus dictus Kaltwazsir. Zit nach Die deutsche Sprache.
22 Die Nachkommen eines Männle Barachach nannten sich nach ihren Häusern Drach, Lindwurm, Knoblauch .
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Arbeit zitieren:
Cornelia Willberg, 2000, Familiennamen, München, GRIN Verlag GmbH
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